Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Grüne Gans - München

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Grüne Gans - München

    Wertes Forum,

    wo sind wir da bloß hingeraten!?

    In einen Münchner "Klassiker" - die Grüne Gans, ein winziges Souterrain-Lokal im Glockenbach!

    Man wird nicht viel Worte zu den Hintergründen verlieren müssen - in der Grünen Gans speiste schon Prominenz von der "Qualität" eines Dieter Thomas Heck gerne - als man ihn noch ins Fernsehen lies!

    Wir sind jung und waren neugierig! Und waren tief in uns sehr, sehr angetan!

    ****************************************

    Bereits beim Betreten fing der Abend an, besonders zu sein. Ein Boutiquen-Restaurant der ersten Wahl, klein und herrlich skuril eingerichtet. Wir finden keinen Kitsch! Hier ist die Zeit angenehmen stehen geblieben.

    Wir werden von "Dieter" (großartiges, hangeschriebenes Namensschild auf seiner 80ies Weste) distinguiert begrüßt. Er meistert den Service alleine. Viele Worte sind nicht seine Sache. Schnelligkeit auch nicht, was der Stimmung indes sehr zuträglich ist.

    Was wir sonst nicht so sehr schätzen - Musik im Restaurant: hier ist sie großartig - wir saßen mit FranK Sinatra, Rod Stewart und Gitte Henning am Tisch. Keiner schrie!

    Von den 20 Plätzen sind lediglich sechs besetzt. Der Champagner (Hausmarke, kommt im Glas!) gefällt. Wir lassen unsere Blicke schweifen! Dann kommt die Karte.

    ****************************************

    Inge Stollbergs Klassiker: Keine Aufreger, aber allesamt Glücksspender.

    Amuse, Brot und Butter - nicht der Rede wert!

    Herrlich die tief saftig gebratenen Wachtelbrüstchen auf (leicht scharfem) Linsensalat. Unnötige Balsamico-Glace! Wir erwarteten jedem Moment Evelyn Opela!

    Herausragend das Lammkarree mit Kartoffelterrine und provencalischem Gemüse. Produkt, Handwerk und Aromen von allererster Güte. Ein Grund, wiederzukommen!

    Mehr erwartet hätten wir uns von einer Orangentarte, die allerdings von einem fulminant gespickten Nusseis begleitet wurde.

    Zu trinken gab es einen Burgunder aus den 1978ern. Ich bin an dieser Stelle ehrlich: wir wussten nicht, ob das Sinn macht. Herr Dieter war auch nicht wirklich in der Lage, hier für Klarheit zu sorgen. Also bestellten wir die Flasche und tranken sie. Für uns ein Vergnügen.

    Die Verabschiedung von Frau Stollwerk und Herr Dieter mit kurzem, sehr angenehmen Plausch.

    ****************************************

    Das 3-Gang Menue zu EUR 48,00;
    der Burgunder zu EUR 80,00;
    das Glas Champagner zu je EUR 13,00;
    das Wasser zu EUR 6,00 pro Flassche,
    der sehr ordentliche Espresso zu je EUR 2,50.

    ****************************************

    Wir kommen wieder - das Kalbskotelette am Nachbartisch lässt dies als zwingend erscheinen.

    KG
    Besseresser
    Zuletzt geändert von besseresser; 22.11.2010, 12:42.

  • #2
    Danke für diesen amüsanten Einblick. Die Grüne Gans am Einlass ist sicher ein Fall für's kulinarische Memoriam, kochte Madame doch schon zu Zeiten Witzigmanns und des jüngst wiedergängerisch tätigen Otto Kochs für die sog. "Münchner Gesellschaft". Nach der Schließung von Kay's Bistro und dem Niedergang von Roy und Austernkeller neben Boettner's das wohl letzte seiner Art.

    Für alle, die sich von Stuttgart oder - wie einst Heinrich Haffenloher - Tauberbischofsheim auf den Weg ins Münchner Souterrain machen wollen, sei ergänzt, dass man an Festtagen "Trüffel(öl)-Kaviar" serviert und Herr Dieter nach über 30 Jahren immer noch mit dem Hausherrn "per Sie" ist.
    Zuletzt geändert von malbouffe; 22.11.2010, 14:03.

    Kommentar


    • #3
      Prolog
      „Grüne Gans, Grüne Gans“, raunte es jüngst im Freundeskreis, „trübtauber Geheimtipp am Musenginst.“ *Da* müsse man vielleicht doch mal hin! Wir also los, zumal bis vor wenigen Wochen das Haus ja jährlich 14 GM-Punkte schmückten…

      Exposition
      Das Gesträuch wird in diesem Fall durch eine türkise Tür ersetzt, deren Knauf-Mechanismus (nicht ziehen, nicht drücken – drehen!) man erstmal kapieren muss. Hinter ihr schlägt die überheizte Luft des Kellerlokals erbarmungslos zu, Vorsicht, es geht gleich noch ein paar Stufen runter! Der kleine Gastraum selbst eine Art Münchner Elaine’s: Schokobraune Partykellertäfelung bis zur Nightclub-roten Decke, vorwiegend bedeckt mit signierten Bildern von Holiday-on-Ice-Stars der frühen Achtziger (wir sitzen etwas beengt unter dem jugendlichen „Dodo“ Kier). Über uns jauchzt irgendwo Judy Garland „Somewhere over the Rainbow“, als sei man dreißig Jahre früher und drei Häuser weiter bei Kay Wörsching oder Roy Dubovy, neben uns die Nachfolgerin der verstorbenen Serviceseele „Herr Dieter“, deren betulicher Tonfall den anderen Gästen sehr zuzusagen scheint.

      Entwicklung
      Auf zur Tat mit Apéro, Wasser, Weinkarte. Letztere besteht aus zwei Seiten, eine weiß, eine rot, inhaltlich reduziert auf das Nötigste; Gespräche am Nachbartisch (Mann trägt wieder Smoking!) lassen erahnen, dass die Beratung nicht allzu umfangreich ausfallen wird. Wir bestellen 1996er Burgund (weiß) von Leroy. Wir bekommen im ersten Anlauf: 2008er Burgund (rot) von Bouchard. Nein, den wollen wir nicht, die minimal größeren (Press-)Gläser behalten wir dafür gern. Es kommt das Brot (pro Person zwei Scheiben Aufback-Ciabatta), es könnte frischer sein. Es kommt der Wein, er hätte im Nachhinein betrachtet eine Karaffe verdient. Es kommt als Amuse: Gemüsecrèmesüppchen mit Kerbel, grob passiert und stark konzentriert, mit Sahne geht man großzügig um.
      Dann das eigentliche Menü (€51), das bei jedem seiner drei Gänge vier Wahlmöglichkeiten oder à-la-carte-Bestellung erlaubt. Wir nehmen Getrüffelte Entenleberterrine mit Brioche – beides höchstwahrscheinlich zugekauft, das Portwein(?)-Gelee ordentlich, vier Kleckse Cumberlandsauce füllen die Ecken des quadratischen Tellers. Alternativ gibt‘s Marinierte Garnelen mit Papaya und Mango in Limonen-Olivenöl, die der Bestellende ob der Produktqualität und der übersäuerten Marinade später am Abend (in anderer Kulisse) noch als „Frechheit“ bezeichnen wird. Nach der Vorspeise wird – à la francaise – das Brot abgeräumt. Denken wir. Es kommt: Neues Brot (diesmal frisches Baguette) nebst Paprikabutter mit deutlichen Wartespuren. Dafür also das Brotmesser (und die Couvert-Gebühr)! Als Hauptgang alsdann Lammrücken mit Zucchinigemüse und Kartoffelgratin – das Fleisch perfekt gebraten mit solider Jus, das Gemüse knackig, das Gratin dafür mit Knoblauch, Peperoni und Limonenöl reichlich überwürzt.

      Lösung
      Die Frage nach dem Dessert wollen wir erstmal mit Verweis auf den Wein im Glas hinauszögern – und werden fortan gar nicht mehr bedient, bis wir etwa eine dreiviertel Stunde später um Espresso und Rechnung bitten. Mit der nun wieder sehr aufmerksamen Dame werden wir dafür hinsichtlich des Erwerbs einer weiteren Flasche für den Heimweg schnell handelseinig. Fröhlich verlassen wir das Lokal Richtung Oberfläche. War es ein unterhaltsamer Abend? Auf morbide Weise ja. Möchte ich ihn wiederholen? Lieber nicht.

      Kommentar


      • #4
        Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
        Wir bestellen 1996er Burgund (weiß) von Leroy.

        Mit der nun wieder sehr aufmerksamen Dame werden wir dafür hinsichtlich des Erwerbs einer weiteren Flasche für den Heimweg schnell handelseinig.
        Bitte nicht die wirklich wichtigen Dinge verheimlichen! Jahrgang? Ort? Lage? Und vor allem Preis?

        Kommentar


        • #5
          Zitat von glauer Beitrag anzeigen
          Bitte nicht die wirklich wichtigen Dinge verheimlichen! Jahrgang? Ort? Lage? Und vor allem Preis?
          1996 Bourgogne blanc, Domaine Leroy - trotz des Alters sehr lebendig. Bezahlt haben wir im Restaurant € 74.
          Zuletzt geändert von malbouffe; 04.01.2015, 19:25. Grund: Ich verkaufe ein R!

          Kommentar

          Lädt...
          X