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Off Club / Madame X

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  • Off Club / Madame X

    Mein herzlicher Dank geht an passepartout, der mir die Kochkünste von Thomas Imbusch in Tim Mälzers neuem Restaurant Off Club / Madame X ans Herz gelegt hat. Anlässlich des Besuchs von Freunden hatte ich im Madame X reserviert. Die Räume des ehemaligen Saliba und später des glücklosen Chezfou (schade eigentlich, Küche und Weinkarte waren gut) hat Mälzer intensiv umgestaltet. Die Bar vorne ist immer noch da, es steht auch noch die lange Tafel, dazu ein paar Tische. Der hintere Bereich hat jetzt keinen großen Saal mehr, sondern ist verwinkelt und auch ein bisschen ramschig, hat aber Stil. Im Flur stehen ein paar Tische, es gibt eine provisorische Garderobe, einen wunderbaren größeren Tisch umgeben von Weinflaschen und in einem mittelgroßen Raum das Restaurant Madame X mit schummrigem Rotlicht und asiatisch angehauchtem Design. Man sitzt auf Sofas und Sesseln und isst von kleinen Tischen.

    Im "normalen" Restaurant gibt es diverse Kleinigkeiten, die offen gesagt alle sehr gut klingen (muss ich demnächst nochmal probieren). Im Madame X gibt es ein monatlich wechselndes 7-Gänge-Menu zum Prix Fixe (65 Euro), das jeden Monat um ein anderes Thema herum komponiert wird. Wie schon gesagt kocht hier Thomas Imbusch, der bei Christian Bau und bei Alain Ducasse gelernt hat. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Das Restaurant (Madame X) war gut gefüllt, aber nicht komplett voll (der Off-Club war komplett voll). Das Essen muss man glücklicherweise nicht aussuchen, die Karte mit dem Menu liegt auf dem Tisch. Diesen Monat ist das Motto Südamerika. Die Weinkarte ist deutlich besser als ich erwartet hatte. Es gibt eine "normale" Karte mit ein paar fair bepreisten Weinen und eine Raritätenkarte mit gereiften und exklusiven Weinen. Die Auswahl hat mir bestens gefallen, auch die Weinpreise sind korrekt und teils sogar sehr günstig. Wir hatten zunächst einen 2001 Forster Jesuitengarten Riesling G.C. von Dr. Bürklin-Wolf (75 Euro) und dann einen 2010 Faugères von Leon Barral (29 Euro).

    Nach einer kurzen Wartezeit ging das Menu los mit ein paar Kleinigkeiten:

    Beef Tatar (klassisch)
    Keks mit Bohnenpüree (großartig gewürzt und tief im Geschmack)
    Pickles (sauer eingelegtes rohes Gemüse, sehr schmackhaft)

    Und dann weiter:

    Lachs Ceviche / Taco / Frischkäse: Die Lachsceviche wurde mit geräucherter Paprika und BBQ-Sauce serviert, dazu gab es einen Taco mit Frischkäse und Kräutern. Das hat alles sehr gut miteinander harmoniert, die BBQ-Sauce war sehr vorsichtig portioniert, was gut war. Alle Elemente harmonierten bestens miteinander und ließen dem Lachs die Hauptrolle.

    Pulpo / Avocado / Apfel / Oregano: Das Gericht sah schon köstlich aus, ein sehr dünn paniertes, zartes Pulpo-Tentakel, dazu Avocado mit Chili und kleine Granny-Smith-Kügelchen, dann noch viel Oregano und ein paar Tupfer hier und da. Der Apfel gab dem Gericht zwar Frische, mochte sich für mich aber nicht so recht mit dem Pulpo vermählen. Auch den Oregano fand ich nicht 100% passend. Trotzdem ein sehr gutes Gericht.

    Tomate / Mango / Kräuter : Dann gab es einen Salat aus verschiedenen Tomaten (alle reif und intensiv) mit Mango-Espuma und diversen Kräutern. Yum, das war köstlich. Und das beste kam zum Schluss, das Auslöffeln der Schüssel mit einem tollen Tomaten-, Mango- und Kräuteraroma. Große Klasse.

    Gaucho-Frühstück: Als kleines Extra wurde dann ein "Gaucho-Frühstück" zum Teilen am Tisch zubereitet. Zwei pochierte Eier (24 Stunden sous-vide gegart) wurden mit geräuchertem Speck und Lauchzwiebeln vermengt. Dazu gab es ein paar Scheiben einer Art Knäckebrots. Das war sehr lecker, sehr herzhaft und stimmungsvoll (man stellt sich vor, man sitzt auf der Hochebene morgens am Feuer, friert und bereitet sich im Camping-Geschirr dieses Frühstück vor).

    Secreto Asado / Mais: Als nächstes kam mein Lieblingsgang des Abends, zwei dicke, saftige Streifen Secreto vom Iberico-Schwein, intensiv im Geschmack, nur ganz leicht umgarnt von etwas BBQ-Sauce und einem Mini-Maiskolben. Ich bin ein Riesenfan des Secreto-Stücks und auch hier war es wieder sensationell.

    Eintopf / Kabeljau / Kokos: Das nächste Gericht wirkte auf mich eher Thai als südamerikanisch. Es war eine Suppe auf Basis von Kokosmilch, Zitronengras und Chili, dazu etwas Kabeljau und ein bisschen Gemüse. Diesen Gang fand ich den gewöhnlichsten und auch schwächsten des Abends. Er hat schon sehr gut geschmeckt, aber es fehlte der Bezug zum Rest des Menus und das besondere Geschmackserlebnis, der Kabeljau ging in der scharfen Suppe unter.

    Caipirinha-Sorbet / Grapefruit: Das schon fast ausgestorbene Sorbet vor dem Haupt-Fleischgang hätte ich hier gar nicht erwartet. Als Gaumenerfrischer war das Caipirinha-Sorbet mit einem rosa Grapefruit definitiv willkommen.

    Jungbulle / Kaffee / Bratensaft: Als Hauptgang wurden ein paar Scheiben Jungebulle bleu serviert mit etwas Bratensaft und einer Kaffeebutter. Das Fleisch war 6 Wochen trocken gereift und wirklich intensiv im Geschmack. Hervorragend war die Kaffeebutter dazu, die das natürlich Rinderaroma eher hervorhob als für sich speziell zu schmecken. Sublim und geschickt. Einziger Wermutstropfen: hierzu wäre ein bisschen Brot zum Aufstippen des restlichen Bratensafts gar nicht schlecht gewesen. Brot wird aber im Madame X nicht serviert (es sei denn, man fragt danach).

    Schokolade / Passionsfrucht / Kakaofruchteis: Das Menu endete mit einem wirklich köstlichen Dessert, basierend auf einer Art großer Praline mit sehr dunkler Schokolade und einem Passionsfruchtkern und getoppt mit einem köstlichen Kakaofruchteis. Super.

    Jetzt war es auch schon weit nach Mitternacht. Man muss also für das Menu gute 4 Stunden einplanen. Zusammen mit den vielen verschiedenen Aromen und der schummrigen Atmosphäre ohne Außenlicht ist das schon ein kleines bisschen anstrengend, es bietet sich an, zwischendurch mal vor die Tür zu gehen. Ein kleines bisschen Kritik möchte ich mir nicht verkneifen. Der Service ist sehr nett, scheint aber noch nicht in allen Automatismen eingespielt zu sein (Wein einschenken, etc.) oder soll das auch nicht. Die schummrige Atmosphäre muss man mögen, mir hat sie nur begrenzt gefallen, stimmungsvoll ist sie aber auf jeden Fall. Jetzt noch ein paar Punkte, die man wissen sollte, die ich aber eher positiv finde: auch wenn die Küche anspruchsvoll ist, darf man nicht die Riten von Michelin-Stern-Restaurants erwarten. Das Besteck benutzt man das gesamte Menu über (bis zum Dessert), die Servietten haben eher was von Küchenhandtüchern, der Service bietet einem das Du an, es geht sehr wenig bis gar nicht formell zu, die Musik (Typ: Schweinerock à la Def Leppard) ist ab der Mitte des Abends ziemlich laut. Das passt alles gut zusammen und mir hat es gut gefallen.

    Jetzt zum unbedingt Positiven: das Essen ist sensationell gut, optisch ansprechend, am Zahn der Zeit (viele Räucheraromen, usw.), ohne prätentiös oder einfach nur "modisch" zu wirken, sehr stimmig, mit allerbesten Grundzutaten und viel Liebe zum Geschmack der Zutaten zubereitet und was für die Seele (neudeutsch: Soul Food), weniger für den Kopf. Auch die Weinkarte finde ich voll überzeugend. Am Ende sind wir zu dritt mit zwei Flaschen Wein, diversen Wässern, Kaffees, Tees und Säften für nur knapp über 300 Euro rausgekommen. Das ist für das, was einem hier geboten wird, eigentlich zu wenig. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das Menu nach ein paar Monaten teurer werden wird. Da ist aber auch wirklich noch Luft drin. Also: unbedingt jetzt hingehen!

    P.S.: Tim Mälzer war auch da, kommt aber nicht an den Tisch à la Finkbeiner .
    Zuletzt geändert von rocco; 03.05.2014, 18:30. Grund: Typo

  • #2
    Das klingt nach einer voll guten Wirtschaft.
    "das Essen ist sensationell gut, optisch ansprechend, am Zahn der Zeit (viele Räucheraromen, usw.), ohne prätentiös oder einfach nur "modisch" zu wirken, sehr stimmig, mit allerbesten Grundzutaten und viel Liebe zum Geschmack der Zutaten zubereitet und was für die Seele ..."
    Schade, daß unser Sportsfreund soriso nicht mehr an Bord ist. Ihn würde man zu gerne fragen: was ist denn nun mit den von Ihnen zitierten Sterneköchen, die in ihren zu-einem-Drittel-besetzten Lokalen proklamieren: der Kunde wünscht aber bretonischen Kleinschiffsteinbutt.
    Gruß
    s.
    PS: vier Stunden, drei Gäste, zwei Flachen Wein? Fastenzeit?

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    • #3
      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      PS: vier Stunden, drei Gäste, zwei Flachen Wein? Fastenzeit?
      0,1875l/h liegt mir nicht aber gut und in der Ruhe liegt die Kraft und Herr Soriso würde sicherlich mit dem Krückstock wippen, so er einen bräuchte und ich bin mir sicher, er war bei mir- so er hier war, auch ohne Steinbutt zufrieden.

      Einen wirklich herzlichen Dank für den Bericht, denn nun weiß ich was in einem der Lokale die ich nie besuchen werden kann (öffnungszeitenüberschneidung und ich bin mir sicher, dass sie sich vor mir weiter entwickeln) passiert.

      Auch inhaltlich ist beinahe alles so wie ich es mir gewünscht hätte, nur das "Cowboyfrühstück" hätte für den Gesamteindruck in die Suppe, eine Canja gehört.

      Gute Nacht

      Passepartout

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      • #4
        Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
        PS: vier Stunden, drei Gäste, zwei Flachen Wein? Fastenzeit?
        Ein Gast war im 6. Monat schwanger (ich war's nicht ) und hat deshalb auf Wein verzichtet.

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        • #5
          Werter rocco,

          danke für den äußerst animierenden Bericht! "Trois Etoiles" schlug in seinem Blog ja ähnlich hymnische Töne an, da muss ich bei meinem nächsten Besuch in meiner Heimatstadt wohl dringend mal vorbeischauen!! Was ich vor allem erstaunlich finde, ist die Tatsache, dass Herr Mälzer für dieses Lokal verantwortlich zeichnet, dem hätte man solch ein innovatives und inspirierendes Konzept jenseits des Mainstream eher weniger (bis gar nicht) zugetraut...

          P.S.: Bin dann bei meinem demnächst geplanten Besuch mal sehr gespannt, ob ich die Räumlichkeiten meines einst heiß geliebten "Saliba" noch wiedererkennen werde, denn laut ihrem Bericht scheint sich ja ambientetechnisch ein wenig getan zu haben....
          Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 04.05.2014, 14:05.

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          • #6
            Gleichfalls besten Dank, werter rocco, für den ausführlichen Bericht, welcher mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt! Das klingt vorzüglich und preislich im fairen Rahmen!

            Jeden Monat ein anderes Thema - wissen Sie, wie nahe beisammen oder wie unterschiedlich diese geplant sind?

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            • #7
              Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
              Jeden Monat ein anderes Thema - wissen Sie, wie nahe beisammen oder wie unterschiedlich diese geplant sind?
              Die bisherigen Themen waren Japan (Januar), Handwerk (Februar), Tscheinataun (lies: Chinatown) (März) und jetzt Südamarika. Ich vermute, dass das Restaurant eher spontan entscheidet, wovon sie sich für den nächsten Monat inspirieren lassen.

              Gruß, rocco

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              • #8
                Man kann von Tim Mälzer halten, was man will, aber er ist ein geschäftstüchtiger Unternehmer, der nicht nur mit Kochbüchern und TV-Auftritten erfolgreich ist, sondern der auch ein gutes Gespür für ausgefallene, aber massenkompatible Gastronomiekonzepte hat.

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ID: 50462

                In einem etwas abgelegenen Industriegebiet in Bahrenfeld realisiert er im Off Club gleich zwei Restaurants in einem. Im Off Club selbst werden solide und gar nicht mal unkreative Gerichte serviert. Zumindest sah es so verlockend aus, dass ich auch das Programm in der Woche noch austestete. Für diese Entscheidung wurde ich im Hauptgang mit einem sensationellen Rind vom Josper Grill belohnt, dem als Beigabe einige köstliche mit Meersalz und Öl im Mörser grob gestampfte Kartoffeln genügten. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, sollte das Menü zu knapp unter 50 Euro pro Person wählen, bei dem einem der Tisch mit allerlei kalten und warmen Vorspeisen voll gestellt wird, dann der Hauptgang und zum Abschluss noch 3 Desserts, alles zum Teilen und in sehr guter Qualität.

                Von dem wild zusammen gewürfelten Möbel-Stilmix inklusive Billig-Plastikstühlen, den man noch auf etlichen Bildern im Internet sehen kann, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Das wurde mittlerweile durch geschmackvolleres und bequemeres Mobiliar ersetzt.

                Aber ich will ja eigentlich über das Madame X berichten. Hierbei handelt es sich um einen separaten Raum inmitten des Off Club, komplett in rot und mit Plüschsofas eingerichtet. Das ist so schrill, dass ich mich schon auf dieses spezielle Ambiente freue - und entsprechend enttäuscht bin, dass man mich im Hauptraum platziert. Aber an dem Abend sei ich der einzige Gast, der Madame X essen möchte und da wäre es auch für mich sicher angenehmer, nicht alleine zu sitzen, erklärt man mir vorab am Telefon. Und es soll sich als richtige Entscheidung herausstellen. Dass man dennoch auch nur für mich das Madame X-Menü kochen will, spricht schon mal für sich.
                Gab es zu Beginn noch regelmäßig wechselnde Themen-Menüs, ist man hiervon wohl mittlerweile abgegangen. Das Carte Blanche Menü widmet sich mittlerweile schon seit längerem dem Motto "Schlichte Küche - 100°. 200° - In der Einfachheit steckt die Komplexität". Und das kennzeichnet auch sehr gut den Stil von Küchenchef Thomas Imbusch.

                Dabei ist das erste, das ich serviert bekomme, ganz und gar nicht einfach. Die Auster mit Hühnerhaut kommt in einer bereits betörend intensiv duftenden, leicht gelierten Hühnerbouillon. Ich kann die Nase gar nicht davon lassen. Ähnlich wie bei einem guten Wein könnte ich erst mal ewig riechen, bis ich es probiere. Das riecht komplex, schmeckt dann auch so, aber trotzdem unkompliziert und einfach nur sehr, sehr gut. Was für ein Start!

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ID: 50453

                Der nächste Gang birgt größte Kleckergefahr. Wildkräuter und Salat sind zu einem Bündel zusammengebunden und sollen auch so direkt gegessen werden. In einer Schüssel sind eine gute Vinaigrette und ein paar schwarze Brösel, durch das man die Blätter zieht und dann direkt isst. Das mag ein wenig archaisch anmuten, passt aber und schmeckt. Großen, nachhaltigen Eindruck indes hinterlässt es nicht.

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                Nun kommt frisch gebackenes, herausragendes Brot im Blumentopf, sehr gute Butter und noch besserer Katenschinken. Das Brot soll sich später noch als perfekte Ergänzung zu einem Rheingau-Riesling herausstellen, mit dem ich ansonsten nicht so viel anfangen kann, der aber in Kombination beides noch weiter nach vorne holt.

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ID: 50455

                Im nächsten Gang gibt es eine gehäutete und gerollte rote Paprika. Klingt schlicht, ist es auch - wenn da nicht die großartige, intensive Sauce aus Paprika und Kürbiskernöl wäre. Erneut wird eine einfache Zutat unglaublich geschmacksintensiv inszeniert. Und das völlig ohne Variation von diesem und jenem, sondern nur durch einen sehr guten Begleiter.

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ID: 50456

                Ein weiterer vegetarischer Gang folgt, der Kräuterseitlingen durch Rhabarber eine irritierend rosa Farbe verschafft. Geschmacklich bleibt das trotz der fetten Avocado eher auf der frischen Seite. Mehr bleibt allerdings auch nicht hängen.

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                Im Gegensatz zur perfekt gegarten Eismeerforelle, die in einem dichten Rotkohlsaft badet und etwas Selleriepüree an die Seite bekommt. Das ist bei aller Reduktion ganz hervorragend, ungewohnt und dennoch unglaublich süffig.

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ID: 50458

                Nicht, dass ich Innereien nicht mag, ganz im Gegenteil. Aber aus gesundheitlichen Gründen und weil ich auf meinen Cholesterinspiegel aufpassen muss, habe ich vorab darum gebeten, sie auszuschließen. Thomas Imbusch überredet mich dann doch dazu, weil es nur ein paar kleine, wenige Stücke von der Wallerleber seien. Nun ja, klein ist wohl relativ. Denn im Teller finden sich vier respektable Stücke, in brauner Butter schwimmend und mit Käse bestreut. Cholesterin adieu! Geschmeckt hat es dafür üppig, fettig, lecker.

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                Auch im Hauptgang bleibt sich die Küche dem Hauptmotto treu. Es gibt sehr gut gebratenen und geschmacksintensiven Bison und eine schöne Jus. Dazu, wenn man mag, etwas Meerettich-Butter. Mehr braucht es in der Tat nicht.

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ID: 50460

                Richtig opulent wird es dann aber doch noch. Am Tisch wird das Dessert angerichtet. Ananas, bereits kräftig abgeflämmt, wird noch flambiert. Eine schokoladige Kugel fällt unter der Hitze langsam in sich zusammen, auf der Schiefertafel wird noch Pina Colada-Eis und allerlei Dehydriertes angerichtet. Das ist natürlich ordentlich Feuer- und Showspektakel, aber es riecht gut und schmeckt auch sehr ordentlich. Mengenmäßig ist das aber eher für zwei Personen ausgerichtet. Ich kapituliere jedenfalls nach der Hälfte, bin aber zufrieden.

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                Wie mir der gesamte Abend ausgesprochen gut gefallen hat. Schon am Telefon pflegt man das direkte Du, was sich vor Ort fortsetzt und auch überhaupt nicht stört, denn man kümmert sich sehr aufmerksam und irgendwie schafft das auch gleich eine Atmosphäre, eher bei Freunden zu sein. Warum mich ausgerechnet die Sommelière, die für das Menü eine sehr eigenständige und spannende Weinbegleitung zusammen gestellt hat, dennoch siezt, wirft in mir die Frage auf, ob ich wohl doch schon in dem Alter bin, in dem man respektvolle Distanz hält. Schade wär's...

                Thomas Imbusch, der in seinem Lebenslauf Stationen bei Alain Ducasse und Christian Bau vorzuweisen hat, hat einen bemerkenswerten Stil im Madame X entwickelt, den ich so bisher in Deutschland noch nicht erlebt habe. Im besten Sinne einfache Küche, die ohne Firlefanz auskommt, aber dennoch ein hohes Maß an Finesse und und Tiefgründigkeit mitbringt. Das ist komplex, kommt aber ganz unkompliziert um die Ecke.

                Als ich ein paar Tage später noch einmal im Off Club bin, ist auch der Madame X-Raum gut besucht und ein überregional bekannter Foodblogger, der sich schon früh als Fan geoutet hatte und ein Hamburger Zweisternekoch sitzen dort einträchtig beisammen. Es gibt schlechtere Referenzen in Sachen Geschmackskompetenz.

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                • #9
                  Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
                  Nicht, dass ich Innereien nicht mag, ganz im Gegenteil. Aber aus gesundheitlichen Gründen und weil ich auf meinen Cholesterinspiegel aufpassen muss, habe ich vorab darum gebeten, sie auszuschließen.
                  Das entspricht nicht mehr dem Stand der Dinge. Cholesterin in der Nahrung hat sehr wenig Einfluss auf den Blutcholesterinwert. Nur zu mit den Innereien.

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                  • #10
                    Danke für den tollen Bericht. Die Eindrücke bestätigen, dass das Madame X bei meinem nächsten Hamburg Aufenthalt auf die Agenda muss.

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                    • #11
                      "Das entspricht nicht mehr dem Stand der Dinge. Cholesterin in der Nahrung hat sehr wenig Einfluss auf den Blutcholesterinwert. Nur zu mit den Innereien."

                      Gibt es dazu auch Literatur, die ich meinem Lieblingsinternisten, der perpetuum mobile artig auf der mediterranen Kost besteht, ohne genauer erklären zu wollen, ob eher die türkische oder die tunesische Küche gemeint sei, und der auch meine Hinweise, daß die Lebenserwartung in Tunesien oder auch Ägypten geringer ist, als am Neckar, ignoriert, empfehlen kann?

                      Gruß
                      s.

                      PS:
                      Haz la cuenta conmigo, dotorcillo
                      para quitarme un mal, me dal mil males
                      Estudias medicina o Peralvillo
                      De este cura me pides ocho reales
                      Yo quiero hembra y vino y tabardillo
                      y gasten tu salud los hospitales.

                      (frei übersetzt: Mach mir die Rechnung, Doktorchen, doch hör, du Totengräber nennst dich Mediziner, und gibst mir für ein Übel tausend mehr
                      Für diese Kur berechnest du acht Taler? Wein will ich, und ein Weib, und Scharlachfieber - und ruinier du dich von mir aus im Spitale

                      Francisco de Quevedo

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                      • #12
                        Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen

                        PS:
                        Haz la cuenta conmigo, dotorcillo
                        para quitarme un mal, me dal mil males
                        Estudias medicina o Peralvillo
                        De este cura me pides ocho reales
                        Yo quiero hembra y vino y tabardillo
                        y gasten tu salud los hospitales.
                        Ja das deckt sich ungefähr mit meinen Eindrücken...

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                        • #13
                          Schauen Sie z.B. hier:

                          http://www.spektrum.de/news/die-chol...-bombe/1204826

                          OT aus: Hach, so ein Restaurant wie das Madame X hätte ich in München auch gern. Hier ist alles immer so brav.

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                          • #14
                            Zitat von HeikeMünchen Beitrag anzeigen

                            OT aus: Hach, so ein Restaurant wie das Madame X hätte ich in München auch gern. Hier ist alles immer so brav.
                            In Hamburg auch, das Madame X eine von wenigen Ausnahmen.

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                            • #15
                              Eigentlich, werte HM, hatte ich mir etwas seriösere Literatur gewünscht
                              s.

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