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Lohninger, Frankfurt /M., 17 GMP

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  • Lohninger, Frankfurt /M., 17 GMP

    Lohninger August 2015

    Am vermutlich letzten heißen Sommersamstagabend diesen Jahres in Frankfurt hatten wir Glück: kurzfristig ergatterten wir noch einen Tisch im vollbesetzten Lohninger.
    Wir überquerten also kurz vor sieben die Mainbrücke und wunderten uns. Die Fassade des Lokals wird offenbar renoviert und damit war sie eingerüstet und "verpackt". Die Renovierungsarbeiten taten jedoch der angenehmen Atmosphäre im Lokal keinen Abbruch. Wir haben uns an dem Abend sehr wohlgefühlt.

    Zu Beginn gab es eine Butter mit geröstetem Sesam, zwei Sorten Brot und schmackhaftes Popcorn.

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    Der Gruß aus der Küche: eine gelierte kalte Consomme mit Gurkeneis und Tomate

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    Beim Menü gibt es mehrere Wahlmöglichkeiten: zum einen 'Marios Klassiker', dann 'Die Heimat' mit diversen bodenständigen Gerichten aus der östereichischen Küche und dann noch 'Die Welt', also Gerichte, die auf die Erfahrungen von Mario Lohninger in verschiedenen Ländern zurückgreifen.

    Mario Lohninger nahm die Arbeiten an der Fassade und dadurch bedingten Einschränkungen zum Anlass,ein sogenanntes "Verputzmenü" zu besonders günstigen Konditionen anzubieten, dass ich orderte.

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    Es begann mit einem Aperitif: ein heller Danube Cocktail mit Schlumberger und Holunderblütensirup. Gutes Mischungsverhältnis, nicht zu süß.

    Danach / dazu dann die Vorspeise: Sommerlicher Melonensalat, Heirloom Tomate, Feta Käse, Pimpinelle, Gegenbauer Traminer Essig.
    Sehr schönes Salzig-Süß-Säure-Spiel von verschiedenen Melonen, der Tomaten und dem Käse, frisch und leicht. Dazu die leicht bittere Note der Pimpinelle und der feine Trauben-Essig. Sehr gut!

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    Meine Begleitung wählte als Vorspeise: karamellisierte Jakobsmuschel, Baby Calamari, Schneekrabbe, Paradeiser - Koriander Sauce, und war ob der Qualität der Produkte und der Feinheit der Abstimmung sehr zufrieden.


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    Als zweiten Gang für mich gab es dann einen Lohninger-Klassiker: gegrillter Miso Lachs, Shitake Pilze, Orangen-Ingwer Marinade, Mizuna Salat.
    Auch hier ein gut abgestimmtes Aromenspiel des kräftig marinierten Lachses mit Orange und Ingwer und den fein-herben Mizuna-Salatblättern. Der Lachs auf den Punkt und von hervorragender Qualität. Dazu ein 1a Kartoffelpüree, fluffig und nicht zu fett.

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    Meine Begleitung wählte als Hauptgang: Hausgemachte Neapolitanische Chitarra Spaghetti, Ofentomaten, Parmigiano Reggiano. Die Erfahrung: Nudeln mit Tomatensosse at its best: die Nudeln auf den Punkt, die Tomatensosse hervorragend abgeschmeckt, was will man mehr?

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    Als Gruß vor dem Dessert kam dann eine Holunderbeervariation: als Holunderblütengelee, als Früchtemousse und als Eis von der Holunderbeere. Der Witterung angepasst: leicht und fein.

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    Der Service brachte die Dessertkarte und empfahl, bei Wahl des Kaiserschmarrn sich diesen zu zweit zu teilen, eine eher ungewöhnliche Empfehlung, die m.E. für das Restaurant spricht.

    Meine Begleitung wählte dann als Dessert: eine klassische Creme Brulee. Nun scheiden sich bei Creme Brulee ja die Geister: wie soll das Verhältnis von Kruste und Creme sein? Bei Lohninger war es auf der Seite der Creme, meine Begleitung hätte eher die andere Variante gewünscht. An der Qualität war jedoch nichts auszusetzen, sowohl Konsistenz als auch Tiefe des Geschmacks sehr gut.


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    Insgesamt zum Service: sehr angenehm im Hintergrund, absolut aufmerksam und präsent, es hätte nicht besser sein können.

    Mario Lohninger ist eine Empfehlung in Frankfurt: ein Gasthaus, das einen schönen, unbeschwerten Abend beschert. Von meiner Warte aus sind die Bewertungen in den Guides absolut gerechtfertigt.


    Und noch ein Blick aufs abendliche Frankfurt, nachdem wir aus dem Restaurant getreten waren. Der schöne Abend endete mit einem Spaziergang am Main entlang.


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    Zuletzt geändert von QWERTZ; 24.08.2015, 23:47. Grund: Kapü vergessen

  • #2
    Frankfurt hat mehr zu bieten, als man oft meint - ob das nun von der Stadt (zB Main-Ufer) oder vom Essen ist... Danke für den Bericht!

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    • #3
      Für uns ist das Lohninger der beste Samstagmittagtisch in der Stadt. Und auch unter der Woche, wenns mal nicht das Francais sein muß.
      Die Wiener Schnitzel sind für uns ohnehin die besten im Land, dazu natürlich ganz hervorragende Veltliner und auch sonst alles von Rang und Namen aus Ö. Insgesamt aus unserer Sicht *+ und immer wieder gern.

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      • #4
        Liebe Heike,

        danke für den tollen Bericht. Ganz neugierig habe ich mal die Karte studiert und gesehen, dass es dort NY Style Pastrami Sandwiches gibt. Da muss ich hin!

        LG

        M

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        • #5
          Lieber Spherico,

          vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen einbringen und die nicht so weit von meinen entfernt sind. Ich bin ja nur sporadisch in Frankfurt, und kann auch dann, familienbedingt, mich nicht so oft für einen Restaurantbesuch loseisen, so dass ich nur von einem Besuch im Lohninger berichten kann.

          Übrigens wäre ich ohne Ihren Tipp hier im Forum noch nicht im Francais gewesen. Und das wäre doch schade...
          Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 23.08.2015, 19:12.

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          • #6
            So soll österreichische Küche schmecken und dann macht sie auch Spaß

            Im Großraum Frankfurt und Umgebung gibt es unzählige Speiselokale. Da fällt die Wahl nicht leicht. Aber wenn Sonntag ist und es ein Lunch werden soll, wird die Liste schon kürzer. Doch es bleiben noch genug Restaurants übrig.

            Innovative Elemente gepaart mit klassischer österreichischer Küche scheinen mir für ein Familienessen gerade recht: Wir buchten daher das „Lohninger“.

            Die Referenzen, die ich gefunden habe, klangen hoffnungsvoll:

            Feinschmecker: 3,5 F (+ 0,5 F für 2015/16)
            G&M: 17 (+1 für 2016)
            Michelin: gelistet (unverändert 2015/16)
            Restaurant-Ranglisten: Frankfurt Platz 6 (2015)

            Mario Lohninger entstammt einer Gastronomiefamilie: Der Großvater war Bäcker, der Vater ist Koch. Mario Lohninger wurde 2011 von Gault&Millau als Koch des Jahres ausgezeichnet. Bei Michelin hatte er einen Stern mit dem damaligen Lokal „silk“.
            Der umtriebige Koch engagierte sich auch bei anderen Projekten wie „micro“ oder „Holbein´s“.
            Heute arbeitet er wieder mit Vater Paul zusammen im „Stammhaus“ - im Stil einer österreichischen Gaststätte. Für Service und Weinauswahl ist Mutter Erika verantwortlich.

            Ambiente

            Von außen sieht das Lokal recht bescheiden aus. Es liegt fast am Main und ist unter anderem von einigen Museen umgeben. Ein Eckhaus.
            Innen ist das Restaurant gediegen eingerichtet. Die Tische stehen so, dass man von den Nachbarn wenig zu hören bekommt.

            Service

            Die jungen Damen und Herren beherrschen ihre Aufgaben. Ohne Eile oder Langsamkeit; sondern zügig, freundlich, fachlich geht alles über die Bühne. Jeder Wunsch wird erfüllt, keine Frage bleibt unbeantwortet.

            Die Karte(n)

            Das Angebot ist sehr vielseitig: Menüs und À-la-carte-Gerichte stehen in der Karte.

            Um Erfahrungen mit der Küche zu machen, erscheint mir ein Menü als Visitenkarte des Lokals am besten geeignet.

            * Lohninger Mittagstisch - Chefmenü - 5 Gänge - FÜNFUNDFÜNFZIG EURO
            * Lohninger Abendtisch - Chefmenü - 6 Gänge - ACHTUNDACHTZIG EURO
            * Radetzkymenü - besteht aus beiden Marktgerichten und Dessert - DREISSIG EURO


            Die verkosteten Speisen

            Wir bestellen also alle das Chefmenü in fünf Gängen. Es handelt sich um ein Überraschungsmenü. Aus den Klassikern der Karte werden die Gänge zusammengefügt. Wir waren fünf Personen und benannten unsere Unverträglichkeiten. Dies führte dann auch zu kleinen Änderungen bei einzelnen Tellern.

            * Brot und Aufstrich

            Zwei Sorten Brot und zwei Aufstriche wurden auf den Tisch gebracht. Das eine war dunkel, kräftig im Geschmack mit einer krossen leckeren Kruste. Das andere war eine Art Foccacia, denn es war hell, leicht fettig und hatte Kräuter auf der Oberfläche. Zum Bestreichen gab es Salzbutter und Olivengriebenschmalz.

            Amuse

            * Zitronen-Sorbet, Olivenöl, Mandeln

            Das Eis hatte angenehme süß-saure Noten. Die Kugel schwamm in einem Olivenölsud und war mit gerösteten Mandeln bekrönt. Das kleine Gericht brachte mir einen frischen Geschmack in die Mundhöhle und bereitete den Gaumen auf die eigentlichen Gänge sehr gut vor.

            * Marinierter Knollensellerie, Vogerlsalat, Granatapfel, Perigord-Trüffel-Remoulade

            Die Selleriestücke waren weich und hatten noch den erdigen Geschmack, waren aber durch den Sud abgemildert und rund im Aroma. Der Feldsalat war frisch und knackig. Einige Stücke Rote Bete ergänzen die Wurzelgemüsen-Aromatik des Tellers. Die Remoulade gab dem Gericht weitere Geschmacksnuancen; sicher haben die Trüffelstückchen daran einen wichtigen Anteil.
            Mir hat diese Vorspeise sehr zugesagt.

            * Gegrillter Miso-Lachs, Shiitake-Pilze, Orangen-Ingwer-Marinade

            Ich freue mich stets auf Fischgänge. Auch hier wurde ich nicht enttäuscht; nein, es war sogar ein Hochgenuss. Der Lachs war perfekt gewürzt und hatte eine schöne Krüste und innen war er hervorragend gegart. Die Lamellen lösten sich locker und waren angenehm glasig in der Konsistenz. Der Geschmack wurde durch die asiatischen Noten der weiteren Zutaten in eine für mich etwas ungewohnte aber delikate Richtung gelenkt. Die Kombination Orange-Ingwer schmeckte mir gut. So konnte mich auch dieser Gang überzeugen.

            * Hochgebirgskäse-Ravioli "Kärntner Schlutzkrapfen", Birne, Haselnuss

            Auf die Ravioli war ich äußerst gespannt. Zur Zeit bekomme ich fast in jedem Restaurant einige Exemplare dieser Pasta-Art serviert. Und ich muss sagen, heute waren es die besten der letzten Wochen. Davon hätte ich mehrere Portionen essen können (aber das wäre dann doch schade für die anderen Gänge gewesen). Der Teig hatte eine optimale Dicke, die Festigkeit war für mich ebenfalls gerade richtig. Die Käsefüllung zeigte Cremigkeit und Würze.

            * K u K Ochsenbackerlgulasch, Buchweizenspätzle, Essiggemüse, Majoran

            Bäckchen stehen seit einigen Jahren auf vielen Speisekarten. Oft haben sie mir gar nicht zugesagt. Manchmal waren sie sogar auch für mich überraschend gut. Schon einen österreichischen Gulasch aus „normalen“ Rindfleischwürfeln finde ich fast immer lecker, weil er ein herrliches Schmorgericht darstellt. Es muss nicht immer ein Kurzbratgericht sein. Und es entsteht in der Regel eine herrliche Saft-Brühe.
            Auch dieses Bäckchen fand meine Zustimmung. Die Sauce war herrlich sämig. Die Spätzle, die separat gereicht wurden, passten gut zum legierten Jus.

            Für Menschen, die Paprika nicht vertragen, gab es als Alternative einen anderen Klassiker:

            Wiener Schnitzel, Gurkensalat, Pinzgauer Preiselbeeren

            Schmackhaft und vorbildlich (wie ich mir habe sagen lassen).


            Pre Dessert

            * Quitten-Tee, Zimtschaum

            Vor dem Abschluss gab es ein Tässchen mit den pürierten Früchten als sämigem Getränk. Zimt ist nicht jedermanns Sache. Aber uns schmeckte diese Vorbereitung auf die Nachspeise.

            * Lohningers Kaiserschmarrn, Steirischer Royal Gala Apfelmus, Bourbon-Vanille-Eis

            Drei Pfannen voll Schmarrn wurden auf den Tisch gestellt. Das war eine Hausnummer! Dann folgten die Töpfchen mit Apfelmus. Zuletzt bekam jeder einen Teller mit dem Eis vor sich positioniert. Dann konnte jeder nach Herzenslust zulangen und sich mit den Köstlichkeiten versorgen. Der zerrupfte Pfannekuchen – da waren wir uns alle einig – war ungemein cremig und fluffig-locker zugleich. Ein Geschmackserlebnis eben. Das Apfelkompott passte natürlich wunderbar dazu. Und wer mag schon kein sahniges Vanille-Eis?

            Getränke

            Sprudel – Pellegrino 0,75 l – 7,50 €

            Doppelter Espresso – 6,00 €

            Doppelter Espresso machiato – 6,50 €

            Ott - Grüner Veltliner 2014 Fass 4 – 0,1l – 6,00 €
            (ein frischer fruchtiger Wein, den ich mehrfach zu Salaten verkostet habe)
            Wieninger - Chardonnay Select 2014 – 0,1l – 5,50 €
            (dezente Holznoten, ein guter Begleiter zu Fisch)
            Kauer – Riesling trocken Felsenberg 2014 – 0,1l – 6,00 €
            (der mineralische Wein begleitet auch asiatische Gerichte ohne Probleme)
            Tschida – Zweigelt Fuchsloch 2013 – 0,1l – 8,00 €
            (die Weine aus dem Burgenland haben mich selten enttäuscht)
            Tschida Sauvignon Blanc Beerenauslese 2010 0,05l – 8,00 €
            (ich freue mich immer auf Edelsüß zum Nachtisch)

            Für die Weine muss ich das Haus ebenfalls loben. Jedes Glas passte zu den Speisen und war ein Genuss für mich. Ott und Wieninger waren mir bekannt, die anderen Winzer konnte ich nun kennen lernen. Eine sehr erfreuliche Erfahrung bei Restaurantbesuchen.

            Fazit

            5 – unbedingt wieder; denn wir haben noch nicht die ganze Karte probieren können.

            (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

            Datum des Besuchs: 15.11.2015 – mittags – 5 Personen

            Bilder: http://kgsbus.beepworld.de

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            • #7
              Lieber Kgsbus,

              lieben Dank für den sehr schönen Bericht!

              Der Kaiserschmarrn ist eine Empfehlung wert...

              Ganz wirkliche feine Österreichische Küche mit spannenden internationalen Gerichten im Menü, die eine besondere Küche ausmachen, habe ich kürzlich nochmal dort erlebt. Freue mich auf mehr!
              Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 17.11.2015, 23:03.

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              • #8
                Mittlerweile hat das Lohninger 17 GMP!

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                • #9
                  Im Lohninger bin ich nun bereits an die fünf Mal gewesen und habe zuletzt das Chef Menü probiert, um mir der Bandbreite voll bewusst zu werden. Während mir die vorherigen Besuche viel Freude bereitet haben, war ich beim Chefs Menü zuletzt etwas überdrüssig, nachdem von 6 Gängen 4 Gänge allesamt eher monoton in die Richtung "Fisch mit süßer und/oder saurer Komponente" gingen, also Sashimi mit Ingwer, Miso-Lachs auf Orange, Black Cod mit Wasabi, Carabineiro mit Tomaten-Gurkensalat, etc. Lohninger setzt meiner Meinung nach gerne oft auf seine "sichere Bank", die er sehr gut umzusetzen weiß. Das heißt Gerichte mit bewusst punktuell eingesetzter Süße und Essig-Öl-Variationen. Hin und wieder würde ich mich allerdings freuen, wenn er mehr probiert. Sein Hähnchen-Gericht im Chefs Menü war allerdings ein Gedicht.

                  Unter dem Strich komme ich hier allerdings gerne her, da das Lohninger einfach immer geöffnet ist. Ich habe nun auch schon mehrere Male den Mario Lohninger selbst in seinem Restaurant angetroffen und gesprochen und er hat auch schon bestätigt, dass dies einfach seine Philosophie ist.

                  Dem Erstbesucher empfehle ich die "Kärnter Schlutzkrapfen" (auch wenn man wie ich dem Käse sonst eher abgeneigt ist), den Orangen-Miso-Lachs / alternativ das Schnitzel (wichtig: für jeden Schnitzelbissen unbedingt den Kartoffel- und Gurkensalat mit auf die Gabel schieben) und zum Nachtisch den phänomenalen Wiener Eiskaffee für den ich täglich kommen würde.

                  Würde ich für das Lohninger einen Stern sehen? Unter dem Strich glaube ich hat es sich die globale Ausrichtung der Gerichte verdient, die es in dieser Form so in Frankfurt nur schwer anzufinden gibt. So ganz bis hinten hin überzeugt bin ich allerdings noch nicht. Schwachpunkte sehe ich zudem noch beim etwas unpräsenten / förmlichen Service und bei der stets harten Butter, zumindest letzteres sollte doch so einfach zu beheben sein. Zudem beim Amuse Bouche, welches nur abends serviert wird und aus einem 40ml-Schluck Tomate, Essig, Mozzarella besteht (siehe oben) und in dieser Form wohl nur pro forma serviert wird, weil man wohl glaubt auf diesem Niveau so ein "Minimum Amuse" bieten zu müssen. Frankfurter die eine österreichische Küche suchen (und nicht "Mario und die Welt") sollten auch die "Salzkammer" im Zentrum in Erwägung ziehen. Vielleicht nicht ganz so gehoben, aber z.B. der Backhendlsalat weiß hier zu besseren Preisen ebenso zu überzeugen.
                  Zuletzt geändert von Frab; 22.08.2016, 09:41.

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                  • #10
                    Auch von mir: herzlich willkommen im Forum!

                    Ich persönlich glaube, dass Mario Lohninger keinen Stern mehr anstrebt. Das Restaurant ist auch so eine Institution. Auch seine Koch-Kollegen wissen, was er kann... So ist er als einziger Koch, der "nur" einen Stern hatte (und jetzt keinen mehr hat), beim Jubiläumsabend unter fünf aktuellen 3 Sternern in Aschau dabei.
                    Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 21.08.2016, 23:45.

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                    • #11
                      Ein herzliches Willkommen im Forum auch von meiner Seite!

                      So sehr ich auch dem besternten Silk mit Lohninger nachtrauere (war gegen Ende wirtschaftlich wohl auch nicht mehr so toll), ich denke auch, Stern ist hier nicht das Ziel. Frühere Gäste und Koch-Kollegen wissen, was er kann... Und das blitzt auch immer wieder auf.. Der Mix aus Österreichisch-Global macht Spass, und auch das Heurigenbuffet oder ein Apfelstrudel am Nachmittag.. Und dann gibt es die Kleinigkeiten, welche einfach verbesserbar wären, ja. Und der Service - die "Mama Lohninger" ist famos, aber manchmal ist es rundherum auch eher unpräsent... Hoffen wir, dass auch die Kleinigkeiten wieder perfekt werden...

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                      • #12
                        Leider habe ich die "Mama Lohninger" noch nicht erlebt ... bei mir war trotzdem der Service immer sehr in Ordnung. Da gibt es wohl noch Erlebnisse ...

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                        • #13
                          Ich stimme Ihnen zu, dass die Welt für Lohninger nicht untergehen wird, wenn der Michelin es weiterhin anders sieht. Und auch, dass jeder, der ihn und seine Küche kennengelernt hat, weiß wozu er in der Lage ist.

                          Allerdings: 17 Punkte im Gault Millau sowie die Fokussierung der eigenen Küchenleistung auf das eigene Restaurant und Aufhören im Holbeins haben mich dazu hinreißen lassen, dass diese Auszeichnung durchaus in Reichweite für Herrn Lohninger sein könnte und er zumindest sich nicht dagegen wehren würde. Aktives Nicht-Anstreben sieht für mich zumindest anders aus. Ich habe ihn auch recht unverblümt darauf angesprochen - der GM "passt schon einmal". Und so würde ich einfach gerne die Diskussion lostreten auf welchem Niveau sie das Lohninger vorgefunden haben, um mein persönliches Empfinden abgleichen zu können.

                          Edit: "Mama Lohninger" habe ich leider ebenfalls noch nie angetroffen. Und den Punkt mit dem stellenweise etwas unpräsenten / manchmal unterkühlten Service würde ich gerne unterschreiben. Sind ja alles kleine Stellschrauben an denen man durchaus drehen kann.

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                          • #14
                            17 Punkte im Gault und 3.5 Punkte im Feinschmecker – da muss doch eigentlich der Stern im Michelin folgen, oder!?

                            Wenn man mich fragen würde: Mario Lohninger kann sicherlich „Stern“ kochen (hat er ja im Silk auch schon bewiesen), aber er macht in seinem schönen Gasthaus am Main nach meiner Meinung keine Sterneküche. Wenn ich seine öffentlichen Äußerungen richtig verstanden habe, strebt er eine solche auch nicht an. Er vermeidet aus meiner Beobachtung auch alles, um erst gar in den „Geruch“ zu kommen, höhere Ambitionen zu haben.

                            Das fängt schon mit seinem „Geschäftsmodell“ an, neben seiner sehr guten österreichischen Wirtshaus-Küche auch asiatische Gerichte und Bistro-Mainstream-Allerlei anzubieten. Ein Beispiel für letzteres: „ Rote Bete mit Ziegenfrischkäse, Balsamico und Kürbiskernöl“. Und das auch noch grobschlächtig gemacht: Viel zu dicke Scheiben von der roten Bete und dazwischen Frischkäse; da reißen ein paar Salatblätter und das Kernöl den Gang auch nicht mehr raus oder gar auf eine höhere Ebene.

                            Interessanter fielen die asiatisch inspirierten Gänge aus: „Yellow Fin Tuna Sashimi“ und der bekannte „Miso-Lachs in Orangen-Ingwer-Vinaigrette“. Gute Produktqualität gepaart mit den üblichen Asia-Aromen – das funktioniert schon, wenn man ein bisschen Gespür für den Umgang mit der asiatischen Produktpalette hat; und das hat Mario Lohninger zweifelsohne; ich würde so etwas nur nicht in einem österreichischen Gasthaus erwarten. Dazu passt dann vielleicht, zum Miso-Lachs ein „Erdäpfelpüree“ zu servieren. Irgendwie gehen die Küchenstile hier doch schwer durcheinander. Das kann man mögen, spricht aber nicht für eine durchdachte Küchenlinie. Hierzu gehört wohl auch das Amuse gueule: „Zitronensorbet mit Mandeln und Olivenöl“. Nach diesem Amuse ist erst einmal an einen Probschluck des Weins nicht zu denken!

                            Zum Service könnte man noch etwas sagen: Der männliche Teil ist freundlich bemüht, der weibliche – wie hat Frab das neulich so schön formuliert? – „unterkühlt“. Ich halte diese Formulierung für eine gutgemeinte Untertreibung (den Blick in die Weite des Raums gerichtet: „Kann man schon Wasser bringen?“; den Blick auf den Teller gerichtet: „Der Lachs!“).

                            Ach ja, man könnte den Internet-Auftritt einmal aktualisieren. Dort wird immer noch ein mittägliches „5-Gang-Chefmenü“ angekündigt, während es inzwischen nur noch ein 3-gängiges gibt. Und die die Einbände der Speise- und Getränkekarten empfehle ich einmal auszutauschen; sind schon arg abgegriffen und innen unappetitlich fleckig.

                            Unser Menü:

                            Sorbet von der Amalfi-Zitrone mit Olivenöl und gerösteten Mandeln
                            *
                            Bio-Rübe mit Ziegenfrischkäse, Balsamico, steirisches Kürbiskernöl

                            Yellow Fin Tuna Sashimi, Edamame - Tofu Creme, Shizo - Gurkensalat, Matsuhisa Dressing

                            Gegrillter Miso-Lachs, Orangen-Ingwer-Dressing, Shitake-Pilze, Daikon-Kresse-Salat

                            Wachauer Hollerkoch, exotische Gewürze, Bourbon-Vanille-Eis


                            Schönen Gruß, Merlan

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                            • #15
                              Vielen lieben Dank für den Bericht, lieber Merlan,

                              nun ja, vielleicht hat der Michelin schon wieder ein anderes Urteil gefällt. Aber meines wäre auch Ihres, obwohl ich den Service doch sehr anders erlebt habe.

                              Ein solches Gasthaus schätze ich trotzdem, ich habe es immer als sehr entspannt erlebt.

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