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Pauly Saal (*)

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  • #16
    Die positive Überraschung für uns in Berlin!

    Wir wussten eigentlich nicht so recht, was uns im Pauly Saal erwartet. Klar, man hatte das eine oder andere über das Restaurant gelesen, aber wenn man erst einmal vor diesem geschichtsträchtigen und denkmalgeschützten Bau in der Auguststraße steht und die Gedenktafel liest, da stellt sich schon ein beklemmendes Gefühl ein und man denkt zunächst an ganz andere Dinge als an einen unbeschwerten Lunch. Das große Haus beherbergt mehrere Institutionen und man sucht auf den langen Gängen erst einmal nach der Lokalität.

    Das Restaurant befindet sich in der ehemaligen Turnhalle einer jüdischen Mädchenschule, doch werfen wir nur einen kurzen Blick hinein, da heute bei schönstem Wetter im rustikal gestalteten Hinterhof eingedeckt ist. Der sieht nicht unbedingt nach „fine-dining“ aus, ist aber in diesem Ambiente absolut stimmig und mit seinen alten, angeschlagenen blauen Eisenstühlen aus Schulzeiten ein dezenter Fingerzeig, wo man sich eigentlich befindet (aber keine Sorge, es gibt Stuhlkissen!)

    Wir wählen aus den sieben empfohlenen Gerichten des Küchenchefs Arne Anker ein Vier-Gang-Menü aus, das sich aber letztlich mit etlichen Amuses zu neun Kostenproben der Pauly-Küche ausweitet. Dass Arne Anker letztlich zum Kaffee auch noch einmal drei aufwendig zubereitete Leckereien präsentiert, ist dann fast schon eine Selbstverständlichkeit.

    Unser Menü:

    Sellerieraviolo Kefir-Limette Brioche-Crumble
    Fregola Tomatenschaum Thai-Vinaigrette
    Radieschen Rettich Löwenzahn Erdnuss
    Chicorée Granny Smith
    Topinambur Estragon

    Makrele
    Gurken Miso Salzkraut

    Garnele
    Lauch Spinat Sambal

    Dorsch
    Spargel Kapuziner Olivensamen

    Rhabarber
    Pistazie Avocado Sorrento Zitrone

    Milchreis Kokosschaum
    Nougatröllchen
    Weinessigtörtchen

    Arne Anker hat ja lange als Sous-Chef in Sergio Hermans Oud Sluis gearbeitet, und das merkt man auch an seinen filigran ausgearbeiteten, geschmacksintensiven Kreationen. Diese Gerichte könnte man sich auch sehr gut in einem höher-besternten Haus vorstellen. So hat er die marinierte Makrele wunderbar leicht mit asiatischen Aromen versehen, die Garnele mit einer angenehm exotischen Schärfe, den Dorsch mediterran mit knusprigem Olivensamen angelegt und das Dessert „einfach“ nur erfrischend für einen heißen Vorsommer-Mittag.

    Ich muss die Amuse-Parade noch einmal besonders hervorheben: Alles kleine Meisterwerke, die einen hohen Arbeitsaufwand erfordern, immer feinst abgeschmeckt sind und deren Sößchen, Vinaigretten und Crèmes nicht nur dekorative Element sind, sondern von prägender geschmacklicher Relevanz sind. Vor allen Dingen – und das muss ich jetzt einfach nach unserem enttäuschenden Erlebnis im Rutz schreiben – sind die eingesetzten Komponenten eines Gerichts erkennbar und nachvollziehbar, eben keine undefinierbare Melange aus vielem, sondern annoncierte Zutaten, die miteinander „spielen“, sich ergänzen, Kontrast bieten und immer zu einem großartigen Geschmackserlebnis führen.

    Ich gerate ins Schwärmen und möchte diese Anerkennung auch gerne dem Service zukommen lassen, der uns locker, sachkundig und zugewandt durch diesen Lunch im „Schulhof“ geführt hat.

    Was für eine positive Überraschung!

    Schönen Gruß, Merlan



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    • #17
      Lieber merlan,
      wir waren nach unserem Gourmet-Club-Treffen im reinstoff mit einigen Leuten auch zum Lunch im Pauly Saal. Auch mir hat es dort gut gefallen. Ich weiß, ich bin mit meinen Berichten total im Hintertreffen. Ich hoffe ich schaffe es noch alsbald, aus meinen Notizen einen zusammenhängenden Text zu schreiben. Sie würden jedoch ihren Eindruck untermauern. Ich denke, in Teilen etwas mehr Fokus bei den Gerichten und der zweite Stern ist nicht mehr weit, denn obwohl relativ viel auf den Tellern los war, fand ich auch, dass es keine undefnierbare Melange war.

      Ich frage mich nur, ob die Extras (Kaviar, Langoustine etc.) für die Weiterentwicklung des Restaurants ein gutes Konzept sind, denn schließlich müssen die Teller mit und ohne des Luxus-Produkts überzeugen...

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      • #18
        Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
        Ich frage mich nur, ob die Extras (Kaviar, Langoustine etc.) für die Weiterentwicklung des Restaurants ein gutes Konzept sind, denn schließlich müssen die Teller mit und ohne des Luxus-Produkts überzeugen...
        Die Frage ist ob die Betreiber auf kulinarische oder ökonomische Höhenflüge aus sind? Anscheinend ordert durchaus der ein oder andere die Extras, insofern kann die Strategie aus dieser Perspektive durchaus lohnenswert sein? Preislich bewegt sich der Pauly Saal aber dann schon am oberen Ende - für 7 Gänge zzgl. beider Extras sind es €164. Das finde ich dann auch im direkten Vergleich innerhalb Berlins schon durchaus hoch.

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