Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Carmelo Greco

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #16
    Statt wie Goethe mit der Kutsche nach Italien fahren wir heute nach Frankfurt zu Carmelo Greco, um unsere italienischen Sehnsüchte zu stillen! Ein Update von einem Besuch dort vor kurzem - die Bilder am Blog: http://kuechenreise.com/2015/06/28/i...o-frankfurt-d/


    Der Kurzbericht zu unserem Dinner:

    Die Atmosphäre im stilvollen Restaurant in einem von aussen sehr unauffälligen Wohnhaus in Frankfurt-Sachsenhausen sprüht vor Italiana. Und so wählen wir das Degustationsmenü und starten durch!

    Der Gruss, eine „virtuelle Auster“ lässt uns diesmal jedoch mal ratlos zurück, zu unharmonisch wirkt die Komposition. Doch das Tatar vom Simmentaler Rind mit Granny Smith und einer Tonnato-Sauce entschädigt!

    Ein Klassiker ist die (heute leider nur lauwarme) gebratene Entenleber mit Birneneis und Belperknolle - geschmacklich eine grossartige Kombination! Filigran dann die Tortellini Carbonara mit Eigelb-Füllung, Speck, Spargel und Salat.

    Die Kombination der bretonischen Rotbarbe mit grünen Bohnen, Fenchel und einem Kaffee-Gewürzöl ist dann famos! Auch das Milchferkel mit den krossen Stücken der Kruste und heute kombiniert mit einem Kartoffel-Parmesan-Mousse sowie (leider nur auf einem der beiden Teller) einem „Bloody Mary“ gefällt wieder mal gut.

    Das Dessert - ein Traum an schokoladigen und karamelligen Geschmäckern und Konsistenzen mit Ananas - ist über alle Zweifel weit erhaben, und auch die darauf folgenden Pralinen gefallen!


    Unser Resümee:

    Das Restaurant Carmelo Greco ist und bleibt eines der besten italienischen Restaurants in Deutschland. Carmelo Greco bietet allerbeste gehobene italienische Küche mit vielerlei internationalen Einflüssen!

    Die Produktqualität ist sehr gut, die Ideen sind Kreativ, die Aromen der Gerichte fein strukturiert. Einzig die technische Umsetzung konnte bei einzelnen Gerichten (z.B. lauwarme Gänseleber, Bloody Mary nur auf einem Teller) diesmal nicht ganz mithalten. Und die meisten Gerichte wirken nach einigen Besuchen schon sehr bekannt auf uns, auch wenn sie in Details variiert werden. Der regelmässige Esser wird sich ein wenig mehr Abwechslung wünschen.


    Unser Menü:

    - Stuzzichini
    - Manzo Tonnato
    - Gebratene Entenstopfleber / Belper Knolle / Birneneis
    - Tortellini Carbonara / Spargel
    - Bretonische Rotbarbe / Kaffee Gewürzöl
    - Milchferkel / Kartoffel Parmesan Mousse / Bloody Mary / Chips
    - Dessert
    - Piccola Pasticceria

    Kommentar


    • #17
      Na, das ist ja ein Ding, werter Küchenreise! Gerade habe ich meine Eindrücke schriftlich festgehalten, da poppt hier Ihr schöner Bericht auf.

      Wunderbar! Da wir quasi das gleiche Menü gegessen haben und wohl fast zeitgleich bei Carmelo Greco waren, ist es doch ganz spannend, wie individuell wir die Gerichte gewürdigt haben:


      Wir haben ihn in den letzten Jahren aus den Augen verloren, den guten Carmelo Greco mit seinem feinen gleichnamigen Restaurant in Frankfurt. Wir waren damals kurz nach der Eröffnung da und irgendwas hatte nicht gepasst, so dass er für uns nicht mehr so im Fokus stand, zumal in den letzten Jahren kulinarisch durchaus anderes Spannendes in der Rhein-Main-Region passiert ist. Sei´s drum. Es gab was anzustoßen und es sollte ein Italiener sein. Pizza-Pasta-Italiener? Nööö! Allerwelts-Italiener? Nööö! Nobel-Italiener? Wo denn? Dann können wir auch gleich zum Greco gehen! Ja, gerne, waren wir schon lange nicht mehr!

      Wir werden freundlich begrüßt. Im eleganten Restaurant sind nur wenige Plätze besetzt; die Tische sind fein eingedeckt. Aperitivo, Aqua, Vino, alles geht seinen routinemäßigen Gang. Dann der Blick in die Speisekarte mit dem Hinweis, dass alles möglich sei, sprich, dass man auch kreuz und quer wählen, tauschen, umstellen könne. So muss das sein! Am Nebentisch hören wir, dass dies auch für die Weinreise gilt. Auch schön! Und vegetarisch? Na klar! Der rein männliche Service ist zurückhaltend, aber immer aufmerksam, kompetent und auskunftsfreudig; sehr angenehm.

      Wir entscheiden uns für das fünf-gängige Menü und sollten es nicht bereuen:

      Amuse bouche:

      „Virtuelle Auster“
      Schreck lass nach, was ist das denn? Greco legt auf einen Melonenwürfel eine hauchdünne Scheibe Bottarga und ein Noriblatt. Alles auf einmal in den Mund gesteckt (ok, nur ich, meine Frau muss es teilen) und? Großartig! Fischig, fruchtig, intensiv, ungewohnt, aber Klasse! Jedenfalls für mich; meine Frau konnte mit diesem Amuse eher weniger anfangen.

      Menü:

      Manzo tonnato
      Ein nicht zu klein geschnittenes Tatar vom Rind sitzt auf einer hauchdünnen Filetscheibe und wird von einer leichten Thunfischcreme umgeben. Gekrönt wird das Ganze durch etwas Shiso-Kresse und ein paar kleine Popcorns. Zum einen besticht das schmelzige Tatar durch eine so ideal abgestimmte Würzung, dass das Fleisch noch nach Fleisch schmeckt, aber durch eine dezente Würzung und kleinste Apfelstückchen veredelt wird. Die Thunfischcreme ist so zurückhaltend aufgetragen, dass deren Geschmack nicht dominiert, sondern sich hier und da zum Fleisch gesellen kann. Die Kresse gibt einen leichten Anis-Touch, und die kleinen Maiskörner sorgen für etwas Biss. Ein Tonnato-Gang, der dem Fleisch die Hauptrolle einräumt, anders als bei der oft von Thunfischcreme ertränkten klassischen Vitello-Variante.

      Entenstopfleber, Belper Knolle, Birneneis
      Dieser Gang scheint sich zum Klassiker von Carmelo Greco zu entwickeln, da „Küchenreise“ ihn schon 2013 serviert bekam und hier beschrieben hat. Ich kann ihm nur beipflichten, dass dies ein absolut toller Gang ist, der aus der zart gebratenen Leber mit ihren Röstaromen, dem gehobelten „Käse-Trüffel“, der Belper Knolle, und dem schmelzig-süßlichen Birneneis ein Geschmackserlebnis zaubert, das ich in dieser Form noch nicht gehabt habe. Das liegt vor allen Dingen daran, dass ich vorher noch nie in den Genuss kam, diese pfeffrige Käseknolle zu probieren, die erst vor rund zehn Jahren in der Schweiz durch einen Zufall hergestellt wurde. Inzwischen gibt es sie in guten Käsefachgeschäften, und Carmelo Greco hat ihr eine Starrolle in seinem Entenstopfleber-Gericht verpasst. Grandios!

      Tortelli carbonara, Spargel
      Was sich so einfach liest, entpuppt sich als – wie soll ich sagen – dekonstruierter Spargelklassiker. In einem Glas finden sich ein paar mit confiertem Eigelb und Mascarponecreme gefüllte Tortelli, darüber ist eine Hollandaise gegossen (wäre ich, ehrlich gesagt, nicht drauf gekommen, da sie recht dünnflüssig war); Scheibchen vom Südtiroler Schinken und kleine Spargelköpfe krönen das Ganze. Der Nudelteig ist hauchdünn, wie es sich gehört, und die Füllung aus Ei und Mascarpone vermählt sich schlotzig mit der Hollandaise und den übrigen Zutaten. Eigentlich nur Spargel, Schinken, Ei und Hollandaise, ein Klassiker also, in dieser Form aber aufs vortrefflichste geadelt.

      Rotbarbe, Kaffee-Gewürzöl
      Damit sind die beiden Hauptrollen auch schon genannt, doch gibt Greco noch ein paar gut gegarte Fenchelstücke und dicke Bohnen dazu, die ihre angedachte Nebenrolle auffallend nutzen. Die aromatische, frische Rotbarbe bekommt eine interessante Würzung durch das zurückhaltend eingesetzte Kaffee-Gewürzöl. Hat man auch nicht alle Tage! Ein pfiffiger Fischgang.

      Espumaschokoladenboden, Ananas, Kirschen, Karamelleis
      Bei Schokoladendesserts denke ich immer an Sattmacher. Hier überhaupt nicht. Ein ganz leichtes, luftiges Schokoladenförmchen ist mit kleinen Ananasstückchen und Kirschen gefüllt und wird durch das Karamelleis zu einem äußerst leckeren Ganzen. Einfach nur wunderbar!

      Zum Kaffee gab es noch eine schöne karamellisierte Pannacotta und ein paar andere Leckereien.

      Fazit:

      Wir freuen uns, dass wir Carmelo Greco wiederentdeckt haben. Er zählt sicherlich zu den besten Restaurants in Frankfurt und zweifellos zu den besten Italienern in Deutschland. Er macht eine spannende Küche auf italienischem Fundament, aber immer bereit, Anleihen bei seinen europäischen Nachbarn zu nehmen, wenn sie denn in seine Vorstellung von gutem Geschmack passen. Und das Beruhigende ist, dass Carmelo Greco absolut geschmackssicher ist, so dass es eigentlich immer eine Gelegenheit geben sollte, bei ihm vorbeizuschauen, vor allem, wenn es was anzustoßen gibt.

      Schönen Gruß, Merlan

      Kommentar


      • #18
        Was für ein Zufall! Schön, mal zwei Perspektiven zum gleichen Menü so nebeneinander zu lesen, werter Merlan!

        Kommentar


        • #19
          Schöner Bericht, lieber Merlan, ABER:
          "Dann der Blick in die Speisekarte mit dem Hinweis, dass alles möglich sei, sprich, dass man auch kreuz und quer wählen, tauschen, umstellen könne. So muss das sein! "

          Einspruch.
          Das muss überhaupt nicht so sein.

          Grüße aus dem Schlaraffenland

          Kommentar


          • #20
            Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
            Einspruch. Das muss überhaupt nicht so sein.
            Einspruch stattgegeben! Neue Formulierung im Schlaraffensinn: "So hat man´s gerne!"

            Gruß ins Schlaraffenland, Merlan

            Kommentar


            • #21
              Nachdem Herr passepartout gerade irgendwie schwächelt, steht mir heute, lieber Merlan, der Sinn nach Krawall. Nein, auch beim: "So hat man´s gerne!" bin ich nicht dabei. Im Gegenteil, die Aufforderung eines Wirtes " kreuz und quer (zu) wählen, (zu) tauschen, um(zu)stellen" macht mich mißtrauisch. Hat er so viel Überfluß an Personal, daß er das problemlos bewerkstelligen kann? Ist die Reihenfolge seiner Menüs so belanglos, daß man beliebig darin herumtauschen kann.? Und ist tatsächlich seine Ware, die umzustellen so einfach erscheint, alle vollkommen frisch? (Vor nicht zu langer Zeit hatte hier ein Forumianer ein Essen in einem *-Lokal beschrieben: er war alleine im Restaurant gewesen, im Menü waren nicht weniger als vier verschiedene Fischsorten aufgezählt. Wie frisch kann denn der Fisch dann gewesen sein? Oder wurde er, was sich anscheinend auch in der Sterne-Gastronomie immer mehr einbürgert, à la minute aufgetaut?)
              Nein, derartige Praktiken will ich dem Carmelo Greco natürlich nicht unterstellen.
              Mir sind inzwischen Lokale mit carte-blache-artigem Vorgehen lieber; dort kann täglich frisch eingekauft werden, es gibt kaum oftmals qualitätsmindernde Vorratshaltung. Nie und nimmer hätten, um ein Beispiel zu nennen, diese vier oder fünf Köche bei Piège in Paris derart grenzperfekt kochen können, hätten die etwa zwanzig Gäste im Lokal aus einer umfangreichen Karte kreuz und quer bestellen können. Dann hätte er seine 30-Mann-Crillon-Brigade mitnehmen müssen; der Menüpreis wäre natürlich um gut einhundert Euro teurer geworden; und wäre dann die Qualität tatsächlich auf einbem so hohen Niveau gewesen ...
              Ich bin tatsächlich in interessierter Erwartung, was die Herren rocco und qwertz vom Meister-Tisch aus Hamburg erzählen werden. Ich glaube kaum, daß man dort groß hin -und hertauschen kann.
              Bei meinen letzten, wundervollen Eßerlebnissen hätte eine Bitte, irgendetwas tauschen zu wollen, enorme Verwunderung hervorgerufen. Genausogut könnte ein Opernbesucher den Dirigenten bitten, in eine Fidelio-Aufführung eine Osmin-Arie einzubauen.
              Mit (natürlich immer noch) freundlichen Grüßen
              schlaraffenland

              Kommentar


              • #22
                Tiefer hängen, lieber Schlaraffe, tiefer hängen! Sie zetteln hier eine Diskussion an, die bitte nicht auf dem Rücken von Carmelo Greco ausgetragen werden sollte; das hat er wirklich nicht verdient.

                Zum einen bietet Greco nur ein Menü an und das Angebot, sich auch etwas anderes aussuchen zu können, galt der Möglichkeit, dass man bestimmte Dinge nicht mag oder verträgt. Deshalb die freundliche Aufforderung, sich auch etwas anderes aus der Karte aussuchen zu können; Herr Greco werde das, wenn möglich, in das Menü einbauen. So muss das auch sein!!! Selbstverständlich erwarte ich von einem Restaurant, dass es flexibel genug ist, mir Alternativen anzubieten, wenn ich bestimmte Sachen nicht essen kann oder gar darf. Von einem willkürlichen Zusammnemixen eines Menüs war hier nun wirklich nicht die Rede. Ich bedauere deshalb zutiefst, die lockere und vielleicht etwas unbeholfene Formulierung des Service "kreuz und quer" zitiert zu haben; so war sie sicherlich nicht gemeint und ist auch nicht als Aufforderung, jetzt "wild zu kombinieren", angekommen.

                Dass wir ansonsten gebührenden Respekt vor der "Gesamtkomposition" des Kochkünstlers haben, ist hier doch wohl selbstverständlich, aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen!

                (Natürlich immer noch) schönen Gruß, Merlan

                Kommentar


                • #23
                  "die bitte nicht auf dem Rücken von Carmelo Greco ausgetragen werden sollte"

                  Da haben Sie natürlich Recht, lieber Merlan; allerdings gibt es das halt immer wieder, daß ein kleiner Nebenpfad eingeschlagen wird. Nicht immer lohnt es ja, gleich ein neues Thema zu eröffnen.

                  "Tiefer hängen, lieber Schlaraffe, tiefer hängen!"

                  Damit allerdings kann ich nicht dienen; es war ja gar nicht hoch aufgehängt, und meine "Krawallo"-Stimmung haben Sie doch hoffentlich nicht ernst genommen. Ein "ernster" Hintergrund war natürlich vorhanden. In letzter Zeit kam es mir so vor, als hielten einige Forumianer das klassische Restaurantkonzept nach wie vor für den Goldstandard. Aber klarer als Ihr "Dass wir ansonsten gebührenden Respekt vor der "Gesamtkomposition" des Kochkünstlers haben, ist hier doch wohl selbstverständlich", klarer kann man das ja nicht formulieren.
                  Mit (gerade noch)* freundlichen Grüßen, Schlaraffenland

                  _________________________________
                  * zwinker, zwinker, zwinker

                  Kommentar


                  • #24
                    Leider, leider, habe ich mich im Carmelo Greco nicht wohlgefühlt.

                    Ich war zum Business-Lunch dort, das Essen war gut (die zwei ersten Gänge sehr gut, das Dessert war o.k.)

                    Der Service jedoch....

                    Der Fehler beim Annoncieren der Vorspeise hat mich ja noch nicht wirklich gestört. Es wurde annonciert: Burrata mit Wildkräutern, serviert wurde aber: Burrata mit Melone und Pflücksalat. Nun, mir hat es geschmeckt.

                    Schlimm jedoch war, dass ich die ganze Zeit als Gast nicht wahrgenommen wurde, d. h. "Dienst nach Vorschrift" gemacht wurde, kein Lächeln, keinerlei Frage, ob der Gang "geschmeckt " habe oder ähnliches.

                    Die Gänge und auch die Weine wurden "durchserviert", die Teller ohne irgendeine Nachfrage abgeräumt. Es wurde keinerlei Interesse am Gast gezeigt.

                    Kritik diesbezüglich,die ich dem Reservierungsportal zurückgemeldet habe, wird übrigens über das Reservierungsportal nicht veröffentlicht....

                    Noch nie habe ich mich in einem Sternerestaurant als Gast nicht willkommen gefühlt, es war das erste Mal.
                    Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 06.09.2015, 03:29.

                    Kommentar


                    • #25
                      Ja, was ist denn da passiert, liebe Heike?

                      Wir haben den Service zwar auch zunächst als eher zurückhaltend erlebt, doch tauten die beiden Herren (ein älterer, ein jüngerer) bei gezielter Ansprache durchaus auf. Vielleicht haben Sie in der Ferienzeit eine Aushilfe erlebt, die die Artigkeiten noch nicht so drauf hat.

                      Da sieht man doch mal wieder, wie wichtig ein guter Service für das Wohlbefinden im Restaurant ist!

                      Schönen Gruß, Merlan

                      Kommentar


                      • #26
                        Ja, ich kann es mir auch nicht erklären... Jedoch waren mindestens 4 Servicemitarbeiter anwesend. Irgend etwas muss da im Hintergrund los gewesen sein.

                        Wenn das mein erstes Erlebnis in einem Sternerestaurant gewesen wäre, ich hätte nie mehr ein weiteres besucht.

                        Ich habe lange gezögert, hier etwas dazu zu schreiben, aber nachdem ich gestern den fantastischen Service in der Schwarzwaldstube genießen durfte (Bericht ist in Arbeit) musste ich dann doch etwas darüber schreiben.

                        Kommentar


                        • #27
                          Auch interessant zu sehen, dass das Buchungsportal die Bewertungen filtert...

                          Kommentar


                          • #28
                            Da überlegt man bei tagsüber 36 Grad im Schatten doch tatsächlich, ob man den Tisch bei Carmelo Greco abends lieber absagen sollte! Wir sind froh, dass wir dieser Versuchung widerstanden haben, gehen ein bisschen später, so wie man es im Süden auch tun würde, und finden uns auf der luftigen Terrasse des Frankfurter Italieners wieder, der zu Recht als bester der Stadt und als einer der besten in Deutschland gilt. Seit Jahren liefert er solide Küchenleistungen auf traditioneller italienischer Basis ab, die er kreativ neu interpretiert, ohne seine sizilianischen und piemontesischen Wurzeln zu verleugnen.

                            Unser Menü:

                            Frozen Martini / Zitronensorbet / dreierlei Tomaten
                            ----------------------------------------------------------------------------------------------------
                            Jakobsmuscheln / grüner Spargel / Parmesan-Zabajone / geeister grüner Apfel

                            Royale di Parmigiano Reggiano / Espresso-Orangen-Reduktion

                            Gnocchetti / Burrata / Zucchini / Caciocavallo

                            St. Pierre / Erbsen / Minze / Fenchel

                            Parfait von weißer und dunkler Schokolade / Himbeeren / Mehrfrucht-Sorbet



                            Parmesan, immer wieder Parmesan! Nun gut, er ist ja auch Grecos Liebling, und nicht von ungefähr lieferte er jüngst für einen Parmesan-Bildband die Rezepte. So hatten wir in unserem 5-Gang-Menü denn auch dreimal Käse hintereinander, zweimal Parmesan, einmal Caciocavallo. Nicht, dass dies gestört hätte, aber ich erinnere mich, dass früher Wiederholungen im Menü-Aufbau eigentlich verpönt waren, aber die Zeiten sind wohl vorbei.

                            Gerade den beiden Parmesan-Gängen muss besonderes Lob gelten, da zum einen die Parmesan-Zabajone die Jakobsmuschel geschmacklich nicht „erschlagen“ hat und zum anderen der Parmesan-Flan nicht von der Espresso-Orangen-Reduktion dominiert wurde. Das haben wir auch schon anders erlebt.

                            Manchmal irritiert mich, wenn die im Netz veröffentlichte Speisekarte von der am Tisch in Nuancen abweicht; dabei meine ich nicht, dass Gänge ausgetauscht werden, das kann ich sehr gut nachvollziehen; nein, es geht um Gericht-Komponenten, die heute so und morgen anders hinzugefügt werden. Hatten wir im Menü zur Jakobsmuschel ein Sorbet vom grünen Apfel, so war im Netz noch eine „geeiste Grüne Soße“ angekündigt. Also ein Austausch von sieben Kräutern (Original Frankfurter Grüne Soße) gegen einen Granny Smith! Sind die Komponenten eines auf Sterne-Niveau kreierten Gerichtes tatsächlich so beliebig? Ich glaube eher nicht und vermute, dass der gute Greco an dem Tag einfach keine „Grie Soß“ bekommen und so zum grünen Apfel gegriffen hat (frei nach Andi Möller: „Grüner Apfel oder Grüne Kräuter, Hauptsache Obst!“). So fremdelte ich denn auch mit dem geeisten Apfel zur Parmesan-Zabajone ein wenig und hätte mir die kräuterige Note deutlich besser in dieser Komposition vorstellen können. Sei´s drum, „geeist“ war an diesem tropischen Abend auf alle Fälle willkommen.

                            Parmesan-Flan mit Espresso-Orangen-Reduktion ist ein sehr feines Gericht von Carmelo Greco, wenngleich die Orange kaum durchzuschmecken war, aber das war sicherlich so gewollt. Diese Kreation kannten wir im Übrigen auch schon als Amuse aus im Jahr 2011! So mausern sich Grüße aus der Küche zu Hauptdarstellern!

                            Selten habe ich so gut gemachte fluffige Gnocchetti gegessen, die von cremiger Burrata und einem Zucchini-Pürée begleitet wurden. Darüber waren hauchdünne Späne vom Caciovallo-Käse gehobelt. Ein Gang zum Reinsetzen!

                            Der St. Pierre war leider etwas zu lange in der Pfanne und daher recht trocken, doch machten gut abgeschmeckte passierte Gemüse mit einem intensiven Fenchel-Schaum diese kleine Unachtsamkeit der Küche etwas wett.

                            Das Dessert war ganz klassisch gehalten und kombinierte „Selbstläufer“ handwerklich perfekt zueinander, so dass auch der heißeste Abend des Jahres kulinarisch leicht und frisch über die Bühne gebracht wurde.

                            Der Service ist freundlich und aufmerksam, immer auf das Wesentliche konzentriert und um das Wohl des Gastes bemüht.

                            Fazit: Mit einem Besuch bei Carmelo Greco kann man eigentlich nichts verkehrt machen. Das ist moderne italienische Küche auf solidem Niveau in feinem Ambiente, egal ob man drinnen im feinen Restaurant oder draußen auf der hübschen Terrasse sitzt. Und nicht zu vergessen: Das Restaurant hat mittags geöffnet!

                            Schönen Gruß, Merlan
                            Zuletzt geändert von merlan; 31.07.2018, 12:54. Grund: Rechtschreibschwächen im Schlaraffenland!

                            Kommentar


                            • #29
                              Lieber Merlan,

                              ich hatte im Laufe dieser Woche, als es immer noch so heiß war, das Vergnügen, bei Carmelo Greco Essen zu können. Auch wenn wir teilweise andere Gerichte hatten (Frozen Martini w.o./Jakobsmuscheln mit Livornese-Sugo, Blutwurst und Burrata / Hummer-Risotto/St. Pierre w.o./ Iberico Filet, Ananas, Süßkartoffeln/Birnen-Sorbet, Früchtebrot und Belper Knolle/Parfait w.o.) kann ich Ihre Meinung zur Stellung des Restaurants teilen. In Frankfurt unangefochten, in Deutschland meiner Meinung nach Platz 1 der italienischen Top-Restaurants. Ich war nun in den vergangenen 18 Monaten viermal dort und konnte eine immer gleichbleibend hohe Qualität feststellen.

                              Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise, Gerichte teilweise zu variieren, finde ich dagegen gar nicht problematisch. Das habe ich schon mehrfach beobachtet in einer Vielzahl an Restaurants und finde das sogar sehr interessant, sofern der Grund dafür ist, das tagesaktuelle Produktsangebot umzusetzen. Ich vergleiche das immer mit einem Musiker, der seine Lieder gerne mal variiert (es muss ja nicht gleich so radikal sein wie Bob Dylan das immer macht, bei dem man seine Lieder teilweise erst beim letztes Refrain erkennt )

                              Was mir bei unserem Besuch besonders gefallen hat war die Weinkarte (ich habe erfahren, dass die wohl ganz frisch zusammengestellt wurde). Klar, da finden sich die großen italienischen Namen wie Tignanello, Sassicaia, oder Angelo Gaja. Ich habe da aber auch viele kleinere Winzer gefunden. Interesant fand ich vor allem aber einen Wein, der mir nun schon mehrfach in Restaurants aufgefallen ist, zuletzt vor ein paar Wochen im Esszimmer in München oder vor zwei Wochen im Acetaia in München. Der Wein heißt Timorasso. Ich habe etwas danach gegoogelt und herausgefunden, dass die Traube offensichtlich im Piemont ein richtiger Geheimtip ist. Authochthon, sehr eigener Geschmack (mit Petrolnote, wie ein alter Riesling) und von der Trinktemperatur her ungewöhnlich (wurde wie ein Rotwein serviert). Leider ist der in Deutschland immer noch schwer zu finden, auch wenn ich eine Seite gefunden habe, die sich darauf scheinbar spezialisiert hat. Kennt sich jemand hier im Forum zu dieser Rebsorte aus? Ich werde auf jeden Fall dazu im Oktober, bei unserer nächsten Piemont-Reise, empirische Untersuchungen vor Ort anstellen

                              Einen schönen Abend

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X