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Restaurant Gustav, Frankfurt

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  • Restaurant Gustav, Frankfurt

    Ich glaube, wir waren in einem Sternerestaurant. Ach, nein, das Gustav gibt es doch erst seit einem guten halben Jahr. Aber dann bekommt es doch jetzt im November bestimmt einen Stern?! Ob sich das der Michelin schon traut?

    Eigentlich müsste er zumindest Vertrauen in das Betreiber-Paar Milicia und Matthias Scheiber haben. Die führen nämlich auch das „Weinsinn“ in Frankfurt, das ebenfalls nach relativ kurzer Zeit schon einen Stern vom Michelin bekam und ihn bis heute hält.

    Ist das Gustav denn nun eine Dependance vom Weinsinn? Nein, überhaupt nicht! Die Küche des Weinsinn ist eher klassisch ausgerichtet, während die des Gustav mal regional, mal etwas nordisch anmutet, aber immer offen für die Aromen der Welt ist. Küchenchef ist der junge Jochim Busch, der seine Prägung durch Andreas Krolik in Frankfurt und Baden-Baden erhalten hat.

    Das Restaurant ist jung, modern; die Service-Mannschaft ebenso; ein Innenarchitekt mit Blick für klare Linien und stylisches Design hat gute Arbeit geleistet. Man gibt sich locker, aber konzentriert und serviert auf polierten Tischen und getöpfertem Geschirr. Servietten aus Sackleinen liegen „zerknüllt“ am Platz; bügeln und falten wäre wohl eher „uncool“. Muss man nicht mögen und fühlt sich am Mund auch nicht so gut an.

    Aus der kleinen Karte kann man drei bis fünf Gänge auswählen; für die Vorlieben von Vegetariern ist ausreichend gesorgt.

    Zur Begrüßung kommen feine Cracker mit Ziegenfrischkäse und Eberesche-Beeren auf den Tisch, gefolgt von einem Amuse bouche, das kleine Pilzstücke mit Sellerie und Lauch schmackhaft kombiniert.

    Stör / Rettich / Apfel / Dill
    Ein confiertes Stück vom Stör ist von kleinsten Apfel- und Rettichwürfeln in einem feinen Dressing umgeben, dem Busch noch etwas „Crunch“ beigegeben hat. Für uns ein überraschender Gang, da wir Stör bisher in dieser Form und Zubereitungsart noch nicht gegessen hatten. Festes Fleisch, das gut mit einer Dill-Creme harmonierte.

    Trocken gereiftes Rind / Petersilienwurzel / Meerrettich / Räucheraal
    Mürbe Streifen vom Rindfleisch waren mit kleinen Stücken vom Aal und dicken Scheiben von der Petersilienwurzel angerichtet. Am Tisch wurde noch ein Rindfleisch-Aal-Sud angegossen. Ein grandioser Gang, der vom Spiel der Fleisch- und Fischaromen lebte. Leider waren die Petersilienwurzelstücke etwas zu kurz gegart, so dass der arge Biss etwas ungehörig von der Subtilität der Komposition ablenkte. Die Meerrettich-Späne waren frittiert, was ihnen auf angenehme Weise ihre Schärfe nahm.

    Reh / Rote Bete / Moosbeere / Buttermilch
    Ein zartes Stück vom Rehrücken und ein Ragout von der Haxe sind per se schon Hoffnungsträger für einen guten Hauptgang. Gesellen sich dazu noch angedickte Buttermilch, säuerliche Moosbeeren und Rote-Bete-Pürée dazu, dann steht einem wunderbaren Wechselspiel der möglichen Kombinationen nichts mehr im Weg. Leider waren auch die dicken Rote-Bete-Stücke zu knapp gegart; das sollte aber diesem vorzüglichen Gang keinen Abbruch tun.

    Kürbis / Schabzigerklee / Joghurt / Blütenpollen
    Dieses Dessert zeigt das Potential des jungen Küchenchefs. Ein intensives Kürbis-Eis wird mit Kernen und einigen Tropfen Kürbiskernöl serviert und ist von gefrorenen Joghurt-Stückchen umgeben. Klee und Blütenpollen ergänzen kongenial dieses harmonische, nicht süße Dessert. Wunderbar!

    Fazit:
    Das Gustav wird seinen Weg in Frankfurt/Rhein-Main machen. Ich zähle es heute schon zu den besten Adressen der Stadt. Dass der hochgeschätzte **-Koch Hans Horberth (ehemals Villa Merton, Frankfurt, und La Vision, Köln) sowohl das Weinsinn als auch das Gustav berät, kann die junge Mannschaft um Jochim Busch nur noch weiterbringen. Es erscheint mir jedoch nicht hilfreich, wenn Meldungen herumgeistern, Horberth würde einmal in der Woche im Gustav am Pass stehen. Es stimmt ja auch nicht, und das würde sich der Küchenchef auch nicht nehmen lassen. Ich denke, es ist für beide Seiten eine Win-win-Situation: Horberth hat eine gute Gelegenheit, sich nach langer krankheitsbedingter Abwesenheit behutsam wieder in die Szene einzugliedern und die Küche hat einen erfahrenen Profi an ihrer Seite, der wertvolle Impulse geben kann.

    Egal, was der Michelin im November macht: Gefühlt waren wir in einem Sternerestaurant!

    Schönen Gruß, Merlan

  • #2
    Danke für den Bericht, und schön zu lesen, dass auch im zweiten Baby der Betreiber so grossartig kocht! Wie würden sie Atmosphäre und Kulinarik mit dem Weinsinn vergleichen?

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    • #3
      Lieber Merlan,

      vielen herzlichen Dank für diesen schönen, differenzierten Bericht, der mich auf das Gustav aufmerksam gemacht hat. Wieder eine Adresse, die für meinen nächsten Hessenaufenthalt vorgemerkt ist.

      Frankfurt wird immer interessanter.

      Ich bin gespannt auf den November!

      Schönen Gruß

      HeikeMünchen

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      • #4
        "Leider waren die Petersilienwurzelstücke etwas zu kurz gegart, so dass der arge Biss etwas ungehörig von der Subtilität der Komposition ablenkte"

        Mein Lieblingssatz, vor allem des "ungehörig" wegen.
        Später werden ja auch noch die roten Rüben zu hart serviert. Da möchte man manchmal etwas am guten Geschmack unserer Köche (ver)zweifeln. Mögt ihr wirklich diese harten gelben oder roten Rübenteile. Schlimmer noch: unperfekte Kartoffelgarung, mit nicht eingebundener Kartoffelstärke am Gaumen. Und dann der Gipfel: harte Artischockenböden.

        Verzeihen Sie, lieber Merlan, daß ich aus Ihrem so lobenden Artikel die einzigen Faultrauben herauspicke.
        Grüße
        s.
        PS I: niente
        PS II: quasi niente
        PS III: (bevor Sie wg Nichtbeachtung verzweifeln): was war im Glas?!!

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        • #5
          Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
          Wie würden sie Atmosphäre und Kulinarik mit dem Weinsinn vergleichen?
          Das Gustav ist in Atmosphäre und Kulinarik gegenüber dem Weinsinn feiner, eleganter, konzeptionell stärker.

          Zitat von HeikeMünchen Beitrag anzeigen
          Ich bin gespannt auf den November!
          Und ich bin auf Ihren Bericht gespannt, liebe Heike! Es gibt übriges auch ein kleines Mittagsmenü mit zwei oder drei Gängen.

          Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
          ...was war im Glas?!!
          Bei den meisten die Weinbegleitung; bei uns - wie eigentlich immer - eine ordentliche Flasche Weißwein (Grauer Burgunder vom badischen Huber).

          Schönen Gruß, Merlan

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          • #6
            Jochim Busch wird vom Gault/Millau zur "Entdeckung des Jahres" gekürt. Das freut mich sehr. Gratulation!

            Schönen Gruß, Merlan

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            • #7
              Zitat von merlan Beitrag anzeigen
              Ich glaube, wir waren in einem Sternerestaurant.
              Yes! Ich freue mich! Herzlichen Glückwunsch!
              Gruß, Garnelchen

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              • #8
                Ah, petite crevette, mein Herz hüpft wie ein Falke in die Höhe ...

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                • #9
                  Wieder einmal war ich mittags in Frankfurt unterwegs, diesmal wollte ich das Mittagsmenü im hochgelobten Gustav probieren.

                  Ich erhielt im Gustav einen Platz mit Blick auf den Pass, so dass ich der Küche beim Anrichten zusehen konnte. Sehr nett.

                  Mittags wird ein Zwei- oder Dreigangmenü angeboten. Bei Vorspeise und Hauptgang stehen da jeweils ein vegetarischer Gang und ein Fleisch- oder Fischgang zur Wahl.
                  Ich bat darum, das Menü auf vier Gänge auszuweiten, um beide Vorspeisen probieren zu können, das war kein Problem.

                  Als erstes erreichten mich Brot und eine Petersilienbutter. Ein Amuse gibt es mittags nicht (ebenso keine süße Kleinigkeit am Schluss zum Espresso).

                  Das Sauerteigbrot war noch warm und lecker, aber so kräftig, dass die nur mild gewürzte Petersilienbutter nicht recht zur Geltung kam.






                  Die erste Vorspeise: Kohlrabi / Buttermilch / Spinat / Steinklee

                  Die Kohlrabischeiben wie Ravioli für den gegarten Spinat, eine vanillige Note gab der Steinklee, der Buttermilchsud eine feine Säure. Dazu frische Spinatblätter. Mit Haselnuss aromatisierte Brösel rundeten das Gericht ab. Ausgewogen, in seiner Aromatik sehr an die nordische Küche erinnernd.




                  Die zweite Vorspeise: Saibling / Spargel / Holunder / Zwiebelgewächse

                  Der Saibling wirklich von hervorragender Qualität, befand sich unter den leicht gegaren Spargelstreifen, die leider wenig geschmackvoll waren. Passend dazu nur leicht Zwiebeliges. Saiblingskaviar obenauf und Holundercreme und -blüten. Hier wieder die Haselnussbrösel on top. Dieses Gericht gefiel mir insgesamt sehr gut.




                  Der Hauptgang: Weiderind / Wilder Brokkoli / Leinsamen / Karotte

                  Das Fleisch, ein Stück geschmort, die anderen, denke ich Sous Vide gegart und anschließend leicht gegrillt, sehr schmackhaft. Der Brokkoli leicht gegart, aber die rohen Blätter, die Karotte als Püree. Diesmal gab der Leinsamen die leichte Nussigkeit. Leider gab es zu dem Gericht nur ein paar Tropfen nicht sehr konzentrierte Sauce, so dass der Gang etwas enttäuschte.




                  Das Dessert: Erdbeere / Süßdolde / Joghurt / Kürbiskerne

                  hat mir leider nicht besonders gefallen. Die Erdbeeren gegart, was der Aromatik nicht so gut tat, ansonsten durch das Joghurteis leichte Säure, die Kürbiskerne zusammen mit den Bröseln dann noch nussig. Es war für mich einfach zu brav, zu wenig originell.




                  Ich konnte den Stern für das Gustav schon nachvollziehen. Jedoch sind die Gerichte allesamt zwar sehr ausgewogen, aber auch etwas verhalten. Man kann das alles so machen. Aber es hat bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst.

                  Beim Service wiederum zeigte sich deutlich Luft nach oben. Die zwei Damen im Service waren sehr aufmerksam. Jedoch war das Lokal voll besetzt und bei drei Servicekräften kam schon etwas Hektik auf. Der junge Mann, der bei mir servierte, nuschelte die Beschreibung der Gänge mehr oder weniger in sich hinein und war auch gleich danach wieder weg. Auch, dass zu Brot und Butter überhaupt nichts gesagt wurde, fand ich seltsam.

                  Insgesamt fallen mir auf Anhieb drei Restaurants ein, die ich in Frankfurt mittags das nächste Mal dem Gustav vorziehen würde und wo mir sowohl das Essen, als auch der Service mehr Freude bereiten würden.
                  Angehängte Dateien
                  Zuletzt geändert von QWERTZ; 25.06.2016, 11:38.

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                  • #10
                    Liebe Heike, danke für Ihre Eindrücke. Meinen Sie der suboptimale Service und die fehlenden petit fours lagen daran, dass Sie mittags da waren? Ich bin ja auch ein bekennender Lunchfan und finde das immer schade. Lieber zahle ich den gleichen Preis und bekomme dann auch die gleiche Leistung (vllt einfach in weniger Gängen), als auf guten Service zu verzichten...

                    M

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                    • #11
                      Lieber Matthias,

                      ich kann nur für mittags sprechen. Auch waren die fehlenden petit fours überhaupt nicht mein Thema. Das geht für mich in Ordnung. Aber leider war das Gesamtpaket nicht so, dass ich den Hype um das Restaurant nachvollziehen kann. Und man hat in Frankfurt mittags einfach bessere Möglichkeiten ...

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                      • #12
                        Zitat von HeikeMünchen Beitrag anzeigen
                        Aber leider war das Gesamtpaket nicht so, dass ich den Hype um das Restaurant nachvollziehen kann. Und man hat in Frankfurt mittags einfach bessere Möglichkeiten ...
                        Von einem Hype kann man im Zusammenhang mit diesem sympathischen Restaurant sicherlich nicht sprechen, werte Heike, aber es erregt Aufmerksamkeit hier in Frankfurt. Und das zu Recht, wie ich meine! Erlauben Sie mir deshalb bitte eine Gegenrede! Ihre kritischen Anmerkungen haben mich nicht ruhen lassen, so dass wir zeitnah zu Ihrem Besuch das Gustav aufgesucht haben. Und siehe da, wir haben das Restaurant am Mittag genauso positiv erlebt wie seinerzeit am Abend.

                        Für uns ist das Gustav neben dem Lafleur zurzeit in der Tat die spannendste Adresse in Frankfurt, wenngleich Andreas Krolik mit seinen ** noch einmal in einer anderen Liga kocht. Was macht für uns den Reiz an diesem kleinen, feinen Restaurant aus? Zum einen ist es das kreative Potential, das Joachim Busch im Gustav ausleben kann, der leicht nordische Einschlag seiner Küche, sein Gespür für kulinarische Wohlklänge und die filigrane Ausführung seiner Kompositionen. Zum anderen aber auch am ruhigen - ja, zugegeben - eher sachlichen Service, der aber durchaus auf Zeichen des Gastes nach näherer Erläuterung der Gerichte oder des Weins eingeht. Und gerade der junge Mann, liebe Heike, der Ihnen so arg wortkarg erschien, hat es eigentlich faustdick hinter den Ohren, wenn man ihn nur fordert. Er ist absolut informiert und kompetent, vielleicht zunächst etwas zurückhaltend, aber das kann man ja als Gast versuchen, aufzulösen; und dann kann er richtig charmant und augenzwinkernd sein.

                        Unser Mittagsmenü:

                        Grüner Spargel / Sanddorn / Schafskäse / Leinsamen
                        Ein knapp gegarter großer grüner Spargel war in gemahlenem Leinsamen gewälzt, was ihm eine feine, nussige Note gab. Spannend dazu der intensive Schafskäse, der in cremiger und fester Form gereicht wurde. Eingedickter Sanddorn-Saft mit seinem säuerlich-samtigen Geschmack rundete dieses feine Gericht ab.

                        Seeforelle / Blumenkohl / Holunder / Zwiebelgewächse
                        Die wunderbare Forelle war leicht mariniert und von Blumenkohl-Perlen, Forellenkaviar, eingelegten Schnittlauchblüten, kleinen Holunderdolden, roten Schalotten und einer angerösteten Blumenkohlcreme umgeben. Jedes Detail hatte für sich seine Bedeutung, aber der Zusammenklang aller Komponenten machte dieses Gericht zu einem Meisterwerk.

                        Kalb / Erbse / Sellerie / Walnuss
                        Das perfekt niedrig-gegarte Kalbfleisch wurde nur von einem leicht angedickten Erbsenjus mit frischen Erbsen sowie einem cremigen Selleriepüree (auf dem ein paar knackige dehydrierte Erbsen lagen) und Selleriestreifen mit etwas „Lauchasche“ (so jedenfalls die Erläuterung) begleitet. Ein filigran angerichteter, leichter Hauptgang, der durch fein gehackte Walnusskerne auch etwas Biss bekam.

                        Kirsche / Zwieback / Schwedenmilch / falsche Mandel
                        Dicke halbierte Kirschen waren auf einem leicht eingeweichten Zwieback – wenn man das schmackhafte Gebäck so bezeichnen will – platziert und von nach Marzipan schmeckenden Fruchtstückchen umgeben. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass hier Mispelkerne verwandt wurden, um so eine Art „Persipan“ herzustellen, das üblicherweise aus Aprikosenkernen gemacht wird. Dazu gab es ein cremiges Dickmilch-Eis mit Mandelsplittern. Ein feines Dessert.

                        Fazit:
                        Im Gustav wird man auf eine spannende kulinarische Reise mitgenommen, die auf jeder Etappe Überraschungen bereit hält, ohne in nicht kalkulierbare Abenteuer abzugleiten. Die Einrichtung ist modern mit einigen interessanten Kunstobjekten versehen; die Atmosphäre ist jung und locker wie der Service, der sich konzentriert um die umsichtige Patronne schart.

                        Schönen Gruß, Merlan

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                        • #13
                          Werter Merlan,

                          vielen Dank für die „Gegenrede“. Es ist gut, dass wir hier unterschiedlich werten und so eine Diskussion in Gang kommt.
                          Sie haben sicher einen besseren Mittag als ich erwischt. An dem Mittag, als ich da war, war das Restaurant voll besetzt, auch mit einigen Gruppen von bis zu 8 Personen. Damit kam der Service an seine Grenzen. Da hätte ein zusätzlicher Service-Mitarbeiter schon gut getan. Soviel dazu, warum ich nicht ausführlicher fragen konnte.
                          Auch war der Lärmpegel recht hoch, da das Restaurant ja recht eng bestuhlt ist.
                          Stylisch ist es schon, aber das macht für mich nicht soviel aus, wenn ich auf diesem Niveau essen gehe. Es gibt wenige Sternerestaurants, die so eingerichtet sind, dass ich mich dort nicht wohl fühle.
                          Jung und locker ist der Service mittlerweile in (fast) allen Sternerestaurants, die ich kenne, es gibt nur wenige Ausnahmen. Ich fand das Gesamterlebnis ja nicht schlecht, habe aber doch nach Verlassen des Lokals gedacht, dass ich mich besser anders entschieden hätte. Sehr subjektiv, aber daher kommen meine kritischen Anmerkungen. Jedoch denke ich, dass Herr Busch eine interessante Küche bietet und da noch viel mehr kommen kann.

                          Auch von mir einen schönen Gruß

                          HeikeMünchen
                          Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 06.07.2016, 18:47.

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                          • #14
                            --------------------------

                            Kommentar


                            • #15
                              Ich habe vor dem Neujahr und zwischen Tagen mittags das Gustav besucht. Einen Tisch einen Tag vorher zu reservieren war, anders als zu "normalen Tagen", gar kein Problem. Über das wunderschöne Ambiente an einem sonnigen Wintertag könnte ich vieles schreiben, aber ich glaube die Fotos und anderen Berichte sind schon genug hierauf eingegangen. Eins der schönsten Restaurants, welches ich kenne. Auf meinen Wunsch können wir am Tisch gegenüber vom Pass sitzen, wo man dem Koch beim Anrichten der Gerichte beobachten kann.

                              Vor unserem Menü wird sehr gutes (und saures!) Sauerteigbrot und eine butterähnliche Creme serviert - vielleicht Rahm? Beides schmeckt sehr gut. Amuses und Petit Fours gibt es mittags nicht.

                              Unser Menü (diesmal frei von Fotos):

                              Kartoffel-Räucherfischcreme · Saures Kraut · Saiblingskaviar

                              Auf dem Teller erreicht mich in kreisrunder Form die Räucherfischcreme - in einer sehr ähnlichen Farbe wie Thunfischcreme, die man oft auf Baguettes finden kann. Geschmacklich erinnert mich die Creme, wahrscheinlich wenig überraschend, an Räucherlachs. Eine interessante Idee, die aber mit den weiteren Zutaten noch einmal deutlich an Fahrt gewinnt: Der punktuell verteilte und nicht gerade spärlich spendierte Saiblingskaviar fügt eine schöne Knackigkeit mit gleichzeitiger Salzigkeit hinzu. Über das saure Kraut kommt ein weiterer "Crunch" und Biss in das Gericht. In Summe zeigt dieser Gedanke was ich mit dem Gustav verbinde: Interessante Ideen mit regionalen Zutaten bei denen mit jeder Gabel der Wohlgeschmack im Vordergrund steht.

                              Meine Begleitung wählt: Gegrillter Topinambur · Meerrettich · Sonnenblumenkerne · Feldsalat
                              Sie ist positiv beeindruckt, im Gericht steht eine sehr starke Erdigkeit im Vordergrund, welche man in dieser Form beim heimischen Kochen nur selten erlebt.

                              Als Hauptgang nehmen wir beide Ente und Holunder · Grünkohl · Zwiebel · Senfsaat
                              Wow! Uns erreichen herrliche Filets mit einer tollen angebratenen und leicht salzigen Oberfläche (Haut). Um das Filet herum hat der Koch Stücke aus der Keule drapiert. Ein toller Wechsel zwischen dem bissfesten Filet und den herzhafteren, intensiveren Keulestücken. Der Grünkohl wird in einem Zwiebelring zusammengehalten und fügt das typische Krautelement hinzu aber bleibt geschmacklich im Hintergrund. Ich hatte mir zugegebenermaßen nach dem ersten Gang Gedanken gemacht, ob die Portionsgrößen im Lunch ausreichen würden, aber diese Ente ist gut portioniert. Ich erlebe es auf hohem Niveau auch eher selten, aber dieser Fleischgang klaut dem restlichen Menü die Show. Nach meinem Empfinden reicht die Fleischqualität und Zubereitung auch höheren Weihen als den jetzigen.

                              Edit: Gerade gesehen - die Sternefresser kommen zu einem ganz ähnlichen Fazit inkl. Foto: https://www.facebook.com/sternefress...type=3&theater

                              Das Dessert für uns beide (einen Käsegang als Alternative gibt es leider nicht): Erdbeermilch · Petersilienwurzel · Bucheckern · Brioche
                              Wieder fällt unser Fazit positiv aus. Die Erdbeermilch wird garniert durch ein Stück Brioche, welches sehr stark an einen Pfannkuchen erinnert. Auf der Brioche liegt eine Kugel gutes, ergänzendes Eis - vermutlich von den Bucheckern? Es ist mit der Milch aber definitiv ein milderes Dessert, im Geschmacksbild auch etwas untypischer. Nichtsdestotrotz überzeugend.

                              Der abschließende Espresso fällt ebenfalls gut und angenehm aus - dies hatte ich zuletzt auf diesem Niveau nicht immer konsistent positiv erlebt.

                              Der Service, bei uns teilweise der junge Herr und die Betreiberin, ist leider etwas überfordert gewesen. Bei unserem Eintreffen war das Restaurant nahezu voll besetzt. Der Service, zu dritt, kam wohl nicht ganz hinterher. Bis zum Bestellen gab es eine längere Wartezeit - für mich an sich kein Problem. Aber: Unser Nachbartisch kommt nach uns an, ist anscheinend enger mit dem Koch befreundet und erhält bereits den ersten Gang bevor wir überhaupt bestellen können.

                              Wir wählen zu unserem Menü begleitende Weine, welche durchgehend mit €8 pro Glas berechnet werden. Zu der Ente erhalten wir leider die Weine nicht, obwohl wir explizit nach spezifischen Weinen nachgefragt hatten (meine Begleitung vermeidet Rotwein wo möglich). Stattdessen erreichen uns die Weine trotz zweifacher Nachfrage ("ich sag der Chefin Bescheid") erst nachdem wir fertig sind ("mit der Ente sind Sie ja leider bereits fertig aber hier die Weine"). Müsste ich an dieser Stelle mit meinem Gang 15 Minuten warten? Sehe ich irgendwo auch nicht ein.

                              Eine unausgesprochene Episode hierbei: Die Betreiberin (Frau Scheiber) stellt nach dem Einschenken die vollen Flaschen stets neben uns. Zudem bringt sie zur Vorspeise noch einen älteren Riesling mit einem weiteren Glas ("müssen Sie einmal als Vergleich probieren") und meiner Begleitung, obwohl diese nicht explizit nach einem Süßwein fragte, ein weiteres Glas "zum Probieren". Beides wird uns später nicht berechnet. Ich war mir nicht sicher, wie ich es deuten sollte, aber die offenen Flaschen neben uns habe ich nach einer "Eingewöhnungszeit" als Angebot interpretiert bei Bedarf, wenngleich natürlich maßvoll, nachzuschenken. Niemand kommentiert es in irgendeiner Weise - vielleicht ist das hier so gewollt? Bei der Abrechnung füge ich zu den 5 0,1-Gläsern (meine Begleitung wollte ja keinen Dessertwein) als Ausgleich ein weiteres Glas hinzu. Der junge Herr im Service ist auch bei uns in der Tat nicht gesprächig gewesen. Erst bei der Verabschiedung, als ich anfange über andere Restaurants in Frankfurt zu sprechen, taut er plötzlich auf - den Kommentaren hier kann ich daher voll zustimmen.

                              Fazit: Die Küche ist auf ihrem Niveau (1 Stern / 16 Punkte) definitiv richtig aufgehoben. Daran gab es bei uns keinen Zweifel. Die begleitenden Weine machen Spaß. Lediglich im Service gab es noch kleine Stellschrauben, die sicherlich einfach zu beheben sind. Ein möglicher Vergleich aus meiner Sicht: Das Einsunternull in Berlin, welches wir beide aus unserer Erfahrung noch einen Ticken stärker einschätzen würden. Für Frankfurt mittags defintiv ein empfehlenswertes Erlebnis.
                              Zuletzt geändert von Frab; 02.01.2017, 18:12.

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