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Carmelo Greco Frankfurt - lunch

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  • Carmelo Greco Frankfurt - lunch

    Nachdem ich bisher eigentlich immer nur fleißiger Leser war, vor allem zu Vollborns Zeiten, habe ich mich nun entschlossen auch ab und an einige Berichte abzuliefern. Ich war früher häufiger und geschäftlich, vor allem im Rhein Main Gebiet in den einschlägigen Restaurants unterwegs. Mittlerweile beschränkt sich das nun auf private Besuche. Da ich sonst mit der Branche nichts zu tun habe und auch kein "Spitzen Gourmet" bin kann ich lediglich subjektive Eindrücke liefern.

    Vor allem Neueröffnungen bekannter Köche in der Rhein Main Region finde ich zur Zeit interessant, z.B die Amador Schüler in Offenbach und Frankfurt, da war ich aber noch nicht, aber der Besuch in Offenbach ist bereits geplant.

    Genug der einleitenden Worte..


    Anfang Dezember verschlug es mich Mittags zu Camelo Greco in Frankfurt. Seit Novmber 2010 geöffnet, der gleichnahmige Koch hatte früher mit seinem Partner die Enoteca Osteria -oder so - in Frankfurt Rödelheim, inkl Stern.

    Das Restaurant nun ist in Frankfurt Sachsenhausen. Früher war da das Bistro 77 deshalb war ich auch nicht über das "außenrum" überrascht. Hochhäuser und ein Baumarkt prägen das bei Regen ziemlich triste Bild. Parken kann man Mittags im Obi Parkhaus nebenan ohne Probleme.

    Der Gastraum ist zweigeteilt, auf der Webseite insgesamt gut zu sehen. Die goldenen Wände erinnern ein kleines bisschen an Amador. Wirkt recht modern und gediegen und frisch, nicht so "plüschig" wie z.B im Rothschild in Königstein.

    Die Restaurantleiterin ist ja vom Amador gekommen. Allerdings ist Ihre Art zwar sehr nett und aufmerksam, aber mir doch eine Spur zu laut. War sehr mit nem Nachbartisch geschäftigt, ne größere Gruppe die da geschäftlich waren. Hatte uns auch ne falsche Vorspeise gebracht, a la card für den Nachbartisch. Nachdem ich sie darauf aufmerksam gemacht hatte wurde das fix wieder weggenommen und sofort am Nachbartisch serviert. Deshalb auch, die ruhige verbindlich Art der anderen italienischen Servicekräfte im Raum waren mir wesentlich lieber.

    Wir hatten das Mittagsmenue. Laut "Werbung" für 29€ in 29 Minuten. Um es vorweg zu nehmen, wir waren über ne Stunde dort, und es war auch gut so...

    Der Gruß der Küche war der selbe wie an den anderen Tischen. Ein italienischer Sushi - Alge Makoronis und Thunfisch- witzige Idee, dann ein Parmesanflan, fluffig lecker, das dritte hab ich vergessen, glaube was mit Leber.

    Vorspeise ein Steinpilzrisotto, cremig, bissig der Reis, mit vielen Steinpilzen, sehr lecker.

    Hauptspeise Perlhuhn mit Kartoffelgratin und Gemüse, nix besonderes, aber für die Preisklasse vollkommen ausreichend.

    Nachtisch: caramelisiertes Schokoeis, neu für mich und sehr lecker, Apfelsoße und Apfel Sorbet. Umfang Geschma und optik sehr gut.

    Dann noch einige Pralinen zum Schluss. Achja, weshalb es aber nur 0,7 l Minerlawasser gibt, verstehe ich nicht.


    Insgesamt ein sehr netter Besuch, für 29€ das Mittagsmenue ein Schnäppchen. Auch sonst sah die Karte sehr vielversprechend aus. Denke bei der Qualität und Aufwand wird 2011 bestimmt ein Sternchen kommen....
    Zuletzt geändert von Gourmet11; 31.12.2010, 09:59.

  • #2
    So, so, nach Gourmet999 nun ein neuer Feinschmecker mit der Startnummer 11!

    Seien Sie willkommen, vor allem dann, wenn Sie schon so lange mitlesen und nun auch mal einen Bericht abliefern. Danke dafür!

    Ihre Ausführungen haben mein Interesse schon deshalb geweckt, weil wir nächste Woche bei Greco einkehren werden. Da wir abends gebucht haben, könnte das doch eine ganz schöne Ergänzung zu Ihren Eindrücken sein. Wir kennen Grecos Küche aus der Osteria Enoteca und sind gespannt, wie er sich in seinem neuen Restaurant weiterentwickelt.

    Ansonsten würde es mich interessieren, wie es um das Sternelokal in Frankfurt-Rödelheim ohne Greco steht; man hört gar nichts!

    Beste Grüße, Merlan

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    • #3
      Carmelo Greco, Frankfurt - Dinner

      Nun auch ein Bericht vom Dinner bei Carmelo Greco, so dass man eigentlich den Zusatz „lunch“ aus dem Titel entfernen könnte.

      Für alle, denen der Name des Kochs und jetzt auch des neueröffneten Restaurants nichts sagt, C.G. war der Koch der Frankfurter „Osteria Enoteca“, die seit Jahren zu Recht mit * versehen war und diesen im Michelin 2011 hinüber gerettet hat, obwohl C.G. schon Wochen vor Jahresende die Osteria verlassen hat. Sei´s drum!

      Das „Carmelo Greco“ ist schick, feinst ausgestattet und offensichtlich hochambitioniert. Gut so, der Chef hat schließlich * zu verteidigen bzw. neu zu erobern. Dementsprechend liest sich auch die Karte und weckt Hoffnungen.

      Aber zunächst zum Service, den Gourmet11 in seinem Lunch-Bericht ja auch besonders angesprochen hat. Das Serviceteam ist freundlich, wirkt aber hier und da noch etwas unsicher und noch nicht ganz eingespielt. Oberkellnerin ist die schon beschriebene Dame, die von Amador zu C.G. gekommen ist. Ja, sie etwas zu laut, gibt sich locker, kommt aber aus ihrer antrainiert wirkenden Rolle nicht heraus. Unbedingt erwähnenswert, weil geradezu grotesk, ist ihre „3-Komponeten-Sprache“: Sie ist in Sachsen aufgewachsen, pflegt schwäbische Einsprengsel (klar, sie war ja lange bei den Amadors!) und sagt am Ende fast eines jeden Satzes „prego“ (klar, sie ist ja jetzt auch bei einem Italiener!). Da kommen dann so köstliche Sätze raus wie: „Nuu, ein Fläschle Wasser, prego!“

      Nun zum Wichtigsten, dem Essen: Da uns das Degustationmenü nicht so sehr reizte, haben wir ALC gegessen. Zwei Gerichte auf der Karte waren „aus“, was einem Haus mit diesem Anspruch am frühen Abend nicht passieren sollte. Als Amuse bouche wurde auf modernem Porzellan und schön angerichtet folgendes serviert: eine Art Sushi vom Thunfisch mit Maccaroni und Cassis, Gänselebercreme mit altem Balsamico und Parmesanflan mit einer Espressosauce. Das sah zwar alles ganz schön aus, überzeugte kulinarisch allerdings wenig. Der Thunfisch wurde vom Cassis überlagert, die Gänseleber vom Balsamico und der Parmesan vom intensiven Kaffeearoma.

      Als Vorspeise hatten wir gewählt: Carpaccio vom Loup de mer auf Scampi-Polenta, Petersilienöl, Rotweinreduktion bzw. meine Frau gebratene Jakobsmuscheln auf Salsa vom Espoisses.Oh je! Geschmacklich blieb von meiner Vorspeise dicklich geschnittenes Fisch-Carpaccio mit Zitrone auf warmer Polenta übrig! Die grünen und roten Punkte (Petersilienöl und Rotweinreduktion) waren nur Teil der schönen Dekoration und machten sich auf der Zunge nicht bemerkbar. Die Scampistückchen fanden sich verschämt auf der Polenta und machten irgendwie nicht so richtig einen Sinn.

      Die zwei arg kleinen Jakobsmuscheln schwammen in einer Terrinenform in einer dicklichen Käsesauce; das erinnerte meine Frau schon arg an Käse-Fondue und ließ den feinen Muscheln nicht den Hauch einer Chance.

      Als Hauptgang hatten wir beide in Nebbiolo geschmorte Kalbsbäckchen mit schwarzem getrüffeltem Kartoffelpüree. Dieser Gang war für einen ALC-Hauptgang sehr bescheiden! Zwei kleinste Stücke vom zart geschmorten Kalbsbäckchen thronten auf einem ganz normalen Kartoffelpüree mit etwas Rotweinreduktion. Ich weiß nicht, ob die Bäckchen tatsächlich in Nebbiolo geschmort waren (ist mir auch egal; von mir aus kann das auch ein einfacher sizilianischer Roter sein; schrecklich, dieses Speisekarten-Geklingel!), sicher bin ich mir aber, dass das Püree noch nie einen Trüffel gesehen hat. Auf entsprechende Nachfrage rettete sich unsere italienisch schwäbelnde Sächsin dahingehend, dass man den Trüffelanteil reduziert hätte, um die Nebbiolosauce nicht zu dominieren. Was für ein Schmarrn, prego! Auf den Hinweis, dass weder Auge, noch Nase, noch Zunge den schwarzen Trüffel ermittelt hätten, wollte sie den Hinweis an die Küche weitergeben, damit die nächsten Gäste in den Genuss von mehr Trüffelaroma kämen. Wow!

      Leider, leider, auch das Dessert war nichts Genaues, weil sich jetzt auch noch handwerkliche Fehler einstellten. Wir bestellten Crema fritta mit Mandarinen und Schokoladeneis. Dieses wurde nach fast einer Stunde serviert und machte einen eher jämmerlichen Eindruck: Die ausgebackene Creme war von reichlich Ausback-Fett und einigen Mandarinensprengseln umgeben. Das schmeckte nur schmalzig und verlangte eigentlich nach einem derben Schnaps!

      Zum Espresso gab es noch ein paar zum Teil massige Artigkeiten. Das war´s!

      Fazit: Carmelo Greco ist gegenüber seinem souveränen Auftritt in der Osteria Enoteca nicht wieder zu erkennen. Dies hat nichts mehr mit einer Sterneküche zu tun, sondern sind zur Zeit nur schön angerichtete Teller! Ich hoffe sehr, dass er recht bald wieder in der Lage ist, das, was auf dem Porzellan liegt, auch wieder zu kulinarischen Highlights zu machen. Er kann´s ja!

      Beste Grüße, Merlan

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      • #4
        Vielen Dank, werter Merlan!

        Ihr Eindruck von der neuen Wirkungssätte des Herrn Greco ähnelt in Teilen verdächtig dem, was wir mit ihm (schon vor Jahren) noch in der Osteria erlebt haben.

        Den Stern sahen wir dort nur an manchen Abenden und sicher nie auf allen Tellern. Muss ja aber auch nicht!

        In der Tat haben auch wir dort bisweilen sehr schöne Ideen erlebt und bei deren Umsetzung kaum handwerkliche Fehler erlitten. Immer wieder auftauchende "profan lustlose" Gerichte und für den aufgerufenen Preis absolut unverschämte Portionsgrößen spotteten jedoch derart jeder Beschreibung, dass wir fortan nie mehr dort eingekehrt sind. Apropos aus: so ging es mir einmal mit meinem Wunschdessert. Der Ersatz hierfür spottete jeglicher Beschreibung; den "Erdbeersalat" zur Panna Cotta markierte einen meiner kulinarischen Tiefpunkte des Jahres 2006. Wenn ich zurück denke, auch an meinen hier verfassten Kurzbericht, werde ich noch heute zornig!

        Nun aber genug!

        Denn aus der Sicht des Gastes gilt: Schade, dass die Entwicklung nicht nach oben zu führen scheint!

        KG
        Besseresser

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        • #5
          Ich war vor ein paar Tagen ebenfalls im C. Greco - und meine Einschätzung liegt zwar eher bei der von Gourmet11, doch kann ich ein paar Ihrer Eindrücke nachvollziehen, merlan.
          Den Service fand ich etwas unsicher vielleicht, aber insgesamt voll in Ordnung. Ein bisschen raffinierter düften manche Speisen durchaus sein, auch die Portionen könnten etwas größer sein (wobei ich das Menü wählte und angenehem satt wurde, zu ALC kann ich also nix sagen) und wir hatten bei einem Gang einen totgegarten Fisch auf dem Teller.

          Dennoch gab es für mich ein paar lohnende Highlights, wie z.B. ein köstliches Rotweinrisotto mit Radicchio und etwas Geflügelleber obenauf oder Spaghettini mit Artischocken und Salsiccia - Gerichte, die simpel klingen, aber durch die Umsetzung gewinnen. Man sollte auch nicht vergessen, dass in italienischen Spitzenrestaurants durchaus "schlichtes" wie Pasta und Risotto "dazugehören".

          Der Hammer aber war für mich als Dessert-Fanatiker, nun ja, das Dessert: in der Osteria war ich darüber ebenso entsetzt wie besseresser (auch uns wurden die Erdbeeren mit Panna Cotta und Zitroneneis vorgesetzt...).
          Diesmal aber pure Begeisterung über das Limonensoufflée (sehr mild) mit Minestrone (!!). Tatsächlich: das Soufflée saß auf einem Bett aus winzigen Würfelchen von Zucchini, Aubergine und Karotte sowie graupenartigen, kugelrunden Nüdelchen. Die waren irgendwie kandiert bzw. lagen in einem ganz leicht süßen Sirup. Separat gab es dazu ein Mandarinensorbet, dessen Süße angesichts der anderen, herberen Zutaten genau richtig war (obwohl man da auch etwas anderes, noch passenderes überlegen könnte).
          Jedenfalls: das war köstlich! Das deutlich ungewöhnlichste Gericht des Abends - und für mich ein Dessert-Meilenstein.

          Ein bisschen Feinschliff fehlt der Service- und Küchencrew sicher noch, aber dass es ein "Reinfall" war kann ich wirklich nicht sagen.

          Grüße
          b.
          Zuletzt geändert von brigante; 08.01.2011, 13:44.

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          • #6
            Zitat von brigante Beitrag anzeigen
            Dennoch gab es für mich ein paar lohnende Highlights, wie z.B. ein köstliches Rotweinrisotto mit Radicchio und etwas Geflügelleber obenauf oder Spaghettini mit Artischocken und Salsiccia - Gerichte, die simpel klingen, aber durch die Umsetzung gewinnen. Man sollte auch nicht vergessen, dass in italienischen Spitzenrestaurants durchaus "schlichtes" wie Pasta und Risotto "dazugehören".
            Würde ich nie vergessen, werter brigante!

            Die zitierten Gerichte hätten mich auch interessiert, standen aber weder auf der Karte noch in dem seit Wochen gleichen Degustationsmenü. Hatten Sie das Überraschungsmenü, das "nicht verraten" und nur tischweise serviert wurde?

            Beste Grüße, Merlan

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            • #7
              Explizit "überrascht" werden wollten wir nicht. Ich wollte das Menü ordern und fragte, ob ich etwas davon austauschen könnte bzw. ob es auch interessante Tagesgerichte gäbe.
              Darauf hieß es, es gäbe einige neue Gerichte, die noch nicht auf der Karte stünden und ob der Chef daraus etwas machen solle. Naja, haben wir dann halt gemacht - bei manchen Gängen war das gut so, bei anderen hätte ich hinterher lieber was anderes gehabt, aber so ist das eben...

              Ach ja: 5 Gänge zu 74,- finde ich durchaus in Ordnung.

              Grüße
              b.
              PS: bei dem Tuna-Amuse ging es mir wie Ihnen, merlan, aber die Foie-Creme und den Parmesan-Flan fand ich sehr schön.

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              • #8
                Erlauben Sie mir, werter Merlan, noch eine Anmerkung und eine Assoziation zu Ihrem sehr sprachgewandten Bericht?
                Kann es nicht auch für das Qualitätsbewustsein eines Lokales sprechen, wenn mal ein ALC- Gang "aus" ist? Es gibt ja nun einen Zusammenhang zwischen Produktfrische und Vorratshaltung, vielleicht wurden diese Gänge häufiger als erwartet geordert?
                Auf dem Weg nach Fontenay hatten wir zu einem casse-croûte in Epoisses halt gemacht. Der Käse wurde uns in drei verschiedenen Reifegraden serviert, an den Wein erinnere ich mich nicht mehr genau, es war ein weißer Burgunder. Wahrscheinlich ist diese schlichte Art, diesen wunderbaren Käse zu genießen, nicht zu übertreffen.
                MkG
                schlaraffenland

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                • #9
                  Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                  Erlauben Sie mir, werter Merlan, noch eine Anmerkung und eine Assoziation zu Ihrem sehr sprachgewandten Bericht?
                  Sie immer, werter Schlaraffe!

                  Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                  Kann es nicht auch für das Qualitätsbewustsein eines Lokales sprechen, wenn mal ein ALC- Gang "aus" ist? Es gibt ja nun einen Zusammenhang zwischen Produktfrische und Vorratshaltung, vielleicht wurden diese Gänge häufiger als erwartet geordert?
                  Hier waren es aber schon zwei und das kurz nach Öffnung des Restaurants; im Rechner-Zeitalter würde ich einfach eine neue Karte ausdrucken, ohne die zwei "aus"!

                  Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                  Der Käse wurde uns in drei verschiedenen Reifegraden serviert, .. Wahrscheinlich ist diese schlichte Art, diesen wunderbaren Käse zu genießen, nicht zu übertreffen.
                  Sehe ich auch so! Allemal besser, als Jakobsmuscheln in Käsesoße zu ertränken!

                  Beste Grüße, Merlan

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                  • #10
                    Guten Abend,

                    mag ich auch sonst mangels eigener Erfahrung mit Restaurant und Koch hier nicht viel beitragen können - aber ich denke auch (abseits von Fragen der Zubereitungsqualität), dass Jakobsmuscheln in Epoisses-Sauce schon konzeptionell ein Rohrkrepierer sind. Und es geht mir sehr selten so, dass ich beim Lesen eines Ganges schon denke, "Nee, das passt ja nun GAR nicht".

                    Grüße,
                    Q.

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