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la vie ***, Osnabrück (geschlossen)

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  • Anlässlich des 10jährigen Bestehens des La Vie ist heute in der Sendung "Aufgegabelt" im RBB Inforadio ein Interview mit Thomas Bühner zu hören. Zitat: "Ich hab mir nicht vorstellen können, dass wir mit so einer Disziplin kochen müssen, dass wir mit so einer Präzision kochen müssen und auch kochen können. Ich hab mir auch nicht vorstellen können, dass ich in meiner eigenen Küche mal Englisch sprechen muss, weil die meisten Mitarbeiter aus der ganzen Welt kommen."

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    • Durch das Aktionsmenü zur Fussball Europameisterschaft angelockt, zog es uns abends ins La Vie.

      6 Gänge für 128€ inklusive einem Glas Champagner.

      Das Restaurant, in Grautönen gehalten, war gut besucht.

      Wir wählten nach dem Aperitif, es gab einen Riesling Sekt mit deutlicher Restsüße,
      zum Menü die Weinbegleitung (62€)

      Zur Einstimmung gab es ein dreiteiliges Amuse. (Die Komponenten sind leider nicht mehr im Gedächtnis geblieben), nebst tollem, dunklen Brot mit gesalzener Butter und Olivenöl.

      créme brulée von der gänsestopfleber | pfirsich chutney

      die Créme wohlschmeckend, mit nicht zu intensivem Lebergeschmack. Wir dachten an den Klassiker von Dieter Müller… Das Pfirsich chutney wurde leider vom Zwiebelgeschmack dominiert, der Pfirsich kam leider kaum zur Geltung. Anbei noch ein erfrischendes Limonengranitee. (1*)

      hummerbisque | vadouvan

      Intensive, tiefe Hummerbisque, angegossen zum einem perfekt gegartem Segment vom Hummerschwanz, geschälten Erbsen nebst Ersbsensprosse, kleinem Hummerraviolo und einer halbierten Hummerschere. (1*)

      rotbarbe | röstzwiebelsud

      Die Rotbarbe in zwei kleinen „Bonbons“ mit Saiblings- oder Forellenkaviar, mit einer knusprigen Brikteig Zimthippe. Angegossen mit Röstwiebelsud.

      Bei mir die Rotbarbe gut gegart mit einem leider sehr bitter schmeckendem, wässrigem Röstzwiebelsud. Bei meiner Begleitung leider die Rotbarbe in der Mitte noch komplett roh. Schade! (0*)



      lammnacken- und rücken | kräuter, die es isst | chermoula

      Vorweg: Der mit Abstand beste Gang des Abends.
      Der Nacken geschmort als Scheibe, der Rücken rosa mit Kräutern gratiniert. tolle Produktqualität. Perfekt in Textur und Geschmack. Um das Fleisch herum Streifen von Kräutercreme, creme fraiche, Fingermöhren (auch als Püree), aufgedrehte Zucchinischeiben und das mit chermola gewürzte Amaranth. Dazu noch irgendwas mit Maltose. (3*)

      französischer käse vom wagen

      Der Käse wurde gut präsentiert und erklärt und war von exzellenter Qualität. Dazu intensives Früchtebrot, ( mit Feigen?), gehäutete Trauben, eingelegte Birnenwürfel und gebrannte Mandeln.

      zitronensoufflé | kirsche | fenchel

      Beim Dessert sollte der vorher genossene Wein schon seinen Tribut zollen. Ich kann mich nicht mehr an alle Komponenten erinnern. Auf einem Teller ein tolles, fruchtiges Sorbet (Apfel?)mit Streuseln, dazu saftiges Biskuit, Segmente von Kirsche und marinierten Fenchelstreifen sowie einem Sud. In einer Kokotte dann ein absolut luftiges Soufflé mit extremem Süße- Säurespiel. So stellt man sich eine 3-Sterne Küchenleistung vor! (3*)

      Das Menü endete mit sehr gutem Espresso. Malerischen, künstlich im aussehen aber natürlich im Geschmack, Pralinen. Sowie 2 Sorten Nüsse (Geschmacksrichtungen leider nicht mehr präsent) aus dem la vie Kaugummiautomaten.


      Die Weinbegleitung bestand bei unseren 6-Gängen aus 4 Weinen.

      Unser Besuch lässt uns etwas ratlos zurück. 2 sehr einfache Gänge, die ein interessierter Laie wohl auch so ähnlich hinbekommen hätte. Ein Gang mit handwerklichen Fehlern. 2 Gänge richtig gut, die man kaum besser machen kann. Wir fragten uns, ob man nur mit der Wahl des großen Menüs eine 3-Sterne-Leistung erwarten könne.

      Dazu etwas unglücklich, uns statt dem avisierten Champagner, den Riesling Sekt zu servieren.

      Leider sprang auch bei uns der Funke zum Service nicht recht rüber. Meine Begleitung bezeichnete die Serviceleistung als „Roboterhaft“, was es meiner Meinung ganz gut trifft.

      Mit ein ein bisschen Herzlichkeit und weniger Angst vor Fehlern hätten wir uns deutlich wohler gefühlt. Nur Mut!

      Bezahlt haben wir ca. 220€ p.P.

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      • Ihr getrübtes Fazit deckt sich mit unserem.
        Das ist aber ziemlich genau zehn Jahre alt.
        Wir waren seither nicht mehr im La Vie.
        Es hat sich wohl wenig geändert in der Zeit.
        Es ist uns keine Reise mehr wert.

        Danke für das Update!

        Schönen Gruß, Merlan

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        • Zum Lunch am Samstagmittag nach langer Zeit einmal wieder im Osnabrück. Nach Markteinkauf und Bummel durch die Stadt bei herrlicher Oktobersonne werden wir freundlich empfangen im Foyer. Das Restaurant ist bis auf einen Tisch besetzt.

          Der Service agiert professionell und kommunikativ – so, wie wir es mögen. Auch mit Christian Scholz als neuem Sommelier liegen wir gleich auf einer Linie. Sein Vorgänger Sven Oetzel bleibt in Osnabrück und wird in Kürze eine Weinhandlung eröffnen. Vermutlich wird er so dem „La Vie“ verbunden bleiben.

          Da meine Frau weder Meeresfrüchte noch Meeresfische verträgt, genossen wir eine Mischung aus verschiedenen Menüs.

          Statt Brot (auf das wir zurzeit verzichten) wurde ein delikater Rohkostteller mit einem Basilikumschaum serviert.

          Zur Speisenfolge:
          (für mich) Taschenkrebs, Schwarzwurzel als Gitter aufliegend, Meeresfrucht als Sud, Schnittlauchöl: sehr fein!

          (für meine Frau) grüne Olive, Gartengurke, Oliventapenadeeis: harmonisch abgestimmt.

          (für mich) Rotbarbe confiert, Achiote, Aubergine, Cremolatajus: Rotbarbe auf den Punkt.

          (für meine Frau) wagyu japanisch, 22 d dry age, fermentierte Topinambur, Portulak sauer, mexikanische Zitrone: das Highlight – ein grandioses Geschmackserlebnis!

          Lammnacken- und Rücken, Kräuter, die es isst, Chermoula (Carré et collier d'agneau de Provence, les herbes qu'il mange, chermoula): der geschmorte Lammnacken für mich ein Gedicht; meine Frau präferierte den gekräuterte Lammrücken – zusammen sehr lecker!

          Marinierte Ananas, Koriandermilch, Piniencrunch, klare Tomatenconsommée: exzellent abgestimmte Kombination aus Süss/Salzig à la mode (ein guter Einstieg des neuen Patissiers).

          Wir tranken einen Rosésekt vom Manz (46 €) durch die Menüfolge durch: für den Lunch leicht und luftig.

          Sehr gute Pralinen zum Kaffee und Espresso.

          Alles zusammen für 263 €.

          Fazit: ein entspannter Mittag, Küche, Weinberatung und Service auf sicheren 3-Sterne-Niveau.

          Die Linie von Thomas Bühner scheint sich mehr auf das Produkt zu konzentrieren – klarer und konziser. Die Tellerspielereien sind reduziert.

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          • Zitat von escoffier Beitrag anzeigen
            (für meine Frau) wagyu japanisch, 22 d dry age, fermentierte Topinambur, Portulak sauer, mexikanische Zitrone: das Highlight – ein grandioses Geschmackserlebnis!
            Amüsant wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Meine Frau und ich hatten das Wagyu ebenfalls, bei unserem Besuch war es bereits 28 Tage gereift. Wir haben diesen Gang nach einer schwachen Taube, nahezu als Affront, nicht gegen uns, vielmehr diesem sensationellen Stück Fleisch gegenüber empfunden.

            Nach einer recht langen Folge von Tellern kam der Hauptgang und wir waren uns sehr einig, dass jetzt dass passieren würde, weswegen wir dort waren.

            Angerichtet sind auf 3 Uhr 40-50g Centercut, nicht sauber geputzt, ausgeschnitten. Nichts gebratenes, nichts von der ein Roastbeef solcher Güte ausmachenden Fettschicht. Wunderbare Qualität, gern hätte ich die Abschnitte nachgeordert. Dazu kommt recht mittig ein 3 cm dicker, genussfeindlicher Tupfen Portulackgel und links daneben von 9 auf 11 eine Straße aus sehr blass bleibender, fermentierter Topinambur, dekoriert mit gezupftem Portulak. Wir genießen das Fleisch sehr und essen den "Salat", der Tupfen bringt uns nicht weiter.

            Für mich waren die stärksten Gänge das Amuse:

            -Sauer marinierte, silbrig glänzende, fette Sardellen, die Gräte separat frittiert und kross, dazu in Butter gebratene Powerade, eine Speckcreme und ein paar Halme Grünzeug. Das war wirklich toll. Thermisch, aromatisch und texturell, wunderbar-

            Und das Intermezzo zwischen den Hauptgängen, dass uns- warum auch immer, nicht an der Stelle serviert wurde wo es sollte.

            Ein Müsli- die scheinen grad in zu sein, aus gefriergetrockneten Gemüsen und Hafermilch, wenn ich das richtig erinnere. Leider weichen die Erinnerungsmenükarten recht stark von dem ab, was wir serviert bekamen.

            Dieses Müsli nun, ein kleiner tiefer Teller mit kalter Hafermilch und allerlei dehydriertem Gemüse, vermochte als einziger Teller des ganzen Abends, den ganzen Kopf mit Geschmack auszufüllen. Ein fantastischer Akkord aus vielerlei irdischen Komponenten, serviert in feinster ätherischer Varianz.

            Die Desserts sind ebenfalls wunderbar, es wir auch Gemüse verkocht aber darüber nicht der Zucker vergessen und es wird mehr angerichtet, als in allen "deftigen" Gängen. Wir habe uns mit gutem Brot und Dessert satt gegessen, der Rest war Unterhaltung.

            Gute Nacht Passepartout
            passepartout
            Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession
            Zuletzt geändert von passepartout; 10.10.2016, 02:50.

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            • "Gemüse-Müsli"

              ein "Klassiker" dort:
              (gibt es eine Version 2016? oder ist es immer gleich?)

              http://www.ippenburg.de/garten-to-go...s-buehner.html

              Rezept auch in:

              https://buchgourmet.com/buch/kochsch...s-sternekochs/

              https://buchgourmet.com/buch/die-faz-gourmetvision/

              Thomas Bühner - SZ Bibliothek der Köche
              Zuletzt geändert von R8c; 10.10.2016, 11:27.

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              • Zitat von R8c Beitrag anzeigen
                "Gemüse-Müsli"

                ein "Klassiker" dort:
                (gibt es eine Version 2016? oder ist es immer gleich?)
                Vielen Dank für den Hinweis, es war die beschriebene Zubereitung.

                Gern möchte ich meinen Worten noch etwas die Kraft nehmen, da wir für uns wirklich einen schönen Abend hatten.

                Vermutlich waren unsere Erwartungen ein wenig überhöht und das Team, hatte nach dem -wie es scheint- sehr kurzfristigen Weggang von Frau Kanagaratnam/Garthoff, nicht den harmonischsten Tag. Das die sicherlich tadellose Küche nicht in vollem Umfang unseren Geschmack traf, ist ärgerlich aber nichts was zu beanstanden ist.

                Viele Grüße

                Passepartout

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                • Ein Haus mit Stil und ausgezeichneten Speisen und Getränken

                  Das Restaurant befindet sich im Haus Tenge – ein unter Denkmalschutz stehendes, klassizistisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das inmitten der historischen Altstadt von Osnabrück, gegenüber dem Rathaus des Westfälischen Friedens, zu finden ist.

                  Zuletzt kaufte es der Stahlmanager und spätere RWE-Chef Jürgen Großmann. Sein Vermögen betrug laut Manager Magazin im Jahr 2008 rund 1,35 Milliarden Euro. Damit konnte er sich schon einige kostspielige Hobbys leisten. Er hatte unter anderem Interesse an Spitzenküche, an der es nach seiner Meinung in Osnabrück mangelte. Daher übernahm er das Restaurant „la vie“, das gegenüber dem Heger Friedhof lag und verlegte es in das Haus Tenge. Er stattete den Bankettsaal mit Werken des Malers Markus Lüpertz aus.
                  Nach einem Umbau im Jahr 2006 wechselte Großmann das Küchenteam komplett aus. Er holte sich Thomas Bühner aus dem „La Table“ im Casino Hohensyburg ins Haus.

                  Schon 2007 erhielt das Restaurant „la vie“ zwei Sterne. Aber der weitere Weg zum dritten war steinig. Manche Kritiker glaubten sogar, dass das nichts mehr wird.
                  Doch die Ausgabe 2010 des Guide Michelin machte Bühner endlich zum Hoffnungsträger für den dritten Stern und Anfang November 2011 war es dann perfekt.

                  Ambiente

                  Das Herrenhaus, das durch seine verwinkelte Bauweise und Nutzung in nahezu jedem Raum etwas Neues bietet, haben wir natürlich nicht wirklich kennen gelernt. Wir gingen durch die Türe geradeaus über einen roten Teppich und wurden direkt freundlich begrüßt.
                  Am Pult vorbei wurden wir sofort zu unserem Platz geführt. Es war ein großer runder Tisch. Klassisch weiß eingedeckt.
                  Die riesigen Servietten fielen sofort ins Auge. Die Sitzmöbel waren äußerst bequem.
                  Wir hatten einen freien Blick auf die Spirituosen, auf moderne Kunst an der Wand und die asiatische Kopfplastik.
                  Die Tische hatten einen perfekten Abstand zueinander. Es herrschte insgesamt eine gediegene, geschmackvolle Eleganz. - Mir hat dieser Raum sehr gut gefallen.

                  Service

                  Der Service unter der Restaurantleiterin agierte freundlich, zuvorkommend und diskret; in meinen Augen überhaupt nicht formell, sondern seriös und heiter zugleich.
                  Das Auftreten des Sommeliers war ebenfalls sympathisch, offenen und angenehm.
                  Unterstützt wurden die Beiden von einer weiteren Damen und einem Herren.
                  Ich wüsste keine Stelle, wo es in diesem Bereich etwas zu verbessern gäbe.
                  Auch der Chef ging von Tisch zu Tisch und begrüßte seine Gäste persönlich.

                  Die Karte(n)

                  Wir haben im Vendome mit dem Lunch beste Erfahrungen gemacht. Und wir lieben ausgiebige Mittagsessen, weil uns am Abend ein großes Menü oft den guten Schlaf später raubt.
                  Ein Bericht von „Küchenreise“ - allerdings noch aus dem Jahr 2015 – über sein Mittagessen dort, hat uns sehr zugesagt.
                  Also haben wir auch die Lunch-Zeit im la vie gewählt. Das größere Menü heißt:

                  LE | GRAND | CHEF „innovation I avantgarde“

                  Gruß/Grüße aus der Küche

                  oolong | nori | walnuss

                  Der chinesische Tee wurde aus einer Kanne in die Schale auf die Alge und die Nuss gegossen. Weiche Bittertöne des Getränks verbanden sich mit der leichten Süße und der herben Art der Nuss.
                  Damit wurde der Mund auf die Speisen vorbereitet.

                  anchovis | ziegenmilch | fermentierte pfefferminze

                  Ein dünner Chip bedeckte den Ziegenkäse, der noch in einer bräunlichen cremeartigen Paste steckte. Die Milch hatte einen typischen starken Eigengeschmack und wurde durch die anderen Komponenten beim Verzehr etwas abgemildert.

                  Diese beiden Grüße ließen uns insgesamt etwas ratlos zurück, weil wir ihre Absicht oder die Verbindung zu den Gängen im Menü nicht erkennen konnten. Aber wir haben auch nicht nachgefragt; denn wie bei humorvollen Bemerkungen über die ich nicht lachen kann, lasse ich mir in der Regel den Sinn nicht erklären (wie etwas: Witze werden an Tisch drei entschlüsselt).

                  In anderen Restaurants waren die Grüße oft für mich echte „Knaller“ (Vendome, Sonnora, Schwarzwaldstube, …).

                  Aber sehr erfreulich waren die Brote, die serviert wurden. Ich liebe Brot. Wenn Brot so schmeckt, ist es für mich sogar ein eigener Gang. Und hier hatte die Pattiserie hervorragendes geleistet.
                  Das erste Brot war wohl ein Mischbrot. Die Kruste war dunkel und knusprig – so wie ich es liebe. Die Krume war angenehm weich und locker. Das Brot schmeckte pur und auch mit der Salzbutter in Kombination ausgezeichnet.
                  Ein weiteres Brot war eine Focaccia. Dieses Fladenbrot war ebenfalls großartig. Nicht zu knusprig außen und mit köstlichen Thymian-Noten. Innen locker, luftig und trotzdem nicht zu weich, sondern ideal zum Auftunken von allerlei Produkten auf den Tellern in der Folge. Viel besser als ein Gourmetlöffel.
                  Aber ich esse Brot auch zwischen den anderen Gängen stückchenweise gerne.

                  Die verkosteten Speisen

                  Die Gänge hatten die folgenden Titel (auf der Karte werden alle Worte klein geschrieben):

                  * wagyu japanisch 30 d dry aged | salad - kabeljau consommé

                  Optisch hat mir der Teller sehr zugesagt. Das Fleisch war hauchdünn geschnitten und sah wie gemalt aus. Der Eigengeschmack soll sicher voll zum Tragen kommen, weil es für mich nicht spürbar gewürzt war. Darunter befand sich auch noch etwas zarter Fisch. Die Salatblättchen obenauf waren von ausgezeichneter Frische. Die Consommé hatte eine goldene Farbe – auch hier ein Schwerpunkt auf dem Eigengeschmack des Kabeljau.

                  * octupus | wildschwein-emulsion - kimchi | rosenkohl

                  Tintenfisch- und Schweine-Bauch-Stückchen waren halbkreisförmig angeordnet. Dazuwischen waren Rosenkohlblättchen und etwas Dill. Auf einer weiteren gedachten Linie befanden sich symmetrisch zwei Orangensaucenkreise und in der Mitte eine dunkle Jus (Wildschwein).
                  Fisch und Fleisch schmeckten mir typisch für ihre Eigen-Art. Ebenso das Gemüse, das wohl fermentiert war. Die Emulsion hat mir ausgesprochen würzig geschmeckt – das hat mich gefreut, denn ich mag eine mutige Stärke. Auch die gelben Kleckse waren kräftig abgeschmeckt.
                  Der Gourmetlöffel, der fast bei jedem Gang eingedeckt wurde, hatte aber kaum eine Chance auf einen Einsatz; denn der Teller war bei mir stets vorher schon leer. Winzige Rest-Spuren ließen sich auch viel angenehmer mit dem oben erwähnten Brot aufnehmen.

                  * impérial caviar | süßkartoffel

                  Bei diesem Gang wurden zwei Gefäße aufgetragen. Der Kaviar hatte einen feinen Meeresgeschmack. In der Schale war eine – im ersten Augenblick – flüssige Creme. Überrascht war ich, dass bei Berührung mit dem Löffel, die Oberfläche sich in feste Stücke verwandelte. Ich weiß nicht, was die orange-gelbe Süßkartoffel-Emulsion zu diesem Wechsel im Aggregatzustand brachte. Mir schmeckten jedoch diese „Schollenstücke“ im „Creme-Kartoffel-Meer“. Meine Frau konnte sich damit nicht anfreunden – weiche Konsistenzen sind ihr meist suspekt; aber sie hat probiert.

                  * auster (gillardeau) | kalbsbries - portulak | austernsauce

                  Diese Kombination habe ich noch nie probiert. Aber das will ich ja auch in einem Sternerestaurant. Eintönigkeit ist mir ein Gräuel.

                  Kalbsbries – ich weiß nicht warum – schmeckt mir eigentlich immer; jedoch schätze ich es meist am liebsten leicht gebraten – hier gab es jedoch keine Röstaromen zu erspüren.

                  Austern (ähnlich wie Trüffel) scheinen nicht grundsätzlich mein Ding zu sein. Immer wieder habe ich sie in verschiedenen Restaurants verkostet – und es hat mir nur selten wirklich zugesagt. Für mich bereitet Helmut Thieltges diese beiden Zutaten unnachahmlich zu. Dieser Eindruck hat sich heute nicht verändert.

                  Auch hier haben mich die Saucenpunkte voll überzeugt, ich könnte davon auch größere Mengen vertragen (Gourmetlöffel siehe oben).

                  Ich glaube, dass ich auf meinem Teller die kleine Lauchstange, die es gibt, gefunden habe. Solche Kleinigkeiten können mit immer wieder Freude bereiten.

                  Weil der Geschmack dieses Gerichts für mich ungewohnt war, habe ich Gefallen an diesem Teller gefunden.

                  * étouffée taube l wacholderrauch - karamellisierter kürbissaft

                  Zum Hauptgang wurden uns zwei herrliche unterschiedliche Fleischmesser gereicht. Ich mag solche Essgeräte (ich sammle zum Beispiel Menü-Gabeln mit fünf Zinken).

                  Doch zum Fleisch: Es waren mehrere verschiedene Teile der Taube auf dem Teller zu finden. Sie waren „wild“ angerichtet, aber trotzdem schön präsentiert. Ich denke, dass die Garmethode sous vide war – jedenfalls sanft. Ich stehe dieser Zubereitungsart gespalten gegenüber: manche Teile werden großartig, andere halte ich für missglückt. Grundsätzlich mag ich eben Röstaromen.
                  Keine Frage für mich: Hier hatte der Koch alles richtig gemacht. So zart, so weich, so köstlich war die Taube.
                  Auch der eingedickte Kürbissaft passte in meinen Augen sehr vorteilhaft zur Taube. Süße Saucen schmecken mir nämlich durchaus selten zu herzhaften Gerichten.

                  * neues gold aus kalkriese

                  Dann war die Patisserie an der Reihe. Und vorweg: diese Arbeiten haben mich voll überzeugt.

                  Was verbarg sich hinter diesem Titel „Neues Gold aus Kalkriese“? - Es ist wohl eine Anspielung auf die Varus-Schlacht und das entsprechende Museum und deren Funde.
                  Einen ausführlichen Bericht dazu habe ich gefunden: http://www.pressreader.com/

                  Mit einem neuen Verfahren wurden die Augustus-Münzen (Grundlage ist wohl ein Karottensaft) nachempfunden. Jedenfalls hat sie mir geschmeckt.
                  Auch die weiteren Teile auf dem Teller sahen gut aus und schmeckten überraschend: Ein Gebäck, das für mich wie Blutwurst aussah, zum Beispiel. Schokoladenfäden, die wie eine Schnur aussahen. Um nur einige Dinge zu nennen.

                  * brachfeldfrüchte | ein wenig kokosnuss - karamell brotcrumble

                  Diverse Zutaten waren zu kleinen Türmen, Kringeln oder langen dünnen Würsten verarbeitet worden. Ein Bild konnte ich erkennen. Egal, es schmeckte. Weiche, harte, warme und kalte Abschnitte fügten sich zusammen.
                  Eine zungenförmige Bucht in Rot reichte bis zum Tellerrand. Darin erkannte ich Rote Bete, die süß-sauer im Mund die Geschmacksnerven ansprachen. Ein kleiner heller See war wohl von der Kokosnuss geprägt. Linien von geröstetem Getreide glaube ich auch noch erkannt zu haben.

                  Zum Abschluss bestellten wir noch einen Espresso. Dazu bekamen wir noch eine kleine Zugabe.

                  Meine Frau bekam essbare Legosteine aus Fruchtsäften (weil sie keine dunkle Schokolade mag). Die Lego-Köche waren aus Plastik und nur eine Erinnerung an die Leute in der Küche.

                  Ich erhielt eine Dose mit Schokoladenteilen: Blätter, Küchlein, ein Macaron (ohne Mandeln) und eine Praline. Das sah etwas mehr für mich aus.
                  Aber: dann kam noch der Nussautomat. Nach der Drehung des Rades kamen aus der Öffnung bunte Kügelchen (und ich vertrage Mandeln und Haselnüsse nicht) heraus.

                  Das passte zum Kaffee.

                  Wir zahlten und entschwanden in die Innenstadt. Es war recht kalt und daher besuchten wir nur noch einige Kirchen, die am Wege lagen.

                  Menü 188,00 €

                  Getränke

                  Cocktail la vie (12,50 €)
                  Sanbitter (7,00 €)
                  Gerolsteiner medium (10,00 €)

                  Rust Zwetschge, Bremen (14,00 €)

                  Zum Abschluss des Lunch ging mein Blick nochmals zu den schönen Flaschen der Digestive. Natürlich fielen mir die Rochelt-Produkte dabei ins Auge. Der Sommelier machte mich im Gespräch auf einige Brände aus Bremen aufmerksam. Daraufhin orderte ich ein Gläschen davon. Und ich muss sagen BIRGITTA RUST PIEKFEINE BRÄNDE werde ich sicher nicht das letzte Mal probiert haben.

                  Espresso (4,50 €)

                  Weindegustation 90,00 €

                  HENRI BOURGEOIS - LE PETIT BOURGEOIS 2015 - Val de Loire - 100% Sauvignon Blanc
                  Chateau Ste. Michelle - Dr. Loosen Riesling "Eroica" trocken 2014 - Washington State
                  ÔMINA ROMANA Chardonnay 2013 - IGP Lazio Bianco
                  Suertes del Marqués La Solana 2013 - Teneriffa - 100% Listán Negro
                  Domaine du Traginer Banyuls Rimage 2012 – Roussillon - Grenache / Grenache Gris / Carignan

                  Da die Weine alle im Fachhandel zu relativ moderaten Preisen nachzukaufen sind, waren sie neben dem Genuss zum Essen auch eine Anregung für zu Hause. - Und bis auf den Eroica waren sie für mich auch neu. Daher gehört ein Dank an den Sommelier an diese Stelle – zumal er beim Nachschenken auch nicht knickerig war.

                  Preis-Leistungs-Verhältnis

                  Wie so oft kann man über die Getränkepreise und deren Kalkulation diskutieren; bei den Speisen finde ich das aber nicht angebracht.

                  Fazit

                  4 – gerne wieder. Es war ein herrlicher Nachmittag mit köstlichen Speisen und Getränken.

                  Warum keine 5 ? - Vermutlich waren unsere Erwartungen an den Dreisterner teilweise ein wenig zu groß. Dass die wirklich ausgezeichnete Küche nicht in vollem Umfang bei jedem Gang unseren Geschmack traf, ist zwar ein kleiner Wermutstropfen aber kein Grund zu meckern, sondern die Erkenntnis: So ist die Küche hier wohl und einen weiteren Besuch können wir uns sicher trotzdem vorstellen.

                  (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                  Datum des Besuchs: 10.02.2017 – mittags – zwei Personen

                  Einige Bilder: http://kgsbus.beepworld.de/

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                  • Das ist sehr angenehm dass sie die Weinbegleitung so genau aufführen. Dafür vielen Dank!

                    Wobei ich leider sagen muss dass ich die Auswahl, völlig unabhängig vom Preis, als nicht besonders verlockend empfinde. Welcher Wein hat Ihnen denn besonders gut geschmeckt? Beim Le Petit Bourgeois hätte ich die Weinreise direkt storniert, der Wein hat in so einem Haus eigentlich nichts verloren. Der Rest ist zwar besser, aber besonders viel Mühe hat man sich für mein Verständnis trotzdem nicht gegeben. Es verblüfft mich immer wieder ,wie dramatisch das Gefälle bei der Weinbegleitung ist zwischen Häusern die von der Küchenleistung her auf gleichem Niveau stehen.

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                    • Einen solch detaillierten und kenntnisreichen Bericht habe ich hier lange nicht gelesen – vielen Dank! Ich bewundere die Präzision, mit der Sie Ihre Eindrücke beschreiben. Notieren Sie sich was während des Essens – denn das finde ich als Genießender gar nicht so einfach – oder ist Ihre Erinnerung tatsächlich noch so genau?
                      Und da Sie sogar den Zeitpunkt Ihres Besuchs nennen: Ist Ihnen die Anonymität als Berichtender nicht so wichtig?

                      Fragt mit kulinarischen Grüßen

                      Tobler

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                      • Vielen Dank für den Bericht!

                        Sie schreiben von Ihrer Vorliebe für Röstaromen und zudem an einer Stelle: "Meine Frau konnte sich damit nicht anfreunden – weiche Konsistenzen sind ihr meist suspekt."
                        Wenn ich nun Ihren Bericht recht verstehe, gab es ja (Brot und Patisserie ausgenommen) praktisch nur Gerichte mit weichen Konsistenzen und sous vide oder anderweitig röstaromenfrei zubereitet. Inwiefern beeinflusst das Ihr Fazit?
                        Und empfanden Sie das Menü dennoch als abwechslungsreich?

                        Bzgl. der Weinbegleitung möchte ich mich Herrn glauer anschließen - das ist in Summe schon recht simpel gestrickt.

                        Beste Grüße
                        Q.

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                        • Also ich versuche die Fragen zu beantworten:


                          glauer: Mir haben beim Wein Eroica und La Solana zugesagt.

                          Tobler: Ich mache Fotos und bitte den Service alle Speisen und Getränke mir zu notieren. Aufzeichnungen entfallen fast ganz. Beim Servieren mache ich die Bilder ganz schnell - und dann esse ich ganz langsam und tausche mich mit meiner Gattin aus. Meine Texte schreibe ich dann ein paar Tage später auf, wenn ich die Bilder und die Informationen vom Service dazu ansehe. Durch die vielen Fragen und die Bilder falle ich sicher schon so auf, dass ich nicht anonym bleibe - und eine bessere Behandlung erfahre ich ja auch nicht: siehe die Weine (aber ich fand den Sommelier trotzdem sympathisch und offen).


                          quartalsesser: Es war eben die Erfahrung, dass "weiche" Sachen auch schmecken können - einige fand meine Frau sogar großartig (Taube zum Beispiel). Noch schlimmer fand meine Gattin jedoch die Phase, als alle Küchen zu jedem Gang ein anderes Breichen servierten oder Saucen angossen. - Wobei ich auch die Saucen gerne extra habe und sie über alles liebe und sie hier teilweise vermisst habe. - Das Menü war für uns beide auf jeden Fall abwechslungsreich. Die Grüße einmal ausgenommen.

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                          • Gerichte wie dieses Neue Gold aus Kalkriese berühren mich unangenehm. Diese möglichst realistischen Schlachtfeldüberreste aus der Antike - man kann die Münze, das Blut, die Erde und die Schuhbänder auf Ihrem Foto ja gut erkennen - gehen für mich schon in Richtung Perversion. Will man das wirklich essen? (Einiges zur Enstehung des Desserts gibt es übrigens hier zu lesen: http://www.noz.de/lokales/osnabrueck...ery&0&0&828026)

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