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Le Moissonnier**, Köln

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  • #61
    Lieber Mohnkalb,

    da ich dieses Multiteller Konzept sehr spannend finde, auch erst kürzlich im Bareiss so erlebt habe und das Le Moissonnier schon lange auf meiner Liste steht, habe ich ihren Bericht sehr gerne gelesen. Sie sagen ja, dass es gerade beim Hauptgang aufging, da die zusätzlichen Teller die Beilagen beinhalten. Das ist doch aber nicht die Intention dieses Konzepts. Wenn es Beilagen sind, dann sollen die schon auf den Hauptteller, wenn ich es dann eh kombiniere. Ich finde es macht dann erst Sinn, wenn man auf mehreren Tellern einzelne Produkte unterschiedlich herausarbeitet, im besten Fall ein kleines "Menü" um eine Zutat kreiert (genial macht das Lumpp mit der Foie Gras). Ihre Beschreibung lässt kein echtes Konzept in dem Konzept erkennen.

    M

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    • #62
      Lieber Muck,
      als bekennender Moissonnier-Fan eine Anmerkung von meiner Seite. Im Le Moissonnier geht es in den seltensten Fällen darum, ein Thema auf mehreren Tellern durchzudeklinieren. Im Mittelpunkt steht tatsächlich immer der Hauptteller und ich gebe Mohnkalb Recht, dass diese alleine in der Regel fraglos begeisternd sind. Die zusätzlichen Teller nur als Beilagen zu verstehen, würde ihnen in der kreativen Ausgestaltung und Konzeption nicht gerecht werden. Es sind für sich genommen fast eigenständige Gerichte, die im besten Fall eine spannende Ergänzung (oder seltener mal Kontrastierung) zum Hauptteller darstellen. Auch mir geht es so, dass sich mir nicht immer jeder Zusammenhang zwischen den Tellern erschließt. Muss es aber auch nicht, denn ich habe auch so an der überbordenden Kreativität von Eric Menchon meinen Spaß.
      Wenn ich das Lumppsche Konzept richtig verstehe, variiert er ein Hauptthema eher. Das ist für mich dann eigentlich nicht vergleichbar mit dem Moissonnier. Aber vergleichen würde ich beide Häuser aus so ziemlich jedem Grund sowieso nicht.
      Zuletzt geändert von thomashaj; 01.05.2017, 11:26.

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      • #63
        " Muss es aber auch nicht, denn ich habe auch so an der überbordenden Kreativität von Eric Menchon meinen Spaß. "

        Ah, da erkenne ich, lieber thomashaj, Berührungspunkte; aber was heißt da Punkte, Flächen!

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        • #64
          Zitat von Muck Beitrag anzeigen
          im Bareiss
          Das Multiteller-Konzept im Bareiss finde ich klasse. Da wird auch wirklich durchdekliniert. In Köln ist das sicherlich nicht die Grundidee, da regiert vermutlich mehr die Lust an der Freude.

          Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
          Muss es aber auch nicht
          Bevor wir uns hier alle einig die Hände geben und Ringelreihe um die Menchon'schen Wunderteller tanzen, gebe ich schlicht zu bedenken, dass FÜR die unpassenden Teller im Moissonnier doch gar nichts spricht. Auch hier im Thread, in dem ja schon vor mir über diese Misere geklagt wurde, hat - soweit ich sehe - niemand etwas Überzeugendes dafür vorgebracht. Also: Wenn schon Nebenteller, warum dann nicht gleich solche, die sich auf den Hauptteller (oder die sich aufeinander) beziehen?

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          • #65
            " ... die unpassenden Teller im Moissonnier ... "

            Ist diese Aussage, liebes mk, denn inzwischen als wahr anzunehmen? Ihre Beweisführung erinnert mich an die der Physiker. 12 läßt sich durch alle Zahlen teilen! 1 - stimmt, 2 - stimmt, 3 - stimmt, 4 - stimmt; jetzt noch ne Probe: 6 - stimmt auch, Beweis erbracht. Sollte im unwahrscheinlichsten Falle Ihre Aussage doch wahr sein, bleibt mir nur, mit Pilates zu fragen: was ist Wahrheit?!

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            • #66
              Lieber Schlaraffe, ich dachte, hier gäbe es mehr oder weniger Konsens darüber, dass sich der Bezug mancher Nebenteller nicht erschließt. So habe ich auch das "Muss es ja auch nicht" von thomashaj verstanden. Irgendeine "Beweisführung" liegt mir fern, auch wenn ihr "physikalischer Beweis" zweifellos hübsch ist, mindestens so hübsch wie dieser: Alle, die hier im Forum schreiben, sind Liebhaber guten Essens. Herr Dollase schreibt hier nicht. Also ist er kein Liebhaber guten Essens.

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              • #67
                Ich mag das Le Moissonnier sehr. Dazu tragen die charmanten Gastgeber Moissonnier sehr bei und sie machen in ihrer Rolle alles richtig, aber alleine könnten sie mich nicht überzeugen - die Küche spielt in einem Restaurant dann doch eine nicht unwesentliche Rolle. Dass Eric Menchon etwas kann, scheint hier ja auch tatsächlich weitgehend Konsens zu sein.

                Mir ist das Servieren der Haupt- und Nebenteller immer ein vorfreudiges Vergnügen und das ist der Genuss ebenfalls. Das Probieren und Kombinieren ist wunderbar. Thomashaj hat den kulinarischen Mehrwert von dem, was Menchon tut, oben schon sehr schön beschrieben. Ich würde die vermeintlich unpassenden Nebenteller sehr vermissen. Warum nur die Deklination eines Produktes das Mehr-Teller-System rechtfertigen sollte, erschließt sich mir nicht.

                Die abendliche Bienenkorbatmosphäre spricht für sich, die Buchungslage ist aus Sicht der Gastronomen gut, die Zahl der Wiederholungstäter - wir gehören dazu - nach meiner Einschätzung hoch. Ob das die Situation ist, das Konzept auf Anraten eines Gastes zu ändern, bin ich mir nicht sicher.

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                • #68
                  Werter bernard, darf ich mir Ihre Aussagen zu eigen machen? Uneingeschränkt, von A bis Z, von "Ich mag..." bis "...sicher"!

                  Schönen Gruß, Merlan

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                  • #69
                    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                    Werter bernard, darf ich mir Ihre Aussagen zu eigen machen? Uneingeschränkt, von A bis Z, von "Ich mag..." bis "...sicher"!

                    Schönen Gruß, Merlan
                    Danke, freut mich, dass wir da so übereinstimmen in unseren Wahrnehmungen, lieber Merlan. Gruß bernard

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                    • #70
                      Mit dem Moissonnier war ich vor ca. 1,5 Jahren das erste Mal zum Mittagessen in Berührung gekommen. Es war insgesamt ein fantastischer Samstagmittag, sonnig, ein bestens aufgelegter Vincent Moissonnier, ein volles Haus, zugängliche Weine die uns begeistert haben (insbesondere die Apperitives - sowohl vom Champagner Michel Genet als auch vom Poiré habe ich im Restaurant noch eine Kiste mitgenommen) und nicht zuletzt fantastisches Essen. So begeisterte der gebratene Rücken vom Hasen mit einem Nebenteller des in Schokolade geschmorten Hasen, danach ein fantastisches gerolltes Stück Aal mit Blüten, frittiertes Kalbsbries mit einer Humuspaste als Beilage und ein Topfenkuchen. Die Hauptteller waren allesamt eindeutig auf dem ausgezeichneten Niveau, mehrere der Nebenteller sogar noch einmal ein Stück drüber. Sensationell! Wie Sie sehen ist mir das Menü auch nach all dieser Zeit noch durchgehend präsent. Das, wie ich finde, Merkmal einer großen Küche. Zudem erinnere ich mich daran, dass dieses Menü sehr leicht war, fast an der Grenze zu "noch hungrig sein". Dies hatte ich nach einer zuvor erfolgten kulinarischen "Orgie" in einem Dreisterner (sich auf diesem Niveau zu mäßigen muss ich in der Tat noch lernen) noch positiver bewertet. Was diese Küche aus meiner Sicht auszeichnet ist die Auswahl sehr guter französisch orientierter Produkte, sehr gutes Handwerk und eine Pikantheit und Ideenvielfalt aus der sich manches dem arabischen Raum zudeuten lässt (Blüten, Humus, pointierte Gewürze).

                      Ebenfalls erinnere ich mich noch, dass dieses Restaurant weniger Wert auf Nebendarsteller legt. Brot und Butter sind gut, die Petit Fours sind ausgewählt - dennoch köstlich, aber nicht vergleichbar mit den Orgien die man in so manchem 3 Sterne-Haus erhält, und meine Freundin die sich eine Alternative zum Hasen wünscht erhält eine eher uninspirierende Foie Gras mit einem simplen grünen Salat. Für mich ist das alles wie gesagt nebensächlich.

                      Beseelt von dieser tollen Erfahrung bin ich vor 2,3 Monaten wieder Mittags eingekehrt. Das Restaurant ist diesmal leider nur ca. zwei Drittel voll und auch Herr Moissonnier wirkt stellenweise etwas abwesend, als würde ihn etwas beschäftigen - seine Frau ist anders als beim ersten Besuch ebenfalls nicht da. An unserem Tisch lässt er dennoch hier und da aufblitzen was für ein großartiger Gastgeber er ist (in dem Maße beeindruckt haben mich bislang nur Herr Franzelin aus dem Vendome sowie Herr Macionga aus dem Restaurant Tim Raue).

                      Zum zweiten Mal überrascht mich beim Eintreten allerdings die bedächtliche Stille. Man tritt durch die Tür direkt in den Speisesaal und trifft auf flüsternde, anstatt genießende Gäste. Dafür kann Herr Moissonnier nichts sondern viel mehr der typische deutsche Gast. Sobald man am Tisch sitzt ist dies sofortig verflogen aber mich trifft es dennoch jedes Mal wie ein feuchter Schwamm. Schade, dass Sterne bei uns hierzulande noch so oft mit Flüsterton zu tun haben.

                      Mittags gibt es keine Amuses dafür ist die Brotauswahl diesmal besser als ich in Erinnerung hatte. Das Mittagsmenü listet wie eh und je 4 Gänge à €94 auf. Es lässt sich bei Bedarf Rohmilchkäse ergänzen.



                      Gang 1 ist der Bretonische Rochen an der Gräte gebraten und glasiert mit Estragon, dazu punktuell Harissa. Auf dem Nebenteller die Schwarzwurzel in rohem Schinken-Mantel mit Blattsalat-Paste dazu eine Creme von Nana-Minze mit Petersilie. Mit Nana-Minze war ich im Rahmen eines betörenden Elixiers im Berliner Pauly Saal bereits in Berührung gekommen. Vor diesem Gang habe ich zugegebenermaßen, da ich Rochen noch nie probiert hatte, Respekt. Dieser Rochen ist makellos gegart, die Gräte lässt sich auf dem Foto auch problemlos erkennen. Dazu ist dieser Fisch herrlich saftig. Die Harissa bringt pikante Paprika-Noten ins Spiel, angegossen wird eine betörende leicht schaumige Nana-Sauce. Der Rochen lässt sich sogar ohne Weiteres vom Knochen einfach runterschieben. Der Beilagenteller ist die knackige Schwarzwurzel im rohen Schinken-Mantel. Das weckt Assoziationen an die Spargelzeit, ist saftig, dennoch knackig, und unterstreicht für mich die vielen, dem Hauptdarsteller untergeordneten Ideen. Eine glasklare Verbindung zwischen den Tellern gibt es meines Erachtens nicht. Es schmeckt einfach sehr gut (**). Auch wenn der Knochen gut ein Drittel des Gerichts ausmacht ist das doch eine sehr ordentliche Portion.



                      Hierauf folgt der wilde, isländische Kabeljau zart gebraten auf Kräutercremesauce und frischem Blattspinat. Auf dem Nebenteller begleitend ein Risotto mit altem Parmesan. Fisch? Auf einer Kräutersauce? Dazu Gemüse? Hatten wir das nicht eben schon? In der Tat wirkt vieles hier wie die Wiederholung des Vorgangs. Abermals kommt ein prächtiges Stück Fisch auf den Teller, die Oberseite mit Butter angebraten und mit Salz bestreut. Angegossen wird die Kräutercremesauce. Der Fisch ist abermals perfekt gegart, gleichzeitig herrlich saftig. Star dieses Gangs ist aber definitiv das Risotto daneben was sich wie eine perfekt ergänzende Beilage an den Fisch schmiegt und sehr viel Umami bietet. Sehr gut (**). Dieser Gang ist allerdings ebenfalls doch mächtig und zumindest die Menüdramatik müsste sich das Restaurant vorwerfen lassen.



                      Der Hauptgang besteht aus gebratenem Milchkalbskarree (mit dem Hinweis herzhaft-durchwachsen), es wird natürlich wieder etwas angegossen (auch schon beim Essen im Vendome wurden in allen 4 Gängen etwas angegossen, ist das momentan der Trend im Kölner Großraum?). Zum ersten Mal gibt es nun auch zwei Teller à part: Einmal Kartoffel-Gnocchi mit Mohn und einmal Garnitur Wellington, Blätterteig würde ich es nennen. Der Fleisch erinnert an die vorhergegangen Fischgänge aus einem mächtigen gegarten Hauptprodukt und einem kleinen Nebenteller. Es lässt keine Wünsche offen allerdings bemerken sich schon vor Ankunft des Tellers Sättigungsgefühle, was mich angesichts des letzten Besuches überrascht. Sehr fein gearbeitet, sehr puristisch. Die Gnocchi mit Mohn sind mir auch noch im Kopf und ergänzen das Fleisch gut. Würden wir hier stehen bleiben hätten wir jetzt nahezu drei Mal in Folge einen ähnlichen Gang erlebt. Zum Glück bleiben wir nicht, denn der zweite Teller à part ist fantastisch und der Star des Menüs. Trotz der Beschreibung habe ich hier viel mehr das Gefühl einen (heißen!) Blätterteig vor mir zu haben in dem sich schmelzende Foie Gras versteckt und in dem schwarzer Trüffel Geschmackspunkte hinzufügt. Auf der Beschreibung findet sich hierzu kein Hinweis und wahrscheinlich interpretiere ich es hier herein (Foie Gras könnte die Creme gewesen sein, der Trüffel vielleicht der Kümmel-Jus?) aber das sind die Assoziationen die dieser Teller in mir auslöst (**, besagter Nebenteller ***).



                      Den Käsegang überspringen wir und kommen nunmehr zum Dessert sucré - salé - poviré. Süß, salzig, pfeffrig. Ich hatte hier schon vorher dazu gelesen und war gespannt. Das Dessert bietet salzig (aber doch auch süß) auf dem Hauptteller das salzige Eis und dazu Mousse au Chocolat und Karamell - das altbekannte aber immer noch sehr schöne Geschmacksbild von Schokolade mit salzigem Karamell. A part in einem Glas an Cannelono mit Ricotta aus Sizilien erinnernd süß der Montélimar Nougat Espuma - etwas schaumig und schnell ausgelöffelt ohne große Begeisterungsstürme zu wecken. Auf einem Nebenteller etwas abseits stehend eine Art kleiner, vom Teig her an Madeleine erinnernder Pfannkuchen (Pomponette) mit dunkler Schokolade - dies erinnert etwas an Pfannkuchen mit Nutella, dazu etwas Pfeffer um die Pikantheit hervorzuheben (definitiv nicht überfordernd). Schön konzipiert und ein schöner klassischer Abschluss. Vielleicht etwas fordernd aber dennoch gefallend (**).



                      Den Abschluss zum Espresso machen die Petit Fours, von denen ich leider kein Foto habe aber auf die ich mich ganz besonders gefreut habe. Selbstgemachtes Salzkaramell, Marshmallow, Macaron und dazu ein selbstgemachter Lolli. Ich musste mich zugegebenermaßen einen Besuch daran gewöhnen aber beim Schreiben dieser Zeilen sehne ich mich wieder nach diesen Köstlichkeiten.

                      Fazit: Abermals erleben wir ein tolles Lunch bestehend aus einzelnen, sehr großen Hauptprodukten und smarten à part-Ergänzungen. Vorwerfen müsste ich dieses mal die Dramaturgie (drei Mal in Folge sehr ähnlich anmutende Gänge), die Mächtigkeit (vor dem Hauptgang schon eintretende Sättigung) und nach oben hin waren die kulinarischen Spitzen diesmal nicht so häufig aufgetreten wie bei unserem letzten Besuch. Es gibt also durchaus Schwankungen. Wer eine sehr gute Küche in NRW sucht, klassisch betont und dennoch in diesem Rahmen kreativ, dazu gewohnt tolle Weine, dem rate ich dringend hier zu besuchen. Die zwei Sterne leuchten weiterhin kräftig. Für unseren Tisch für 3 schlägt der Besuch mit €460 zu Buche.

                      Nachtrag: Ich hatte noch einmal hierüber nachgedacht und ich glaube folgende Aussage trifft es noch besser: Ich hatte schlicht das Gefühl, dass mir statt Vorspeise / Zwischengang / Hauptspeise eher 3 Hauptgänge in Folge serviert wurden. Auch gut.
                      Angehängte Dateien
                      Zuletzt geändert von Frab; 18.06.2017, 13:10.

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                      • #71
                        Lieber Frab, ich bin erst jetzt dazu gekommen, Ihren Bericht zu lesen und die stimmungsvollen Fotos anzuschauen. In der Tat komisch, in einem so geplanten Menü zwei ähnliche Fischgänge aufzunehmen. Ihre Beobachtung, drei Hauptgänge bekommen zu haben, fasst das ja gut zusammen. Da wenn alle Gerichte dann auch gut sind, akzeptiert man das natürlich gern, aber unter einem Menü stellt man sich doch etwas anderes vor. Etwas komisch ist das schon.

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                        • #72
                          Ich war letzte Woche zum ersten Mal im Le Moissonnier und ich hatte ein ausgewogenes Mittagsmenü mit je einem Fischgericht als Vor- und Hauptspeise, die sich aber jeweils doch klar unterschieden haben, sowie einem Fleischgericht als zweiten Hauptgang. Das Mehrtellerkonzept fand ich sehr interessant. Gerade die Hauptgerichte haben da hinsichtlich Abwechslung meiner Ansicht nach klar davon profitiert.


                          Ich hatte ebenfalls den Kabeljau, den Frab schon so schön beschrieben hat. Die Begeisterung für das Risotto kann ich nur unterstreichen.

                          Der fleischige Hauptgang bestand zunächst aus einer unfassbar tollen auf Holzkohle gerillten Täubchenbrust mit Olivenjus und geschmorten Tomaten. Dazu gab es eine ebenso tolle Täubchenpastete mit Strohkartoffel und rohem Eigelb sowie einen offenen Buchweizenraviolo mit Artischokenfüllung. Insgesamt ein ganz toller und stimmiger Gang.

                          Vor- und Nachspeise (Bachsaibling und Dattel Cannelloni) fand ich im Vergleich eher unspektakulär.


                          Außerdem habe ich hier als jemand, der sonst nur sehr selten Alkohol trinkt, zum ersten Mal eine Weinbegleitung ausprobiert. Hat mir leider nicht viel gegeben - außer vielleicht die Erkenntnis, dass man als ungeübter "Trinker" vielleicht nicht einen halben Liter Wein in gut 1,5 Stunden trinken sollte.

                          Insgesamt war das dennoch ein tolles Mittagessen mit einem sehr interessanten Konzept und zwei fantastischen Hauptgängen. Allerdings war es mit drei Tellern auf einem 2-Personen-Tisch teilweise doch etwas eng. Ansonsten fand ich das Bistrokonzept aber klasse.

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                          • #73
                            31 Jahre und kein bisschen leise! Forever young!

                            Das sind die beiden Schlagzeilen, die mir in den Sinn kommen, wenn ich über das Erfolgsgeheimnis des „Moissonnier“ nachdenke. Seit Anfang der 90er Jahre – immer wenn wir mal wieder nach Köln kommen – kehren wir in dieses Muster-Bistro ein, um uns von diesem ungezwungenen französischen Charme und seiner fabelhaften Küche einnehmen zu lassen. Und dieser Charme geht nicht nur von dem wunderbaren Ambiente aus, sondern insbesondere von Liliane und Vincent Moissonnier, die auch nach den vielen Jahren noch für ihr Restaurant brennen und offenbar keinen Stillstand kennen. Und Eric Menchon schafft es immer noch, eine Küche „gegen die Langeweile“ (so ein Kochbuch aus den 90er Jahren) zu zelebrieren. Hier wird mit Leidenschaft und Engagement höchst professionell gearbeitet, was sich in angenehmster Weise auf die weiteren Servicekräfte überträgt.

                            Unser Lunch-Menü:

                            Thunfischbauchfilet scharf angebraten mit Erdnuss-Paste, Wasabi und Passionsfruchtkernen
                            Gemüse-Röllchen ummantelt mit Goldforelle nach Sushi-Art
                            Bouillon von Steinpilzen mit Burrata

                            Meerhecht-Filet pochiert – gebraten in Piment d´Espelette auf Beurre Blanc mit Marc d´Irouléguy. Zwiebel-Variation
                            Gegrillter Sellerie und Consommé von weißen Champignons

                            Rinder-Short-Rib gegrillt und lackiert mit Süßholz auf getoasteter Brioche mit Foie Gras, BBQ-Sauce
                            Crème Brûlée von Mia und Mumbai-Curry
                            Weiße Polenta mit Petersiliencreme

                            Leichtes Biskuit von Minze und Valrhona-Schokolade Nyangbo
                            mit Crystal-Minze-Marmelade, Kardamom-Eis mit Kakaobohnen-Nougatine und Schokoladen-Baiser


                            Puh, das muss man beim Karten-Studium erst einmal verarbeiten! Merken kann man sich das sowieso nicht, so dass wir dankbar für die einzelne Annonce und den einen oder anderen Hinweis sind. Ab dann ist alles ganz einfach. Die Küche hält an ihrem Prinzip fest, die meisten Gerichte auf drei Geschirrteilen anzurichten. So wird deutlich, was zusammengehört und was man sinnvoller Weise in welcher Reihenfolge ist, wobei „Querproben“ durchaus erwünscht und auch reizvoll sind.

                            Dieses Menü ist durchgängig von hoher Qualität, intelligentem Kombinationsvermögen und handwerklichem Können geprägt. Und was macht Menchon daraus? Genau! Nach wie vor eine Küche gegen die Langeweile, die damals vielleicht revolutionär war und sich nicht der gängigen Produkte der übrigen Sterneküche bediente und Lust an neuen Kombinationen weckte. Die heutige sogenannte Avantgarde bewegt sich auf ähnlichen Pfaden, doch wesentlich radikaler, reduzierter und einer „neuen Schlichtheit“ verschrieben, die man durchaus auch kritisch sehen kann, wenn man einmal darüber sinniert, wohin das kulinarisch eigentlich führen soll. Ich möchte hingegen für ein paar Stunden ins Schlaraffenland entführt werden und mich im Restaurant nicht mit einer vermeintlichen „Minimal Art“ zufrieden geben. Ich möchte schwelgen und schwärmen und mir nicht verkopfte Gedanken machen müssen, ob wir z.B. bei „angegegrilltem Lauch mit Petersiliensoße“ (Nobelhart&Schmutzig) wirklich im High-End-Bereich der Kulinarik angelangt sind.

                            Gott sei Dank lässt uns das „Moissonnier“ weiter schwelgen und schwärmen von Gerichten, die aus einem Füllhorn kulinarischer Köstlichkeiten gespeist werden (z. B. die Kombination von Erdnuss-Paste, Wasabi und Passionsfruchtkernen oder die klassische Beurre Blanc, die durch einen Spritzer Marc einen ganz speziellen Ton bekommt) und immer wieder mit kleinen Zugaben versehen werden (z. B. einer Bouillon zum intensiven Thunfischbauch oder einfach einer Consommé zum pochierten Meerhecht, der anschließend mit Piment d´Espelette gebraten wurde). Das Ganze wird eingebunden in ein harmonisches Gesamtbild, das keine Standards bedient, sondern stets von kulinarischer Kreativität und Intelligenz geprägt ist.

                            Der beste Gang im Menü? Der Fleischgang! Und das sage ich selten, da meist die Vorspeisen oder Fischgänge wesentlich spannender sind. Aufbauend auf der Idee des Klassikers „Tournedo Rossini“ hat die Küche hier gegrilltes Short-Rib mit Gänseleber auf ein Brioche geschichtet, das für sich schon mit dem Süßholz ein Gaumengenuss ist, aber durch so etwas Profanes wie eine BBQ-Sauce (natürlich top gemacht!) einen verführerischen „Sommerabend-Lagerfeuer-Touch“ bekommt, dass man auch der nur leisesten Versuchung, sich vielleicht demnächst doch eher vegetarisch zu ernähren, energisch entgegen tritt.

                            So verlässt man nach ein paar Stunden glücklich das „Moissonnier“, flaniert amüsiert durch das umliegende Viertel mit seinen türkischen Läden und Gaststätten, um schließlich im Dom eine Kerze anzuzünden, weil der liebe Gott es doch wieder einmal verdammt gut mit einem gemeint hat.

                            Schönen Gruß, Merlan






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                            • #74
                              Vielen Dank für den appetit-anregenden Bericht, der endlich mal wieder Lust macht, hier mitzulesen. Und schämen Sie sich nicht, dass Sie das Essen gut fanden.

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