Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Français - Frankfurt - */18GM - P. Bittner

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #61
    Ewigkeiten schon nicht mehr im Francais gewesen. Ein Fehler – dabei liegt das Gute doch so nah! Schon der erste Blickkontakt am Eingang zum Restaurant signalisiert uns ein herzliches Willkommen; kurzer Smalltalk zum Tisch und schon ist die Wasser- und Apéritif-Frage geklärt. Wir schauen uns um und fühlen uns wohl im Kaminzimmer mit warmen Rottönen; nebenan ein hellerer Raum zum Garten, der im Sommer sicherlich zu präferieren wäre, wenn es nicht sogar ganz hinaus auf die feine Terrasse ginge. Das Francais hat schon noch den Charme eines Grandhotels, aber der Service und das Publikum zeigen, dass es heute lockerer zugeht als zu Zeiten, wo man dieses Restaurant niemals „smart casual“ betreten hätte. Wir haben uns trotdem „fein gemacht“!

    Man lässt uns Zeit, serviert schon einmal ein paar Variationen von der Tomate und reicht uns Karte und Weinbuch. Auch hier charmante Hinweise der jungen Servicekräfte und eine klare französische Ansage des sympathischen Sommeliers, zu dem man direkt einen Draht findet.

    „Alles gut? Fühlen Sie sich wohl?“ Was für eine schöne Frage, bevor es dann richtig losgeht:

    Als Amuse lässt Patrick Bittner eine roh marinierte Jakobsmuschel mit Kalbstafelspitz, Kartoffeleis und Trüffel servieren. Na, das geht ja gut los! Ebenso aufwendig wie zuvor die Tomatenvariationen (z.B. in Gelee eingekapselter Tomatensaft) hat er zwischen die Jakobsmuschel und den Trüffelschnitz ein Mini-Scheibchen vom Tafelspitz platziert, das dem Ganzen etwas mehr Erdigkeit verleiht. Apropos Erdigkeit: diese wird durch eine kleine Nocke Kartoffeleis (hat man auch nicht alle Tage!) genial verstärkt. Dies war der Moment, wo wir zum ersten Mal an diesem Abend den Eindruck hatten, in einem **-Restaurant zu genießen.

    ELSÄSSER GÄNSELEBER
    Amarettini / Kirsche / Hafer

    So ein bisschen wie ein „Scheiterhaufen“ angerichtet wechselten Stücke von einer hervorragenden Gänseleber-Terrine mit Variationen von der Kirsche und knusprigen Haferkörnern ab. In diesem Gang lassen sich wunderbare „Liaisonen“ bilden, mal die Gänseleber mit etwas Kirschsorbet, mal mit Kirschstück, mal mit den Haferkörnern oder alles zusammen. Dazu wurde ein Stück Hafer-Brioche gereicht. Dieser Gang hätte auch einem ***-er alle Ehre gemacht.

    OSSIERA IMPERIAL KAVIAR
    Gurke / Bronzefenchel / Buttermilch

    Ein „gurkiger“ Gang, was nicht ganz so negativ klingen soll, aber deutlich macht, dass die Gurke in allen möglichen Variationen schon ziemlich dominiert. Die Buttermilch passt ideal und neutralisiert ein wenig, doch der Kaviar hat in dieser Kombination leider nur eine untergeordnete Chance. Also, Perlmutt-Löffelchen nehmen, den guten Kaviar pur genießen und dann ran an die Gurke!

    KALBSBRIES
    Artischocke / Quitte / Lakritz

    Endlich mal wieder Kalbsbries und dann in dieser feinen Konsistenz. Geschmacklich bekommt es den Kick dadurch, dass es mit einer Lakritz-Sauce nappiert wurde. Die Artischockenstücke und die Quittengelee-Würfel passen sehr gut zu diesem feinen Gang.

    HIRSCH AUS DER EIFEL
    Rote Bete / Mole / Vogelbeere

    Bittner ist ein Freund von Variationen; hier war die Rote Bete das Thema, das es zu interpretieren galt. Dazu ein ausgezeichnetes Stück vom Hirschfilet und eine Sauce mit mexikanischem Mole-Gewürz und Vogelbeeren. Auch dieser Gang wieder ein veritables **-Gericht.

    THAI-MANGO
    Erdnuss / Staudensellerie / Nyangbo-Schokolade

    Bittner ist auch ein Freund der „Crumbles“; irgendwas knuspert immer auf seinen Tellern, so auch bei diesem Dessert, das trotz der Schokolade erstaunlich leicht ausfällt. Die Blätter vom Staudensellerie geben eine ungewöhnliche Geschmacksnuance dazu, passen aber durchaus.

    Zum Kaffee gibt es noch Leckereinen von einem gut bestückten Wagen, und wiederum ganz charmant wird man auch zum Abschluss wieder nach seinem Wohlbefinden gefragt. Na, ausgezeichnet! Locker leicht gegessen, ordentlich was getrunken, bestens unterhalten. Ein gelungener Abend in Frankfurt. Wir kommen wieder!

    Übrigens, für uns hat die Küche von Patrick Bittner zwei Sterne verdient! Gäbe es auch welche für den Service, wir würden uns nicht anders entscheiden.

    Schönen Gruß, Merlan

    Kommentar


    • #62
      Danke für den ausführlichen Bericht.
      Mit Ihrem Fazit 100% bei Ihnen.
      Wenn man regelmäig zu Gast ist, sieht man glatte **, seit langem.
      Für uns klar best in town und best in Hessen.

      MkG, S.


      P.S. Fürs Nachtlager und v.a. Frühstück empfehle ich aber, das Jumeirah über thrivago oder so ähnlich das günstigste Zimmer zu buchen und vor Ort für 80€ Aufschlag auf ein großes Panoramazimmer upzugraden.
      Zuletzt geändert von Sphérico; 23.11.2014, 23:47.

      Kommentar


      • #63
        Vielen Dank für diesen Bericht über ein wunderbares Menü, dass einerseits das klassische mit modernen Elementen (Lakritz) zu kombinieren scheint.

        Kommentar


        • #64
          Zitat von merlan Beitrag anzeigen
          „Alles gut? Fühlen Sie sich wohl?“ Was für eine schöne Frage, bevor es dann richtig losgeht:
          So schlicht, so wirkungvoll. Warum nicht überall so?

          Kommentar


          • #65
            Ohne je dort gewesen zu sein, scheinen einige Änderungen im Hinblick auf die bekannten Kritiken vorgenommen worden zu sein. Beständig der sympathische und zuvorkommende Service, die außergewöhnliche Weinkarte mit Positionen beispielsweise aus Israel und vor allem die auf klassischer Basis basierende Küche von Patrick Bittner. Geändert hat sich die Speisekarte, es wird nur noch ein Menü angeboten, aus der a la carte, ein 3-Gang, 5-Gang oder auch das gesamte Menü (7 Gänge) gewählt werden kann. Weiter kein Käsewagen und auch kein Pralinenwagen mehr.
            Nach 2 Snacks (eine Hummus-Creme und ein Cracker mit Bärlauch-Creme), dem Brot und einen Rose-Champagner kam der erste Gruß aus der Küche, eine Komposition aus Lachs mit fruchtigen Himbeeren und gekrönt mit Bröseln unter anderem aus Sonnenblumenkernen, ein sehr feiner Start.
            1. Elsässer Gänseleber / Birne / Walnuss / Waldpilze: schmelzige Gänseleber dazu die fruchtigen Nuancen der Birne und die eher erdigen Pilze, besonders hervorzuheben das einmalige Brioche
            2. Pochierte Gillardeau Auster Nr. 2 / Bohne / Tomate / Chipolata Wurst: überraschend mediterran, die feine Auster mit der würzigen Wurst
            3. Norwegische Königskrabbe / Griesheimer Spargel / Kalbskopf / Estragon: hervorragend mit einer wunderbaren Sauce
            4. Black Cod „Pazifischer Ozean“ / Miso / Erbse / Spitzmorchel: der schwarze Kabeljau perfekt gegart, auch wieder mit einer sehr guten Sauce
            5. Französisches Salers Rind „Dry Aged“ / Couscous / Rucola / Griechischer Joghurt: das Rind auf den Punkt, rosa mit einer würzigen Kruste
            6. Comte gehobelt von Maitre Affineur Bernard Anthony: 2 verschiedene Comte (ich glaube aus 2011 und 2012) mit einem noch leicht warmen Früchtebrot
            7. Krauser Rhabarber / Quark / schwarzer Sesam / Tahiti-Vanille: die leichte Säure des Rhabarbers wurde von den restlichen Komponenten schön eingebunden

            Kommentar


            • #66
              Neulich war ich wegen Familienangelegenheiten in Gießen. Für ein Mittagessen war Zeit und so studierte ich die Karten der zwei infrage kommenden Restaurants. Das Tandreas (13 GM, 60 RR) kannte ich noch von früher, das Heyligenstaedt ist neu (14 GM). Beide konnten mich nicht wirklich überzeugen.

              Und so fiel die Entscheidung: ich fahre nach Frankfurt ins Francais. Diese Entscheidung würde ich jederzeit wieder so treffen.
              Das Francais bietet mittags einen Auszug aus der Abendkarte und so konnte ich einige der Gerichte, die Schink hier beschrieben hat, auch genießen und nun auch bebildern.

              Ein Blick ins Restaurant

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 155.jpg
Ansichten: 1
Größe: 71,2 KB
ID: 49694

              Der Cräcker mit Bärlauchcreme

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 154.jpg
Ansichten: 1
Größe: 41,6 KB
ID: 49695


              Brot und Butter, dazu das sehr gute Humus

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 156.jpg
Ansichten: 1
Größe: 61,4 KB
ID: 49696


              Das Amuse: Lachs mit Himbeeren

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 157.jpg
Ansichten: 1
Größe: 54,7 KB
ID: 49697


              Die Gänseleber mit Birne, Walnuss und Waldpilzen

              Ein sehr schöner Wein dazu: Floc de Gascogne / Domaine de Joy /Südwest Frankreich

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 159.jpg
Ansichten: 1
Größe: 45,9 KB
ID: 49698

              Der Black Cod mit Spargel, Miso, Erbsen und (statt der Morcheln) Pfifferlingen

              Dazu der 2013 Grauburgunder Spätlese trocken von Stefan Breuer / Rheinhessen

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 160.jpg
Ansichten: 1
Größe: 51,4 KB
ID: 49699


              Das Dessert: Rhabarber, Quark, Sesam und Vanille

              Der Dessertwein nahm die Rhabarbernote ganz besonders gut auf. 2011 Cabernet Sauvignon Rose Beerenauslese vom Weingut Frey / Pfalz

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 162.jpg
Ansichten: 1
Größe: 44,2 KB
ID: 49700

              Zum Cafe

              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: 163.jpg
Ansichten: 1
Größe: 54,1 KB
ID: 49701

              Insgesamt ein sehr schönes Menü und sicher das beste Mittagsangebot in Frankfurt. Hervorzuheben außerdem der feinfühlige Service von Herrn Blümke. Die Weine zu den Gängen haben mich auch sehr überzeugt. Wenn ich wieder in Frankfurt bin, ist der erneute Besuch ein Muß!
              Zuletzt geändert von QWERTZ; 07.06.2015, 14:12.

              Kommentar


              • #67
                Zitat von HeikeMünchen
                Insgesamt ein sehr schönes Menü und sicher das beste Mittagsangebot in Frankfurt.
                Haben Sie Herrn Krolik im Lafleur bewusst außen vor gelassen, werte Heike? Wenn ich lese, was er nach seinem Wechsel vom Tigerpalast ins Lafleur so bietet, dann ist der gute Bittner mittags in Frankfurt wohl nicht mehr allein auf diesem Niveau.

                Was ich schon bei Schink fragen wollte: Wie geht denn Lachs mit Himbeeren zusammen?

                Schönen Gruß, Merlan

                Kommentar


                • #68
                  Werter Merlan,

                  da haben Sie aber sehr gut aufgepasst... Ich schrieb vom Mittagsangebot, und da ist das Francais m.E. nicht zu schlagen. Und ja, das Mittagsangebot im Lefleur kenne ich auch ...

                  Abends ist das sicher ein ganz anderes Thema. Im letzten Jahr habe ich das Gourmetclubmenü von Herrn Krolik sehr genossen.

                  Lachs mit Himbeeren haben tatsächlich gut zusammen gepasst, das hat mich auch erstaunt...

                  KG

                  HeikeMünchen

                  Kommentar


                  • #69
                    Zitat von HeikeMünchen Beitrag anzeigen
                    Und ja, das Mittagsangebot im Lefleur kenne ich auch ...
                    Abends ist das sicher ein ganz anderes Thema.
                    Höre ich da ein bisschen Kritik am Lafleur heraus, was den Lunch betrifft?

                    Kommentar


                    • #70
                      Kritik würde ich es nicht nennen... Im Lafleur war es ein klassisches Businessmenü, im Francais kann man quasi 2-3 Gänge aus der Abendkarte wählen. Das ist dann schon etwas komplexer und macht einfach mehr Spass.

                      Kommentar


                      • #71
                        Vielen Dank liebe HeikeMünchen für die Bilder.
                        Und Lachs und Himbeeren gehen hervorragend, die Fruchtigkeit unterstützte den zarten Geschmack des Lachses.

                        Kommentar


                        • #72
                          Seit fast 20 Jahren steht Patrick Bittner nun schon am Herd des Restaurant Francais und seit 10 Jahren leuchtet ein Stern über seiner Küche. Ich kann mich gut erinnern, dass in den ersten Jahren die Verwunderung groß war, dass der Guide Michelin ihm den Stern lange Zeit vorenthielt, und als er ihn bekam, wurde schnell der Ruf nach einem zweiten Stern laut. Ich nehme mich da nicht aus und habe das auch noch vor fünf Jahren in diesem Forum formuliert. Insofern war es für uns spannend, nach so langer Zeit wieder einmal im „Francais“ einzukehren.

                          Um es vorweg zu nehmen: Es war zunächst einmal genauso wie vor fünf Jahren, gediegenes Ambiente, freundlicher Service, klassische Küche. Also weiter auf dem Weg zum zweiten Stern? Eher nicht, weil die Küche aus unserer Sicht nicht da weitergemacht hat, wo sie sich vor ein paar Jahren schon einmal bewegte, nämlich auf einem kreativem Weg in die Moderne. Wenn der Michelin ihr auch 2018 noch attestiert, dass hier „kreative und modern interpretierte französische Küche“ zelebriert wird, dann möchte ich dem nach unserer aktuellen Momentaufnahme leise widersprechen, da wir gerade die Kreativität bei diesem Menü vermisst haben. Die Karte weist zwar hier und da verführerisch anmutende Zutaten auf, die auf spannende Kombinationen hoffen lassen, doch leider reizt Bittner diese nicht konsequent aus, sondern verharrt - wenn überhaupt - in Andeutungen, die dem jeweiligen Gang dann doch nicht das pfiffige Gepräge geben können und ihn somit auch nicht aus dem klassischen, gewohnten Geschmacksbild herausheben. Es fehlt schlicht und ergreifend an Raffinesse, die aus einem guten Gericht ein sehr gutes machen kann. Oder anders ausgedrückt, es bedarf auch einer gewissen Prise Genialität, um eine „Küche gegen die Langeweile“ (Vincent Moissonnier) zu machen. Diese Eigenschaft war vor Jahren bei Bittner eher vorhanden und hat Hoffnungen geweckt. Er sollte sie unbedingt reaktivieren!

                          Um nicht falsch verstanden zu werden, die Küche von Patrick Bittner verdient durchaus einen Stern, aber zurzeit auch nicht mehr, da kaum ein Schritt auf eine höhere Stufe gewagt wird. Dies mag an der eher konservativen Klientel des Frankfurter Hofes liegen, an möglichen Vorgaben der Geschäftsleitung oder am fehlenden Mut zu innovativeren Konzepten. Patrick Bittner selbst trauen wir aufgrund unserer Erlebnisse in der Vergangenheit deutlich mehr zu.

                          Unser Menü:

                          Amuse gueule:
                          Schwarzwurzelsalat, marinierte Gelbflossenmakrele, Trüffel-Vinaigrette, Kartoffeleis

                          Elsässer Gänseleber als Paté
                          Rote Bete / Feige / Brin d´amour

                          Norwegische Jakobsmuschel
                          Kürbis / Jaipur Curry / Kaki

                          Périgord Trüffel
                          Ravioli / Topinambur / Lardo

                          Filet vom bretonischen Wolfsbarsch
                          Artischocke / Gillardeau Auster / Brunnenkresse

                          Pré-Dessert:
                          Käsekuchen, Mandarinensorbet, kandierte Oliven

                          Geschmorte Quitte
                          Haselnuss / Bergamotte / Kardamom


                          Fazit:

                          Das Restaurant Francais ist nach wie vor eine gediegene Adresse in Frankfurt, dessen Küche klassisch ausgerichtet und im sicheren *-Bereich anzusiedeln ist. Der Service agiert höchst sympathisch und kenntnisreich, so dass ein genussvoller Aufenthalt im „Francais“ allemal gesichert ist.


                          Zuletzt geändert von merlan; In den letzten 4 Wochen.

                          Kommentar


                          • #73
                            Danke für den Bericht. Eine interessante Entwicklung die sie beschreiben - wer weiß, woran es liegt.

                            Kommentar

                            Lädt...
                            X