Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

The Table - Kevin Fehling ***

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #91
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Geschäftsidee: "Bod - Bericht on demand"! Gegen Aufwandsentschädigung natürlich! Ich wäre dabei!
    Meine Bankverbindung gibt es selbstverständlich der PN...

    Kommentar


    • #92
      Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
      Ich glaube, es ist doch in dem Interview bei uns deutlich geworden, dass sich kulinarisch nichts ändern soll. Eher in Zukunft "noch mehr Kreativität" und noch mehr "Eigentständigkeit" war doch da die Aussage.
      Stimmt, deshalb schrieb ich ja auch "vor den Interviews". Bin auch sehr gespannt.

      Kommentar


      • #93
        Da ist es vielleicht etwas der Kürze zum Opfer gefallen, dass zwischen kulinarischer Linie (bleibt unverändert) auf dem Teller und die Atmospähre (neu) nicht so differenziert werden konnte, wie das bei der Länge auf unserer Seite möglich war ;-)

        Kommentar


        • #94
          Es tut mir leid, wenn ich einigen hier zu nahe getreten bin und mein Posting zu negativ herüberkam, aber mir kam einfach diese Unverhältnismäßigkeit zwischen dem Bohei der Vorberichterstattung und der dünnen Nachrichtenlage, die dann knapp die erste Woche nach der Eröffnung prägte, ein wenig merkwürdig vor. Ich finde im Vorfeld betriebene Spekulationen zwar ebenfalls durchaus spannend und anregend, lasse mich aber lieber durch harte Fakten, die einem tatsächlichen Restaurantbesuch entspringen, überzeugen und später dann vielleicht in ein Lokal wie "The Table" locken!

          Ich wollte mit meinem Posting keinesfalls das Engagement eines Herrn Fehling in Frage stellen, der den Mut besitzt, mit einem kostenreduzierenden und eigenständigen Konzept (das es im Gegensatz zu einigen Weltmetropolen in Deutschland in der Tat in dieser Form noch nicht gibt) ein potenzielles Drei-Sterne-Restaurant ohne Background durch Sponsoren bzw. ein dahinter stehendes Hotel in die Gewinnzone zu bringen. Außerdem freut es mich, dass seine Wahl auf meine Heimatstadt Hamburg gefallen ist, die somit neben dem "Haerlin" nun einen zweiten kulinarischen "Leuchtturm" besitzt, der sich anschickt, erstmalig drei Sterne in die Hansestadt zu holen!!

          Kommentar


          • #95
            Nach einer Irrfahrt darüber wie man platziert, reserviert und was wohl serviert wird, nach Unkenrufen darüber, wie der Wahnsinn finanziert wird, nach all dem was hier dokumentiert, ins Blaue spekuliert und mit über 5000 Klicks noch vor der Eröffnung honoriert wird, nach all dem darf nicht vergessen werden, dass das das vor dem wie steht, es mehr wiegt etwas selbst zu wagen, als zu befürchten dass sich ein anderer irrt. Und wenn dann das wie so groß wird, sollten wir alle auch auf die Gefahr hin, dass es uns selbst nicht das Liebste ist freuen, dass überhaupt etwas neues passiert.

            Viele Grüße und ein schönes Wochenende

            Passepartout

            Kommentar


            • #96
              Nun hat alles Warten, Interpretieren und Spekulieren ein Ende. Das Restaurant von Kevin Fehling ist nicht nur eröffnet, sondern ich war mit einigen Freunden auch dort und kann berichten. Neben den üblichen kulinarischen Aspekten will ich das Augenmerk besonders auf die Atmosphäre legen, schließlich soll hier ja eine für deutsche Spitzenrestaurants neue Facette gezeigt werden. Aber für mich hat der Abend gezeigt, dass die Atmosphäre nicht spektakulär anders ist, als in anderen Restaurants. Für diejenigen, die das Konzept hier skeptisch gesehen haben, gibt es also keinen Grund aus diesem Grund das Restaurant nicht zu besuchen.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: WP_20150807_19_10_11_Pro.jpg
Ansichten: 1
Größe: 101,5 KB
ID: 49831


              Das The Table liegt in einem Teil der Hamburger Hafen-City in dem im Moment noch kräftig gebaut wird. Dennoch ist es mit U-Bahn und Bus über diverse Linien gut erreichbar. Von der U1-Haltestelle Meßberg über die eine Fußgängerbrücke sind es vielleicht zehn Fußminuten und an diesem Abend fällt die Hafen-City unter schönes Sonnenlicht...

              Das Quartier, in dem sich das Restaurant befindet, ist noch weitgehend in Bau. Eigentlich ist nur das Gebäude mit dem Restaurant fertig. Unmittelbar daneben befindet sich ein alter Speicher mit dem Prototypen-Museum, aber ansonsten wirkt die Shanghai-Allee architektonisch nicht so spektakulär wie der Bereich um die Marco-Polo-Terrassen.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03979.jpg
Ansichten: 1
Größe: 96,9 KB
ID: 49832

              Das Restaurant befindet sich in einem Eck-Ladenlokal, so dass es zwei Fensterfronten hat. Wie man auf manchen veröffentlichten Fotos seben kann, gibt es eine Empore, die bei unserem Besuch aber noch nicht „in Betrieb“ war, dort soll eine Bar entstehen. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass neben dem normalen Restaurantbetrieb die Möglichkeit gibt, verschiedenste Events dort zu veranstalten und den Tisch bzw. die Theke ganz flexibel einzusetzen. Ich kann mir vorstellen, dass für geschlossene Gesellschaften, PR-Veranstaltungen, Wein-Events etc. mit Catering von Kevin Fehling die Lokalität bestens geeignet ist.

              Die sich über die komplette Höhe des Raums erstreckenden Fenster sind mit beigen Vorhängen verhangen, so dass gedämpftes Abendlicht in den Raum fällt, man aber von Blicken Neugieriger geschützt ist. Boden und Wände sind nicht weiter verkleidet, sie zeigen den direkten Beton.

              Der Tisch wirkt deutlich größer als auf den Fotos. Die Schlange hat zwei größere Ausbeulungen, um die die Gäste in verschiedensten Anordnungen platziert werden können. Klar, Pärchen sitzen dann relativ nah zu anderen Gästen. Wir sitzen als 5er Gruppe am Ende der Schlange, die eine Art Zunge bildet, da sich dort Gäste tatsächlich gegenüber sitzen, was es sonst an dem Tisch nicht gibt. Dafür haben zwei Plätze nur einen indirekten Einblick in die Küche. Dieser Teil des Tisches hat kaum Kontakt zu den Nachbarn, so dass hier auch vertraulichere Gespräche möglich wären.

              Das erste Amuse ist der Burrata, Melonnen Macaron, der zusammen mit dem Sardinen-Cräcker serviert wird. Beides liegt auf einen Miniatur-Holzmodell des Tisches. Der Macaron ist sehr filigran und schmeckt sehr fein nach Basilikum. Zusammen mit dem Burrata und der Melone ergibt sich der Geschmackseindruck eines Caprese-Happens, der durch die leicht süßlich-wässrige Melone einen etwas fruchtigeren Einschlag hat.
              Der Cracker schmeckt vornehmlich nach Olive mit einigen mediterranen Untertönen.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03980.jpg
Ansichten: 1
Größe: 63,8 KB
ID: 49812

              Schon zu Beginn fällt mir auf: die Stühle sind wirklich optimal und bequem. Ich habe eigentlich außer beim Aufstehen bzw. Hinsetzen nicht das Gefühl, erhöht oder an einer Bar zu sitzen. Die Sessel lassen sich drehen und so fühle ich mich vom Sitzkomfort an die Sessel im Vendôme bzw. bei Christian Bau erinnert. Also, einen schlechteren Sitzkomfort, als in anderen Restaurants konnte ich nicht feststellen.

              Auch die zweite Amuse-Runde kommt im Doppelpack auf den Tisch: Auster & Ponzu wird in einem Glas serviert und ist deswegen etwas schwierig mit dem Löffel zu essen. Die Auster ist sehr schön fleischig und verbindet sich mit der Umami-fruchtigen Sauce aus Ponzu, einige grünliche Aromen kommen noch hinzu.
              Das japanische Fischbrötchen überzeugt durch die Cremigkeit des Hamachi, das „Brötchen“ selbst zergeht im Mund. Insgesamt ein eher texturelles Erlebnis, aromatisch ist es doch eher auf der feinen bzw. etwas zurückgenommeneren Seite angesiedelt.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03982.jpg
Ansichten: 1
Größe: 76,0 KB
ID: 49813
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03983.jpg
Ansichten: 1
Größe: 48,2 KB
ID: 49814

              Relativ schnell fällt mir die wunderbare Akustik im Raum auf, alles wirkt akustisch gedämpft, ohne dass es ruhig ist. Unter der Decke hängen geschwungene, kleine Filzmatten, die neben den Vorhängen usw. den Schall sehr gut schlucken. Nicht nur aus dem Küchenbereich, sondern auch vom den Tischnachbarn ist keinesfalls mehr zu hören, als sonst in einem anderen Restaurant. Je nach Sitzposition ist meines Erachtens sogar ruhiger, als in vielen akustisch weniger optimierten Räumen.

              Mit dem Hummer „Thermidor“ greift Kevin Fehling einen Klassiker auf, den er selbst auch in Travemünde schon mal im Programm hatte. Das Hummer-Tatar ist erfreulicherweise nicht besonders süßlich, dafür ist die Möhre in der hauchdünnen Hülle des Zylinders zuständig. Der Alkohol wirkt bei dieser Umsetzung sehr zurückgenommen (das war bei der Travemünde-Version anders), statt dessen kommt eine feine Schärfe des Cayenne-Pfeffer durch, die dem harmonisches Geschmacksbild eine schöne Spitze verleiht.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03985.jpg
Ansichten: 1
Größe: 74,6 KB
ID: 49815

              Ich schaue mich weiter um. Mir fällt die geschickt gemachte Beleuchtung auf. Über jedem Sitzplatz hängt in relativ geringer Höhe ein Spot. Diese geben ein optimales Licht fürs Fotografieren (aus marketingtechnischen Gründen in der heutigen Facebook-Welt sicher nicht verkehrt, wenn Handyfotos vernünftig aussehen). Vor allem, wird aber das Essen sehr schön in Szene gesetzt, dazu trägt auch das geschwungene Platzdeckchen aus Leder bei, das an jedem Platz liegt. Der Tisch selbst ist aus Kirschholz, entsprechend schön ist die Haptik. Der Lichtkegel der Spots reicht nur wenig über den Tisch hinaus, so dass sich – obwohl der Raum ja relativ groß ist – eine angenehme Lichtstimmung ergibt, die vor allem, als es draußen dunkler wird, trotz der Größe des Raums, eine intime Licht-Atmosphäre erzeugt.

              Die letzte kleine Einstimmung ist der Aal-Bun. Das „Brötchen“ hat eine sehr weiche, luftige Konsistenz. Diese bestimmt den Geschmackseindruck im Mund, ohne, dass es teigig wird. Vor allem die süß-saure Gurke ist dennoch gut wahrnehmbar. Eine nussige Creme und weitere Bestandteile sind im Hintergrund als leichte Würze zu spüren.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03986.jpg
Ansichten: 1
Größe: 62,5 KB
ID: 49816

              Inzwischen fühle ich mich an dem Tisch wirklich wohl. Nach der ganzen Aufregung rund um den Tisch, erhöhtes Sitzen usw. ist das alles fast schon erschreckend unspektakulär und kaum anders, als in anderen Restaurants.
              Dennoch wirkt vieles hier lockerer, als im „normalen“ Sternerestaurant. Ausschlaggebend dafür ist nicht der Tisch oder die Innenarchitektur, sondern zwei Dinge: durch die Sitzhöhe befindet man sich wahrlich auf Augenhöhe mit dem Service. Komisch, dass dies gar nicht thematisiert wurde bisher, aber das ist für mich die wesentlichste Punkt. Außerdem entfallen durch den Tisch natürlich zahlreiche Gänge der Servicemitarbeiter. Das macht das Essen ruhiger, heimeliger. So entsteht meines Erachtens tatsächlich die von Kevin Fehling zitierte Wohnzimmeramtosphäre. Und nicht vergessen werden sollte: Kevin Fehling und David Eitel sind mit sehr viel Elan immer wieder bei den Gästen, berichten über den Umzug, die Details im neuen Restaurant usw. Die Theke gibt ihnen einfach mehr die Möglichkeit zur Interaktion mit dem Gast. Dadurch, das man das Anrichten beobachten kann, ergeben sich auch immer wieder Anknüpfungspunkte für Fragen und Gespräche.

              Nachdem ich während des Genusses der Amuses auch stark auf die Atmosphäre im konzentriert habe, muss ich meine Aufmerksamkeit nun voll und ganz auf die Gerichte des Menüs richten – sie sind es nämlich wert.

              Das Menü beginnt mit einem Highlight: Geflämmte Makrele & Tatar mit Rettich, Sojakaviar und Dashi-Sud. Ergänzt wird dies durch einen Schnee vom Meerrettich. Prägend für das Gericht sind die Röstaromen der Makrele auf dem Hauptteller, die durch ihr Fett und den Dashi-Sud schön umrahmt wird. Sowohl der Rettich, als auch der Schnee entwickeln zwei verschiedene Formen von Schärfe, die jeweils die Röstaromen etwas begrenzen, stoppen und frische Spitzen setzen. Im Seeigel befindet sich unter dem Sojakaviar (der eher dezent im Geschmack ist) ein Makrelentatar, das durch den Sojakaviar eine dezente Würze erhält. Das Tatar begrenzt ähnlich wie die Schärfe-Akzente die Röstaromen und den Dashi vom Teller, nur eben nicht mit Schärfe, sondern mit Feinheit. Isst man beides abwechselnd, wirkt die Kombination spannend, da die Geschmacksbilder Röstaroma / Schärfe / Fisch pur sich immer wieder neu aufbauen. Der Wein dazu ist der 2013er Chardonnay "Les Boutonniers" von Les Dolomies im Jura. Die spezielle Note des Jura wird zunächst deutlich, mit den Röstaromen wird der Wein sehr viel weicher – eine sehr gelungene Auswahl.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03989.jpg
Ansichten: 1
Größe: 100,3 KB
ID: 49817
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03987.jpg
Ansichten: 1
Größe: 94,3 KB
ID: 49818

              Der zweite Gang ist die Gänseleber “Tom Kha Gai” mit Kaisergranat & Mango. Ein sehr spannendes Gänselebergericht: Zunächst zeigt sich, wie gut die Leber zur den asiatischen Aromen passt und sich mit der Schärfe kombinieren lässt, ohne an Feinheit zu verlieren. Es ist nicht nur die süß-säuerliche Mango-Frucht, sondern vor allem die scharfe Creme, die mit der Leber auf einer Intensitäts-Wellenlänge liegt. Der Kaisergranat ist hier als Tatar verarbeitet. Er ist etwas neutraler und wirkt kühlender als die Leber, spielt aber im Grunde die gleiche Rolle: fettige Textur (nur halt eine andere) im Kontrast mit der Schärfe und der Frucht. Die Variation mit Leber und Granat ist spannend, erhöht die Komplexität, ohne das Gericht zu kompliziert oder verkopft wirken zu lassen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Reis, der in kleiner Beigabe auch Akzente setzt. Der 2013er Jurancon Clos Uroulat, Charles Hours aus dem Südwesten Frankreichs ist aus der Rebsorte Petit Manseng und stärkt die Fruchtkomponente des Gerichts mit mehr Kraft, als es hier ein Mosel-Riesling gekonnt hätte. Bemerkenswert ist die Textur des Weins, der den Mund schön auskleidet und sehr viel Grip hat.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03992.jpg
Ansichten: 1
Größe: 74,9 KB
ID: 49819


              Im nächsten Gang gab es die Signature-Aromenkonstruktion von Kevin Fehling: Jakobsmuschel “LBE” mit Erdbeere, Rhabarber & Waldmeister. LBE steht hier La belle Epoque, wo Kevin Fehling Erdbeere, Rhabarber und Waldmeister mit allen möglichen Seafood, Fisch und Gänseleber, aber auch Fleisch kombiniert hat. Auf dem Carpaccio wurde die Kombination mit Mandeln ergänzt. Dort war das Zusammenspiel aus Frucht und der Waldmeisterfrische am feinsten. Der Zylinder mit Waldmeisterhollandaise und Muscheltatar ist recht vollmundig aber aromatisch nicht so intensiv, wie das, was ich im großen Teller mit der schön gebratenen, fleischigen Muschel abspielt: der Fond schmeckt nach Waldmeister und Vanille. Diese Aromen verbinden sich gelegentlich zu einer leicht zimtigen Anmutung, so dass nicht der Eindruck von Süßé, sondern von süßlicher Würze entsteht. Die Rhabarbernocke ist sehr säuerlich und neutralisiert. So ergibt sich ein vielschichtiges, abwechslungsreiches und großartiges Würze-Spiel. Nur am Rande bemerkt: die goldene Glasur des Tellers lässt alles noch vollmundiger wirken – auf jeden Fall der Geschmack der Kombination sehr intensiv und aromatisch.
              Die Aufgabe diese drei unterschiedlichen Umsetzungen von Aromen mit einem Wein unter einen Hut zu bekommen, soll der 2013er Chardonnay von Joachen Dreissigacker aus Rheinhessen übernehmen. Beim Carpaccio und dem Zylinder gelingt das noch, bei der gebratenen Muschel und dem Sud muss er leider die Hufe strecken und geht doch unter. Aber ein kräftigerer Wein wäre eben für das Carpaccio zu intensiv, also hat er die unlösbare Aufgabe zu zwei Drittel gelöst – immerhin.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03994.jpg
Ansichten: 1
Größe: 80,9 KB
ID: 49821
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03995.jpg
Ansichten: 1
Größe: 90,3 KB
ID: 49822
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03993.jpg
Ansichten: 1
Größe: 58,4 KB
ID: 49820


              Und das Ganze nochmal im Überblick:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC03997.jpg
Ansichten: 1
Größe: 78,2 KB
ID: 49823

              Der Carabinero mit orientalischem Couscous, Kumquats, Erbsencrème & Arganöl-Hollandaise erinnert ein wenig von das Message in a Bottle-Gericht von meinem letzten Besuch in Travemünde. Der Gang ist nicht so fordernd, eher feiner, es wird die nordafrikanische Aromenwelt zitiert. Das ist weniger komplex und spektakulär als die Gänge zuvor, aber sehr fein, gut ausbalanciert und zeigt damit auf zurückgenommene Art Klasse. Auch kommt hier der von mir so geliebte Carabiniero sehr viel Raum, seinen Geschmack ganz pur darzustellen. Der Wein kam aus Südafrika, ein Mullineux-Cuvée aus Chenin blanc, Clairette und Viognier, der die Aromenwelt schön umspielte.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04000.jpg
Ansichten: 1
Größe: 76,1 KB
ID: 49824


              Der Hauptgang, die Challans Entenbrust mit Reiscreme, Himbeere, Reisessig-Hollandaise & Shisojus wirkte zunächst sehr Creme-lastig. Aber es war auch genug zu Beißen auf dem Teller. Die Entenbrust war ordentlich Entenbrust portioniert. Neben den Salzflakes und der Kruste gab es auch noch etwas knackige Textur durch einige Reiskörner und den festen Spargel. Das „Kügelchen“ erwies sich als kleiner Schokokuchen mit einem Himbeerüberzug, aber es war nur minimal süß. Sehr intensiv frisch war das Himbeergel, das hier sehr viel Balance in die Kombination brachte. Die Sauce hat durch die Shiso-Ergänzung eine schöne Intensität und eine leichte Frische. Die Hollandise und die Reisecreme sind so mundfüllend, dass man festere Beilagen nicht vermisst. Ein sehr gelungener Hauptgang. Der 2011er "Le Poiré" Fiefs Vendéens, Saint Nicolas von der Loire ist – zumindest mit der leichten verringerten Temperatur mit der ihn David Eitel servierte – wunderbar passend zur Himbeere. Mit sehr balancierter Kraft passt er zu dem Gericht, da er eher fein und nicht zu plakativ wirkte.
              Am Ende blieb noch etwas von dem schönen Fond aus meinem Teller. Leider wurde, wie den ganzen Abend über, kein Saucenlöffel serviert. Brot gab es auch keines mehr, so dass ich die Sauce mühsam mit der Gabel löffeln musste – mit dem scharfen Nesmuk-Messer habe ich es mich nicht getraut.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04003.jpg
Ansichten: 1
Größe: 92,5 KB
ID: 49825

              “Oliven“ mit Martiniperlen, Mandelcreme, Holunderblüte & Estragoneis war das erste Dessert. Die Oliven sind mit Gel überzogene Olivencreme-Kugeln, die aber den Olivengeschmack nur leicht nach verbreiteten und somit nicht das Gericht dominierten, wie es Oliven auf einem Salatteller machen. Die Mandeln waren da präsenter, die ein feines Spiel mit dem Estragoneis und dem Holunderblütengel entwickelten. Das war ein frisches, aber gleichzeitig fein justiertes Dessert. Dazu gab es den vorzüglichen 2012er Sauvignon Blanc Auslese von Drautz-Able aus Württemberg.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04007.jpg
Ansichten: 1
Größe: 49,5 KB
ID: 49826

              Die “Wundertüte” mit Lavendel, Blaubeere, Sternanis & Kardamom enthielt wahrhaft wunderbar viele Aromen, die sich schön miteinander vermischten. Jedes hatte mal seine Präsenz, je nachdem, welchen Weg der Löffel nahm. Sehr lecker. Dazu erfrischte der leicht-fruchtige 2014er Brachetto d’Acqi DOCG, Giacomo Bologna, Piemont.

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04008.jpg
Ansichten: 1
Größe: 61,5 KB
ID: 49827


              Smoky Berry , Mexikanischer Taco und der Nigiri mit Kokos und Shiso waren drei kleinen süßen Abschiedsgrüße. Der „Taco“ mit Maiseis und leichter Schärfe sowie die Somky Berry gefielen mir am besten.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04017.jpg
Ansichten: 1
Größe: 78,0 KB
ID: 49829
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04015.jpg
Ansichten: 1
Größe: 85,1 KB
ID: 49828


              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC04021.jpg
Ansichten: 1
Größe: 65,9 KB
ID: 49830

              Das kulinarische Fazit ist einfach zu ziehen. Der Transfer der drei Sterne von Travemünde nach Hamburg dürfte kein Problem darstellen. Die Qualität aller Gerichte war absolut überzeugend. Irgendwelche Vereinfachungen oder Qualitätseinsparungen, die der Selbständigkeit geschuldet sein mögen, habe ich nicht festgestellt. Allenfalls, dass ein klassischer Edelfisch in der Menüfolge fehlte, kann man als ein solches Anzeichen sehen, ist aber vielleicht auch jahreszeitlich bedingt. Die Küche von Kevin Fehling bleibt unverändert gekennzeichnet, von präzisen Aromen und ebenso exakt konstruierten Gerichten, die Anleihen in den verschiedensten Geschmackswelten nehmen. Das ist wahre Welt(klasse)küche, die tatsächlich sehr gut in eine große Stadt passt, die sich das „Tor zur Welt“ nennt. Sie ist außergewöhnlich und komplex, aber nicht kompliziert.

              Das The Table ist zweifelsohne eine neue Farbe im Regenbogen der deutschen Spitzenrestaurants und eine Bereicherung für die Hamburger Gourmet-Szene. Ich bin mir sicher, dass auch die klassischeren Restaurants von der neuen Konkurrenz profitieren können, da Hamburg als Gourmet-Reiseziel deutlich an Attraktivität gewonnen hat.
              Ich werde nicht wegen des Tisches sehr gerne in einigen Monaten das The Table wieder besuchen – auch wenn mir das Konzept gefallen hat. Ich werde wegen der genialen Küche von Kevin Fehling und dem wunderbaren Zusammenspiel mit der Weinauswahl von David Eitel wieder einen Platz reservieren. Weil weiterhin das Essen und die Kombination mit dem Wein die Highlights sind und die Atmosphäre eher die Untermalung, bin ich mir sicher, dass – auch wenn der Anfangshype sich beruhigt – das Restaurant Gourmets aus nah und fern interessieren, anziehen und begeistern wird.
              Zuletzt geändert von QWERTZ; 09.08.2015, 11:15.

              Kommentar


              • #97
                Klasse, vielen Dank. Wenn du als regelmäßiger La Belle Epoque Gast so ein Fazit ziehst, dann will das schon was heißen.

                Kommentar


                • #98
                  Danke für diese erste belastbare und seriöse Einschätzung, lieber QWERTZ!

                  Und das schon eine Woche nach der Eröffnung!

                  Schönen Gruß, Merlan

                  Kommentar


                  • #99
                    Da will ich auch hin! Was kostet denn das Essen mit Weinbegleitung? Wie süß war der Uroulat? Was genau ist Sojakaviar?
                    Grüße, schlaraffenland

                    Kommentar


                    • Lieber Schlaraffe, das Menü kostet zur Zeit 180 EUR, die Weinbegleitung 95 EUR, wenn ich mich nicht irre, mit Champagner, Wasser und einem Digestif habe ich ca. 305 EUR bezahlt. Der Uroulat war in der Süße vergleichbar mit einer halbtrockenen Moselspätlese. Und der Sojakaviar ist vermutlich aus Sojasauce mit entsprechender Molekulartechnik in "Kaviar" verwandelt worden.

                      Kommentar


                      • Herzlichen Dank für die großartigen Bilder und die köstlichen Beschreibungen.


                        Verehrter QWERTZ, dieser Satz: "Ich werde wegen der genialen Küche von Kevin Fehling und dem wunderbaren Zusammenspiel mit der Weinauswahl von David Eitel wieder einen Platz reservieren." ist für mich diiie Aussage und Botschaft. Nur wegen der Speisen und Getränke mache ich eine "Reise" zu einem "Tempel".

                        Kommentar


                        • Werter QWERTZ, auch ich bin begeistert, dass das Warten endlich ein Ende hat und nun (neben dem Bericht der "Sternefresser") eine erste äußerst anschauliche und erhellende Rezension über den "Tisch" von einem Sachverständigen erschienen ist! Jenseits jeglicher im Vorfeld betriebenen Spekulationen und Mutmaßungen kann ich mir nun in der Tat ein recht differenziertes Bild über das Restaurant machen, das mich keineswegs abhält, sondern vielmehr animiert, bei meinem nächsten Besuch in Hamburg einen Platz an der "Schlange" zu reservieren!

                          Kommentar


                          • Sehr gut kgsbus, Sie haben die Kernbotschaft sofort entdeckt. Ich war ja dem Konzept durchaus von Anfang an aufgeschlossen. Man merkt, welche Mühe sich Kevin Fehling gegeben hat, den Raum optimal gestalten zu lassen und ein geschlossenes und gut durchdachtes Konzept auf die Schiene zu setzen (ungefähr genauso perfektionistisch durchdacht wie seine kulinarischen Kreationen), aber in Anbetracht der Diskussion hier, kann ich nur sagen: es ist nicht sooo revolutionär, wie von manchen erhofft, aber auch nicht so außergewöhnlich, wie von anderen befürchtet. Also, jeder der an der Küche von Kevin Fehling Interesse hat, sollte mal dorthin, trotz oder wegen der Atmosphäre.

                            Kommentar


                            • Lieber Qwertz,

                              danke für den herausragenden Bericht!!

                              Und ich freue mich auch schon sehr auf meinen Besuch im "The Table".

                              KG
                              Chess

                              Kommentar


                              • Danke gleichfalls, lieber QWERTZ, für den tollen Bericht, der mehr als Lust auf einen Besuch macht! Gruss, kuechenreise

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X