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Ente, Wiesbaden

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  • Ente, Wiesbaden

    Aus dem alten Forum:

    Als Geburtstagsgeschenk für einen runden Geburtstag (aus Eitelkeit wird das Alter aber nicht genannt) wurde mir von lieben Freunden unter anderen auch ein Gutschein für die Ente Wiesbaden gereicht, bei der Frage nach meinem Wunsch antwortet ich: "Ich esse und trinke gerne, aber nicht zu Hause", und dies wurde mir massig erfüllt, ich lebe seit Wochen von Gutscheinen, Buchholz ist noch offen .

    Meine letzten Enten Besuche sind schon viele viele Jahre her (noch zu Wodarz Zeiten) und waren geprägt bei mir durch Steifheit im Service, und so war ich gespannt was sich dort außer dem Küchenchef alles geändert hat.

    Die telefonische Reservierung hat mich schon sehr überrascht (laut Homepage ist außer den Abenden nur Samstags mittags geöffnet, da unser Wunschtermin aber ein Feiertag ist waren wir uns nicht sicher ob geöffnet ist), Karl Valentin hätte seine Freude gehabt:

    Hochemer: "Guten Tag, eine bescheidene Frage: Haben Sie am Samstag, den 3.10 Mittags geöffnet?"

    Entenfrau: "Ja, Ja, Donnerstag der 3. ist geöffnet"

    Hochemer: "Nein, der 3.10 ist ein Samstag"

    Entenfrau: "Ach so, ja am 3.10 ist geöffnet"

    Hochemer: "Auch Mittags?"

    Entenfrau: "Nein, Mittags ist geschlossen"

    Hochemr: "Aber es ist doch ein Samstag?"

    Entenfrau: "Ach so ja, doch, da ist geöffnet"

    So ganz sicher war ich nach dem Gespräch nicht, das meine Reservierung so wie ich geplant hatte auch durchgeführt wurde, so bestätigte ich diese 2 Tage vor Besuch noch einmal, aber siehe da, sie war vorhanden.

    Guten Mutes betraten wir dann die Ente, wurden freundlich empfangen und an einen Fünfer Tisch geleitet (da wir nur vier Personen waren und für vier bestellt haben doch etwas ungewöhnlich, keine Ahnung ob die Reservierung gefunden wurde, es wurde doch eine Zeit lang im Reservierungsbuch geblättert und die Kollegin gerufen), so richtig professionell kann ich den Reservierungsvorgang nicht bezeichnen.

    Vom 19.9. bis zum 3.10 traten 42 deutsche Restaurants an, um den Rioja Gourmet Cup zu gewinnen (das „harmonischste Rioja-Menü 2009“ wird gesucht), die Ente ist dabei und so war das Menue um das Thema Rioja. Da wir dies aber bei einem anderen Restaurant zuvor bereits gemacht hatten (natürlich mit anderen Gängen, aber immer den passenden Rioja Wein zu jedem Gang) beschlossen wir à la carte zu bestellen. Wir waren uns auch schnell einig, hörten uns die Tagesempfehlung an (Kalbskotelett mir Steinpilzen) und warteten guten Mutes auf das bestellte.

    Schnell (nach dem Aperitif, aber noch vor der Weinbestellung) dann der erste Gruß: ein sehr (positiv gemeint) intensives Krustentiercappuccino und ein Thunfischtartar (etwas mehr Würze hätte nicht geschadet), aber doch insgesamt ein guter Einstieg.

    Zu diesem Zeitpunkt wurde dann den anwesenden Gästen vom Restaurantleiter die rohen (und nicht halbierten) Steinpilze zur Empfehlung gezeigt, der Zeitpunkt vor der Bestellung wäre bei uns vielleicht sinnvoller gewesen.

    Ansonsten war der Service aber sehr nett, locker und professionell, die Steifheit von damals wurde einfach in den Rhein gekippt, was mir auch viel mehr liegt.

    Als nächsten Gruß gab es dann ein Mini Briesparfait (wahrscheinlich wurde die Diskusion "Plädoyer für schlichtere Amuse Geule" hier verfolgt und angenommen). im Grunde ist mir das aber lieber als eine Orgie unbestellter Gänge, wo ich schon satt bin bevor das erste bestellte kommt, wobei dieses Parfait mir aber wohl eher nicht in langer Erinnerung bleibt.

    So hatten wir alle noch Appetit zu unseren bestellten Gängen:

    "Kanadischer Hummer mit Vanillelauch, Pommes Soufflé und weißem Schokoladenschaum"

    Im nachhinein der Höhepunkt des Tages, die Produkte untereinander stimmig, am Hummer wurde nicht gespart, hier passte alles, ein klasse Gang.

    "Weißer Lauchschaum mit Kaisergranat und Passionsfrucht"

    Auch eine tolle Komposition bis auf steinharte, feste und zähneknirschende Punkte, auf deren Herkunft wir uns auch nach ausgiebigen Diskusionen nicht einigen konnten. Neugierig wie wir sind haben dann erfahren, das dies die (gebratenen?) Kerne von der Passionsfrucht waren, ob dies jedoch sinnvoll ist und Nutzen für das Produkt ist konnten wir uns nicht einigen.

    "Knusprige Heide Ente aus dem Rohr mit Kohlrabi,
    Quitte und Trüffel-Macaire"

    "Kalbskotelett mit Steinpilzen"

    Natürlich hat nicht jeder von uns beides bestellt, sondern je zwei Personen.

    Meine Ente wurde in zwei Gängen serviert und war eine halbe Ente pro Person. Zuerst die Brust wie versprochen knusprig und zart (am Tisch tranchiert), lediglich mit den geschmackslosen Quittenstückchen konnte ich nicht viel anfangen, vielleicht ist der Geist doch das Beste was einer Quitte passieren kann.

    Obwohl ich jetzt so langsam satt war, konnte ich auch noch die als zweiten Gang servierte Keule verspeisen so gut wie sie war, hier hätte ich mir aber aus Abwechslung und um Langeweile zu vermeiden eine andere Soße gewünscht.

    Das Kalbskotelett mit Steinpilze wurde von meinen Mitessern sehr gut angenommen, ein ordentliches Stück Fleisch (auch am Tisch tranchiert) sehr gut präsentiert. Nur die Menge der servierten Steinpilze lässt darauf schliessen, das der präsentierte Korb sehr lange hält...

    Der Nachtisch bei mir (Varation von Sorbets) hat mich leider enttäuscht, in der Auswahl sehr banal (drei sehr gängige Arten a la Himbeere) und vom Produkt her ok, mehr aber nicht.

    Bislang waren wir aber sehr zufrieden, planten schon wieder zukommen bis zum "Ärgernis des Tages". Als Digestiv Service wird ein Wagen angefahren, es gibt keine Karte und keine Nennung des Preises. Die Auswahl ist sehr bescheiden (kein Quitte, Johannisbeeren, Brombeere etc), so das wir mangels Angebot Marille und Pflümli bestellten. Leider wurde meine Warnung am Tisch nicht wahrgenommen und die Getränke ohne Nennung des Preises bestellt. Berechnet wurden dann für sehr genau eingeschenkter 0,02 l Marille der stolze Preis von 30 Euro (und wir hatten paar), so das wir für den bezahlten Preis auch zu Wohlfahrt hätten gehen können, und liebe Ente, bitte nicht böse sein, beim direkten Vergleich zieht ihr den kürzeren. Der Oberkellner hat dies mitbekommen, mit dem hohen Einkaufspreis erklärt und uns noch eine Runde serviert, ein fader Abzockgedanke bleibt jedoch hängen. Überall müssen Preise ausgezeichnet werden, warum nicht hier? Und warum gibt es hier keine preislich tieferen Alternativen? Beim Wein gibt es ja auch allerlei Kategorien, aber hier wird ja auch der Preis angegeben.

    Somit werde ich wohl in Zukunft an das halten, was "Schnecke" hier in diesem Forum bereits einmal geschrieben hatte:

    "Die Diskussion ist für mich der Hinweis ab sofort ohne Karte kein Aperitiv, wenn das alle machen hat sich das ganz schnell erledigt."

    und erweitere das auf das Digestiv.

    Schade das ein schöner Mittag so geendet hat, trotzdem Danke an meine Freunde für das Geschenk!

    Wer jetzt noch nicht eingeschlafen ist: So lang wollte ich den Bericht eigentlich nicht schreiben, falls dies zu viel der Dinge ist bitte berichten, ich will ja auch noch über Buchholz schreiben wenn gewünscht.
    Zuletzt geändert von Hochemer; 06.08.2011, 11:58.

  • #2
    Habe im Forum lange suchen müssen. Der letzte Bericht von der Ente liegt 10 Jahre zurück und der war ja nicht positiv. Ich habe die Ente Mitte Feb. 2019 besucht und habe einen positiven Eindruck mit nach Hause genommen.

    Die „Ente“ im Hotel Nassauer Hof gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Gourmet-Adressen in Deutschland. Seit der Ausgabe 1980 wird die ENTE ununterbrochen von den renommierten Restaurantkritikern des Guide Michelin mit einem Stern gekrönt. Hans-Peter Wodarz, Herbert Langendorf, Gerd M. Eis und seit 2006 Michael Kammermeier waren und sind die Kochkünstler am Herd der Ente.
    Wir übernachten im Hotel Nassauer Hof, so dass wir die lockere und entspannte Atmosphäre der Ente in vollen Zügen genießen können. Beim Betreten des Gastraumes fällt einen sofort die doch recht junge Servicebrigade auf. Um es vorweg zu nehmen, sie machen ihre Sache sehr gut.
    Kaum haben wir Platz genommen und uns ein wenig umgesehen, kommt natürlich sofort die Frage nach einem Aperitif. Hier mein Kritikpunkt. Lassen sie doch bitte den Gast erst einmal ankommen und überfallen sie ihn nicht sofort. Es ist wohl gut gemeint, aber ein wenig Zeit sollten sie dem Gast schon lassen bevor er sich entscheidet. Auch eine Aperitifkarte wäre sinnvoll und beim Aufzählen der Champagnersorten vielleicht auch den Preis nennen.
    Nachdem wir und für ein Glas Champagner entschieden hatten, dauerte es allerdings fast 30 Min. bis das Amuse Bouche serviert wurde und dann weiter 10 Min. bis Brot auf dem Tisch stand. Der weitere Ablauf des Abends war dann in Ordnung.
    Aus der Karte wählten wir unser Menü aus den beiden Vorschlägen „Querbeet“ und „Küchenrunde“ nach unseren Vorlieben. Ich etwas Fleischlastig, meine Frau mehr Gemüse und Fisch.
    Absolute Spitze war Marcella Schaefer die uns mit ihren Weinvorschlägen begeisterte. Vor allen ihren Vorschlag bei den Rotweinen statt auf Italien bzw. Spanien zu setzten, sondern im Rheingau zu bleiben sollte sich als Höhepunkt des Abends herausstellen. Ihr Vorschlag Quercus vom Weingut Allendorf übertraf meine Erwartung. Ein toller deutscher Rotwein der hervorragend zum Reh und seinen doch recht starken umami Geschmack passte. Auch ihr Vorschlag eine Wildpflaume von Schladerer zum Abschluss zu nehmen war ein Volltreffer.


    Fazit: Trotz der kleinen Pannen kann man ein positives Fazit ziehen. Der Service ist stets zur Stelle und agiert in perfekter Manier ohne steif und aufgesetzt zu wirken. Die Souveränität der Sommeliere Marcella Schaefer ist von einer herzlichen Offenheit und sie hat uns mitgenommen auf eine interessante Weinreise. Chefkoch Michael Kammermeier und seine Küchenbrigade entführte uns in ein kulinarisches Erlebnis von feiner geradliniger Küche mit französischem Einschlag.
    Bilder https://alwisgenussreisen.com/2019/0...iesbaden-2019/

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    • #3
      Danke für den Bericht, werter calvados! Wieso hat dieses legendäre Restaurant kaum noch jemand auf dem Schirm, der im Rhein-Main-Gebiet unterwegs ist? Wir waren vor über 20 Jahren das letzte Mal da. Und in Wiesbaden gibt es ja eigentlich keine Alternativen auf diesem Niveau.

      Schönen Gruß, Merlan

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      • #4
        Auch von mir herzlichen Dank für den Bericht. Es ist ja in Ordnung, wenn sie mal den Service so in den Mittelpunkt des Berichts stellen, aber können Sie in Bezug auf das Essen noch etwas nachlegen? Optisch sehen die Teller nach modernisierter Klassik aus, entlang bekannter Aromenkombinationen, was ja absolut seine Berechtigung hat. Würde mich nur interessieren, ob der optische Eindruck stimmt.

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