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Bistro: Le Plat du Jour

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  • Bistro: Le Plat du Jour

    Ein sehr sympathisches Bistro habe ich durch einen Tip besucht. Im GM erhält es solide 13P - der Mehrwert ist aber beim Einkehren mit mehreren Personen garantiert! Sehr schön und einfach mal problemlos!

    Bilder wie immer auf meinem Blog: budisfoodblog.wordpress.com


    Das „Le Plat du Jour“ gibt es in Hamburg seit 1993. Beim Anruf sollte man nicht erschrocken auflegen, man ist nicht in Frankreich rausgekommen, sondern genau richtig:

    Das französische Bistro könnte direkt so in Frankreich vorgefunden werden und als Bilderbuchbistro würde es sich auch nicht machen. Hier bekommt man den vollen Bistrocharme. Das heißt:

    Kleine Tische, eng aneinandergereiht, vollbesetzt und sehr laut. Dazu ein wunderbarer Service, der je nach Kunde alle Rollen spielen kann, jedoch stets ein wenig überheblich agiert. Eben mit dem leichten Hauch eines Besuches beim Italiener. Man muss sich eben als neuer Gast erst einmal bewähren – kommt man wieder, wird man herzlich empfangen, als kenne man sich seit Jahren!

    Das Bistro hat besonders abends seinen Reiz, denn hier gibt es, was andere Resaurants ein „Lunch-Angebot“ nennen. Abends drei Gänge von der Karte (hier hat man für jeden Gang ausreichend Alternativen) zu 29€. Liegt man unter dem Angebot, so zahlt man natürlich weniger. Meistens würde man aber direkt von der Karte gewählt immer über 30€ liegen.



    Als Vorspeise wählte ich die „Linsen auf Lachstartar“.

    Die Vorspeise kommt reichlich bemessen schnell an den Tisch und erweist sich als gelungener Einstieg. Die Linsen haben noch schön Biss und der feine Lachs wird geschmacklich mit Zitronenaromen unterstützt, ohne vom Eigengeschmack zu verlieren. Prima!



    Die „Geflügelleber auf Kartoffelpüree“, ein weiterer Klassiker der Bistro-Küche, überzeugt ebenso. Die Leber von guter Qualität, keineswegs zäh und weder durch noch komplett roh, sondern in der schmelzigen Mitte. Doch noch hervorhebenswerter empfand ich den Kartoffelpüree, der ganz klischeegetreu „wie bei Omi“ schmeckt. Die Sauce erscheint mir vorerst etwas dünn. Im Zusammenspiel mit der intensiven Leber, erweist sich dies aber als gute Balance. Eine zu komplexe, tiefe Sauce würde dann doch eher als erdrückend empfunden.

    An dem Gang gibt es nichts auszusetzen. Trotzdem muss ich viel Leber liegenlassen, da mir die Intensivität ab einer gewissen Menge keinen Spaß mehr bereitet. Hier kann man ehrlicherweise auch weniger Leber auf den Teller bringen!



    Zwischen „Crème brûlée“ und „Crêpe normande mit Calvados“ schwankend, entscheide ich mich dann doch für den Crêpe. Nachdem mich die Bedienung wegen der übriggebliebenen Leber fragt, ob das Dessert noch warten solle, nehme ich mir die Zeit die Atmosphäre des Bistros zu genießen.

    Betrachtet man die Einrichtung und Bilder französischer Idole an der Wand, so weht hier eindeutig der Hauch der alten Schule. Das Bistro schwebt in der Zeitlosigkeit und ist trotzdem verankert in frühere Tage, die wir alle nur in Schwarz/Weiß in Erinnerung haben. Das schöne am „Le Plat du Jour“ ist, dass sich der Staub noch nicht angesetzt hat – hier herrscht Leben!

    Dann wird der Crêpe gereicht. Beim Schneiden erklingen ähnliche Geräusche, wie beim Eintunken des Löffels in die Crème Brûlée: Der Crêpe wurde hauchdünn karamelisiert – sehr fein! Der Alkohol kommt nur hauchfein durch und unterstützt die Aromen der saftigen eingearbeiteten Apfelscheiben. Der Teig fällt etwas dicker aus aber dafür wunderbar weich. Von Trockenheit keine Spur! Genau so muss Crêpe à la normande sein!

    Die Küchenleistung ist fantastisch. Französische Bistrospeisen, klassisch serviert in sehr ordentlicher Qualität. Wer mehr will, muss mehr zahlen und andere Restaurants aufsuchen. Doch hier an diesem Ort, wurde die Perfektion der Bistro-Küche erreicht. Der Gault Millau nörgelt etwas über die immergleichen Gerichte. Als Stammgast kann man sich dem sicherlich anschließen, doch es gibt hier auch stets Tagesempfehlungen. Für ein Bistro meiner Meinung nach völlig ok, solange dafür das Niveau gehalten werden kann. Einzig und allein die Weinauswahl und die gelinde ausgedrückt, robusten Gläser stören dann etwas. Doch darf man sich hier beschweren? Denn orientiert man sich an den Pariser Bistros, so könnte man hier auf diese Gläservielfalt noch stolz sein.

    Das „Le Plat du Jour“ ist ein wunderbarer Ort. Hier sollte man in größerer Gesellschaft einkehren, die Zeit vergessen und plaudern, plaudern, plaudern…

    Als Abschluss eines feinen Essens, empfiehlt sich der Gang in die Pariser Bar „Le Lion“, keine zwei Straßenecken weit entfernt.

    Le Plat du Jour

    Dornbusch 4
    20095 Hamburg

  • #2
    Zitat von Budi Beitrag anzeigen
    Sehr schön und einfach mal problemlos! [...] Kleine Tische, eng aneinandergereiht, vollbesetzt und sehr laut.
    Ein Schelm, wer hier stutzt!

    Besten Dank jedenfalls, werter Budi, für Ihren schönen Bericht. Mit Freude sehe ich übrigens, dass auch die gut gemachte Hausmannskost in Ihnen ordentliche Begeisterungsstürme zu erwecken vermag - bei aller löblichen Feinschmeckerei doch eine, wie ich finde, sympathische Haltung.

    Grüße, Mohnkalb

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    • #3
      Selbstverständlich! Wenn ich in ein Bistro gehe, habe ich ja auch die Erwartungen eines Bistros. Das betrifft sowohl Essen als auch Ambiente, Service. Eben alles.

      Solches Essen kann sehr viel Spaß machen. Gerade als ich in Berlin war und so viel auf einmal sehen wollte, da tat dann auch das einfache Schnitzel im Borchardt und keine Aufmerksamkeit vom Service richtig gut!

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