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Lorenz Adlon Esszimmer**

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  • Lorenz Adlon Esszimmer**

    Mon dieu, was hat sich Hendrik Otto, weiterentwickelt!

    War er vor 5 Jahren im La Vision, Köln, zwar schon ein bemerkenswerter *-Koch, so fragt man sich heute im „Esszimmer“ des Adlon, was er in seiner Küche noch optimieren kann, um in den nächsten Jahren in die absolute Spitze vorzustoßen. Insofern decken sich die äußerst positiven Eindrücke von Frau wi und Herrn Steinmann mit unserem Erleben im noblen Ambiente des Adlon.

    Ebenfalls bestätigen kann ich die formidable Leistung des Serviceteams, das es sich offenbar zur besonderen Aufgabe gemacht hat, erst gar keine steife Atmosphäre aufkommen zu lassen. Schon vor dem Betreten des Restaurants in der 1. Etage wird man von Restaurantleiter Häbel und Küchenchef Otto freundlichst begrüßt und mit einladenden Worten zum Tisch geführt. Von da an beginnt eine höchst vergnügliche, kurzweilige und kulinarisch hoch spannende Reise abseits des hektischen Treibens rund um den Pariser Platz.

    Nun aber zur Küche von Hendrik Otto:

    Er kocht außerordentlich leicht und filigran, kombiniert durchaus überraschend, aber immer harmonisch und treibt einen enormen handwerklichen Aufwand, um seine Kreationen sicher auf den Punkt zu bringen. Otto komponiert eigenständige Werke, die – wenn man denn unbedingt will – Vergleiche zu Kevin Fehling vom Belle Epoque, Travemünde, erlauben, insbesondere wenn es um das Herausarbeiten von Texturen geht. Optisch ist Otto ein ähnlicher „Pointillist“ wie Sauli Kemppainen von der Quadriga in Berlin, doch liegen zwischen beiden bezüglich der Sinnhaftigkeit der aufgesetzten Punkte Welten, oder genau genommen, eine ganze Liga.

    Das Menü, das wir gegessen haben, entspricht in Teilen dem, das Frau wi schon beschrieben hat, doch gebe ich der Vollständigkeit halber mal meinen Senf dazu:

    Tatar von der Dorade/Tomatenauszug, Zitrusfrüchte, Kräuter, Zimt und Pumpernickel
    Sehr fein und filigran auf den Teller gebracht stehen bei diesem Gang die Kontraste (Zitrus und Kräuter) sowie die Texturen (Tatar und knusprige Pumpernickelbrösel) im Mittelpunkt. Dazu gereicht wird eine Sardellenpraline, die – oh, Wunder – einen markanten Reiz durch den Zimt bekam. Eine kleine Vorspeise, bei der man unendlich verweilen möchte!

    Silberlachs/Pahlbohnenfumé, Paprika, Escabechegemüse, geliertes Salzwasser und Mango
    Wie sagte Herr Steinmann so schön: „Otto kann Fisch!“ Ja, uneingeschränkt ja! Und dann spielt er mit Aromen, die zwar reizen, aber immer zu einer Lösung führen (um eine schöne Formulierung von Dollase aufzugreifen). Perfekt gegarter Lachs, leicht geräuchert schmeckender Paprika mit herzhaft gewürzter Escabeche und – Achtung! – Gewürzgurkeneis. Sensationell!

    Zander/Kalbsfuß-Lorbeerextrakt, Sauerkraut, Blutwurst, Apfel und Stockkartoffeln
    Auf einen solchen gang muss ein gebürtiger Rheinländer (linksrheinisch!) springen: Himmel un Ääd! Wenn Otto allerdings Apfel und Blutwurst nach Kölscher Art kombiniert hätte, wäre nie ein solch feiner Gang möglich gewesen. Im Fokus bleibt der Fisch, die genannten Begleiter sind als zart angedeutete Aromen vorhanden und bilden so eine wunderbare Einheit mit schlotzigen Stockkartoffeln und einem krossen Bällchen von rohem Sauerkraut.

    Kaninchen von der Vulkan-Eifel/Estragonsauce, Chorizo, Ananas, Speck und Kapern
    Was für ein gelungener Fleischgang! Kaninchenrücken gerollt, Läufchen zur Praline geformt und mit kräftigen Aromen (Chorizo!) angereichert, doch mittels Frucht gekonnt abgepuffert. Ein ganz, ganz leichter Fleischgang, der Platz für das lässt, was noch kommen soll.

    Rhabarber/Joghurteis, Sauerklee, Blaumohn und Lakritz
    Selten habe ich mich so in ein Dessert „reingesetzt“, dessen Bestandteile für sich stehen und sich in ihrer Kombination einer angemessenen Erläuterung entziehen. Muss man selber probieren. Hervorragend, wie all die Kleinigkeiten, die am Anfang und am Ende des Menüs gereicht wurden.

    Wie anfangs beschrieben, ist Hendrik Otto auf einem scheinbar unaufhaltsamen Weg nach oben. Für mich ist er neben dem hochgeschätzten Kevin Fehling der Hoffnungsträger für die nächsten Jahre!

    Was fehlt vielleicht noch zu allerhöchsten Weihen? Eventuell das noch deutlichere Herausarbeiten aller annoncierten Komponenten. Hinterher ist uns z. B. aufgefallen, dass wir die Ananas im Fleischgang gar nicht als solche bemerkt haben; das mag aber auch eine Unaufmerksamkeit von uns gewesen sein.

    Ansonsten ein Riesenkompliment an die gesamte Mannschaft. Den sympathisch-kompetenten Service habe ich ja schon erwähnt. Auch die Weinbegleitung wird von dem eloquenten Herrn Jalali perfekt in Szene gesetzt (wir haben am Nachbartisch gelauscht!), nur bei unserem Wunsch nach einem „Weißen zum Durchtrinken“ bewegte er sich nach unserem Geschmack zu sehr in ausgetretenen und obendrein zu hochpreisigen Pfaden, so dass wir bei der Auswahl selbst Hand anlegen mussten.

    Fazit: „Wer in Berlin war, ohne im Adlon zu dinieren, hat etwas verpasst – und zwar nicht nur die ausgezeichnete Küche von Hendrik Otto, sondern auch ein Stück Tradition.“ (Guide Michelin, Deutschland 2012, S. 168).

    Wenn dieser Satz nicht schon geschrieben worden wäre, ich hätte ihn gerne ähnlich formuliert.

    Beste Grüße, Merlan

  • #2
    Der Bericht mit allen Bildern wie üblich auf kuechenreise.com:
    http://kuechenreise.com/2012/09/02/l...dlon-berlin-d/

    Let me entertain you!

    "Let me welcome you ladies and gentlemen, I would like to say hello. Are you ready for some entertainment, are you ready for the show?" sang Queen Ende der 70er Jahre - "Let me entertain you!". Auch im Lorenz Adlon Esszimmer gibt es Entertainment auf hohem Niveau; auch, aber nicht nur kulinarisch.

    Modern war der Stil des Hotel Adlon bei seiner Eröffnung. Aussen elegant-klassizistische Linien, innen allerlei Annehmlichkeiten wie alle Gästezimmer mit fliessendem Wasser und Elastizität; und die öffentlichen Räume wie die grosse Lobby, der Wintergarten und oder der Musiksalon waren gleichfalls luxeriös ausgestattet.

    Klassisch wirkt das Adlon heute. Höchst konservativ die Atmosphäre beim betreten des Restaurant 'Lorenz Adlon Esszimmer'. Dunkles Holz, gedämpftes Licht. die Büste eines Kaisers auf dem Kamin. Der eine oder die andere der anwesenden Gäste geniessen das Rentenalter in kulinarischer Hinischt; - junge Rucksacktouristen haben selten das Kleingeld, um im Adlon zu residieren. Doch dann...

    ... dann begrüsst Sie der Service und heisst Sie willkommen. Unterhaltsam und unterhaltend, schlagfertig, in keinster Weise konservativ und doch immer mit Stil. Charmant und manchmal die eine oder andere an eine Doppelconférence erinnernde Wortwechsel. Gutes Essen ist pures Vergnügen - let me entertain you! Der perfekte Kontrast zur konservativen Architektur - plötzlich erwacht das Esszimmer zum Leben!

    Das Essen? Den einen oder andere 'konservativen' Klassiker gibt es noch immer; die Seezunge, die Birne Helene, im Hintergrund steht die Entenpresse. Doch lassen Sie sich davon nicht täuschen, wählen Sie doch eines der beiden Menüs. Sie werden aufregende Küche auf hohem Niveau erleben!

    Und so entschlossen wir uns, das 8-gängige Degustationsmenü zu geniessen:

    Grüsse aus der Küche

    Zu Beginn wurde uns eine Schiefertafel gebracht; fünf Miniaturen fanden sich darauf. Unter anderem eine neuzeitliche Variation von Mozarella und Tomate, ein grossartiger Gänseleber-Lolly in Schokoladehülle, Gurke, eine köstliche Tafelspitz-Sulz mit einem angenehmen Anflug von Meerrettich. Grosse Klasse!

    Zum Brot dann Butter, eine wohlschmeckende Trüffel-Majonaise (leckere Kombination z.B. zum Malzbrot) und ein Basilikum-Haferflockenquark.

    Der nächste Gruss erreichte unseren Tisch, ein gebeiztes Stück Thunfisch mit dreierlei Geschmäckern, einer feinen Wasabicreme, einem Ingwer-Limettenschaum und einer Paprikacreme; dazu Karotte und Soja. Gut, doch für unseren Geschmack zu wenig ausgewogen; die Säure/Bitterkeit des Limettenschaumes und die intensive Süsse des Paprikas liessen die anderen Elemente gar sehr in den Hintergrund treten.

    Gänseleber / Briochecreme - Halbgefrorenes, Orange, Kaffee und Polenta

    Der erste Gang ein "Knaller", doch mit der feinen Klinge: Eine wunderbare, weiche, feine Gänseleberterrine auf Kaffee-"Crumble"; dazu zwei Trüffelspähren auf Briochecreme sowie Tupfer von Orangencreme mit angenehmer leichter Bitterkeit. Wunderbar austariert und fein; das ganze noch ergänzt mit einer Art frittierten, warmen Würfel mit tollem Orangen-Tyhmiangeschmack, dazu ein auf einem Eisblock servierten Halbgefrorenen von der Gänseleber. Ein perliger Moscato mit feiner Süsse begleitete den Gang auf ungewöhnliche, doch ansprechende Art.

    Heilbutt & Langostino / Sauce Dugléré - Staudensellerie, Apfel und Koriander

    Als nächster Gang dann Heilbutt und Langostino von tadelloser Produktqualität und punktgenauer Zubereitung. Ausgezeichnet die Fischsauce mit Tomaten und Koreander; ein belebender Kontrast das Röllchen mit Staudensellerie und Apfel am Fisch. Dazu wurden Blätter von getrockneter Kartoffelsuppe gereicht. Im Glas dazu ein Riesling.

    Silberlachs / Palbohnenfumé - Paprika, Escabechegemüse, geliertes Salzwasser und Mango

    Vorzüglich der Sliberlachs in exotisch angehauchter Begleitung von Mango, Paprika mit leichter Schärfe und einem intensiven und gar vorzüglichen Gurkeneis. Begleitend dazu der wohl einzige deutsche Chenin Blanc mit leichter Restsüsse.

    Jakobsmuschel & Schweinebauch / Currysud - Banane, Fenchel, Artischocke und Maracuja

    Exotisch führt uns die Reise weiter. Wasser trifft Land, oder eine gute Jacobsmuschel (zwei Minuten weniger auf dem Weg von der Küche zum Tisch, und sie wäre noch den Tick glasiger gewesen, welcher uns so gefallen hätte) trifft einen vorzuglichen Schweinebauch. Ein Curry mit feiner Schärfe und Bananenstücke verbinden auf ungewöhnliche, doch wohlschmeckende Art und Weise. Die Artischoke blieb nicht nur am Bild im Hintergrund. Dazu gereicht ein Fenchelsalat zur "Neutralisierung" der Geschmäcker zwischendurch (ok); im Glas ein Meursault.

    Taube / Olivensauce - Zwiebel, Pistou und Knoblauch

    Die Hauptstadt-Tauben am Brandenburger Tor haben vermutlich ein interessantes Leben: Wo lässt es sich schöner Gurren als auf der Quadriga? Und beim leichtesten Anflug von Hunger stehen sofort eine Menge Touristen bereit, Brotkrummen in Geschmacksrichtung nach Wunsch in hungrige Taubenschnäbel werfend.

    Dennoch vermuten wir, dass die Taube auf unserem Teller nicht am Pariser Platz gefangen wurde. Wunderbar zubereitet wurde sie uns auf Tomate und Olive argeboten; dazu die vermeintlich "besten Zwiebelringe der Stadt" (ok) auf feinem Knoblauchpüree und rohen Champignon-Scheibchen.

    Wohlschmeckend war sie, die Taube. Dazu geniessen wir im Hintergrund das Klavierspiel in der Hotelhalle und die mystische Stimmung des anziehenden Gewitters über dem Brandenburger Tor und einen Rose Champagner aus dem Burgunder Glas.

    Geschmortes Rippenstück vom Nebraska-Rind / Gulaschsaft - Schalotten, rote Beete und Mandel

    Ansprechend das geschmorte Rippenstück, dazu ein fein aromatisierter und keinesfalls plumper Gulaschsaft. In der Mitte des Tellers ein "Gemüsegarten", vielerlei Gemüse-Minaturen, knackig und fein; auf der anderen Seite des Tellers ein Selleriepüree und Petersiliencreme. Separat dazu in kleinem Teller serviert ein ausgezeichneter angebratener Serviettenknödel auf ganz fein geschnittenen Scharlotten und einem tollen Kräutersalat - manchmal begegnet man der Genialtät dort, wo man sie gar nicht erwartet! Im Glas begleitete ansprechend ein Rioja.

    Gezupfter Ziegenkäse / gelierte Gazpacho - Tomate, Kräuter und Balsamessig

    Im Cocktail-Glas serviert dann der gerupfte Ziegenkäse mit Salat, grünen gelierten Gaspazio-Würfelchen, Oliven, oben Zwiebelringen - schöner "Käsegang"!

    Holunder & Champagnersüppchen / Basilikumeis - gefrorener Erdbeerschaum, Kondensmilch, Salat und Ayran

    Nach einem Pre-Dessert dann zum finalen und süssen Gang des Menüs: Basilikumeis, Salat, Erdbeer-"Schwämme" und mehr fanden sich da auf dem Teller.

    Dazu wurde seaprat ein Champagnersüppchen mit Holundereis gereicht; welches mit feiner Bitterkeit des Holunders punktete.

    Petit Fours

    Zum Start des Menüs grüsste die Küche mit leckeren auf einer Schiefertafel präsentierten Kleinigkeiten; und auch zum Abschluss des Menüs wurde uns wiederum eine Schiefertafel gebracht, diesmal mit süssen Kleinigkeiten; unter anderem einer Gin-Tonic-Spähre, Erdbeere, Donauwelle und einer wohlschmeckenden, salzigen Snickers-Praline. Dazu separat gereicht Berliner (in Berlin Pfannkuchen genannt) sowie wie zu Beginn wiederum Lollies.

    Unser Resümee:

    "We'll give you crazy performance
    We'll give you grounds for divorce
    We'll give you piece de resistance
    And a tour de force of course
    ...
    Let me entertain you let me entertain you
    Let me entertain you let me entertain you"


    Queen, Let me entertain you, 1978 (vom Album 'Jazz')

    Der Abend war Entertainment von ganz grosser Klasse! Das Essen war toll - 2 Sterne Küche mit Ideen und mit Ambitionen. Der Service grossartig und unterhaltsam. Kritikpunkte? Vielleicht ein Hauch weniger an konservativer Atmosphäre in den Räumlichkeiten, vielleicht eine Spur ausbalanciertere Getränkepreise würde unser Herz noch mehr erfreuen. Wir haben einen tollen Abend verbracht und wir kommen unbedingt mal wieder!

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    • #3
      Sechs Sterne in 48 Stunden – Teil III

      Gestern Abend dann also Teil III meiner Gourmet-Entdeckungsreise in Berlin. Und ich kann es vorweg nehmen, die Küche von Hendrik Otto im Lorenz Adlon hat mich regelrecht umgehauen, es war eine neue Stufe des kulinarischen Erlebnisses.

      Bis dato meinte ich noch über einen Restaurantbesuch berichten zu können ohne jeden Gang fotografieren zu müssen. Ich wurde gestern Abend eines besseren belehrt – und eigentlich hätte ich bei jedem Gang die Erläuterungen des Service dazu aufnehmen zu müssen um nachher noch wiedergeben zu können was da eigentlich alles auf dem Teller war. Die dargebotene Vielfalt von Komponenten in verschiedensten Formen, Texturen, Temperaturen etc. hat mich irgendwann einfach komplett überflutet. Overflow, das Gehirn war mit dem Aufnehmen der verschiedensten Geschmackseindrücke so beschäftigt, dass für das rationale Verarbeiten von Informationen kein Platz mehr war. Umso größer mein Respekt den Verfassern der vorstehenden Berichte, die da merklich routinierter sind

      Insbesondere die Vielfalt und Qualität der nicht auf der Karte verzeichneten Grüße, Amuses, Predesserts etc. war mehr als beeindruckend aber fanden leider nicht mehr den Weg in meine Notizen. Ich kann nur sagen, dass praktisch vom Moment des ersten Grußes aus der Küche klar war, dass hier auf einem Niveau gekocht wird (da kommt einem das Wort „kochen“ schon fast profan vor, bei dem Aufwand, der da in der Küche getrieben werden muss…), das ich bisher noch nicht erleben durfte.

      Ich liste hier einfach mal die Folge meines 6-Gänge-Erlebnisses auf, so wie es auf der mir als kleine Erinnerungsstütze mitgegebenen Karte auch gelistet ist, aber eine reine Aufzählung wird den einzelnen Koch-Kunststücken kaum gerecht. Es war die Art und Weise der Zubereitung der verschiendenen Farcen, Schäume, Espumas, Gelees, und was noch alles mehr, das alles zusammen zu einem Gaumenfeuerwerk zusammenfand (bitte fragen Sie mich bei Interesse zu Details der einzelnen Gänge, alles jetzt abzurufen schaffe ich in der mir für den Bericht zur Verfügung stehenden Zeit einfach nicht):

      - Gänseleber / Briochecreme (Orangenschale, Kaffee, Zwetschge, Trüffel und Polenta)

      - Langostino & Calamaretti / Sauce Dugléré (Staudensellerie, Apfel und Koriander)

      - Silberlachs / Zwiebel-Selleriefumé (Braune Butter, Kräutersalat, getrocknete Champignons und Kohlrabi)

      - Geschmortes Rippenstück vom Nebraska-Rind / Gulaschsaft (Ofenkartoffel, Mais und Barbecue)

      - Rücken und Bauch vom Salzwiesenlamm / Estragonsauce (Eingelegte Perlzwiebeln, Aubergine, Ayran, Maracuja und Curry)

      - Schokolade / Exotik / Kokoseis (scharfer Friese, Canache, Tee und gefrorener Kräuterschnee)

      Allenthalben kamen dann noch besondere „Gimmicks“ wie zum Beispiel hauchdünne Chips von getrockneter Kartoffelsuppe hinzu ober beim Lamm lag noch eine Scheibe Schinken obenauf, die nur wenige Nanometer dick und somit praktisch transparent war. Completely mind-blowing experience

      Und das Alles im Adlon, der Ikone deutscher Hauptstadt-Hotellerie. Wobei da meine Kritik ansetzt. Das Esszimmer bietet einen tollen Blick auf das Brandenburger Tor, aber es ist eben auch relativ klein, durch die Ausstattung macht es fast einen beengenden Eindruck, in einer Ecke dieses Grand Hotels geradezu versteckt. In diesem klassisch-edlen Ambiente erwartet man überhaupt nicht solch ein innovatives Gourmet-Feuerwerk wie Herr Otto es dann abbrennt. Denn welche Signale sendet ein Service aus, der in graue Strickjacken gekleidet ist – für mich der Inbegriff der betulichen Bürgerlichkeit. Diese Küche hätte irgendwie einen anderen Auftritt verdient, mehr Raum, mehr Drive auch in der, ja, ich nenne es mal Außendarstellung. Denn welch Pulsieren, welch besonderes Flair in diesem Hotel steckt spürt man ja durchaus wenn man die Lobby betritt. Die Treppe rauf im kleinen Gourmet-Tempel ist davon dann leider nichts mehr übrig. Da harmonierte dann auch anfangs nicht alles im Service, der Wein wurde zum Probieren z.B. erst gebracht als auch der erste Gang schon auf dem Tisch stand, nur als ein kleines Beispiel – nicht weiter tragisch, aber wenn man noch die Gänseleber auf dem Gaumen schmeckt, kann man dem trockenen Grauburgunder, der durch das gesamte Menü begleiten sollte nicht wirklich gerecht werden. Das wurde im Laufe des Abends eingespielter, außerdem hat das Essen alles andere dann sowieso Ausblenden lassen, die Teller-Kreationen forderten maximale Konzentration.

      Fazit: Außergewöhnliche Küche, der ich mein bisher beeindruckendstes Gourmet-Erlebnis verdanke, im nicht ganz so stimmigen Ambiente – aber das ist natürlich Geschmackssache. Die insgesamt 230.- € (davon 130.- das Menü) waren absolut angemessen. Der Menü-Preis ist mit dem Facil fast vergleichbar, das Weinangebot allerdings teurer (und in der Breite hochwertiger). Den Bemerkungen von Merlan und Küchenreise zur Weinauswahl und -beratung sowie Preisgestaltung kann ich mich absolut anschließen.

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      • #4
        Vielen Dank. dass Sie uns so umfangreich an Ihrer Reise haben teilnehmen lassen, schön, dass Sie so ein tolles Esserlebnis hatten und gleichzeitig kritische Randaspekte nicht übersehen.

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        • #5
          Gern geschehen - es macht einfach Spaß in dieser Form über das Erlebte zu reflektieren und sich dabei mit anderen Gleichgesinnten über verschiedene Aspekte unserer Leidenschaft auszutauschen.

          KG, Jörn

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          • #6
            Eine bessere Begründung, warum es sich für die vielen stillen Mitleser lohnen könnte, hier im Forum aktiv zu werden, wäre mir auch nicht eingefallen.:cheers:

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            • #7
              Besten Dank für diesen schönen, unmittelbaren Bericht! Durch ihn rückt das Adlon nun auf Platz drei meiner aktuellen Berliner da-muss-ich-endlich-auch-mal-hin-Liste vor. Und besten Dank auch für die mir so verpassten Neidgefühle. Denn gestern Abend habe ich zwar auch in einem Zweisterner gegessen (sechs Gänge + Löffelgang und Käse für 178,-), das Gebotene war jedoch von einem "umhauenden Erlebnis" ein hübsches Stück entfernt (Herr Hirvi wird berichten). Ihr Bericht klingt so, als würde man im Adlon nun vielleicht sogar auf den dritten Stern angreifen.

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              • #8
                Zitat von joern_ribu Beitrag anzeigen
                Und das Alles im Adlon, der Ikone deutscher Hauptstadt-Hotellerie. Wobei da meine Kritik ansetzt. Das Esszimmer bietet einen tollen Blick auf das Brandenburger Tor, aber es ist eben auch relativ klein, durch die Ausstattung macht es fast einen beengenden Eindruck, in einer Ecke dieses Grand Hotels geradezu versteckt. In diesem klassisch-edlen Ambiente erwartet man überhaupt nicht solch ein innovatives Gourmet-Feuerwerk wie Herr Otto es dann abbrennt. Denn welche Signale sendet ein Service aus, der in graue Strickjacken gekleidet ist – für mich der Inbegriff der betulichen Bürgerlichkeit. Diese Küche hätte irgendwie einen anderen Auftritt verdient, mehr Raum, mehr Drive auch in der, ja, ich nenne es mal Außendarstellung. Denn welch Pulsieren, welch besonderes Flair in diesem Hotel steckt spürt man ja durchaus wenn man die Lobby betritt. Die Treppe rauf im kleinen Gourmet-Tempel ist davon dann leider nichts mehr übrig. Da harmonierte dann auch anfangs nicht alles im Service, der Wein wurde zum Probieren z.B. erst gebracht als auch der erste Gang schon auf dem Tisch stand, nur als ein kleines Beispiel – nicht weiter tragisch, aber wenn man noch die Gänseleber auf dem Gaumen schmeckt, kann man dem trockenen Grauburgunder, der durch das gesamte Menü begleiten sollte nicht wirklich gerecht werden. Das wurde im Laufe des Abends eingespielter, außerdem hat das Essen alles andere dann sowieso Ausblenden lassen, die Teller-Kreationen forderten maximale Konzentration.
                Erst jetzt, wo Sie es schreiben, werter joern, wird mir bewusst, dass ich es genauso empfunden, aber nicht die richtigen Worte gefunden habe.
                Wunderbar auf den Punkt gebracht!

                Beste Grüße, Merlan

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                • #9
                  Besten Dank für den höchst lesenswerten Bericht! Kontrast Küche zu Räumlichkeiten erinnert mich an unseren Besuch, doch der Service - welcher damals vor Witz und allerhöchstem Unterhaltungswert gesprüht hat - scheint dann leider nicht mehr so zu agieren, schade... Doch das Essen klingt toll!

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                  • #10
                    Der Service war ja nun wahrlich nicht schlecht oder uninspiriert, da hätte ich den falschen Eindruck transportiert. Aber mit dem Essen konnte er nicht mithalten und höchter Unterhaltungswert ist für mich auch etwas Anderes als ein durchaus professionelles Auftreten des Serviceteams - und mehr war es für mein Empfinden einfach nicht. Aber so etwas ist natürlich auch sehr tagesformabhängig, auf beiden Seiten.

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                    • #11
                      Für mich ist der Service vor allem entscheidend und maßgeblich, wenn ich alleine bin; da erwarte ich einfach mehr (unterhaltsame) Konversation. Zu zweit und in der Gruppe, ist ein excellenter Service auch wichtig, hier muß dieser aber etwas anders agieren.

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                      • #12
                        Zitat von joern_ribu Beitrag anzeigen
                        Der Service war ja nun wahrlich nicht schlecht oder uninspiriert, da hätte ich den falschen Eindruck transportiert. Aber mit dem Essen konnte er nicht mithalten und höchter Unterhaltungswert ist für mich auch etwas Anderes als ein durchaus professionelles Auftreten des Serviceteams - und mehr war es für mein Empfinden einfach nicht. Aber so etwas ist natürlich auch sehr tagesformabhängig, auf beiden Seiten.
                        Das kam auch nicht so rüber, aber dies ist das erste Haus in Deutschland (so verstehe ich aber den eigenen Anspruch) und da erwarte ich im besten Restaurant einfach einen Service zum Niederknien, sowohl was die Ausstattung als auch den Auftritt betrifft.

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                        • #13
                          Zitat von schnecke Beitrag anzeigen
                          ...aber dies ist das erste Haus in Deutschland (so verstehe ich aber den eigenen Anspruch)
                          Naja, liebe Schnecke, aber z.B. im Tonbachtal und bei Ellmau gibt es auch ordentliche Unterkünfte.
                          Wobei ich persönlich den Service in der Traube als perfekt empfinde und den im Schloß Ellmau eher recht schwankend.

                          MkG, S.

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                          • #14
                            Da war es wieder, dieses Gefühl, dieser Gedanke. Kaum verlässt man das Restaurant, frägt man sich, wann kann ich wieder herkommen. Ein Perfektionismus, ein herzlicher Service, der einen willkommen heißt und einem den ganzen Abend eine absolute Wohlfühl-Atmospähre bereitet, wunderschöne Räumlichkeiten mit einem ganz außergewöhnlichen Flair und ein Menü, daß einen in den siebten Himmel schweben läßt.
                            1.Gänseleber / Pfeffercreme – Orangenschale, Kaffee, Trüffel, Mandel, Brioche und Polenta: Erster Gang und gleich ein Highlight. Mit Gänseleber und Brioche kann man mich immer glücklich machen. Aber diese fluffigen, zarten und trotzdem knusprigen Polenta-Würfelchen waren genial. Dazu noch Trüffel-Pralinen. Bereits bei diesem Gang war ich hin und weg
                            2.Langostino & Calamaretti / Sauce Buglere – Staudensellerie, Apfel und Koriander: Der Fisch auf dem Punkt, sehr saftig. Der Tintenfisch mit einer Creme gefüllt. Sehr sehr gut.
                            3.Silberlachs / Zwiebel-Selleriesud – Braune Butter, Kräutersalat, getrocknete Champignons und Kohlrabi: Wie man sich täuschen kann, als ich vorab im Internet das Menü angesehen habe, dachte ich mir, das wird sicher etwas schwächer; weit gefehlt. Der Lachs sowas von saftig und auf der Zunge zergehend, die Sauce genial.
                            4.Aal / Rauchfume – Meerrettich, Steckrübe, Rote Bete, Birne und Rettich: Der Aal nicht geräuchert, ich denke gedünstet und somit ein ganz anderes Geschmacksbild vermittelnt.
                            5.Geschmortes Rippenstück vom Nebraska-Rind / Gulaschsaft – Ofenkartoffel, Mais und Barbecue: Ein deftiges Gericht auf höchstem Niveau verfeinert.
                            6.Rehbock / Wildpfeffercreme – Karotte, Sellerie, Gurkeneis, Kamille, Holunder und Joghurt: Das Reh von super Qualität, auf den Punkt
                            7.Tomate Mozzarella – Artischocke, Zucchini und Pistou: Mit Käse macht man mich bekanntlich immer glücklich.
                            8.Schokolade / Topfenrahmeis – Leinöl, Kirsche, Krokant, Fenchel und Sauerampfer: Ein Dessert auf drei Tellern bzw. Schüsseln serviert und eines besser als das andere.

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                            • #15
                              werter schink,
                              vielen dank für ihren bericht,den ich nach meinem besuch im letzten jahr voll und ganz nachvollziehen kann ,auch wir haben das essen und das gesamte ambiente in vollen zügen genossen.
                              kg knurrhahn

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