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Le Moissonnier**, Köln

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  • #31
    Zitat von glauer Beitrag anzeigen
    Das mit dem Wein finde ich überraschend, die Weinauswahl dort kenne ich nur als sehr interessant und mit grosser Kenntnis ausgesucht. Da würden mich die Details interessieren.
    Mich auch.

    Wir waren übrigens erst vor kurzem mal wieder bei Pierre Moissonnier in dessen Restaurant "La Mirabelle" in Hamburg, das witzigerweise von außen so ziemlich genau so aussieht wie das "Le Moissonnier" in Köln. Im Le Moissonnier war ich leider noch nie, aber mit dem La Mirabelle kann ich gerne für die Wartezeit vorlieb nehmen. Ein sehr persönlicher Service, ausgezeichnetes Essen, eine hervorragende Weinkarte und dieser unschlagbare Käsewagen, mehr kann ich mir eigentlich nicht wünschen. Jedesmal, wenn ich hingehe, kriegt man übrigens auch an den Nachbartischen mit, dass alle äußerst zufrieden dort sind. Aber ich schweife ab...

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    • #32
      Zitat von glauer Beitrag anzeigen
      Das mit dem Wein finde ich überraschend, die Weinauswahl dort kenne ich nur als sehr interessant und mit grosser Kenntnis ausgesucht. Da würden mich die Details interessieren.

      Und wenn die ** gerechtfertigt sind, dann erscheinen mir 80 Euro für das Menü mit 4 Gängen nicht gerade dramatisch, oder wo lag preislich der Hase im Pfeffer?
      Wir waren Mitte vergangenen Jahres dort und können beide Aussagen nicht bestätigen. Bei uns gibt`s nach jedem Besuch nur die Diskussion "muss ich 80 EUR bezahlen, um den ganzen Abend eine Geräuschkulisse wie auf dem Kölner Hauptbahnhof zu haben".

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      • #33
        Sphérico,
        Beim ersten Gang bin ich wie folgt vorgegangen. Zuerst die drei Jakobsmuscheln verspeist, ohne alles. Wunderbarer Muschelgeschmack, leicht glasig. Erst dann die Sauce und danach das "Gemüse". Beim zweiten Gang dann wurde wie üblich alles "gemischt". Beim dritten Gang kamen zuerst die Bratkartoffeln und die Pilze und danach erst das Bries. Man kann also viel "spielen" und es ist jedem selbst überlassen wie er vorgeht.
        Thema Wein folgt.
        calvados

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        • #34
          Zitat von wombard Beitrag anzeigen
          Wir waren Mitte vergangenen Jahres dort und können beide Aussagen nicht bestätigen. Bei uns gibt`s nach jedem Besuch nur die Diskussion "muss ich 80 EUR bezahlen, um den ganzen Abend eine Geräuschkulisse wie auf dem Kölner Hauptbahnhof zu haben".
          Da sieht man mal wie die Geschmäcker verschieden sind. Allerdings frage ich mich wieso es dann zu "jedem weiteren" Besuchen kommt.

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          • #35
            Aber, lieber glauer, da gibt es ja auch die Leute, die von ihrem ersten Venedigbesuch als Hauptimpression zurückbehalten; die Kanäle riechen so.
            PS: immerhin ist mir zum Kölner Hbh noch ein kulinarischer Witz eingefallen; den dann aber an üblicher Stelle

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            • #36
              Zitat von glauer Beitrag anzeigen
              Allerdings frage ich mich wieso es dann zu "jedem weiteren" Besuchen kommt.
              Das habe ich mich auch gefragt Oder alternativ, warum einen das bei "jedem weiteren" Besuch ärgert, obwohl man ja weiß, wie die Geräuschkulisse aussieht.

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              • #37
                Was macht eigentlich das Phänomen „Le Moissonnier“ aus? Für mich spielt dieses Restaurant, das ja eigentlich ein Bilderbuch-Bistro ist, in einer eigenen Liga. Es ist nach meiner Beobachtung mit keinem anderen Gastronomiebetrieb in Deutschland vergleichbar und verkörpert mit dem dort als Ganzem Gebotenen eine Wertigkeit, die sich fast den Kategorien des Michelin entzieht.

                Wir kennen das Moissonnier seit Ende der 80er Jahre als es noch keinen Stern hatte; wir kennen es als Einsterner, wir kennen es als Zweisterner, doch das Moissonnier ist immer das Gleiche geblieben. Um Gottes willen, das heißt keinesfalls Stillstand, sondern charakterisiert den hohen Anspruch der Eheleute Moissonnier als Gastgeber im besten Sinne des Wortes, der von ihrer herzlichen Gastfreundschaft und der kreativen Küche des Eric Menchon geprägt ist.

                Liege ich bei der Einschätzung eines Restaurants meist auf Michelin-Linie, so entzieht sich das Moissonnier für mich dieser Einschätzung, oder ich entziehe mich einer solchen Bewertung; es ist mir hier schlichtweg egal! Nur eins steht für uns fest: Wir würden nie nach Köln reisen, ohne einen Besuch im Moissonnier einzuplanen; wenn möglich mittags; die Atmosphäre ist einzig und verleiht für den Rest des Tages Flügel!

                Was gab es diesmal?

                Mittags gibt es kein amuse bouche. Auch okay; dafür aber bestes Baguette und gute Butter.

                Geschmorter und gegrillter Kalbsschwanz, Wurzelgemüse auf marokkanischer Minz-Essenz, Blätterteig-Pastetchen mit Pfifferlingen, Pinienkern-Panna Cotta und Petersilien-Pesto
                Das sind schon „Rezepte gegen die Langeweile“, wie das kongeniale Duo Moissonnier/Menchon vor Jahren so treffend sein Kochbuch betitelt hat. Das ist kein Bistro-Mainstream, sondern immer eine Idee mehr, die einen solchen Gang zum Erlebnis werden lässt. Allein schon die Stücke vom Kalbsschwanz unterschiedlich zu servieren, mal mit Röstaromen, mal butterzart geschmort. Den Kick zusammen mit dem Wurzelgemüse gibt aber noch die zarte Minz-Essenz, die am Tisch angegossen wird. A part gereicht ein hauchdünnes Pastetchen mit einer Fleischfarce gefüllt sowie ein ausgestochener Panna Cotta-Taler, der durch die Pinienkerne und das Pesto etwas Biss und Geschmack bekommt. Ich hätte die eher belanglose „gekochte Milch“ nicht vermisst, wenn sie nicht dabei gewesen wäre, aber gestört hat sie auch nicht.

                Wilder isländischer Kabeljau, zart gebraten, auf Kräutercreme, Risotto mit Parmesan und frischem Blattspinat
                Vom Gerichtaufbau ein Klassiker im Mittagsmenü des Moissonnier, den es so oder so ähnlich immer wieder mal gibt. Eine etwaig aufkommende leise Kritik ob mangelnder Kreativität, wischt Eric Menchon mit der eingesetzten Produktqualität und seiner präzisen Kochtechnik vom Tisch. Ein dickes quadratisches Stück Kabeljau ist gleichmäßig auf den Punkt gegart und oben so kross angebraten, dass es förmlich knackt, ohne auch nur eine Spur von Angebranntem aufzuweisen. Wunderbar. Den perfekten Risotto richtet Menchon fast immer mit Spitzkohl-Julienne an. Fein!

                Taube Imperial pochiert-gebraten mit Hopfen- und Bengalischer Pfeffer-Öl, Sandwich von Foie Gras und Steinpilze mit Himbeeressig, Gerste mit Pure Malt, sautierte Chicorée und Morchel-Sud, Mangold in geräucherter Sellerie-Infusion und Essig-Kirschen
                Das muss erst einmal „zusammen klingen“! Menchon „dirigiert“ dieses Gericht mit sicherer Hand zu einem harmonischen Ganzen. Dabei reicht er die Gerste, die mit Malt abgeschmeckt ist, und den Chicorée im Morchel-Sud in separaten Schälchen, so dass man gut selber die Kombinations-Dosis bestimmen kann. Man wird die verwendeten „Parfums“ in einer Blindprobe nicht unbedingt herausschmecken, so zart sind sie eingesetzt, doch bin ich mir sicher, dass all das Mosaiksteinchen zum geschmacklichen Gesamtbild sind. Applaus!

                Noch ein Wort zum Sandwich von Foie gras: Das Sandwich bestand aus hauchdünn Gebackenem und einer Farce, der Geflügelleber beigegeben war. Also eher eine deftigere Beilage als die Ankündigung „Foie gras“ vermuten lässt. Aber gut so!

                Crostini mit Tomaten-Marmelade, Himbeerganache, Basilikum und Mascarpone-Mousse, Taggiache-Oliven-Eis, Eisenkraut-Tee mit Eisenkraut-Likör-Gelee
                Was sage ich, Rezepte gegen die Langeweile! Ein außergewöhnliches Dessert, das einmal nicht süß ausgerichtet ist. Auch wieder als „Dreiteiler“ serviert, das köstliche Oliven-Eis und der „gesunde“ Eisenkraut-Tee à part. Ein wunderbares Spiel nicht alltäglicher Aromen, die für den geneigten Genießer unweigerlich signalisieren, dass ein vorzügliches Mittagsmenü auf seinem Höhepunkt angekommen ist.

                Fazit: Mon dieu, was für ein französisches Restaurant, was für eine perfekte, kreative Küche, was für ein sympathischer Damen-Service, über den Vincent Moissonnier unauffällig, aber immer präsent und charmant wacht.

                Beste Grüße, Merlan

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                • #38
                  Das klingt ja wunderbar. Beim Lunch kann ich auch gut und gerne auf eine Amuse-Parade verzichten. 3-4 Perfekte Gänge sind doch alles was man braucht. Das Moissonier reizt mich auch schon lange nur ist leider Köln nicht um die Ecke. Unterscheidet sich denn die Stimmung mittags und abends? Ist es abends gediegener, also so wie es viele Menschen hierzulande (komischerweise) von Sternerestaurants erwarten?

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                  • #39
                    Zitat von Matthias85 Beitrag anzeigen
                    Unterscheidet sich denn die Stimmung mittags und abends? Ist es abends gediegener, also so wie es viele Menschen hierzulande (komischerweise) von Sternerestaurants erwarten?
                    Nein, es ist nur voller und damit ein bisschen weniger entspannt.

                    M.

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                    • #40
                      Vielen Dank für den - wie immer - lesenswerten Bericht!

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                      • #41
                        Wer in's "Le Moissonnier" geht, sollte wissen, dass dies kein Ort für ein lauschiges Tête-à-tête ist. Es ist laut, es ist eng und unbequem. Daran hat sich seit jeher nichts geändert und ich kenne das Restaurant schon seit dem letzten Jahrtausend...:-)
                        Aber wer hierher kommt, hat ganz offensichtlich Spaß. (Außer denjenigen, die ein lauschiges "Tête-à-tête" geplant hatten - oder denjenigen, die sich nicht vorab informiert haben, dass es hier bei aller authentischen Bistro-Atmosphäre eben keine klassische Bistro-Küche gibt und auch die Preise mittlerweile deutlich davon entfernt sind.)
                        Das 4 Gang Menü unter der Woche gibt es mittlerweile zu 92€, das Wochenendmenü in 6 Gängen zu 140€. Für ein 2 Sterne-Restaurant und die gebotene Qualität sicher auf dem mittlerweile üblichen Niveau, aber für mich mittlerweile angesichts der Portionsgrößen nicht mehr wirklich attraktiv. Wir sind daher schon seit einiger Zeit dazu übergegangen, was sonst eher die Ausnahme ist bei unseren Restaurant-Besuchen, à la Carte zu essen. Zwar wird es dann noch etwas teurer und der Service muss sich noch etwas mehr anstrengen, die zwei oder gerne auch drei Teller pro Gericht auf dem winzigen Tisch zu plazieren. Aber irgendwie geht es immer und jetzt machen die Portionsgrößen auch Spaß, sich ausgiebig durch die unzähligen Komponenten zu arbeiten und diese auf immer neue Art zu kombinieren. Jedes Gericht ist wie ein Abenteuerspielplatz und fordert geradezu heraus, sich von links nach rechts und querbeet zu probieren.
                        Hat mich das Essen auch beim letzten Besuch wieder extrem glücklich gemacht, hält sich meine Begeisterung bei der Weinkarte etwas zurück. Sie ist preislich noch in Ordnung, listet aber überwiegend Bio-Weine auf, die mich zumindest im weißen Bereich nicht unbedingt überzeugen. Aber das lässt sich angesichts des Gesamterlebnisses verschmerzen.

                        Kein wirklicher Bericht, sondern mehr eine kurze Zusammenfassung, dafür mit zahlreichen Bildern, findet sich hier:
                        https://www.facebook.com/thomas.west...=3&pnref=story

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                        • #42
                          Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
                          listet aber überwiegend Bio-Weine auf, die mich zumindest im weißen Bereich nicht unbedingt überzeugen. [/url]
                          Das ist interessant. Liegt's am Bio? Oder was ist das Problem mit den Weinen?
                          Ich erinnere mich eigentlich immer besonders gerne an die ausgesprochen smarte Weinauswahl im Le Moissonier. Und wenn auch meist Bio, zumindest bis vor kurzem waren es allesamt blitzsaubere Weine und keine Vin Naturel Unfälle.

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                          • #43
                            Mir persönlich sind vor allem die Weißen oft zu sperrig, kantig und unharmonisch. Im Rahmen einer Weinbegleitung können ein oder zwei solcher Weine für mich durchaus spannend sein, aber wenn sie, wie bei der von uns getroffenen Flaschenwahl an diesem Abend, das gesamte Menü begleiten, ist es für mich oft eher anstrengend. Es waren ganz sicher keine Orange Wine-Unfälle, aber ich hätte es mir einfach etwas gefälliger gewünscht. Vielleicht bin ich in Weinfragen doch zu konservativ und (noch) nicht offen genug für jeden Trend, der gerade über die Weinkarten der Republik schwappt.

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                            • #44
                              Diesmal standen die Weine im Mittelpunkt – eine großartige Verkostungsrunde

                              Ein Projekt – eine Weinprobe mit Vincent Moissonnier – lockte mich an:
                              Der ausgewiesene Weinkenner und Besitzer des Zweisternerestaurants stellt beispielhaft seine Winzer vor, stand im Programm.
                              Und das ganze an einem Sonntag-Nachmittag, also einem Ruhetag. Ich habe mich riesig auf das Erlebnis gefreut und mich gleich angemeldet.
                              Ein Blick auf die Homepage der Weinabteilung ( https://www.le-moi.de ) hat meine Erwartungen sogar noch gesteigert.

                              Ambiente

                              Leider war es wahnsinnig schwül an diesem Tag in Köln. Im Inneren der Busse löste ich mich fast bei der hohen Luftfeuchtigkeit auf. Aber auf den Straßen war es nach dem Ausstieg auch nicht besser. Gut, dass es von der S-Bahn-Station bis zum Restaurant gar nicht weit ist.
                              Dadurch bin ich aber etwas zu früh da. Doch die Türe des Restaurants öffnet sich, als ich das Restaurant betrachte und mit ausgestreckter Hand begrüßt mich Vincent Moissonnier äußerst herzlich. Drinnen schließt sich Miguel Calero diesem Ritual an und stellt mir die bereits anwesenden Gäste vor; die Runde ist noch klein. Danach erhalte ich schon einen kühlen, erfrischenden Schaumwein. Es ergeben sich schon kleine Gespräche: Die Stimmung ist sofort locker und erwartungsfroh. Bis zum Start trudeln die weiteren Teilnehmer*innen ein.

                              Dann brechen wir zum „Weinkeller“ auf. Der liegt auf der anderen Straßenseite in einem Hof einige Etagen unter der Erde.

                              Hier ist es wunderbar kühl – und der Raum ist auch herrlich eingerichtet: Ziegelsteinwände, perfekte Ausleuchtung, Bilder und Karten als Dekoration. Wir haben Pulte und bequeme Stühle – wie bei einem Seminar.

                              Die Gläser stehen bereit und die Liste der Weine liegt daneben. Wasser und Spucknapf dezent ebenso.
                              Der Blick geht zu einem breiten Tisch mit den Hauptdarstellern: den Weinen.

                              Dann beginnt Herr Moissonnier mit der Vorstellung der Gewächse; aber das ist kein trockener Vortrag: Er ist völlig in seinem Element. Fachwissen und Anekdoten wechseln sich ab. Es wird viel gelacht – und das liegt nicht nur an den Getränken. Wir können jederzeit Fragen stellen oder Bemerkungen einstreuen.
                              Seine Weine sollen seine Gäste (auch im Restaurant) erfreuen; dafür brauchen sie keine großen Namen haben, sondern müssen „gut“ gemacht sein. Daher sind die Winzer, die in seinem Portfolio stehen immer engagierte, ehrgeizige Hersteller. Und nachhaltige, biodynamische Weine stehen ganz oben auf der Liste.
                              Vincent Moissonnier ist aber kein Missionar, der nur eine Vinifizierung als richtig ansieht.
                              Daher sind auch Weinmacher, die herkömmlich arbeiten, nicht ausgeschlossen.

                              Wie er sich Weine wünscht, kann man auch in einer Fernsehreihe verfolgen (http://www.rundschau-online.de/regio...inzer-24069416 – die fünf Filme sind bei Arte in der Mediathek noch zusehen).

                              Die verkosteten Weine

                              Es war eine richtige « Tour de France » mit neun Stationen in Normandie, Provence, Languedoc, Mâconnais, Elsass, Beaujolais, Rhône, Roussillon und Bordeaux.

                              Mir waren die Winzer weitgehend unbekannt, die Gebiete aber (natürlich) nicht. Dabei wurden auch wichtige Rebsorten thematisiert und über das jeweilige Terroir erklärt. Über Parker-Punkte, Flaschenverschlüsse und die Harmonie zu Speisen haben wir unsere Meinungen ausgetauscht und diskutiert.

                              POIRÉ AUTHENTIQUE (Bio)
                              Pétillant Naturel - Eric Bordelet

                              Aus 15 verschiedenen Birnensorten von bis zu 200 Jahre alten Bäumen entsteht dieser Birnen Cidré mit nur 4 Prozent Alkohol.
                              Herrlich erfrischend. Ein köstlicher und passender Auftakt. Davon möchte ich mehr haben und werde ihn im Auge behalten

                              ROSÉ DES FILLES 2015 (Bio)
                              Domaine du Deffends - IGP de la Sainte-Baume
                              95% Grenache, 5% Syrah

                              Seine feine Säure und junge Frische passt zu vielen Gerichten, denke ich. Rosé wurde viele Jahre in der gehobenen Gastronomie vernachlässigt; doch die Qualität überzeugt wieder, meint Herr Moissonnier. - Ich habe selber Rosé lange nicht mehr verkostet. Diesen kann ich mir gut zu allerlei Gelegenheiten vorstellen.

                              CLOS DES CLAPISSES blanc 2015 - Coteaux du Salagou– Bruno Peyre (Bio)
                              100% Carignan blanc

                              Da noch jung, ist er richtig fruchtig, frisch und doch schon rund im Aroma. Der Winzer macht sie hier große Mühe mit dieser eher vernachlässiten Rebsorte. Sie wird selten reinsortig verarbeitet.

                              POUILLY-FUISSÉ 2014 – PIERREFOLLE - Château des Rontets - AOP Pouilly-Fuissé (Bio)
                              Chardonnay

                              Zuerst kam mir das Holzige in die Nase. Aber im Mund war das dann nicht mehr dominant für mich, sondern fein eingebunden; der Wein wird in gebrauchtem Barique gereift. Ich kann mir vorstellen, dass er durch Lagerung sogar noch gewinnt. Doch jetzt war schon eine gewisse Cremigkeit vorhanden.

                              Rodelsberg 2011 – Marc Tempé (Bio)
                              Gewürztraminer

                              Dieser Wein hat mich sofort angesprochen. Obwohl diese Rebsorte nicht sehr trocken ausgebaut wird, wirkte er überhaupt nicht süß. Er ist mein Favorit bei den Weißen am heutigen Tag. Die Empfehlung zum Essen lautete: asiatische Gerichte.

                              MOULIN-À-VENT 2014 - CLOS DU TREMBLAY (konventionell)
                              Paul Janin & Fils - AOP Moulin-à-Vent Beaujolais
                              Gamay

                              Die Beaujolais-Weine waren die Begleiter meiner Studienzeit. Frisch, günstig, lecker war die Devise. Wir kauften gerne bei Mühlensiepen einen Village für etwa 5 DM. Die Kette gibt es gar nicht mehr. Wenn es etwas mehr Geld kosten durfte, ging ich auch gerne zu Hoss am Dom. Dort war ein Fachmann, der mir auch die Weißen aus dem Macon schmackhaft machte. - Aber später gefiel mir dann die Gamay-Traube nicht mehr so. Doch zuletzt habe ich einen großartigen Fleurie von Julien Sunier verkosten können und nun sind die Cru-Lagen des Beaujolais wieder ein Thema für mich.

                              Crozes-Hermitage 2012 – Terre d'Eclat (Bio)
                              Domaine de la Ville Rouge
                              Syrah

                              Von der Rhone kommen einfach großartige Syrah-Weine. Diese pfeffrigen Exemplare haben eine wunderbare Würze und sind einfach eine Klasse für sich. Als Shiraz wird er fast auf der ganzen Erde angebaut – aber die Rhone setzt die Maßstäbe. Da ich auch bei den Cuvee-Weinen gerne einen hohen Anteil von Syrah bevorzuge, kam mir diese Flasche recht. Mehrere Grenache-Verschnitte aus der Region haben mir in der Vergangenheit nicht zugesagt; aber auch überzeugende Produkte habe ich gefunden: Es kommt eben auch auf den Winzer an.

                              LES BRUNES 2014 (konventionell)
                              Domaine Les Creisses - Philippe Chesnelong - IGP d‘Oc
                              80% Cabernet Sauvignon, 20% Mourvèdre

                              Als dieser Wein ins Glas kam und ich die ersten Düfte aufstiegen, war ich gefangen. Das ist ein Wein, wie ich ihn besonders schätze. Kraft und Geschmack sind für mich perfekt. Und durch die Weingesetze darf er nicht als Qualitätswein geführt werden. Es gibt aber viele Weinbauern, die erklären, dass sie keinen AOP-Wein machen, weil nach ihrer Überzeugung das beste Aroma in einer Assemblage steckt, die im AOP nicht zugelassen ist. Das Gebiet der IGP Pays d’Oc erstreckt sich über die gesamte Fläche des Languedoc. Ein IGP ist also oft kein Landwein minderwertiger Qualität, es sind lediglich die Vorschriften anders.

                              CHÂTEAU DE LAUNAY 2009 - LES VIGNES DE JULIA - Arnaud de Raignac (konventionell)
                              AOP Bordeaux Supérieur
                              80% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon

                              Dieser Wein ist ein gutes Beispiel für „Klassengesellschaft“ im Bordeaux-Gebiet: Da sind einerseits die heute fast unbezahlbaren „Grand Crus“ und dann die „Stiefgeschwister“ der kleinen Randlagen. Aber gerade hier müssen die Winzer besonderes leisten, um aufzufallen.
                              Oder auf die Fußballwelt übertragen. Die Preise in der Champions League für Top-Spieler sind so hoch, dass die anderen Clubs sich nur durch geschickte Talentförderung behaupten können und wir „Normal-Verbraucher“ müssen auch jenseits von Bordeaux und Burgund unsere „Spieler“ suchen.

                              Fazit

                              5 – unbedingt wieder - Vincent Moissonnier organisiert selbst mehrere Wein-Verkostungen pro Jahr.

                              Miguel Calero, der diese Veranstaltung initiiert hatte, ist ein Event-Scout und Vincent Moissonnier ein Wein-Scout.
                              Beide sprühen vor Lebensfreude und Begeisterung für Ihre Berufe.

                              (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                              Datum des Besuchs: 05.06.2016 – Weinprobe am Nachmittag

                              einige Bilder: http://kgsbus.beepworld.de

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