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  • #31
    Gleichfalls besten Dank für den Bericht! Und klingt generell nach einer spannenden Gourmet-Tour - mit Vorfreude erwarte ich auch die noch folgenden Berichte

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    • #32
      Zunächst einmal ein Danke für den feinen Bericht. Interessant, dass Ihr Fazit nicht so weit von meinem aus dem Jahr 2010 entfernt ist:

      Zitat von joern_ribu Beitrag anzeigen
      Ich kann mir noch nicht anmaßen zu beurteilen, ob diese Leistung für mehr als ein Stern reichen könnte. Ausreißer nach unten gab es zumindest für meinen Geschmack keine, auch der Service zeigte sich bestens aufgelegt.
      Zitat von merlan Beitrag anzeigen
      Kempf kocht auf sicherem Sterneniveau mit einigen „Ausreißern“ nach oben. Er sollte sich aber nach fast acht Jahren im Facil entscheiden, ob ihm das Erreichte genügt, oder ob er mehr will. Will er mehr, dann müssen die „Ausreißer“ Standard werden!
      Wie dem auch sei, das Facil ist zweifellos eine lohnende Adresse in Berlin.

      Beste Grüße, Merlan

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      • #33
        Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
        Gleichfalls besten Dank für den Bericht! Und klingt generell nach einer spannenden Gourmet-Tour - mit Vorfreude erwarte ich auch die noch folgenden Berichte
        Die kommen auf alle Fälle. Der Besuch im Adlon-Esszimmer (mein erster Zwei-Sterner) war einfach grandios, da brauche ich noch etwas Abstand um das für einen Bericht angemessen aufarbeiten zu können.

        @merlan: Ich habe schon das Gefühl, nachdem ich noch bei Kleeberg und bei Otto war, dass Kempff schon eher nach den zwei Sternen schielt, das wird ja auch schon in Menü-Aufbau und Preisgestaltung deutlich (die acht Gänge im Esszimmer sind z.B. nur unwesentlich teurer als im Facil, 160.- gegenüber 152.- €). Allerdings ist da schon noch eine deutlich spürbare Stufe in der Küchenleistung dazwischen. Kempf scheint mir da aber (wieder? immer noch?) auf dem richtigen Wg zu sein, ob es ausreicht sollten Andere beurteilen, die noch mehr Erfahrung in den höheren Sterne-Regionen mitbringen.

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        • #34
          Kempff auf dem Weg zum zweiten Stern? Da muss ich Widerspruch anmelden.
          Bei unseren Besuch im April 2012 hatte ich ehr das Gefühl, dass er um seinen Stern bangen muss.
          Calvados

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          • #35
            Werter Calvados,

            Ihre Skepsis ist ja in Ihrem Bericht aus dem letzten Jahr klar deutlich geworden - unter anderem deshalb war ich auch sehr gespannt wie sich Kempf ein Jahr später präsentiert. Und da bin ich mir nach meinem Besuch ziemlich sicher, dass er um seinen Stern gewiss nicht bangen muss - wenn(!) er und das gesamte Team eine Leistung wie am Montag beständig abrufen kann. Vielleicht haben Sie ja die Chance das auch nochmal selber zu überprüfen, Ihre Meinung würde mich interessieren.

            Auch wenn ich ihn zum Beispiel mit den Sterne-Leistungen in von mir in den letzten Monaten besuchten Restaurants vergleiche, braucht sich Kempf ganz sicher nicht zu verstecken - im Gegenteil, er war da für mich eher der Kreativste und Modernste. Und das bei sehr guter Produktqualität. Die von Ihnen und anderen beschriebenen Formschwankungen konnte ich zum Glück nicht wahrnehmen.

            Beste Grüße

            joern_ribu

            PS: Es sei noch angemerkt, dass bis auf den Kabeljau wohl keines der von Ihnen letztes Jahr gewählten Gerichte noch auf der aktuellen Karte zu finden ist. Das sieht für mich schon nach einer grundlegenderen Neujustierung in der Küche aus.
            Zuletzt geändert von joern_ribu; 18.04.2013, 10:40.

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            • #36
              Ich hätte Kempf ebenfalls näher an zwei Sternen als am Verlust des einen Sterns gewähnt. Vielleicht wollen Sie sich mal ein Update gönnen, werter calvados*!?

              KG

              Tobler

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              • #37
                Werter Tobler
                ich bin im Monat Juli wieder in Berlin, dann werde ich mir, wenn möglich Tim Raue gönnen. Es ist ja schön, dass wir zu unterschiedlichen Ergebnissen bei unseren besuchen kommen. Ich denke da auch an Margeaux mit den unterschiedlichen Bewertungen von Küchenreise und mir.
                Calvados

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                • #38
                  Das Facil geht in dieser Woche bis Ende August in eine verlängerte Sommerpause. Das Mandala-Hotel muss umfassend renoviert werden, es "müffelt" dort, sagte der Hotel-Chef...http://www.morgenpost.de/berlin-aktu...-einlegen.html

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                  • #39
                    Vor ein paar Wochen habe ich die Gelegenheit gehabt, bei Herrn Kempf zu essen. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe eine Küche auf enormen technischen Niveau erlebt, hängen geblieben ist dennoch nicht jedes Detail, und mitgeschrieben habe ich ebenfalls nicht. Daher bewusst keine Menübeschreibung, sondern nur ein knappes Erinnerungsprotokoll:

                    Der Ersteindruck war sehr gut: Kaum eine Kritik in Netz und Print kommt ja ohne die Beschreibung des weltstädtischen Ambientes aus, auch Fotos findet man zuhauf, und ja, das Facil ist schön; auch wenn der Zeitgeist inzwischen andere Töne anschlägt und Louis faux zurück in die Asservatenkammer des Hoteldesigns verbannt hat - man fühlt sich immer noch in der kulinarischen Vertretung einer Weltstadt (das wird München - sorry, Herr Käfer!, wohl nie lernen), kann dem plätschernden Amphorenbrunnen lauschen und wird mit ein paar sehr schönen Süß-Sauer-Salzig-Miniaturen auf dünnem Knäcke gegrüßt.

                    Dazu würde der Service gern noch einen Aperitif loswerden, nein, eine eigene Karte habe man nicht. Vielleicht aber eine persönliche Empfehlung? Die Dame stockt, dann aber läuft ihr ein breites Lächeln übers Gesicht: "Also den Rieslingsekt verkaufen(!) wir immer gern!" Ähnlich die Weinberatung: Wo der GM das große Angebot an halben Flaschen völlig zurecht lobt, kommt vom Sommelier die Aussage: "Ach, das ist doch ein blödes Format, nehmen Sie doch lieber die Weinbegleitung...." Nun also, wozu sich wundern? Imho wäre zum Beispiel die Gänseleber mit Salmiak und Petersilienwurzel zu nennen, ein Block wirklich herausragender Foie gras, eine Haribo-Schnecke aus Süßholz-Gelee, ein paar Schnitzer Petersilienwurzel und Kerbelcrèmetupfer. Ein begeisternder Gang, klar in der Komposition, strukturiert im Aufbau und weit entfernt von vielen süßen Spielereien des *-Bereichs. ebenso die stilistisch an Michael Hoffmann erinnernde Kombi Rosenkohl, Anisblatt und eingelegerte Zwetschge , bei der bittere Kohlblätter, Süße und die ätherische Pastis-Note für Spannung sorgen. Beim Hauptgang aus Poltinger Lammrücken mit Radicchio, Pastinake und Currysud fand ich das fast heuähnliche Arrangement aus Streifen der Gemüse-Bestandteile weit spannender als das - sehr gute - Fleisch selbst. Sagt man dieses auf Nachfrage des Services, hat dieser allerdings nur sinngemäß mitzuteilen: "Ja, ist doch schön, wenn auch mal die Beilage überzeugt."

                    Kurzum, und das vielleicht als Kommentar zur jüngsten Diskussion über zweiten Stern: Die Küche arbeitet in meinen Augen auf sehr hohem Niveau - für mich vergleichbar etwa mit Steffen Mezger im Münchner Atelier. Bei Köchen wie André Köthe, Denis Feix oder Michael Hoffmann sehe ich im Gesamteindruck eines Menüs allerdings einen eindeutigeren Konzeptrahmen, das Erlebnis dort war für mich runder, der Service deutlich "gastgewandter".
                    Zuletzt geändert von malbouffe; 11.11.2013, 23:40.

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                    • #40
                      Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
                      zum Beispiel die Gänseleber mit Salmiak und Petersilienwurzel zu nennen, ein Block wirklich herausragender Foie gras, eine Haribo-Schnecke aus Süßholz-Gelee, ein paar Schnitzer Petersilienwurzel und Kerbelcrèmetupfer. Ein begeisternder Gang, klar in der Komposition, strukturiert im Aufbau und weit entfernt von vielen süßen Spielereien des *-Bereichs
                      Hört sich klasse an, vor allem der süße Zusammenklang mit der erdigen Note. :hungry:

                      Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
                      Bei Köchen wie André Köthe, Denis Feix oder Michael Hoffmann sehe ich im Gesamteindruck eines Menüs allerdings einen eindeutigeren Konzeptrahmen, das Erlebnis dort war für mich runder, der Service deutlich "gastgewandter".
                      Die Personaldecke im Service scheint gerade besonders dünn zu sein, jedenfalls überall, wo ich im Spitzenbereich neues Personal sehe, spielt dieses eine Liga unter dem alten. Zufall oder gibt es da ein ernstes Nachwuchsproblem?

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                      • #41
                        Der Bericht mit allen Bildern auf kuechenreise.com:
                        http://kuechenreise.com/2014/03/23/r...acil-berlin-d/


                        Der Kurzbericht zu unserem Dinner:

                        Bei unserem Besuch haben wir das 8-gängige Menü (kann auch mit weniger Gängen gewählt werden) sowie die Weinbegleitung geordert.

                        Nach einigen kleinen Grüssen starteten wir mit Jacobsmuscheln mit Bayrisch Kraut, Koriander und Curry Mumbai - ein durchaus ansprechender Einstieg.

                        Darauf folgte Flussbarsch: Die Hautseite noch mit Schuppen in heissem Fett angebraten (ähnlich wie beim "Chiemsee-König" im Restaurant Überfahrt), das ergab auf einem Teller eine luftige, wabenartige Struktur; am anderen Teller jedoch leider ein eher hartes Gebilde. Hervorragend dazu war jedenfalls die Beurre Blanc, welche auch den begleitenden Grünkohl schön einband.

                        Nach einem vegetarischen Gang - Roscoff-Zwiebel mit Kokos und Zitronegras - folgte dann ein hervorragender Saum vom Heilbutt (oben angegrillt, unten noch fast Roh) mit Sauce Meuniere und Schwarzwurzeln.

                        Die Fleischgänge: Die Schulter vom Uckenmärker Rind war geschmacklich intensiv und mit roter Bete kombiniert, spannender war jedoch die Kombination vom Herz vom Linumer Kalb (Herz hat immer einen einzigartigen und spannenden Geschmack) mit Bratapfel und Rotkohl.

                        Nach dem Greyezer mit Quitte, Laugenbrioche und Rosmarin (für uns waren das zu grosse, recht cremige Käsestücke, welche im Mund den anderen Komponenten die Chance nahmen, zu brillieren) folgte dann aus der Patisserie eine tolle Kombination von wilder Feige, Kaffee Arabica und Banyuls-Eis.


                        Unser Resümee:

                        Das Facil hat das vergangene stark abgeschlossen: Der 2. Michelin-Stern und die 9. Gusto-Pfanne sind eine hervorragende Bilanz!

                        Unsere Erwartungen waren entsprechend hoch gesetzt. Wir haben eine Produkt-orientierte, manchmal gar puristische Küche erlebt, welche überflüssigen Schnick-Schnack vermeidet.

                        Die Ideen hinter den Gerichten zeugen von Kreativität, die Produktqualität war hoch. Doch die Umsetzung hatte für uns Höhen und Tiefen: Manches harmonisch und sehr gut, manches vom Zusammenspiel der Komponenten für uns nicht richtig ausgewogen oder (wie die Schuppen beim Flussbarsch auf einem Teller) mit technischen Mängeln.

                        So hat uns im Quervergleich etwa das Berliner First Floor vor einigen Monaten mehr überzeugt.

                        Mag sein, dass an diesem Abend nicht alles so rund, so perfekt gelaufen ist. Wir verweisen darauf, dass wir auch immer wieder lobende Worte über das Restaurant hören. Und auf den Bericht des auch hier im Forum aktiven Jürgen3D, welcher - so scheint uns - fast (doch nicht ganz) zeitgleich das identische Menü genossen hat und ein positiveres Resümee zieht.

                        Die unaufgeregte Art der Weinberatung, die sonnore Stimme von Sommelier Felix Voges und die gewählte Weinbegleitung haben uns gefallen.

                        Das Ambiente des Restaurant Facil ist modern und hell, die Räume sind komplett verglast - eine schöne städtische Oase. Wenn es sich ergibt, werden wir hier gerne wieder mal einkehren.


                        Unser Menü:

                        - Grüsse aus der Küche
                        - Jakobsmuschel: Bayrisch Kraut, Koriander und Curry Mumbai
                        - Flussbarsch: Grünkohl und Beurre Blanc
                        - Roscoff-Zwiebel: Kokos und Zitronengras
                        - Saum vom Heilbutt: Sauce Meuniere und Schwarzwurzel
                        - Schulter vom Uckenmärker Rind: Douglasie und Rote Bete
                        - Herz vom Linumer Kalb: Bratapfel, Rotkohlsaft und Wacholder
                        - Greyerzer: Quitte, Rosmarin und Laugenbrioche
                        - Wilde Feige: Kaffee Arabica und Banyuls
                        - Petit Fours

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                        • #42
                          Werter Küchenreise,

                          vielen Dank für Ihre Eindrücke des Menüs, da haben wir uns wohl knapp verpasst.

                          Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
                          Die angebratenen Zwiebelringe harmonierten grundsätzlich wunderbar, manche davon waren jedoch auf der recht festen Seite.
                          Das hatte mich auch erst irritiert, ich meine das waren teilweise Röllchen aus gehobelter Kokosnuss.

                          Gruß
                          Jürgen

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                          • #43
                            Das wäre eine interessante Erklärung, danke für den Hinweis! Und Ihre Fuji X-E2 (wenn ich mich richtig erinnere) macht auch bei den nicht grandiosen Lichtbedingungen im Facil tolle Bilder, übrigens...

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                            • #44
                              Nach langer Abstinenz mal wieder ein kleiner Bericht meinerseits, wenn auch leider ein eher zwiespältiger.
                              Unser erstes langes Wochenende ohne Kind führte uns in die Hauptstadt der kulinarischen Vielfalt. Drei Tage Berlin. Dreimal Abendessen, aber wohin? Nach Studium diverser Stadtführer, Foren und Bestenlisten entschieden wir uns für‘s Baba Angora am ersten Abend (leckeres türkisches Essen in Charlottenburg) und dem Prater am zweiten Abend (anständige deutsche Küche in Prenzlauer Berg). Für den letzten Abend sollte es etwas Besonderes sein. Da uns das Reinstoff zu experimentell und Raue zu puristisch erschien, wählten wir den Mittelweg und gingen ins Facil. Da fällt mir spontan ein Film von Alexander Kluge ein: „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“.
                              Ok, wir waren weder in Gefahr, noch in größter Not, aber ... eins nach dem anderen.

                              Das Facil befindet sich im Hotel Mandala, das von außen eher einem Multiplexkino gleicht. Tritt man von der lauten Potsdamer Straße ein, wird man gebeten, den Aufzug zu betreten und in den fünften Stock zu fahren. Dort wird man von einem asiatisch anmutenden Entree in das Restaurant geleitet, das sich in einer Art begrüntem Innenhof befindet, den man durch große Fenster bestaunen kann. Leider waren die Schiebetüren trotz des lauschigen Abends zum Hof geschlossen, aber wir saßen dennoch sehr schön und bequem, das Ambiente war angenehm, die Abstände zwischen den Tischen gebührend.

                              Der Service agierte professionell, die Abläufe waren perfekt aufeinander abgestimmt, das Wasser wurde immer im richtigen Moment nachgeschenkt, allein an Herzlichkeit hat es ein wenig gemangelt. Ich gehöre nicht zu denen, die viel Ansprache brauchen, aber das eine oder andere „war‘s recht?“ oder „haben die Grüße schon mal gefallen?“ höre ich dann doch mal ganz gerne. Auch der Sommelier, der seine Sache sehr gut gemacht hat (seine Weinempfehlung war ausgezeichnet), fiel nicht unbedingt durch Freundlichkeit auf. Aber das sind eher Marginalien, wichtiger ist das, weshalb man ja eigentlich da ist. Geschmackserlebnisse auf hohem Niveau. Dachte ich zumindest....

                              Aber schon die ersten Grüße aus der Küche waren eher gut gemeint als gut gemacht. Halbgetrocknete Tomaten und Champignonstückchen auf drei winzigen Crackern waren geschmacklich nicht gerade überraschend. Wir taten uns am hervorragenden Brot gütlich und hofften darauf, daß die folgenden vier Gänge das wahre Potenzial des Herrn Kempf zeigen würden.

                              Der erste Gang Königskrabbe, Gurke, Verveine und Avocado kam lauwarm bis kalt an den Tisch und ich bin mir nicht sicher, ob das so sein sollte. Geschmacklich hätte ich auf jeden Fall eine warme Variante bevorzugt, da die Aromen der einzelnen Komponenten im Mund nicht so recht aufgehen wollten. Weder die leicht geflämmte Avocado, noch die Gurke konnten dem feinen Aroma der Krabbe etwas Interessantes hinzufügen. Der eingedickte Soßenspiegel verlieh dem Ganzen ein wenig Schärfe, ansonsten ein eher geschmacksarmes Gericht.

                              Mein zweiter Gang war Eisbein von Bauer Beuthes Wollschwein, Bohnen und Trappistenbier. Diesmal deutlich wärmer auf dem Teller, punktete das Gericht durch Authentizität. Im Grunde genommen nichts anderes als Eisbein mit Biersoße, und so hat es eben auch geschmeckt. Ok, es war belgisches Bier und das Schwein war auch ein Besonderes, aber geschmacklich kaum anders, als in jedem besseren bayrischen Gasthaus. Durchaus lecker, gerade auch wegen der Senfsaat in der Soße, aber Zwei-Sterne-Niveau?
                              Der zweite Gang meiner Frau hingegen war genau so, was ich es in einem Restaurant dieses Niveaus erwarte. Ein Gericht, das durch herausragende Produktqualität und einfallsreiches Aromenspiel zu einem außergewöhnlichen und unvergesslichen Geschmackserlebnis wird. Das war der Schwarze Seehecht mit Radieschen und Estragon auf jeden Fall - und ich habe mich extrem geärgert, daß ich stattdessen das Wollschwein bestellt hatte.

                              Der Hauptgang war dann allerdings wieder eine eher gemischte Angelegenheit. Rücken vom Poltinger Reh, Kohlrabi, Cassis und Sauce Rouennaise. Das Reh ganz ausgezeichnet auf dem Punkt, kräftig gewürzt und zart, auch im Zusammenspiel mit dem Kohlrabi lecker, aber was meiner Meinung nach überhaupt nicht passte, war das Quinoa, das mit seinem eher matten Geschmack keine zwingende Verbindung mit dem Reh einging. Übertönt wurde das alles noch von einer säurelastigen Soße, die auf der Zunge eher unangenehm auffiel.

                              Als Abschluss gab es das obligatorische Schokoladendessert. Kirsche, Pistazie und Xocopili-Schokolade. Durchaus filigran gearbeitet, z.B. mit einer falschen Kirsche aus schokoladenummanteltem Kirschgelee, aber hier ging es mir wie immer bei Schokoladendesserts - es schmeckt nach Schokolade, was ja an sich nichts Schlechtes ist, aber es fehlt mir ein bißchen die Leichtigkeit, die Feinheit, die so ein süßer Abschluss auch haben kann und haben sollte. Aber das ist, wie so vieles, Geschmackssache. Meine Frau z.B. konnte von dem Dessert gar nicht genug bekommen

                              Nach noch mehr Schokolade im süßen Gruß aus der Patisserie ging der Abend mit einem koffeinfreien Espresso zu Ende.
                              Alles in allem ein eher durchwachsener Abend, von dem ich mir mehr erhofft hatte. Tatsächlich habe ich so manches Lokal mit einem Stern schon zufriedener verlassen.

                              Liebe Grüße, spumante.

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                              • #45
                                Werter Herr Spumante,

                                danke für den interessanten Bericht. Wer hat denn gesagt, das Reinstoff wäre experimentell? Für mich waren das immer geniale Kombinationen mit sehr hoher Kochkunst erstellt! Na vielleicht das nächste Mal...
                                Herr Sternentor

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