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Le Moissonnier**, Köln

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  • #46
    @ thomashaj
    " ... denn sie sagt auch viel darüber aus, mit welcher Leidenschaft Vincent Moissonnier seine Winzer auswählt."
    Könnten Sie Sich vorstellen, daß Sie die Weine nun etwas anders beurteilen würden als noch im März?

    @ omnibus
    Dann übernehm' ich mal (und ich mach' das in überhaupt nicht ungern): vielen Dank für die Mühe, die Sie Sich mit dem Bericht über die Weinverkostung bei VM gemacht haben, ich habe Ihr Schreiben sehr gerne und mit großem Interesse gelesen. Eine Bemerkung zum Les Brunes 2014. (erst dachte ich, Sie hätten Sich vertippt, les Cresses, das sagte mir was. Der Irrtum lag jedoch auf meiner Seite. Les Cresses, das ist die haut de gamme von der Domaine Granoupiac, etwa 50 km nordöstlich von "Ihrer" D. Les Creisses gelegen) Eigentlich finde ich es immer ein wenig schade, wenn eine Weinbauregion nicht den "eigenen" Rebsorten vertraut. 80% Cabernet Sauvignon, ist es das wirklich, was man im Languedoc sucht? Ich kann da natürlich leicht kritteln, ich muß den Wein nicht verkaufen. Aber bedauern darf ich es dennoch, wenn die Winzer einem (vermeintlichen?) Verbrauchergeschmack hinterherhecheln ... und den Parker -Punkten, die, wie man manchmal glauben könnte, parallel zum Cab S- Anteil ansteigen
    Gruß
    s.

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    • #47
      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      @ thomashaj
      " ... denn sie sagt auch viel darüber aus, mit welcher Leidenschaft Vincent Moissonnier seine Winzer auswählt."
      Könnten Sie Sich vorstellen, daß Sie die Weine nun etwas anders beurteilen würden als noch im März?
      Es ist eine interessante Frage, ob man einen Wein anders bewertet, wenn man die Geschichte dazu, die Herstellung, den Winzer kennt. Im ersten Moment mag das vielleicht so sein. Aber letztlich zählt doch, ob der Geschmack und das was der Wein im Mund auslöst, überzeugt. Und das auch noch beim zweiten oder dritten Glas.

      Vielleicht beschreibt folgende Geschichte mein Dilemma treffender. Vor einigen Jahren haben wir in der Steiermark einen bekannten Bio-Winzer besucht, weil uns einer seiner Weine im Restaurant ausgesprochen gut gefallen hatte. Vor Ort nahm er sich 1 1/2 Stunden Zeit und hat uns mit großer Begeisterung seine Arbeit beschrieben und seine Weinberge gezeigt. Bei der anschließenden Probe haben wir in jedem Schluck diese Philosophie geschmeckt und es war sehr überzeugend. Der Kofferraum war danach gut gefüllt, aber zuhause tat ich mich mit jeder einzelnen Flasche schwer. Sicher waren die Weine immer noch gut, aber eben nicht so überzeugend wie mit dem Erlebten vor Ort.

      Um Ihre Frage zu beantworten, glaube ich daher nicht, dass ich die Weine, zumindest jene, die ich probiert habe, heute anders bewerten würde.
      Davon unbenommen ist meine Bewunderung für die Sorgfalt und Begeisterung, die Vincent Moissonnier seinen Winzern entgegenbringt. Und ich bin auch sicher, beim nächsten Besuch einen Wein zu finden, der eher meinen Präferenzen entspricht.

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      • #48
        Wir hatten hier im Forum, werter thomashaj, mal eine recht interessante Diskussion zum Thema "Placebo", übrigens mit allem pipapo wie Beleidigtsein, am Thema vorbeischreiben, den anderen nicht verstehen, mit der Variante nicht verstehen wollen.
        http://www.forum.restaurant-ranglist...PLACEBO-Effekt

        "Um Ihre Frage zu beantworten, glaube ich daher nicht, dass ich die Weine, zumindest jene, die ich probiert habe, heute anders bewerten würde."
        Mir geht's da anders, ich lasse mich in meinen Geschmacksempfindungen eher leicht manipulieren.
        Dazu von mir auch eine Geschichte: Es war womöglich noch im vorigen Jahrtausend, auf jeden Fall waren noch kaum Westler in Slowenien unterwegs. Wir hatten das Weingut Movia angesteuert, ohne uns vorher anzumelden. Es ging äußerst hektisch dort zu, man habe leider für uns keine Zeit. Ah, des Sektes wegen seien wir gekommen, bitte ... und man führte uns auf eine Terrasse, von wo aus wir den allerschönsten Blick über die berebten Hügel hatten, leicht blinzelnd, der Sonne wegen. Der Sekt, es war der Puro, wurde dekantiert, keine Sektgläser, eher leicht bauchige Exemplare wie für einen Chardonnay, aber wir sollten uns nun selbst versorgen.
        Später wurden rasch zwei Kisten eingepackt und unter Mithilfe des hl.Christophorus war es uns gelungen, die kurvigkarstigen Sträßchen zurück ins Friaul zu eilen.
        Jede dieser mitgebrachten Flaschen wurde von uns - natürlich dekantiert und aus feinen Weißweingläsern - mit nicht geringem Entzücken geleert; und rasch hatten wir auch gelernt, diesen Göttertrank nicht mit Freunden zu teilen. Ja, der sei schon gut, aber unser präekstatisches Juchzgen konnte man nicht nachvollziehen. Sie konnten eben das sonnenüberflutete Tal nicht sehen ...

        Meine Lieblingsweine sind fast immer die, die ich direkt im Weingut gekauft habe. Würde ich mich meinen Placebo-Empfindungen nicht nahezu bedingungslos hingeben, wären mir unzählige wunderbare Geschmackserlebnisse durch die Lappen gegangen.

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        • #49
          Alles wie gehabt im Reich von Vincent und Liliane Moissonnier. Auch trotz zunehmend selbstbewusster Preise (die Hauptgerichte gehen locker schon mal über die 50 Euro-Grenze), brummt der Laden selbst unter der Woche und auch die Kreativitätsmaschine von Eric Menchon läuft immer noch auf Hochtouren.

          Im mutmaßlich französischsten Bistro außerhalb Frankreichs, was authentisches Ambiente angeht, ist auch weiterhin nichts von Reduzierung oder Minimalismus auf dem Teller bzw. besser: den Tellern, von denen es mindestens zwei, meistens aber drei pro Gang gibt, zu spüren.

          Das Amuse - dieses Mal ein Rillette vom Rebhuhn mit Maiscreme und Vanille - ist wie so oft noch optisch eher zurückhaltend und als wolle die Küche sagen: Komm, halten wir uns nicht mit dem lästigen Kleinkram auf. In der Tat wirkt es eher wie eine Fingerübung, wenngleich der Kontrast zwischen Würzigkeit und Süße bei diesem Teller duchaus seinen Reiz hat und sehr gut schmeckt.

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          Aber der eigentliche Spaß beginnt tatsächlich erst mit der Vorspeise, die auf drei Tellern an den Tisch kommt. Auf meiner Seite des Tisches liegt ein beeindruckendes Doppelfilet von der Rotbarbe, die im Ofen gebraten wurde, nur begleitet von Brotsamen, die mit Piment d'Espelette aromatisiert wurden und einem leichten Schaum von Bronze-Fenchel. In dieser Form hatte ich die Rotbarbe bereits Anfang des Jahres und mit dem ersten Bissen erinnere ich sofort, was neben der großartigen Saftigkeit des Fisches das Faszinierendste war. Die Rotbarbe ist deutlich, aber noch im völlig harmonischen Bereich, geräuchert, was dem Gericht den totalen Kick gibt. Flankiert wird der Fisch von einem kleinen Ragout von Steinpilzen und Datteln in Kokosnuss-Milch und einem Salat von Avocado, Apfel, Roter Bete und Taschenkrebsfleisch. Beides sind dezente Begleiter, die der Rotbarbe nicht die Show stehlen.

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          Auf der anderen Seite des Tisches wird ein Dreierlei rund um lauwarme Jakosbmuscheln mit geräuchertem Aal serviert. Dazu gibt es eine Mandarinen-Anchoiade. Im Inneren des Gebildes findet sich ein Herzmuschel-Knödel, der mit Miesmuscheln und Foie Gras-Würfeln gefüllt ist. Der Teller hat eine überwiegend leichte und frische Stilistik, die auch vom Granny Smith-Saft noch unterstützt wird. Im Schälchen daneben geht es mit einem Ziegenkäse-Ravioli in Kastanien-Emulsion etwas deftiger zu, was einen schönen Gegenpart zur Jakobsmuschel darstellt, aber für mich persönlich ist die eigentliche Überraschung die Rührei-Mousse in unglaublich flaumiger Seeigel-Crème. In Kombination alles sehr schön, aber ich fühle mich mit meiner Rotbarbe als Punktsieger. Die Gegenseite sieht das naturgemäß anders.

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          Derlei Fragen drängen sich beim nächsten Gang nicht auf, denn da entscheiden wir uns beide für den in Portwein geschmorten Kalbsschwanz mit glasierten Pastinaken und Chicoree mit Sauerkirschsaft und gebratenen Pfifferlingen. À part dazu ein lackierter Kalbszungen-Presskopf mit einer deftigen Vinagrette aus Honig, Senf und Sauren Gurken. Und die Kombination aus beiden Tellern gefällt uns ausgesprochen gut. Der Kalbsschwanz ist butterzart, kräftig abgeschmeckt und mit den Gemüsen fast schon klassisch eingefasst. Gänzlich unklassisch jedoch die bestechende geradlinige Präsentation, die mir mindestens genauso gut gefällt wie der Geschmack.

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          Bis hierhin begleitet uns ganz vorzüglich ein Saint-Aubin, der mit nur sehr leichtem Holzeinfluss die Gerichte elegant unterstreicht.

          Im Hauptgang entscheide ich mich für die gegrillte Rebhuhnbrust, die auf einem Confit von der Keule, Foie Gras und Speck thront, dazu neben einem Braeburn-Zimt-Apfel und Cranberry-Gel eine tief dunkle, schwere Sauce Royale, die mit Schokolade angereichert wurde. Als wäre dieser Teller alleine noch nicht würzig genug, legt die Küche dazu noch einen Flönz-Krapfen in dünnem, knusprigen Teig, der die Papillen frontal mit kräutriger Deftigkeit trifft. Ich komme damit prima zurecht, habe aber Bedenken, ob auch der dritte Teller ähnlich wuchtig daher kommt, denn das wäre dann definitiv zu viel des Guten. Allerdings umgeht die Küche dieses Risiko elegant mit einem sehr feinen Arrangement aus Chicorée-Cannelloni, die mit getrüffelter Polenta und Mimolette gefüllt sind, dazu finden sich Kräuterseitlinge, Trockenfrüchtemarmelade mit Wildkirschen und gerösteten Haselnüssen. Wow - was für ein Feuerwerk!

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          Der Bordeaux vom Chateaux Mondésir-Gazin kann mit seiner Würzigkeit gut dagegen halten.

          Mein Mann hat gegrillte Filets von der Gelbschwanz-Makrele gewählt, die auf dünnem Blätterteig mit Aubergine und Anchoiade serviert werden. Dazu finden sich Staudensellerie-Gel und eine Bergamotte-Essenz. Parallel wird eine Tajine vom Tintenfisch mit marokkanischen Gewürzen serviert. Und im dritten Teller eine ausladende Pistou-Suppe mit diversen Rübchen, Möhren und Stangenbohnen, dazu Pinienkern-Panacotta auf Tomatenwasser und Anis-Croutons (man lasse sich alleine diese Zusammenstellung auf der Zunge zergehen...).
          Ich habe das alles probiert, aber muss ehrlich zugeben, dass mein Gaumen durch die Rebhuhn-Flönz-Attacke nicht wirklich empfänglich war für die insgesamt deutlich zurückhaltendere und elegantere Komposition. Der gut gegarte Fisch hatte leider nicht den Hauch einer Chance, sich zu dem Zeitpunkt bei mir irgendwie bemerkbar zu machen.

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          Nach angemessener Beruhigungszeit für die Geschmacksnerven also weiter zum Dessert. Ich wähle "Süß-Salzig-Pfeffrig". Und alleine hier ist wieder die Aufzählung sämtlicher Einzelkomponenten ein halber Roman. Machen wir es so kurz wie möglich: Hauptteller und eindeutiger Favorit war die getrocknete Mousse au Chocolat mit salzigem Eis und einer Karamell-Ganache. Der süße Part war dem Montélimar-Nougat-Espuma mit Nüssen vorbehalten. Eher unauffällig der Pfeffer im Pomponette, einem mit cremiger Schokolade und bengalischem Pfeffer gefüllten Gebäck.

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          Insgesamt zu süß ist für meinen Geschmack das Dessert meines Gemahls. Zwetschgen-Haselnuss-Mousse auf Portwein-Banyuls-Sirup und Cracker mit Pulver aus gerösteten Haselnüssen sowie der Haselnuss-Biskuit sind mir ein wenig zu eindimensional auf Nussgeschmack ausgerichtet. Sehr gut hingegen das Calisson-Eis.

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          Zum Abschluss wie immer der obligatorische Orangen-Lolli, der hausgemachte Karamellbonbon und ein Macaron.

          Alles wie gehabt also im Hause Moissonnier. Die Speisekarte liest sich seit Jahrzehnten abenteuerlich bis spannend. Oft erschließt sich einem nicht im ersten Moment, wie das alles zusammengehen soll. Aber es geht und zwar ganz vorzüglich. Mal als dezenter Kontrast, mal als harmonische Ergänzung, mal als milderndes Element.

          Eric Menchons Küche ist für mich auch nach all den Jahren und Jahrzehnten, die wir hierher kommen, ein einziger großer Abenteuer-Spielplatz. Und wie ein Kind komme ich hier häufig nicht aus dem Staunen heraus und kriege anschließend das Grinsen kaum aus dem Gesicht.
          Zum Spektakel gehört selbstverständlich auch die unerbittliche Lärmkulisse (die für mich allerdings Ausdruck höchster Genussfreude an den Tischen ist), die drangvolle Enge und der souveräne und jederzeit freundliche Service, der es versteht, sich unter diesen schwierigen, räumlichen Bedingungen nahezu artistisch zu bewegen.

          Wie der werte Merlan zurecht feststellt, spielt das "Le Moissonnier" eigentlich in einer völlig eigenen Liga. Die zwei Michelin-Sterne strahlen hier trotzdem zu Recht und heller denn je.

          Bericht und sämtliche Bilder auch unter: http://tischnotizen.de/le-moissonnier-koeln/ oder https://www.facebook.com/thomas.west...=3&pnref=story
          Zuletzt geändert von thomashaj; 02.02.2017, 09:32.

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          • #50
            Lieber Tomashaj,

            danke für den Bericht. Das ist genau meine Küche! Ich kann ihre Begeisterung sehr gut aus Ihren Schilderungen nachvollziehen. Ich will da hin! Nur ist Köln so weit weg und was macht man da außer essen? In den Zug nach Düsseldorf steigen?

            M

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            • #51
              Zitat von Muck Beitrag anzeigen
              Nur ist Köln so weit weg und was macht man da außer essen? In den Zug nach Düsseldorf steigen?
              Gelb-rote Karte von einem linksrheinischen Rheinländer, werter Muck!

              Wenn Sie von Köln nach Düsseldorf über den Rhein fahren, merken Sie schon, wie das Wasser immer trüber wird. Deshalb trinken die da auch so ein dunkelbraunes Zeug, das sie "Alt" nennen.

              Gruß von M zu M

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              • #52
                Lieber Muck,

                da ich nur Berufs-Kölner bin, kann ich mich bei der alten Fehde K-D entspannt zurücknehmen. Natürlich ist Düsseldorf kulinarisch ein lohnenswertes Pflaster, speziell nach dem jüngsten Sterneregen. Aber auch in Köln und um Köln herum (Bergisch-Gladbach, Odenthal) gibt es reichlich Auswahl. Als Kompromiss böte sich vielleicht ein Ausflug ins Bergische zu Sascha Stemberg an. Dann wäre man ziemlich genau in der Mitte zwischen beiden Städten...

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                • #53
                  Ja ich denke da muss ich wohl hin. Die Region ist essenstechnisch sehr interessant. Ich fasse das mal als Süddeutscher als eine Region zusammen, Sie verzeihen mir das, lieber Merlan :-) (ich "musste" am Donnerstag im Bareiss einen Württemberger Wein trinken, das schmerzt, war aber überragend). Das Nagaya interessiert mich auch sehr. Und in der Immermannstraße gibt es so gute Supermärkte... Ihr habt's schon gut da oben.

                  M

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                  • #54
                    Na gut, dann schreibe ich auch mal was Nettes zu Düdo: Ich bin neulich mit einem Stadtführer durch Düdo spaziert (ja, anders würde ich das gar nicht wagen!) und habe doch tatsächlich eine "Kölsch-Kneipe" entdeckt. Auf meinen freudigen Hinweis merkte der Stadtführer nur an: "Da sehen Sie mal, wie weltoffen wir Düsseldorfer sind!"

                    Schönen Gruß, Merlan

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                    • #55
                      Zitat von Muck Beitrag anzeigen
                      (ich "musste" am Donnerstag im Bareiss einen Württemberger Wein trinken, das schmerzt, war aber überragend).
                      Sie dürfen an dieser Stelle einen empörten Hustenanfall aus meiner Richtung vernehmen, werter Muck! Der letzte Teil des Satzes ehrt Sie wiederum.

                      KG

                      Tobler

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                      • #56
                        Wenn Sie aus dem Breisgau kommen, sind Sie ja noch nah genug an der wahren Quelle der (Wein-)Freude Es war übrigens ein J. Ellwanger "HADES" Nikodemus Candidus 2013. Wirklich großartig!

                        M

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                        • #57
                          In Südbaden, der Diaspora also , wohne ich nur (was in kulinarischer Hinsicht jedoch tröstlich ist), doch ich bin waschechter Schwabe - und zum Glück mit dem von Ihnen verkosteten Wein sowie Ellwanger'schen Tropfen überhaupt durchaus vertraut. Ich freue mich, dass er Ihnen gefallen hat!

                          KG

                          Tobler

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                          • #58
                            Ich habe für sehr bald wieder einen Tisch im Moissonnier reserviert. Mein letzter (und erster) Besuch hat mich kulinarisch beeindruckt, nicht nur waren die Hauptteller oft sehr gut, so manches Mal hat der Satellitenteller dem Hauptteller die Show gestohlen. Ich schaue mir gerade die Karte an und kann mich gar nicht satt sehen - früher hätte ich zum Pavé de Boeuf mit einer Sauce Béarnaise tendiert. Wissend wie im Moissonnier aufgekocht wird ist mir das dieses Mal fast schon zu unspannend. Decisions, decisions, ...

                            Empfehlungen werden gerne genommen, es liest sich alles fantastisch. Ich werde berichten.

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                            • #59
                              Der Laden brummt heute Abend wie ein Bienenstock, trotzdem werden wir sehr aufmerksam und herzlich begrüßt und nehmen an einem kleinen Tisch an der Wandseite Platz. Auf dem goldenen Schildchen hinter mir steht „Alfred Biolek“, was ich als gutes Zeichen nehme, denn tatsächlich habe ich vor zwanzig Jahren gerne nach seinem ersten Kochbuch gekocht.

                              Statt des Menüs entscheiden wir uns für drei Gänge plus Dessert à la carte.

                              Der erste Gang kommt - wie auch die folgenden – verteilt auf einem Haupt- und mehreren Nebentellern. Auf dem Hauptteller sind vier Schwertmuschelschalen befestigt. In jeder gibt es ein Frikassee von Schwertmuscheln mit Gurke, Dill und Kokosnussmilch. Und obenauf stehen die in schwarzem Kardamom gebratenen Froschschenkel. Kann diese wilde Kombination gutgehen? - Sie kann! Das Frikassee hat neben seiner Frische eine schöne Süffigkeit und die Froschschenkel sind perfekt gegart. Ein Gericht zum Niederknien. Als Nebenteller gibt es einen tiefen Petersilien-Coulis, der durchaus zu den Schenkeln passt, aber eher nicht in Verbindung mit dem Schwertmuschelfrikassee. Für sich alleine kann er jedenfalls nicht stehen. Dazu noch einen Cremeux mit Geflügelreduktion, Morcheln und Haselnüssen. Als zweiten Nebenteller einen Rote Beete-Blätterteig mit Trappistenkäse, den ich mit den restlichen Komponenten irgendwie nicht zusammenbringen kann.

                              Als zweite Vorspeise gibt es einen Bretonischen Rochen an der Gräte gebraten, darum sehr saftig und vollmundig. Der Fisch ist mit Estragon-Butter lackiert und wird von einem Harissa aus Meerrettich und Daikon begleitet. Die aufgeschlagene Estragon-Butter gibt es auch als Sauce dazu. Wieder eine fantastische Kombination, wobei die Schärfe des Harissas einen wunderbaren Gegenpol bildet. Ein großartiges Gericht, das ich stundenlang weiteressen könnte. Als Nebenteller gibt es eine Creme von Minze und Petersilie, die sich nach meinem Eindruck weder als harmonische Ergänzung, noch als spannenden Kontrast verstehen lässt. Und als zweiten Nebenteller kommt eine Schwarzwurzel in sehr guten, gereiften Schinken gewickelt. Das ist interessant und lecker, aber passt mit seinem starken und eigenwilligen Geschmack wiederum nicht zum Hauptteller.

                              Als Hauptgang gibt es für mich geschmortes Kalbsbäckchen gefüllt mit Erdnusscreme, Rosinen und frittierten Mandeln mit einer Sauerbratensauce. Mir gefällt nicht nur die Idee der Fusion von Kalb mit dem Rheinischen Klassiker – es schmckt auch sehr gut. Als Nebenteller präsentiert sich ein Rotkohlsalat mit Zimt, Rosenkohl in Orangebutter und knuspriger Rindermark mit Estragon und Apfel. Auf einem zweiten Nebenteller gibt es eine Kartoffelmousse mit Croutons und Semmelbröselknödel. Das ist alles weniger wild als es klingt und zum ersten Mal erkennt man in den Nebentellern einen geradezu soliden Beilagencharakter: Hauptteller Fleisch mit Sauce, ein Nebenteller Gemüse, ein Nebenteller Sättigungsbeilage.

                              Meine Begleitung hat übrigens einen anderen Hauptgang gewählt, eine gegrillte Rotbarbe in Blätterteig mit orientalischen Gewürzen. Davon habe ich nur ein wenig probiert, aber konnte die Schwärmerei am Tisch gut verstehen.

                              Zum Dessert gab es eine getrocknete Mousse au Chocolat mit Erdnuss-Nougatine, Karamell Ganache und Gelee, Schokoladen-Nussbutter-Puder, salziges Eis und Erdnusshippe. Nach meiner Erinnerung war das nicht umwerfend, aber sehr gut. Die Nebenteller, ein Nougat-Espuma und ein Mandelüchlein, standen hier eher für sich.

                              Mein Fazit fällt positiv aus, allerdings nicht uneingeschränkt: Toller Gastraum, erstklassiger Service, außergewöhnliche Weinkarte und ein im Kern großartiges Essen, bei dem die Hauptteller ebenso kreativ wie köstlich waren. Allerdings finde ich den Tick mit den unpassenden Nebentellern... nun ja, unpassend. Und die Speisekarte ist – zu meiner Qual - furchtbar detailliert. Gerichte und Karte leiden beide an derselben aufgesetzt wirkenden Überkomplexität. Wen will man damit beeindrucken? Hat man Angst, die Gerichte könnten schlicht zu simpel wirken, wenn man das bunte Beiwerk streicht? Die großartigen Hauptteller zeigen, dass solche Bedenken abwegig sind.

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                              • #60
                                Mit Ihren Beschreibungen konnten Sie, liebes MK, meine allmählich verblassenden Erinnerungen wieder auffrischen. Ja, dieser Hauptteller mit den Nebentellern, Menchon arbeitet ja nun schon jahrzehntelang auf diese Weise; und in seinem nicht zu übersehenden Perfektionsstreben hat er es da zu einer bewundernswerten Meisterschaft gebracht.
                                Die Teller stehen vor einem, das Spiel beginnt. Da ist zunächst der Prinzipal, eindrucksvoll in seiner Harmonie. Dann diese ausgeklügelten Nebenteller, jetzt geht's los. Was geht besonders gut zusammen, gibt es nahezu fixe Kopplungen, was passt besser hintereinander und wenn ich jetzt noch den Wein - außergewöhnlich nennen Sie die Weinkarte ja, womit dann auch alles schon gesagt ist - dazu trink. Natürlich kann man das Spiel auch auf eine andere Art spielen, wobei man dann über jeden Verdacht erhaben ist, zu wohlwollend zu Werke zu gehen. Ah, aber diese zweite Komponente auf Teller III und die dritte Komponente auf Teller II, das paßt nicht, das geht ja gar nicht, das läßt sich doch nicht zusammenbringen. Und dabei ist es auch nicht etwa so, daß es mir nicht schmeckt, sondern es schmeckt nicht, da kann M.Moissonnier hundert mal behaupten, daß sein Freund Menchon nichts aus der Küche schickt, was er nicht genau so am allerliebsten selbst ißt. Oh, und da liegt ja noch etwas talerförmiges, das erschließt sich (neinnein, nicht etwa mir), es erschließt sich gar nicht. Und nach einigem Abwägen kommt man zu dem Entschluß: belanglos.
                                "Eric, ihm schmecht's", so vereinfacht wollen wir das nicht hören, etwas differenzierter, wenn ich bitten darf.

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