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Vince, Hannover

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  • Vince, Hannover

    Hannovers Innenstadt bietet rund um Oper und Kröpcke kulinarisch wenig Erwähnenswertes. Da unterscheidet sich die Leinemetropole nicht von anderen Großstädten, wo die horrenden Mieten kaum etwas anderes zulassen als massentaugliche Systemgastronomie.
    Umso erstaunlicher war daher im vergangenen Jahr die Neueröffnung des „Vince“ im Untergeschoss einer ehemaligen Bank, direkt hinter der Oper gelegen. Italienische Küche mit durchgehender Küche ab 11 Uhr wird angeboten, aber sehr viel mehr lässt sich beim bloßen Blick von außen kaum erahnen, denn eine Speisekarte ist nicht angebracht. Dafür kann man erkennen, dass das Ambiente recht edel wirkt und auch die Außenterrasse ist durchaus geschmackvoll möbliert.

    Verantwortlich für das Konzept ist Vassilios Vassiliou, in Hannover kein Unbekannter, denn seit mehr als zwei Jahrzehnten betreibt er erfolgreich auch das Restaurant „Castello“ nahe der Herrenhäuser Gärten.

    Unser Erstbesuch fand im Februar spontan und ohne Reservierung statt. Vor einem Konzertbesuch suchten wir noch nach einer Möglichkeit, etwas zu essen und hatten Glück, zu recht früher Stunde noch freie Auswahl zu haben. Und der erste Eindruck von außen bestätigt sich eindrucksvoll. Die Einrichtung ist geschmackvoll, die Raumaufteilung geschickt, ein gläserner, klimatisierter Weinschrank im ehemaligen Tresorraum beeindruckender Blickfang.

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    Interieur

    Überhaupt die Weinkarte! Dass man hier Wert auf qualitativ hochwertige Flaschen legt, ist schon an der ausführlichen Beschreibung jedes Weines und dessen Bewertung festzustellen. Unter 2, besser 3 Gläsern im renommierten italienischen Gambero Rosso Weinführer macht man es kaum. Wer mag, kann aber auch deutsch trinken und auch hier ist man gut sortiert. Das alles zu sehr akzeptablen Preisen. Wir trinken zum Beispiel einen ausgezeichneten Sauvignon Blanc St. Valentin von der Kellerei St. Michael-Eppan in Südtirol zu knapp 40 Euro. Mit 14,5 vol.% alles andere als ein leichter frischer Sommerwein, aber eine druckvolle Aromenbombe.

    Vom angenehmen Ambiente animiert und weil wir noch ausreichend Zeit haben, lassen wir uns zu vier Gängen hinreißen. Die Karte ist übersichtlich und bietet neben etwa 7 Vorspeisen, 5 Pasta- und Risottogerichten, 2 Fisch- und maximal 5 Fleischgänge. Dazu noch 3 Desserts und Käse sowie ein 3 Gang-Menü zu etwa 35-38 Euro und ein 4 Gang-Menü zu ca. 55 Euro. Beide Menüs setzen sich aus den Gerichten der Standardkarte zusammen.

    Den Qualitätsanspruch markiert das Vince bereits mit dem bekannt guten Ciabatta von Jochen Gaues sowie einem weiteren hellen, mutmaßlich selbst gebackenen Maisbrot.

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    Brot

    Wir starten mit einem Salat von karamellisierter Ente. Der Teller beeindruckt mit fein säuberlich geschichtetem, abwechslungsreichen Blattwerk, getrockneten Cranberries und reichlich Erdnüssen. Aber wo ist die Ente? Man muss sich ein wenig zum Boden des Tellers durcharbeiten, aber dann ist die Überraschung umso größer. Die Ente ist in dünne Scheiben geschnitten und ausgesprochen knusprig und würzig. Obwohl karamellisiert ist hier keine penetrante Süße vorherrschend, sondern eine ganz unerwartete Aromatik. Wir sind begeistert, auch vom Zusammenspiel mit den restlichen Zutaten und dem hervorragenden Dressing, so dass wir beschließen, den Salat am nächsten Tag selbst nachzubauen. Ich gebe zu: Hat nur so mittel geklappt. Der hier war einfach zu gut.

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    Karamellisierte Ente |
    Grapefruit | Rote Zwiebel | Wildkräutersalat | Erdnuss | Cranberries


    In meinem Menü starte ich mit Tatar von der Mazzara Garnele, das ganz zurückhaltend mariniert wurde, um den Geschmack der Garnele nicht zu übertünchen. Auch die übrigen Mitspieler, Burrata, Pesto und Kirschtomaten ordnen sich hier unter. Ein frischer und gut gelungener Einstieg. Trotzdem blicke ich neidisch zum Salat mit Ente, der der eindeutige Punktsieger am Tisch bleibt.

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    Gambero Rosso Tatar |
    Mazzara Garnele | Avocado | Burrata | Kirschtomate | Basilikum


    Mit Oktopus geht es bei meinem Mann weiter. Der kräftige Tomaten-Sugo bietet alles, was einem bei Italien in den Sinn kommt. Oliven, Kapern, Knoblauch sorgen für kräftige Würze und bieten den gelungenen Rahmen für den gut gebratenen Oktopus.
    Ich bestelle mir das Gericht bei unserem Zweitbesuch als Vorspeise. Der Geschmack ist unverändert gut, aber es fällt auf, dass meine Portion, obwohl beide Male als reguläre Vorspeise bestellt, nahezu doppelt so groß ist. Wenn es so gut schmeckt, will man sich darüber nicht beschweren.

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    Octopus | Kapern | Tomate | Olive | Safran | Basilikum | Knoblauch

    Im Menü folgen für mich nun Trüffelspaghetti, die beim Zweitbesuch der Hauptgang für meinen Mann sein werden. Die Spaghetti, mutmaßlich hausgemacht, in jedem Fall aber aus ausgezeichneter Quelle, sind wunderbar aromatisch mit reichlich bemessenem Trüffel und einer nur leicht gebundenen, aber sehr geschmackvollen Sauce. Trüffelbutter, offenbar auch von der besseren Sorte, verstärkt den intensiven Geschmack noch zusätzlich. Nicht ohne Grund ist dies offenbar einer der Klassiker auf der „Vince“-Karte, denn wir sehen ihn an vielen Tischen serviert.

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    Trüffel Spaghetti |
    Trüffelbutter | Trüffel | Hühnerbrühe | Parmesan


    Die Spaghetti Vince sind für meinen Geschmack zu überladen mit Rinderfiletspitzen, Pilzen, Tomaten und Rucola. Ich persönlich mag es da eher übersichtlicher, aber meinem Gemahl gefällt es. Zudem ist es eine üppige Portion, die also auch gut als Hauptgericht dient.

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    Spaghetti Vince | Rinderfilet | Pilze | Trüffelbutter | Parmesan | Rucola

    An meinem Hauptgang gibt es ebenfalls nicht viel zu meckern. Das kapitale Rinderfilet ist von guter Qualität und ordentlich auf den Punkt gegart. Allerdings wäre es bei so einem schönen Stück Fleisch dennoch nützlich, den gewünschten Gargrad vorab abzufragen, weil es vielleicht nicht jeder klassisch medium mag. Süßkartoffelpüree und grüner Spargel sind ordentlich zubereitet, werden mir aber auf Dauer und bei der Größe der Portion doch etwas zu viel und zu eindimensional. So konzentriere ich mich auf das gute Filet und die kräftige Jus.

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    U.S Rinderfilet | Süßkartoffelpüree | Grüner Spargel | Jus

    Die Auswahl an Desserts im „Vince“ ist sehr übersichtlich. Neben Sorbets und einem Tiramisu der Woche gibt es noch ein in der Kokosnussschale serviertes Kokoseis, das von einer dünnen Schokoladenschicht überzogen ist und mit fein säuerlicher Maracujasauce und frischen Früchten getoppt ist. Anfangs etwas schwer zu essen, da die Schokoladenschicht recht hart ist, macht das aber zunehmend Spaß. So sehr, dass ich es mir auch beim zweiten Besuch bestelle.

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    Kokos | Valrhona | Maracuja | Minze

    Das Tiramisu, für das sich meine bessere Hälfte beim Erstbesuch entscheidet, erinnere ich nur noch vage, meine aber, dass es auf Basis von Pistazie war, dazu ein Sorbet, mutmaßlich Mango. Abgesehen davon, dass die Creme luftig locker und der Geschmack überzeugend war, erinnere ich aber noch die schiere Größe des Desserts, mit der man locker auch zwei Personen satt bekommen hätte.

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    Tiramisu & Sorbet

    Drei Monate später können wir bei sommerlichen Temperaturen auf der Terrasse Platz nehmen. Unsere telefonische Reservierung vom gleichen Tag war zwar offenbar nicht vermerkt worden, aber es fand sich trotzdem ein Platz.

    Neben den bereits erwähnten Gerichten, die wir auch beim ersten Mal hatten, widmen wir uns, auch der Wetterlage geschuldet, vor allem Meeresfrüchten, wie zum Beispiel einem sehr klassisch nur mit Zitrone und Olivenöl angemachten Salat mit Muscheln, Shrimps und Calamaretti und Staudensellerie. Gut, aber für mich nicht sonderlich überraschend.

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    Meeresfrüchte Salat | Muschel | Octopus | Shrimps | Staudensellerie | Rucola

    Beeindruckt bin ich indes von meinem Risotto Mare als Hauptgang. Der Risotto ist zwar knapp unter al dente und hätte noch zwei Minuten länger gekocht sein dürfen, aber der Krustentiersud ist von überraschender Intensität und auch Safran lässt sich tatsächlich ausmachen. Dazu gibt es eine alles andere als sparsam bemessene Menge sorgfältig gegarter Meeresfrüchte, so dass der knappe Garpunkt beim Reis mehr als wett gemacht wird.

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    Risotto Mare | Meeresfrüchte | Krustentier Safransud | Zucchini | Kirschtomaten

    Das „Vince“ hat uns positiv beeindruckt. Küchenchef Marko Dordevic hat ein gutes Händchen für feine aromatische Abstimmungen, die einen in den besten Momenten unmittelbar an die italienische Küste versetzen. Dass er hierbei auf sehr gute Produkte zurückgreifen kann, ist dem hohen Qualitätsanspruch von Vassilios Vassiliou zu verdanken. Alles andere hätte in diesem geschmackvollen Ambiente auch keine Aussicht auf dauerhaften Erfolg.

    Bei unseren Besuchen war das Restaurant sehr gut besucht. Das Konzept scheint also aufzugehen. Kleinere Schwächen im Service, wie die fehlende Reservierung oder eine zugesagte, aber nicht gebrachte Dessertkarte, sollten nicht passieren, lassen sich aber mit etwas Sorgfalt ausmerzen. Ansonsten agiert der Service flott und freundlich.

    In jedem Fall ist das „Vince“, auch aufgrund der durchgehenden Öffnungszeiten, eine willkommene Bereicherung in Hannovers Innenstadt.


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/vince-hannover/
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