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Weinschänke Schloss Groenesteyn*, Kiedrich (Rheingau)

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  • Weinschänke Schloss Groenesteyn*, Kiedrich (Rheingau)

    Die „Weinschänke Schloss Groenesteyn“ – nun, sie ist kein Schloss, sie befindet sich in einem idyllischen Fachwerkhaus; sie ist auch eigentlich keine Weinschänke im herkömmlichen Sinne, obwohl sie aus dem Bilderbuch stammen könnte; sie ist inzwischen ein veritables Sterne-Restaurant. Welch Überraschung für denjenigen, der nichtsahnend den gemütlich-rustikalen Gastraum betritt und nur einen Schoppen trinken will, aber welch ein Segen für all diejenigen, die im Rheingau nach einer anspruchsvollen Küche Ausschau halten.

    Dabei hatten sich Dirk Schröer und Amila Begic das alles ganz anders vorgestellt, als sie Mitte 2018 die leerstehenden Räumlichkeiten pachteten und tatsächlich die ehemalige Weinschänke, in der schon immer gut gekocht wurde, wieder mit Leben erfüllen und eine solide, regionale Küche anbieten wollten. Und vor allem ohne Sterne-Ambitionen, die bis dahin den beruflichen Weg von Dirk Schröer begleitet hatten. Nach seinen Wanderjahren in zahlreichen deutschen Top-Restaurants war er von 2006 - 2013 Küchenchef im „Caroussel“* (Bülow Residenz) in Dresden, danach kochte er drei Jahre lang im Gourmet-Restaurant auf Burg Schwarzenstein* in Geisenheim. Hier lernte er auch seine heutige Lebensgefährtin Amila Begic kennen, die dort als Serviceleiterin tätig war. Mit der Weinschänke in Kiedrich machten sich die Beiden selbstständig und wollten eigentlich von nun an ein bisschen lockerer aufkochen und weinfreudig die Gläser ihrer Gäste füllen.

    Doch es kam ganz anders! Schröer schrieb ein kleine, feine Karte, kochte so, wie es seinem eigenen Anspruch entsprach, und war völlig überrascht, als der Michelin ihm 2019 schon wieder einen Stern verlieh. Nachdem sich der erste „Schreck“ gelegt hatte, haben sich Dirk Schröer und Amila Begic auf die neu begründete Erwartungshaltung eingelassen, die Karte noch einmal ein bisschen verfeinert und fortan „Sterneküche“ zelebriert, die der Michelin 2020 als „ausdrucksstark und modern“ rühmt. Hinzu kommt der Charme des von Frau Begic umsichtig geführten Service, dem man das Engagement und die Freude anmerkt, in dieser besonderen Atmosphäre arbeiten zu können.

    Wir nehmen an einem wunderschönen Frühlingstag auf der herrlichen Terrasse mit Blick auf die Weinberge Platz und lassen uns mit diesem Menü verwöhnen:

    Bärlauch-Maultasche - Rukola-Butter-Sud

    Spargel mit fünf Aromen
    Parmesan - Trüffel · Speck · Orange · Kräuter

    Wildgarnele
    Zwiebel · Paprika

    Jakobsmuschel
    Erbse · Möhre

    Makrele
    Schnittlauch · wilder Knoblauch · Wildkräuter

    Erdbeere
    Shiso · Joghurt


    Dass Dirk Schröer sich in seiner Weinschänke auf Sterne-Niveau eingelassen hat, merkt man schon am ersten Gang, wenn er fünf Spargelstücke handwerklich aufwendig mit fünf hauchdünnen Gelees umwickelt, die die Aromen von Parmesan, Trüffel, Speck, Orange und Kräuter tragen. Ausdrucksstark und schon beim Einstieg alle Sinne reizend, ja, so könnte man unsere Begeisterung für diesen Gang umschreiben.

    Und genauso stark geht es weiter, wenn die Garnelen in einem kräftigen Zwiebelsud mit einer Kartoffelcreme und feinsten Paprikaperlen angerichtet werden. Starke Aromen in einem spannenden Wechselspiel der zusammengefügten Texturen.

    Und was heißt hier „Erbsen und Möhren“ zur Jakobsmuschel? Es ist die „Deklination“ von dreierlei Möhren, roh und gegart, süffig zu frischen Erbsen, feiner Säure auf den gehobelten Exemplaren und einer perfekt austarierte Schärfe in der begleitenden Sauce. Diese Gemüse-Orgie hätte auch ohne Jakobsmuschel bestens funktioniert; wir haben sie aber gerne mitgenommen.

    Der Fischgang ist ein wahres Kräuter-Festival, so üppig grün in einem feinen Sud präsentierte sich das makellose Makrelenfilet. Schröer dosiert seine Geschmacksträger perfekt und schmeckt auf den Punkt ab – nicht zuviel und nicht zu wenig; so muss es sein!

    Das leichte Erdbeer-Dessert rundete ein wunderbares Menü ab, das perfekt auf die Jahreszeit abgestimmt war und Lust auf die Sommer-Variante macht.

    Vielleicht noch ein Wort zur Preisgestaltung: Ich würde den Preis von 135 € für dieses 5-Gang-Menü mal wohlwollend als „sportlich“ bezeichnen, wenn ich ihn mit dem in vergleichbaren Restaurants betrachte. Ich denke mir, dass dieser stolze Preis hier den „Corona-Zeiten“ geschuldet ist, da man über Wochen geschlossen hatte und auch jetzt noch kaum eine kostendeckende Auslastung verzeichnen kann. Wir haben uns gerne an dieser „Wiederaufbauhilfe“ beteiligt.

    Fazit: Die Weinschänke Schloss Groenesteyn bietet eine hervorragende Küche in einer gemütlich-rustikalen Atmosphäre, die sich nach Nils Henkels Weggang von Burg Schwarzenstein anschickt, die Nummer Eins im Rheingau zu werden. Der Service trägt zum entspannten Wohlgefühl tatkräftig bei und rundet so das genüssliche Gesamtbild freundlich zugewandt ab.


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