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    Unsere kulinarischen Urlaubsimpressionen:

    Das Angebot im Allgemeinen

    Bereits bei der Urlaubsvorbereitung fiel eine sorgfältige Restaurantplanung schwer. Gute Häuser scheinen auf Rügen rar oder versteckt.

    Der Schwerpunkt des Angebots an allen von uns besuchten Orten (Binz, Sellin, Bergen, Baabe, Göhren, Putbus, Lietzow, Sassnitz, Putgarten, etc.) liegt im Bereich "Tellergericht" für unter 20 Euro, das satt macht - regionstypisch dominiert von "Kutter- und Boddenfisch", regelmäßig begleitet durch Bratkartoffeln.

    Bei unseren Fahrten über die Insel waren die Lieferwagen der großen Convenience-Distributoren unsere ständigen Begleiter. Nur einmal, in Binz, sahen wir den Rungis Express. Gleichwohl: Der Fisch war stets frisch und gut gegart. Die Beilagen hingegen, vom Salat bis zur Bratkartoffel, regelmäßig nur solide Sattmacher.

    Unsere Empfehlungen

    Gut, wenn auch nicht fehlerfrei haben wir im Gutshaus Kubbelkow in Klein Kubbelkow gegessen http://www.kubbelkow.de/
    Ein kleines, gepflegtes Anwesen mitten im Grünen, sehr stilvoll eingerichtet, zwei kleine Speisezimmer mit Kamin, wertige Tischkultur. Der Service freundlich und flink, das Angebot angenehm übersichtlich.

    Das Trüffelsüppchen als Amuse (mit leider übergartem und daher faserig trockenem Seeteufelbäckchen) opulent und süffig.
    Das Carpaccio vom Reh aus eigener Jagd saftig und hauchdünn geschnitten. Dazu ein süßlich-wässriges Apfel-Quittenchutney und etwas zu kompaktes Brioche. Im dazu gereichten Salat (schön herb angemachte Bittersalate und Blüten) wohnte eine Ameise (kann passieren), die Zähne knirschten überdies (sollte nicht passieren).
    Tagliatelle von getrockneten Tomaten mit Putbuser Bärlauchpesto und gebratenen Seeteufelbäckchen - für uns leider gänzlich mißlungen: Pasta übergart und leicht matschig, Fisch wiederum gänzlich trocken, alles in Sauce ertränkt.
    Herrlich deftig und fein zugleich dann saftig resche Würstchen und eleganter Rücken vom Karitzer Reh aus eigener Jagd auf getrüffeltem Kraut und (leicht trockenem) Kartoffel-Nussküchlein. Jus.

    Die Weinkarte ist überschaubar, aber nicht uninteressant. Leider ist schon allzuviel ausgetrunken. Die Preisgestaltung alc erscheint uns zu hoch, die Menuepreise dann aber wieder (Rügentypisch) beschämend günstig. Ebenso die Weinpreise. Der getrunkene Corbières (Château Pech Latte 2009) ein braver Begleiter, der nichts falsch machte.

    Trotz allem: unser schönstes Essen auf der Insel.

    Einfacher, aber ebenfalls gut haben wir im Gasthof Schillings im Hafen von Schaprode gegessen www.schillings-gasthof.de.

    Ein junges Rinderzüchter-Ehepaar hat den Gasthof vor einigen Monaten übernommen, liebevoll renoviert und einen Hofladen eingerichtet. Im Zentrum der Küche stehen (einfachere) Gerichte vom heimischen, selbst gezüchteten Öhe-Rind, einer kleinen vorgelagerten Insel neben Hiddensee. Wir starteten gleichwohl mit Fisch: Kleine Brühe mit Allerlei aus dem Bodden sowie Tartar von Bismark und Matjes auf Reibekuchen. Ein schöner Start, die Brühe hell und mild mit feiner frischer Petersiliennote, 4 bis 5 Fischstücke darin - alle herrlich saftig. Der Kartoffelpuffer zum erfrischend sauren Tartar dann leider wieder die aus Kantinen bekannte TK-Frisbee. Anschließend die Bulette im Burger vom Öhe-Rind herrlich smokey und saftig, das Dinkelbrötchen dazu kalt und laff, Käse und Bacon Standard. Entäuschend die (TK)Steakhouse-Fritten, ebenso wie ein See weißer Sauce mit einer Insel von Convenience Sweat-Sour-Cilly-Sauce inmitten. Das geht besser! Muss es unserer Ansicht nach aus, wenn man schon mit einer liebevollen Produzentenküche wirbt. Das Wienerschnitzel vom Öherind herrlich zart und buttrig, das Rind als Trägerprodukt passt ganz grandios. Liebloser Salat mit süßem Balsamicodressing als Begleiter und die o.g. Fritten dann wieder weniger.

    Der Service ist sehr freundlich und flink. Die Tische blank und bunt. Der Raum gemütlich - mit bunten Kachelöfen, hellen Farben und lustigen Lampen aufgehübscht. Die Getränkekarte ist wirtshaustypisch, wir tranken Störtebeker vom Fass. Die anschließend erworbenen Würstchen, Rinderrillette und Konfitüren vom Hofladen sind schon alle verputzt - ausnahmslos mit Wonne.

    Das MonteVino in Binz war unser regelmäßiger Fluchtpunkt, wenn wir einfach, aber gut essen wollten. Und vor allem einmal gut trinken http://www.weinhandlung-ruegen.de/

    Fünf bis sechs kleine Tische und ein großer werden in einer Weinhandlung von drei jungen Leuten recht emsig, stets freundlich und kompetent umsorgt. Es gibt hier nichts wirklich Neues, aber alles schmeckt, die Grundzutaten wirken sehr wertig. Die Garnelen zur Pasta sind nicht TK, das Fleisch für die Bollo kommt von der Insel Öhe, der Käse ist affiniert, das Brot vom kleinen Bäcker. Die Nischenküche ist offen: man sieht, dass hier gekocht wird und nicht zur aufgewärmt. Die angebotenen Weine sind teils interessant, für 10 Euro Korkeld auch vor Ort zu genießen. Bei uns war es ein 2007er Frühburgunder von Stodden. Besseres haben wir auf der Insel niergendwo gesehen (bzw. es war bereits ausgetrunken) oder getrunken. An die lauwarme Schokoschnitte mit Portpflaumen denke ich noch heute.

    Unser Lichtblick im "Urlaubsalltag".

    Gut gefallen hat uns die Bar im elegant hippen Ceres Hotel in Binz: Vodka Martini und Bellini machten Spaß, ebenso der Barkeeper und die anderen Gäste, die Stimmung smart casual. Die Preise sehr moderat (zumindest im Vergleich zu München).

    Guten Kaffee haben wir lange gesucht - und erst am Ende des Urlaubs gefunden. Dafür gehört das in Stralsund genossene Gebräu zum Besten, was mir an Kaffeekunst bislang untergekommen ist. Dem Kaffee ist eine kleine Rösterei angeschlossen. Wenn ich ehrlich sein soll: mir wärs sogar einen Umweg wert. http://www.kaffee-monopol.de/, mein schönstes Gaumenerlebnis auf Rügen (naja, nicht wirklich "auf", eher "vor").

    Was uns nicht so gut gefallen hat

    Lieder haben wir auf der Insel oft auch nur mäßig bis schlecht gegessen und getrunken. Auch in Häusern, die nach einem Stern streben bzw bei Küchenchefs, die einen solchen schon hatten, stimmte für uns an den jeweiligen Abenden zu viel nicht. Hauptproblem der gehobenen Gastronomie dort scheint der Preisdruck auf der Insel zu sein. Und, dass das Publikum für Spitzenküche auf der Insel rar ist. Bei einer der genossenen Weinbegleitungen etwa wusste ich nicht, wer mir jetzt mehr leid tun muss: wir, die wir das Gereichte trinken und bezahlen sollten oder ein Haus, das solch ein Angebot unterbreiten (muss). Bei Interesse hierzu gerne mehr per PM. Da wir nur jeweils 1x mal dort waren, halte ich es für nicht angebracht, meine durchaus kritische Sicht in der Öffentlichkeit des Forums darzulegen.

    KG
    Besseresser
    Zuletzt geändert von besseresser; 23.09.2013, 16:44.

  • #2
    Besten Dank für die tolle Übersicht!

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    • #3
      Nanu, es gibt doch eine - für eine Urlaubsinsel (abgesehen von Sylt) - ordentliche Auswahl außer den genannten Adressen.

      Da wären

      Peter Knobloch in Göhren;
      Ralf Haug (Restaurant Freustil im Hotel Vier Jahreszeiten Binz) - hatte an alter Wirkungsstätte (NiXe) einen verdienten Stern - auch die (Wein-)Bar (Byntze 1318) ist prima;
      Sebastian Syrbe in der Binzer NiXe

      Allerdings hört es dann auch irgendwann auf ...

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      • #4
        Lieber Spießbräter,

        natürlich gibt es die von Ihnen genannten Adressen. Nichts anderes habe ich gesagt, freilich ohne mich dazu im Einzelnen zu äußern.
        Könnte ich im Übrigen auch nicht, weil wir nicht bei allen waren.

        Die Weinbar Byntze wurde uns auf der Heimreise auch vom Service bei Tim Raue (der nach eigener Angabe einige Jahre im Kurhaus in Binz tätig war) empfohlen,
        wir waren leider nicht dort - das MonteVino liegt direkt daneben und wirkte auf uns einfach einladender.

        KG
        Besseresser
        Zuletzt geändert von besseresser; 24.09.2013, 08:58.

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        • #5
          Absolut, werter besseresser, da kann man sehr anständig einkehren - ordentliche Snacks und eine tolle Weinauswahl. Würde ich auch wieder machen.

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