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Cookies Cream

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  • Cookies Cream

    Unser kulinarisches Jahr 2018 starten wir mit einem Besuch des Restaurants Cookies Cream in Berlin. Vom Guide Michelin mit einem der begehrten Sterne ausgezeichnet, gerät das 2007 gegründete Restaurant, das bei internationalen Foodies längst kein Geheimtipp mehr ist, in den Blickpunkt der Gourmets.

    Cookies Cream ist ein vegetarisches Restaurant. Die Idee einer rein pflanzlichen Ernährung entstand in Indien und davon unabhängig, im antiken griechischen Kulturkreis.
    Bei ägyptischen Mumien, die etwa auf 3500 v.Chr. datiert wurden, hat man auf eine überwiegend fleischarme Ernährung geschlossen. Trotz reichlich vorhandenem Vieh und Fisch am Nil ernährten sich die Menschen dort überwiegend von Gemüse und Getreide.

    Das Wesentliche der vegetarischen Bewegung war von Anfang an, man merkt es noch heute bei den in meinem Bekannten- und Freundeskreis befindlichen Vegetariern, ein gerüttelt Maß an religiös-philosophischer Betrachtung und Bestrebung, verbunden mit einem Hang zur Umerziehung und Bevormundung. Was habe ich mir schon alles anhören müssen. Von streng vegetarischer Kost oder veganer Ernährung über ovo-vegetarisch, ovo-lacto-vegetarisch oder lacto-vegetarisch, da brummt der Schädel.
    Auf mich wirkt dies ziemlich abschreckend. Hinzu kommt die Befürchtung, mit Tofuwürstchen und Körnerbuletten vollgestopft zu werden. Vielleicht hat es deshalb so lange gedauert, bis ich mich in die Hände eines Koches begeben habe, der ausschließlich vegetarische Gerichte zubereitet.

    Nun bin ich seit vielen Jahren in der gehobenen Gastronomie unterwegs und selbstverständlich sind vegetarische Gerichte in den Menüs eingebaut, doch ein auschließlich vegetarisches Menü oder gar ein ausschließlich vegetarisch ausgerichtetes Restaurant ist schon etwas anderes. Nun also zum Selbstversuch eines Teilzeit-Vegetariers.

    Das Restaurant liegt in einem Hinterhof der Berliner Behrenstraße. Als Berliner marschiert man da durch, es ist immerhin ausreichend beleuchtet. Zarte Gemüter finden den Weg vielleicht nicht so prickelnd. Doch dann sind wir endlich da. Küchenchef Stephan Hentschel steht bereits am Pass, das Restaurant ist gut besucht. Im Laufe des Abends werden manche Tische mehrfach besetzt.

    Ich hatte das Vergnügen Stephan Hentschel bei der Michelingala in Potsdam erleben zu können und ich kann mich noch gut an einen prächtig gelaunten und vergnügten Menschen erinnern, der, jedenfalls nach meinem Eindruck, die Ehrung mit einer Mischung aus Freude, Stolz und Überraschung aufgenommen hat.
    Der gebürtige Sachse hat in Ladbergen eine Kochausbildung gemacht und u.a. in den Berliner Restaurants Renger-Patzsch und Facil gearbeitet.

    Das Restaurant ist recht groß, laut und gemütlich, mit einer teilweise einsehbaren Küche. Das Publikum ist international, altersmäßig gemischt, junge Leute scheinen zu überwiegen.

    Zunächst wird Hüttenkäse mit Mascarpone, Basilikum und Brot gereicht.

    Essenz und Tasche vom Champignon

    Die Champignons werden mit Mandelsplittern und Lauchöl angereichert. Besonders auffallend sind tatsächlich die Pilznoten, die geschmacklich zwischen intensiv und dezent pendeln.

    Vegetarischer Kaviar mit Avocado,
    Haselnuss, Majo, Pistazie

    Der vegetarische Kaviar ist schon ein verblüffendes Produkt. Konsistenz und Geschmack erinnern zumindest an Kaviar, der allerdings aus Seetang aus der Nordsee mit Anleihen der molekularen Küche hergestellt wurde.
    Ein toller Einfall.

    Wachtelei im Brioche
    Portweinschalotten, Kartoffelschaum, Trüffeljus

    Niemand würde sich wundern, dieses Gericht in einem klassisch französischem Bistro vorzufinden. Die Brioche ist köstlich und wird von einem ausgezeichneten Kartoffelschaum bedeckt. In Portwein eingekochte Schalotten sind würzig, ohne zu dominieren.

    Parmesanknödel mit Perigordtrüffelsud,
    Spinat, Pinien, Sherry

    Welch ein Duft!
    Das kräftige Aroma des Trüffelsuds begleitet das Gericht bis zum Schluss. Die klug ausgewählten Begleiter vervollständigen das aromenstarke Gericht vortrefflich.

    Gebackene Aubergine mit Tomatencreme,
    Bohnen, Erdnuss, Papadam

    Rein optisch sieht es aus wie ein Stück Fleisch mit Sauce. Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt ist. Wohl eher, nein.
    Die Aubergine ist fest und wird texturell mit knuspriger Papadam ergänzt, angesichts der ausgezeichneten Tomatencreme kreisen die Gedanken sofort um eine leichte Mittelmeerküche.
    Ein Highlight auf der Karte des Restaurants.

    Die nachfolgenden Dessert hielten das Niveau der vorherigen Gänge spielend. Die einzelnen Komponenten waren deutlich schmeckbar und von erfreulicher Leichtigkeit.

    Blaubeere mit Sellerie,
    Sorbet, Creme, Chip

    Eis von Topinambur,
    eingelegte Pflaume, Amarant, Vogelmiere

    Cookie
    Schokolade, schwarze Johannisbeere, Pistazie

    Wein und Service:

    2014, Chassagne-Montrachet, Thomas Morey,
    2015, Chardonnay à la Percenette, Domaine Rignier
    2016, La Cosa, The Thing, Alfredo Maestro Tejero
    Faude feine Brände, Rote-Bete-Geist und Zwetschge

    Sehr aufmerksamer, junger Service. Engagiert, auskunftsfreudig und ohne Hang zu Belehrungen. Ich möchte Kevin besonders herausstellen, der Getränke und Speisen mit erkennbar großer Freude präsentiert hat.

    FAZIT:

    Die Kreationen von Stephan Hentschel haben mich an diesem Abend vollends überzeugt. Hentschel und sein Team sind überaus ideenreich und präsentieren eine anspruchsvolle, gehobene und zeitgemäße vegetarische Küche, reich an Aromen und Geschmack und, was mir besonders gut gefallen hat, jenseits von Risotto und Pasta.

    Das Gemüse und die Kräuter werden wie in einer Fleischküche behandelt und verarbeitet. Es wird gegrillt, geschmort, gebeizt und soll sogar manchmal auch im Salzteig gegart werden. Hinzu kommt ein Spiel mit Farben, Formen und Texturen.

    Die Auszeichnung mit einem Michelinstern ist mehr als berechtigt, zeigt aber auch, dass der rote Restaurantführer auf der Höhe der Zeit angekommen ist. Der Stern für Cookies Cream bedeutet insgesamt einen großen Schritt für die vegetarische Bewegung.

    Fotos bei mir auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de





  • #2
    Wertes Forum,

    im Oktober habe ich einen kleinen Gourmet Trip nach Berlin gemacht. Berichten möchte ich vom Cookies Cream, einem vegetarischen Restaurant mit Michelinstern. Normalerweise halte ich nichts von ideologisch verbrämter Küche aber ich bin ja neugierig.

    Der Weg in dieses Restaurant ist schon ein erstes Highlight, zumindest für mich. Er führt über eine Einfahrt in der Behrenstraße.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1339.jpg Ansichten: 2 Größe: 89,6 KB ID: 61945
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    Der Weg hat irgendwie einen morbiden Charme, man hat den Eindruck hier gibt es mehr Ratten als Menschen. Gesehen habe ich aber leider keine.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1349.jpg Ansichten: 1 Größe: 85,1 KB ID: 61944
    Dann ist es geschafft, der Eingang zum Cookies Cream neben Mülltonnen, das Michelinmännchen wirkt da etwas deplaziert.
    Innen ändert sich der Eindruck, im Erdgeschoss befindet sich eine gemütliche Bar.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

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    Leider war Fotografieren im Restaurant nicht erwünscht, beim Essen war das zum Glück nicht der Fall.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1361.jpg Ansichten: 1 Größe: 73,1 KB ID: 61942
    Zu Beginn wurden verschiedene Brote und ein aromatischer Kräuterfrischkäse gereicht, sehr lecker.

    Angeboten wird ein 4 Gänge Menü für 59 €.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1363.jpg Ansichten: 1 Größe: 57,8 KB ID: 61941
    Als Amuse Gueule gab es Lauch mit schwarzem Sesam und Meerrettich. Der Lauch war perfekt gegart, sehr zart und trotzdem mit leichtem Biß. Dazu gab es drei sehr feine und cremige Saucen auf Sojabasis und Sesamchips mit zarter crisper Textur und feinen Aroma. Etwas Meerrettich gab dem Gericht eine subtile Schärfe. Ein schönes vollmundiges Gericht. Sehr lecker, Klasse, das war ein beindruckender Auftakt.

    Vegetarischer Kaviar mit Avocado
    Haselnuss, Majo

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1364.jpg Ansichten: 1 Größe: 46,0 KB ID: 61940
    Der "Kaviar" aus Algen hatte eine angenehme Textur mit leichtem Biß und leicht salzigem Aroma. Dazu gab es frische Avocado, eine Avocadocreme, geröstete Haselnüsse und etwas Mayonnaise. Die Avocado war zart und aromatisch, die Haselnüsse waren teilweise etwas bitter, da stimmte die Qualität nicht. Sehr lecker, aber irgendwie ergaben die einzelnen Zutaten kein gemeinsames Ganzes.

    Essenz & Tasche vom Champignon
    Lauchöl, Balsamico, Wildkraut

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1366.jpg Ansichten: 1 Größe: 53,6 KB ID: 61939
    Die Essenz vom Champignon hatte ein reines konzentriertes Champignonaroma. Die Ravioli hatte eine aromatische Füllung aber den Teig kann ein guter "Italiener" besser. Dazu gab es noch etwas Lauchöl, Balsamico und verschiedene Wildkräuter. Die Kräuter gaben dem Gericht, je nachdem welche man gerade auf dem Löffel hatte, andere geschmackliche Akzente. Sehr lecker.

    Bunte Beete
    Krapfen, Erbsen, Shiso

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1370.jpg Ansichten: 1 Größe: 68,7 KB ID: 61938
    Auf dem Teller waren verschiedene Beete angerichtet, dazu gab es Krapfen, ein paar Erbsen und eine aromatische Sauce. Die Krapfen waren schön locker und hatten eine Füllung aus einem Erbsenschaum mit etwas Meerrettich. Die Beete waren unterschiedlich groß geschnitten und hatten alle eine etwas andere Textur. Die roten Beete waren klein und perfekt gegart, sie hatten ein intensives erdiges und leicht bitteres Aroma. Die hellen Beete hatten eine etwas knackigere Textur als die roten Beete, die in dünne Scheiben geschnittenen Beete ware betont knackig. Die Sauce war aromatisch und hatte schon eine fast "fleischige" Vollmundigkeit, wunderbar. Sehr lecker und alleine schon wegen der sensationellen Sauce Klasse.

    Kräutersorbet mit Karotte
    Hafer, rosa Pampelmuse

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1375.jpg Ansichten: 1 Größe: 58,8 KB ID: 61937
    Als Dessert gab es ein Kräutersorbet, eine Karottencreme und etwas gerösteten Haferflocken. Das Kräutersorbet hatte durch etwas Klee eine leicht säuerliche Note, die Karottencreme war leicht süßlich und hatte ein dezentes Karottenaroma, der Hafer gab den Gericht nussige Noten und Textur. Wo sich die Pampelmuse versteckte konnte auch nach Rückfrage beim Service nicht
    geklärt werden. Angeblich als Öl aber da konnte ich nichts entsprechendes entdecken. Ein schön frisches cremiges Dessert, sehr lecker.

    Ser Service war freundlich und zuvorkommend, das Cookies Cream bietet vegetarische Küche in sehr guter bis ausgezeichneter Qualität. Schade das kein größeres Menü angeboten wurde. So macht vegetarische Küche Spaß, kein Seitankram oder Grünkernbratling.

    Wer sich dafür interessiert was ich in den 6 Tagen noch so gegessen und getrunken habe kann gerne einen Blick in mein Reisetagebuch werfen.

    http://www.3d-meier.de/Urlaub/Berlin1/Seite1.html

    Gruß
    Jürgen

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    • #3
      Fazit also .... alles lecker bis sehr lecker

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      • #4
        Zitat von Jürgen3D Beitrag anzeigen
        Normalerweise halte ich nichts von ideologisch verbrämter Küche aber ich bin ja neugierig.
        Also die Zeiten in denen man vegetarische Küche noch ernsthaft unter ideologisch verbrämt einordnen konnte bzw musste sind ja (gottseidank) eine ganze Weile vorbei.

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        • #5
          Zitat von Jürgen3D Beitrag anzeigen
          … man hat den Eindruck hier gibt es mehr Ratten als Menschen. Gesehen habe ich aber leider keine.
          Ja, das verstehe ich, Ratten sind ja allzu possierliche Tierchen!
          Oder bezieht sich das "leider" auf "Menschen"? Das würde mich eher nachdenklich stimmen.

          Schönen Gruß, Merlan

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