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Horvath**

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  • MagicPiersBB
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    Dies ist nur eine großartige Speisekarte, ich brauche dringend dieses Restaurant, danke für die Bewertung und die Fotos!

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  • Tilla
    antwortet
    Richtig, es riecht nach Rosmarin und ich finde die Idee nicht schlecht.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Ich glaube schon. Wenn ich das richtig erinnere, war das eine besseren, weil es nicht so chemisch gerochen hat.

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  • Tilla
    antwortet
    Einige Ihrer Gänge habe ich vor zwei Wochen auch genießen dürfen. Das Biskuit (um mal den in Österreich üblichen Artikel zu verwenden) fand ich deutlich am schwächsten. Gab es bei Ihrem Besuch zu Beginn auch schon eine Handdesinfektion von der Deutschen Spirituosen Manufaktur?

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  • QWERTZ
    antwortet
    Zweiter Tag des Berlin-Trips. Anfang Juni Da das Club-Treffen im Facil so nicht stattfinden konnte, sind wir mit der Rest-Gruppe ins Horvath „ausgewichen“. Dort sitzen wir an getrennten, aber nahe beieinander stehenden Tischen, so wie es die Kontaktauflagen damals zuließen, zum Glück waren gerade die Zeit-Begrenzungen in Berlin gefallen, so dass wir uns auf einen schönen Abend freuen konnten.
    Aktuell bietet das Horvath ein 7-Gang-Menü an, das auf in eine 5-Gang-Version verkürzt, oder um zwei Signature Dishes, nämlich Sellerie reif und jung oder Pilzleber & Butterstriezel ergänzt werden kann.
    Auch sind zwei Weinbegleitungen im Angebt, eine zu 10 und die andere zu 20 Euro das Glas. Ich entscheide mich für die hochwertige Variante bei reduzierter Glaszahl. Der Genuss der Weinbegleitung an dem Abend bei schwülem Wetter und hohen Temperaturen ist etwas schwierig, auch wenn die Weine gut temperiert an den Tisch kommen, wird 0,1l doch zügig sehr warm und bei feinen, komplexen und gereiften Weinen, die Janine Woltaire gekonnt ausgesucht hat, verrutschen dann die Proportionen doch sehr schnell – da wären wir sicher mit einer schönen Flasche besser gefahren. Deswegen spare ich mir auch die übliche Beschreibung, stimmig ist die Weinbegleitung aber auf jeden Fall und angesichts der ebenso interessanten Weinkarte mit dem bekannten Fokus wird man sicher einiges entdecken können.

    Das Menü beginnt mit einer schönen Scheibe eines wunderbar schmelzigen Speck vom Mangaliza-Wollschwein, leichte erwärmt zergeht es auf der Zunge. Auch das Kartoffelpüree und das Brot ingesamt ist wie immer super und deswegen sehr gefährlich bzgl. der Sättigung. Spannend sind die gebeizten und gerösteten Spargelstückchen mit einer etwas einem Granité von Sauerkraut, Zitronenmagic, der von Sebastian Frank entwickelten Creme aus den verschiedenen Bestandteilen der Zitrone, und Traubenkernöl und etwas Salzzitrone. Durch den Röstnoten werden die Bitterstoffe kräftiger und der Kontrast zur Säure größer.
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    Flüssige Erinnerung Kukuruz & Erbse Gedämpftes Weißbrot, Maränenkaviar ist der erste Gang. Etwas unorthodox wird der Mais eingebaut. In einem Glas ist er als eine Art Maiswasser auf dem Tisch. Das hat den zwar den deutlich wahrnehmbaren Geschmack des Getreides, aber mit einer etwas zurückgenommen Süße, aber trotzdem ist die Flüssigkeit relativ mundfüllend. Dazu gibt es dann ein Schälchen mit frischer Aromatik.
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    Eismeerforelle Paprikaaromen ist ebenfalls eigenwillig im Geschmack. So sind hier verschiedene Fettarten – unter anderem ausgelassene Chrorizo verarbeitet, die ein sehr attraktives Paprika-Geschmackbild etablieren. Dies wird durch frische, fast minzige Aromen gekontert, die als Gel auf dem Fisch aufliegt. Die Forelle selbst ist geflämmt. Die Raucharomen passen hier optimal vor allem zu der Paprikaschärfe. Zudem bleibt so die die Fetttextur des nur minimal gegarten Fleischs gut erhalten. Ein spannendes und attraktives Gericht.
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    Schinken und Ei Lauchflan, weißer Spargel – der Flan ist extrem präsent und äußerst fluffig. Wie eine Wolke schwebt er durch den Mund. Dadurch bekommt der Schinken nicht so viel Kraft und der Spargel wird sehr gut eingebunden. Ein schönes, harmonisch und texturell interessantes Gericht.
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    Surbackerl Würzkräutersud, Kren und Senf – kombiniert das saftige, kräftige Fleisch mit frischen und dezent Scharfen Aromen, die vor allem von gerösteter Senfsaat in der Sauce herrühren. Die Konsistenz, auch durch die krosse Kruste, erinnert ein wenig an das bissfest-cremige Konsistenz von Pulpo. Ich finde den Gang nicht so komplex, aber sehr lecker.
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    Zander Rosensaitlinge, weißer Spargel greift im Grunde das Geschmacksbild eines klassischen Spargelgerichts auf, denn die Pilze schmecken überraschenderweise wie Schinken oder Speck. Eine Ei-Butter-Sauce ersetzt die Hollandaise. Die Brösel an der Seite sind von der Petersilienwurzel, die dann etwas süßlich wirken. Ein sehr stimmiger Hauptgang.
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    Erdbeeren Wiener Garnitur, Marillenkernkreme – ein wunderbares Erdbeerdessert, für das die Beeren sind in dünne Scheiben aufgeschnitten sind. Bei der Wiener Garnitur handelt es sich um geröstetes Mehl, das mit Puderzucker vermischt ist. Dazu kommt frittierte Petersilie und das Zitronenmagic von Sebastian Frank. Die Marillenkernkreme ist mit einem Erdberkernöl zubereitet. Das Puderzuckermehl süßt dezent die ohnehin schon vollfruchtigen Beeren. Die Creme, wohl vor allem durch das Öl, erhöht die Geschmackstiefe und gibt der Kombination. Ein leichtes Dessert mit geschmacklich hoher Substanz.
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    Bester Biskuit der Welt Rhabarberemulsion, Liebstöckel besteht aus drei kleinen Würfel Biskuit ohne gebackenen Rand. Die Konsistenz ist wirklich perfekt fluffig. Dazu kommt etwas Zitronencreme, die sich wunderbar an den Teigeschmack anschmiegt. Außerdem gibt dazu noch Rhabarbercreme und eine Eisnocke mit Fichtennadeleis und Liebstöckel eine grünlich-frische Note etabliert. Ein schön frisches, aber nicht säuerliches Dessert.
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    Und zum Abschluss wie immer die Blutpraline, also eine Vanillecreme, die mit etwas Blut gefärbt wurde.
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    Mit dem Rutz und dem Horvath im wiederholten Direktvergleich möchte ich sagen, dass sich beide Küchen deutlich auseinanderentwickelt haben. Während Marco Müller mehr in Richtung Feinheit und Filigranität arbeitet, hat Sebastian Frank sich zum Meister im Umgang mit rustikalen, von Fett geprägten Kombinationen entwickelt. Dabei bedient sich Sebastian Frank einfachen und traditionellen Geschmacksbildern der österreichischen Welt und erarbeitet daraus spannende, eigenständige Gerichte. Aufgrund des prägnanten Einsatzes von Fett ist seine Küche deutlich zugänglicher geworden, als ich von meinen ersten Besuchen in Erinnerung haben -gleichzeitig sie komplex und eigenständig, so dass es ein sehr spannendes Genusserlebnis bleibt.


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  • QWERTZ
    antwortet
    Wie schon in meinem Bericht angedeutet, haben wir mit Sebastian Frank anlässlich der Veröffentlichung seines Kochbuchs ein Interview geführt. Es ist das erste, das wir auf unserer Seite als Audio online stellen. Ich wünsche viel Spaß beim Lauschen und hoffe, der Versuch findet Anklang.

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  • Tobler
    antwortet
    Tim Raue und Sebastian Frank als Zwei-Sterne-Köche sind eigentlich die perfekten Stellvertreter für die von Ihnen benannte Bandbreite in Berlin, lieber QWERTZ. Und dann gibt es ja noch derart viel dazwischen, dass man sich tagelang durch die Hauptstadt fressen könnte wie die Raupe Nimmersatt. Was für eine Entwicklung!

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  • QWERTZ
    antwortet
    Das würde ich nach drei Besuchen mit jeweils knapp zwölf Monaten Abstand schon sagen - bei Tim Raue gibt es natürlich ein verlässlich hohes Niveau, ich denke,das ist das Schöne in Berlin, dass die Bandbreite dort so groß ist.

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  • Tobler
    antwortet
    Angesichts Ihres Berichts und allein schon des "Frühstückssackerls" wegen frage ich mich gerade, ob ich im Rahmen unseres baldigen Berlin-Besuchs nicht doch lieber ein weiteres Mal im "Horváth" hätte reservieren sollen, anstatt im "Restaurant Tim Raue"... Nein, Scherz beiseite, natürlich werde ich nichts zu bereuen haben, sondern hätte meine Frau und die mitreisenden Freunde besser mal dazu überredet, bei Sebastian Frank ebenfalls Station zu machen. Unser letzter Besuch bei ihm ist mir bis heute in eindrücklicher Erinnerung (s.o.) – und offensichtlich hat sich das Niveau sogar noch gesteigert.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath1.jpg Ansichten: 0 Größe: 43,8 KB ID: 63413
    Bislang war ich nur im Hochsommer im Horvath und kannte die Küche als leicht und reduziert und das Menü erreicht gerade eben die Sättigungsgrenze, sodass man auch beim Brot gut zugreifen konnte. Nun, zu einer anderen Jahreszeit, sollte sich ein Restaurant mit der Stilrichtung des Horvaths anders präsentieren – ich war also gespannt.
    Zu Beginn unseres Club-Menüs gibt es einen lauwarmen Zwiebelsud, der den Magen leicht anwärmt.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath2.jpg Ansichten: 0 Größe: 83,0 KB ID: 63414Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath3.jpg Ansichten: 0 Größe: 83,2 KB ID: 63415Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath4.jpg Ansichten: 0 Größe: 81,8 KB ID: 63416
    Der Brotkorb beeindruckt mit wunderbaren, leicht gewärmten Broten und ein Highlight ist darüber hinaus das Kartoffelpüree mit Nussbutter…
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath5.jpg Ansichten: 0 Größe: 50,0 KB ID: 63417
    Auch das Amuse Bouche überzeugt durch besten Umgang mit Kartoffelaromen. Linda Kartoffelchips |Knoblauchrahm – die Chips sind fein und leicht salzig. Kartoffelchips im besten Sinne. Die Würzung wird abgerundet mit einer feinen Knoblauchcreme. Das sollte Sebastian Frank in Tüten verkaufen….
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath8.jpg Ansichten: 0 Größe: 51,8 KB ID: 63418

    Gemüsesuppe | Gekühlte Gemüsecremesuppe | cremig reduzierte Sahne | Bucheckernöl von Franz Hartl – reduzierter geht in der Optik kaum. Das Geschmacksuniversum ist jedoch deutlich größer. Es gibt einen umfassenden Gemüsegeschmack, der durch die übrigen Komponenten verbreitert wird. Das Öl hat für mich einen dezent dunklen Nussgeschmack und fügt sich gut in das Aromenbild ein.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath10.jpg Ansichten: 0 Größe: 33,8 KB ID: 63419
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath6.jpg Ansichten: 0 Größe: 61,5 KB ID: 63426

    Pilzleber | Falsche Lebercreme von Kräuterseitlingen | Apfel Balsam Reduktion von David Gölles | Butterstriezl mit Mariellenkernölbutter – Sebastian Frank schneidet am Tisch das Butterstriezl auf, das im Grunde ein Brioche ist, vielleicht ist es einen Tick süßlicher. Die falsche Lebercreme aus Pilzen könnte von ihrer Textur und Würzung auch gut als Lebercreme aus Geflügel serviert werden – den Unterschied würde man kaum erkennen. Die Reduktion hat eine schöne Aromentiefe aus Säure und Apfelgeschmack.
    Der SYSS 2.0 - Thomas Schwarz – Kloster am Spitz, Neusiedlersee, Österreich hat wahrnehmbare Restsüße und kann die Säure der Reduktion dennoch gut aufnehmen.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath13.jpg Ansichten: 0 Größe: 61,5 KB ID: 63420Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath1.jpg Ansichten: 0 Größe: 42,3 KB ID: 63421

    Rauchfisch Leberkas | Gebackener Leberkäse mit Rauchfleisch | Geräucherte Essigzwiebel | Rauchessig und Öl – hat mir in der Zusammenstellung des Menüs nicht so gut gefallen. Denn es ist nach der Leber der zweite sehr cremige Gang hintereinander. Aber für sich genommen, schmeckt das Gericht richtig gut. Das Raucharoma des „Leberkas“ ist dezent. Die Zwiebel ist knackig und hat einen sehr intensiven Eigengeschmack, der zusammen mit dem Essig angnehm säuerlich wirkt und einen guten Kontrast zu bildet. Der Gang ist für mich komplexer als der vorherige, aber hintereinander sind sie mir zu ähnlich.
    2017 Zelen, Burja Wine Estate, Vipava Tal, Slowenien ist ein schöner Wein aus Slowenien, mit guter Sturktur, der wiedereinmal zeigt, wie interessant die Weine aus diesem Teil Europas sein können.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath15.jpg Ansichten: 0 Größe: 56,8 KB ID: 63422Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath1-2.jpg Ansichten: 0 Größe: 49,3 KB ID: 63423

    Lachsforelle Pralinee | Gegrilltes Lachsforellenfilet | Röstgemüsereduktion mit dunkler Schokolade | Haselnussanchovipaste | Salziger Rhabarberkompott ist aus meiner Sicht der herausforderndste Gang des Menüs. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber sehr interessant. Die Lachsforelle ist von ausgezeichneter Qualität. Sie ist mit der recht dickflüssigen Rötgemüsereduktion leicht übergossen, von der insgesamt recht viel auf dem Teller. Die Reduktion ist süßlich-bitter. Dazu bietet der Rhabarber, der noch leichten Biss hat, einen eigenwilligen, fruchtig-säuerlichen Kontrast. Die Haselnusspaste hat einen herben Geschmack, den ich etwas zurückhaltender dosiere, die ganze Nocke wäre mir zu kräftig. Der Gang ist auch bemerkenswert, weil er den Fisch mit sehr intensiven Aromen kombiniert, er aber trotzdem eine gute Präsenz hat. Man muss das Gericht nicht mögen, aber auch dann wird man nicht in Abrede stellen können, dass hier sehr viel Gedankenarbeiten drinsteckt, die eigenwillig ist und doch irgendwie auch aufgeht.
    Seitens des Weins wird es einen Tick konventioneller als zum Einstieg: 2016 Dernauer Spätburgunder, Julia Bertram, Ahr, Deutschland. Ich kenne die Spätburgunder von Julia Bertram durch eine Vergleichsprobe mit Weinen ihres Partners Benedikt Baltes. Mit der feinen Säure und Kühle passte er gut zu den süßlichen Bitterstoffen der Sauce und der Säure des Rhabarbers. Der Wein ist sehr gut ausgesucht und auch solo schön.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath18.jpg Ansichten: 0 Größe: 58,2 KB ID: 63424Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath2.jpg Ansichten: 0 Größe: 38,3 KB ID: 63425

    Sellerie & Kürbiskernöl | Gebackener Sellerie | Sellerie in Leindotteröl | Kürbiskernöl-Vanille-Paste | Sellerie-Apfelsauce – das Gericht besteht aus Stückchen vom Sellerie mit dem typischen weichen Biss von gedämpften Sellerie und dünn gehobelten Streifen, die eher knackig sind. Das Öl und die Saucen geben dem Gericht einen süßlichen Charakter mit dezenten frischen und bitteren Akzenten. Ein sehr außergewöhnliches Gericht. Einerseits wirkt es reduziert, andererseits ist es aromatisch durchaus ausladend.
    2015 Späte Gumpoldskirchener Himmelfahrt, Jutta Ambrositsch, Thermenregion, Österreich passt gut zu dem Gericht, hat sich bei mir aber nicht so im Gedächtnis festgesetzt, dass ich mich noch genauer daran erinnern könnte (ich muss aber auch zugeben, dass ich in der Mitte des Menüs etwas müde fühlte).
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath19.jpg Ansichten: 0 Größe: 65,5 KB ID: 63427Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath3.jpg Ansichten: 0 Größe: 32,1 KB ID: 63428

    Frühstückssackerl | Geröstet: Kürbiskerne, Leinsaat, Mohn, Sesam, Sonnenblumenkerne | Butter-Frischkäsecreme | Geräucherte Essigzwiebeln | Schweinebratensaft sieht sehr simpel aus, zeigt aber eine umfassende Breite an röstigen Geschmäckern von Kernen und somit eine angenehme Nussigkeit, dies sich mit der Creme und der leichten scharfen Säure der Zwiebeln sehr gut verbindet
    Dazu gibt es 2016 Welschriesling Saybritz, Weninger, Mittelburgenland, Österreich, der ebenfalls leicht „röstig“ wirkende Noten hat und somit eine interessante Verbindung zu den Speisen hat.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath22.jpg Ansichten: 0 Größe: 67,0 KB ID: 63429Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath4.jpg Ansichten: 0 Größe: 42,3 KB ID: 63430

    Juvenilferkel | Kurzgebratene Milchferkelkeule | Reduzierter Essig-Ferkelsud mit gerösteter Sellereisaat| Geeiste Marmelade von Pusztasalat besteht aus einem schönen, gut mit Sauce glasierten und damit entsprechend saftigem Stück Schweinefleisch. Der spannende Kontrast ergibt sich mit dem Eis. Das ist ziemlich scharf. Allerdings baut sich die diese eher säuerliche Schärfe langsam im Mund auf und bestimmt vor allem den Abgang des Gerichts. Sehr spannend und markant.
    Dazu gibt es einen recht interessanten Riesling: 2002-12 Riesling, Budimir, West Morava, Serbien – der Wein hat eine sherryartige Anmutung und Aromenstruktur.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath24.jpg Ansichten: 0 Größe: 60,6 KB ID: 63431Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath5.jpg Ansichten: 0 Größe: 40,9 KB ID: 63432

    „Brandenburger Spargel“ | Gebeizter und gegrillter weißer Spargel | Gepökeltes Kaninchen mit Zitrone | Gerösteter Bärlauch | Geröstete Senfsaat | Schinken-Butterschaum ist ein recht üppiger Spargelgang. Ich hätte es nicht gedacht, aber ich muss hier die Waffen strecken (gut, ich hatte einen Lunch im Facil, aber dass ich Horvath Probleme mit der Menge der Speisen bekomme, ich mir noch nie passiert). Auf dem Teller sind gut gegarte, relativ dünne Spargelstangen. Diese sind von einer feinen säuerlichen, auch durch kleine Stückchen Zitronenschale bestimmten Saucen umhüllt. Das gibt eine angenehme Frische ist das Gericht. Außerdem erhält wiederum der Butterschaum die Wirkung, die deutlich an Hollandaise erinnert. Das gepökelte Kaninchen ist für sich schon ziemlich salzig. In dem Gesamtspiel wirkt es wie gekochter Schinken (vielleicht wäre es in kleineren Stücken oder dünneren Scheiben noch effektvoller). Ein toller Spargelgang – einerseits ist er dem klassischen Spargel, Schinken, Hollandaise ähnlich, zeigt aber doch Kontraste, die die gelernte Harmonie (wieder) spannend machen.

    2017 Weissburgunder 500, Von Winning, Pfalz, Deutschland kommt gerade aus der Jahrgangsprobe des Weinguts, ist aber schon recht trinkreif. Nach meiner Erfahrung können Weißburgunder im Holz aus der Pfalz oft wie Burgunder wirken, meist mehr als ein Chardonnay aus Deutschland, weil sie meist die Mineralik und das Holz besser zeigen. Das gilt auch für diesen Wein, er lässt Burgund-Assoziationen aufkommen.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Horvath26.jpg Ansichten: 0 Größe: 68,1 KB ID: 63433Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Wein Horvath6.jpg Ansichten: 0 Größe: 42,1 KB ID: 63434

    Gebratene Karotte | Punsch Sorbet mit Essig und Gewürzen | Essens von Quittenauszug | Geröstete Kartoffelsaat | Früchteteebutter ist ein spannendes Dessert. Die Aromen setzen sich so zusammen, dass es wie ein in den Proportionen verschobener Aprikosen-Dessert wirkt. Die Säure und einige Aromen erinnern an Marzipan. Sehr interessant und auch lecker.
    Dazu gibt es 2015 Cidronautes, Kliment, Böhmen, Tschechien
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    Kümmelbaiser | Cremiger Baiser mit Kümmel | Geröstetes Schwarzbrot | Sauerrahmeis nach Johanna Maier | Waldmeisteressig Molke entwickelt präsenten, aber keine strengen Kümmelgeschmack, der vor allem dank des Eises sehr wolkig wirkt. Dazu kommt ein feiner Säure-Kick durch die Molke.
    Dazu passt der 2001 Trockenbeerenauslese, Roland Velich, Neusiedlersee, Österreich
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    Zum Schluss gibt es die übliche Blutpraline.
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    Ich finde dieses Menü wirkt deutlich üppiger und molliger als ich es von den Besuchen des Horvaths im Hochsommer gewohnt bin. Ob es jahreszeitlich bedingt ist, oder Sebastian Frank im Moment generell stärker in diese Richtung arbeitet, vermag ich nicht zu sagen.
    Sebastian Frank zeigt, mal wieder, was man mit vergleichbar einfachen Produkten, wie Zwiebeln, Sellerie und Röstgemüse so alles machen kann. Der Grad der Befassungstiefe damit erzeugt äußert eigenständige, spannende Gerichte. Dabei ist erkennbar, dass die Kreationen nicht am Reißbrett geplant sind. Selbst der schon intellektuell wirkende Saibling erscheint mir nicht verkopft. „Ich koche aus dem Bauch heraus“, sagt mir Sebastian Frank am nächsten Tag in einem Interview zu seinem neuen Kochbuch, das wir in Kürze auf dem Portal veröffentlichen werden. Und das merkt man den Kreationen auch an. Alexander Seiser, einst Sommelier im Rutz und dem reinstoff und mittlerweile im Bandol-sur-Mer anzutreffen, hat bei Facebook das neue Kochbuch mit „einer von elf“ kommentiert. Eine Einschätzung, die ich nach diesem Menü teile. Denn ich kann nach drei Besuchen im Abstand von fast drei Jahren eine gute Entwicklung feststellen, die sich ziemlich an die Grenze von zwei zu drei Sternen heranarbeitet. Die Gerichte sind deutlich präziser geworden. Das hat sie für mich sogar weniger verkopft gemacht, sie haben an Klarheit gewonnen und wirken noch natürlicher. Was die Eigentständigkeit bzw. Unverwechselbarkeit angeht, ist das Horvath für mich ohnehin schon „einer von elf“ in Deutschland.
    Die neue Sommelière Janine Woltaire hat die Weine sympathisch und prägnanten Worten präsentiert. Der Fokus der Weinkarte und damit auch der Weinauswahl ist bekanntermaßen Österreich und die Länder der ehemaligen k.u.k-Monarchie. Die ausgewählten Weine sind nicht nur interessant und spannend, sie ergänzen die Küche sehr gut.
    Alles in allem ist das Horvath für mich sicher eine der spannendsten Gourmet-Adressen zurzeit in Deutschland.






    Zuletzt geändert von QWERTZ; 22.07.2019, 22:32.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Janine Woltaire ist neue Sommelière und Restaurantleiterin im Horvàth:
    Janine Woltaire ist die Nachfolgerin von Jakob Petritsch als Restaurantleiterin und Sommelière

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  • QWERTZ
    antwortet
    Lieber El Grande, hier in Hamburg habe ich es noch nirgendwo gesehen. Die Qualität eines Bresse- oder Odefrey-Huhns hatte das Fleisch nicht. Da wäre sicher mehr möglich gewesen, aber inadäquat fand ich es auch nicht.

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  • El Grande Gourmet
    antwortet
    Werter QWERTZ, auch von mir vielen Dank für den (mal wieder...) sehr ansprechenden Bericht!

    Aus westfälischer Sicht finde ich es aber recht erstaunlich, dass sie sich relativ ausführlich über das Ihnen vorher anscheinend unbekannte "Kikok-Hähnchen" auslassen, das sich in Westfalen schon seit Jahren auf dem Markt durchgesetzt hat und hier ziemlich bekannt ist. Es wird sogar bei dem "Rewe meines Vertrauens" gleich um die Ecke an der Frischfleischtheke angeboten und hat seitdem den Ruf des Besonderen für mich persönlich ein wenig eingebüßt, zumal ich zu Weihnachten ein Hühnerfrikassee aus einem Kikok-Hähnchen zubereitet habe und die Fleischqualität nicht besonders überragend fand. Qualitativ insgesamt durchaus über dem Durchschnitt, aber mit Bressegeflügel in der Tat kaum vergleichbar (auch preislich zum Glück nicht...) und deswegen für mich nicht unbedingt ein Fleischhauptgang, den ich jetzt unbedingt in einem Zweisterner mit großer Begeisterung zur Kenntnis nehmen würde...

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  • Tobler
    antwortet
    Wenn ich's endlich mal schaffen würde, an einem solchen Treffen teilzunehmen... Ihnen aber viel Spaß beim erneuten "Horváth"-Besuch!

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  • QWERTZ
    antwortet
    Ja, das sehe ich auch so. Ich freue mich schon auf Anfang Mai, wenn das Horvath Ziel des Gourmet-Clubs ist.

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