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    Von den drei Berliner Lokalen mit dem Bib Gourmand (als "Gute Küche zu moderaten Preisen"definiert) haben wir zwei besucht, beide deutlich österreichisch inspiriert .
    Schöner gelegen am Ufer der Spree ist sicher das "Brechts" am Schiffbauer Damm, das neben dem legendären BE und dem fast so legendären und tatsächlich immer noch bestehenden "Ganymed" -unser letzter Besuch dort in den 70gern, direkt nach Puntila- liegt. Der Tafelspitz ist zart, das Wiener Schnitzel optisch sehr gelungen und obwohl unser Mahl nicht in allen Punkten gelungen war, können wir das Lokal mit (fast)gutem Gewissen empfehlen.

    Eindeutig besser hatte es uns bei Ottenthal in der Kantstraße gefallen. Schon die Stimmung im Lokal ist fröhlicher, wir fühlen uns wohl. Es wird ein Abendmenue zu 25€ angeboten, à la carte wird es etwas teuer, bleibt jedoch immer noch preiswert. Sehr schöne Weinkarte, wir trinken roten Veltliner aus Wagram, Napoleon muß dort irgendwas gewonnen haben, sonst hieße eine Métro-Station nicht so.
    Es gibt ca zehn (bei Brechts einen) offene Süßweine, wir gönnen uns eine TBA und da es Dienstag, der 9.März ist, trinken wir -auf Verdacht- auf das Wohl von Frau wi.
    Gruß s

  • #2
    Möchte Ihnen in diesem Zusammenhang auch Die Spindel in der Bölschestraße ans Herz legen. Zu sehr moderaten Preisen wird dort in ganz entspannter Atmosphäre eine teils überraschend raffinierte und teils auch angenehm rustikale Küche geboten. Zwischen Mittelmeer und Alpenland. Auch die Weinkarte mach Spaß, besonders das preislich sehr faire Angebot an Deutschen Weinen.

    Rouget

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    • #3
      Wir wollten ursprünglich letztes Wochenende unseren Berlinaufenthalt für einen Ausflug zum Müggelsee mit anschließender Einkehr in die "Spindel" nutzen, was leider durch das nicht gerade vorteilhafte Wetter zunichte gemacht wurde. So entschieden wir uns spontan um und besuchten in der Prenzlberger Nachbarschaft unserer Freundin, bei der wir nächtigten, den sympathischen Franzosen "Chez Maurice". Insgesamt ein Lokal, bei dem ich wohl Stammgast wäre, würde ich in der Nähe wohnen: rustikales Bistroflair, Weinflaschen in Wandregalen, abgewetzte Tische, nonchalanter französischer Service (wobei die nichtfranzösischen Servicekräfte am nonchalantesten waren)!

      Es wird französische Landküche geboten, mit allem, was man erwartet (Blutwurst, Gänseleber, Ziegenkäse usw.), und dies sauber zubereitet und mit Sinn für ein süffiges Geschmacksbild. Besonders gelungen fand ich das Daube vom Rind (geschmorte Rinderfiletwürfel) in einem Schmorfond zum Auslöffeln mit buttrigem Kartoffelpüree und Spargel. Dazu werden preisgünstige offene Weine kredenzt und so steht dem "savoir vivre" nichts mehr im Wege....

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      • #4
        Ihren Beitrag zum "Maurice" finde ich interessant, interessant. Zunächst natürlich inhaltlich, aber auch formal. In der Rubrik "Restaurants ohne Stern ..." wre es der 132. Beitrag gewesen. Keine Sau, wie wir Schwaben sagen, würde diese Empfehlung in einem halben Jahr noch finden. Deswegen ist es sinnvoll, diese "unter-den-Sternen"- Restaurants, die nicht unbedingt eine eigene Überschrift haben müssen, bequem in jedem einzelnen Bundesland auffinden zu können.
        s.
        PS: ich weiß, daß eine Initiative meinerseits diesbezüglich schon mal kläglich gescheitert ist, aber wie sagt der Spanier so schön: lotta continua

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        • #5
          Aus genau diesem Grund, werter Schlaraffe, habe ich diesen Beitrag auch an diesem Ort gepostet, weil ich genau wie Sie der Ansicht bin, dass in der sehr allgemein gehaltenen Rubrik "Restaurants ohne Stern" solche Beiträge meist ohne Reaktion in den Tiefen des Raumes verhallen...

          By the way: Wie ich in zwei Berliner Restaurantpublikationen las, soll Frau Merkel schon des Öfteren bei "Maurice" dabei gesichtet worden sein, wie sie mit Wonne eine Blutwurst vertilgte. Ob das nun eher für oder gegen dieses Lokal spricht, lasse ich mal dahingestellt, aber als große Anhängerin der guten Küche ist unsere Frau Kanzlerin ja bisher nicht gerade aufgefallen. Nichtsdestotrotz: Ich kann ihre Vorliebe für diese rustikale Weinpinte in diesem Fall durchaus nachvollziehen und werde sie beim nächsten Berlinbesuch wenn es sich ergibt durchaus wieder beehren (die Pinte natürlich, nicht die Kanzlerin...)
          Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 10.06.2013, 11:16.

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          • #6
            Lese jetzt erst, dass das "Brechts" hier schon mal erwähnt wurde. Dort war ich neulich - und verspürte weder Euphorie noch Enttäuschung. Das war schon ok, vor allem, weil man in der Ecke eher mit Touristen-Nepp rechnen könnte.
            Positiv hervorheben möchte ich insbesondere die Möglichkeit, noch nach 22 Uhr (nach der Oper) aufschlagen zu können.

            Viele Grüße,
            Q.

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            • #7
              Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
              By the way: Wie ich in zwei Berliner Restaurantpublikationen las, soll Frau Merkel schon des Öfteren bei "Maurice" dabei gesichtet worden sein, wie sie mit Wonne eine Blutwurst vertilgte. Ob das nun eher für oder gegen dieses Lokal spricht, lasse ich mal dahingestellt, aber als große Anhängerin der guten Küche ist unsere Frau Kanzlerin ja bisher nicht gerade aufgefallen. Nichtsdestotrotz: Ich kann ihre Vorliebe für diese rustikale Weinpinte in diesem Fall durchaus nachvollziehen und werde sie beim nächsten Berlinbesuch wenn es sich ergibt durchaus wieder beehren (die Pinte natürlich, nicht die Kanzlerin...)
              Vielen Dank für Ihren Beitrag zum Maurice. Es freut mich zu hören, dass sich chez Maurice offenbar kaum etwas geändert hat. Am letzten Wochenende bin ich dran vorbeigelaufen und habe auf die Karte geschaut. Alles wie früher - herrlich. Tatsächlich pflegte Frau Merkel früher des öfteren, chez Maurice zu essen (habe sie aber nur einmal durchs Fenster gesehen). Joschka Fischer hingegen bevorzugte das nahegelegene Il Pane e le Rose. Wenn ich doch bloß auch jetzt ums Eck einen Laden hätte, bei dem ich so wunderbar buttrige Croissants bekomme...

              Während man den Bötzow-Kiez mittlerweile fast schon post-gentrifizert nennen kann, scheint Mitte sich weiterhin stark zu verändern (eher nicht zum Guten). Wir waren abends im Katz Orange in der Bergstraße im ehemaligen Gebäude der Josty-Brauerei. Eigentlich brauche ich dazu gar nicht schreiben. Alles wichtige hat Bernd Matthies vor knapp einem Jahr im Tagesspiegel geschrieben: http://www.tagesspiegel.de/weltspieg...e/6959954.html. Der englisch angehauchte shabby chic, ein schlechtes Imitat der Einrichtung des Soho-House, wirkt tatsächlich reichlich gewollt. Aber man kann sich schon wohlfühlen. Der Service besticht vor allem durch gutes Aussehen, aber - das hätte ich nicht unbedingt erwartet - auch durch Freundlichkeit, Flexibilität und Kompetenz. Etwas befremdlich fand ich nur, dass der US-"Sommelier" (seit drei Wochen da) einen gleich auf Englisch anquatscht und - nachdem wir sagten, dass wir auch deutsch verstehen - klarmacht, dass ihm englisch deutlich leichter fallen würde. Auch gut. Wir hörten uns gerne Empfehlungen à la "medium to full bodied" an. Getrunken haben wir dann einen 2011 Marsannay Blanc von Charles Audoin, eisgekühlt serviert, so dass er erst im letzten Glas einigermaßen aufdrehte. Der Sommelier fragte noch am Anfang, wie die Temperatur ist und freute sich sogar über den Hinweis "too cold", da auch er seinen Chardonnay nicht so gerne bei +4 ° C trinkt. Wir seien aber die ersten Gäste in seiner Amtszeit, die den Wein nicht in den Kühler haben wollten.

              Erster Gang: ein naturbelassenes, kurz angeflämmtes Rinder-Tatar mit Spargelvariation bei Frau rocco. Hat mich sehr überzeugt, auch meine eigene Vorspeise, nämlich ein Wildkräutersalat mit mariniertem Gemüse und karamellisierten Sonnenblumenkernen, Karotten-Crème und Birnenchutney. Jedes der Wildkräuter schmeckte wirklich intensiv und unterschiedlich. Die übrigen süßen und salzigen Aromen passten gut dazu. Die Hauptgänge fielen etwas ab. Frau roccos geschmorter Waller mit Beluga-Linsen, Schmorgurken und Shiitake-Pilzen bestach durch gute Fischqualität und -garung. Die Linsen waren aber überportioniert, die Pilze gingen etwas unter und die Gurken wirkten wie Fremdkörper. Auch das mit unserer weiteren Begleitung geteilte 12 Stunden geschmorten Duroc-Schwein mit Rahmkraut, Kartoffelpü, Zwiebeln, Schmorgurken und einem Zitronen-Knoblauch-Joghurt
              wirkte etwas zusammengewürfelt. Das Schwein mit der schärflichen Sauce, dem Kraut und dem Pü hätte ausgereicht. Die Gurken, die Zwiebeln und der Joghurt konnte man separat davon essen, aber sie lenkten eher ab. Die Kombination hat sich mir nicht erschlossen.

              Wieder besser war das Dessert, eine Waldmeistermousse mit Erdbeeren und geeister Erdbeerschnitte. Etwas brav vielleicht, aber sehr schmackhaft. Danach sind wir noch für ein paar sehr gute Cocktails an die Bar umgezogen und haben uns ein bisschen umgesehen. Festhalten lässt sich: der Look für die Jungs hat sich in 10 Jahren kaum verändert. Tief hängende blaue Jeans, hellblaues Hemd, zwei Knöpfe offen, und Chucks. Die Frauen sind etwas kreativer, aber um einen Retro-80er-Hip-Hop-Look (Vorbilder: Salt'n'Pepa, Queen Latifah, Monie Love) gut zu finden, bin ich irgendwie zu alt. Kulinarische oder vinologische Trends werden hier eher nicht gesetzt, auch wenn man vielleicht den Anspruch hat.

              Am nächsten Mittag waren wir noch kurz im Ableger eines anderen Hipster-Lokals, nämlich dem 3 Minutes sur Mer auf der Torstraße. Exzellente Fischsuppe, sehr klassisch mit einer guten Rouille, hat mir sehr gut gefallen.

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              • #8
                Bei unserem Berlin Aufenthalt hatten wir auch die obigen Adressen im Blick , uns die Webseiten sowie Berichte auf einem anderen Portal zu Gemüte geführt. Wir haben uns dann für das Restaurant Stadt, Land Fluss in der Pappelallee (Prenzlauer Berg) entschieden. Die Adresse liegt jetzt nicht in den Tourivierteln aber trotzdem mit einer Tramstation (fast vor der Haustür) rd. 20 Minuten vom Bahnhof Friedrichstrasse entfernt.
                Das Konzept basiert auf regionaler, verfeinerter Küche mit einer überschaubaren Anzahl an Gerichten , die nach dem Motto Stadt= vegetarisch, Land = Fleisch und Geflügel sowie Fluss= Fisch aufgebaut sind. Dazu gibt es als Alternative oder Vor-Vorspeise gegen den kleinen oder grossen Hunger sogenannte Imis, Kleinigkeiten die köstlich zubereitet waren.
                "Dummerweise" wählten wir 2 dieser Immis als Einstieg und dann das kleine Menue.
                Wir hatten 1 Scheibe Blutwurst mit Apfelragout sowie die dünngeschnittene ,luftgetrocknete Pfälzer Bauernwurst, hier genannt "Gedriggelde mit eingelegten Gürkchen.Beides schmeckte einfach nur gut und dazu gab es schmackhaftes hausgemachtes Brot. "Leider" war das Brot so gut, dass es nicht bei einer Scheibe bliebt.
                Als Vorspeise hatte ich ein wunderbares Rindstartar mit Ei . Dzu gesellten sich an der Seite Olivenpaste, Kapern, Sardellen und Gewürzgürckchen. Somit warendie unterschiedlichsten Geschmacksintesionen auszumachen . Als Hauptgang gabe es Maränenfilets auf einem schmelzigen Linsenbett sowie herrliche Kalbsbäckchen. Krönender Abschluss war dann ein "zerschnittener" Nusskuchen auf Sauerkirschen.
                Die Weinkarte ist eher übersichtilich. Wir tranken ei´nen Spätburgunder vom Weingut Schätzel aus Nierstein.
                Netter und sympathischer Service rundeten das Bild ab.
                Fazit: Würden wir vor Ort wohnen, wäre es sicherlich eine regelmässig besuchte Adresse

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                • #9
                  Merci für de Bericht. Die Speisekarte liest sich wirklich gut.
                  Gruß
                  s.
                  PS: den Ausdruck "Tramstation" sollten Sie in Anwesenheit von Herrn Thierse tunlichst vermeiden, sonst rupft er sich vor Wut die Zotteln vom Haupt.

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                  • #10
                    Auf dem Internetfahrplan steht aber tatsächlich Tram Aber für Herrn Thierse sage ich dann zukünftig Strassenbahn. So sind halt die "Schweizer"

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                    • #11
                      Werter Wombard,
                      scheint eine schöne Alternative zu Berlin`s Sternetempel zu sein. Aber wie soll man das "dummerweise" interpretieren ?
                      Gruß
                      Schink

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                      • #12
                        Zitat von Schink Beitrag anzeigen
                        Werter Wombard,
                        Aber wie soll man das "dummerweise" interpretieren ?
                        Gruß
                        Schink
                        Dem dazu gereichten Brot konnte ich nicht wiederstehen. "Dummerweise" blieb es nicht bei einer Scheibe und die Menueportionen waren für mich mehrl als ausreichend.

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                        • #13
                          Der sehr umtriebige Duc Ngo hat sich als Gastronom in Berlin schon vor langer Zeit einen Namen gemacht, in Berührung gekommen mit seiner Küche war ich aber tatsächlich erst im Moriki in Frankfurt, einem Sushi-Restaurant mit panasiatischen Einflüssen im Erdgeschoss des Büros der Deutschen Bank. Besonders gefiel mir, dass die Qualität des servierten Essens höher war als ich es für ein solches "Szenerestaurant" eingeschätzt hatte (ich empfehle unbedingt den Butterfisch als Sashimi zu probieren, ein sagenhafter Fisch, der mir vorher nicht geläufig war und dem ich eine große Karriere in der gehobenen Gastronomie prophezeie), und das der Service gleichzeitig sehr locker und unverkrampft an die Sache herangeht. Ich würde dem Restaurant ein gewisses kosmopolitisches Ambiente nahelegen, welches sich so nur selten in Deutschland finden lässt.

                          Zurück zu Duc Ngo: Dieser hat in Berlin nach dem panasiatischen Sushirestaurant Kuchi in Mitte und Charlottenburg, der Ramen-Bar Cocolo Ramen in Mitte und Kreuzberg, dem Burgerladen Shiso Burger in Mitte, dem Next to Kuchi (noch nicht besucht) sowie dem Madame Ngo (noch nicht besucht) und natürlich dem Moriki in Frankfurt und Baden-Baden ein wahres Gastronomiereich aufgebaut. Wie ein roter Faden zieht sich eine überdurchschnittliche Qualität des Essens, das Moriki in Frankfurt ist folgerichtig im Guide Michelin empfohlen, sowie ein eindeutiges Konzept durch diese Ansammlung. Zudem gefällt mir, dass der Reservierungswahn hier in Berlin noch nicht so ausgeprägt ist. Ab 21h30 ist es im Kuchi oftmals kein Problem einen Tisch zu ergattern.

                          Hiervon motiviert habe ich vor kurzem seine neusten Restaurantkreationen besucht, das 893 Ryotei in Charlottenburg sowie das Golden Phoenix (ich meine ebenfalls in Charlottenburg), letzteres ist meines Wissens erst seit wenigen Monaten geöffnet. Beide erwähne ich hier im Bericht, weil ich hier stellenweise fantastisch gegessen habe und das Ambiente gleichzeitig so kosmopolitisch geprägt ist, dass man eher vermutet sich in New York als in Deutschland aufzuhalten.

                          +++ 893 RYOTEI +++

                          Das 893 Ryotei verbirgt sich hinter einer mit Graffiti übersprühten verdunkelten Glaswand, von innen pulsiert jedoch das Leben. Die Küche ist ein Cross-Over aus einer lateinamerikanischen und japanischen Küche. Sehr gute Vorspeisen beinhalten Horenso Gomae (Wasserspinat in Sesam-Erdnusssauce) sowie Ika Tempura (frittierter Oktopus mit feiner Mayonnaise und Jalapenos). Lediglich das Celery Dengaku (eine Scheibe Sellerie unter karamellisierten Miso) kommt doch sehr mächtig daher. Qualitativ kann das Ceviche Mexico überzeugen. Alles hat mindestens eine Erwähnung im roten Guide verdient.

                          Darüber bewegen sich definitiv die fantastischen Butterfish Sashimi Taquitos, kleine Soft Tacos mit angeflämmten Butterfisch, Olivenöl, etwas Trüffel. Diese Speise könnten wir auch gerne vier Mal statt nur ein Mal bestellen. Meine Begleitung begeistert sich für das Samba Steak, ein in Streifen geschnittenes Entrecote in guter Qualität mit Salsa Verde.

                          Für Dessert bleibt kein Platz mehr. Mit Getränken (ich empfehle den Pisco Sour) kostet uns der Abend zu Zweit ca. €120-140, genau habe ich es nicht mehr im Kopf.

                          +++ GOLDEN PHOENIX +++

                          Nach einem kürzlichen, begeisterten Post der Sternefresser nicht nur zum 893 Ryotei, versuche ich mich auch spontan am Golden Phoenix, einem jüngst eröffneten Restaurant im Design Hotel Provocateur, betrieben von der Gekko Group (die selbe die im Übrigen auch das Moriki in Frankfurt betreibt), welches chinesisch-französische Küche im Cross-Over anbietet. Als allererstes begrüßt uns der sehr sympathische und gleichzeitig souveräne Service., der uns über den Abend hinweg begleitet und uns wie bei coolen Freunden zuhause fühlen lässt.

                          Die Atmosphäre hier ist nicht ganz so lebendig wie im 893 Ryotei (ich zähle 40 Sitzplätze) und ist auch etwas mehr vom klassischen Klischee-Reichen-Tourismus aus Russland geprägt. Dafür kann das Essen hier das 893 Ryotei noch einmal toppen. Eine qualitativ sehr hochwertige Hot & Sour Soup leitet das Essen ein. Duc Ngo sagt in einem online verfügbaren Interview, dass ihm zum vollkommenen Gastronomie-Glück lediglich noch ein Michelin-Stern fehlt. Das Salt & Pepper Chicken (herrlich saftiges frittiertes Hähnchen mit Chilis) und die Dragon Prawns (sehr gut frittierte Garnelen in einer Wasabi-Mayonnaise) lassen die Augen leuchten und legen die Vermutung nahe, dass mit den Vorspeisen der angestrebte Stern locker drin ist. Ich habe vor kurzem auch das Restaurant Tim Raue besucht und die Ähnlichkeiten sind frappierend. Sehr gute Produktqualität mit leichter Schärfe. Tim Raue ist im Quervergleich lediglich noch einen Ticken raffinierter. Bei den Garnelen hat man fast das Gefühl als hätte die berühmte Wasabi-Langoustine von Tim Raue "inspiriert". Fantastisch!

                          Ich habe online gelesen, dass Restaurants dieser Art ihr Pulver oft bei den Vorspeisen verschießen. Beim 893 Ryotei stimmt das nicht zwingend, aber hier stimme ich leider ein Stück weit hinzu. Canard Tangerine Chinoise schmeckt nach sehr guten Produkten und Handwerk aber der Funke will nicht so ganz überspringend, dafür ist das Essen ein Stück weit zu puristisch. Honey BBQ Pork Ribs schmecken fantastisch tief nach Honig, aber leider ist das Fleisch darüber hinaus nicht sonderlich spannend (Ribs sind dafür wohl auch nicht das dankbarste Produkt) und zudem wird mit Szechuan Pfeffer sehr grenzwertig gewürzt. Die puren Körner oben auf überschreiten sogar mehrfach die Gewürz-Grenze. Der dazu servierte "Chinese coleslaw" erinnert gar nicht so sehr an China sondern schlicht viel mehr an sehr gutes Weißkraut, welches so oft und gerne in Oberbayern zum Schweinsbraten serviert werden. Dessert passt hier ebenfalls nicht mehr, schon nach den Vorspeisen hatte ich etwas zu kämpfen. Der Service hatte uns dankenswerter Weise sogar noch gefragt, ob wir eine Pause zwischen Vor- und Hauptspeise haben wollten, was wir dankbar annahmen.

                          Wir zahlen €140-160 für zwei zum Dinner (genauen Wert hier auch nicht mehr im Kopf) inklusive Getränke. Auch wenn die Hauptspeisen die sehr hoch angesetzte Messlatte nicht ganz halten können ist das Potenzial klar erkennbar. Wenn die Küche hier Justierungen vornimmt und an Rafinesse noch einen Tick zulegt sehe ich hier Potenzial zum Stern, eine Empfehlung ist das Mindeste der Gefühle.

                          +++ FAZIT +++

                          Beide Restaurants sind eine tolle Bereicherung für Berlins gastronomische Szene und bringen der Hauptstadt einen Weltstadt-Flair. Die Küche sehe ich im Golden Phoenix etwas weiter vorne, dafür gewinnt für uns das dunklere, lebendigere Ambiente des 893 Ryotei. Berlinern sei bei Überdruss des sonstigen Angebots asiatischer Küche, Sushi und / oder Tim Raue ausdrücklich ein Besuch dieser Restaurants ans Herz gelegt. Aber auch so sind beide aus meiner Sicht "einen Zwischenstopp wert".
                          Zuletzt geändert von Frab; 12.06.2017, 20:46. Grund: Versuch die Lesbarkeit zu steigern

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                          • #14
                            Zitat von Frab Beitrag anzeigen
                            (ich empfehle unbedingt den Butterfisch als Sashimi zu probieren, ein sagenhafter Fisch, der mir vorher nicht geläufig war und dem ich eine große Karriere in der gehobenen Gastronomie prophezeie)
                            Auch wenn ich gelegentlich selber gerne ein Stück esse, das mit der grossen Karriere hat einen Haken (ich zitiere aus dem Wikipediaeintrag zum Escolar, wie er eigentlich heisst):

                            Beim Verzehr, insbesondere größerer Mengen (z. B. werden > 60 g angegeben), können diese wachsähnlichen Lipide Durchfall (Keriorrhoe[4]), Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen und Erbrechen erzeugen[5], „giftig“ sind sie aber offenbar nicht. Gesundheitsbehörden in den USA (siehe z. B.[6]) und der EU warnen jedoch davor.[7] In Japan ist der Fisch trotz Verbot sehr beliebt („aburasokomutsu“). Auch in Deutschland ist er dank Sushi bekannt, muss aber beim Verkauf gekennzeichnet werden.[8] Um vom Verzehr abzuschrecken, wird auch auf den für marine Spitzen-Prädatoren nicht unüblichen Quecksilbergehalt des Fleisches hingewiesen.

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                            • #15
                              Werter glauer,

                              ich bin kein Biologe, habe in Biologie leider auch nie aufgepasst, und die Systematik wirkt vergleichbar, aber gibt es sich nicht einen Unterschied zwischen Escolar und Butterfisch: https://de.wikipedia.org/wiki/Butterfische vs. https://de.wikipedia.org/wiki/Escolar. Meine Recherchen lassen mich zudem vermuten, dass es sich bei den servierten Fischen im Restaurant um den amerikanischen Butterfisch / Peprilus triacanthus handelt: https://en.wikipedia.org/wiki/American_butterfish. Da hilft wohl nur die Nachfrage beim Restaurant. Ich hatte jedenfalls noch nie gesundheitliche Auswirkungen nach dem Konsum.

                              Anbei noch die Impressionen aus den Restaurants auf besagtem Sternefresser-Hinweis: https://www.facebook.com/sternefress...55453827482427

                              Der Besuch wird, insbesondere bei Fernweh, ausdrücklich empfohlen.

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