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The Table - Kevin Fehling ***

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  • Die aktuelle Ausgabe der ZEIT widmet übrigens nicht nur Helmut Schmidt viele Seiten, sondern auch das Dossier (3 Seiten) Kevin Fehling und dem The Table (wohlgemerkt VOR Kenntnis der ***). Die Story ist - finde ich - gut und sehr stimmungsvoll geschrieben. Hat Spaß gemacht, zu lesen. Ich bin schon wieder sehr gespannt auf das nächste Menü. Ob ich wirklich - wie angekündigt - durchhalte, jedes Menü einmal zu essen (also alle zwei Monate), mal schauen... Aber ich werde mir Mühe geben.

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    • Zitat von rocco Beitrag anzeigen
      Die aktuelle Ausgabe der ZEIT widmet übrigens nicht nur Helmut Schmidt viele Seiten, sondern auch das Dossier (3 Seiten) Kevin Fehling und dem The Table (wohlgemerkt VOR Kenntnis der ***)....
      Falls es jemand interessiert, hier der Artikel:
      http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015...guide-michelin
      Typisch Deutsch, wie die Autorin an die Sache herangeht...

      Kommentar


      • Zitat von Hannes Buchner Beitrag anzeigen
        Falls es jemand interessiert, hier der Artikel:
        http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015...guide-michelin
        Typisch Deutsch, wie die Autorin an die Sache herangeht...
        Der Artikel ist insgesamt schon ok, aber ärgerlich finde ich, dass mal wieder die üblichen Vorurteile bedient werden:

        "Oder ist der Guide Michelin einfach nur ein Handbuch für reiche Leute, die sich selbst für so kostbar halten, dass ihnen ein einfacher Gurkensalat nicht genügt? "

        "Natürlich ist es verrückt, wirklichkeitsfremd, knapp 300 Euro für ein Abendessen und ein paar Gläser Wein auszugeben."

        Die Zitate sind so zwar aus ihren Zusammenhängen gerissen, sind aber vermutlich doch genau das, was bei vielen Lesern hängen bleiben dürfte.

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        • Das glabue ich nicht, lieber Mohnkalb. Ich finde, die unbedarften Leser werden bei ihren Vorurteilen abgeholt und in dem langen Artikel auch dem Nicht-Kenner Einsichtmöglichkeiten eröffnet, sich davon zu lösen.

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          • In meinen Augen ist der Artikel in Ordnung - aber von einer Spitzenzeitung wie der Zeit hatte ich mehr erwartet (Spritzigkeit bzw. Originalität).

            Großen Dank jedoch, dass die Quelle verlinkt wurde und so ganz zu lesen war.

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            • Ich finde es eher bemerkenswert, dass eine "Spitzenzeitung" wie die ZEIT diesem Thema so viel Raum widmet. Das Dossier ist gut recherchiert, flott geschrieben und seriös dargestellt. Ich war überrascht, wie positiv dieser Artikel bei regelmäßigen ZEIT-Lesern, die keine "Foodies" sind, angekommen ist und mit welch neuem Verständnis sie über diese Branche diskutiert haben. Endlich hat es mir im Kollegenkreis mal Spaß gemacht, mitzudiskutieren und nicht wegen despektierlicher Bemerkungen die Ohren auf Durchzug zu stellen.

              Schönen Gruß, Merlan

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              • Nun gut, über Kevin Fehling und The Table wurde ja bereits so einiges zu Papier gebracht.
                Einen Auszug meiner Eindrücke möchte ich hier gerne zum Besten geben. Wer möchte findet den vollständigen und bebilderten Bericht mühelos bei mir.

                Ein frohes Fest und ein kulinarisch besonderes Jahr 2016
                wünscht bst
                ---
                Unser kulinarisches Jahr im Sternebereich startete im La Belle Epoque in Travemünde bei Kevin Fehling. Dort werden Sie ihn jedoch nicht mehr vorfinden.
                Fehling wagte den Sprung in die Selbstständigkeit und eröffnete im August dieses Jahres sein Restaurant „The Table“ in Hamburg.
                Die Neueröffnung war ein Aufsehen erregender Vorfall. Ein Paukenschlag!

                Ziehen wir doch einfach ein paar Quellen zu Rate:

                „Es ist wohl die gastronomisch spektakulärste Neueröffnung des Jahres“ (Guide Michelin 2016).

                „Mit der kompromisslosen Neuausrichtung seines Erlebniskonzepts empfängt er seit August 2015 seine Gäste in der trendigen Hafencity“ (Schlemmer Atlas)

                „Hochküche als Genusstheater mit Unterhaltungsfaktor: Eine moderne glamouröse Bühne für aufregende, weltläufige Gerichte, die hier die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt“ (DER FEINSCHMECKER Heft 10, Oktober 2015).

                Die Ausrufung zum „Restaurant des Jahres“ vom FEINSCHMECKER kann ich trotz der flotten Entscheidung in der Sache nachvollziehen.
                Bei der Präsentation des neuen Guide Michelin, von der ich berichtet habe, wurde die Auszeichnung von drei Sternen für das Restaurant als so erwartet aufgenommen. Der Gault&Millau 2016 für Deutschland zieht sich mit 17 Punkten in den Schmollwinkel zurück.

                Das Restaurant:

                In der „trendigen“ Hafencity begeben wir uns auf einen recht untredigen Fußmarsch durch und um die Baustellen in der Shanghaiallee.

                Das Restaurant ist hell, groß, modern, eine interessante Location mit Blick zur Küche und Nähe zu den Tischnachbarn. Wer möchte, kommt schnell ins Gespräch, wer seine Ruhe sucht, wird auch diese finden. Dies alles wurde in der kurzen Zeit seit der Eröffnung im August so oft beschrieben, dass man den Eindruck gewinnen konnte, die Immobilie sei der Star und nicht das Essen. Mag sein, dass Kreativität und Handwerkskunst der Fehlingschen Küche derart unumstritten sind, dass man sich bei den Berichten eher am Konzept orientiert. Dieses Konzept ist zeitgemäß, modern und einladend. Doch wer glaubt, dass allein das Ambiente eine gewisse Zwanglosigkeit und Lässigkeit einkehren lässt, liegt falsch. Wer es leger und lässig mag, muss hierzu seinen eigenen Beitrag leisten. Je internationaler das Publikum ist, umso näher ist man der entspannten Atmosphäre. Die Küchencrew ist mit der streng choreographierten Performance zu sehr beschäftigt um die Stimmung auch noch aufzulockern und die distinguierten Hamburger Gäste tauen ohnehin nur langsam auf.

                Das Restaurant ist eine gelungene Alternative zum traditionellen Gourmetrestaurant. Es fällt mir jedoch noch immer schwer zu glauben, dass dies wegweisend für die moderne Sternegastronomie sein wird. Warum auch. Vielfalt ist angesagt. Darin liegt doch die eigentliche Bereicherung. Vielleicht mag die Zukunft mich widerlegen.

                Das Menü:

                Matjesbrötchen
Hummer „Thermidor“
                Hamachi „Japanisch“
                Geflämmter Saibling, Tatar & Kaviar
                Wagyu-Bun

                Jakobsmuschel „Wiener Art“ Gänseleber “Tom Kha Gai”
                mit Garnele & Mango

                Bouillabaisse auf 3 Arten

                Trüffelei mit Kalbsgraupen, Pilzen & Dashi

                Challans Entenbrust „Sushi“
                mit Kimchi-Maki, Ingwer-Hollandaise & Sojajus

                Dattel
                mit Lorbeereis, Safranperlen, Kumquat & Hummuscreme

                “Wundertüte”
                mit Lavendel, Blaubeere, Sternanis & Kardamom

                Pina Colada Macaron
                Martini Cocktail mit Olive

                Technische Perfektion, handwerkliche Präzision, kreative Intuition und eine durchdachte Organisation verbinden sich zu einem einzigartigen Genusserlebnis.
                Dabei darf man nicht bierernst auf die Teller starren, so manches kommt eher augenzwinkernd daher.
                Die Grundlagen französischer Klassik werden in einem wahren Fusionsfeuerwerk zeitgemäß präsentiert.
                Auf nach Hamburg!

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                • Lange musste ich nicht warten, um nach unserem Besuch bei Fehling auch formell und kalendarisch sicher zu sein, dass dies unser Restaurantbesuch des Jahres war. Nun, unser letzter Dreisterner-Besuch lag schon einige Jahre zurück. Dies, in Verbindung mit der intensiven Vor- und Begleitberichterstattung sowie der historischen Sonderstellung als allererster Dreisterner in Hamburg überhaupt, ergibt ja eine interessante Gemengelage, die folgende prototypische Reaktionsmuster zur Folge haben kann:

                  - Eine Erwartungshaltung in Himmelsnähe, niemals zu erfüllen und mit zwangsläufig folgender Enttäuschung
                  - Eine Trotzhaltung, nach dem Motto, „irgendwas wird sich hier schon finden lassen, das nicht so toll ist“
                  - Einen unbedingten Willen zum Superlativ, ein In-eins-Setzen der persönlichen Ziele mit den Zielen des Restaurants – es ist gut, weil es eben gut sein MUSS
                  - Eine starke Beeinträchtigung des Vertrauens in die eigene Urteilsfähigkeit, denn es ist schon so viel geschrieben worden – wer bin ich da, im übergroßen Konsens getroffene Einschätzungen in Frage zu stellen?

                  Aber der Mensch hat ja grundsätzlich die Fähigkeit zur Reflexion, und wenn es richtig gut läuft, kann er das sogar mit hedonistischem Genuss verbinden. Und so versuchte ich mein Bestes.
                  Architektur und Ambiente: Hier ist wirklich alles gesagt. Wir fühlten uns sehr wohl, aber es ist natürlich nicht so, als säße man in einem sehr großen Wohnzimmer bei Freunden. Vielleicht ist das bei Menschen anders, die große Künstler im Freundeskreis haben, ich weiß es nicht.
                  Das ewige Herumreiten auf der sich jetzt gefälligst einzustellenden Lockerheit bei gleichzeitig höchster Qualität führt m. E. zu nichts. Diese Lockerheit ist ein scheues Reh, und je lauter man nach ihm ruft, desto eher vertreibt man es. Und was ist die häufige Begleiterin von Lockerheit? Beiläufigkeit. Möchte ich Essen dieser Qualität wirklich beiläufig konsumieren? Fokussiertheit ist nicht gleich Verkrampfung.

                  Ach ja, wir haben auch gegessen:

                  = Amuses
                  - Fischbrötchen, gleich das erste Macaron. Salzig-fein, schönes kleines Aromenspiel
                  - Labskaus, eine liebevolle Dekonstruktion und der erste Zylinder
                  - Soft-Shell-Crab mit Mojito, ein essbarer Aperitiv
                  - Geflämmter Saibling, Tatar & Kaviar, wieder sehr fein, balanciert, mit schönen Aromawellen (irgendwann wird’s garantiert salzig). Das Flämmen allerdings erscheint etwas wirkungslos, Röstaromen kommen nicht wirklich zur Geltung und der Fisch ist dann halt doch kalt
                  - Garnelen-Bun, Kimchi-Gurke, gefiel mir auf hohem Niveau am besten von den Amuses, eine weiche, aber nicht klebrige Bun-Konsistenz, die Garnele hält die Süße im Zaum und die Kimchi-Gurke ist mundwässernd eingelegt
                  Dazu gab es einen schönen, aber nicht herausragenden Perrier Jouet (spendiert mir bitte mal jemand die Punkte zum e?) bzw. einen bleifreien Raumland Secco (geht immer) bzw. ging es dann schon über zum ersten Wein der gewählten „Weinreise“, 2013er Cantocuerdas von Bernabeleva/Madrid(!); ein v. a. zum nächsten Gang sehr ordentlicher Begleiter, ohne allzu lang im Gedächtnis zu bleiben.

                  = Jakobsmuscheln „Wiener Art“
                  Den Gag mit der Panade haben wahrscheinlich mittlerweile so viele Gäste gemacht, dass der Service ihn jetzt gleich selbst erzählt. Nun, inzwischen wissen ja alle, dass es ein Muschelcarpaccio ist, das mit den Zutaten des Wiener Schnitzels spielt – Kapern, Zitrone, Preiselbeere, Kresse. Wäre die Zutatenliste hier zu Ende, ich würde über ein technisch exzellent ausgeführtes Gericht schreiben, das mich in der Ansicht bestätigt, dass eine rohe Jakobsmuschel vor allem verschenktes Potenzial darstellt. Aber dann hätte ich die Sardellen-Geleewürfelchen unterschlagen, und genau diese geben dem Gericht einen entscheidenden Boost in die Galaxie der perfekten Balance, die sich – offensichtlich Grundprinzip der Fehlingschen Küche – aus den Kontrasten einer extrem filigranen und aufwändigen Verarbeitung und Anrichtung der einzelnen Komponenten ergibt.

                  = Sushi & Nigiri von der Gänseleber mit Ingwer und Wasabi
                  Weiter oben habe ich ja über das Risiko der übersteigerten Erwartungen geschrieben. Hier schraubte sich diese Spirale noch ein Stückchen weiter nach oben, lieben meine Frau und ich doch sowohl Sushi als auch Gänseleber. Nun, tatsächlich ist das Gericht Sushi-artig angerichtet, ansonsten erschließt sich diese Idee nicht hundertprozentig. Die Gänseleber ist natürlich von tadelloser Qualität und die einzelnen Aromen sind glasklar identifizierbar.
                  Dazu gab es eine 2009er Wehlener Sonnenuhr Kabinett von JJ Prüm. Oberflächlich betrachtet eine sehr klassische Begleitung (restsüßer Riesling), genau genommen aber eine entscheidende Nuancierung durch die Wahl von Kabinett statt Auslese o. Ä., denn so tariert sich im Gesamtgefüge aus Essen und Wein doch noch eine erfrischende Leichtigkeit aus, lässt allem Luft und Eleganz und nicht zuletzt auch eine Chance für den nachfolgenden Wein.

                  = Bouillabaisse auf 3 Arten
                  Dieses Gericht hat Forumskollege rocco nicht nur bereits beschrieben, sondern ich schließe mich auch seiner Einschätzung hier grundsätzlich an. Der Duft ist natürlich herrlich und alles ist in punkto Produktqualität und Technik topp, aber der Sud ist doch allzu intensiv und nivelliert die Nuancen zu stark. Da kann dann auch der – für sich genommen hervorragende – 2012er Riesling R von Kühn nicht viel retten. Na ja, „gerettet“ werden muss hier nun auch nicht wirklich was; dieser Gang ist kein Flop, aber unter dem Strich überzeugt er auch uns an diesem Abend am wenigsten.

                  = Trüffelei mit Kalbsgraupen, Pilzen & Dashi
                  Auch hier hat rocco Beschreibung und Beurteilung imho vollkommen treffend zusammengefasst. Wobei bei uns nicht weißer Trüffel über das Gericht kam, sondern ein – aromatisch nicht komplett überzeugender – Herbsttrüffel. Ja, die hochgeglückte Allianz von Rustikal und Fein ist es, die diesen Teller ausmacht. Der 2011er Mâcon-Chaintré von Valette hat da leichtes Spiel.

                  = Rehrücken mit Hagebutte, Mohn, Szechuanpfeffer-Hollandaise & Kakaojus
                  Der Rehrücken (natürlich) sous-vide, Hagebutte als Gel-Halbkugel und die beschriebenen Würzgeber als kongeniale Begleiter. Interessanterweise ist es hier eher nicht Makro-Balance durch Mikro-Kontraste, sondern es ist ein eher auf Komponentenähnlichkeit ausgelegter Teller. Meiner Beobachtung nicht ganz untypisch für Fleischgänge in der Topgastronomie und vielleicht einer der Gründe dafür, dass die Höhepunkte oft eher bei den „Vorspeisen“ und Fischgängen liegen. Aber, kein Zweifel, das ist ein tolles Gericht und bei aller Zeit- und Ortsloslösung, die man im „The Table“ erlebt, vermittelt sich sogar so etwas wie Adventsstimmung. Dazu ein 2012er Saint Joseph „L’Olivaie“ von der Domaine Coursodon; Rhône zum Reh, interessant und stimmig.

                  = Dessert mit den Aromen aus Fern-Ost
                  In der Mitte ein großer Taler aus Kalamansi-Creme (hier kam die Form zum Einsatz, die sonst wohl für die Gänseleber Tom Kha Gai verwendet wurde). Dann Scheiben aus unreifer, gesalzener Mango. Eine grüne Mousse mit Thai-Basilikum. Etwas Kokos. Und viele weitere Aromen, die kurz solistisch hervortraten und dann wieder in die Chorstimme gingen. Cremig, körnig, crispy. Herb, würzig. (leicht) süß. Dieser Teller hat mich weggeblasen. Das ist die absolute Champions League der Patisserie, an ein besseres Dessert kann ich mich nicht wirklich erinnern.
                  Bleibt noch die Frage, ob der Name des Gerichts nun als Understatement des Jahres durchgeht oder semantisch so tricky ist, dass es eben nicht irgendeinem Zufall geschuldet ist, dass statt von „[einigen] Aromen aus Fern-Ost“ von „DEN Aromen aus Fern-Ost“ die Rede ist. Understatement oder Größenwahn? Nach dem Genuss dieses Tellers bin ich geneigt zu glauben, dass genau dies wirklich DIE Aromen aus Fern-Ost sind. Keines mehr und keines weniger. Dem 2013er Jurancon (spendiert mir bitte mal jemand …?) „Clos Uroulat“ von Charles Hours gebührt der Verdienst, dieses perfekte Gericht nicht gestört zu haben – ach was, der passte schon wirklich gut, aber viel mehr habe ich dazu nicht mehr präsent.

                  = „Wundertüte“ mit Lavendel, Blaubeere, Sternanis & Kardamom
                  Zu diesem Dessert wurde ja schon viel geschrieben. Ein kleines Füllhorn aus dem Paradies. Konzeptionell dem anderen Dessert durchaus ähnelnd. Vielleicht fehlt ihm das (nicht nur) optische Zentrum, um hier komplett auf Augenhöhe zu sein. Aber was heißt hier Augenhöhe? Das ist Weltklasse im Vergleich mit Weltklasse, das ist Bach von Hilary Hahn vs. Bach von Julia Fischer. Ach, denken Sie sich doch einfach Ihren eigenen Vergleich aus. An diesem Abend das zweitbeste Dessert UND der zweitbeste Gang des Abends. Vielleicht ist es doch gut, wenn die Patisserie nicht an einen eigenen genialen Kopf delegiert wird, sondern das komplette Menü Chefsache aus einem Guss ist.
                  Begleitend dann der Bricco dell’Uccelone … äh nee, Brachetto d’Acqi von Giacomo Bologna. Eigentlich ein recht einfacher Tropfen, aber das funktioniert natürlich.
                  Ein hübscher Nebeneffekt: Verstärkt durch dessen Form, sieht der Teller, wenn man diesen Gang aufgegessen hat, aus wie eine Malerpalette.

                  = Kleinigkeiten zum Schluss
                  - Pina (spendiert …) Colada Macaron: Och ja, bitte noch mal ein paar einpacken davon
                  - Martini Cocktail mit Olive: Hier dann die „Fehling-Olive“ mit weißer Schokolade. Toll.

                  Ein großartiger Abend auf höchstem Niveau. Ja, die Atmosphäre ist vielleicht eher andächtig als beschwingt. Und man sieht eigentlich nicht Köchen bei der Arbeit zu, sondern Kunsthandwerkern, die in einer ganz präzisen Choreographie Teller vollenden. Die aromatische Komplexität ist sehr hoch, die technische Komponente nicht zu leugnen. Für mich ist das aber keine „unnatürliche“ Küche, sondern eine, die in der handwerklichen Freiheit im Umgang mit Texturen, Optiken und auch klassischen Rezeptvorbildern alles abstellt auf Aromen in ihrer Komponenten-Vielfalt und ihren orchestralen Gesamtklang als Komposition. Oder anders: Die Verfremdung sensibilisiert uns vor dem Teller umso mehr für den Geschmack, weil er letztlich der einzige Sinn ist, dem wir bei dieser Art von Küche trauen dürfen (der Einfachheit halber seien Geschmack und Geruch hier in eins zusammengefasst).

                  Ich wünsche allen ein frohes, genussreiches Jahr 2016!

                  Viele Grüße
                  Q.

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                  • Vielen Dank, lieber quartalsesser für den unterhaltsam=klugen Bericht! Kleine Nachfrage: Verstehe ich das richtig: Sie haben beim Hauptgang die Spannung bzw. Kontraste vermisst und halten das für typisch Spitzengastronomie? (Ist es vielleicht so, dass sich "rotes Fleisch", wie hier das Reh, generell eher schlecht für Kontraste eignet?)

                    Grüße, mk

                    P.S.
                    Zitat von rocco Beitrag anzeigen
                    Aber die Wohnzimmeratmosphäre, das „bei Freunden zum Essen“ Gefühl, das funktioniert schon wirklich gut.
                    Zitat von quartalsesser Beitrag anzeigen
                    aber es ist natürlich nicht so, als säße man in einem sehr großen Wohnzimmer bei Freunden.
                    Am besten schmeckt's mit Freunden sowieso in der Küche.

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                    • Lieber Q.,

                      rechtzeitig zum Jahresanfang haben Sie uns mit Ihrem großartigen Bericht beschenkt. Vielen Dank dafür.

                      LG
                      wi

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                      • Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
                        Vielen Dank, lieber quartalsesser für den unterhaltsam=klugen Bericht! Kleine Nachfrage: Verstehe ich das richtig: Sie haben beim Hauptgang die Spannung bzw. Kontraste vermisst und halten das für typisch Spitzengastronomie? (Ist es vielleicht so, dass sich "rotes Fleisch", wie hier das Reh, generell eher schlecht für Kontraste eignet?)
                        Guten Abend,

                        "vermisst" wäre schon wieder zu stark formuliert. Es ist eine eher gefühlte als empirisch belegte Tendenz, dass die sog. "Hauptgänge" (ich denke mal, für die Konzeption vieler Spitzenkoch-Menüs ist schon dieser Begriff ein Problem) mit dunklem Fleisch tendenziell etwas konventioneller, klassischer ausfallen. Ob das an den Präferenzen der Köche liegt oder an den Eigenschaften des jeweiligen Fleischprodukts, an der - tatsächlichen oder vermuteten - Erwartungshaltung der Gäste, dann doch noch "ein richtiges Stück Fleisch" im Menü zu haben, ist schwer zu sagen. Das geht zudem einher damit, dass in den Weinbegleitungen dann an dieser Stelle oft der einzige Rotwein serviert wird. Und Rotwein - wieder so eine Vermutung von mir - gehört für manche Gäste dann doch irgendwie zwingend zu einem hochklassigen Essen dazu.

                        Zu Ihrem P.S.: Hihi, das war mir gar nicht aufgefallen. Ich lass es mal so stehen.

                        Viele Grüße
                        Q.

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                        • Interessanter Kommentar - ja, scheint mir auch, die Hauptgänge fallen oft etwas klassischer aus... Wobei ich in grossen Menüs manchmal den Rotwein (nur zum Hauptgang) vermisse, nichts gegen weiss oder süss, aber in einer längeren Weinbegleitung kann der eine oder andere Rotwein schon auch schön sein!

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                          • ë, ç, ñ
                            Gruß
                            s.
                            PS: schließe mich Frau wi an, tolles wortgewaltiges Silvesterfeuerwerk!

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                            • Vielen Dank für den Bericht. Mir ist das Essen teils auch etwas zu gekünstelt, aber irgendwie funktioniert es trotzdem. Bei Gängen wie dem Gänseleber-Sushi bin ich ziemlich skeptisch - auf dem Papier klingt das so wie etwas, was einfach nicht zusammengehört. q und ich haben es schon kurz beim letzten Zusammentreffen angerissen. Sehr interessant ist der Blog-Post von "Trois Etoiles" zum The Table und die Kritik ist durchaus nachvollziehbar, da im The Table der Fokus wirklich eher auf der Technik als auf dem Produkt zu liegen scheint. Auf der anderen Seite gibt es eben auch mehrere Formen der gelungenen Hoch-Küche und ich war bisher immer fasziniert von der Küche und freue mich auch schon wieder auf den nächsten Besuch.

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                              • Den "Trois Etoiles"-Bericht hatte ich vor unserem Besuch gelesen. Mir gefällt an den Berichten von J. Walther, dass er häufig deutlich kennzeichnet, an welchen Stellen seine Einschätzung von persönlichen Vorlieben geprägt ist. Mit seiner z. T. recht harten Kritik im Hinterkopf, entspannte ich mich aber spätestens, als die Jakobsmuschel "Wiener Art" serviert wurde, die ihm ja nun gar nicht gefallen hatte. Mindestens ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass es hier teilweise doch um recht idiosynkratische Fragen geht und sich da eher der Rezensent als der Koch verrannt hatte. Vielleicht ist es irgendwann auch eine Art von Übersättigung, die so einen gewissen "grundgenervten" Tonfall mit sich bringt (das ist jetzt wiederum von mir etwas zu hart formuliert - man sehe mir die kleine argumentative Faulheit nach).

                                Viele Grüße
                                Q.

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