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Ox*, Darmstadt

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  • Ox*, Darmstadt

    Südlich von Frankfurt war Hessen kulinarisch bisher bescheiden aufgestellt. Das hat sich seit 2019 mit dem „Ox“ in Darmstadt erfreulich verändert, was der Michelin mit dem gerade verliehenen Stern auch entsprechend gewürdigt hat. Die Brüder David und Norman Rink haben in der Innenstadt ein legeres, puristisch ausgestattetes Restaurant eingerichtet, das eher an ein Bistro erinnert, sich aber, wie sie es selbst formulieren, dem „fine dining“ verschrieben.

    Der Koch David Rink hat sein Handwerk in der Ladenburger „Backmulde“ gelernt und im Schlosshotel Münchhausen* in Aerzen gearbeitet. Zuletzt war er Souschef im Hamburger „Trüffelschwein“ und mitverantwortlich für den dort errungenen Stern. Beste Voraussetzungen, um sich mit Bruder Norman in Heimatnähe selbstständig zu machen. Dieser ist übrigens für den Service zuständig, wobei er von allen Mitarbeitern des Restaurants tatkräftig unterstützt wird. Und das erledigen alle mit großem Engagement und liebenswerter Begeisterung. Der Küchenchef selbst lässt es sich nicht nehmen, die einzelnen Gänge am Tisch ausführlich zu erläutern und so die Erwartungshaltung noch einmal zu steigern.

    Unser Menü:

    Krustentiersüppchen
    Fisch-Taco
    Aal-Dill-Macaron
    Perlhuhn im Filoteig
    Orientalisches Reh-Frikadellchen
    ------------------------------------------------------------
    Färöer Lachs
    grüne Papaya | Sesam | Koriander | Frisée

    Kaninchen aus der Bourgogne mit Bellota-Schinken
    Kerbelrübe | Brioche | Ziegenbartpilz | Kapstachelbeere

    Skrei aus den Lofoten mit Imperial-Kaviar
    Topinambur | Portulak | Beurre monté

    Lamm aus den Pyrenäen
    Artischocke | Salzzitrone | Agretto | Arganöl

    Valencia Mandarine
    Kumquat | Rum | Schokolade

    Petit fours


    „Färöer, Bourgogne, Lofoten, Pyrenäen, Valencia“ – das ist doch mal ein Ritt durch Europa! Eigentlich haben sich die Rinks doch laut Website der Regionalität und Nachhaltigkeit verschrieben. Aber das macht sich halt gut auf einer Speisekarte und signalisiert eine gewisse Weltläufigkeit. Und bestmögliche Qualität darf man in einem Sterne-Restaurant eigentlich sowieso erwarten. Klappern gehört aber zum Handwerk und stört auch nicht weiter. Apropos Handwerk: David Rink versteht es! Er geht sorgsam mit den eingesetzten Produkten um, weiß sie gekonnt zu veredeln und scheut keinen Aufwand, um sie geschmacksintensiv in Szene zu setzen.

    Den Aufwand, den Rink betreibt, erfährt man schon bei der ausführlichen Beschreibung der Amuses, aber ehrlich gesagt, ich konnte sie mir nicht merken und habe im Nachhinein nochmals nachgefragt, was sich denn so alles in und auf den Petitessen befunden hat. Ich war überrascht …! Ach! Sieh an! Aber das Krustentiersüppchen habe ich selbstverständlich rausgeschmeckt…!

    Nun zum Menü, das seine Höhepunkte eher bei den drei letzten Gängen hatte. Der noch leicht glasige Skrei war sanft bei Niedrigtemperatur gegart und badete in einer sämig aufgeschlagenen Beurre blanc. Ein Klacks Kaviar thronte auf dem Fischfilet und war auch in der Sauce zu finden; keine Top-Qualität, aber das hätte wohl auch den Rahmen dieses Menüs und seiner Preisgestaltung gesprengt, wobei 135 € für fünf Gänge schon recht ordentlich sind, aber angesichts der Preisentwicklung für Lebensmittel und anderes durchaus nachvollziehbar.

    Herausragend war der Fleischgang mit drei Teilen vom Lamm: perfekt gegartes und auf der Fettschicht leicht angegrilltes Rückenstück, Geschmortes von der Keule und Paniertes vom Bries. Dazu ein gutes Stück Artischocke mit ihrem Pürée, in dem der salzblättrige Mönchsbart dekorativ steckte, sowie eine mit Arganöl aufmontierte Sauce, die dem Ganzen ein wunderbar nussiges Aroma gab.

    Zum Kaninchen muss ich noch was anmerken, findet man es doch gar nicht mehr so oft auf den Speisekarten der Top-Gastronomie. Hier war das Keulenfleisch ausgelöst und süffig geschmort und abgeschmeckt. Obenauf thronte noch ein paniertes Stück vom Kaninchen mit einer „Wiener-Schnitzel-Anmutung“. Separat und unpaniert serviert wäre vielleicht besser gewesen. Die übrigen Zutaten gingen in dieser Gemengelage eher unter, trugen aber wohl zum positiven Geschmackserlebnis bei.

    In meinem kürzlichen Bericht zum Frankfurter „Weinsinn“* hatte ich kritisch angemerkt, dass die annoncierten Zutaten kaum voneinander zu trennen waren, sprich die Geschmack gebenden Komponenten ineinander flossen. Ein „Bruder im Geiste“ aus dem Schlaraffenland fragte mich dazu: „War es daher umsonst? Vielleicht hätte sich ja im direkten Vergleich ohne die eine oder andere genannte Zutat doch ein Unterschied gezeigt.“ Ja, so mag es sein, und dennoch ziehe ich es vor, wenn nicht so ein diffuses Geschmacksbild entsteht, das zwar insgesamt zu einem interessanten Ergebnis führt, aber eher eine Melange von allem ist.

    Das ausgezeichnete Dessert muss unbedingt noch erwähnt werden, das der sympathische Patissier persönlich an den Tisch brachte. Mandarinensorbet, Kumquat, Schokolade und Rum waren so zauberhaft arrangiert und geschmacklich ausgearbeitet, dass man sich fast schon in einem „Mehrsterner“ wähnte. Der aufgeweckte junge Mann war übrigens, wie er sagte, auch für die Lachs-Vorspeise zuständig, die ebenso filigran und geschmacksstark auf den Teller kam.

    Fazit:
    Das „Ox“ ist für die südhessische Region eine absolute Bereicherung. Hier hat sich um die Brüder Rink eine junge Mannschaft zusammengefunden, die bei jedem Kontakt mit dem Gast Engagement und Begeisterung ausstrahlt. Sie sind stolz auf das, was ihnen in kürzester Zeit mit dem Michelin-Stern gelungen ist, fragen aber offen und herzlich nach, ob auch wirklich alles gut war und was man noch besser machen könne. Insofern ist ein Abend im „Ox“ schon von daher ein Erlebnis, weil man mit dieser sympathisch-beredten Truppe alles andere für ein paar Stunden beiseite schiebt und Teil dieser äußerlich von jeglichem Perfektionismus entfernten Inszenierung ist. Hauptsache die Küche stimmt! Auch so kann „fine-dining“ sein!



  • #2
    Manchmal hat man das Gefühl im Leben, man muss sich selbst was Gutes tun!

    Da ich Shoppen nicht mag, habe ich mich für gutes Essen entschieden.
    Zum Glück musste ich meinen Mann nicht lange überreden, da er gutes Essen genauso liebt wie ich.
    Bei der Überlegung, in welches Restaurant wir gehen wollen, habe ich mich an den schönen Bericht von Merlan hier erinnert, und da ich noch nie in Darmstadt war, habe ich mich doppelt auf den Restaurantbesuch gefreut.

    Das Restaurant befindet sich im Herzen von Darmstadt in einer Seitengasse, die sich dank Google Maps leicht finden lässt.
    In dem Restaurant haben wir uns von der ersten Sekunde an total wohlgefühlt.
    Es ist sehr modern und legere eingerichtet und es herrscht eine sehr herzliche Atmosphäre.

    Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich den Restaurantleiter, der auch der Bruder vom Küchenchef ist, gefragt, was der Name vom Restaurant OX bedeutet.
    Er erzählte uns, dass sein Bruder in seiner Lehre von seinem Küchenchef immer in die Wälder zum Sauerklee sammeln geschickt wurde. Dies hatte für ihn eine besondere Bedeutung und daher bekam das Restaurant den Namen Ox, dass für Oxalis (Sauerklee) steht.

    Ich habe mich dann für das 6 Gang Menü vegetarisch entschieden und mein Mann für das 7 Gang Menü mit Fisch und Fleisch.

    Begonnen hat das Menü mit selbst gebackenem Brot, das sensationell geschmeckt hat.


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    Grüße vom Haus

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    1. Gang
    Kohlrabi
    Pumpernickel | Cranberry | Molke |
    Kapuzinerkresse


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    2. Gang
    Rote Bete aus dem Salzteig Wasabi |
    Sesam | Kapstachelbeere


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    3. Gang
    "Lasagne"
    41 Monate gereiftem Parmigiano Reggiano
    Taggiasca-Oliven | Bohnen | Kapern | Yuzu


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    4. Gang
    Kimchi Cox-Orange | Galanga |
    Koriander | Madras-Curry


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    Kleine Erfrischung vor dem Hauptgang

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    5. Gang
    Kürbisknödel
    Herbsttrompeten | Vogelbeere |
    Piemonteser Haselnüsse


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    6. Gang Dessert
    Nashibirne
    Walnuss | Vogesen-Honig | gebackene Original Beans Schokolade


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    Petit Fours

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    Mein Mann und ich waren von beiden Menüs total begeistert.
    Die verschiedenen Gänge waren unfassbar lecker, wahnsinnig kreativ und handwerklich auf extrem hohem Niveau!
    Das war ein unglaubliches Geschmackserlebnis. Da mein vegetarisches Menü nur 6 Gänge hatte, habe ich die Lasagne nochmal gegessen, damit ich meinem Mann nicht zuschauen muss, da er 7 Gänge hatte. Das war die beste Lasagne, die ich jemals gegessen habe. Das ist ein Gericht, dass man nicht vergisst.

    Was ich besonders schön fand, war dass man die Köche, die für die Glücksgefühle in meinem Kopf und Bauch verantwortlich waren, persönlich kennengelernt hat. Sie präsentieren die verschiedenen Gerichte selber beim Gast und erklären sie.
    Das ist der absolute Wahnsinn, wenn man hört, wieviel Arbeit und Mühe in den einzelnen Gängen steckt. Man genießt das Essen dann noch achtsamer und voller Wertschätzung.

    Mein Mann hatte die Weinbegleitung, da mir das aber immer zu viel ist und ich irgendwann 3 Gläser am Tisch stehen habe, habe ich mir einen Wein ausgesucht. Als ich zwischendurch mal was Alkoholfreies trinken wollte, habe ich die sympathische und charmante Servicemitarbeiterin, die die Weinbegleitung bei meinem Mann gemacht hatte, gefragt, ob es auch was leckeres Alkoholfreies gibt. Sie hat mir dann die hausgemachte Limonade mit Kalamansi empfohlen. Bei dem Getränk bekam ich Kindheitserinnerungen. Das Getränk hat so intensiv nach Mandarine gerochen und geschmeckt, dass ich mich erinnern musste, wie wir früher als Kinder immer Mandarinenschalen auf die heiße Herdplatte gelegt haben. Das ganze Haus hat dann immer so schön nach Mandarine gerochen.
    Auf der Homepage vom Restaurant habe ich zum Glück entdeckt, dass man im Online-Shop Kalamansi Sirup bestellen kann :-)

    Besonders erwähnen muss ich auch den Restaurantleiter. Man sieht und spürt, dass er für seinen Beruf lebt. Er kam immer wieder zu uns und wollte wissen, ob es uns gut geht und ob wir uns wohl- fühlen. Am Ende des Abends wollte er noch wissen, ob es Kritik von unserer Seite aus gibt. Da mussten wir ihn aber enttäuschen.
    Wir waren mega happy in dem Restaurant und es gab einfach nichts zu kritisieren. Das war wie ein Kurzurlaub für Körper und Seele.

    Ich bin dem kompletten Team vom OX sehr dankbar für die schöne und genussvolle Zeit im Restaurant und Merlan bin ich sehr dankbar für seine Restaurant Empfehlung hier im Forum.

    P.S. eigentlich wollte ich euch mein vegetarisches Menü auf der linken Seite zeigen und das nicht-vegetarische Menü auf der rechten. Nach dem Hochladen hat es leider alles verschoben. Daher habe ich den Beitrag davor gelöscht. Wer die Bilder vom Menü meines Mannes sehen möchte, der kann diese bei Google-Bewertungen (neueste Fotos) ansehen.

    Kommentar


    • Claudia_urt
      Claudia_urt kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Vielen herzlichen Dank für Ihren Bericht über das Restaurant OX.
      Wir hatten Dank Ihnen und dem Team vom OX eine wunderschöne Zeit.
      Sie haben vollkommen recht!
      Ich habe es versucht, wusste aber nicht wie.
      Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich QWERTZ jetzt damit Arbeit mache.

    • merlan
      merlan kommentierte
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      Claudia_urt: Wo wir gerade vom Abholen sprechen: QWERTZ hat uns mit unserem Anliegen, die beiden OX-Threads zu verbinden, auch noch nicht abgeholt.

    • Claudia_urt
      Claudia_urt kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      @Merlan: das macht er bestimmt, wenn er Zeit dazu hat. War ja meine Schuld....
      Ich würde auch gerne meinen Beitrag davor löschen, habe es aber irgendwann aufgegeben.
      Ich finde die Funktion/Button nicht zum löschen.
      In der Arbeit würde ich jetzt einfach ein Ticket aufgeben .
      Wünsche Ihnen ein schönes und genussvolles Wochenende.

      Liebe Grüße aus Würzburg
      Claudia
      Zuletzt geändert von Claudia_urt; In den letzten 4 Wochen.

  • #3
    Liebe Claudia, dank für den Bericht. Ich denke, dir als Vegetarierin wird es besonders gefallen haben, das Ox für Oxalis und nicht für Ochse steht :-)

    Kommentar

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