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Goldener Anker - Dorsten/ * - 15 GM - 6 GP

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  • Goldener Anker - Dorsten/ * - 15 GM - 6 GP

    Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Bericht verfassen und hier ins Forum stellen möchte aber mein letzter Besuch vor ca. 2 Wochen hat mich schlichtweg überzeugt. Somit haben es Herr Freitag und sein Team fairer Weise einfach verdient, mit Namen erwähnt zu werden.
    Auch ich bin kein Fan medialer Omnipräsenz aber Herr Freitag findet meiner Meinung nach hier eine ganz gute Lösung. Man sieht ihn nicht auf allen Sendern, jede Woche und er bleibt sympathisch dabei.
    Seine, auf WDR zu sehende Staffel, der Vorkoster, richtet sich an den Verbraucher, es werden z.B. Fragen über Nachhaltigkeit und Qualität von Lebensmitteln beleuchtet und keine Konfrontation mit der
    Industrie gescheut.
    Das wichtigste von allem jedoch, Herr Freitag ist stets in “seiner Küche” anzutreffen, liefert solides
    Sterneniveau ab und scheut sich dabei nicht, immer wieder neue Geschmackskombinationen mit Erfolg auszuprobieren.

    Für mich persönlich hat sich eine besondere Verbindung mit dem Goldenen Anker ergeben. Es liegt noch kein ganzes Jahr zurück, da trat ein überaus (wissens-) hungriger, kleiner Schmackofatz die ersten Fußstapfen hinauf, um die ersten Erfahrungen mit der Sterneküche zu machen :hungry:!
    Auch wenn ich mich nicht mehr im Entferntesten an das Menü erinnern kann, es hatte mich überzeugt und ich wurde regelrecht geimpft mit dem Virus !
    In Erinnerung behalten, hatte ich den zuvorkommenden, reizenden und durchweg weiblichen Service, geführt von Sommelière Fr. Pohlmann.

    Zur Küche:

    Herr Freitag bietet in seinem Haus ein stetig wechselndes Feinschmeckermenü a 6 Gängen und eine übersichtliche ALC-Auswahl an. Das Menü kann ohne Probleme ergänzt und/oder einzelne Gänge
    gestrichen werden.

    Das Menü:

    Geeiste Entenleberterrine mit Zitronengrasbrioche und Aprikosenconfit
    ( die Terrine ein wenig zu geeist aber wunderbar vom Geschmack, Confit und Brioche exzellente Begleiter)

    Kaninchenrücken mit Trüffeljus, zweierlei Petersilie
    ( der schwächste Gang. Sowohl vom Handwerk als auch von der Menüfolge nicht passend )

    Krosse Rotbarbe mit rote Beetrelish und Blumenkohlpüree
    ( tolle Kombination, hervorragendes und kross auf der Haut gebratenes Stück Fisch, aromatisches Püree begleitet von einem perfekt abgeschmecktem Relish von rote Beete --> Chapeau!

    Gebratener Steinbutt mit Tomaten-Spinatsauté und Zartweizenrisotto
    ( diesen Gang wählte ich zusätzlich aus der Karte und es sollte der Beste des Menüs werden! Der Steinbutt, exzellent gebraten, lag auf einen ausgezeichneten Risotto, welches hier nicht schlotzig, sondern mit Biss aber trotz allem einer sämigen Note interpretiert wurde. Klasse!
    Das Sauté war ohne jeden Tadel und harmonierte sehr gut.

    Kalbsfilet mit Langusten Dimsun, Pfifferlingsspargelsauté und Kartoffelschaum
    ( das Fleisch sollte diesmal a point auf den Teller kommen. Insgesamt geschmacklich alles sehr gut aber vom Stuhl gehauen hat es mich nicht!

    Auswahl an reifer Käse, dazu hausgemachter Früchtesenf ( Birne, Feige )
    (Toller Käse mal nicht von Herrn Waltmann, sondern aus Bad Tölz, vom Tölzer Kasladen!)

    Schokoladenmousse Törtchen mit Balsamico-Wildpfirsich und Hibiskusblütenparfait
    (sehr schöne Kombination, das Törtchen noch einen Tick flüssiger im Kern und es wäre perfekt gewesen)


    Die Weinbegleitung:

    Fr. Pohlmann versucht aus einem sehr guten Angebot stets den richtigen Tropfen für das Menü zu finden und stellt sich überaus gut auf individuelle Geschmäcker ein. Die eigentliche Begleitung sagte mir nicht zu 100% zu, so dass einige Weine ohne Probleme und letztlich toll zu den einzelnen Gängen gemundet haben.
    Hervorragend hier vor allem eine 2010er Scheurebe Auslese, Weingut Krieger, Pfalz, zu der Entenleber-Terrine - ein 2010er Gaba do Xil blanco Godello, Bodegas Telmo Rodriguez, Galizien oder ein 2009er I Capitelli, Anselmi aus Venetien.


    Fazit:

    Ich persönlich finde die Küche von Herrn Freitag sehr interessant, nicht immer ganz gelungen aber stets auf gutem Sterneniveau. Wenn Sie einen genussvollen Abend, in stilvollem Ambiente und für einen angemessenen Preis haben wollen, ist diese Adresse immer eine Reise wert!
    Der Service ist sehr zuvorkommend und Frau Pohlmann immer für einen netten Plausch zu haben.
    Die 15 Punkte des GM entsprechen m.E. nicht der aktuellen Leistung. Ich würde ganz klar 16, mit Tendenz nach oben geben.



    MKG, Schmackofatz

  • #2
    Besten Dank, werter Schmackofatz! Warum haben Sie lange überlegt, ob Sie berichten sollen? Gerade Häuser, die hier sonst wenig Aufmerksamkeit erhalten, sind doch fürs Forum besonders interessant!

    Zitat von Schmackofatz Beitrag anzeigen
    Für mich persönlich hat sich eine besondere Verbindung mit dem Goldenen Anker ergeben.
    Das kann ich gut verstehen; ich habe ebenfalls gewisse Sentimentalitäten (was für ein Wortmonster ) für mein "erstes Sternerestaurant". Es schmeckt mir dort immer besser als wirklich gekocht wird! (Und eine ähnliche Anhänglichkeit an ihr "erstes" beobachte ich auch bei meinen Freunden...)


    Grüße, Mohnkalb

    P.S. Zitronengrasbrioche - wie muss ich mir den vorstellen? Schmeckt nach Zitronengras?

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    • #3
      Finde solche berichte auch immer sehr interessant.

      Mein erstes Sternerestaunt. Das wäre doch mal einen eigenen Thread wert.


      Gruß!

      Kommentar


      • #4
        http://forum.restaurant-ranglisten.de/newreply.php?do=newreply&noquote=1&p=10141

        Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
        Besten Dank, werter Schmackofatz! Warum haben Sie lange überlegt, ob Sie berichten sollen? Gerade Häuser, die hier sonst wenig Aufmerksamkeit erhalten, sind doch fürs Forum besonders interessant!
        Da haben Sie vollkommen recht und ich weiss selber nicht ganz genau, warum ich so lange überlegen musste.
        Manchmal steht man sich selbst im Weg .

        Zitat von Mohnkalb Beitrag anzeigen
        P.S. Zitronengrasbrioche - wie muss ich mir den vorstellen? Schmeckt nach Zitronengras?
        Nun, recht simpel nach Zitrone. Stellen Sie sich ein simplen Zitronenkuchen vor und Sie haben den Geschmack auf der Zunge. Begleitend lag klein gehacktes Zitronengras auf der Terrine.


        Beste Grüße, Schmackofatz
        Zuletzt geändert von Schmackofatz; 06.07.2011, 02:25.

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        • #5
          Meine Frau und ich weilten an einem Samstagabend im März diesen Jahres im „Goldenen Anker“ und waren vom Preis-Leistungs-Verhältnis sehr angetan! Wir zahlten 79 Euro für ein Vier-Gang-Menü inklusive einer Flasche Mineralwasser und drei Gläsern Wein pro Person, was wirklich eine mehr als faire Kalkulation ist! Den Service unter Frau Pohlmann haben wir ebenfalls als sehr angenehm empfunden, und auch das Ambiente weiß durch seine modern-elegante Note zu überzeugen. Einziger Kritikpunkt vielleicht die etwas zu eng gestellten Tische, sodass man von den Nebentischen so manche Anekdote mitbekommt, auf die man vielleicht besser hätte verzichten können…. Doch nun zur Hauptsache, dem Essen:

          Als Vorspeise wurde eine geeiste Gänseleberterrine mit Nashi-Birne, Muskatblüte und Brioche gereicht: schöne, klassische Gegenüberstellung von süßen (Nashi-Birne) und herzhaften (Gänseleber) Elementen. Die Muskatblüte war leider kaum herausschmeckbar und die Brioche sehr trocken geraten, sodass das eigentlich recht gute Gesamtbild etwas getrübt wurde (*-)

          Der zweite Gang bestand aus einem Knusper-Skrei mit Estragon, Steckrüben und Honig-Mettenden: der Fisch war knusprig ausgebacken, hatte dabei aber seine Saftigkeit nicht verloren. Die westfälisch angehauchte Entourage, also die Steckrüben und die erst etwas befremdlich klingenden Honig-Mettenden, passten sich gut in das Gericht ein, da vor allem die ansonsten doch sehr kräftig-herzhaften Mettenden gekonnt durch den Honig abgemildert wurden und so dem Fisch Raum zur Entfaltung ließen (*)

          Highlight des Menüs ganz klar der Sauerbraten vom Hirschfilet mit Vanille-Schwarzwurzeln und Walnuss-Cranberrysugo: hervorragend der mürbe, auf den Punkt geschmorte Sauerbraten, der von den Schwarzwurzeln und dem Sugo sehr gut begleitet wurde. Eine mehr als gelungene, sehr harmonische Gesamtkomposition (*-**)

          Den Abschluss bildete ein Ananas-Schmand-Törtchen mit grünem Koriandersorbet: geschmacklich gelungen, aber nicht unbedingt herausragend, wobei die das Auge erfreuende Anrichteweise am meisten in Erinnerung blieb (*-)

          Was insgesamt auffällig war – und das ist vielleicht nicht jedermanns Sache – war die Tatsache, dass jedes Gericht durch Elemente mit süßem Hintergrund (Nashi-Birne, Honig-Mettenden, Vanille-Schwarzwurzeln, Cranberrysugo) begleitet wurde. Uns hat dies nicht großartig gestört, doch hätte man sich vielleicht manchmal insgeheim ein wenig mehr „Power“ durch Schärfe, Säure etc. gewünscht, also Eigenschaften, die durch die immer leicht durchschmeckende Süße manchmal etwas auf der Strecke blieben.

          Alles in allem aber eine durchaus empfehlenswerte und sympathische Adresse in Dorsten, deren Küche insgesamt nicht an den Konkurrenten „Rosin“ im benachbarten Wulfen heranreicht, die aber durch ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis besticht (zumal vor jedem Gang noch kleine „Schmackofatze“ ähnlich wie bei Frank Rosin gereicht wurden) und somit von uns bestimmt nicht zum letzten Mal besucht wurde. Die Bewertungen der Führer finde ich derzeit sehr angemessen, im 16- oder 17-Punkte-Bereich wie Schmackofatz hingegen sehe in den „Goldenen Anker“ im Moment aber noch nicht!
          Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 15.05.2012, 21:58.

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          • #6
            Das Problem mit der Süße ist halt oft eine so erreichte Harmonie im Gericht (vgl. Glutamat) und das bei manchen Küchen im gesamten Menü. Eine Sicherheitsleine, die wir gerne auch mal reißen lassen würden. Wie Sie schreiben sind Schärfe oder Säure meist bessere Komponenten

            Herr Sternentor

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            • #7
              Dank für den prägnanten Bericht!

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              • #8
                Herzlichen Dank für Ihren Bericht, werter El Grande Gourmet!

                Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
                Die Bewertungen der Führer finde ich derzeit sehr angemessen, im 16- oder 17-Punkte-Bereich wie Schmackofatz hingegen sehe in den „Goldenen Anker“ im Moment aber noch nicht!
                Hier handelte es sich um eine "momentane" Einschätzung nach meinem Besuch vor knapp einem Jahr. Insgesamt liegen die Führer mit Ihrer Einschätzung glaube ich ganz richtig aber dies werde ich in diesem Jahr noch testen .

                Mkg,
                Schmackofatz

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