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Basil Hannover

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  • thomashaj
    antwortet
    Vier Jahre ist der letzte Bericht über das „Basil“ nun schon wieder her. Dabei waren wir seitdem etliche Male dort, wenngleich unser letzter Besuch nun doch auch schon wieder über ein Jahr zurück liegt.
    Einiges ist seitdem passiert und vor allem den letzten Lockdown hat Stefan Kobling genutzt, um dem Restaurant ein gründliches Facelift zu verpassen. Ein neues, einheitliches Farbkonzept mit neuem Mobiliar hat die doch etwas in die Jahre gekommenen farbigen Lederstühle verdrängt. Die Abstände hat man großzügiger gestaltet und wird dies auch nach Aufheben der Corona-Einschränkungen so belassen. Das gibt dem nicht gerade kleinen Raum eine angenehme Offenheit. Absoluter Blickfang allerdings ist die in den neuen Eingangsbereich verlagerte Bar, hinter der sich der nun gläserne und eindrucksvoll beleuchtete Weinkeller befindet. Dass der nicht nur eindrucksvoll beleuchtet, sondern auch bestückt ist, ist für viele Gäste sicher einer der wichtigsten Gründe für einen Besuch.


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    Interieur

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    Barbereich



    Die von Stefan Kobling mit Akribie zusammengestellte Weinkarte weist alleine auf drei Seiten mehr als 110 Sorten Champagner auf, davon gerade mal ein Zehntel für mehr als 100 Euro, die meisten im Preisbereich um 60 – 70 Euro. Und diese mehr als gast- und trinkfreundliche Kalkulation setzt sich auch auf den restlichen knapp 70 Seiten fort. Ein wahres Paradies für Weintrinker jeglicher Couleur und Vorlieben.

    Aber wir kommen natürlich auch wegen der Küche. Bei schönem Wetter, wie an diesem hochsommerlichen Tag, wird auf der Terrasse serviert. Und wie immer gibt es gutes, selbst gebackenes Brot, das Coronabedingt nicht mehr im Korb serviert wird, sondern angelegt wird und einen kleinen Gruß in einer Petrischale. Diesmal ist es sous-vide gegartes Kalbfleisch mit Meerrettichcreme und Fruchtpüree. Eine harmonische, nette Fingerübung zum Auftakt.


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    Brot & Butter
    Amuse Bouche

    Aus der Karte mit jeweils vier Vorspeisen und Zwischengerichten, fünf Hauptgerichten und drei Desserts kann man sich sein Menü in drei oder vier Gängen selbst zusammenstellen oder auch einzelne Gänge à la Carte bestellen.

    Ich starte mit dem gebeizten Lachs, der als makelloses Stück mit drei verschiedenen Cremes kommt. Den intensivsten Eindruck macht dabei die Rauchfischcreme, während die Avocadocreme relativ mild bleibt und die Himbeer-Chili-Mayonnaise einen fruchtigen Akzent beisteuert. Nicht im Bild zu sehen ist noch eine mit milder Creme gefüllte Zucchinirolle. Insgesamt ein sehr schöner, den heißen Temperaturen angepasster Gang.


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    Ipanema gebeizter Lachs mit Rauchfischcrème, Himbeer-Chili Mayonaise und Avocado

    Das Tatar aus der Roulade ist nach meinem Eindruck gewolft und von recht feiner Struktur, aber gut gewürzt. Was als Petersilien-Kartoffelsalat angekündigt ist, entpuppt sich als feiner Würfel aus dünnen Kartoffelscheiben. Mit einer Auflage aus Zwiebeln und einem halben Wachtelei haben wir aber durchaus typische Mitspieler, die sich auch in einem Salat wiederfinden könnten. Von daher ist das eine durchaus verspielte Interpretation. Zusammen mit dem Rotkohlsalat ergibt sich ein zwar rustikales, aber auch feines Gericht.


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    Tartar „Rohe Rinderroulade“ mit Petersilien-Kartoffelsalat und mariniertem Rotkohl

    Im folgenden Gang entscheiden wir uns zum einen für die kalte Melonen-Gurkensuppe. Die ist gut abgeschmeckt und von leichter, aufgeschäumter Textur. Auf der Tellerfahne ist die Garnitur hübsch drapiert. Die Ceviche vom Kabeljau mit fruchtig, herben Aromen ist eine passende Ergänzung, wenngleich mir für eine Ceviche das typische Säurespiel fehlt und der Fisch eher den Charakter eines leicht geräucherten Stücks vermittelt. Das ändert aber nichts daran, dass es gut schmeckt. Dass die kalte Suppe allerdings in einem warmen Teller kam, kann eigentlich nur dem Umstand geschuldet sein, dass er zu lange unter der Wärmelampe stand. Da gehört er sowieso nicht hin und deshalb buchen wir das mal unter Schusseligkeit ab.


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    Kalte Melonen-Gurkensuppe mit Ceviche vom Kabeljau

    Mit einem unglaublich zart geschmorten Würfel von der Hohen Rippe, der unter der Gabel förmlich zerfällt, geht es bei mir weiter. Dazu gibt es einen aromatischen Fond, etwas zu harte Kräuterpfannkuchenstreifen und Pilze. Das ist alles ausgesprochen stimmig und köstlich.


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    Hohe Rippe vom US-Beef, Celestine, Kohl und Pilzen

    Im Hauptgang entscheiden wir uns beide für Fisch und bereuen das nicht. Die Seeteufelmedaillons sind mediterran eingefasst mit Tomaten, Oliven und hübsch gearbeiteten Ravioli, die mit einer Minz-Auberginenmasse gefüllt sind.


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    Medaillons vom Seeteufel mit Minz-Auberginen-Ravioli und geräucherte Tomatencoulis

    Mich lockt der Steinbutt vor allem wegen der Schillerlockenespuma, die in der Tat großartig ist. Leider findet sie auch beim Gemahl großen Gefallen, so dass nach dem Tellertausch nur noch ein rudimentärer Rest für mich bleibt. Aber Liebe verzeiht alles. So halte ich mich weiter an den vorzüglichen Fisch, das Bohnengemüse und die als Arranchini gearbeiteten und mit Flusskrebsen gefüllten Kroketten.
    Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, dass beide Fischgerichte einfach sehr gut sind.


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    Gebratener Steinbutt mit Apfel-Kohlrabi-Topping, Schillerlockenespuma, Bohnen und Flusskrebsarranchini

    Kommen wir zur süßen Abteilung. Da wir beide keine besonderen Fans von Bananen im Dessert sind, schlagen wir die Basil-Interpretation des „Banana-Split“ aus und entscheiden uns für die zwei übrigen Alternativen.
    Als „American Erdnusscake“ kommt auf einer dünnen Scheibe Erdnusskuchen ein sehr gutes Mascarpone-Brombeer-Eis unter einer Brombeer-Geleehaube. Mit Frucht, Schokoladenerde und Creme ergibt sich ein abwechslungsreiches und unkompliziertes Dessert.


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    „American Erdnusscake“ - Brombeer-Mascarpone-Eis und Erdnusskuchen

    Gleiches gilt auch für die Erdbeermousse, die in diesem Fall in einen Biskuit gearbeitet ist. Dazu gibt es ein erfrischendes Minzsorbet, ebenso Früchte und Schokoladenerde. Das ist keine Super-Innovation, aber sehr solide und geschmackvoll gemacht, zu dem übrigens die Prüm-Auslese, die es hier nahezu immer offen gibt, perfekt passt.


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    Erdbeermousse mit Schokoladenganache und Minzsorbet

    Und damit sind wir auch beim Wein. Wir haben heute Lust auf einen Pouilly-Fuissé „La Roche“ von Eric Forest. Der ist feingliedrig und elegant, dennoch mit Fülle und Kraft. Ein großartiger Wein, den es auch im Coravin-Ausschank gibt. Als Flasche sind wir mit schlanken, knapp 50 Euro dabei und damit nicht mal bei Faktor 2 des Preises, den man im Einkauf als Privatperson bezahlen würde.

    Nachdem der Chardonnay ausgetrunken ist, will Stefan Kobling natürlich wissen, worauf wir Lust haben. Die Frage ist eigentlich nur noch, ob es etwas Konventionelles oder etwas Verrücktes sein darf. Nun kennt er uns schon eine Weile und auch unseren Geschmack, so dass wir ihm auch bedenkenlos den Griff zu etwas Außergewöhnlichem erlauben. In diesem Fall ist es ein zypriotischer Wein, Natural zudem – also eigentlich zwei Kriterien, bei denen wir normalerweise zumindest skeptisch werden würden. Hier allerdings handelt es sich um einen blitzsauberen Wein aus der autochthonen Rebsorte Aspri Fraoula, die mit einer ganz eigenen Aromatik zu überzeugen weiß. 600 Flaschen gibt es davon und ich freue mich, dass wir hier so eine spannende Entdeckung machen können.


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    Eric Forest 2015 Pouilly Fuissé "La Roche"
    Vouni Panayia Winery 2019 "Queen"

    Aber eigentlich ist die ganze Weinkarte hier eine einzige Entdeckungsreise, ob man nun auf eine riesige Bandbreite Großer Gewächse deutscher Rieslinge oder auf biologisch und naturnah ausgebaute Weine steht. Es gibt nahezu kein Wein produzierendes Land, das nicht vertreten ist mit großen, bekannten Namen oder mit spannenden Newcomern. Die Preisgestaltung ist einzigartig und verlangt förmlich nach einer zweiten Flasche. Die Basil-Weinkarte gehört zu den Online-Dokumenten, die ich mir ab und zu einfach aus Lust und Laune anschaue, weil ich sie so faszinierend finde. Einmal sah ich dort sogar einen G-Max von Klaus Keller. Vielleicht gab es davon nur ein oder zwei Flaschen, aber Kobling hat ihn auf die Karte gesetzt, sehr wohl wissend um den Wert. Anderswo steht da gerne in der rechten Spalte entweder ein vierstelliger Betrag oder ein N.N. als Hinweis darauf, dass man den Preis erst erfragen muss – was dann mutmaßlich ebenfalls auf etwas Vierstelliges hinausläuft. In der Basil-Karte stand er damals mit 300 Euro, wenn ich mich richtig erinnere. Und ich ärgere mich jetzt noch, dass ich seinerzeit nicht sofort reserviert hatte.

    Aber eigentlich braucht es nicht mal solche Prestige-Weine, um sich im „Basil“ immer wie im Weinhimmel zu fühlen. Gutes Essen, aufmerksamen und super freundlichen Service gibt es noch dazu. Und damit hat es alles, was es braucht, um ein Lieblingsrestaurant zu sein.

    Ach ja – etwas gab es doch, das mich all die Jahre gestört hatte und das ich mir vorgenommen hatte, heute endlich mal anzusprechen. Es war das unselige Mineralwasser des Schweizer Großkonzerns, das ich, wo immer es geht, versuche zu umgehen. Aber bevor ich dazu ein Wort verlieren kann, steht eine Flasche regionalen Bad Pyrmonter Wassers auf dem Tisch. Das andere hatte man schon vor einer Weile aus dem Sortiment genommen. Und nun mag ich das „Basil“ noch ein bisschen mehr als eh schon.


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/basil-hannover-2/

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  • passepartout
    antwortet
    Wie schön, dass wir uns über diesen absichtlichen Underdock einig sind.

    Viele Grüße
    Passepartout

    PS: Ich könnte immer, fast, Montags und Dienstags... :-)

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  • thomashaj
    antwortet
    Obwohl seit vielen Jahren eine Institution in Hannover und regelmäßig auch trotz der beachtlichen Größe gut besucht, ist das Basil doch immer ein wenig aus meinem Fokus geraten. Erst als Stefan Kobling, der Chef und Sommelier, vor längerer Zeit in Hendrik Thomas Video-Blog "Wein am Limit" zu Gast war, wurde ich hellhörig, denn es kommt nicht allzu oft vor, dass jemand aus Hannover so exponiert seinen Weinsachverstand vor einem breiten Publikum präsentieren kann. Seitdem tauche ich häufig und manchmal nur aus Zeitvertreib in die großartige Weinkarte ein. Doch dazu später mehr.

    Heute ergibt es sich also, endlich mal wieder einen Tisch ergattert zu haben und ich bin gewillt, ausgiebig Gebrauch von der Weinkarte zu machen.

    So starten wir mit einer halben Flasche Champagner. Eigentlich hätte es ein Blanc de Blanc sein sollen, doch da gerade der Weinkeller umzieht, findet sich die Flasche nicht und Stefan Kobling bringt uns statt dessen eine Flasche Grande Réserve von André Clouet (29,50€), aus Grand Cru Lagen gekeltert. Was für eine großartige Alternative! Cremig, füllig, genau so, wie ich Champagner liebe.

    Es werden vier verschiedene Menüs angeboten, alle Gerichte auch à la Carte, aber irgendwie will kein Menü 100% passen, so dass wir bunt mischen. Die Küche kommt damit gut klar und auf der Rechnung finden wir später sehr akkurate Menüpreise.

    Als Amuse Bouche wird im Weckglas etwas Cous-Cous-Salat mit Putenfleisch serviert. Etwas zu kalt und hätte durchaus beherzter gewürzt sein können, aber ok.

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ID: 51103

    Das Menü startet auf der gegenüberliegenden Seite mit Wachtelbrust mit mariniertem Wintergemüse und schwarzen Walnüssen. Hier mischt sich eine gut gebratene Wachtel mit schönen, erdigen Gemüsen. Guter Auftakt.

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    Auf meinem Teller eine Variation vom Rind in Form eines kleinen Schnitzels, eines Wan Tans mit leider relativ homöopathisch bemessenen Fleisches, das dadurch auch etwas undefinierbar bleibt. Hätte durchaus auch Leber sein können, aber ich würde es nicht beschwören. Im Glas dazu Reisnudeln mit einer Art Bolognese.
    Unterm Strich eher eine rustikale Version und in sich ein wenig zusammenhanglos, aber durchaus schmackhaft.

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    Der nächste Gang geht dann eindeutig an mich. Ich bekomme gut gebratene Meeräsche mit getrüffelten Beluga-Linsen. Das Trüffelaroma würde ich hier eher einer guten Trüffelbutter als dem oft sehr synthetisch schmeckendem Öl zuschreiben, aber das ist nur eine Vermutung. Insgesamt ist das stimmig und auch trotz fehlendem echten Trüffel sehr lecker.

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    Die Jakobsmuscheln auf Soja-Schwarzwurzelpürree mit Ingwer-Cranberries lesen sich gewollter kreativ als sie tatsächlich kommen. Insgesamt überwiegt ein fruchtig-süßer Touch, der mir persönlich ein wenig zu viel des Guten ist.

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ID: 51107

    Zu diesen beiden Gängen trinken wir eine Flasche 2007 Ridge Chardonnay Santa Cruz aus Kalifornien (54,50€), der eine gute Fülle und ein deutlich schmeckbares Holz mitbringt, aber trotz des relativ hohen Alkoholgehalts nicht plump und fett daher kommt, sondern gut ausgewogen. Wir haben im Vorfeld lange über den Wein gesprochen, auf den wir diesen Abend Lust hätten und Stefan Kobling hat mit dieser Empfehlung genau das richtige getroffen.

    Was auch für den Rotwein gilt. Hier gelüstet es uns heute nach Südfrankreich und die Karte listet eine große Bandbreite alleine aus dem Roussillon, und hier vor allem aus dem Baiersbronn des südfranzösischen Weinbaus, dem Städtchen Calce auf: ob Domaine de l'Horizon, Matassa, Olivier Pithon oder Domaine Gauby. Alles ist da und in großer Jahrgangstiefe. Wir entscheiden uns für einen 2006 Vieilles Vignes von Gauby (46,50€) und sind sehr glücklich damit.

    Im Hauptgang findet sich auf der einen Seite eine gut gebratene, sehr weihnachtlich würzige Ente mit Rotwein-Traubenjus.

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    Ich habe mich für das Duett vom Spanferkel entschieden und bin zufrieden mit einem sehr schönen Rücken mit krosser Schwarte auf gebratenem Kohl und etwas geschmorter Backe mit Chorizo-Kartoffeln. Die Chorizo geht ein wenig unter und überhaupt ist dieser geschmorte Teil wieder etwas sehr rustikal und losgelöst vom guten Rücken, aber in Summe ist dies trotzdem ein guter Teller.

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    Im Dessert gibt es auf der anderen Seite des Tisches eine dekonstruierte Version eine Christstollens mit einer für meinen Geschmack sehr dominierenden süßen Marshmallowcreme als Topping auf einem ansonsten stimmigen Ensemble aus Stollenbruch und Vanillecreme.

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ID: 51110

    Ich selbst studiere gerade die Speisekarte und weiß eigentlich nicht mehr, welches Dessert es wohl war. Denn keine Beschreibung passt auf das, was ich erinnere. Es war eine schokoladige Panna-Cotta und ein sehr fruchtiges Sorbet. Das war insgesamt ein schöner und relativ leichter Abschluss.

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    Wie man unschwer erkennt, war das Essen in Summe in Ordnung und bot wenig Grund zur Klage. Die Karte verheißt hier mitunter eine etwas angestrengt wirkende Kreativität, die auf dem Teller dann aber doch sehr gezügelt und harmloser erscheint. Es gibt wenig Ausreißer nach unten und ebenso wenige nach oben. In Gault Millau-Punkten bewertet, könnte man hier durchaus die 13 ziehen.

    Das eigentlich Spektakuläre allerdings ist hier ohne Zweifel die Weinkarte, die sehr individuell, mit einem Schwerpunkt auf biodynamisch hergestellten Weinen, zusammengestellt ist und das zu Preisen, wie man sie vermutlich in ganz Deutschland auf keiner Weinkarte findet. Selten wird hier mal Faktor 2 zum aktuellen Einkaufspreis erreicht, wenn überhaupt. Und dabei finden sich nicht nur exotische No-Names, sondern alles was Rang und Namen in allen Ländern hat inklusive spannender Entdeckungen.

    Stefan Kobling versteht es, einfühlsam auf die Wünsche seiner Gäste einzugehen, und wenn er erst mal Interesse beim Gegenüber entdeckt hat, ist er eine wandelnde Enzyklopädie, die sein Wissen gerne teilt und sich ausgiebig darüber austauscht. Wir hatten zumindest einen spannenden und unterhaltsamen Abend. Zu dem im übrigen auch der gut aufgelegte Service beitrug, der sich sehr individuell auf den speziellen Ablauf an unserem Tisch an diesem Abend einstellte.

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    Um die Tiefen der Weinkarte richtig erkunden zu können, die im übrigen jedem dringend zum Online-Studium empfohlen sei, müssen wir demnächst defintiv mit Freunden hingehen. Alleine wird das sonst zur echten Aufgabe.

    Bericht und alle Bilder wie immer auch auf: https://www.facebook.com/thomas.west...=3&pnref=story
    Zuletzt geändert von thomashaj; 30.11.2016, 20:22.

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  • thomashaj
    antwortet
    100% d'accord, lieber Passepartout!
    Die Bilder meines letzten Besuchs waren arg dunkel aufgrund der Lichtverhältnisse und so habe ich auf den nächsten Besuch gewartet, um auch etwas zu schreiben.
    Aber im Kern trifft Ihre Kritik auch mein Urteil.
    Das Essen im Basil ist solide, zeigt keine allzu großen Schwächen, aber auch keine besonderen Höhen. Gute Bistro-Qualität zu angemessenem Preis halt.
    Aber das eigentlich sensationelle ist in der Tat die Weinkarte. Sie ist unglaublich tief sortiert in allen Ländern, in Deutschland auch zum Teil in den Jahrgängen, sehr individuell und mit großem Sachverstand zusammengestellt. Neben vielen bekannten Namen kann man hier auch echte Entdeckungen machen. Stefan Kobling ist in der Lage, anhand des beschriebenen Weingeschmacks treffsicher die passende Flasche zu finden und einem auch unbekanntere Weingüter schmackhaft zu machen. Und die Preise mit gästefreundlich zu beschreiben, wäre noch maßlos untertrieben.
    Ich bin ja ein großer Freund des 485° von Sebastian Georgi in Köln, dessen Weinkarte vom Gault Millau im letzten Jahr als Weinkarte des Jahres ausgezeichnet wurde und die auch für mich bisher preislich das Maß aller Dinge war. Aber seit ich die Weinkarte des Basils kenne, wäre die Auszeichnung auch im Basil mehr als gut aufgehoben.

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  • passepartout
    hat ein Thema erstellt Basil Hannover.

    Basil Hannover

    Ein Restaurant über das man nichts hört und nichts ließt. Es ist fast so, als gäbe es eine stillschweigende Vereinbarung, diesen recht großen Laden nicht zu erwähnen und dennoch, existiert er bereits seit vielen Jahren und immer, wenn doch einer es wagt eine Empfehlung auszusprechen, klingt es interessant.

    Dieses Basil nun ist eines der Restos, welche ich bereits seit Jahren besuchen will aber durch 100% Öffnungszeitenüberschneidung nie konnte, heute ergab sich spontan die Gelegenheit. Wir kamen unerwartet früh raus und kurzfristig war noch ein Tisch für zwei zu bekommen- leider nur noch ein Katzentisch, wie die freundliche Dame am Telefon mitteilt, uns ists wurscht, 40 Minuten später stehen wir bei ihr am Pult.

    Das Basil liegt wenige Autominuten vom Stadtzentrum entfern, in einer dunklen Nebenstraße und auch der Eingang, eine schlichte, kaum beleuchtete Tür in einer zweigeschossigen, fensterlosen Backsteinmauer ist äußerst dunkel, unscheinbar, versteckt.

    Als wir ankommen steht "der Bus" vor der Tür. Eine Redewendung die Köche gern benutzen, wenn alle Gäste auf einmal kommen aber hier steht tatsächlich einer, aus dem während wir parken, knapp 50 Holländer aussteigen und im Dunkeln verschwinden. Wir warten etwas, senken die Erwartungshaltung, stellen und auf Chaos und Wartezeit ein und treten ein in die alten Gemäuer, welche einst als Stallungen und Reithalle für Hannovers berittene Polizei dienten.


    Eine gemauerte Gewölbehalle, viel warmes Licht, warme Farben und ca. 100 Gäste. Wir sind froh einen Tisch etwas abseits zugewiesen zu bekommen, meine Frau mit dem Rücken zur Wand, hat einen ganz wunderbaren Blick auf das Ballett der Servicekräfte, welche auf Ihrem Weg in die Küche an uns vorbei müssen.

    Der Geräuschpegel ist recht hoch, doch da die alten Gemäuer die hohen Frequenzen schlucken, noch angenehm.


    Wir bekommen die Karten mit aufgeschlagener Aperitifseite gereicht und erst nach wenigen Minuten werden unsere Wünsche abgefragt und zügig serviert. Diese Reihenfolge mag ich.

    Für das ersten Getränk nehmen wir uns etwas Zeit, lassen die Damen laufen und studieren die Karte. Es gibt drei Menüs und die jeweiligen Gänge ALC, die Entscheidung fällt schnell. Doch zuerst wollen wir noch ein wenig spionieren, einen Blick in die Weinkarte werfen. Tatsächlich sensationell. Zu Beginn gibt es 3-4 Seiten Champagner in allen Qualitätsstufen, eine schöne Auswahl an halben Flaschen, bei den 0,75l Flaschen geht es mit ca 50€ los, 90% bleiben unter 80€ und die teuerste Flasche ist eine Krug "Vintage 1996" für 375€, was fast dem Gossenpreis einspricht und es folgen 2-3 Seiten mit Brause hoher Güte aus der ganzen Welt.

    Ich ärgere mich etwas, dass meine Fastenzeit noch nicht um ist und das Auto vor der Tür steht. Die Weinkarte ist ebenso gut sortiert und fair, fast hart bepreist. Die Preise für seltenere Weine liegen zum Teil unter dem aktuellen Laden oder Netzpreis und bereits zu diesem Zeitpunkt steht fest, dass ich wiederkommen und Freunde mitbringen werde. So etwas habe ich in Hannover, ich bin fast geneigt zu sagen in Deutschland, noch nicht gesehen.

    Wir bekommen Besuch vom Sommelier, ein höflicher Mann mittleren Alters, der meiner Frau im ersten Anlauf genau den Wein in die Hand drückt, den sie den ganzen Abend trinken wird. Das passiert selten. Es ist ein Roter aus Calce, Roussillion.

    Domaine de ’Horizon, L’Esprit de ’Horizon, Rouge 2012. Sehr lecker!!! Wein solcher Güte für 9,50€/0,2l im offenen Ausschank, wir freuen uns.




    Es ist an der Zeit zu Essen, wir haben uns beide für Menü 2. - 4 Gänge zu 54.50€ entschieden.

    Es gibt selbstgemachte kleine Brote, lecker aber etwas bissig, dazu Currybutter welche zum Glück recht mild gewürzt ist.

    Als Amuse kommt ein kleines Weckglas mit Salat und sehr einfachen Flusskrebsen. Tat nicht weh aber fällt als Amuse auch nicht in die Wertung.


    Entenbrust „Peking-Art“ mit Gemüserolle und süß-saurem-Rettich - lecker, die Ente gebeizt und vielleicht etwas zu kühl ansonsten sehr solide, ein erfrischender Einstieg.

    Gebratene Jakobsmuscheln mit Erbsenpüree und Tomaten- Chutney - ebenfalls ordentlich. Die Jakobse nicht die dicksten aber frisch, die Beilagen eingängig. Zu dem Kurs wunderbar.

    Filet vom Angus-Rind mit Philadelphia-Kräuter-Haube, Zitronen-Bohnen und gebratener Kartoffelroularde - Solide. Mir gefällt die Philadelphiahaube nicht so sehr, alles andere ist sehr ordentliches Essen.

    Mozart Kugel „Basil Art“ Glasierter Ganache Riegel, Marzipancrème und Pistazieneis - Eine schöne Variation, frisch, technisch sauber, lecker.

    Dazu ordere ich aus Menü 1 die geschmorte Kalbshaxe auf Graupen-Radicchio-Risotto - ganz feines Essen, ein Gericht wie für mich gemacht. Tief und breit, saftig, cremig, heiß. Auf den Punkt!

    und etwas Käse - sehr viel, ordentliche Qualität vielleicht etwas zu jung, leider etwas kühl.

    vor dem Dessert.


    Der Service ist immer Präsent, flink, aufmerksam, kompetent (Fachkräfte) und sogar höflich. Wir fühlen uns gut bewirtet und ebenso gut unterhalten.

    Am Ende stehen knapp 175€ auf der Uhr, die wir gern bezahlen.

    Fazit: Trotz richtig Alarm passiert kein einziger Fehler, wir warten nie zu lang oder zu kurz, man nimmt sich Zeit für uns wenn wir das Gespräch suchen und lässt und in Ruhe wenn es angebracht ist. Von Anfang bis Ende sehr guter Service, und sehr ordentliche wenn auch keine Hochküche. Gut für zwei zum unkomplizierten Dinner, noch besser für 4-6 durstige.

    RESTAURANT BASIL
    Dragonerstrasse 30
    30163 Hannover - Deutschland

    Tel. +49 (0) 511. 62 26 36
    Fax. +49 (0) 511. 394 14 34

    www.basil.de
    Zuletzt geändert von passepartout; 08.10.2016, 09:38.
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