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"Reuter" in Rheda-Wiedenbrück

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  • "Reuter" in Rheda-Wiedenbrück

    Heute Mittag ein kurzer Abstecher nach Rheda-Wiedenbrück (genauer: in den Ortsteil Rheda) ins Hotel-Restaurant Reuter zu Iris Bettinger und Marco Rückl. Das Restaurant ist den den Führern wie folgt bewertet: GaultMillau 15 P, Feinschmecker 2+, Gusto 6/10; das Bisto hat den Bib-Gourmand.
    Iris Bettinger lernte im Freiburger "Colombi", in der "Käfer-Schänke" und dem "Mark's" in München. Im Jahr 2007 übernahm sie dann den elterlichen Betrieb, das "Reuter". Dort kocht sie, als hätte sie noch viel vor. Sie ist eine der leider wenigen Frauen, die Mitglied der "Jeunes Restaurateurs" ist. Normalerweise wird mittags (bis auf Sonn- und Feiertage) nur die Bistrokarte oder das Bistromenü angeboten – man machte bei uns heute eine Ausnahme.
    Meine Frau nahm von der Bistrokarte einen Feldsalat (mit schöner fruchtiger Vinaigrette) für 6,50 €. Bei mir durfte es dann sein: Feines Thunfischtatar vom Yellowfin Thunfisch mit Kokos-Cotta, Sojagelee & gebackenen Krabbenbrot (17 €). Als Hauptgang nahmen wir beide: Hasenrücken mit Gewürzkruste, Petersilienwurzelmousseline & Rotkrautröllchen (31 €). Von der Optik, Sensorik und Komposition alles auf einem 1-Sterne-Niveau. Vor allem: beide à-la-carte-Gerichte bewirkten bei mir den gewissen aha-Effekt, der mir in vielen 1-Sterne-Restaurants so häufig fehlt! Als Weinbegleitung: 2010er Pfaffmann Chardonnay Kalkgestein Spätlese trocken (0,3 Karaffe für 14,85 €).
    Fazit: Wer aus dem kulinarisch gut versorgten Rheinland einmal auf der A 2 gen Berlin fährt, sollte bei Iris Bettinger einen Halt einlegen!

  • #2
    Zitat von escoffier Beitrag anzeigen
    Von der Optik, Sensorik und Komposition alles auf einem 1-Sterne-Niveau. Vor allem: beide à-la-carte-Gerichte bewirkten bei mir den gewissen aha-Effekt, der mir in vielen 1-Sterne-Restaurants so häufig fehlt!
    wenn das keine Empfehlung ist - besten Dank, werter escoffier!

    mk

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    • #3
      Freut mich für Iris Bettinger, dass es jetzt mit dem Stern geklappt hat - Herzlichen Glückwunsch!

      E.

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      • #4
        Da schließe ich mich an! Ich war vor zwei Jahren im Hause Bettinger zu Gast und schon damals von der Küchenleistung recht angetan. Schon seinerzeit war das Potenzial für einen Stern vorhanden, wobei einige Kreationen noch etwas gewollt und nicht ganz ausgefeilt wirkten. Die Weiterentwicklung, die anscheinend stattgefunden hat (und nun mit einem Stern belohnt worden ist), freut mich, und ich werde mich mit Sicherheit in Bälde selbt von diesem "Entwicklungsschub" überzeugen, zumal das "Reuter" von mir über die Autobahn in einer halben Stunde erreichbar ist!

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        • #5
          Aufgrund des erstmals über dem Restaurant „Reuter“ erstrahlenden Sterns musste natürlich zwecks Überprüfung dieser neu vergebenen Auszeichnung ein Testbesuch in diesem Hause stattfinden. Ich war vor zwei Jahren schon einmal zu Gast und damals (mit kleinen Einschränkungen) recht angetan von der erbrachten Küchenleistung gewesen.

          Das Restaurant war an einem Dienstagabend Anfang Dezember erstaunlich gut besucht, und das, obwohl die Stadt Rheda-Wiedenbrück sowie die sie umgebende ostwestfälische Diaspora nicht gerade als ausgemachte Feinschmeckerregion gelten. Vielleicht hatten aber der Sternesegen sowie die ausführlich darüber berichtende Lokalpresse doch den ein oder anderen Esser aus der (weiteren) Umgebung neugierig gemacht!

          Nach einem animierenden Winzersekt aus dem Hause Clüsserath-Weiler, einer ansprechenden Brotauswahl mit dreierlei Dipps sowie einem kleinen, nicht weiter erwähnenswerten Gruß aus der Küche, wurden meinem Arbeitskollegen, der vor kurzem aus dem Badischen in die westfälische Provinz umgezogen und neugierig auf die hiesige Gourmandise war, und mir folgende Kreationen serviert:

          Winterlicher Salat mit altem Balsamico und Ziegenkäsekrapfen: Der Salat durchaus ansprechend, vor allem das die einzelnen Elemente verbindende Dressing sowie der beigegebene alte Balsamico rundeten den Salat harmonisch ab, wobei die Ziegenkäsekrapfen zwar – was die Füllung betrifft – mit einer prononciert gewürzten Ziegenkäsecreme punkten konnten, der Teig der Krapfen aber leider etwas zu fettig ausgebacken war, was der Creme ein wenig die Leichtigkeit nahm (*-)

          Mit Kakao überzogene Gänsestopfleber mit Ananas und Quitte: Gänseleber, eingeordnet in einen süßen Kontext: Ein Klassiker der gehobenen Küche, bei dem man eigentlich nicht allzuviel falsch machen kann. Eigentlich, denn in diesem Fall störten einige kleine Elemente den Gesamteindruck: Die kaum auf dem Teller zu erkennenden Tropfen eines Quittengels sowie die vier kleinen, leicht marinierten Ananasstückchen konnten aufgrund ihrer geringen Dosis den Geschmack der Gänseleber so gut wie nicht unterstreichen, geschweige denn ihr etwas entgegensetzen. Auch das in homöopathischen Dosen beigegebene Kakaopulver, welches die Leber bestäubte, konnte nichts zum Gesamtakkord beitragen. Es blieben einem ein recht großer, rechteckiger Quader einer qualitativ durchaus ansprechenden Gänseleber, welchen man in Kombination mit der separat servierten Brioche goutieren konnte, was das Ganze zu einem recht eindimensionalen Genusserlebnis werden ließ (*-)

          Hasenrücken aus heimischer Jagd mit Kerbelknolle, geschmortem Chicoree, Cranberries und Wacholder-Schokoladenjus: Dies war der erste Gang, der wirklich vollends zu überzeugen wusste! Der Hasenrücken von tadelloser Qualität und dunkelrosa auf den Punkt gegart! Wie oft schon habe ich tiefgekühlte Hasen ohne jegliches Aroma in verschiedensten Etablissements verspeisen dürfen, sodass ich von dieser Aromenbombe mehr als begeistert war! Die dezente Schokoladennote der Jus sowie die leicht fruchtige Note der Cranberries überdeckten den Eigengeschmack des Fleisches nicht, sondern unterstrichen ihn perfekt. Auch die Entourage aus auf den Punkt gegarten Wintergemüsen und beigegebenen Steinpilzen rundeten das mehr als erfreuliche Gesamtbild ab. Insgesamt ein süffiges und hervorragend abgeschmecktes Gesamtkunstwerk (*-**)

          „Raffaello“ mal anders – Knusprige Kokosblätter mit Sauerrahm-Mandelcreme, eingelegten Zwergorangen und Quittensorbet: Nach dem Hauptgang, der durchaus als Referenzgericht einzustufen war, nun leider der Totalabsturz: Was sich auf der Karte spannend las, entpuppte sich als hilfloser Versuch, der Kreation aus dem Hause Ferrero neue Geschmacksnuancen abzugewinnen. Hätte man uns doch nur einige Original-Raffaello serviert, sie hätten uns mit Sicherheit mehr gemundet! Die „Dekonstruktion“ bestand aus harten Baiser-Kokosplättchen, welche mit einer unglaublich süßen und klebrigen Sauerrahm-Mandelcreme bestrichen waren. Was wahrscheinlich als Texturerlebnis aus der Kategorie „hart/knusprig – weich/cremig“ gedacht war, wurde so zu einem texturellen und geschmacklichen Desaster, welches mir in der Sterne-Patisserie selten vorgekommen ist. Auch das handwerklich ordentlich gemachte Sorbet sowie die marinierten Zwergorangen konnten hier nichts mehr retten (…)

          Als Fazit bleibt insgesamt ein etwas zwiespältiger Eindruck: Der Hauptgang hervorragend, Vor- und Zwischengericht durchaus gelungen, aber ausbaufähig, das Dessert unter der Rubrik „lieber schnell vergessen“ einzuordnen. Insgesamt würde ich mit etwas Wohlwollen die Küche aber durchaus bei einem schwachen Stern und etwa 15-Gault-Millau-Punkten ansiedeln, wobei ich im Vergleich zum meinem letzten Besuch keine allzu großen Qualitäts- und Kreativitätssprünge feststellen konnte. Ansätze für höhere Bewertungen (siehe Hauptgericht) sind durchaus vorhanden, vorausgesetzt, man arbeitet noch an kleinen Details (siehe Vor- und Zwischengänge) und überdenkt vor allem die Gesamtkonzeption der Patisserie (welche neben ein, zwei „gewagteren“ Kombinationen – siehe oben – größtenteils nur Eisbecher aus der 08/15-Kategorie anbietet)!
          Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 17.12.2012, 18:44.

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          • #6
            Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
            Als Fazit bleibt insgesamt ein etwas zwiespältiger Eindruck: Der Hauptgang hervorragend, Vor- und Zwischengericht durchaus gelungen, aber ausbaufähig, das Dessert unter der Rubrik „lieber schneller vergessen“ einzuordnen. Ingesamt würde ich mit etwas Wohlwollen die Küche aber durchaus bei einem schwachen Stern und etwa 15-Gault-Millau-Punkten ansiedeln
            Danke für diesen sehr nachvollziehbaren Bericht und den Versuch einer genauen Einordnung des Reuter!

            Grüße, Mohnkalb

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