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Villa Kellermann, Potsdam

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  • Villa Kellermann, Potsdam

    Der Name Tim Raue zieht eigentlich immer. Was er konzeptionell anfasst, ist in der Regel von Erfolg gekrönt. Im Gespann mit Günther Jauch ist zudem doppelte Aufmerksamkeit gesichert. Jauch hatte in Potsdam die Villa Kellermann am Heiligen See gekauft und aufwändig restaurieren lassen. Dies ist sicher eine der feinsten Ecken der Stadt. Dass hier das Geld wohnt, ist allgegenwärtig.
    Das Restaurant ist im Erdgeschoss in mehreren Räumen untergebracht, die auch farblich unterschiedlich und originell gestaltet sind. Die oberen Räume, so erfahren wir, werden als Langzeit-Appartements vermietet. Sicher nicht die schlechteste Lösung, um dem großen Haus ein angemessenes Return on Investment zu bringen.


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    Außenansicht

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    Interieur

    Aber so nobel die Umgebung auch sein mag, so zugänglich für jedermann ist das Konzept, dass sich die beiden Promis für diesen Ort überlegt haben. Berliner und Brandenburger Küche im weitesten Sinne und natürlich mit einem modernen Einschlag bestimmt die Karte, die eine ordentliche Auswahl an à la Carte-Gerichten, darunter auch zahlreiche vegetarische, bietet. Wer einen guten Querschnitt kennenlernen möchte, dem sei „Der Gedeckte Tisch“ empfohlen, bei dem es fünf Vorspeisen, eine Tagesempfehlung aus den Hauptgerichten und ein Dessert für 66 Euro pro Person gibt. Und dies soll auch unsere Wahl sein, wobei der Austausch des Hauptgangs gegen einen kleinen Aufpreis kein Problem darstellt.

    Zum Apéritif serviert der freundliche Service zum guten Sauerteigbrot Butter sowie Essiggemüse, einen pikanten Tomatenaufstrich sowie eine exzellente, würzige Leberwurst mit dreierlei Senf.


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    Brot / Aufstriche / Essiggurken & Silberzwiebeln

    Nach angemessener Zeit schickt die Küche, die von Christopher Wecker geführt wird, besagte fünf Vorspeisen und macht einem tatsächlich den Tisch voll. Sorgen machen muss sich hier niemand, eventuell von Sharing-Tellern um seinen Anteil kämpfen zu müssen. Jeder bekommt seine eigenen Portionen. Macht den Tisch zwar noch voller, vermeidet aber Streit am selbigen.


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    Der gedeckte Tisch

    Die Frage, ob man hier hin und her probieren soll oder einen Teller nach dem anderen isst, mag jeder für sich beantworten. Da die Vorspeisen doch recht unterschiedlich ausfallen, entscheiden wir uns dafür, sie lieber hintereinander zu probieren.

    Der Gelbe Bete-Pfirsich-Salat verbindet sehr elegant leichte Erdigkeit mit cremig fruchtiger Note.


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    Gelbe Bete-Pfirsich-Salat / Portulak / Staudensellerie

    Nicht wirklich umreißen kann mich die als Schlemmerkartoffel angekündigte Pellkartoffel mit Sauerrahm. Das schmeckt zwar nicht schlecht, aber halt auch etwas unspektakulär. Dafür ist der Saiblingskaviar zu homöpathisch eingesetzt, als dass er merkliche Akzente setzen kann. Lediglich durch den Einsatz von Yuzu kommt eine etwas frische, interessante Note in das Gericht.


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    Schlemmerkartoffel / Leinöl / Sauerrahm / Saiblingskaviar

    Besser gefällt mir der geräucherte Aal, der hier in Begleitung von Birne und Kohlrabi sowie einigen Baisers für Textur und Knusper kommt. Nun braucht guter Aal eigentlich auch kaum dominante Mitspieler, deshalb ist es klug, dass sich die begleitenden Komponenten hier im Hintergrund halten und auch das Kräuteröl mild ausfällt. Ein sehr schöner und stimmiger Gang.


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    Geräucherter Aal / Birne / Kohlrabi / weißer Pfeffer

    Auch die Büsumer Krabben belässt Christopher Wecker relativ naturell. Avocado, Kirschtomaten und hauchdünner, leicht geeister Babyfenchel setzen hier auch nicht kräftigere Gegenpunkte. Es gefällt mir in Summe ganz gut, aber dennoch hätte ich mir eine etwas prägnantere Würzung gewünscht.


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ID: 69837
    Büsumer Krabben "Onkel Jörg" / Avocado / Tomate / Limette

    Intuitiv habe ich mir den besten Teller für den Schluss der Vorspeisen aufgehoben. Der Rinderzungensalat ist eigentlich keiner, sondern in einer üppigen Scheibe Rinderzunge befindet sich eine Füllung aus Tatar. Die Zunge spielt hier eindeutig die Hauptrolle und steht im Vordergrund, was dem Gericht eine besondere, würzige Note gibt. Die Kapernmayonnaise ergänzt das Ganze auf angenehm cremige Art.


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ID: 69831
    Rinderzungensalat / Tatar / Zwiebel / Kapernmayonnaise

    Alternativ zum eigentlich vorgesehenen geschmorten Kalb hat mein Mann ein Auge auf den Spanferkelbauch mit Petersilienwurzelpüree geworfen. Und in der Tat ist er damit sehr glücklich, denn das Fleisch ist zart, aber mit der erwarteten knusprigen Kruste. Der Krautsalat dazu ist in Röllchen ziemlich verfremdet, aber ein schöner kühler Kontrast. Senf und Geltupfen sind dann wieder ganz Raue, denn in ähnlicher Form kann man das zum Spanferkel auch in den „Brasserie Colette“ oder in seinem Hauptrestaurant bekommen.
    Dass nicht an der intensiven Bratensauce gespart wird, ist ein zusätzlicher Pluspunkt in diesem befriedigenden Hauptgang.


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ID: 69833
    Knuspriger Spanferkelbauch / Krautsalat / Senf / Petersilienwurzel

    Obwohl es nicht zu meinen Lieblingsgerichten gehört, habe ich mir vorgenommen, die Königsberger Klopse zu probieren, die es hier wohl immer auf der Karte gibt. Schließlich läuft ihnen ein legendärer Ruf voraus und das bereits seit den Zeiten in der „Soupe Populaire“. Dass Raue sie auch Barack Obama anlässlich seines Staatsbesuches servieren durfte, hat zu diesem Ruf sicherlich auch seinen Teil beigetragen.
    Und sind sie denn nun so außergewöhnlich? Zuerst einmal sind sie sehr pfeffer-würzig pikant und gut abgeschmeckt. Sie sind nicht außergewöhnlich fluffig, aber von angenehmer Konsistenz. Der Rote Bete-Apfel-Salat, ebenfalls in Knödelform, ist ein schöner frischer Gegenpol. Das Kartoffelpüree ist gut, die Süßweinsauce außerordentlich köstlich, aber leider etwas sparsam portioniert.
    Vergleiche ich diese Königsberger Klopse mit denen meiner Mutter, sie möge mir, obwohl aus Königsberg gebürtig, verzeihen, dann bekommen diese hier den klaren Vorzug.


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ID: 69836
    Königsberger Klopse nach Oma Raue / Rote Bete / Kartoffelpüree

    Zum Abschluss und auch von der Menge noch gut passend gibt es eine Buttermilchmousse als Halbkuppel in relativ fester Konsistenz, die gefüllt ist mit einem Rhabarber-Erdbeer-Kompott. Beides findet sich auch im Sud und dazu gibt es ein Rhabarbereis. Das ist zwar nicht sonderlich komplex, aber handwerklich gut gemacht, und angenehm frisch und säuerlich.


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ID: 69832
    Buttermilchmousse / Rhabarber / Erdbeere / rosa Pfefferbaiser

    Aufgrund der derzeitigen Platzbeschränkungen wird der Service in der „Villa Kellermann“ derzeit in zwei Schichten absolviert, wobei die erste um 18 Uhr beginnt und man dann zwei Stunden Zeit hat. Trotz dieses etwas engen Zeitfensters, das auch wir gewählt haben, bekommen Küche und Service das gut hin, ohne dass wir uns gehetzt fühlen.
    Das Essen hat uns gut gefallen. Es gibt wenige Restaurants, die sich gekonnt einer bürgerlichen, deutschen Küche widmen, so schwierig die Definition, was denn eine typisch deutsche Küche ausmacht, auch sein mag. Tim Raue und Christopher Wecker gelingt das meines Erachtens sehr gut. Hier sind genug Tradition erkennbar und auch typische Zutaten, aber immer mit einem gewissen modernen Kniff. Schärfe, wie man sie bei Raue erwarten würde, spielt hier erfreulicherweise kaum eine Rolle.
    In unserem Speiseraum hängt ein großformatiges, modernes Portrait des Alten Fritz. Selten hatte ich das Gefühl, dass ein Essen besser zum Ambiente passt. Und im Sommer, wenn auch die Terrasse mit Blick auf den See bespielt wird, wird es in der Region wohl eh kaum einen schöneren Platz geben.



    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/villa-kellermann-potsdam/
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