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Villa Rothschild **, Königstein

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  • QWERTZ
    antwortet
    Danke für den Bericht.
    Ja, das gibt es manchmal. Eigentlisch schmeckt alles, handwerkliche Fehler liegen auch nicht vor, trotzdem berührt einen das Essen nicht. Lecker ja, ein Erlebnis nein. Bei mir sind es dann oft die Middle-of-the-Road-Kreationen, die unspannend sind. Bislang meist in Restaurants erlebt, die bewusst auf ein breites Publikum setzen, vor allem auch auf Geschäftsleute. Mein Eindruck ist: wer jeden mitnehmen will, lässt manche stehen. (passt natürlich wunderbar zu unserer Diskussion über die Teller-Optik von gestern). War das so Ihr Eindruck, werter kgsbus?

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  • kgsbus
    antwortet
    Warum haben es zwei Sternelokale so schwer? Oder anders warum habe ich oft ein Problem mit ihnen? Fast alle Ein-Sterner haben mir gefallen (mein persönlicher Ausreißer ist eigentlich nur das Husarenquartier, zu dem ich (noch) keinen "Zugang" finde). Und die Drei-Sterner, die ich besucht habe, waren stets "goldrichtig" (bei Henkel in Lerbach waren es auch gerade noch 3 Sterne, die er in meinen Augen auch heute noch verdient).

    Aber Zwei-Sterner?

    Das Gourmetrestaurant Villa Rothschild ist im Kempinski Königstein bei Frankfurt untergebracht – einem luxuriösen Haus.
    Die ganze Anlage ist sehr schön und stilvoll. Das Ambiente äußerst anspruchsvoll und gediegen. Der Service ist gut ausgebildet und unaufdringlich, wir waren immer gut betreut.

    Die Grüße aus der Küche wurden schon vor der Bestellung der Speisen serviert und waren äußerst schön hergerichtet und wunderbar im Geschmack. Da waren wir noch sehr angetan.

    Wir haben aus dem Degustationsmenü sechs Gänge mit Weinbegleitung ausgewählt. Die Getränke waren vorzüglich zu den Speisen abgestimmt (sind aber zu hoch im Preis nach meiner Meinung - 6 gute Weine 90 Euro hier; 6 gute Weine 38 Euro in Bembergs Häuschen). Der Hauptgang hat uns leider gar nicht geschmeckt, weil das wunderbare Fleisch nach unserer Einschätzung überwürzt war. Aber nach Nachfrage soll das wohl so sein soll.

    Somit ist das Fazit: Tolles Haus, prächtige Weine, Speisen sehr gut. Trotzdem hat uns das Menü insgesamt nicht „glücklich“ gemacht, weil uns eine „Überraschung“ gefehlt hat. Bei einem Sternehaus haben wir eine hohe Erwartung – und an der Güte (Qualität der Zutaten) hat es nicht gefehlt, es gab nicht das erhoffte Aha-Erlebnis (für die Grüße muss ich weiterhin ein Lob aussprechen).


    Ankommen in der Region (das sind die wirklich kreativen Grüße)

    Cornetto □ Kalbstatar □ Spundekäs – Wachtelei □ Frankfurter grüne Sauce
    Baiser □ Sauerkraut □ Eisbein Taunusssaibling □ Wetterauer Kartoffel

    Winter Beete - in Strukturen

    Dann das Große Menü Herbst / Winter – 2013 als Sechs-Gang-Folge (ohne Käsegang - wie in der Karte)

    Norwegische Jakobsmuschel - Sandwich

    Ochsenmark □ Brunnenkresse & Rettich □ Prunier Kaviar-St. James

    Metternich, Baden: Sauvignon trocken, Durbacher Schlossberg 2012

    Bretonische Felsenrotbarbe – kross

    Auszug von Ingwer-Aloe Vera - Koriander □ Bulgur □Krustentiere

    Boillot, Burgund (Cote de Beaune): Bourgonge blanc 2011 (Chardonnay) - der hat uns besonders überzeugt

    Schwarzfederhuhn aus der Dombes - Hühnereintopf

    Bouillon gebunden □ Suppengrün □ Eierbecher

    Bercher, Baden: Grauburgunder, Burkheimer Feuerberg GG

    US Prime Beef - Striploin-Tatar-Short Rib

    Burgundertrüffel □ Topinambur □ eine Bratkartoffel

    Luna Beberide, Bierzo: Mencia, Finca la Cuesta 2010

    Den Käsegang haben wir ausgelassen.

    Taunusapfel – geschmort - Sorbet mit Karottengrün
    Petersilienwurzel □ Ur-Karotte □ Muscovadocreme

    J. J. Prüm, Mosel: Riesling, Wehlener Sonnenuhr Auslese 2003

    Boulet de Noel-geeist / flüssig
    Lebkuchen □Kastanienhonig□Passionsfrucht

    Mas Amiel, Maury: 10 ans (Süßwein im Rancio-Stil)

    Süße Verabschiedung (wirklich großes Angebot, aber neben Vendome zum Beispiel belanglos bzw. nett)
    Karamell-Exotic □ After Eight □ Macaron – Earl Grey- □ Seychellen – Kokosnuss □ Marshmallow
    - Cassis Hibiskus □ Konfekt – Mokka - Guanaja Schokolade □ Fruchtgelee Birne Wacholder Chai Latte
    - Litschi □ Cornetto-Kirsche

    Für einen Stern wäre das alles noch für uns ok gewesen.

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  • MichaelStromberg
    antwortet
    Vor einigen Wochen besuchten wir das Restaurant Villa Rothschild in Königstein im Taunus. Bereits das gemütliche, sehr geschmackvolle Ambiente des Speisesaals, von welchem man in die wunderbare Parkanlage blicken kann, wusste zu gefallen. Unterstützt wurde dieser Eindruck durch den überaus freundlichen Service unter Dolorez Lopez, der für uns wieder einmal zeigte, dass Spitzengastronomie und Steifheit keinesfalls zusammengehören müssen. Besonderes Lob geht von unserer Seite dabei auch an den Sommelier, der eine sehr ausführliche und differenzierte Beratung bot und mit seiner letztendlichen Empfehlung unseren Geschmack genau traf.

    Zum Apertif wurden mit Carpier Lachs und Olive, Tom Ka Gai Gung und Grüner Spargel in Texturen mit Königsgrabbe drei fein abgestimmte Grüße aus der Küche serviert.

    Mit Neuseeländischer Kaisergranat roh/lauwarm mit Pampelmuse, Aperol, Krustentiermayonaise erreichte uns dann direkt zu Beginn des eigentlichen Menüs ein wirklich wunderbarer Gang, der durch das perfekt ausbalancierte Spiel von Fruchtigkeit und Temperaturen um den Kaisergrant herum zu überzeugen vermochte.

    Es folgte Wolfsbarsch mit Bohneneintopf, Räucheral & Kalbskopf, Birkenrauchöl, ein Gericht das den perfekt gegarten Fisch mit verschiedenen eher herzhaften Komponenten präsentierte und uns wirklich gut gefiel.

    Zum Hauptgang gab es Kalb mit Sauce Financière und Zwiebeln in Strukturen. Bei diesem Gang gefiel uns nicht nur das wunderbar gegarte Fleisch, einmal gegrillt, einmal geschmort, sondern auch besonders die hervorragend abgeschmeckte Sauce.

    Den Abschluss des regulären Menüs bildete mit Rhabarber mit Gurke & Jin geeist, Pinienenkerncrumble, Coulis ein erfrischendes Dessert, das erneut in perfekter Art und Weise verschiedene Temperaturen und Texturen kombinierte.

    Zum Kaffee wurde dann noch der Pralinenwagen vorgefahren, der für Dessertliebhaber wie uns ein weiteres Highlight darstellte. Neben einer Vielzahl verschiedener Pralinen gab es auch noch ein Kaffee-Eis, welches man wohl kaum besser machen kann.

    Unser Fazit zum Restaurant Villa Rothschild fällt überaus positiv aus. Christoph Rainer bringt eine moderne Küche auf den Teller, die nicht nur das Spiel mit verschiedenen Temperaturen und Texturen, sondern auch klassische Elemente wie Saucen perfekt beherrscht. Nicht allein wegen des Essens, sondern auch aufgrund des herzlichen Service verlebten wir einen wunderbaren Abend, der den zwei Michelin Sternen absolut gerecht wurde.

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  • Schink
    antwortet
    Da ich mich auf das grosse Menü fokussiert habe, leider nur noch kleine Details, zum Start eine Stopfleber (Gänse / Ente ?) und zum Dessert Rhabarber. Einfach noch ein paar Tage warten, die Homepage wird sicher aktualisiert oder anmailen, es wird Ihnen sicher die aktuelle Karte zugesandt.

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  • MichaelStromberg
    antwortet
    Vielen Dank für die kurzen Eindrücke aus Königstein, die meine Vorfreude auf einen geplanten Abstecher in den Taunus noch vergrößert haben. Können Sie sich zufällig noch erinnern, was im anderen Menü angeboten wurde? Leider zeigt die Speisekarte auf der Homepage der Villa Rothschild wohl noch das vorherige Menü.

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  • Schink
    antwortet
    Es lag zwar nicht ganz auf meiner Strecke, aber nach dem wunderbaren Aufenthalt in 2011 plante ich dann doch einen Abstecher nach Königsstein. Die Villa mit der imposanten Aussicht auf die Frankfurter Skyline, der freundliche Empfang, die schönen Zimmer (diesmal sogar mit Bad mit Aussenlicht) wie gehabt. Nur im Service des Gourmet-Restaurants neue Gesichter, aber äusserst aufmerksam, freundlich, die Weinbegleitung treffend, allem voran ein vorzüglicher Riesling von Van Volxem. Und nach den Einstimmungen das Menü:
    1. Neuseeländischer Kaisergranat - roh / lauwarm mit Pampelmuse und Krustentier-Mayonnaise:
    2. Norwegische Jakobsmuschel - gegrillt, Bouillabaisse
    3. Bretonische Seezunge, Olivenölnage, Bohne und Tomate
    4. Mieral-Taube, Orientalische Würze, Kichererbse und Bulgur
    5. Limousin-Lamm, Salsa Verde kalt, Ziegenkäse lauwarm, Knoblauch geräuchert
    6. Erdbeere, Kokoscreme, Malabareis
    7. Manjari-Schokolade, Erdnuss-Nougatine
    Alles auf hohem Niveau, die Gänge mit verschiedenen Temperaturen, harmonierend.

    Gehört zwar nicht ganz hier her, aber am Ende der Fussgängerzone gibt es einen kleinen unscheinbaren Laden, spezialisiert auf österreichische Produkte, allen voran ein sensationelles Weinangebot, Schokoladen, Marillenschnaps, Kürbiskernöl ...

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  • fragolini
    antwortet
    Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
    PS: Hab mich jetzt mit Fragolini überschnitten. Egal.
    Macht nix.
    So ein Lob nimmt doch jedes Hotel gerne an. Was schöneres gibts doch gar nicht für so ein Haus.


    Gruß!

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  • Morchel
    antwortet
    Dann muss ich noch eine Lanze fürs Falkenstein brechen. Ursprünglich nicht wirklich glücklich, weil "zwangsausgelagert" (die Villa war voll), hatte ich einen wunderbaren Aufenthalt dort, den ich nicht missen möchte. In meiner upgegradeten Suite hab ich mich wie eine Königin gefühlt und lange Spaziergänge durch die mir zur Verfügung stehenden Gemächer gemacht.

    Der angebotene "Shuttle" in die Villa hin und zurück klappte wunderbar, und die Mitarbeiter waren von einer unaufgesetzten Freundlichkeit, die ich auch in Häusern dieser Größenordnung noch nicht erlebt habe.

    PS: Hab mich jetzt mit Fragolini überschnitten. Egal.

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  • fragolini
    antwortet
    Zitat von Schink Beitrag anzeigen
    Da ich eine der wenigen war, die in der Villa übernachteten, möchte ich auch hier ein grosses Lob aussprechen. Die Zimmer wurden mit viel Liebe restauriert und mit dem Charme aus der Zeit der Gründung eingerichtet, wobei die moderne Komponente nicht vernachlässigt wurde. Als Begrüssung die obligatorische Flasche Wasser auf dem Zimmer, daneben ein Tellerchen mit Erdbeeren, Pralinen und einem Stückchen Baumkuchen mit einem wunderbaren Marzipan-Aroma (nach einem stundenlangen Spaziergang durch das Städtchen, zur Burg und um diese herum hätte es auch zwar etwas grösser sein können ... aber auf mich wartete auch noch ein sensationelles Menü).
    Am nächsten Tag wurde ich für die Fahrt noch mit Getränke versorgt ... nochmals vielen Dank.
    Außer dem Baumkuchen, der uns fehlte, kann ich das auch für das "Grand-Hotel" so bestätigen. Wir hatten ein wunderbares Zimmer, einen schöne Pool (nur der Sichtschutz zum Parkplatz fehlt), ein erstklassiges Frühstück und vor allem wirklich supernettes Personal.
    Der jungen Dame, die Marc bis an Zimmer begleitete ein herzliches Danke. Das ist vorbildlich. (Er hat nur vergessen Sie auf einen Kaffee einzuladen.)

    Ich würde das gleich nochmal so buchen und Essen!


    Gruß!

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  • Schink
    antwortet
    Ich kann den anderen Teilnehmern dieses Abends nur zustimmen. Zum Menü, zur Weinreise, zum Service gibt es nichts mehr hinzu zu fügen.

    Da ich eine der wenigen war, die in der Villa übernachteten, möchte ich auch hier ein grosses Lob aussprechen. Die Zimmer wurden mit viel Liebe restauriert und mit dem Charme aus der Zeit der Gründung eingerichtet, wobei die moderne Komponente nicht vernachlässigt wurde. Als Begrüssung die obligatorische Flasche Wasser auf dem Zimmer, daneben ein Tellerchen mit Erdbeeren, Pralinen und einem Stückchen Baumkuchen mit einem wunderbaren Marzipan-Aroma (nach einem stundenlangen Spaziergang durch das Städtchen, zur Burg und um diese herum hätte es auch zwar etwas grösser sein können ... aber auf mich wartete auch noch ein sensationelles Menü).
    Am nächsten Tag wurde ich für die Fahrt noch mit Getränke versorgt ... nochmals vielen Dank.

    Vielen Dank noch an die Runde für diesen wunderschönen unterhaltsamen Abend.

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  • Sphérico
    antwortet
    Liebe Morchel, lieber fragolini, liebe Leser und Genießer,

    herzlichen Dank für Ihre treffgenauen Ausführungen, denen ich nur zustimmen kann.
    Herr Rainer hat sich sehr viel vorgenommen für den Abend, hat uns mitgenommen auf eine aufregende und erstaunliche Reise durch seine immer wieder neu variierten Klassiker, aber auch durch neuere Gerichte.
    Und ich sage es jetzt einfach mal, wie es aus meiner Sicht war. Es war ein Feuerwerk. Ich bin in der unmißlichen Lage, daß die Villa Rothschild unweit meines Wohnorts liegt und ich Armer zwangsläufig schon öfter Mal vor Ort war. Aber die Komplexität einer solchen Reise (und es war kein Kurztrip, sondern die große Jahresurlaubsreise), unterstützt durch eine im Wortsinn kongeniale Weinbegleitung hatte ich vorher noch nicht so extrem wahrgenommen.
    Gut gefallen hatte wohl allen Teilnehmern, daß wir (ausnahmsweise) Champagner und Amuse bouche auf der wunderschönen Terasse (die schönste im Raum Frankfurt, die des Kempinski Falkenstein empfinde ich als etwas zu groß) beim gegenseitigen Kennenlernen einnehmen konnten.
    Zum Menue haben meine Vorredner schon bestens beigetragen, wie Sie oben lesen konnten, waren manche Gänge schlicht Referenzklasse. Es ist erstaunlich, mit welcher Präzision und Konzentration hier gekocht wird, was sich in den Kombinationen von Texturen und Temperaturen wiederspiegelt, ohne daß die Produktqualität leidet, sondern gewinnt. Oder anders gesagt, ein Gemüse in Temperatur und Textur durchdeklinieren können viele, aber der Weg ist ja hier nicht Ziel, sondern das, was auf den Teller kommt. Und das ist bei eigentlich allem, was bei Chris Rainer aus der Küche kommt, so, daß man nicht wüßte, wie es hätte besser werden können.
    Und dann kommt nicht selten noch ein Augenzwinkern hinzu wie beim "krossen Sandwich von..." oder vom griechisch angehauchten Lamm, das abgesehen von perfekter Garung und druckvoller Kruste mit feinster Zaziki und Auberginen vom Pass kam.
    Die Riege der Zweisterner in Deutschland ist ja eine inhomogene, da gibt es classic straight wie den geschätzten Haas, da gibt es den ruhelos innovativen Bühner. Sicher aber schien am Freitag abend, daß Rainer ganz an der oberen Grenze arbeitet. Oder nach Morchelsystem **+++, und ohne Zweifel hatten wir einige ***Gänge.

    Und, liebe Morchel, unsere Sommelière, wie konnten Sie´s vergessen, war die immer charmante, strahlende Ricarda Krebs. Wahrt sie sonst professionell die Fassung, wenn ich nur ein oder zwei Gläser zum Menue bestelle ;-)) (muß ja noch fahren), so hatte sie an unserem Abend nicht nur ein gutes Händchen, sondern wartete mit einer furiosen Weinbegleitung auf.
    Im Vorbericht klingen die Begleitungen zu Steinbutt und Schokodessert wie nicht so herausragend. Sie waren eben klassisch (Chardonnay resp. Banyul) auf gutem Niveau, wurden aber durch ein paar legendäre Pairings völlig in den Schatten gestellt. Ich bin echt kein großer Weinreisefreund, zu viel verschiedene Aromen und v.a. zuviel Alkohol. Aber allein für diese fantastischen Paarungen hat es sich gelohnt, von denen ich zwei hervorheben darf. Zum einen ist es der Sauvignon Blanc von Prinz, dem Frau Krebs das in der Nase deutliche Paprikaaroma des Krustentierfonds zuvor wohl geflüstert hatte. Zum anderen ist es der Schioponetto, ein kantiger eigenwilliger Italiener, aber geradeaus in seiner sehr speziellen Aromatik von verschiedenen Pfeffern, schwarz, grün, lang, Szechuan, und irgendwo dazwischen einer dezenten Frische, der -natürlich und passend zum Lamm- den Mouton vom Gaumen fegte. Erste Assoziation, wie oben genannt, "Sieben" von Holland. Simply stunning. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wie man solche Weine findet, wo man sie ausgräbt. Congratulations, Frau Krebs und Danke !
    Vielleicht werden Sie nun doch der Superlativen müde, dann wechseln Sie besser den Thread. Denn es geht so weiter.
    Die Villa Rothschild mit ihren französischen Wurzeln, Tisch- Eß- und Servickultur an diesem besonderen Ort. Manchmal hat man das Gefühl Monsieur Juillot war erst da, und dann ist das Restaurant um ihn entstanden, es scheint eine Symbiose zu sein. Ich finde seinen Service perfekt, weniger offensiv als den der Kieffer-Brüder, die einmal meine Referenz waren. Er ist ein Gastgeber mit Herzblut für Chris Rainers Küche und das ganze Haus. Derart angenehm umsorgt und mit Spaß beim Genuß fühle ich mich sonst nur noch bei Herrn Blümke unten in der großen Stadt.
    Immer dabei Empathie für Gäste und Essen, ansteckend, charmant und freundlich. Manche Dame kommt hier vielleicht auch seinetwegen her...;-)

    Nun liebe Leser, verzeihen Sie mir, wenn meine Sicht etwas emotional geriet. Aber ist es nicht das beste Zeichen, wenn so ein Abend Emotionen hervorruft und auch nachhallen läßt ?
    Vielen Dank also für diesen außergewöhnlichen Abend an Chris Rainer und seine Mannschaft, an die liebenswerte Ricarda Krebs und den wunderbaren Arnaud Juillot. Danke an die nette angenehme Forumsrunde, es hat viel Freude gemacht, und last but not least Herrn Buchner für sein unermüdliches Tun mit der Organisation !

    :cheers::cheers::cheers:
    Zuletzt geändert von Sphérico; 08.05.2011, 15:40.

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  • fragolini
    antwortet
    Gerne gebe ich auch meine Sicht auf dieses überragende Menü weiter.

    Es war ein wundervoller Abend mit einem erstklassigen Menü, einer hervorragend aufgelegten Servicecrew und einer netten und entspannten Tischrunde.

    Der Anfang war etwas verwirrend nachdem wir erst ins Restaurant geleitet wurden und danach quer durch die Villa wieder zurück auf die Terasse. So bekommt man wenigstens Hunger.

    Die 3 Kleinigkeiten von der Sardine wussten mich bereits voll zu überzeugen. Schöne Begleiter zum ausgezeichneten Ruinart Blanc de Blanc. Einen Champagner, den ich noch nicht kannte (mir war Ruinart vor allem als rose geläufig). Sehr elegant von vornehmer Zurückhaltung, nicht zu spritzig.


    Raff Tomate mit Königskrabbe (oder war es doch Hummer?) erwies sich als herrlich frisch und tomatig. Kann Tomate besser sein?
    Der Sylvaner Hohnart von Castell erwies sich als frischer, nicht zu dominanter Begleiter. Castell dürfte derzeit Deutschlands bester Sylvaner Produzent sein.

    Entenstopfleber mit grünem Apfel, geliert und als Eis, dazu dünnes Koriandergelee. Herrlich cremig die Entenleber, das ganze aufgefrischt durch die intensiv säuerlich-grünen Aromen des Apfels, aufgeppeppt mit etwas Koriander. Durch die optimale Ausbalancierung ein überraschend leichter Gang.
    Der Sauternes dazu, Zweitwein von Chateau Rieussec, war nicht zu schwer, da er doch noch etwas Säure mitbrachte. Ein guter Begleiter.

    Die bretonische Felsenrotbarbe, herrlich fleischig, mit dem krossen Focaccia und etwas Oktopus und Calamaretti bekam ihr unvergessliches Aroma durch einen kräftigen Krustentierfond mit einer schönen Prise Paprika. Eine geniale Kombination. Für alles Soßen-Fans ein Highlight erster Güte.
    Optimal passend der Sauvignon Blanc aus dem Rheingau vom Weingut Prinz. Für mich der bisher beste Sauvignon Blanc aus deutschen Landen.

    Tranche vom großen Steinbutt (welch ein herrliches Stück Fisch!), Sadinenbisque und weißer Bohnencreme. Auch hier wieder eine fantastische "Soßencreme" als geniale Begleitung zum optimal gegarten Fisch. Die zart-saftigen Schweinebäckchen waren herrrlich, aber für mich verzichtbar (ich glaube aber, da stehe ich allein mit meiner Meinung).
    Der 2004 Mersault (100% Chardonnay) von Francois Mikulski hat sich mir nicht so richtig erschlossen. Duft nach viel Holz, fast schon etwas muffig, zuerst auch viel Holz im Aroma, aber ganz schnell abgelöst durch ein zuviel an Säure. Kein einfacher Wein.

    Mieral Taube, in Nussbutter confiert mit Erbsen auf 2 Arten, Frühlingsmorchel und verlorenem Ei, das ganze gebettet auf eine wunderbar kräftige Sauce Rouinaisse. War das gut! Die Taube unglaublich perfekt gebraten, kräftig rotes Fleisch, der Saft des Fleisches perfekt eingebunden. Taube der allerbesten Art. Mein Sohn schwärmte noch am nächsten Tag davon. Er würde Ihnen, lieber Herr Rainer, gerne 20 Punkte und 3*+ dafür geben.
    Der Languedoc dazu war ein gefällig zurückhaltender Begleiter.

    Da wir schon bei 20 Punkten waren, würde ich gerne 20 Punkte für das Lamm vergeben. Sicher ein neuer Maßstab, dieser in Gewürzmilch gegarte Lammrücken mit seiner würzig-knusprigen Kruste aus schwarzem Knoblauch, dem Bett aus Auberginen (wie ein Moussaka) und als genialer Zugabe ein cremiges Zaziki. Eine geniale Kombination aus kräftig (das Fleisch), cremig und kalt (das Zaziki), herbem Gemüse und knusprigem Knoblauch.
    Zum Erfolg dieses genialen Gangs tug auch der 2004 Schioponetto von Bressan Nereo bei. Der in seinen unglaublich pfeffrig Noten perfekt das Aroma des Gerichtes aufnahm. Ein überaus ungewohnlicher Wein, bereits in der Nase dominiert frisch gemahlener Pfeffer, auf der Zunge wurde dieser Eindruck noch einmal verstärkt (Spherico: 7 Pfeffer von Ingo Holland). Ein absolut genailes Aromenspiel zwischen dem Lamm und dem Wein!

    Absolut überzeugend, frisch und leicht das Pre Dessert: Ananassüppchen mit Süßholzpudding und fantastischem Kerbeleis.

    Sehr ungewöhnlich das 1. Dessert: Fromage blanc mit geeistem Kefir, Karamell-Bisquit und Hibiscus Granite. Meine Frau und mein Sohn vermissten etwas die klare Linie, ich fand das Zusammenspiel der Aromen einfach nur herrlich.
    Für mich etwas schwierig war der Wein dazu. Ein 2009 Sauvignon Blanc aus Neuseeland. Zuerst fast etwas papig süß, dann eine wuchtige Säure. Mir fehlte etwas das Zusammenspiel der Aromen.

    Flan und Cremeux von der Orizaba Schokolade waren für meine Frau und mich der schwächste Gang des Abends. Optisch wunderschön konnten wir nicht so recht das Zusammenspiel von Schokolade, Haselnuss Eis und den kandierten Früchten erkennen.
    Klssisch dazu ein typischer Banyuls.

    Für Schleckermäuler herrlich die Pralinenauswahl. Besonders gut die Praline vom gesalznen Karamell.

    Ich kann jedem nur einen Besuch bei Christoph Rainer und seinem Team empfehlen. Hier wird eine Küche geboten, die im sicheren bis gehobenen 2* Bereich Maßstäbe setzt. Das Ambiente ist zeitlos elegant und freundlich, die Tischabstände groß, die Stühle bequem, der Service aufmerksam, locker und einfach gut.


    Gruß!

    PS: dank an einen User für die wunderbare Einstimmung auf das Lamm mit einem 41-jährigen Bordeaux!

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  • Morchel
    antwortet
    Zitat von brigante Beitrag anzeigen
    Ein weiteres großes Highlight war für uns das Pre-Dessert aus Ananas und Kerbel - eine absolute Götterspeise...
    Lieber brigante,
    danke fürs Erinnern! Ja, das hatten wir auch. Und es war ein Traum.
    Schönen Sonntag,
    Morchel

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  • QWERTZ
    antwortet
    Vielen Dank für Ihren Bericht. werte Morchel. Ich bin gespannt auf weitere Eindrücke des Clubabends und freue mich schon, wenn ich in der zweiten Jahreshälfte wieder selbst dabei sein werde.

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  • brigante
    antwortet
    Liebe Morchel,
    besten Dank für den Bericht! Ich bin ja ein echter Fan der Rainer-Küche und genau so, wie Sie es beschreiben, empfinde ich seine Kreationen: leicht, raffiniert, in toller Balance zwischen Klassik und moderneren Akzenten - und natürlich äußerst schmackhaft.

    Die St. Jacques mit Spargelterrine & Eis hatten wir zuletzt auch - in der Tat grandios! Ein weiteres großes Highlight war für uns das Pre-Dessert aus Ananas und Kerbel - eine absolute Götterspeise...

    Leider stand bei unserem Besuch die Taube noch nicht auf der Karte - die hätte ich zu gerne probiert.

    Erwähnenswert in meinen Augen auch das Brot: ich esse normalerweise nie Brot, aber hier waren alle Sorten so unwiderstehlich gut (außen herrlich knusprig, innen weich und zart), dass wir im Lauf des Abends den ganzen Korb leergeputzt haben.

    Beste Grüße
    b.

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