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Nobelhart & Schmutzig*

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  • Nobelhart & Schmutzig*

    Zunächst vielen Dank für die freundlichen E-Mails (Sie können auch gerne eine PN senden), vor allen Dingen vielen Dank für die konstruktive Kritik zu meinen letzten Berichten.
    Gerne nehme ich dies zum Anlass ein neues Thema zu erstellen.

    Da der Bericht etwas größer als geplant geraten ist, hier nur eine verkürzte Fassung. Vollständig und bebildert, mit Hinweisen zur Entstehung des Namens, wie immer auf meiner Internetseite.

    Nobelhart & Schmutzig

    Der Gourmet von heute möchte nicht nur sehr gut speisen und aus interessanter Weinkarte Neuentdeckungen erkunden. Er ist vor allen Dingen offen für neue Konzepte und zwanglose Restaurants. Er sucht nicht weniger als das Restaurant der Zukunft, regionale und saisonale Produkte und eine gemütliche Atmosphäre.

    Berlin, auf verschiedenen Gebieten als Trendsetter geschätzt, hat auch hier einiges zu bieten. Man nehme ein Raum- und Ausstattungskonzept wie im Nobelhart & Schmutzig in der Berliner Friedrichstraße, einen talentierten und kreativen Koch wie Micha Schäfer und den Hipster unter des Sommeliers, Billy Wagner und ein neuer Hype entsteht. Auch der Guide Michelin hat mit der Vergabe eines Sternes nicht zurückstehen wollen.

    Die Ausrichtung der Küche wird als „brutal lokal“ angepriesen.
    Den Begriff „lokal“ möchte ich gerne einmal als „unbestimmten Begriff“ bezeichnen.
    Ich finde, er hat einen mehrdeutigen Inhalt dessen objektiver Sinn sich einem nicht sofort erschließt, sondern der unbedingt der Auslegung bedarf.

    Lokal bedeutet nämlich in diesem Falle nicht nur Kreuzberg oder Tempelhof sondern auch Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Polen.
    Letztlich könnte man den Begriff „lokal“ ad absurdum führen. Doch überlasse ich es jedem selbst, wie weit er diesen Begriff dehnt und auslegt. Nach meiner festen Überzeugung, arbeitet man im Nobelhart&Schmutzig mit einer durchaus engen Auslegung.

    Die kleine Küchencrew wird von Micha Schäfer angeführt, der in der Frankfurter „Villa Merton“ bereits Sternenluft geschnuppert hat.

    Ein Auszug aus dem Menü:

    Topinambur (Grete Peschken)

    Die Knolle ist gebacken, leicht karamellisiert, außen kross und innen einem Püree ähnlich. Hinzu kommt ein cremiger Joghurt und fertig ist die puristische Kreation. Eine Kleinigkeit, die uns dennoch begeistert.
    Dieser Eindruck ist übrigens nachhaltig. Das heißt, dass ich in manchen Momenten noch immer begeistert bin, in anderen Momenten aber auch ob der kleinen Portion Klage führe.

    Um dem Verdacht entgegenzutreten, dass man am Ende hungrig das Speiselokal verlässt, wird Brot und Butter gereicht. Wie in anderen Restaurants eben auch.
    Doch bei Micha Schäfer ist dies schon der dritte Gang.

    Hartweizengrieß Sironi Brot & Rohmilchbutter (Stettin / Polen),

    so steht es auf der Karte.

    Der aus Italien stammende Alfredo Sironi backt das empfehlenswerte Brot täglich in der Markthalle Neun in der Kreuzberger Eisenbahnstraße. Die Butter ist selbstgemacht.

    Müritz Forelle / Grünkohl (Müritz Fischer)

    Die Forelle ist nur leicht angegart, fast roh und butterzart. Entsafteter Grünkohl, etwas Haferkernöl und ein leicht geräuchertes Kartoffelpüree schließen die Zutaten ab.
    Ein gelungener Gang.

    Rosenkohl / Löwenzahn (Domäne Dahlem)

    Der Rosenkohl wird gebraten und mit Semmelbrösel angerichtet.
    Die geschlossenen Löwenzahnblüten wurden bereits 2013 gepflückt und eingeweckt.
    Nun wird noch ein Lammfond angegossen und ein beeindruckendes Gericht mit zarten Senfnoten lässt keine Wünsche offen.

    Damwild / Sellerie (Gut Hirschaue)

    Der Damwildbauch ist eine Premiere für mich.
    Das Fleisch wird zunächst Sous-vide gegart und danach angebraten. Dadurch wird das Fleisch außen sehr kross.
    Ein Selleriepüree, aromatisch und einfach köstlich und Endivie, nur leicht blanchiert , runden die Kreation ab.
    Die Bitterstoffe sind spürbar, jedoch nicht störend.

    FAZIT:

    Micha Schäfer ist ein Meister des Purismus. Seine Kreationen sind verstörend minimalistisch aber betörend im Geschmack.
    Wer größeren Portionen nachtrauert, mag sich mit Benjamin Franklin (1706 – 1790) trösten: „Seit der Erfindung der Kochkunst essen die Menschen doppelt soviel, wie die Natur verlangt.“
    Na also!

  • #2
    Natürlich besucht man ein Sternerestaurant der Speisen wegen. Oder besucht man ein Sternerestaurant der Getränke wegen?
    Nein, Essen. Es geht immer um Essen. Die Ausnahme der Regel bildet unser erneuter Besuch im Berliner Restaurant Nobelhart&Schmutzig.

    Anlass für unseren Besuch ist eine gemeinsame Veranstaltung des Restaurants mit der Bacchus-Vinothek – Weinhandlung Grimm – in Rottweil. Dipl. Oenologe Michael Grimm hat
    Vincenzo Abbruzzese mitgebracht, dessen große Brunelli wir heute genießen, aber auch einer kritischen Betrachtung unterziehen wollen.
    Die Weinproduktion des Hauses Abbruzzese geht bis ins Jahr 1953 zurück, als Bramante Abbruzzese damit begann, seine Vision von Sangiovese zu verwirklichen.
    1987 übernahm Vincenzo Abbruzzese Anbau und Produktion.

    Die Weine:
    2013 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
    1991 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
    2004 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
    2006 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
    2007 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
    2009 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
    2010 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana

    2009 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
    Schon die Farbe gefällt mir ausgezeichnet. Kräftiges Rubin. Die Fruchtnoten schienen mir weniger deutlich schmeckbar, etwas Kirsche, wuchtige Lakritze und satte Gerbstoffe.

    2007 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
    Das charakteristische Rubinrot ist auch hier deutlich zu erkennen. Zur Frucht kommen Zimtnoten und das gewohnte Tannin.

    2004 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
    2003 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana

    2001 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
    Ein vielschichtiger Tropfen, der letztlich die ihm zustehende Würdigung nicht mehr erfährt, da die zuvor verkosteten 11 Weine zu einem Gewöhnungseffekt geführt haben. Diese Aussage gilt für mich und ist keinesfalls allgemeinverbindlich.
    Der Wine Spectatur hat hierfür 100 Punkte vergeben.

    Das Menü:
    Aal (Müritz Fischer)
    Sellerie (Olaf Schnelle)
    Alfredo Sironi Dinkel-Sauerteigbrot und Rohmilchbutter (Erdhof Seewalde)
    Ike Jime Saibling, Dillblüten (Müritz Fischer)
    Junges Gemüse, Quark (nach Michel Bras, Laguiole)
    Erbsen, Minze, Pfifferlinge (Domäne Dahlem)
    Lamm, Bärlauch (Müritzhof)
    Kartoffel, Blutwurst (Senf)
    Kirschen, Hefe, Wacholder (Roberto Vena)
    Ei, Malz, Himbeerbrand (Frau Schlegel)
    Nussgebäck mit Berberitzen (Potsdam)

    Bei diesem Bericht habe ich bewusst das Menü von der Weinbegleitung, wenn wir dies so nennen möchten, getrennt. Die großartigen Weine aus dem Mutterland der Rebsorte Sangiovese hatten schnell die Hauptrollen besetzt. Dies war auch so zu erwarten. Eine Aussage über die Qualität des Menüs darf aus dieser Bemerkung jedoch nicht herausgelesen werden. Die stringente Ausrichtung der Küche auf Regionalität verringert selbstverständlich das Spektrum der Möglichkeiten. Aus dem Missverhältnis lässt sich jedoch kein Missverständnis konstruieren. Im Gegenteil. Es gehört viel Mut dazu, die „brutal lokale“ Küche Schäfers mit den großen Brunelli Abbruzzeses zu vereinen.
    Es war ein wunderbarer Abend, zu dem auch die angeregten Gespräche mit den Tischnachbarn beigetragen haben.
    Weitere Details und Fotos gibt es wie immer auf meinem Blog.

    PS:
    Nur für den unwahrscheinlichen Fall der Fälle: Ich möchte nicht zum Lunch bei Bau.

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    • #3
      Danke, werter bsteinmann, für den Bericht. Wurden die Weine tatsächlich zum Essen als Begleitung gereicht, oder war dies eher getrennt voneinander?

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      • #4
        Nun, es war ein etwas ungewöhnliches Verfahren, welches ich mal so beschreiben möchte:
        Sterneküche trifft auf Weinprobe.
        Das Menü nahm seinen Gang, während stets vier Weingläser vor dem Gast standen.
        Für ein geruhsames Essen etwas merkwürdig. Allerdings konnte man so die verschiedenen Jahrgänge besser beurteilen.

        Über das Restaurant konnte ich mir auch bei dem zweiten Besuch keine abschließende Meinung bilden.
        Überspitzt möchte ich es so ausdrücken: Eher schlichtes Essen trifft auf große Weine (wie in diesem Falle) oder auf interessante Weine (wie im Januar).
        Das Gesamterlebnis war erneut beeindruckend. Tolle Stimmung, nette Thekennachbarn, rundum gelungen.
        Ich bin sehr gespannt, wie andere Gäste dieses Restaurant beurteilen. Im Augenblick ist man im Forum wohl noch etwas abwartend.

        bst

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        • #5
          Ja, das ist natürlich sinnvoll, denn der Reiz so einer Weinprobe liegt ja gerade in der Vergleichsmöglichkeit der Jahrgänge.

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          • #6
            Das Nobelhart & Schmutzig ist das Restaurant des Jahres des Feinschmecker

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            • #7
              Die Feinschmeckerleute scheinen gerne an der Theke zu sitzen !

              bst

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              • #8
                Zitat von bsteinmann Beitrag anzeigen
                Die Feinschmeckerleute scheinen gerne an der Theke zu sitzen !

                bst
                und wo sitzen sie?
                Zuletzt geändert von passepartout; 17.09.2016, 08:43.

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                • #9
                  Werter passepartout,

                  ich hatte mir sowas schon gedacht. Nach meiner kurzen Mitteilung hätte ich wohl noch ein "Bazinga" hinzufügen müssen.
                  Nun für Sie ganz allein:
                  Im letzten Jahr hat der Feinschmecker das Restaurant "The Table" in Hamburg zum Restaurant des Jahres auserkoren.
                  In diesem Jahr nun das Nobelhart&Schmutzig.
                  In beiden Restaurants sitzt man an einem Holztisch vor einer offenen Küche.
                  Als "Theke" wird allgemein die tischähnliche Trennung zwischen Personal und Kunden in Gaststätten (auch: Tresen, Bar) oder Ladenlokalen (auch: Tresen, Ladentisch, Ladentheke) bezeichnet, an der die Warenübergabe und die Bezahlung erfolgt. (Quelle Wikipedia).
                  Diese Erkenntnis verleitete mich zu dem Satz:
                  "Die Feinschmeckerleute scheinen gerne an der Theke zu sitzen !"

                  Kulinarische Grüße
                  bst

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                  • #10
                    Lieber bst,

                    vielen Dank für die ausführliche Ausführung, welche für mich einer Offenbarung gleichkommt.
                    Nach all den Jahren des Unverständnisses, geben sie mir mittels der Assoziation mit Ph.D.Sc.D. Sheldon Lee Cooper, endlich den passenden Schlüssel zu Ihren Texten.

                    Gern werde ich mich in Zukunft in Nachsicht üben.

                    Herzliche Grüße

                    Passepartout

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                    • #11
                      Vorweg, ich könnte aber möchte nichts zu Billy Wagner und seinen Aktionen sagen, dafür habe ich mich entschlossen den Besuch von zwei Freunden und mir mal aufzuschreiben.

                      Auf dem Weg zu einer Tagung war ich mit zwei Freunden einen Abend in Berlin und es musste das Nobelhart&Schmutzig sein. Meine Erwartungshaltung war ein netter Abend das wurde es auch, das Restaurant leistete dazu aber nur einen kleinen Beitrag.

                      Der Raum ist ja schon beschrieben worden. Daher kommen wir zum Menü:

                      Karotte/Kamille
                      Es kamen zwei rohe Möhren mit Butter geschmiert, die kaum oder gar nicht nach Kamille schmeckte. Die Möhren waren wirklich lecker.

                      Kohlrabi/Schwein
                      Rohe in Molke eingelegte Kohlrabischeiben dazu sanft gegrillter Lardo. Ein frischer Säurebetonter Geschmack, der durch den geflämmten Lardo sehr schön cremig aufgelöst wurde.

                      Alfredo Sironi Dinkel Sauerteigbrot & Rohmilchbutter
                      Gutes Sauerteigbrot (hatten wir drei aber auch schon besser) und sehr gute Butter beides zum saatessen, was auch nötig war.

                      Ike jime Forelle / endivie
                      Wenn man den Fischer schon zu einer in Japan entwickelten angeblich sehr schonenden Tötungsmethode überzeugt, dann sollte man diesen roh servierten Fisch hinterher nicht versalzen, wir haben das abgekratzt, das half aber nur bedingt.

                      Lauch/ Petersilie
                      Eine bißfeste Lauchstange in Scheiben geschnitten geflämmt eventuell fermentiert, dazu eine Petersiliencreme und ein Jus, alles sehr kräftig aber stimmig.

                      Kohl/Quark/Meerettich
                      Spitzkohlblätter mit Kümmel gegart, dazu in Öl gebratener roher Grünkohl, vermutlich toskanische Palme, dazu ein Merrettichquark, der bedauerlicherweise viel zu scharf war. Die Zubereitungsart des Grünkohls führte zu einem sehr kohligen Geschmack, dazu war er leicht angebrannt, beides verfolgte mich noch etwas länger.

                      Ente/Rote Beete
                      Entenbrust scharf auf der Haut angebraten, und ordentlich gegart, ein Stück aus der Keule, das aufgrund seiner Kleinheit keine Funktion erreichte, wurden von einem eingekochten Rotebeetsaft der malzig schmeckte und einer rohen Rote Beete Scheibe begleitet.
                      Das war bis auf die rohe Scheibe ganz passabel.

                      Kartoffel/Blutwurst/Senf
                      Hierbei handelte es sich um eine Suppe in der sich die im Teller gestockte Blutwurst in komische Fetzen auflöste. Optisch war das gar nichts. Der Geschmack wurde dann ausschließlich von der Senfsaat geprägt.

                      Birne/Wacholder
                      Nach drei Gängen kam dann mal wieder ein stimmiger Gang, reife und unreife Birnen zu einem Sorbet verarbeitet auf einer Creme mit Wacholdergeschmack und mit Birnenschnaps angegossen. Dieses Dessert war sehr lecker.

                      Beeren/Malz
                      Hierbei handelte es sich um Beerenfrüchte die mit einem Malzcrunch bestreut waren, dazu gab es eine Art Zabaione. Das zweite Dessert hatte es nach dem ersten schwer und war auch nicht ganz so stimmig, durch den Crunch auf den Früchten dominierten diese und machten das ganze relativ sauer und sehr kräftig. Das war in Ordnung beim Einsatz mit Texturen muss man aber mehr handwerkliche Sorgfalt walten lassen.

                      Nussgebäckmit Fichte für zu Hause,
                      Hier sieht man schon das in diesem Hause niemand backen kann, geschmeckt hat es nach Zucker aber nicht nach Fichte.

                      Beim Essen gab es in fast jedem Gang konzeptionelle und / oder handwerkliche Fehler das habe ich auf diesem Bewertungs- und Preisniveau so noch nicht erlebt.

                      Wir haben am Anfang Bier getrunken, später dann einzelne Gläser Wein, da wir einen etwas unterschiedlichen Geschmack haben.
                      Und man mag es ja kaum glauben einer der angeblich besten Sommeliers Deutschland hat es nicht geschaft eine halbwegs gute Wein Begleitung anzubieten. Das ging so weit das meine beiden Begleiter auf Weine oder Biere zu bestimmten Gängen verzichtet haben.

                      Ich fand einzig den Birnencidre zum Birnendessert richtig gut.
                      Eine am nachbarplatz sitzende Winzerin war auch nicht zufrieden und fand die vollständige Weinbegleitung mit 70 Euro sehr teuer.

                      Mein Fazit: Gefallen haben uns nur sehr wenige Gänge. Wir waren uns sehr einig, wir wollten wissen was im Lokal abging, daher war der Abend nicht komplett überflüssig, aber wieder hingehen wird von uns definitiv keiner.

                      Ich habe von anderen einen komplett anders verlaufenen Abend beschrieben bekommen, der in einem fantastischen Orangeweingelage endete.

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                      • #12
                        Vielen Dank für das Feedback. Ich kenne den Laden leider bisher nur auf Grund der Social Mediaaktivität und sehe mich in meiner Interpretation bestätigt.

                        Als folgendes Bild bei Tripadvisor online gestellt und vom Resto selbst als unflätig bezeichnet aber auf Facebook geteilt wurde...
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: nobel.jpg
Ansichten: 1
Größe: 12,9 KB
ID: 51132

                        ...gab es von mir folgenden Text.

                        Faktisch betrachtet orientiert sich euer Konzept mehrheitlich bis ausschließlich an euren persönlichen Vorstellungen von zeitgemäßer Spitzengastronomie.
                        Ihr macht euer Ding, zieht euren Stiefel durch, geht am liebsten keinen Kompromiss ein. Stellt nicht die Wünsche des Gastes in den Mittelpunkt all Eures Schaffen, vielmehr ist es Euer Schaffen selbst.

                        Das Ergebnis ist hoch individuell und auch spannend aber definitiv keines, das jedem gefallen muss, möchte oder kann.

                        Die Art in welcher diese Kritik vorgetragen wird, darf euch zum Nachdenken bewegen aber zweifeln lassen, am Verfasser oder gar an euch, sollte sie niemanden.

                        Die Gedanken sind frei… alle!
                        Viele Grüße

                        und ein gutes Abendmahl wünscht

                        Passepartout

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                        • #13
                          Ich kann machen, was ich will, aber nichts zieht mich in dieses Restaurant. Der Name nicht, der Stern nicht, die Attitude nicht, die Berichte nicht, die Marketingaktivitäten nicht, die Interviews nicht, die Bilder nicht - und selbst meine meilenweite Ferne zur AfD nicht.

                          Um einen grandiosen Satz von Schlaraffenland abzuwandeln: "Nobelhart & Schmutzig" kocht nicht für mich!

                          Schönen Gruß, Merlan
                          Zuletzt geändert von merlan; 18.12.2016, 19:53.

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                          • #14
                            Erneut habe ich es getan:

                            Eine kompromisslos regional ausgerichtete Küche zu präsentieren ist schon ein anspruchsvolles Unterfangen. Billy Wagner, u.a. bekannt als Gastgeber und Sommelier in der Berliner Weinbar Rutz, wollte dieses Konzept jenseits der bekannten Sterneküche etablieren. Doch auch beim Guide Michelin ging man mit der Zeit und besternte das Nobelhart & Schmutzig kurzerhand und
                            sicherte sich damit eine neue Klientel für den roten Restaurantführer.

                            Diese kluge Erweiterung mit weniger luxuriösen und regional ausgerichteten Restaurants hat längst auch das Michelinstammland Frankreich erreicht. Letztes Beispiel, das Le Chateaubriand in Paris.

                            In der Großstadt Berlin, im Bundesland Berlin, kann man leider nicht alles auftreiben, was für ein schmackhaftes Menü benötigt wird. So bekommt der Begriff „Region“ in seiner eigentlichen Bedeutung als „Gebiet, welches geografisch, politisch, ökonomisch oder administrativ eine Einheit bildet“ mehr Gewicht. Das bezieht Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder die Ostsee ebenso ein. Diese Ausdehnung des Begriffes „regional“ ist, meiner Meinung nach, kein Kunstgriff sondern durchaus nachvollziehbar.

                            Schließlich ist die Größe einer Region Auslegungssache.

                            Aus meiner Sicht ist der Bezug regionaler Produkte auch für den Hausgebrauch von grundsätzlicher Bedeutung. Nicht nur wegen der kürzeren Transportwege, die weniger Umweltbelastung bedeuten, sondern vor allem wegen der transparenten Nahrungskette. Der Erzeuger verliert die Anonymität, erhält einen Bezug zum Verbraucher und die Einnahmen können in der Region reinvestiert werden.

                            Als weitgereister Gourmet bin allerdings auch für international ausgerichtete Restaurants offen. Ja, diese gehören sogar zu meinen besonders bevorzugten Zielen. Es ist halt die Vielfalt, die unglaubliche Auswahl an Küchenrichtungen, die das Ganze so spannend und interessant macht.

                            Heute lassen wir uns nun auf Küchenchef Micha Schäfer ein, der uns trotz dieser erheblichen Selbstbeschränkung eine stimmige und kreative Menüfolge kreiert:

                            Ein Menü, saisonal und regional ausgerichtet. Die Qual der Wahl, wie in vielen Restaurants noch immer üblich, bleibt uns erspart. Das Fotografieren der Speisen wurde mir auf Nachfrage gestattet.


                            Müritz Aal / Grünkohl Domäne Dahlem

                            Chicoree / Rose Rosenhof

                            Aufguss von Apfel & Minze Grete Peschken

                            Alfredo Sironi Dinkel-Sauerteigbrot & Rohmilchbutter Erdhof Seewalde

                            Rote Bete / Petersilie Domäne Dahlem

                            Ikejime Müritz Saibling / Zwiebeln Restaurant „Ernst“ Style

                            Hecht / Maronen-Röhrling Müritz Fischer

                            Ei / Senf Fläminger Genussland

                            Bentheimer Buntes Schwein Potsdamer Sauenhain

                            Ei / Malz Rhön-Malz

                            Mohn Fläminger Genussland

                            Wegzehrung

                            Canele Imkerei Mädelfleiß


                            Vielleicht noch ein Wort zum „Tresenrestaurant“.

                            Eine neue Generation von Gourmets, ich weiß noch nicht einmal, ob diese sich selbst so bezeichnen würden, sitzt lieber an blanken Holztischen und ist glücklich darüber, nicht in einem „Gourmettempel“ zu sitzen. Ein Konzept, welches gerade in Berlin besonders gut läuft.

                            Am Tresen des Nobelhart & Schmutzig kann man Service und Küchencrew beim geschäftigen Treiben zusehen und erlebt scheinbar eine ungezwungene und entspannte Atmosphäre. Die Entspannung findet schnell ihr Ende, wenn drei Sitze nebenan Unterhaltungen in einer Lautstärke wie in einer Bierschwemme geführt werden und die Ungezwungenheit hört auf, wenn ein Gast wegen eines Handyfotos zur Raison gebracht wird. Die Verbotsschilder an der Eingangstür sind, so hat es den Anschein, Programm.


                            Der Service ist professionell und freundlich. Gastgeber Billy Wagner ist umtriebig wie eh und je, scheint aber einen Teil seiner Unbekümmertheit verloren zu haben. Der Erfolg fordert anscheinend seinen Preis, auch in des Wortes wahrer Bedeutung. Ab Mai steigt der Menüpreis jeden Donnerstag, Freitag und Samstag und vor Feiertagen. Am Dienstag und Mittwoch bleibt alles beim Alten.


                            FAZIT:

                            Mit großer Ernsthaftigkeit wird nach dem optimalen Geschmackserlebnis gesucht und eine puristische Küche präsentiert. Die Tellerchen werden mit Leidenschaft und Hingabe annonciert, doch ein Aromenfeuerwerk darf man nicht erwarten. Es schmeckt das Produkt so wie es sein soll und das ist das eigentliche Vergnügen.

                            Persönlich neige ich zwar anderen Küchenstilen zu, doch einen vergnügten Abend im Nobelhart & Schmutzig gönne ich mir gerne von Zeit zu Zeit.

                            Fotos auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de











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                            • #15
                              Irgendwie scheint man da nur hinzugehen, um mal dagewesen zu sein und mitreden zu können.

                              Ich bleibe dabei:
                              Das muss ich mir alles nicht antun!

                              Schönen Gruß, Merlan

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