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Basil Hannover

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  • Basil Hannover

    Ein Restaurant über das man nichts hört und nichts ließt. Es ist fast so, als gäbe es eine stillschweigende Vereinbarung, diesen recht großen Laden nicht zu erwähnen und dennoch, existiert er bereits seit vielen Jahren und immer, wenn doch einer es wagt eine Empfehlung auszusprechen, klingt es interessant.

    Dieses Basil nun ist eines der Restos, welche ich bereits seit Jahren besuchen will aber durch 100% Öffnungszeitenüberschneidung nie konnte, heute ergab sich spontan die Gelegenheit. Wir kamen unerwartet früh raus und kurzfristig war noch ein Tisch für zwei zu bekommen- leider nur noch ein Katzentisch, wie die freundliche Dame am Telefon mitteilt, uns ists wurscht, 40 Minuten später stehen wir bei ihr am Pult.

    Das Basil liegt wenige Autominuten vom Stadtzentrum entfern, in einer dunklen Nebenstraße und auch der Eingang, eine schlichte, kaum beleuchtete Tür in einer zweigeschossigen, fensterlosen Backsteinmauer ist äußerst dunkel, unscheinbar, versteckt.

    Als wir ankommen steht "der Bus" vor der Tür. Eine Redewendung die Köche gern benutzen, wenn alle Gäste auf einmal kommen aber hier steht tatsächlich einer, aus dem während wir parken, knapp 50 Holländer aussteigen und im Dunkeln verschwinden. Wir warten etwas, senken die Erwartungshaltung, stellen und auf Chaos und Wartezeit ein und treten ein in die alten Gemäuer, welche einst als Stallungen und Reithalle für Hannovers berittene Polizei dienten.


    Eine gemauerte Gewölbehalle, viel warmes Licht, warme Farben und ca. 100 Gäste. Wir sind froh einen Tisch etwas abseits zugewiesen zu bekommen, meine Frau mit dem Rücken zur Wand, hat einen ganz wunderbaren Blick auf das Ballett der Servicekräfte, welche auf Ihrem Weg in die Küche an uns vorbei müssen.

    Der Geräuschpegel ist recht hoch, doch da die alten Gemäuer die hohen Frequenzen schlucken, noch angenehm.


    Wir bekommen die Karten mit aufgeschlagener Aperitifseite gereicht und erst nach wenigen Minuten werden unsere Wünsche abgefragt und zügig serviert. Diese Reihenfolge mag ich.

    Für das ersten Getränk nehmen wir uns etwas Zeit, lassen die Damen laufen und studieren die Karte. Es gibt drei Menüs und die jeweiligen Gänge ALC, die Entscheidung fällt schnell. Doch zuerst wollen wir noch ein wenig spionieren, einen Blick in die Weinkarte werfen. Tatsächlich sensationell. Zu Beginn gibt es 3-4 Seiten Champagner in allen Qualitätsstufen, eine schöne Auswahl an halben Flaschen, bei den 0,75l Flaschen geht es mit ca 50€ los, 90% bleiben unter 80€ und die teuerste Flasche ist eine Krug "Vintage 1996" für 375€, was fast dem Gossenpreis einspricht und es folgen 2-3 Seiten mit Brause hoher Güte aus der ganzen Welt.

    Ich ärgere mich etwas, dass meine Fastenzeit noch nicht um ist und das Auto vor der Tür steht. Die Weinkarte ist ebenso gut sortiert und fair, fast hart bepreist. Die Preise für seltenere Weine liegen zum Teil unter dem aktuellen Laden oder Netzpreis und bereits zu diesem Zeitpunkt steht fest, dass ich wiederkommen und Freunde mitbringen werde. So etwas habe ich in Hannover, ich bin fast geneigt zu sagen in Deutschland, noch nicht gesehen.

    Wir bekommen Besuch vom Sommelier, ein höflicher Mann mittleren Alters, der meiner Frau im ersten Anlauf genau den Wein in die Hand drückt, den sie den ganzen Abend trinken wird. Das passiert selten. Es ist ein Roter aus Calce, Roussillion.

    Domaine de ’Horizon, L’Esprit de ’Horizon, Rouge 2012. Sehr lecker!!! Wein solcher Güte für 9,50€/0,2l im offenen Ausschank, wir freuen uns.




    Es ist an der Zeit zu Essen, wir haben uns beide für Menü 2. - 4 Gänge zu 54.50€ entschieden.

    Es gibt selbstgemachte kleine Brote, lecker aber etwas bissig, dazu Currybutter welche zum Glück recht mild gewürzt ist.

    Als Amuse kommt ein kleines Weckglas mit Salat und sehr einfachen Flusskrebsen. Tat nicht weh aber fällt als Amuse auch nicht in die Wertung.


    Entenbrust „Peking-Art“ mit Gemüserolle und süß-saurem-Rettich - lecker, die Ente gebeizt und vielleicht etwas zu kühl ansonsten sehr solide, ein erfrischender Einstieg.

    Gebratene Jakobsmuscheln mit Erbsenpüree und Tomaten- Chutney - ebenfalls ordentlich. Die Jakobse nicht die dicksten aber frisch, die Beilagen eingängig. Zu dem Kurs wunderbar.

    Filet vom Angus-Rind mit Philadelphia-Kräuter-Haube, Zitronen-Bohnen und gebratener Kartoffelroularde - Solide. Mir gefällt die Philadelphiahaube nicht so sehr, alles andere ist sehr ordentliches Essen.

    Mozart Kugel „Basil Art“ Glasierter Ganache Riegel, Marzipancrème und Pistazieneis - Eine schöne Variation, frisch, technisch sauber, lecker.

    Dazu ordere ich aus Menü 1 die geschmorte Kalbshaxe auf Graupen-Radicchio-Risotto - ganz feines Essen, ein Gericht wie für mich gemacht. Tief und breit, saftig, cremig, heiß. Auf den Punkt!

    und etwas Käse - sehr viel, ordentliche Qualität vielleicht etwas zu jung, leider etwas kühl.

    vor dem Dessert.


    Der Service ist immer Präsent, flink, aufmerksam, kompetent (Fachkräfte) und sogar höflich. Wir fühlen uns gut bewirtet und ebenso gut unterhalten.

    Am Ende stehen knapp 175€ auf der Uhr, die wir gern bezahlen.

    Fazit: Trotz richtig Alarm passiert kein einziger Fehler, wir warten nie zu lang oder zu kurz, man nimmt sich Zeit für uns wenn wir das Gespräch suchen und lässt und in Ruhe wenn es angebracht ist. Von Anfang bis Ende sehr guter Service, und sehr ordentliche wenn auch keine Hochküche. Gut für zwei zum unkomplizierten Dinner, noch besser für 4-6 durstige.

    RESTAURANT BASIL
    Dragonerstrasse 30
    30163 Hannover - Deutschland

    Tel. +49 (0) 511. 62 26 36
    Fax. +49 (0) 511. 394 14 34

    www.basil.de
    Zuletzt geändert von passepartout; 08.10.2016, 09:38.

  • #2
    100% d'accord, lieber Passepartout!
    Die Bilder meines letzten Besuchs waren arg dunkel aufgrund der Lichtverhältnisse und so habe ich auf den nächsten Besuch gewartet, um auch etwas zu schreiben.
    Aber im Kern trifft Ihre Kritik auch mein Urteil.
    Das Essen im Basil ist solide, zeigt keine allzu großen Schwächen, aber auch keine besonderen Höhen. Gute Bistro-Qualität zu angemessenem Preis halt.
    Aber das eigentlich sensationelle ist in der Tat die Weinkarte. Sie ist unglaublich tief sortiert in allen Ländern, in Deutschland auch zum Teil in den Jahrgängen, sehr individuell und mit großem Sachverstand zusammengestellt. Neben vielen bekannten Namen kann man hier auch echte Entdeckungen machen. Stefan Kobling ist in der Lage, anhand des beschriebenen Weingeschmacks treffsicher die passende Flasche zu finden und einem auch unbekanntere Weingüter schmackhaft zu machen. Und die Preise mit gästefreundlich zu beschreiben, wäre noch maßlos untertrieben.
    Ich bin ja ein großer Freund des 485° von Sebastian Georgi in Köln, dessen Weinkarte vom Gault Millau im letzten Jahr als Weinkarte des Jahres ausgezeichnet wurde und die auch für mich bisher preislich das Maß aller Dinge war. Aber seit ich die Weinkarte des Basils kenne, wäre die Auszeichnung auch im Basil mehr als gut aufgehoben.

    Kommentar


    • #3
      Obwohl seit vielen Jahren eine Institution in Hannover und regelmäßig auch trotz der beachtlichen Größe gut besucht, ist das Basil doch immer ein wenig aus meinem Fokus geraten. Erst als Stefan Kobling, der Chef und Sommelier, vor längerer Zeit in Hendrik Thomas Video-Blog "Wein am Limit" zu Gast war, wurde ich hellhörig, denn es kommt nicht allzu oft vor, dass jemand aus Hannover so exponiert seinen Weinsachverstand vor einem breiten Publikum präsentieren kann. Seitdem tauche ich häufig und manchmal nur aus Zeitvertreib in die großartige Weinkarte ein. Doch dazu später mehr.

      Heute ergibt es sich also, endlich mal wieder einen Tisch ergattert zu haben und ich bin gewillt, ausgiebig Gebrauch von der Weinkarte zu machen.

      So starten wir mit einer halben Flasche Champagner. Eigentlich hätte es ein Blanc de Blanc sein sollen, doch da gerade der Weinkeller umzieht, findet sich die Flasche nicht und Stefan Kobling bringt uns statt dessen eine Flasche Grande Réserve von André Clouet (29,50€), aus Grand Cru Lagen gekeltert. Was für eine großartige Alternative! Cremig, füllig, genau so, wie ich Champagner liebe.

      Es werden vier verschiedene Menüs angeboten, alle Gerichte auch à la Carte, aber irgendwie will kein Menü 100% passen, so dass wir bunt mischen. Die Küche kommt damit gut klar und auf der Rechnung finden wir später sehr akkurate Menüpreise.

      Als Amuse Bouche wird im Weckglas etwas Cous-Cous-Salat mit Putenfleisch serviert. Etwas zu kalt und hätte durchaus beherzter gewürzt sein können, aber ok.

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ID: 51103

      Das Menü startet auf der gegenüberliegenden Seite mit Wachtelbrust mit mariniertem Wintergemüse und schwarzen Walnüssen. Hier mischt sich eine gut gebratene Wachtel mit schönen, erdigen Gemüsen. Guter Auftakt.

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ID: 51104

      Auf meinem Teller eine Variation vom Rind in Form eines kleinen Schnitzels, eines Wan Tans mit leider relativ homöopathisch bemessenen Fleisches, das dadurch auch etwas undefinierbar bleibt. Hätte durchaus auch Leber sein können, aber ich würde es nicht beschwören. Im Glas dazu Reisnudeln mit einer Art Bolognese.
      Unterm Strich eher eine rustikale Version und in sich ein wenig zusammenhanglos, aber durchaus schmackhaft.

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ID: 51105

      Der nächste Gang geht dann eindeutig an mich. Ich bekomme gut gebratene Meeräsche mit getrüffelten Beluga-Linsen. Das Trüffelaroma würde ich hier eher einer guten Trüffelbutter als dem oft sehr synthetisch schmeckendem Öl zuschreiben, aber das ist nur eine Vermutung. Insgesamt ist das stimmig und auch trotz fehlendem echten Trüffel sehr lecker.

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ID: 51106

      Die Jakobsmuscheln auf Soja-Schwarzwurzelpürree mit Ingwer-Cranberries lesen sich gewollter kreativ als sie tatsächlich kommen. Insgesamt überwiegt ein fruchtig-süßer Touch, der mir persönlich ein wenig zu viel des Guten ist.

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ID: 51107

      Zu diesen beiden Gängen trinken wir eine Flasche 2007 Ridge Chardonnay Santa Cruz aus Kalifornien (54,50€), der eine gute Fülle und ein deutlich schmeckbares Holz mitbringt, aber trotz des relativ hohen Alkoholgehalts nicht plump und fett daher kommt, sondern gut ausgewogen. Wir haben im Vorfeld lange über den Wein gesprochen, auf den wir diesen Abend Lust hätten und Stefan Kobling hat mit dieser Empfehlung genau das richtige getroffen.

      Was auch für den Rotwein gilt. Hier gelüstet es uns heute nach Südfrankreich und die Karte listet eine große Bandbreite alleine aus dem Roussillon, und hier vor allem aus dem Baiersbronn des südfranzösischen Weinbaus, dem Städtchen Calce auf: ob Domaine de l'Horizon, Matassa, Olivier Pithon oder Domaine Gauby. Alles ist da und in großer Jahrgangstiefe. Wir entscheiden uns für einen 2006 Vieilles Vignes von Gauby (46,50€) und sind sehr glücklich damit.

      Im Hauptgang findet sich auf der einen Seite eine gut gebratene, sehr weihnachtlich würzige Ente mit Rotwein-Traubenjus.

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ID: 51108

      Ich habe mich für das Duett vom Spanferkel entschieden und bin zufrieden mit einem sehr schönen Rücken mit krosser Schwarte auf gebratenem Kohl und etwas geschmorter Backe mit Chorizo-Kartoffeln. Die Chorizo geht ein wenig unter und überhaupt ist dieser geschmorte Teil wieder etwas sehr rustikal und losgelöst vom guten Rücken, aber in Summe ist dies trotzdem ein guter Teller.

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ID: 51109

      Im Dessert gibt es auf der anderen Seite des Tisches eine dekonstruierte Version eine Christstollens mit einer für meinen Geschmack sehr dominierenden süßen Marshmallowcreme als Topping auf einem ansonsten stimmigen Ensemble aus Stollenbruch und Vanillecreme.

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ID: 51110

      Ich selbst studiere gerade die Speisekarte und weiß eigentlich nicht mehr, welches Dessert es wohl war. Denn keine Beschreibung passt auf das, was ich erinnere. Es war eine schokoladige Panna-Cotta und ein sehr fruchtiges Sorbet. Das war insgesamt ein schöner und relativ leichter Abschluss.

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ID: 51111

      Wie man unschwer erkennt, war das Essen in Summe in Ordnung und bot wenig Grund zur Klage. Die Karte verheißt hier mitunter eine etwas angestrengt wirkende Kreativität, die auf dem Teller dann aber doch sehr gezügelt und harmloser erscheint. Es gibt wenig Ausreißer nach unten und ebenso wenige nach oben. In Gault Millau-Punkten bewertet, könnte man hier durchaus die 13 ziehen.

      Das eigentlich Spektakuläre allerdings ist hier ohne Zweifel die Weinkarte, die sehr individuell, mit einem Schwerpunkt auf biodynamisch hergestellten Weinen, zusammengestellt ist und das zu Preisen, wie man sie vermutlich in ganz Deutschland auf keiner Weinkarte findet. Selten wird hier mal Faktor 2 zum aktuellen Einkaufspreis erreicht, wenn überhaupt. Und dabei finden sich nicht nur exotische No-Names, sondern alles was Rang und Namen in allen Ländern hat inklusive spannender Entdeckungen.

      Stefan Kobling versteht es, einfühlsam auf die Wünsche seiner Gäste einzugehen, und wenn er erst mal Interesse beim Gegenüber entdeckt hat, ist er eine wandelnde Enzyklopädie, die sein Wissen gerne teilt und sich ausgiebig darüber austauscht. Wir hatten zumindest einen spannenden und unterhaltsamen Abend. Zu dem im übrigen auch der gut aufgelegte Service beitrug, der sich sehr individuell auf den speziellen Ablauf an unserem Tisch an diesem Abend einstellte.

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ID: 51112

      Um die Tiefen der Weinkarte richtig erkunden zu können, die im übrigen jedem dringend zum Online-Studium empfohlen sei, müssen wir demnächst defintiv mit Freunden hingehen. Alleine wird das sonst zur echten Aufgabe.

      Bericht und alle Bilder wie immer auch auf: https://www.facebook.com/thomas.west...=3&pnref=story
      Zuletzt geändert von thomashaj; 30.11.2016, 20:22.

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      • #4
        Wie schön, dass wir uns über diesen absichtlichen Underdock einig sind.

        Viele Grüße
        Passepartout

        PS: Ich könnte immer, fast, Montags und Dienstags... :-)

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