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Pauly Saal (*)

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  • Pauly Saal (*)

    Wertes Forum,

    zu meiner Überraschung habe ich keinen Bericht über den Pauly Saal finden können. Das läßt sich ändern, Ende November habe ich 5 Tage in Berlin verbracht und u.a. auch den Pauly Saal besucht.

    Das Restaurant befindet sich in der ehemaligen jüdischen Mädchenschule. Mittags wird ein 4 Gänge Lunch Menü für 56 € angeboten, ich habe es allerdings um einen Gang erweitert, schließlich will ich auch satt werden.



    Vor dem Menü wurden verschiedene Brote und gesalzene Butter gereicht, gerade noch sehr lecker. Ein Amuse Gueule gab es nicht.

    Lachs
    Pilze - Linsen - Crème Fraîche



    Das Menü begann mit hauchdünn aufgeschnittenem Lachscarpaccio. Dazu gab es aromatische Linsen mit etwas Sesam, verschieden Pilze, unter anderem Buchenpilze und Totentrompete. Die Pilze waren teilweise sauer eingelegt und wurden auch als Gel und Creme gereicht. Etwas Creme Fraiche rundete das Gericht ab. Ein aromatisches Gericht mit erdigen und pilzigen Aromen und feiner Citrusnote. Sehr lecker, die Menge Lachs war aber etwas knapp bemessen.

    Schweinebauch
    Bohnen - Schwarzes Öl - Oxalis



    Der Schweinebauch war zart und aromatisch, dazu gab es knackige Bohnen mit feinem Aroma und dünne Scheiben und Püree von der Sauerkleewurzel (Oxalis). Das Püree war mit etwas Kaffirlimette abgeschmeckt das dem Gericht eine leicht exotische Note gab. Angegossen wurde eine aromatischer tiefgründiger Jus, von dem bereitgestellten Rest habe ich auch nichts übrig gelassen. Sehr lecker, Klasse.

    Tafelspitz
    Mangold - Sambal - Kartoffel



    Der Kalbstafelspitz war in dünne Scheiben geschnitten, er wirkte schon etwas trocken. Dazu gab es Kartoffeln in Form runder Scheiben und als Schaum bzw. Espuma sowie etwas Lardo und Lardochips. Der Mangold war als leicht säuerliches feines Ragout zubereitet das durch Sambal eine leicht pikante Schärfe hatte. Angegossen wurde noch ein aromatischer Jus. Ein aromatisches Gericht, der Tafelspitz war aber nur Nebendarsteller. Sehr lecker.

    Gebratener Heilbutt
    Reis - Lauch - Buttermilch



    Der Heilbutt war auf beiden Seiten angebraten und leicht kross, im Mund wirkte er aber schon etwas mehlig. Dazu gab es Reis, in Tempurateig frittierten Lauch, eine Creme mit leichter Zitrusnote und eine Buttermilch Vinaigrette. Angegossen wurde ein aromatischer, leicht rauchiger Jus mit feiner Schärfe der mit geräucherter Paprika und Chorizo zubereitet war. Sehr lecker.

    Mandarine
    Yuzu - Sake - Limonenkresse


    Als Dessert gab es ein Mandarinenmousse, ein Sake Yuzu Espuma, ein Yuzusorbet mit einer Baiserscheibe, ein paar Mandarinenfilets und etwas Limonenkresse. Ein schön erfrischendes Dessert mit vielschichtigen Aromen, süß, säuerlich, fruchtig und leicht herb. Sehr lecker.



    Als süßen Abschluß gab es ein paar Kleinigkeiten, serviert auf gekühlten schwarzen Steinen. Ein Macaron mit Passionsfrucht und Zitrone, dunkle Schokolade mit karamellisierten Kakaobohnen und Vollmilchschokolade mit Kakaobruch. Ein kleinen Ratespiel, einer der schwarzen Steine war essbar. Der Service gab aber sicherheithalber einen Tipp, es war eine Praline mit einer Apfelsorbet Füllung. Ein netter Gag, die Steintextur wurde gut getroffen. Alles sehr lecker.

    Der Pauly Saal bietet eine ausgezeichnete Küche. Die Beilagen waren manchmal interessanter als die Hauptdarsteller auf dem Teller, besonders gelungen fand ich die Saucen. Leider wurden einige Garpunkte nicht optimal getroffen.

    Wer wissen möchte, was ich sonst so in Berlin gegessen und getrunken habe, kann gerne einen Blick in meinen Reisebericht werfen.

    Gruß
    Jürgen

  • #2
    Irgendwie kommen mir in letzter Zeit alle mit ihren Berichten um wenige Minuten zuvor...:-)
    Danke für den Bericht, den ich gerne um meine Erfahrungen ergänze. Besucht in der Woche vor Weihnachten:

    Ich hasste Turnhallen. Der leicht modrige Geruch pubertierenden Schweißes und alter Bodenmatten, der Anblick von Turngeräten, die ich nicht beherrschte und Kletterseilen, an denen ich wie ein nasser Sack hing - all das gehört zu den weniger schönen Erinnerungen an meine Schulzeit. Und an all das denke ich heute Mittag bei meinem Glas Champagner und beim Blick in die Karte. Denn ich sitze in der ehemaligen Turnhalle einer früheren jüdischen Mädchenschule. Der große Saal ist übersichtlich besucht und der Service platziert die Gäste weiträumig in allen Ecken des Raumes, so dass absolute Privatsphäre gewährleistet ist. An der hohen Decke beeindruckende Leuchter aus Muranoglas, die aus der namengebenden Pauly-Manufaktur stammen. Wir sitzen in unmittelbarer Nähe der Küche, die durch ein Fenster ebenfalls einsehbar ist und ich weiß, dass ich hier heute nicht schwitzen muss.

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    Die Küche im Pauly Saal wird geleitet von Arne Anker und alleine dessen Biografie weckt allergrößte Neugierde bei mir. Unter Sergio Herman (seinerzeit mit 3 Michelin-Sternen und 20 von 20 Gault Millau-Punkten ausgezeichnet - was der GM eigentlich nur theoretisch und nach meinem Wissen tatsächlich nur zweimal insgesamt in seiner Geschichte getan hat) im legendären und mittlerweile geschlossenen "Oud Sluis", später dann als Souschef unter Nick Bril im neuen Herman-Projekt "The Jane" in Antwerpen gestählt, bin ich neugierig, wieviel sich in Ankers eigenem Stil davon wiederfinden mag.

    Mittags gibt es ein Lunch-Menü das 2 Gänge zu 36 Euro bietet, 3 Gänge zu 46 Euro und 4 Gänge zu 56 Euro. Bei Vorspeise und Hauptgericht kann man zwischen zwei Alternativen wählen.

    Das Menü startet ohne Amuse Bouche, aber mit gutem Brot, direkt mit einem perfekt glasig gegarten Stück Lachs, Cous Cous und einer Variation von diversen Beten. Das ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern schmeckt auch wunderbar leicht, der Sud gibt etwas säuerliche Noten als Kontrast zur bissfesten gelben und roten Bete. Ein schöner Auftakt.

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    Es geht weiter mit Lachsforelle, ebenfalls auf den Punkt zubereitet und begleitet von einer Variation aus Schwarzwurzeln und Knollenziest in unterschiedlichen Texturen. Das ist sehr elegant und im Mund abwechslungsreich.

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    Ich bleibe bei Fisch und wähle im Hauptgang den Dorsch, der als sattes Stück kross auf der Haut gebraten ist. Kennzeichnend auch hier wieder eine Variation als Beilage, diesmal vom Kürbis, als Pürree und in Scheiben, Haselnuss als Crumble gibt Textur, die Cranberry-Sauce Fruchtigkeit. Erneut ein spannender Teller, bei dem die Kontraste so geschickt austariert sind, dass es im Ganzen immer noch harmonisch bleibt.

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    Auf der anderen Seite des Tisches findet sich ein super saftiges und knuspriges Stück Schweinekarree, das auch geschmacklich voll überzeugt und Lichtjahre entfernt von irgendwelcher Massenware ist. Dazu gibt es eine etwas süßliche Masala-Sauce , Polenta und Kerbelwurzel in verschiedenen Ausprägungen. Bei diesem Teller begeistert mich der Hauptdarsteller deutlich mehr als die Beilagen, das dafür nachhaltig.

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    Uneingeschränkte Begeisterung bringt dann allerdings das Dessert, in dem Mandarine in verschiedenen Formen (Mousse, Creme, geeiste Perlen, Natur) durchdekliniert wird. Dazu Limonenkresse, Yuzu und Sake als säuerliche Mitspieler. Ein wunderbar frisches Dessert, das viel Handwerk und Verspieltheit in Sergio Hermannscher Tradition erkennen lässt.

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    Zum sehr guten Espresso gibt es noch zwei verschieden aromatisierte Schokoplättchen, ein als Stein getarntes Sorbet und ein Macaron. Auch dies wieder auf sehr gutem Niveau.

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    Mag der Lunch im Vergleich zum Abendessen womöglich etwas reduziert angeboten werden (was ich nur vermuten kann, weil wir abends noch nicht hier waren), ist aber bereits das auf sehr hohem Niveau. Nicht nur, weil wir die beiden vorhergehenden Menüs mit überwiegend experimentellen Gemüsegängen verbracht haben, war dieses Mittagessen eine große Wohltat. Das war frisch, modern, geschmackvoll und sehr sorgfältig zubereitet.
    Mit Sicherheit aber ist der Pauly Saal eine der für mich am sympathischsten genutzten Turnhallen.

    Bericht auch unter: http://tischnotizen.de/pauly-saal-berlin/
    Zuletzt geändert von thomashaj; 02.02.2017, 09:25.

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    • #3
      Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
      Irgendwie kommen mir in letzter Zeit alle mit ihren Berichten um wenige Minuten zuvor...:-)
      Tja, da gibt es jahrelang keine Berichte und dann das.

      Mit dem einsunternull und dem Horvath hatten Sie ja auch ein interessantes Programm. Das einsunternull habe ich mir für meinen nächsten Berlintrip schon mal vorgemerkt.

      Gruß
      Jürgen

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      • #4
        Während der letzten Feiertage bin ich spontan, und motiviert durch den hiesigen Zuspruch, auf ein Mittagessen in den Pauly Saal eingekehrt. Außer mir war an dem Tag leider nur wenig Betrieb, so kamen u.a. zwei weitere Pärchen und ein Doppeldate. Nichtsdestotrotz habe ich in der Küche mindestens 6-7 Personen arbeiten sehen und 3 weitere im Service und wurde entsprechend rundum versorgt.

        Das Mittagsmenü gibt es in oben genannter Form nicht mehr, ich konnte zumindest keinen Unterschied zum Abendangebot ausmachen. Es werden jetzt 3 Gänge à €69, 4 Gänge à €85, 6 Gänge à €105 und 7 Gänge à €115 serviert. Auf der Karte stehen 7 Gänge wovon sich zwei noch einmal "upgraden" lassen. So kann man zu der Vorspeise zusätzlich Ossetra Imperial Caviar für €24 bestellen und zum Zwischengang zusätzlich die Langustine (eigentlich Kaisergranat) für €25. Ich verzichte dankend, aber der Nebentisch bestellt geschlossen die Langustine und spült somit €100 zusätzlich in die Kassen, es scheint also doch irgendwo betriebswirtschaftlich sinnvoll zu sein. Etwas befremdlich empfinde ich den Hinweis, dass €6 zusätzlich berechnet werden, wenn man bei der Gangauswahl nicht die klassische Kombination aus Vorspeise / Hauptgang / Nachspeise berücksichtigt. Zudem ermöglicht die Karte keinen Hinweis auf die Zubereitungsarten und mündet somit in ein Frage-und-Antwort-Spiel mit dem (sympathischen) Service. So erfahre ich z.B., dass der Gang "Makrele" nicht nur mit Filetstücken sondern auch mit einem frittierten Makrelenskelett versehen wird was für mich ein deutlich anderes Geschmacksbild bedeutet als beispielsweise eine Suppe, gegrillt, gedämpft, usw.

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ID: 52087

        Bei einem Glas Jacquesson (ich glaube 739, kann mich nicht mehr genau erinnern) zu €19 wähle ich 4 Gänge ohne Extras. Es werden 4 verschiedene Sorten Brot mit Butter serviert (und nachgeliefert), die sich als Knabberspaß eignen aber ansonsten keinen großen Brotgenuss versprühen, eine Sorte lasse ich gar ganz stehen da für mich nicht genießbar. Es wird zudem ein Amuse serviert, bestehend aus einer Art Joghurtschaum, einem dünnen Chip (dem ersten Gang mit Rinderherz im Einsunternull gar nicht so unähnlich), und feinem Gurkensalat. Erfrischend aber mehr nicht. Deutlich mehr begeistert mich obenauf eine Topinambur-Creme mit einem Sorbet aus "Chinese Gin Tonic" (genauen Namen nicht mehr im Kopf). Dieses Zusammenspiel zwischen der erdigen Creme und der (durch die Kühle unterstützen) Frische gefällt mir außerordentlich gut und unterstreicht zum ersten Mal die Auszeichnungen dieses Hauses.

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ID: 52088

        Lachs / Blumenkohl / Zwiebel / Schafgabe
        Auf einem Teller wird ein Stück roher Lachs in makelloser Qualität aufgetischt, bedeckt von herrlich frischen (glücklicherweise wenig intensiven) Zwiebeln und ausgewählten Scheiben angegrillten Blumenkohls. Angegossen wird ein fabelhafter säurig-kräuteriger Saft aus "Manna", einer Pflanze aus Südamerika, die mir vorher nicht bekannt war in Verbindung mit einem Öl, ich glaube Brunnenkresseöl. Insbesondere die Sauce macht süchtig und glücklich und ich leere sie bis auf den letzten Tropfen hin aus.

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ID: 52090

        Markele / Avocado / Pilze / Creme Fraiche

        Wie angekündigt erscheinen auf dem Teller neben zwei Rollen angeflämmten Makrelenfilets ebenfalls das frittierte Skelett. Was hier bescheiden als "Pilze" angekündigt wird stellt sich als Morcheln heraus, meinen Lieblingspilzen (wenn man so etwas haben darf). Das Skelett hat einen interessanten, fettigen, aber auch sehr fischigen Geschmack. Dieser kann so manchem Gast sicherlich unangenehm werden gefällt mir als exquisiter Knabberspaß aber sehr, sehr gut.

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        Rinderfilet / Mais / Kailan / Bärlauch

        Das Rinderfilet zeigt sich als sous-vide gegart und danach in Butter angebraten. Mir persönlich gefällt eine solche Zubereitungsform nicht immer, da sie den Fleisch die Saftigkeit tendenziell etwas nimmt. Die restlichen Beilagen sind auf den Punkt knackig gegart und angegrillt. Angegossen wird wieder eine herrliche, glänzende Sauce mit Orangengeschmack als Hauptbestandteil. Meines Erachtens ist die Zubereitungsform für das Rindfleisch nicht optimal gewählt worden aber entlang der restlichen Dimensionen schneidet der Teller mit Bestnoten ab. Wieder löffel ich die Sauce gierig bis auf den letzten Tropfen aus.

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        Aroniabeere / Weizengras / Limone

        Das letzte Dessert sieht experimenteller aus als es ist. Auf einer leichten, handwerklich hervorragenden, Creme Brulee findet sich Limoneneis. Angegossen wird ein (schon wieder hervorragender!) Saft aus Aroniabeeren angegossen. Das Weizengras steuert abermals eine säuerliche Note bei, die das Gesamtwerk unterstützt aber nicht beeinträchtigt. Stark herabgekühlte Beeren werden über den Teller noch vereinzelt verteilt und das ist auch schon der einzige Kritikpunkt den ich hier anmerke: Eine so starke (Tief-)Kühlung ist Beeren meines Erachtens nicht zuträglich. Aber das ist nichtsdestotrotz ein tolles Dessert mit klassischer Note.

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        Die Petit Fours sind analog zu den Vorberichten und insbesondere der als Stein getarnetes Sorbet (der Service weist unmissverständlich darauf hin welcher der Steine "unecht" ist) gefällt mir außerordentlich gut. Ein toller Abschluss.

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        Weniger toll ist dann die Überraschung auf der Rechnung. Da ich beim Zwischengang nicht die "Artischocke / Puntarelle / Olive / Pomelo" (der Gang mit dem Kaisergranat für zusätzlich €25) gewählt habe sondern die Makrele und somit vom von der Küche vorgesehenen Plan abweiche, worauf ich bei der Bestellung allerdings nicht hingewiesen wurde, müsse man mir die €6 nun doch berechnen. Solche Vorgehensweisen kann man meines Erachtens ruhig auf den Menüzettel abdrucken und ich empfinde sie schlicht und einfach als Abzocke. Ich tue meinen Unmut kund und reagiere daraufhin indem ich das Trinkgeld um den entsprechenden Betrag kürze. Trotzdem ist dieser Lunch mit €160 für mich alleine für 4 Gänge sowie begleitende Weine durchaus keine preisgünstige Erfahrung gewesen.

        Alles in allem hat der Pauly Saal für mich kulinarisch die positiven Voreinschätzungen mehr als bestätigt. Der Stern leuchtet kräftig und die benötigte Kreativität und Produktqualität für mehr ist klar erkennbar. Aus dem Besuch bleiben mir am stärksten die sehr guten Saucen sowie der "falsche Stein" in den Petit Fours im Gedächtnis. Die Karte, wenngleich undurchsichtig übt sich in bescheidenem Understatement. Der oft beschriebene saure Geschmackseinschlag je Gang zeigt sich auch bei mir aber dies oft in begeisternden Saucen. Dagegen wiegt für mich das leicht unbefriedigende Preis-Leistungs-Verhältnis, welches mich durch die zusätzlichen €6, für die es wohl tausende Wege zur Berechnung gibt, sowie die Supplements, etwas ratlos macht. Angesichts von einer Küchenstärke von fast einem Mitarbeiter pro Gast kann man verstehen woher der monetäre Druck kommt. Schade, dass diese Erfahrung die sehr positive Küchenleistung dadurch nicht ganz ins rechte Licht stellt. Wiederkommen würde ich tendenziell eher Abends.
        Zuletzt geändert von Frab; 21.05.2017, 19:06. Grund: Fotos hinzugefügt

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        • #5
          Ihr Bericht – vielen Dank dafür! – hinterlässt den zwiespältigen Eindruck "richtig gut gegessen, aber zu viel bezahlt", werter Frab. Ich habe den "Pauly Saal" auch schon länger auf dem Zettel und weiß jetzt nicht, ob ich nun motivierter bin, dort zu reservieren. Die € 6,00 für den Makrelengang mögen eine Bagatelle sein, doch sie steht auch für eine offenbar nicht so entspannte Politik im Haus. Am Ende mussten Sie grummeln und Ihr Trinkgeld reduzieren. Will man ein Restaurant gerne so verlassen? Dann wiederum Ihr Schwärmen für die Saucen und Ihre Hoffnung auf ..., ja, worauf eigentlich, wenn Sie sich eine abendliche Wiederkehr vorstellen?

          KG

          Tobler

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          • #6
            Diese Preispolitik ist schon recht unverständlich. Warum dann nicht Mittags einfach à la Carte die Gänge so berechnen, dass dieses hin und her mit Auf- und Abschlägen den Gast nicht verwirrt?

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            • #7
              Werter Herr Tobler,

              ich gehe mal davon aus, dass wir alle lesen können und wenn auf der Karte steht.....dann ist das halt so. Wenn man den Vorschlägen folgt, muss auch keine Bagatellgebühr bezahlt werden. Die Supplements gibt es in einer Reihe von
              Restaurants - sollen wir die nun alle nicht mehr besuchen, bis sie eine "vernünftige Preispolitik, QWERTZ" betreiben?

              Freiheit für Restaurantbetreiber und die gleiche für die Besucher!
              Herr Sternentor

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              • #8
                Lieber Sternentor, ich verstehe die Kartengestaltung so: es gibt einige Gänge, die kosten extra. Ok, kennt man. Die Menüs bestehen aus Vorspeise, Hauptgang, Dessert bei 3 Gängen, bei vieren VSP, ZWG, HG, D usw. Aber wenn ich frab richtig verstanden habe, hat ein Wechsel des Zwischenganges zu 6 Euro Aufschlag geführt. Auch wenn es in der Karte ausgewiesen ist, stellt sich mir da die Frage, ob es nicht einfacher für den Gast ist, wenn es Mittags einfach jeder Gang mit einem Preis berechnet wird und am Ende die Summe gezogen wird.
                Im Internet hat der Pauly Saal nur die Preise für die Zahl der Gänge veröffentlicht, auch gibt es keine Zuordnung zu Vorspeisen und Zwischengängen. Das es dann im Restaurant etwas anders ist, ist schon nicht besonders transparent. Am Ende ärgert man sich ja nicht über die 6 Euro, sondern die Gestaltung der Karte.

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                • #9
                  Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                  ...stellt sich mir da die Frage, ob es nicht einfacher für den Gast ist, wenn es Mittags einfach jeder Gang mit einem Preis berechnet wird und am Ende die Summe gezogen wird.
                  Für den Gast wäre das sicherlich einfacher, er könnte Kraut und Rüben bestellen oder nur "etwas leichtes" ordern und dazu eine Latte trinken.

                  Für die Küche hingegen ist eine hohe Menüquote oft überlebenswichtig und die Mathematik hinter dem ganzen Spaß erfordert vermutlich, dass auch mittags besser 3 Gang + verkauft wird, als nur ein "gemischter Salat".

                  Ein schönes Wochenende wünscht

                  Passepartout

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                  • #10
                    Das verstehe ich natürlich. Aber etwas unglücklich finde ich das System des Pauly Saals schon (zumal so im Netz nicht erkennbar). Bei Tim Raue ist es ja erkennbar und man sich entsprechend vorbereiten, da gibt es ja auch x Gänge y Euro und einige Gänge kosten halt etwas mehr.

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                    • #11
                      Zitat von sternentor Beitrag anzeigen
                      ich gehe mal davon aus, dass wir alle lesen können und wenn auf der Karte steht.....dann ist das halt so. Wenn man den Vorschlägen folgt, muss auch keine Bagatellgebühr bezahlt werden. Die Supplements gibt es in einer Reihe von
                      Restaurants - sollen wir die nun alle nicht mehr besuchen, bis sie eine "vernünftige Preispolitik, QWERTZ" betreiben?
                      Wäre das Menü einfach sechs Euro teurer (oder da Durchschnittskalkulation nur vier), müssten weder Gast noch Service sich Gedanken über die Bestellung und die Rechnung machen, das fände ich tatsächlich "vernünftiger". Sehr anstrengend finde ich dann die Kombination mehrerer "Zugabe-Preise" und des "Falschbestellungs-Aufschlags". Auch wenn mich das nicht vom Besuch eines Restaurants abhalten würde, könnte es doch bei der Abwägung von Alternativen einen Ausschlag geben.

                      Was zusätzliche Beigaben angeht, bin ich völlig skeptisch: Entweder das Gericht braucht Trüffel/ Kaviar/ Langustine - oder nicht, da erwarte ich vom Koch schon, dass er eine kulinarische Entscheidung trifft (und die auch kalkuliert). Diese Gänge bestelle ich inzwischen auch in Menüs ab. Für Protz-Kunden empfehle ich dann Blattgold als Ergänzung, geschmacksneutral aber je nach drübergehobelter Menge sehr eindruckvoll.
                      Zuletzt geändert von bernard; 21.05.2017, 19:47.

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                      • #12
                        Tim Raues Restaurant ist tatsächlich das perfekte Beispiel, wie man das Thema Aufpreis entspannt und transparent gestalten kann.

                        Und natürlich bin ich jetzt nicht wirklich abgeschreckt, werter Herr Sternentor, sondern allenfalls vorbereitet, wenn ich dann mal wirklich das Restaurant "Pauly Saal" betrete, was ich immer noch vorhabe, sobald es wieder mal in die Hauptstadt geht. In puncto Freiheit bin ich natürlich ganz bei Ihnen! Wenn Sie wollen, auch mit kämpferisch nach oben gereckter Faust.

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                        • #13
                          Zitat von sternentor Beitrag anzeigen
                          Werter Herr Tobler,

                          ich gehe mal davon aus, dass wir alle lesen können und wenn auf der Karte steht.....dann ist das halt so. Wenn man den Vorschlägen folgt, muss auch keine Bagatellgebühr bezahlt werden. Die Supplements gibt es in einer Reihe von
                          Restaurants - sollen wir die nun alle nicht mehr besuchen, bis sie eine "vernünftige Preispolitik, QWERTZ" betreiben?

                          Freiheit für Restaurantbetreiber und die gleiche für die Besucher!
                          Herr Sternentor
                          Werter sternentor,

                          ich kann durchaus lesen aber den einzigen Hinweis auf die zusätzlichen €6 konnte ich dann nur auf der Rechnung lesen. Auf dem Menü, wie QWERTZ richtig anmerkt (und das Foto hiervon habe ich auch nochmal angehangen), sehen sie hierzu keinen Hinweis. Und während es einen verbalen Hinweis dazu gab, dass €6 berechnet werden wenn man nicht zumindest die Vorspeise, den Hauptgang und die Nachspeise inkludiert, gab es den Hinweis, dass es nur "einen richtigen Zwischengang" gibt nicht. Insofern konnte ich dem Vorschlag nicht folgen, da dieser nicht erteilt wurde. Das ist schlicht intransparent. Das Beispiel Tim Raue zeigt wie es anders geht.

                          Gegen die Supplements habe ich persönlich nichts. Ich brauche sie nicht immer und, wie ich geschrieben habe, zumindest beim Nachbartisch scheint es die richtige Strategie gewesen zu sein.

                          Die Fotos sind nun eingefügt. Ich würde mich sehr freuen wenn ein Moderator mir noch behilflich sein kann die Fotos noch besser und schöner einzubinden.

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                          • #14
                            Zitat von Tobler Beitrag anzeigen
                            Ihr Bericht – vielen Dank dafür! – hinterlässt den zwiespältigen Eindruck "richtig gut gegessen, aber zu viel bezahlt", werter Frab. Ich habe den "Pauly Saal" auch schon länger auf dem Zettel und weiß jetzt nicht, ob ich nun motivierter bin, dort zu reservieren. Die € 6,00 für den Makrelengang mögen eine Bagatelle sein, doch sie steht auch für eine offenbar nicht so entspannte Politik im Haus. Am Ende mussten Sie grummeln und Ihr Trinkgeld reduzieren. Will man ein Restaurant gerne so verlassen? Dann wiederum Ihr Schwärmen für die Saucen und Ihre Hoffnung auf ..., ja, worauf eigentlich, wenn Sie sich eine abendliche Wiederkehr vorstellen?

                            KG

                            Tobler
                            Werter Tobler, wiederkehren würde ich Abends, da es anscheinend bei der Preisgestaltung zwischen Mittags und Abends keinen Unterschied mehr zu geben scheint und es vermutlich mehr Spaß macht sich dem Menü wirklich hinzugeben. Mittags kenne ich, auch fußläufig, auf ähnlichem Niveau schlicht preisgünstigere Alternativen. Zudem sitzt man in dieser alten Mädchenschule (auch wenn ich das Ambiente nicht über alle Maßen beeindruckend fand) außerordentlich bequem.

                            Ihren verstandenen Eindruck würde ich so bestätigen. Kulinarisch erfüllt der Pauly Saal sein "Soll", das Drumherum kann nicht ganz mithalten.

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                            • #15
                              Ich habe mich jetzt für ein Abendessen wieder einreserviert, nachdem ich bei der Überlegung nach einem schönen Abend zu Zweit mit gleichzeitig guter Küche etwas überfordert war. Tim Raue ist kurzfristig an einem Wochenende fast unmöglich, Adlon Esszimmer dann etwas too much (hier kann und muss ich nach meinem begeisternden Besuch letztes Jahr eigentlich nur noch das "All-In"-Paket mit allem Drum und Dran wählen) und 893 Ryotei kann man auch nicht jedes Wochenende besuchen. Bandol sur Mer hatte uns von der Küchenleistung nicht gefallen und Rutz/Horvath/Reinstoff/Nobelhart&Schmutzig/Ernst sind alle nicht meine Favoriten, wenn ich auf eine sichere Bank setzen will. Cookies Cream wäre meine Alternativ gewesen aber Freunde waren nicht so begeistert. Ich werde berichten.

                              Der eigentliche Grund weswegen ich posten wollte war dieser Tripadvisor-Bericht, den ich Ihnen nicht vorenthalten wollte und unsere Diskussion nochmal aufgreift: "Die Rechnung bedurfte einer Detail-Erklärung, was dem 1-Menü-Konzept mit Zusatz-Optionen anzulasten ist -> Umrechnen der Weinbegleitung auf 5 statt 7 Gänge 4x Gang-Zusatz für 23€ plus 6€ für den Wechsel von Sweet auf Cheese ..."

                              Aber diesmal bin ich ja vorbereitet

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