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Ich weiss ein Haus am See

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  • Ich weiss ein Haus am See

    1994 wurde das Hotel-Restaurant eröffnet. Bereits 2 Jahre später erhielt das Restaurant den begehrten Stern und hat diesen bis heute gehalten. Von 1994 bis 2005 war Michael Laumen Küchenchef. Er übergab 2005 das Zepter weiter an Raik Zeigner. Sommelier ist Adi König.
    Wir haben das Haus seit 1998 nun zum dritten Male (1998/2006/2011) besucht und es hat uns wieder gut gefallen.

    Nach einer fast 5 stündigen Fahrt über Autobahn sowie Bundes- und Landstraßen erreichen wir das Hotel Restaurant „Ich weiß ein Haus am See“. Es liegt Idyllisch mitten im Wald und am Ufer des Krakower Sees.
    Die recht einfachen Zimmer sind schnell bezogen und wir unternehmen zuerst eine Bootsfahrt (Ruderboot) auf dem See. Bei strahlendem Sonnenschein ein wahres Vergnügen.
    Die Sonne spiegelt sich im Wasser des Sees, die beiden mächtigen Eichen lassen etwas Sonne durch und werfen Schatten auf das gemähte Gras. Vier Birken mitten auf der Grasfläche haben bereits eine leichte Herbstfärbung. Bei einem Aperitif (Prosecco mit Holunderblütensirup) lassen wir die Seele baumeln.
    Wir hatten eins der sechs Seezimmer, die alle individuell eingerichtet sind und eine umrankte Loggia haben. Die Größe völlig ausreichend, eine Minibar ist nicht vorhanden, die allerdings auch nicht notwendig ist. Wasser (Güstrower Schlossquell) steht im Zimmer bereit und bis zur Theke bzw. Anmeldung ist es nicht weit. Allerdings ist der Preis des Zimmers von 85 € pro Person einschl. Frühstück für die Kategorie doch ein wenig happig.

    Zum Essen.
    Zur Auswahl stehen zwei Menus auf der Karte, ein 4-Gang-Menu unter der Überschrift „Unser Menü mit den Klassikern des Hauses für 65 € und ein Feinschmeckermenü zwischen 4 (65 €) bzw. 7 (85 €) Gängen. Für die sehr moderaten Preise muss man auf einiges verzichten was in anderen Häusern mit einem * mittlerweile zum Standard gehört.
    Kein zweites Amuse Bouche, nur eine Sorte Brot sowie keine Petit Fours. Gerade diese haben zum Kaffee allerdings vermisst.

    Wir entschieden uns für das Feinschmeckermenü mit sieben Gängen, für mich mit kleinen Änderungen. (Erster und dritter Gang)

    Amuse Bouche. Eine Cremesuppe von der Knollensellerie in einer kleinen Löwenkopfterrine serviert, schlicht und einfach, sehr sahnig gut gewürzt.

    Erster Gang.
    Für mich aus dem Klassikmenü. Wachtel im Strudelteig mit kleinem Salat und Trüffelvinaigrette.
    Dazu 2009er Riesling von der Schiefer 0.1 l Weingut Ansgar Clüssrath, Mosel-Saar-Ruwer
    Die Wachtel zart rosa gegart und eingepackt in einer Farce. Dazu eine kräftige Vinaigrette mit leichtem Trüffelgeschmack.
    Für Frau A. aus dem Feinschmeckermenü, Praline von der Entenleber mit Apfel-Ingwerchutney und hausgemachtem Balsamessig. Die drei Entenleberkugeln waren unterschiedlich gewürzt, und zwar mit Raz el Hanout, Masala und Colombo-Curry. Dabei war die Kugel mit Raz el Hanout sehr dominant. Die beiden anderen Gewürze waren sehr zurückhaltend eingesetzt.
    Dazu 2010er Gelber Muskateller 01 l vom Weingut Polz, Südsteiermark

    Zweiter Gang.Aus dem Feinschmeckermenü:
    Gegrillte Scampi und Jacobsmuscheln auf warmen Chicorre-Rettichsalat.
    Scampi und Muschel auf den Punkt gebraten, von der leichten schärfe das Rettichs war allerdings nichts zu spüren.

    Dritter GangFür mich – Kross gebratener Zander auf Belugalinsen mit geschmolzenen Tomaten und Sauce Saté.
    Dazu 2009er Grauburgunder 0.1 l Weingut Dr. Heger, Baden
    Der Zander mit schön krosser Haut, innen aber noch saftig. Die Tomaten sehr aromatisch und mit Kräutern gut gewürzt. Die süß-sauren Linsen sowie Sauce Saté (Curry/Kokos Sauce) rundeten den Gang harmonisch ab.
    Für Frau A. Steinbutt auf Süßkartoffel-Mangoragout- Venerereis und Thaicurryschaum
    Dazu 2010er Sauvignon von der Insel 0.1 l Schloss Rheinhartshausen, Rheingau
    Der Steinbutt leicht gebräunt und saftig, die süße des Ragout, die dezente Schärfe der Sauce bildeten auch einen gelungenen Gang. Dazu noch schwarzen Reis. Das Eis kaum wahrnehmbar.

    CassissorbetCremig mit schönem Fruchtgeschmack.

    Müritzlamm mit feinen Böhnchen, Kichererbsengemüse und Thymianjus
    Dazu 2009er Carmenere Reserva 0.1 l Cono Sur, Chile
    Das Fleisch des Rückens rosa gebraten, dazu noch ein Stück vom Filet und eine kleine Lammbratwurst. Die Bohnen noch recht knackig. Die gut gewürzte Sauce rundete den Gang ab.

    Kleine Käseauswahl mit Paprikaconfit

    Dessert von der GartenhimbeereDazu 2007er Weißherbst Eiswein 5 cl, Weingut Kendermann, Rheinhessen
    Ein Gang der nicht voll überzeugte. Für ein * Sternehaus recht schwach.

    Danach ein Espresso und ich gönnte mir ein Grappa von Levi.

    Adi König, der unaufgeregt den Service leitete, ist auch als Sommelier tätig, unterstütz wird er im Service von seiner Frau Petra König. Völlig ausreichend an diesem Abend. Alle Tische im unteren Bereich des Restaurants mit Blick in den Garten waren besetzt. Die Restaurantgäste waren auch Hotelgäste und wie an den Autokennzeichen zu ersehen aus allen Himmelsrichtungen, auch aus der Schweiz, angereist.

    Raik Zeigner, als Chefkoch hat sich an diesem Abend nicht im Restaurant gezeigt.

    Die Küche im Haus am See arbeitet mit regionalen Produkten, bietet dabei eine klassisch französische Küche. Dabei werden auch Gewürze aus dem Orient und Asien dezent eingesetzt.

    Wir machen jedenfalls, wenn es wieder in Richtung Osten zu Verwandtschaftsbesuchen geht, einen Abstecher nach Krakow am See in das „Haus am See“. Eine Adresse an der ein Gourmet nicht einfach vorbeifahren sollte.

    Bilder unter 29alwi.wordpress.com
    Zuletzt geändert von calvados*; 08.10.2011, 17:58.

  • #2
    Manchmal gibt es ja die seltsamsten Beweggründe, warum einen ein Restaurant interessiert. Dieses ist mir immer wegen des etwas anderen Namen aufgefallen. Deshalb freu ich mich besonders, einen ausführlichen Bericht lesen zu können.

    Danke schön!
    M.

    Kommentar


    • #3
      Schön, noch einen Bericht über das Haus am See zu lesen. Ihrer Eindrück, lieber Calvados, decken sich sehr mit unseren aus dem Frühjahr, ein Zeichen für Konstanz. Ich habe den Besuch wirklich in bester Erinnerung, es war so friedlich am Krakower See. Ich erlaube mir, meinen Bericht aus dem Frühjahr aus dem Thread "Mecklenburger Seenplatte" hier noch einmal hin zu kopieren:

      Ich weiß ein Haus am See, * Krakow am See

      Mitten im Wald liegt direkt am Krakower See das Hotel und Restaurant Ich weiß ein Haus am See, das seit 1996 mit einem Michelin-Stern aufwarten kann. Das Hotel sieht von außen etwas aus wie ein altes Seglerheim. Das Restaurant ist in einem Pavillon mit Empore untergebracht, von dem man – jedenfalls von den unteren Tischen – einen wunderschönen Blick auf den Krakower See hat.

      Da wir sehr kurzfristig reserviert hatten, blieb für uns leider nur ein Tisch auf der Empore mit nur erahnbarem Seeblick. Fast alle Gäste (außer uns und noch einem weiteren Tisch) waren auch Hotelgäste. Insgesamt wird im Haus am See eher unprätentiös und bescheiden aufgetreten. Zur Auswahl standen zwei Menus, ein täglich wechselndes 4-Gang-Menu für die Hausgäste (65 Euro) und ein wohl auf etwas längere Dauer angelegtes zweites Menu zwischen 4 (65 Euro) und 7 (85 Euro) Gängen. Die Preise sind also ziemlich moderat. Dafür wird auf diverse anderswo oft anzutreffende Goodies verzichtet, namentlich auf ein zweites Amuse Bouche (verschmerzbar), auf mehr als eine Sorte Brot (mehr als verschmerzbar), auf ein Pré-Dessert (kein Problem) und auf Petit Fours. Die Petit Fours oder jedenfalls einen kleinen Schokotrüffel o.ä. zum Café haben wir schon vermisst.

      Die Weinkarte ist gut bestückt mit Schwerpunkten auf Baden, Franken, Österreich und Bordeaux und sehr maßvoll kalkuliert. Es gibt sicherlich 50 Positionen um die 30 Euro. Unsere erste Wahl (2009 Weißburgunder von Alexander Laible) war leider aus. Unsere zweite Wahl (2009 Auxerrois Kabinett Tr. von Bernhard Huber) war nicht kalt, kam aber im Eiskühler recht schnell auf Betriebstemperatur. Er begleitete das komplette Menu auf wundersame Weise. Positiv erwähnt sein noch das Güstrower Schlossquell als regionales Wasser.

      Ich nahm das Hausgäste-Menu, Mademoiselle drei Gänge à la carte. Das Amuse Bouche nahm die aktuell populäre Gemüseacker Idee (siehe z.B. Erfort, Achilles) auf und bot in einem kleinen Plastik-Blumentopf einen sehr guten Kräuterquark mit Pumpernickel-Krümeln (die Erde), aus dem man eine tournierte Möhre und ein weißes Rübchen ziehen konnte. Das sah attraktiv aus und schmeckte auch gut.

      Mein erster Gang war Stremelchen vom Müritz-Stör mit Wasabi-Joghurt. Der Stör war sehr mild geräuchert, butterzart und aromatisch nur leicht vom Rauch touchiert. Er lag auf einem kleinen Rösti. Von dem Joghurt hätte es etwas mehr sein dürfen, auch hätte ein bisschen mehr Wasabi-Schärfe dem Gericht noch mehr Spannung gegeben. Mademoiselle hatte Entenleberpralinés mit marinierter Mango und hausgemachtem Balsamico. Die Entenleberkugeln waren jeweils unterschiedlich gewürzt, und zwar mit Raz el Hanout (etwas zu dominant), Masala (ebenfalls etwas zu dominant und scharf) und Colombo-Curry (sehr gut). Eine gute Idee mit vielen Kombinationsmöglichkeiten.

      Mein nächster Gang war aus meinem Menu der beste, nämlich ein gedämpfter Bachsaibling mit getrüffeltem Lauch und Venerereis. Der Saibling hatte durch das Dämpfen seinen Geschmack gut erhalten. Der durch die Trüffel geerdete Lauch und der schwarze Reis passten dazu hervorragend. Ein überaus klassischer Gang, der mir ausgezeichnet gefiel.

      Mein Hauptgang war daneben etwas langweilig: Entenbrust mit Estragonjus, Schupfnudeln und Sommergemüse. Die Entenbrust bestach zwar durch einen hervorragenden, leicht wilden Eigengeschmack und auch der Estragon-Jus passte dazu sehr gut. Es fehlte aber irgendein Element, um Spannung zu erzeugen. Mademoiselle hatte es mit dem Steinbutt mit roter Curry/Kokos Sauce, geschmorten Tomaten und Belugalinsen besser getroffen. Interessanterweise wurde der Eigengeschmack des Zanders durch das verhalten eingesetzte rote Curry, die süß-sauren Linsen und die sehr aromatischen Tomaten eher unterstützt als übertönt. So soll es natürlich auch sein, wir hatten aber beide vorher leichte Zweifel.

      Eher schwach fielen danach die Desserts aus, Variationen von der Erdbeere (Menu 1) und vom Pfirsich (Menu 2). Ich stehe „Variation vom“ Desserts eher skeptisch gegenüber, da leider sehr oft nur ein Repertoire von Standard-Dessertzubereitungen mit einem bestimmten Produkt abgespult wird. So auch hier. Wir hatten jeweils eine Crème Brulée, einen kleinen Kuchen und ein Sorbet. Dazu gab es vom Pfirsich noch ein nicht gestocktes und deshalb misslungenes Clafoutis und von der Erdbeere noch eine etwas langweilige Panna Cotta. Eine Komposition mit nicht süßen Aromen wie bitter, salzig oder sauer wäre uns lieber gewesen. Ok war das Dessert aber trotzdem.

      Der Service war etwas schmal besetzt, nämlich nur mit dem freundlichen und kompetenten Sommelier Adi König und einer weiteren Dame. Das reicht für die wenigen Tische eigentlich aus. Da sich der Service aber sehr viel Zeit für jeden einzelnen Gast nimmt, der dies möchte, kommt es bei den anderen Gästen beim Weinnachschenken, etc. manchmal zu kleinen Wartezeiten. Auch der junge Koch, Raik Zeigner, nimmt sich übrigens extrem viel Zeit für jeden Tisch.

      Zusammenfassend kann man die Küche im Haus am See als klassisch französisch mit Mecklenburger Produkten und asiatischen Tupfern bezeichnen. Dies ist ein Restaurant v.a. für Hotelgäste, das aber – auch wenn man woanders logiert – definitiv einen kurzen Ausflug wert ist.

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