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Lorenz Adlon Esszimmer**

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  • #46
    Schärfe spielte in unserem Menü eigentlich keine Rolle. Markant intensiv ja, z.B. beim Schweinekinn oder beim Bouillabaisse-Fumet, aber nie übertrieben und in Summe war es ein sehr abwechslungsreiches Menü. Ich fand die aromatischen Differenzierungen sehr überraschend, zumal Hendrik Otto von eher minimalistischen bis zu komplexeren Kompositionen eine große Bandbreite bediente.

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    • #47
      Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
      Schärfe spielte in unserem Menü eigentlich keine Rolle. Markant intensiv ja, z.B. beim Schweinekinn oder beim Bouillabaisse-Fumet, aber nie übertrieben und in Summe war es ein sehr abwechslungsreiches Menü. Ich fand die aromatischen Differenzierungen sehr überraschend, zumal Hendrik Otto von eher minimalistischen bis zu komplexeren Kompositionen eine große Bandbreite bediente.
      Mein Menü ist zwar schon fast 1 Jahr her aber an eine große Schärfe kann ich mich bzgl. damals auch nicht mehr erinnern. Lediglich eine Remoulade war maximal einen Ticken scharf (das aber recht angenehm).

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      • #48
        Das Lorenz Adlon Esszimmer gilt einigen seit Jahren als ein Drei-Sterne-Kandidat - ich habe das bei meinen bisherigen zwei Versuchen so nicht empfunden. Ein zu beherzter Einsatz von scharfen Elementen hat meines Erachtens den geschmacklichen Blick auf die Feinheit und Komplexität der Kreationen zu oft verstellt. Nun dachte ich mir, angesichts des Club-Abends im Horvath im vergangenen Mai wäre der Besuch des Lorenz Adlon ein schönes Kontrastprogramm. Und so besuchte ich es am Vorabend mit dem Gourmet-Freund Bookholder .
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19.jpg Ansichten: 0 Größe: 47,5 KB ID: 63900Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-4.jpg Ansichten: 0 Größe: 40,2 KB ID: 63901Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-5.jpg Ansichten: 0 Größe: 29,0 KB ID: 63902

        Makrele Gurke, Perlzwiebel, Dill steht zum Auftakt des Menüs. Neben dem in der Menübeschreibung genannten Produkte begleitet eine rote Creme mit dezenter Schärfe die Kombination. Die Schärfe ist zwar wahrnehmbar aber kombiniert sich gut mit der Frische der Gurke und dem typischen Geschmack des Dills. Der Eigengeschmack und die Textur der Makrele kommen gut zur Geltung, da es sich hier offensichtlich um etwas fetthaltigere Stücke handelt. Auch die Zwiebel ist mit ihrem typischen fein-süßlich-scharfen Geschmack gut in die Kombination eingeordnet.
        Der begleitende 2014er Silvaner Morstein vom Weingut Michel ist eine exzellente Wahl. Der Wein aus dieser warmen Paradelage für Riesling ist üppig. Da aber der Wein sortentypisch nur wenig Säure und keine allzu wuchtige Mineralik zeigt, lässt er die Aromenstruktur des Gerichts gut intakt und begleitet es zudem vorzüglich.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-8.jpg Ansichten: 0 Größe: 66,5 KB ID: 63903
        Beelitzer Spargel, Erbse, Estragon, Sauerampfer – Huch, die Optik ist dann schon überraschend. Die Creme vom Spargel führt aber dazu, dass dessen Geschmack sich voll im Mund ausbreitet. Die Erbsen sind schön knackig-frisch. Sauerampfer kann für mein Empfinden manchmal eine penetrant vegetabil-säuerliche Aromatik entwickeln, hier ist er aber doch gut eingebunden. Er übernimmt im Aromenspiel die Funktion der Säure in einer Hollandaise. Bestimmend auf meiner Sicht ist aber die Mango, die in der angelöffelten Creme eingearbeitet ist. Diese verleiht dem Gericht eine spannende Exotik. Es entwickelt sich ein bemerkenswertes Aromenspiel zwischen dem Spargelgeschmack und der Mango. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir auch schlüssig, dass keine ganzen Spargelelemente auf dem Teller sind und für den Knack und die punktuelle Frische die Erbsten zuständig sind. Ein sehr spannend gestaltetes Gericht, das Spargelpuristen vielleicht aus formalen Gründen nicht begeistern wird, aber geschmacklich top gestaltet ist.
        Der Wein dazu ist äußerst interessant: ein Faust Cuvée aus dem Jahr 2013 von Fred Niger van Herck & Guy Bossard. Der Wein ist auch in Amphoren gelagert. Durch die feine Reife sind die typischen Orange-Wine-Noten gut eingebunden. Die Kombination funktioniert vor allem mit der Exotik der Mango optimal.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-9.jpg Ansichten: 0 Größe: 34,2 KB ID: 63904
        Kabeljau Fenchel, Zitrone, Honigtomate zeigt eine feine Säurestruktur und vor allem der Fenchel kommt in diesem Gang sehr gut zur Geltung. Durch die Tomate und den Fenchel hat das Gericht einen mediterranen Touch, dem die Säure entgegen steht. Auf jeden Fall ist er gut balanciert und harmonisch.
        Der Poggio alle Gazze del’Ornellaia hat Tiefe und Frische, was den Charakter des Gerichts gut unterstreicht.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-12.jpg Ansichten: 0 Größe: 47,3 KB ID: 63905

        Norwegischer Lachs, fermentierter Orangenpfeffer, Tannenhonig, Olivenöl ist ein optisch überraschend reduziert wirkendes Gericht, das ich so aus der Küche von Hendrik Otto nicht kannte. Hervorzuheben ist die gute Qualität und Behandlung des Lachses, dessen Geschmack optimal zur Geltung kommt. Die Cremes uns weiteren Bestandteilen verbinden sich zu einer aromenintensiven Begleitung des Fisches. Diese ist kräftig, aber doch gut in die alle Geschmacksrichtungen abgestimmt. Eine konkretere Beschreibung fällt mir etwas schwer, weil dieses Gericht klar außerhalb typischer Muster spielt und das macht es so interessant.
        Zu dem Gericht passt sehr gut ein relativ frischer, recht runder Riesling von Schloss Schönborn aus der Lage Macobrunn. Die Charakteristik stützt die Aromatik des Gerichts, allein wäre er mit etwas zu langweilig.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-14.jpg Ansichten: 0 Größe: 57,3 KB ID: 63906

        Lackierter Schweinebauch, Dim Sum, Muskatblüte, Asiasud bringt dann wieder die Handschrift Hendrik Ottos hervor, die ich von früheren Besuchen kannte – eine herzhafte Schärfe, die filigrane Zutaten zu überrollen droht. Da hier aber hier aber Produkte ein kräftiges Rückgrat haben, passt auch die Schärfe sehr gut. Das Gericht hat – wie die Zutaten schon vermuten lassen – eine asiatische Anmutung, aufgrund der vielen Kräuter auch einen gewissen vegetabilen und damit frischen Einschlag.
        Der 2012 Chateau Montus ist ein ausreichend kräftiger Begleiter.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-15.jpg Ansichten: 0 Größe: 60,6 KB ID: 63907

        Omaha Beef Roscoff Zwiebel, Birnenessiggel, Petersilie ist unser Hauptgang. Die Zwiebel ist in dünnen Streifen auf das wunderbare Rindfleisch gelegt. Dadurch bekommt das Fleisch eine gewisse Zwiebelrostbraten-Charakter. Das Fleisch ist sehr fein im Geschmack und die sein Fett nimmt das Zwiebelaroma sehr schön auf. Eine wunderbar feine Übersetzung der eigentlich rustikalen Kombination. Mir gefällt auch die Mischung aus Fruchtigkeit des Birnengels und Petersilie. Diese hat eine ganz eigene Frische, die recht intensiv in den Cremes zum Fleisch dazu kommt. Dieses hat aber Kraft genug, klar die erste Geige zu spielen. Das ist sehr gut austariert.
        Dazu gibt es einen Landmann Pinot Noir vom Tuniberg. Das Weingut war mir bislang unbekannt – der Wein ist aber ein überzeugender Spätburgunder, wie er mir gefällt.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-18.jpg Ansichten: 0 Größe: 45,1 KB ID: 63908Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-19.jpg Ansichten: 0 Größe: 28,2 KB ID: 63909

        Salzkartoffel Frischkäse, Leinölemulsion, Schnittlauch bleibt für mich als „Käsegang“ relativ blass – klar, hier ist ja auch „nur“ Frischkäse im Einsatz. Aber die Komponenten sind harmonisch aufeinander abgestimmt.
        Dazu gibt es einen Dalmau Rioja.
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-22.jpg Ansichten: 0 Größe: 48,9 KB ID: 63910

        Das Predessert
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-24.jpg Ansichten: 0 Größe: 42,4 KB ID: 63911

        Rhabarber, gefrorener Joghurt, weiße Schokolade, Zitronenthymian
        ist schönes, frisches Dessert. Die Säure des Rhabarbers ist gut in die Kombination integriert. Die verbindet sich auch schön mit dem Aroma des Thymians. Der Joghurt sorgt dafür, dass die Weiße Schokolade eher dezent zu Geltung kommt und damit Frische und Süße in einem gut ausgewogenen Verhältnis wirken.
        Dazu gibt es mit der2017 Kanzemer Altenberg Auslese Versteigerung von van Othegraven hat eine gute Frische und eine dezente Süße und die saartypische Eleganz, was hier gut zum Dessert passt
        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Lorenz Adlon_05_19-27.jpg Ansichten: 0 Größe: 57,5 KB ID: 63912

        Endlich möchte ich sagen, habe ich das Lorenz Adlon Esszimmer so erlebt, wie man sich ein klassisches Haus wünscht: hochwertige Produkte handwerklich perfekt zubereitet mit durchaus an der Klassik orientierten Geschmacksbildern, die aber in jedem Gang einen gewissen Überraschungseffekt haben. Hendrik Otto setzt in diesem Menü auf prononcierte Aromen, aber es sind von Gang zu Gang unterschiedliche Geschmacksrichtungen – mal ist es Säure, mal Bitterstoffe und ja auch Schärfe. Aber es ist eben nicht nur Schärfe, wie ich es bei früheren Menüs kritisiert hatte. Und so war das Menü ein großer Genuss. Hendrik Otto verbindet hervorragendes Handwerk, Luxusprodukte und kleinen Anleihen aus den deutschen Regionalküchen zu einer feinen, modernen Interpretation von Luxusküche, wie sie in ein Hotel wie das Adlon passt.
        Der Service um Oliver Kraft versteht es sehr individuell auf die Bedürfnisse der Gäste einzugehen – formell, oder locker, sachlich oder eher unterhaltend, alles geht hier. Bei all den „vernunftorientierten“ Sternerestaurants in Berlin, die um die Aufmerksamkeit der Gourmets werben, hat das Adlon, erst recht seit der Schließung des Fischers Fritz (fast) eine Alleinstellung - je nachdem, wie man das Facil in das stilistische und atmosphärische Koordinationsystem einordnen möchte.

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Name: Lorenz Adlon_05_19-29.jpg
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Name: Lorenz Adlon_05_19-30.jpg
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        Zuletzt geändert von QWERTZ; 21.07.2019, 00:13.

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        • #49
          Leider sieht man die Bilder noch nicht zum tollen Bericht. Wäre gerade hier besonders schade!

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          • #50
            Ah ok, das ist tückisch. Es gab eine Fehlermeldung beim Posten und ich sehe die Bilder. Ich stelle sie nochmal neu ein. Danke für den Hinweis.

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            • #51
              So jetzt müsste alles sichtbar sein.

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              • #52
                Ja, ist es, vielen Dank – und dazu animierend, beim nächsten Berlin-Besuch im "Esszimmer" zu reservieren! Besonders den Spargel-Gang haben Sie eindrucksvoll beschrieben.

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                • #53
                  Danke. Der war zumindest in der Optik auch wirklich unerwartet und geschmacklich sehr überzeugend.

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                  • #54
                    Zitat von Tobler Beitrag anzeigen
                    Ja, ist es, vielen Dank – und dazu animierend, beim nächsten Berlin-Besuch im "Esszimmer" zu reservieren! Besonders den Spargel-Gang haben Sie eindrucksvoll beschrieben.
                    schöner Bericht, danke.

                    Ja, reservieren wäre gut. Nur ist der Laden so arrogant, das er auf eine Reservierungsanfrage ausserhalb des Reservierungssystems an seine Kontaktanschrift gar nicht geantwortet hat. Und bei der Erinnerung hat man es auch nicht für nötig gefunden, mir zu antworten. Egal ob man mir zu oder absagt, aber von einem Restaurant dieser Klasse muss man erwarten können, das man eine Antwort erhält.

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                    • #55
                      Das ist sicher nicht gut, aber Arroganz setzt ja Willen voraus, vielleicht ist es auch "nur" schlechtes Management bzgl. eMails. Es gibt ja zum Glück Kontaktmöglichkeiten, so etwas schnell und einfach zu klären.

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                      • #56
                        Das ist natürlich nicht schön. Leider erlebt man das immer wieder, auch mit anderen Restaurants. Es gibt sicherlich professionellere Auftritte, und in diesem Fall sollte man das allemal erwarten dürfen. Trotzdem interessehalber die Nachfrage, werter wombard: Warum wollten Sie sich nicht des vorgesehenen Reservierungssystems bedienen?

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                        • #57
                          Zitat von Tobler Beitrag anzeigen
                          Trotzdem interessehalber die Nachfrage, werter wombard: Warum wollten Sie sich nicht des vorgesehenen Reservierungssystems bedienen?
                          Weil der Termin ausserhalb des Reservierungsfensters liegt. Dann frage ich höflichst an und habe bisher immer eine Antwort erhalten.

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                          • #58
                            Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                            Das ist sicher nicht gut, aber Arroganz setzt ja Willen voraus, vielleicht ist es auch "nur" schlechtes Management bzgl. eMails. Es gibt ja zum Glück Kontaktmöglichkeiten, so etwas schnell und einfach zu klären.
                            In der heutigen Zeit habe ich aber null Verständnis für "nur"., wenn man diese Möglichkeit anbietet. Wenn man dies nicht händeln kann oder will, dann soll man es bitte bleiben lassen und ganz altmodisch eine Reservierungsanfrage telefonisch stellen lassen. Hat früher, merkwürdigerweise, funktioniert und meistens den Nebeneffekt gehabt, nett zu plaudern.

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                            • #59
                              Das stimmt. Aber vielleicht kümmern wir uns eher um die kulinarischen Aspekte.
                              Kann denn jemand meine Beobachtung, dass Schärfe nicht mehr so eine bestimmende und durchgängige Rolle spielt bestätigen? Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob das eine jüngere Entwicklung ist, oder sich der Eindruck eher zufällig durch die Menüs bei meinen Besuchen ergeben hat.

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