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Mecklenburger Seenplatte

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  • Mecklenburger Seenplatte

    War jemand aus dem Forum in letzer Zeit an der Mecklenburger Seenplatte und hat Restaurant-Empfehlungen?

    Interessieren würden mich u.a. Eindrücke aus folgenden Restaurants:

    1. Alte Schule in Fürstenhagen: Hier kocht Daniel Schmidthaler, der u.a. mal Sous-Chef in der Quadriga in Berlin war

    2. Gutshaus Ludorf in Ludorf

    3. Kleines Meer in Waren

    4. Ich weiß ein Haus am See in Krakow

    5. andere?

  • #2
    Das würde mich auch interessieren, da die Ecke für uns 2012 auf dem Plan steht (aus familiären Günden).


    Gruß!

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    • #3
      Hallo,

      zu 2. Dort waren wir vor drei Jahren. Die großen Zimmer mit Originaldecke im Haupthaus sind sehr stilvoll und es macht Spass, dort zu wohnen. Die Küche würde ich als grundständig und solide bezeichnen.

      zu 3. In der Erinnerung (aus 2009) bleibt ein sehr freundlicher Service und eine Küchenleistung, die ambitionierter als 2. ist. Kein Stern, aber durchaus angenehm.

      Beste Grüße
      Daurade

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      • #4
        Weiter...

        zu 4. Das Haus liegt direkt am gleichnamigen See - ganz idyllisch. Im eleganten Restaurant, das in den neuen Bundesländern als eines der ersten einen Michelin-Stern erhielt (und diesen seither auch gehalten hat), isst man klassisch gut. Ich erinnere mich spontan noch an eine ausgezeichnete Müritzlamm-Variation... Man sollte in einem der hübschen, individuell eingerichteten Zimmer übernachten oder aber im ein paar Meter entfernten Strandhäuschen (für zwei Personen ).

        Gruß, Garnelchen

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        • #5
          Liebe Garnelchen, Daurade und fragolini,

          vielen Dank für die Hinweise. Ich schaue mal, wo es hingeht und werde in jedem Fall berichten. Untergebracht sind wir schon (nicht in Krakow am See, aber trotzdem hoffentlich lauschig ).

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          • #6
            Hier nun ein paar ausgewählte Eindrücke aus Mecklenburg:

            Restaurant Morizaner im Gutshaus Ludorf, Ludorf

            Das Gutshaus passt gut ins Dorfensemble, in dem v.a. die wirklich sehenswerte Oktogonkirche heraussticht. Das Ambiente ist draußen eher leger, im Gutshaus eher elegant. Die Mehrzahl der Gäste sind Hotelgäste. Der Service ist schnell, kompetent und sehr freundlich.

            Das Restaurant Morizaner hat sich den Slow Food Gedanken auf die Fahnen geschrieben, setzt diesen aber eher halbherzig um. Eine Seite in der Weinkarte bietet z.B. "biodynamische Weine" (u.a. von Leiner, Bürklin-Wolf, von letzterem aber nur den Markenwein "Villa Bürklin") an, ansonsten dominieren aber "Nummer-Sicher" Allerweltsweine wie Chianti (Erzeuger vergessen), Koonunga Hill Shiraz von Penfolds, usw. Obwohl an der Müritz ausgezeichneter Ziegenkäse von kleinen Produzenten erzeugt wird, findet sich dieser nicht auf der Karte wieder. Stattdessen gibt es eine "Italienische Käseauswahl". U.U. nimmt die Klientel eine konsequent regional-biologische Speise- und Weinkarte nicht auf. Ich denke aber, wer bellt, muss auch beißen.

            Es gibt ein täglich wechselndes Menu, wir haben uns aber für die à la carte Auswahl entschieden. Die Vorspeise war gut. Roh marinierter Spargel mit Pommerschen Wildkräutern. Der Spargel war hauchdünn tranchiert und mild mit Öl, Zitrone und Essig mariniert. Dazu gab es eine schöne Auswahl, jeweils individuell schmeckender Wildkräuter, deren Namen ich aber nicht erfragt habe.

            Die Hauptgänge waren etwas enttäuschend. Mir fehlte auch in der Auswahl etwas Varianz. Jeder Hauptgang war nach dem Prinzip Fleisch/Fisch, Gemüse, Kartoffeln konzipiert. Ich hatte Maibock, Wacholdersauce, Kartoffel-Baumkuchen, Brokkoli. Der Maibock war angenehm mürbe und hatte einen guten Eigengeschmack, war auch gut gegart. Die Wacholder-Sauce dazu machte einen leicht aufgewärmten Eindruck und war etwas indifferent. Ganz schwach war der Kartoffel-Baumkuchen, bei dem v.a. die trocken-mehlige Konsistenz störte. Der Hauptgang von Mademoiselle - Duo von Müritzfischen mit Safransauce, Lauch, Kartoffeln - war ok, aber nicht der Rede wert.

            Ebenfalls etwas enttäuschend war das Dessert, ein Crèpe mit Erdbeeren und Joghurt-Himbeer-Eis. Letzteres war hausgemacht und äußerst schmackhaft, was man von dem Crèpe nicht behaupten kann. Er schmeckte wie am Morgen vorbereitet, will heißen ziemlich labbrig. Dazu kamen noch ein paar Spritzer Industrie-Schokosauce, die in einem Restaurant mit Slow Food Anspruch nichts zu suchen haben.

            Insgesamt überwog eine leichte Enttäuschung. Etwas mehr Konsequenz im Konzept würde den Morizaner m.E. aus der Masse herausheben. Interessante Ansätze sind da, ob sich mehr Mut bei den üblicherweise hierher kommenden Gästen durchsetzen lässt, ist natürlich eine andere Frage.

            ***

            Ich weiß ein Haus am See, * Krakow am See

            Mitten im Wald liegt direkt am Krakower See das Hotel und Restaurant Ich weiß ein Haus am See, das seit 1996 mit einem Michelin-Stern aufwarten kann. Das Hotel sieht von außen etwas aus wie ein altes Seglerheim. Das Restaurant ist in einem Pavillon mit Empore untergebracht, von dem man – jedenfalls von den unteren Tischen – einen wunderschönen Blick auf den Krakower See hat.

            Da wir sehr kurzfristig reserviert hatten, blieb für uns leider nur ein Tisch auf der Empore mit nur erahnbarem Seeblick. Fast alle Gäste (außer uns und noch einem weiteren Tisch) waren auch Hotelgäste. Insgesamt wird im Haus am See eher unprätentiös und bescheiden aufgetreten. Zur Auswahl standen zwei Menus, ein täglich wechselndes 4-Gang-Menu für die Hausgäste (65 Euro) und ein wohl auf etwas längere Dauer angelegtes zweites Menu zwischen 4 (65 Euro) und 7 (85 Euro) Gängen. Die Preise sind also ziemlich moderat. Dafür wird auf diverse anderswo oft anzutreffende Goodies verzichtet, namentlich auf ein zweites Amuse Bouche (verschmerzbar), auf mehr als eine Sorte Brot (mehr als verschmerzbar), auf ein Pré-Dessert (kein Problem) und auf Petit Fours. Die Petit Fours oder jedenfalls einen kleinen Schokotrüffel o.ä. zum Café haben wir schon vermisst.

            Die Weinkarte ist gut bestückt mit Schwerpunkten auf Baden, Franken, Österreich und Bordeaux und sehr maßvoll kalkuliert. Es gibt sicherlich 50 Positionen um die 30 Euro. Unsere erste Wahl (2009 Weißburgunder von Alexander Laible) war leider aus. Unsere zweite Wahl (2009 Auxerrois Kabinett Tr. von Bernhard Huber) war nicht kalt, kam aber im Eiskühler recht schnell auf Betriebstemperatur. Er begleitete das komplette Menu auf wundersame Weise. Positiv erwähnt sein noch das Güstrower Schlossquell als regionales Wasser.

            Ich nahm das Hausgäste-Menu, Mademoiselle drei Gänge à la carte. Das Amuse Bouche nahm die aktuell populäre Gemüseacker Idee (siehe z.B. Erfort, Achilles) auf und bot in einem kleinen Plastik-Blumentopf einen sehr guten Kräuterquark mit Pumpernickel-Krümeln (die Erde), aus dem man eine tournierte Möhre und ein weißes Rübchen ziehen konnte. Das sah attraktiv aus und schmeckte auch gut.

            Mein erster Gang war Stremelchen vom Müritz-Stör mit Wasabi-Joghurt. Der Stör war sehr mild geräuchert, butterzart und aromatisch nur leicht vom Rauch touchiert. Er lag auf einem kleinen Rösti. Von dem Joghurt hätte es etwas mehr sein dürfen, auch hätte ein bisschen mehr Wasabi-Schärfe dem Gericht noch mehr Spannung gegeben. Mademoiselle hatte Entenleberpralinés mit marinierter Mango und hausgemachtem Balsamico. Die Entenleberkugeln waren jeweils unterschiedlich gewürzt, und zwar mit Raz el Hanout (etwas zu dominant), Masala (ebenfalls etwas zu dominant und scharf) und Colombo-Curry (sehr gut). Eine gute Idee mit vielen Kombinationsmöglichkeiten.

            Mein nächster Gang war aus meinem Menu der beste, nämlich ein gedämpfter Bachsaibling mit getrüffeltem Lauch und Venerereis. Der Saibling hatte durch das Dämpfen seinen Geschmack gut erhalten. Der durch die Trüffel geerdete Lauch und der schwarze Reis passten dazu hervorragend. Ein überaus klassischer Gang, der mir ausgezeichnet gefiel.

            Mein Hauptgang war daneben etwas langweilig: Entenbrust mit Estragonjus, Schupfnudeln und Sommergemüse. Die Entenbrust bestach zwar durch einen hervorragenden, leicht wilden Eigengeschmack und auch der Estragon-Jus passte dazu sehr gut. Es fehlte aber irgendein Element, um Spannung zu erzeugen. Mademoiselle hatte es mit dem Steinbutt mit roter Curry/Kokos Sauce, geschmorten Tomaten und Belugalinsen besser getroffen. Interessanterweise wurde der Eigengeschmack des Zanders durch das verhalten eingesetzte rote Curry, die süß-sauren Linsen und die sehr aromatischen Tomaten eher unterstützt als übertönt. So soll es natürlich auch sein, wir hatten aber beide vorher leichte Zweifel.

            Eher schwach fielen danach die Desserts aus, Variationen von der Erdbeere (Menu 1) und vom Pfirsich (Menu 2). Ich stehe „Variation vom“ Desserts eher skeptisch gegenüber, da leider sehr oft nur ein Repertoire von Standard-Dessertzubereitungen mit einem bestimmten Produkt abgespult wird. So auch hier. Wir hatten jeweils eine Crème Brulée, einen kleinen Kuchen und ein Sorbet. Dazu gab es vom Pfirsich noch ein nicht gestocktes und deshalb misslungenes Clafoutis und von der Erdbeere noch eine etwas langweilige Panna Cotta. Eine Komposition mit nicht süßen Aromen wie bitter, salzig oder sauer wäre uns lieber gewesen. Ok war das Dessert aber trotzdem.

            Der Service war etwas schmal besetzt, nämlich nur mit dem freundlichen und kompetenten Sommelier Adi König und einer weiteren Dame. Das reicht für die wenigen Tische eigentlich aus. Da sich der Service aber sehr viel Zeit für jeden einzelnen Gast nimmt, der dies möchte, kommt es bei den anderen Gästen beim Weinnachschenken, etc. manchmal zu kleinen Wartezeiten. Auch der junge Koch, Raik Zeigner, nimmt sich übrigens extrem viel Zeit für jeden Tisch.

            Zusammenfassend kann man die Küche im Haus am See als klassisch französisch mit Mecklenburger Produkten und asiatischen Tupfern bezeichnen. Dies ist ein Restaurant v.a. für Hotelgäste, das aber – auch wenn man woanders logiert – definitiv einen kurzen Ausflug wert ist.
            Zuletzt geändert von rocco; 06.06.2011, 10:39.

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