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Facil**

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  • #61
    Ein neu eingeführter Feiertag in Berlin (an dem das Facil interessanterweise offen hat nachdem es wochenends stets zu ist) war nach mehreren Jahren endlich mal eine Gelegenheit hier hinzukommen. Wenn ich das so sagen darf, ein Restaurant der ganz großen Töne ist das Facil nicht unbedingt - bei Berlin denke ich meist zuerst an Tim Raue, Horvath, Nobelhart & Schmutzig, Ernst oder das Adlon Esszimmer, aber das Mittagsmenü mit einem Gang für €23, zwei Gänge für €42 und ab 4 Gängen dann €19 für jeden weiteren Gang macht das Restaurant sehr zugänglich. Bei meinem Besuch ist es fast voll besetzt und einige Tische machen in der Tat auch "nur" 2-3 Gänge bevor sie gehen - bei mir hingegen sollen es dann vor Ort doch 6 Gänge sein. Ein 2015 Schlangenpfiff Weißburgunder GG von Weingut Münzberg bereitet den Aperitif (vorbildlich, die Weine stehen voll ausgeschrieben auf der späteren Rechnung :-)).

    Zum hier erwähnten Sommelier: Das ich nach dem Aperitif seinen nächsten Weißwein, trotz Entschuldigung, als etwas "lasch" bezeichne kam nicht gut an. "Ist ja kein Wunder, wenn Sie mit einem Großen Gewächs starten" aber wie schon bsteinmann oben sagte er fügt sich nichtsdestotrotz den Gästewünschen und kam mir im späteren Verlauf als sehr charmant rüber. Wie so manch anderer Berliner auch eben in der Tat meinungsstark.

    Als Amuse wird ein Curry mit Brokkoli und Mozzarella serviert - schon auf den ersten Löffeln macht sich ein Indiz großer Küche bemerkbar, nämlich ein tiefgründiger, variierter Geschmack. Nicht denkwürdig aber eine gelungene Einstimmung.



    Sehr begeistern kann ich mich hier für Brot und Butter und einer himmlischen Frischkäse-Creme auf Basis roter Beete (links). Die ist so schnell aufgegessen, dass ich sie nochmal nachbestelle. Sonst ist rote Beete nicht mein Faible, aber hier passt alles.



    Den ersten Gang habe ich nicht mehr ganz im Kopf und auch auf dem aktuellen Menü findet sich kein Hinweis mehr, insofern möchte ich nicht zu viel falsches preisgeben - im Kern ging es um Tomate auf Burrata, ein sehr gelungener und süffiger Start (* bis **).



    Nicht viel erwartet habe ich mir vom Folgegang, ISLÄNDISCHER LACHS - GRÜNE LINSEN UND RETTICH, dafür ist Lachs meist zu "gewöhnlich". Dieser Gang hat mich regelrecht von den Socken gehauen - der Lachs ist in einer Barbeque-Sauce lackiert und glasig, perfekt gegart. Dazu passt eine hervorragende Hollandaise und die Akzente vom kühlen, bissfesten Rettich und der Biss der Linsen fügt sich perfekt ein. Aber der Star dieses Gangs ist der Lachs, absolut hervorragend (** bis ***).



    Interessant klang der Folgegang, SHABU-SHABU VOM WAGYU-RIND, serviert mit Kaviar (ich meine von der Forelle), Minze und einem angegossenen Consommé. Die Abschnitte oben sind von der Zunge und zart im Geschmack, darunter (versteckt) verbergen sich bissfeste längere Abschnitte von der Zunge. Mit der Umami-lastigen Consommé, der Frische von der Minze und der Salzigkeit des Kaviars verbinden sich alle Elemente. So einen klaren Fleischgeschmack habe ich lange nicht mehr probiert und die Consommé wische ich bis auf den letzten Tropfen aus. Toll! (** bis ***)

    Spätestens hier wird mir auch klar, dass das Lunch auf eher zugängliche Muster setzt - es gibt nahezu immer eine Umami-lastige-Komponente, gerne in angegossener Form bzw. Consommé oder beim Lachs durch die Lackierung und die Hollandaise. Das ist natürlich etwas weniger anspruchsvoll aber für mich verständlich bei einem Mittagessen wo viele nur 2-3 Gänge nehmen offen zu spielen.



    Sehr gelungen ist auch der zweite Hauptgang, NACKEN VOM WOLLSCHWEIN mit Chicorée und Rhabarber. Dazu angegossen wird eine intensive Rotweinsauce. Das ist klassisch und sehr gelungen, ich empfinde die intensive Sauce lediglich als etwas repetitiv zum Vorgang und als einen Ticken zu intensiv, aber das ist wahrscheinlich meiner Menüfolge geschuldet. (**)



    Nach dieser Tour de Force kommen die Desserts, bei denen man übrigens aus den Desserts der Abendkarte wählen kann. Was folgt ist für mich eine Reihe der stärksten Desserts die ich auf deutschem Boden bislang probiert habe. Patissier Thomas Yoshida ist für mich seitdem ein Ausnahmetalent was klassische Dessertgeschmäcker und Kreativität betrifft.

    Den Auftakt macht die WOLKE MIT PASSIONSFRUCHT, LITSCHI, KOKOS UND BAHIBE SCHOKOLADE. Unter den Kugeln weißer Schokolade verbergen sich wie in einer Trüffelpralinen-Auswahl stets eine andere Dessertüberraschung, sei es ein Shortbread, eine Schokoladenfüllung, eine Fruchtfüllung, usw. usf. A part wird ein Passionsfrucht-Eis mit knusprigen Schokoladenperlen serviert - was sich mit der Fruchtigkeit und Kühle einfügt aber vielleicht gar nicht notwendig ist. Ein lebendig gewordener Desserttraum (***)!



    An dieses Bild habe ich in den Folgewochen noch oft gedacht :-)



    Ich habe vorab noch ein zweites Dessert bestellt was etwas optimistisch war aber für SAUERKIRSCHE MIT SCHOKOLADE, YUZU UND PECANNUSS ist doch noch Platz. Ein klassisches Kirsch-Schokoladen-Dessert mit einem tollen Kirscheis oben drauf. Die goldene Kirsche ist mit einem köstlichen Kirschwasser gefüllt (**). Treffsicher empfiehlt Herr Voges dazu einen 2010 Rüdesheimer Berg Rottland (Riesling Auslese) von Weingut Dr. Nägler.



    Ein Espresso für €5 mit Petit Fours und einer weiteren Nocke von dem cremigen, hervorragenden Kirscheis beenden dieses denkwürdige Mittagessen.



    Das war für mich ein tolles Mittagessen mit zugänglichen Geschmacksbildern und tollen Produkten (Wagyu-Rind, Lachs). Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass die beiden Hauptgänge und die beiden Desserts etwas repetitiv im Geschmack waren aber das liegt wohl auch daran, dass die Mittagskarte nicht auf eine Bestellung mehrerer Hauptgänge und Desserts abzielt. Ich werde definitiv noch einmal wiederkommen.

    Mit den 6 Gängen (€114), 5 Gläsern Wein (€58 wenn ich mich nicht verzählt habe), einem Espresso (€5) und einer Flasche Wasser (€9,50) lande ich bei €186,50.

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    • #62
      Danke für den Bericht. In war kürzlich auch dort, wir hatten zum Lunch aus dem Abendmenü gewählt. Das Menü war sehr gut gelungen. Ich möchte dem Bericht nicht vorgreifen, aber es kann noch etwas dauern bis ich ihn einstellen werde. Der Stapel der unbearbeiteten Berichte ist leider etwas hoch geworden in den vergangenen Wochen...

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      • #63
        Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
        Danke für den Bericht. In war kürzlich auch dort, wir hatten zum Lunch aus dem Abendmenü gewählt. Das Menü war sehr gut gelungen. Ich möchte dem Bericht nicht vorgreifen, aber es kann noch etwas dauern bis ich ihn einstellen werde. Der Stapel der unbearbeiteten Berichte ist leider etwas hoch geworden in den vergangenen Wochen...
        Das hatte ich auch eine Weile überlegt aber mich angesichts des Preis-Leistungs-Verhältnisses im Lunchmenü hierfür entschieden und die Gänge im Lunchmenü hatten mich auch mehr angesprochen.

        Mich würde noch interessieren, ob Sie mit dem Abendmenü auch das Gefühl hatten dass dies besonders eingängige, zugängliche und ggf. repetitive Geschmacksbilder hatten? Ich könnte mir vorstellen, dass dies mit dem "großen Menü" anders ist.

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        • #64
          Eingängig und zugänglich ja, repetitiv nicht. Das Menü war harmonisch auf einem hohen komplexen Niveau, also keineswegs gefällig.

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          • #65
            Danke für den Bericht, lieber Frab. Es sieht so aus, als hätten meine Frau und ich vor drei Jahren einfach Pech gehabt (weshalb ich sie so schnell dort wohl nicht mehr hinkriege). Am Können des Michael Kempf gibt es ja eigentlich keinerlei Zweifel. Und offenbar konnten Sie auch noch Herrn Voges' Charme für sich entdecken.

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            • #66
              Wenn einem in Berlin nicht der Sinn nach verkopfter oder reduzierter Hipster-Küche steht, dann gibt es Gott sei Dank auch noch ein paar verlässliche feine Adressen, die edles Ambiente mit herausragender Küchenleistung verbinden. Eine solch verlässliche Adresse ist zweifellos das Facil am Potsdamer Platz. Wir waren schon ewig nicht mehr dort, weil es in Berlin immer etwas anderes Spannendes auszuprobieren galt. Vor fast zehn Jahren schrieb ich in diesem Forum: Eine empfehlenswerte Adresse in Berlin. Kempf kocht auf sicherem Sterneniveau mit einigen „Ausreißern“ nach oben. Er sollte sich aber nach fast acht Jahren im Facil entscheiden, ob ihm das Erreichte genügt, oder ob er mehr will. Will er mehr, dann müssen die „Ausreißer“ Standard werden!“ Er hat sich bekanntlich in die letztere Richtung entwickelt und hält seit 2013 den zweiten Stern. Zu Recht und durchgängig bei allen von uns probierten Gängen.

              Unser Menü:

              Saibling, Chawanmushi, Kaviar

              ------------------------------------------


              Blackmore Wagyu Rostbeef
              Ceviche-Aromen, Tomaten-Marmelade und Baharat

              Rochen „Grenobler Art“
              Petersilie Kapern und Zitrone

              Langoustino
              Brokkoli, Alge und Earl-Grey-Tee

              Brust der Etouffe-Taube
              Mangold, Brombeer-Esig und Bockshornklee

              Java
              Mango, Paranuss, Kräuter und Schokolade


              Die Gerichte von Kempf sind harmonisch durchkomponiert, also ohne Ecken und Kanten und am durchschnittlichen Wohlgeschmack orientiert. Die gefundenen Geschmacksbilder sind dabei aber durchaus eigenständig, häufig mit überraschenden „Kicks“, die gerne aus der Fülle der möglichen Zitrusaromen entstammen. So adelt Kempf den zum Roastbeef angegossenen Rinderfond mit Cevice-Aromen, die ihm eine wunderbare Leichtigkeit und Frische verleihen, ohne jedoch ins „Fischige“ abzugleiten. Unter die hauchdünn geschnittenen Scheiben vom Roastbeef „versteckt“ Kempf auch noch kleine Würfelchen von der gekochten Rinderzunge, was dem Gericht noch einmal einen anderen Biss gibt. Sehr schön!

              Ähnlich überraschend auch der angegossene Earl-Grey-Tee zum Langoustino. Hier besticht die herbe Note des Tees zur perfekt angerichteten Melange aus Brokkoli und Alge.

              Unbedingt zu erwähnen ist auch der Hauptgang, da Kempf der Taubenbrust zweierlei „Getreidiges“ beifügt, das auf den ersten Blick etwas trocken wirkt, sich dann aber doch als ideale Textur zum Übrigen erweist.

              Beim Dessert wurden wir ein bisschen an die Kompositionen von Christian Hümbs erinnert, der als einer der Ersten das Kräutrige zum süßen Dessert hoffähig gemacht hat. Dies funktioniert auch hier prächtig mit einem Eis aus dreierlei Kräutern mit Mango und Schokolade.

              Auch der Service hat uns sehr gut gefallen. Engagierte junge Leute neben dem „schon immer dagewesenen“ Sommelier Herrn Voges, der völlig unprätentiös agiert und zu allem, worauf man ihn anspricht, klar seine Meinung sagt. Wir empfanden das trotz anderslautender Bekundungen hier im Forum als absolut in Ordnung. Herr Voges redet seinen Gästen zweifellos nicht nach dem Mund, aber das kann man auch als Charakterstärke werten und nicht als bloß „meinungsstark“ abtun.

              Fazit:

              Das Facil ist eine feste Größe in der Berliner Spitzen-Gastronomie und bietet ein willkommenes feines Kontrastprogramm zu den „jungen Wilden“ in der Szene, die immer auch etwas angestrengt Missionarisches haben. Das ist Michael Kempf absolut fremd, da es ihm ausschließlich um „casual fine dining“ im besten Sinne des Wortes geht, und das ist ohne wenn und aber zwei Sterne wert.

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              • #67
                Vielen Dank für den Bericht, werter merlan. Das "Facil" gewinnt wieder an Kredit bei mir.

                Auch der Service hat uns sehr gut gefallen. Engagierte junge Leute neben dem „schon immer dagewesenen“ Sommelier Herrn Voges, der völlig unprätentiös agiert und zu allem, worauf man ihn anspricht, klar seine Meinung sagt. Wir empfanden das trotz anderslautender Bekundungen hier im Forum als absolut in Ordnung. Herr Voges redet seinen Gästen zweifellos nicht nach dem Mund, aber das kann man auch als Charakterstärke werten und nicht als bloß „meinungsstark“ abtun.

                Der Begriff "meinungsstark" in Bezug auf Herrn Voges stammte ja von mir und ist natürlich eine Art augenzwinkernder Euphemismus. Er sollte beschrieben, dass dieser Sommelier einerseits sehr klare und zweifellos kompetente Vorstellungen von der Weinauswahl hat – und das ist sicherlich nicht von Nachteil –, andererseits aber nicht so sehr darauf aus ist, dies auch mit dem Gast abzustimmen, wenn er nicht ausdrücklich darum gebeten wird. Just diese entspannte Fähigkeit bzw. Flexibilität würde ich mir von einem sehr guten Service aber schon wünschen. Wir haben genau das erst kürzlich auf wunderbare Weise am Beispiel des Berliner Kollegen Herrn Macionga erlebt, der offenkundig eine Freude daran hatte, den gewohnten Weg zu verlassen und sich auf Grund bestimmter Vorlieben und Abneigungen – er hatte ursprünglich gleich drei Süßweine zu den Gängen vorgesehen – etwas Neues auszudenken. Man kann so was ja auch sportlich nehmen.

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                • #68
                  Vielen Dank für den Bericht, werter merlan. Das "Facil" gewinnt wieder an Kredit bei mir.


                  Zitat von merlan Beitrag anzeigen

                  Auch der Service hat uns sehr gut gefallen. Engagierte junge Leute neben dem „schon immer dagewesenen“ Sommelier Herrn Voges, der völlig unprätentiös agiert und zu allem, worauf man ihn anspricht, klar seine Meinung sagt. Wir empfanden das trotz anderslautender Bekundungen hier im Forum als absolut in Ordnung. Herr Voges redet seinen Gästen zweifellos nicht nach dem Mund, aber das kann man auch als Charakterstärke werten und nicht als bloß „meinungsstark“ abtun.
                  Der Begriff "meinungsstark" in Bezug auf Herrn Voges stammte ja von mir und ist natürlich eine Art augenzwinkernder Euphemismus. Er sollte beschrieben, dass dieser Sommelier einerseits sehr klare und zweifellos kompetente Vorstellungen von der Weinauswahl hat – und das ist sicherlich nicht von Nachteil –, andererseits aber nicht so sehr darauf aus ist, dies auch mit dem Gast abzustimmen, wenn er nicht ausdrücklich darum gebeten wird. Just diese entspannte Fähigkeit bzw. Flexibilität würde ich mir von einem sehr guten Service aber schon wünschen.
                  Wir haben genau das erst kürzlich auf wunderbare Weise am Beispiel des Berliner Kollegen Herrn Macionga erlebt, der offenkundig eine Freude daran hatte, den gewohnten Weg zu verlassen und sich auf Grund bestimmter Vorlieben und Abneigungen – er hatte ursprünglich gleich drei Süßweine zu den Gängen vorgesehen – etwas Neues auszudenken. Man kann so was ja auch sportlich nehmen. Das Ergebnis war dann auch wirklich großartig, und so waren alle Beteiligten zufrieden.

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                  • #69
                    Lieber merlan, danke für den Bericht. Ich war Anfang Mai mit Bookholder im Facil und wir haben zum Lunch ebenfalls das Abendmenü gegessen. Wir hatten jeweils fünf Gänge aus dem Menü und uns wurde angeboten jedem von uns jeweils einen anderen Gang zu servieren. Passenderweise hatte ich keine der von Ihnen genossenen Gerichte, aber konnte so alle im Bild festhalten (außer den ersten, denn da war ein Spargelgericht im Menü).

                    Rochen
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Facil2.jpg Ansichten: 1 Größe: 60,5 KB ID: 63789
                    Langoustino
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Facil1-2.jpg Ansichten: 40 Größe: 56,8 KB ID: 63792
                    Taube
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Facil3.jpg Ansichten: 1 Größe: 58,9 KB ID: 63790

                    Dessert
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190503 Facil6.jpg Ansichten: 1 Größe: 52,4 KB ID: 63791

                    Ich haue dann mal in die Tasten und stelle alsbald meine Gänge samt Bericht hier ein...
                    Zuletzt geändert von QWERTZ; 30.06.2019, 19:21.

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                    • #70
                      Da ich für unseren Club-Abend im Horvath ein eher leichtes Dinner erwartete (Fehlschluss), dachten Bookholder und ich, es sei doch eine gute Idee, zum Lunch ins Facil zu gehen. Mein letzter Besuch liegt neuneinhalb Jahre zurück. Schade eigentlich denke, ich mir, dass es so lange gedauert hat, bis ich mal wieder den Weg in dieses Restaurant gefunden habe. Denn die Atmosphäre in dem Wintergarten inmitten der Hochhäuser des Potsdamer Platzes ist wunderschön. Aber das liegt einfach daran, dass Berlin inzwischen gastronomisch derart quirlig ist und man natürlich auch erstmal das Neue besuchen möchte. Aber inzwischen ist die Lunch-Konkurrenz in Berlin ja deutlich reduziert. Aber das Berlin hat standhaft weiter mittags und abends und von Montag bis Freitag geöffnet, sodass sich gerade mit den Schließtagen anderer Restaurants schöne Kombinationsmöglichkeiten ergeben.

                      Zum Auftakt gibt es einige Kleinigkeiten, die allesamt sehr fein gearbeitet sind.
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                      Als „großes“ Amuse wird ein Chawanmuschi serviert – eine derzeit ja unvermeidliche Zugbereitung. Diese Kombination ist doch verhältnismäßig salzig abgeschmeckt. Ob das von einem Gel, der Eicreme oder den begleitenden Produkten herrührt, kann ich nicht ganz identifizieren.
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ID: 64010

                      Wir wählen fünf Gänge aus dem Abend-Menü. Die Küche bietet uns ein Überraschungsmenü an, was dazu führt, dass Bookholder und ich jeweils unterschiedliche Gänge erhalten. Einige Bilder seiner Gänge habe ich ja schon im vorherigen Post gezeigt . Ich bitte lediglich darum, die Auster mit dem Schweinebauch in mein Menü einzubauen. Dieser Gang spricht mich aus der Karte am meisten an und erweist sich hinterher auch als mein Liebling.

                      Isländischer Lachs, Wilder Blumenkohl und Curry-Aromen eröffnet mein Menü. Der Lachs bestimmt mit einer Fleischigkeit das Gericht. Die Sauce ist leicht angedickt und hat ein fruchtiges Aroma. Dazu sind die vegetabilen Noten und der Curry etwas dezenter zu schmecken.
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ID: 64011

                      Canneloni von Ricotta und Knollensellerie, Zucchini und Taggiasca Olive – hier mit einem Pesto, vermutlich weitgehend aus Petersilie. Zwar kleidet der Ricotta den Mund ziemlich aus, aber die leichten Bitteraromen, die das Pesto verbreitet und wohl auch von der Olive, nehmen dem Gericht die Mächtigkeit. Angegossen ist ein sehr guter Fond aus Roscoff-Zwiebel, die mit einer gewissen süßlich-würzigen Note das Gericht noch interessanter macht.
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ID: 64012

                      Gillardeau-Auster und Imerpial-Kaviar, Schwäbisch-Hallischer Schweinebauch und Grüner Kardamom geht sehr gut auf. Der Schweinebauch und die Austern passen wegen ihrer aromatischen Rustikalität perfekt zusammen. Der Kardamom aus der Sauce kommt mit einer angenehmen, mittleren Intensität dazu, die gut schmeckbar, aber nicht überbordend ist. Ein paar Säureakzente sind auch noch wahrnehmbar. Obwohl sehr viel auf der Zunge passiert, ist der Kaviar in dem Gericht angenehm präsent. Eine komplexe und gut ausbalancierte Kombination.
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ID: 64013

                      Skirt Steak vom Black Angus-Rind, Linse, Reiskraut und Chinakohl ist ein sehr gelungener Hauptgang. Das Fleisch hat eine tolle, weiche Konsistenz und ist aromatisch. Interessant ist der Geschmack der fermentierten Linsen, die einen dezenten Säureeffekt haben. Dazu gibt es einen Klecks eines recht kräftig reduziertem Rinderfond. Dies sieht zunächst nach sparsamer Dosierung aus, aber, um die weiteren Aromen auch des Kohls gut zur Geltung kommen zu lassen, ist diese Menge optimal, weil das Geschmacksvolumen des Fonds nicht alles überstrahlt.
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ID: 64014

                      Wolke heißt das Dessert. In den aus leichter weißer Schoko-Creme bestehenden Kugeln befinden sich Cremes aus Mango, Litschi Kokos und Bahibe Schokoluade in verschiedenen Konsistenzen. Da immer mit der Creme nur ein Aroma präsent ist, bietet das Dessert eine Abfolge relativ klarer Geschmäcker. Optisch ist es ein Hingucker. Abe es ist eben eine Abfolge von jeweils zwei Aromen und keine komplexe Kombination.
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ID: 64016

                      Die Küche von Michael Kempf ist nicht leicht auf einen Punkt zu bringen, weil alles in gewisser Weise die goldene Mitte trifft. Die Gerichte sind komplex, aber nicht überkomplex. Sie sind harmonisch, aber es gibt auch Kontraste, sie sind fein abgestimmt, aber nicht filigran, haben Ausdruckskraft, sind aber nicht forciert. Die Kombinationen sind außergewöhnlich, aber nicht experimentell. Was dann schnell Gefahr läuft, ins gefällige Mittelmaß abzurutschen passiert hier nicht. Alles wirkt stimmig und macht Lust auf Genuss.
                      Das Facil ist einfach ein sehr schönes Restaurant, das gerade zum Lunch eine schöne Atmosphäre bietet, egal ob man aus der Mittags- oder der Abendkarte wählt.

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