Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Berggasthaus Niedersachsen in Gehrden

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Berggasthaus Niedersachsen in Gehrden

    Werter Passepartout,

    falls Sie am Samstag gerätselt haben wer Sie da „heimgesucht“ hat oute ich mich mal als „Täter“. Wenn man so wie ich Fotos und Notizen macht fällt man natürlich auf. Ich war schon lange nicht mehr in Hannover und so habe ich unseren Aufenthalt in der Ole Deele genutzt Sie zu besuchen.





    Das Berggasthaus Niedersachsen liegt idyllisch in der Trip’sche Parkanlage auf dem Köthnerberg.

    Ich hatte das 7 Gänge "Empfehlungsmenü" für 79,00 €, meine Frau hatte etwas a la carte.



    Als Amuse Gueule gab es eine Wachtelbrust mit Balsamicolinsen. Die Wachtel war zart und aromatisch, die Linsen hatten durch den Balsamico eine feine Säure. Sehr lecker.

    Oktopus "Nizza Art"



    Der erste Gang war eine Interpretation des Salade niçoise. Neben dem Oktopus enthielt er Kartoffeln, Rührei, grüne Bohnen, Zwiebeln und dünne Scheiben geräucherten Thunfisch (den meine Frau als Vorspeise hatte). Der Oktopus war zart mit angenehmen Biß und hatte ein feines Aroma. Sehr lecker.

    Gebratene "Faux Gras" mit Portweinäpfeln und Trüffel



    Die gebratene ungestopfte Gänseleber war aussen leicht kross und innen sehr zart, sie hatte ein feines Aroma. Dazu gab es kleine Apfelwürfel, denen ein bischen Säure fehlte und fast geschmacklose Sommertrüffel. Aufgrund der Qualität der Leber trotzdem noch sehr lecker.

    Langustine mit schwarzem Reis und Artischocke



    Die Langoustine war zart und hatte noch etwas Biß, dazu gab es schwarzen Reis mit kleinen Artischockenwürfeln und eine aromatische Krustentiersauce mit feiner Säure. Sehr lecker.

    Saint Pierre mit Gambatortellini und Bouillabaissegemüse



    Der gebratene Saint-Pierre war auf einer Seite kross mit feinen Röstnoten, er war aber schon fast etwas durchgegart. Dazu gab es für Bouillabaisse typisches Gemüse (u.a. Tomaten, Karotten, Sellerie) in einem aromatischen Sud, kleine Muscheln und ein mit Gambas gefülltes Tortellino. Sehr lecker.

    Rehrücken und -wirsingroulade mit Preiselbeeren und Kartoffelterrine



    Der Rehrücken war zart und aromatisch, dazu gab es noch eine mit gut gewürztem Rehhack gefüllte Wirsingroulade, etwas Preiselbeermarmelade, eine mit etwas Rehragout gefüllte, locker schaumige Kartoffelterrine und etwas Sauce. Sehr lecker, nur die Sauce konnte nicht ganz überzeugen.

    Reblochon mit Hagebutte und Sommertrüffeln



    Der Reblochon war perfekt gereift und hatte ein feines Aroma (sehr lecker, Klasse). Dazu gab es leicht säuerliche Hagebutten und, zum Glück geschmacklose, Sommertrüffel. So blieb der Reblochon alleiniger Star des Gerichtes.

    Haselnussmerengue mit Reineclaude und Pfirsichsorbet



    Als Dessert gab es Haselnuss Merengue mit Schlagsahne, ein schön aromatisches Pfirsichsorbet und etwas Reineclaudenkompott. Sehr lecker.

    Der Service war freundlich und zuvorkommend. Das Berggasthaus Niedersachsen bietet eine gute bis sehr gute Küche. Meine Frau hatte ein Zungenragout mit Zunge, Fleischklößchen und kleinen Würstchen und war auch sehr zufrieden.

    Viele Grüße

    Jürgen

  • #2
    Werter Jürgen,

    vielen Dank für den Besuch und die wohlwollende Dokumentation des Erlebten. Ich hoffe sie waren wirklich zufrieden und nicht bloß höflich. ( Details gern via PM :-) )

    Dass sich dieses Essen hier im Forum wieder finden wird, verriet mir die Mimik ihrer Frau als ich den Saint Pierre aushob und nach einem Gang über den Parkplatz war recht sicher, dass sie es sind.

    Zwei Anmerkungen zum Lebergang möchte ich noch hinzufügen.

    Die Faux Gras ist ein Gimik, eine Illusion für den Gast und eine Fingerübung für mich, ich koche sie aus gewöhnlicher, frischer Gänseleber. Umsomehr freut es mich, dass die Beschaffenheit des Hauptproduktes den Gang "rettete". Sommer- und Herbsttrüffel nutze ich gern als erdige Texturkomponente, kostet zwar ein paar Cent mehr, ist aber wenig Arbeit und sie müssen wissen, dass wir äußerst faul sind. :-)

    Zudem hatte ich gehofft, dass wir es so lange ohne Tellerfotos schaffen, bis es einen Maßstabsfaktor in Form von relevanten Bewertungen gibt, da die Optik in der Rangfolge der Prioritäten, irgendwo zwischen 4 und 5 steht. Glücklicher Weise finde ich das Ergebnis nun doch recht annehmbar, weswegen ich die Bilder klauen und für eigene Zwecke benutzen werde. Sie haben mich auch nicht gefragt ob sie knipsen dürfen :-))

    Viele Grüße

    Passepartout

    Kommentar


    • #3
      Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
      vielen Dank für den Besuch und die wohlwollende Dokumentation des Erlebten. Ich hoffe sie waren wirklich zufrieden und nicht bloß höflich. ( Details gern via PM :-) )
      Ich beschreibe die Essen immer so wie ich sie empfunden habe.

      Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
      Dass sich dieses Essen hier im Forum wieder finden wird, verriet mir die Mimik ihrer Frau als ich den Saint Pierre aushob und nach einem Gang über den Parkplatz war recht sicher, dass sie es sind.
      Warum haben Sie nicht einfach gefragt? So haben wir beide irgendwie die Chance verpasst ein Gespräch anzufangen.

      Zitat von passepartout Beitrag anzeigen
      Zudem hatte ich gehofft, dass wir es so lange ohne Tellerfotos schaffen, bis es einen Maßstabsfaktor in Form von relevanten Bewertungen gibt, da die Optik in der Rangfolge der Prioritäten, irgendwo zwischen 4 und 5 steht. Glücklicher Weise finde ich das Ergebnis nun doch recht annehmbar, weswegen ich die Bilder klauen und für eigene Zwecke benutzen werde. Sie haben mich auch nicht gefragt ob sie knipsen dürfen :-))
      Es freut mich das Ihnen die Fotos gefallen. Mir sind gute Fotos wichtig und ich versuche immer, im Rahmen der vorhandenen Beleuchtung, das Beste herauszuholen. Das war Mittags aber kein Problem. Beim ersten Foto habe ich Ihre Mitarbeiterin gefragt. Sie waren, ich vermute mal, in der Küche. Ich räume Ihnen aber gerne die Nutzungsrechte ein sofern Sie mich als Quelle nennen.

      Viele Grüße

      Jürgen

      Kommentar


      • #4
        Auch wir haben einen Samstag auf der Durchreise genutzt gut essen zu gehen. Für mich war es eine sehr gute Bistroküche im a la minute Stil.

        Da unsere Zeit begrenzt war gab es zwei Gänge,

        Schneckenfrau war begeistert und bestellte hannoveranisches (oder hannoveraner?) Zungenragout und Kalbsleber (?) Berliner Art. Ersteres sehr süffig und genau richtig aber intensiv gewürzt, die Kalbsleber sehr fein als kleine Schnitzel serviert. Einzig der Kartoffelstampf war etwas lasch im Geschmack.

        Für mich gab es Rosenkohl mit Parmesan/Pecorino und Trüffel - der Kohl in Blättern perfekt - leicht Knackig gegart - tolle Kombination und Fasan - perfekt saftig gebratene Brust, wunderbar süffiges Fasanenragout dazu Schwarzwurzeln (in Sauce? vielleicht nur Sahne? durchgeschwenkt - egal war super) und Graupen risotto - dies fand ich etwas zu säuerlich.

        Der Service ist zuvorkommend ohne den Gast zu drängeln oder ihn zu vernachlässigen.

        Die Aperitivkarte wird nicht gereicht - diese ist bereits am Tisch - tolle idee. Die Weinkarte hat eine schöne und völlig ausreichende Weinauswahl.

        Mein Fazit ist eindeutig - Ein völlig verdienter Bib.

        Viele Grüße Schnecke

        P.S. Sie haben tolle Gäste - der Gastgeber einer Gesellschaft am Nachbartisch entschuldigte sich vorab für seine eventuell zu lauten Gäste - und lobte 5 Minuten später die Weinempfehlung des Wirtes.

        Kommentar


        • #5
          Es ehrt Sie, lieber Passepartout, dass Sie den Michelin-Thread nun für die Sterne freigeben wollen.

          Deshalb komme ich mal schnell in "Ihrem Thread" um die Ecke, damit ich auch meine Gratulation mit den besten Wünschen für Sie, Ihre Familie und Ihr schönes Gasthaus noch los werden kann, bevor der Bib schon wieder Alltag geworden ist.

          Wir kennen uns ja nun schon wirklich sehr lange - leider bisher nur virtuell - und haben so manch erbauende Diskussion miteinander gehabt. Bewahren Sie sich Ihre Offenheit und Aufrichtigkeit, lieber Passepartout, dann wird Ihr Weg auch weiterhin erfolgsversprechend sein.

          Mit den besten Grüßen, Ihr Merlan

          Kommentar


          • #6
            Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Gerasch, an Sie und Ihr Team. Cynara

            Kommentar


            • #7
              Einen ganz herzlichen Glückwunsch auch von meiner Seite, und bereichern Sie bitte weiterhin sowohl die Gäste mit gutem Essen als auch dieses Forum mit Beiträgen! kuechenreise

              Kommentar


              • #8
                Es gehört schon etwas Mut dazu, aus dem sicheren Hafen eines etablierten Restaurants in der Landeshauptstadt in die Region zu wechseln und an etwas abgelegener Stelle auf einem Hügel mit Blick auf den Deister ein Fachwerkhaus zu erwerben. Dort gab es zwar auch schon immer ein angesehenes Gasthaus, aber für einen Großstädter wie mich war die Entfernung dann doch immer ein gewisses Hindernis. Für eine Taxifahrt eigentlich zu weit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln – zumal abends - nur mühsam zu erreichen. Nach Standortvorteil klingt das für mich erst mal nicht.

                Umso überraschter bin ich an diesem Sonntag Mittag, ein voll besetztes Haus zu erleben. In einem etwas abgetrennten Raum eine Familienfeier und auch alle übrigen Plätze sind belegt. Spontanbesucher ziehen im Akkord wieder von dannen, Cordula Gerasch trägt mehr als einmal das Reservierungsbuch an Tische, um neue Buchungen aufzunehmen. Im vergangenen Jahr hatte man im Sommer auf der Homepage eine beeindruckende Liste von Tagen mit geschlossenen Veranstaltungen gepostet. Auf dem Köthnerberg werden scheinbar gerne Hochzeiten gefeiert. Das Risiko hat sich also offenbar ausgezahlt für Oliver Gerasch und seine Frau. Es läuft.


                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_0_Außenansicht.JPG
Ansichten: 110
Größe: 73,5 KB
ID: 59890
                Außenansicht

                Die Karte weist einige mehrheitsfähige Gerichte auf, die sowohl Mediterranes als auch Deutsches und Regionales abdecken. Daneben gibt es ein saisonales und ein größeres Empfehlungsmenü, wobei alle Gerichte auch á la Carte bestellt werden können. Aus beiden Menüs treffen wir unsere Wahl.

                Als Gruß schickt die Küche dünn aufgeschnittene Champignons auf einer Schwarzbrotmasse mit einer Petersiliencreme. Diese Kleinigkeit balanciert originell zwischen kräutrig und süß – sehr schön.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_1_Champignons_Schwarzbrot.JPG
Ansichten: 109
Größe: 57,8 KB
ID: 59885
                Amuse Bouche: Champignons, Schwarzbrot, Petersilie

                Wir starten beide mit Oktopus, Apfel, Birne, Bottarga, der Vorspeise aus dem großen Menü. Der Tintenfisch ist zart gegart, mit Petersilie und Zwiebeln nicht überladen abgeschmeckt. Ungewohnt, aber durchaus passend, ist zunächst die fruchtige Einfassung mit Äpfeln und Birnen. Allerdings sind die Früchte und auch das Sorbet recht süß, so dass sich das Gericht mit der Zeit für mich zu sehr in die Richtung verschiebt. Daran kann auch der separat dosierte Bottarga nicht viel ändern. Meinem Mann gefällt der Gang so, wie er ist. Ich persönlich hätte mir noch eine frische, säurebetonte Komponente gut vorstellen können.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_2_Oktopus_Bottarga.JPG
Ansichten: 110
Größe: 62,8 KB
ID: 59886
                Oktopus mit Apfel, Birne und Bottarga

                Mit einer klassischen Wildkraftbrühe geht es auf der anderen Seite weiter. Dampfend heiß, mit Juliennes von Wurzelgemüse und einem Eigelb ist das geschmacksintensiv und beweist klassisches Handwerk.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_3_Wildkraftbrühe_Eigelb.JPG
Ansichten: 109
Größe: 35,6 KB
ID: 59892
                Wildkraftbrühe mit Eigelb und Wurzelgemüse

                Ganz großartig ist mein Teller. Ein prächtiges Exemplar eines Kaisergranats von ausgezeichneter Qualität thront auf Kalbskopf-Aprikosengraupen, dazu eine cremige Sauce mit herzhaft würzigem Speckaroma. Besonders gut gefällt mir die Graupenbeilage. Oliver Gerasch wählt kleine Graupen, so dass sich zusammen mit dem Kalbskopf und den Aprikosen eine recht homogene Masse ergibt, in der die Einzelkomponenten aufgehen und den süffigen Charakter noch zusätzlich unterstreichen.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_4_Kaisergranat_Kalbskopfgraupen.JPG
Ansichten: 108
Größe: 54,9 KB
ID: 59891
                Kaisergranat mit Speckrahm und Kalbskopf-Aprikosengraupen

                Der Zander meines Mannes ist perfekt kross gebraten, Blattspinat und Kartoffelpüree traditionelle und tadellose Beilagen. Hervorragend die Pommery-Senf-Sauce. Hier gibt es überhaupt nichts zu meckern.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_5_Zander_Pommersenfsauce.JPG
Ansichten: 108
Größe: 73,1 KB
ID: 59888
                Zander mit Pommery-Senf-Sauce, Blattspinat und Kartoffelpüree

                Für mich gibt es kurz gebratene Rehmedaillons. Wenn es nicht auf der Karte stünde, könnte man glatt annehmen, dass es sich um edle Rückenstücke handelt. Tatsächlich aber ist es Fleisch aus der Keule – verblüffend. Preiselbeeren dazu sind zwar klassisch, aber noch nie wirklich mein Favorit gewesen. Das kann hier niemand wissen, tut mir aber auch nicht weh. Schön hingegen die Buchenpilze im Rahm und auch für mich das Kartoffelpüree. Angegossen wird noch eine sehr aromatische Schmorsauce, die erfreulicherweise am Tisch verbleibt. Auf dem Teller ist noch etwas Weißkohlgemüse. Wenn es als Sauerkraut gedacht war, fehlt definitiv Säure und auch ansonsten ist es sehr mild abgeschmeckt. Mir ist das einfach zu laff und ich hätte es bei der Anzahl der übrigen Mitspieler auch nicht benötigt. Davon abgesehen ist das ein runder und gut schmeckender Gang.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_6_Rehkeule_Buchenpilze.JPG
Ansichten: 108
Größe: 79,1 KB
ID: 59887
                Kurz gebratene Rehkeule mit Buchenpilzen, Weißkohl und Kartoffelpüree

                Beim Dessert wählen wir erneut aus beiden Menüs. Zum einen gibt es Rosmarinmerengue mit Quitte als Kompott und Eis sowie eine Calvadoszabaione. Die Merengue sind hier bereits in kleine Stücke portioniert, was klug gemacht ist, zumal sie, wie oft anderswo erlebt, auch gerne mal in großen Stücken serviert werden und dann ein eher klebriges Mundgefühl hinterlassen können. Nicht so hier. Das ist texturell abwechslungsreich und schön in die Jahreszeit passend.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_7_Rosmarinmeringue_Calvadoszabaione.JPG
Ansichten: 109
Größe: 60,3 KB
ID: 59889
                Rosmarinmeringue mit Quitte, Cassis und Calvadoszabaione

                Ich entscheide mich für den Granatapfelbrownie mit schaumigem Joghurt und einem Sorbet von exotischen Früchten. Letzteres gefällt mir gut. Der Brownie ist einen Tick zu trocken geraten, schmeckt aber, gerade auch in Verbindung mit den Granatapfelkernen, gut.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_8_Granatapfelbrownie_Sorbet.JPG
Ansichten: 107
Größe: 65,5 KB
ID: 59893
                Granatapfelbrownie mit Joghurt und Sorbet von exotischen Früchten

                Das war ein sehr angenehmer Mittag. Dass es auch bei vollem Haus und gleichzeitiger größerer Gesellschaft keine Wartezeiten gab, spricht für die exzellente Organisation und den sehr aufmerksamen und freundlichen Service.

                Die Küche ist im besten Sinne gut bürgerlich mit einem erkennbaren Faible für Ausflüge nach Italien und auch den ein oder anderen kreativen Schlenker erlaubt man sich. Zum Zeitpunkt unseres Besuches hätte man aber durchaus auch noch Ente oder Gänsebraten haben können. Ich habe keinen Zweifel, dass auch das sehr schmackhaft gewesen wäre. Das passt also alles sehr gut zusammen und handwerklich gut gemacht ist das sowieso. Meine kleinen Anmerkungen zum Finetuning an der ein oder anderen Stelle fallen hier insgesamt nicht ins Gewicht.

                Mit dem sehr angemessenen Preisniveau erfüllt das Berggasthaus tatsächlich alle Kriterien, die den Bib Gourmand vom Michelin mehr als rechtfertigen.

                Da ich mir ein paar alkoholfreie Wochen auferlegt hatte und daher den Fahrer gab, konnte ich nicht von der kleinen, aber ausreichenden und fair kalkulierten Weinkarte probieren. Der Pfälzer Chardonnay aus dem Barrique, den mein Mann hatte, war aber zumindest in der Nase so vielversprechend (und nach seinen Worten auch so lecker), dass wir zum nächsten Besuch entweder die Rollen tauschen müssen oder doch mal schauen, wie man mit dem ÖPNV am besten auf den Berg kommt. Es lohnt sich.


                Bericht auch unter: http://tischnotizen.de/berggasthaus-...chsen-gehrden/

                Kommentar


                • #9
                  Sehr geehrter Herr HAJ,

                  vielen Dank für die sehr differenzierte Kritik, ich freue mich über ihr durchaus positives Fazit.

                  Denn auch wenn es sicherlich etwas übermütig war, einen im besten Sinne brennenden Laden im Regierungsviertel der Landeshauptstadt, gegen eine "Waldgaststätte" zu tauschen,
                  haben ich die Entscheidung bisher nur an einem einzigen Mittwoch der fast zweieinhalb Jahren bereut. Der Ort an dem wir nun leben und arbeiten, ist schlicht besonders, einzigartig.

                  Selbstverständlich war es sehr selbstbewusst, eher arrogant von mir zu glauben, zu erwarten, hier oben binnen weniger Monate eine ähnliche a la Carte Auslastung, auch bei Sturm und Regen und unter der Woche, zu realisieren, wie es mir in Hannover gelungen war, dies ist selbst nach über zwei Jahren und trotz diverser Auszeichnungen noch nicht gelungen.

                  Aber wir werden ruhig bleiben, das Niveau halten und an ruhigen Tagen ein bisschen das Leben genießen.

                  Viele Grüße vom verschneiten Berg

                  Passepartout

                  PS: Bilder zur Geschichte gibt es auch ohne Login auf Instagram :-)

                  https://www.instagram.com/berggasthausniedersachsen/

                  Kommentar


                  • #10
                    Nach unserem Besuch im vergangenen Januar war der Plan eigentlich, das schöne Gasthaus auf dem Gehrdener Berg auch noch mal im Sommer erleben zu können. Schließlich lockt das Haus mit großer Außenfläche und beeindruckender Aussicht, was regelmäßig auch viele Hochzeitpaare zu schätzen wissen, so dass sich das Berggasthaus zu einem beliebten Ziel für Feierlichkeiten entwickelt hat. Aber irgendwie hat es sich dann doch nicht ergeben, so dass wir zumindest kurz vor Jahresschluss noch einmal den Weg auf den Berg fanden.

                    Am 2. Advent ziehen wir einen Platz im Inneren vor und freuen uns, dass Oliver Gerasch und sein Team am Wochenende durchgehend Küche anbieten, was uns am frühen Nachmittag einen späten Lunch ermöglicht.
                    Alle Gänge aus den beiden Menüs sind auch einzeln zu bestellen und so stellen wir uns hieraus und aus dem à la Carte-Angebot jeweils vier Gänge individuell zusammen.

                    Das Amuse Bouche wirkt zunächst recht unscheinbar mit einigen Scheiben gebackenen Gemüses, präsentiert sich aber mit einem würzigen Dressing, etwas Petersilienpesto und Trüffelspänen ziemlich vielschichtig und in jedem Fall gut abgestimmt.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_1_Winterfrüchte.JPG
Ansichten: 110
Größe: 61,9 KB
ID: 62620
                    Amuse Bouche: Gebackenes Wintergemüse

                    Mein Mann startet mit geräuchertem Thunfisch, der in dünnen Scheiben auf einem fein geschnittenen Fenchelsalat gebettet ist. Der Thunfisch ist sehr zart und hat eine schinkenartige Anmutung. Das ist nicht schlecht, bleibt aber insgesamt doch recht einfach konzipiert.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_3_Thunfisch_Fenchel.JPG
Ansichten: 111
Größe: 71,2 KB
ID: 62619
                    Geräucherter Thunfisch mit Apfel und Fenchel

                    Mein erster Gang ist eine veritable Überraschung. Im kleinen Menü lediglich als Wachtel mit Linsensalat angekündigt, stelle ich mich auf eine gebratene Brust oder ähnliches ein und bin dann doch verblüfft, eine schön gearbeitete Ballotine serviert zu bekommen. Das ist nicht nur allerfeinstes klassisches Küchenhandwerk, das man so eben auch nicht mehr überall bekommt, sondern schmeckt auch ganz ausgezeichnet. Zusammen mit dem gut gewürzten Linsensalat ergibt sich ein kräftiges, fast schon herzhaftes Geschmacksbild, das perfekt in die Jahreszeit passt.

                    Auf dieses offensichtliche Speisekarten-Understatement angesprochen, erklärt Oliver Gerasch später, dass ihm diese Beschreibung alle Optionen offen lässt und er individuell entscheiden kann, was genau er auf den Teller bringt. Über die heutige Entscheidung bin ich jedenfalls sehr glücklich.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_2_Wachtel_Linsen.JPG
Ansichten: 111
Größe: 93,8 KB
ID: 62628
                    Wachtel mit Linsensalat

                    Aus dem à la Carte-Angebot geht es für meinen Mann weiter. Die gebratenen Calamaretti auf dem schlotzigen Safran-Risotto sind sehr zart und würzig. Insgesamt ist dieses Gericht sehr elegant und versprüht auf gekonnte Weise mediterranes Flair.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_4_Safranrisotto_Calamaretti.JPG
Ansichten: 110
Größe: 54,6 KB
ID: 62622
                    Safranrisotto mit Calamaretti

                    In Abwandlung eines Gerichtes, das ich auch Anfang des Jahres schon genießen durfte, gibt es auch dieses Mal ein prachtvolles Exemplar eines Kaisergranats in Kombination mit einer deftigen Komponente. War es Anfang des Jahres Kalbskopf, ist es jetzt Osso Buco, die Aprikosengraupen sind jetzt ersetzt durch ein Dinkelrisotto. Die Gesamtkonstellation ist zwar ähnlich, aber gleichermaßen köstlich. Das ist kräftig, würzig und die intensive Jus bildet einen tollen Kontrast zum feinen Kaisergranat.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_5_Kaisergranat_Osso Buco.JPG
Ansichten: 111
Größe: 65,3 KB
ID: 62621
                    Kaisergranat mit Ossobuco, Salzzitrone und Dinkelrisotto

                    Auf der anderen Tischseite fällt die Wahl im Hauptgang auf Entenbrust, die mit einer super-krossen Haut und ohne erkennbare Fettschicht, dafür sehr zart gegart kommt. Mit den bissfesten Rosenkohlblättern und dem getrüffelten Kartoffelpüree ist das klassisch und gut gelungen.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_6_Entenbrust_Rosenkhl.JPG
Ansichten: 108
Größe: 89,9 KB
ID: 62625
                    Entenbrust mit Trüffelrahm, Rosenkohl und Kartoffelpüree

                    Für mich geht es mit Fisch weiter und zwar einem kapitalen Filet vom Steinbutt, der exzellent gebraten ist und von einem Meeresfrüchteragout in kräftiger Jus begleitet ist. Als weitere Beilage gibt es Tortellini mit einer unglaublich geschmackvollen Füllung aus Garnelen, Steinbutt und Knoblauch. Selten habe ich Pasta gehabt, bei der die Füllung derart charaktervoll war. Ein toller Gang! Bravo!

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_7_Steinbutt_Meeresfrüchteragout.JPG
Ansichten: 108
Größe: 77,3 KB
ID: 62623
                    Steinbutt mit Meeresfrüchteragout, Kopfsalat und Gambatortellini

                    Der Walnussbrownie meines Mannes ist, wie bereits Anfang des Jahres, nach meinem Empfinden zu trocken geraten. Das gut gelungene Cassissorbet und die Crème Chantilly helfen hier nur bedingt. Etwas auffällig finde ich es schon, dass bei beiden Besuchen der Brownie für mich das schwächste Element ist. Aber vielleicht bin ich auch nur etwas empfindlich, was die Optimalvorstellung an dieses Gebäck angeht.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_8_Walnussbrownie_Cassissorbet.JPG
Ansichten: 108
Größe: 58,9 KB
ID: 62624
                    Walnussbrownie mit Crème Chantilly und Cassissorbet

                    Da mein Sättigungsgrad bereits gut erreicht ist, entscheide ich mich nur noch für Sorbets mit Früchten. Das ist zu diesem Zeitpunkt die richtige Wahl und für mich gerade noch passend. Mango und Birne sind außerdem gut getroffen.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_9_Sorbets.JPG
Ansichten: 107
Größe: 55,4 KB
ID: 62626
                    Sorbet mit Früchten

                    Ganz abgeschlossen ist unser Essen damit aber noch nicht. Mit dem Hinweis „Keksschulden sind Ehrenschulden“ serviert uns Oliver Gerasch noch einen üppigen Teller schönster Weihnachtsplätzchen. Außenstehende würden das jetzt ohne Erklärung nicht verstehen, wir hingegen können uns ein Grinsen an dieser Stelle nicht verkneifen.

                    Zu den jährlichen Fixterminen im heimischen Küchenkalender gehört bei uns seit vielen Jahren ein Wochenende, das komplett der Weihnachtsplätzchenbäckerei gewidmet ist. Das Ergebnis dieser Arbeit, an deren Ende diesmal 13 verschiedene Sorten standen, ist dann auch auf Facebook zu sehen. Den Post hierzu kommentierte Oliver Gerasch mit dem verführerischen Angebot, gegen Gänsebraten zu tauschen. Das hätte zwar in keinem vernünftigen Verhältnis gestanden, aber ich fand es so sympathisch und habe zudem Spaß an derlei Spontanem, dass wir uns zu einem kurzfristigen Ausflug nach Gehrden entschieden, um eine Tüte des Selbstgebackenen auch einfach so vorbei zu bringen. Die Überraschung ist offenbar gelungen und ein Beleg dafür, dass Social Media auch den Weg in die Realität finden kann.
                    Jedenfalls ist der Teller, der nun vor uns steht, Geraschs ebenso gelungene Revanche.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Berggasthaus_10_Plätzchen.JPG
Ansichten: 108
Größe: 89,9 KB
ID: 62627
                    Weihnachtsplätzchen

                    Aber unabhängig von dieser süßen Dreingabe bleibt festzuhalten, dass sich Geraschs Küche stetig weiter zu entwickeln scheint. Konzeptionell bewegt sich das Programm weiterhin zwischen Regionalem, Mediterranem und kreativeren Feinschmecker-Ausflügen. Allerdings wirkten viele Gänge auf mich noch eine Spur feiner abgestimmt. Und mit der Wachtel, dem Kaisergranat, dem Safran-Risotto und dem Steinbutt hatten wir Gerichte, die weit über dem Niveau üblicher bürgerlicher Gasthäuser liegen. Die Desserts könnten noch etwas mehr Finesse vertragen, aber ansonsten darf die Entwicklung gerne so weiter gehen.
                    Angehängte Dateien

                    Kommentar


                    • #11
                      Danke für den Bericht, das Menü liest sich in der Tat sehr gut!

                      Kommentar

                      Lädt...
                      X