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Die Mühlenhelle Gummersbach 16 GM Punkte

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  • merlan
    antwortet
    Böse Zungen behaupten: „Wem es in Gummersbach gefällt, dem gefällt es überall!“ Nun ja, so ganz freiwillig hat es uns auch nicht ins Bergische Land gezogen, das aber landschaftlich durchaus seine Reize hat, aber die Stadt lag halt auf dem Weg. Und schaut man für so eine Tour in den Michelin, dann entdeckt man dort tatsächlich ein Sternerestaurant, von dem man zwar immer mal gehört hat, das man aber als Reiseziel eigentlich nie auf dem Schirm hatte.

    Die schönste Seite von Gummersbach liegt im Vorort Deringhausen: „Die Mühlenhelle“ ist ein schmuckes Landhotel mit Restaurant, Bistro und Vinothek. Seit 16 Jahren wird es von dem Ehepaar Quendler betrieben; er Österreicher, der bei Lafer und auf Sylt gekocht hat, sie Schwäbin, die engagiert das Hotel managt und den Service leitet. Das ist alles wunderschön: das gesamte Ambiente des Hauses, die großzügig und modern eingerichteten Zimmer sowie die Restaurants, wobei das Sternerestaurant ruhig ein bisschen peppiger und weniger klassisch gestaltet sein könnte, aber das ist nicht wesentlich.

    Wesentlich ist das, was auf den Teller kommt!

    Unser Menü:

    Lauchquiche – Rindertatar – Lachscrèpe
    Gurkenrelish – Gurkensorbet – Saiblingskaviar

    Kalb von Kopf bis Schwanz / Meerrettich

    „Blumenkohl Polnisch“

    Seeteufel / Konfierter Spargel / Tomate

    Lamm / Aubergine / Olive

    Beere / Schokolade / Rosmarin


    Die drei Küchegrüße, die auf Löffeln serviert wurden, haben wir mehr zur Kenntnis genommen, als dass sie schon Begeisterung hervorrufen konnten. Die Lauchquiche war zu kalt und wässrig (vermutlich aufgetaut); das Tatar hatte nur einen Spritzer Zitrone abbekommen und das Lachsröllchen – na ja! Wesentlich besser gelang das Gurken-Amuse: Das Relish war herzhaft abgewürzt und stellte mit dem Sorbet einen erfrischend anregenden Einstieg dar, der Hoffnung auf ein spannendes Menü machte.

    Die Hoffnung wurde leider wenig erfüllt! Um es kurz zu machen: Dieses Menü erreichte nach unserer Erfahrung und Einschätzung kaum Sterneniveau. Was sich auf der Karte noch ganz erwartungsvoll las, entpuppte sich als ordentliche Landhausküche, als gute Bistro-Küche hier und da, die gängige Gerichte für ein breites Publikum anbietet, niemanden überrascht, aber auch niemanden verschreckt.

    „Kalb von Kopf bis Schwanz“ hört sich eigentlich ganz attraktiv an, und man hätte daraus auch durchaus was machen können. Doch auf dem viel zu überladenen Teller finden sich ein ganz schwach abgeschmeckter Kalbszungen-Salat, ein neutrales Carpaccio und eine Mini-Praline von Geschmortem. Ein paar verstreute Kapern, ein paar Scheiben Rettich, ein paar Meerrettich-Klekse – fertig. Dieses Sammelsurium wirkte nur gut gemeint und durch die fehlenden Geschmacksreize einfach nur uninspiriert gemacht. Etwas mehr Mut und ein klareres Herausarbeiten und Pointieren der unterschiedlichen Teile vom Kalb hätten hier sicherlich gut getan.

    Einen Ausflug ins Rustikale stellte der „Blumenkohl Polnisch“ dar. Was vielleicht als Gag gedacht war (siehe Anführungsstriche in der Karte!), entpuppte sich tatsächlich als nur arg gewollte Variation dieses klassischen Gerichts: Blumenkohl, Zitrone, Petersilie, Semmelbrösel und Ei; letzteres hier in pochierter Form. Diese polnische Deftigkeit schmeckt ja durchaus gut, doch erwarte ich sie nicht in einem Sternerestaurant.

    Der gebratene Seeteufel kam leider zu trocken auf den Teller; darunter eine geteilte Stange Spargel im intensiven Tomatensud – fertig! Ein gängiges Bistro-Gericht, aber auch dort sollte der Fisch auf den Punkt gebraten sein.

    Das Lamm war handwerklich perfekt rosa gegart; dazu wurde noch etwas ausgebackener Lammbauch gereicht. Mit geschmorter Aubergine lässt sich kulinarisch eher wenig anfangen, und die salzig-würzigen Kalamata-Oliven dominierten dann doch so sehr, dass auch die Sauce keine Chance hatte, sich zu entfalten.

    Das Dessert mit sehr süß angerichteten Beeren und einem massigen Block aus bitterer Schokolade konnte auch nicht wirklich überzeugen.

    Ein Wort zum Service: Frau Quendler führt souverän und zugewandt durch den Abend. Sie präsentiert eine gut bestückte und fair kalkulierte Weinkarte. Ihre freundliche Mitarbeiterin, die die Gänge serviert und kenntnisreich annonciert, macht einen richtig guten Job.

    Fazit:
    Die Mühlenhelle in Gummersbach ist eine sehr gute Hotel-Adresse, die man uneingeschränkt empfehlen kann. Für das leibliche Wohl ist in Bistro und Restaurant gesorgt, wenngleich man an das Restaurant nicht allzu große Erwartungen stellen sollte. Mit dem, was wir an diesem Abend serviert bekamen, ist der Michelin-Stern eigentlich kaum gerechtfertigt; und mit 15 Punkten im Gault-Millau ist die Küche nach unseren Eindrücken gut bedient. Ich sehe dieses Haus als lokale Institution, als erstes Haus am Platz, in dem man sehr gut Familienfeiern und andere Festivitäten in einem wunderbaren Ambiente verbringen kann. Allein wegen der Küche aber lohnt sich derzeit eher kein Umweg durchs Bergische Land.

    Ich denke, Michael Quendler kann das bestimmt auch besser, schließlich hält er seit 2013 einen Michelin-Stern. Dieser sei ihm angesichts der wunderbaren Location und der herzlichen Atmosphäre auch gerne gegönnt. Doch mag er für das Sternerestaurant seinen Gerichten etwas mehr Pep geben, mutiger zu Werke gehen und die kleinen Nachlässigkeiten bei aller Routine unterbinden. Dann nehmen wir auch gerne wieder die Strecke über Gummersbach!

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  • bernard
    antwortet
    Vielen Dank für den Hinweis auf das Restaurant, der Lust macht, dort einmal Halt zu machen.

    bernard

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  • wombard
    hat ein Thema erstellt Die Mühlenhelle Gummersbach 16 GM Punkte.

    Die Mühlenhelle Gummersbach 16 GM Punkte

    Durch Zufall haben wir dieses Restaurant (Gourmetrestaurant und Bistro) mit angeschlossenem stilvollem Landhaus kennen gelernt und waren sehr angetan.

    Michael Quendler kreierte für uns einen Hummer mit Rharbaber, der hervoragend zubereitet war und geschmackvoll abgestimmt Als weiteren Gang gab es eine perfekte Königsmakrele mit Brunnenkresse. Der Hauptgang war ein Kalbsfilet mit Spargel an einer Morchelrahmsauce. Köstlich die Morchelrahmsauce, die wir auch ohne "Beilagen" geniessen würden. Als Dessert wurde uns dann eine Gewürzschokolade mit Baileys gerreicht und dazu, was auch sehr selten vorkommt, hat uns Frau Quendler einen Sherry der Bodegas Hidalgo, Jerez gereicht.
    Als Weinbegleitung wurden uns eine Weissburgunder von Korell, ein Sauvignon Blanc von Markowitsch, ein Grauburgunder RS von Salwey. Alle Weine waren von ihr hervorragend ausgesucht worden und unterstützten die Speisen wirkungsvoll. Der Service war sehr nett und zuvorkommend und wir hatten im Restaurant, obwohl einziger Gast, nie den Eindruck das wir vergessen worden.

    Am nächsten Morgen wurde uns nach dem Aufwachen in einem der stilvollen Zimmer des Gästehauses ein ausgiebiges köstliches Frühstück im Bistro gereicht.

    Als Fazit bleibt festzuhalten: Die Bewertung ist gerechtfertigt, warum es keinen * hat, für uns nicht nachvollziehbar, das Preis / Leistungsverhältniss gut und leider nicht auf einer unserer "Rennstrecken" Schade.
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