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Le Moissonnier**, Köln

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  • #76
    Lieber thomashaj, vielen Dank für den Bericht. Ich finde es gut, dass Sie Ihre Blog-Berichte auch hier posten und ja auch hier im Dialog sind.

    Wir waren in den vergangenen 12 Monaten zweimal im Le Moissonnier und können die guten Eindrücke nur bestätigen.

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    • #77
      Hier kommt demnächst ein Bericht mit Bildern werde das Lokal mit einem alten Klassenkammeraden besuchen!

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      • #78
        Mit Traditionen ist es häufig so, dass man eigentlich gar nicht mehr genau weiß, wann sie begonnen haben. Dass wir schon seit Ewigkeiten das „Le Moissonnier“ besuchen, ist ja nichts Neues, aber wann es angefangen hat, dass wir unseren Jahres-/Hochzeitstag auch dort verbringen, kann ich nicht mehr sagen. Jedenfalls war es heuer wieder soweit und wir finden uns in dem trubeligen Bistro-Ambiente mit original französischem Flair wieder.

        Vincent Moissonnier, ewig junggebliebener und charmanter Patron, begrüßt uns und – zu meiner allergrößten Überraschung - spricht mich auf meine Besprechung vom vergangenen Jahr an und bedankt sich dafür. Als wäre nicht jeder Besuch hier sowieso schon ein Highlight, ist der Abend damit jetzt schon für mich ein Gewinn.

        Aber wir sind ja zum Essen gekommen und wie auch sonst, entscheiden wir uns für eine à la Carte Auswahl. Die startet wie immer mit einem Amuse Bouche, das noch Raum für Fantasie lässt. Das leicht angegarte Lachs-Sashimi auf Sushi-Reis im Meerrettichsud weist eine feine Schärfe nach hinten raus auf, ist aber wie immer bei den Grüßen hier mehr eine kleine Fingerübung, die auf die komplexen Tellerkompositionen einstimmt, die noch kommen werden.


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        Amuse Bouche: Lachs-Sashimi auf Sushi-Reis

        Die Brotauswahl ist seit Jahren unverändert und wie immer ausgezeichnet. Besonders das hauchdünne Knäckebrot hat es mir seit langem angetan.

        Von den Klassikern wählt mein Mann, wie schon so häufig, die Foie Gras von der Ente. Die Terrine ist üppig bemessen, schmelzig, klassisch und so wie sie sein muss, ebenso das Traminergelee. Auch Brioche und Salat dazu sind top.


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        Unsere eigene Entenleberpastete, Gewürztraminer-Gelee
        Salat, Brioche

        Für mich geht es los mit einem Doppelfilet vom Steinbutt. Das ist in brauner Butter perfekt gebraten. Die Süßholznote ist nur dezent spürbar. Im ersten Teller dazu gibt es einen leicht cremig angemachten Bohnensalat mit Kaviar. Die Himbeerpaste dazu ist zwar marginal sichtbar, aber nicht prägnant herauszuschmecken. Ganz wunderbar dazu als Ergänzung ein geliertes Tomatenwasser mit Taschenkrebs und Langustinengelee. Das steuert Frische und eine angenehme Süße bei, die den fülligen Hauptteller angenehm kontrastiert.


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        Steinbutt-Filet in brauner Butter mit Süßholz an der Gräte gebraten auf Herzmuschel-Sud
        Grüner Bohnen-Salat mit Imperial Kaviar-Creme und Himbeer-Paste
        Leicht geliertes Melonen-Wasser, Taschenkrebsfleisch und frische Mandeln (nicht im Bild)

        Für den nächsten Gang wird es auf der Gegenseite noch enger als ohnehin schon, denn diesmal müssen vier Teller untergebracht werden. Die Hauptrolle spielt natürlich die Suppe, die ähnlich einer Bouillabaisse mit sehr aromatischem Meeresfrüchtegeschmack konzentriert daher kommt. Allerdings setzen Mandarinenöl und Zitronengras hier ganz unerwartete Noten, die das Spektrum ausgezeichnet erweitern. Die Fischeinlage, hier bestehend aus gegrillter Jakobsmuschel, Sankt Petersfisch und Pulpo, wird separat auf mit Kräutern und Gewürzen versehenem Meersalz serviert. Alleine diese Bouillabaisse ist bereits hinreißend.
        À part gibt es sehr aromatische Briochecroutons und ein Taschenkrebssalat, der mir zwar etwas dezent gewürzt ist, aber eine frische Note in die Komposition bringt.


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        Jakobsmuschel, gegrillter Sankt-Petersfisch und gedämpfter Pulpo
        lauwarm auf Fischsuppen-Sud mit Mandarinen-Öl, Zitronengras und Seeigel-Zunge

        Brioche-Croutons mit Aioli und Räucherfisch (nicht im Bild)
        Taschenkrebssalat mit rosa Grapefruit

        Da ich bereits mit Fisch begonnen habe, entscheide ich mich für ein Pithivier vom geschmorten Kaninchen, also einer Art Blätterteigtorte. Die Füllung ist extrem würzig mit einer prägnanten Wildnote. Dazu passt auch die intensive Jus mit Trüffel als Paste und in Scheiben sowie der Merrettich, der eine tolle Schärfe beisteuert. Kaninchen gilt ja meist als eher neutrales und geschmacksarmes Fleisch. Das ist hier überhaupt nicht der Fall und vermutlich ist dies das aromatischste Kaninchengericht, das ich je hatte. Beim ersten Bissen wusste ich bereits, dass dies ein toller Gang ist.
        Begleitet wird das von Spitzkohl, der mit angenehm scharfen Kimchi gefüllt ist und einem aromatisierten Tomatenwasser, das angesichts der Jahreszeit einen außergewöhnlich deutlichen Eigengeschmack aufweist und die Schärfe und Würzigkeit der beiden Teller gut abpuffert.


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        Pithivier von geschortem Kaninchen auf Jus von Marc d' Irouléguy mit Meerrettich und Trüffelpaste
        Spitzkohl gefüllt mit Kimchi auf Honig-Grapefruit Vinaigrette
        Tomatenwasser mit Basilikum und wilde Melisse

        Mein Göttergatte wählt im nächsten Gang das super zart gegarte Short Rib mit einer kräftigen Grillnote. Die Sauce Mironton ist mir bisher unbekannt. Im Netz finden sich Rezepte, die vor allem auf Basis von Rinderbouillon, Tomatenkonzentrat, Senf und Zwiebel, manchmal auch Cornichons basiert. In jedem Fall hat diese Version hier ausreichend Wumms, um mit dem Fleisch mithalten zu können.
        Auf den Satellitentellern finden sich Polenta mit kräftig marinierten Gemüsen und Würfel von Foie Gras und Brioche mit Popcorn. Vor allem Letzteres ist eine nette Spielerei, die aber nicht zwingend in einem direkten Zusammenhang zum Protagonisten stehen muss, dem hier aber auch nichts die Schau stehlen sollte.


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        Rinder-Short-Rib braisiert und auf Holzkohle gegrillt, Mironton Sauce
        Popcorn und Foie Gras an Cassis-Essig-Sirup und Brioche mit Patschuli (nicht im Bild)
        Haselnuss-Polenta mit altem Parmesan, Pickles von Kohlrabi, Champignons und Shiitake in rotem Portwein

        Auch in meinem Gang ist die Hauptrolle eigentlich klar vergeben. Die Seezunge kommt als beachtlich fleischiges Doppelfilet mit einer durch Chorizo ordentlich aufgepeppten Beurre Blanc Nantaise und besticht durch fabelhafte Qualität und Zubereitung.
        Aber auch die Mitspieler müssen sich in diesem Ensemble nicht verstecken. Das mit Hechtmousse gefüllte Sandwich ist per se schon toll, die Zwiebelsuppe nicht minder. Und auch die Sepia-Lasagne mit Blumenkohl als Creme und in kleinen Stücken und mit Krabben ist sehr komplex angelegt. Eine deutliche Anis- und Estragonnote ist spürbar. Auch Dill setzt Akzente und insgesamt ist das aromatisch eher als Kontrapunkt zur Seezunge zu sehen, gleichzeitig aber auch spannend, wenn man es im Wechsel isst.
        Zwar nur als kleine Zutat präsent, aber dennoch nicht zu unterschätzen, ist der Garnelen-Chip, auf den auch wieder nur das omnipräsente Adjektiv intensiv zutrifft.


        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ac.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,45 MB ID: 65290Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ad.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,06 MB ID: 65287Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ae.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,55 MB ID: 65292
        Seezunge in dicken Stücken an der Gräte gebraten mit Nantaiser Butter, Chorizo und Champignons
        Kleines Sandwich von Hecht mit Jus von Zwiebelsüppchen und Schalentieren
        Sepia-Lasagne mit Blumenkohl in Anis und Safran,Krevetten und Gurke mit Estragon
        Garnelen-Chip (nicht im Bild)

        Als Dessert soll es zum einen gebratener Braeburn-Apfel sein, der von Mandel-Financiers und einer Ziegenkäsecreme begleitet ist. Das ist insgesamt eher unauffällig. Auch das Heu-Eis mit Lavendelcreme ist nicht wirklich meins. Es ist nicht das erste Heu-Eis, das wir haben und jedes Mal hinterlässt es bei mir den Eindruck, dass es halt einen etwas muffigen Charakter hat. Sehr gut hingegen gefällt mir die Brot-Mousse in einem knusprigen Brot-Tartelette. Das finde ich ausgesprochen originell und köstlich.


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        Braeburn Apfel in der Cocotte in Heu gebraten, dazu Mandel-Financier, Brocciu und Ziegenkäse-Creme mit Wacholder-Sirup
        Heu-Eis mit Lavendel-Gelee (nicht im Bild)
        Brot-Mousse

        Für mich soll es ein Ausflug in die Bretage geben. Der bretonische Butterkuchen weist zwar den typischen Geschmack auf, ist mir aber etwas zu trocken. Da braucht es auf jeden Fall das ausgezeichnete Eis von Kouign Amann, dem bretonischen Blätterteigkuchen, bei dem gesalzene Butter und Zucker das Gebäck zum Süßspeisen gewordenen Alptraum ein jeder Weight Watcher-Versammlung werden lässt. Da käme es auf den Salzkaramell dann auch nicht mehr an. Hier ist er jedoch ausgesprochen nützlich.
        Im Glas dazu gibt es das fruchtig, frische Gegenprogramm in Form von Mango-Mousse, Ananas, Kokos-Krokant. Auch der Rum ist sehr deutlich zu schmecken. Das ist abwechslungsreich, ein schönes cremiges Pendant und macht einfach Spaß.


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        Bretonischer Butterkuchen und Kouign Amann-Eis, Salzbutter-Karamell
        Namelaka mit Zapaca Rum, Green Mojito und soufflierter Quinoa

        Zu den Traditionen im „Le Moissonnier“ gehören die Petits Fours, die sich bis auf die unterschiedlichen Macaron-Versionen eigentlich nie verändert haben. Marshmellow, Karamellbonbon und der Orangen-Lolly werden uns auch in Zukunft begleiten – und das ist auch gut so.


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        Petits Fours
        "Der Orangen-Lolly" (nicht im Bild)

        Ein Essen im „Le Moissonnier“ ist in jedem Fall mit jeder Menge Überraschungen gespickt. Das Duo Menchon / Moissonnier kombiniert nach Lust und Laune und schafft damit viele unerwartete Geschmackserlebnisse. Die Zutaten sind erlesen, die Zubereitungen makellos. Dass die Satellitenteller dabei nicht immer einen direkten Bezug zum Hauptteller haben müssen, gehört zum Spiel. Bei diesem Besuch allerdings habe ich relativ viele Kombinationen erlebt, die eher von ergänzenden als von kontrastierenden Elementen lebten.
        Lediglich die Desserts haben mich dieses Mal nicht völlig überzeugt. Aber das ist angesichts vieler großartiger Gerichte vorher leicht zu verschmerzen.

        Eric Menchon ist in diesem Jahr vom „Gault Millau“ zum Koch des Jahres gewählt worden, eine Auszeichnung, die ich sehr begrüße und angemessen finde, wenn man bedenkt, seit wie vielen Jahrzehnten hier schon auf höchstem Niveau kreativ gearbeitet wird.

        Und das wollen und werden wir auch in Zukunft gerne weiter erleben. Nur unseren nächsten Hochzeitstag werden wir leider nicht im „Le Moissonnier“ feiern können. Die Tradition kommt halt auch an Ruhetagen nicht vorbei. Aber es gibt ja noch 364 andere Tage.

        Bericht und mehr Bilder:
        http://tischnotizen.de/le-moissonnier-koeln-3/

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