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Le Moissonnier**, Köln

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  • thomashaj
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    Was sich im Laufe eines Lebens halt so ansammelt... Und Geschirr kann man ohnehin nie genug haben! :-)

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  • QWERTZ
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    Das sieht alles extem gut aus und ich beneide dich etwas um deine Geschirr-Ausstattung....

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  • thomashaj
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    Die Weltreise in den Menüs des „Le Moissonnier“ geht weiter. Nach Italien und Köln (passend zum Karneval) geht es weiter durch Europa, auch die Karibik und Asien stehen auf dem Reiseplan. Und als hätten Eric Menchon und Vincent Moissonnier es geahnt, dass nach einem Wochenende, an dem man noch auf den Kölner Teichen Schlittschuh laufen konnte, urplötzlich mit 20°C strahlendes Frühlingswetter über die Domstadt hereinbricht, widmen sie sich an diesem Wochenende der spanischen Küche.

    Mittlerweile ist es ja Usus, dass man mit jeder liebevoll vorbereiteten Box nicht nur zahlreiche wiederverwendbare Gläser bekommt, sondern auch immer ein Küchengeschirr. Mittlerweile haben wir diverse Auflaufformen in Gebrauch und auch diesmal werden wir ein weiteres Stück inventarisieren können, denn die Paella ist bereits entsprechend vorbereitet und gleich samt Form vakuumiert. Zusätzlich spendiert man auch zwei farben- und musterintensive Servietten.


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    Die Komponenten

    Der spanische Abend startet mit Jakobsmuscheln, die mit ein paar Butterflocken nur im Backofen erwärmt werden. Gleichzeitig wird die Weißwein-Venusmuschelsauce erhitzt. Das Ergebnis ist eine perfekt auf den Punkt gegarte Jakobsmuschel und eine sehr aromatische Sauce. Ausgezeichnet.


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    Jakobsmuscheln in Weißwein-Venusmuschel-Sauce

    Weiter geht es mit einem kalten Gang, der bereits vollständig vorbereitet ist. Die Aioli-Seehecht-Rillette kommt auf einem Fenchelsalat, der vor allem mit gestiftelten Mandeln sowie kleinen Orangen- und Olivenstücken angereichert ist. Bleibt die Aioli sehr zurückhaltend, ist aber alles andere sehr harmonisch.
    Vincent Moissonnier empfiehlt dazu Weißbrot oder Baguette. Mittlerweile gehört es zu unseren morgendlichen Ritualen, wenn wir in Köln sind, die knapp drei Kilometer in den Stadtteil Lindenthal zu marschieren, um dort in der Artisan Boulangerie Merlê das beste Baguette überhaupt für das Frühstück zu besorgen. Nicht ohne Grund ist Jacques Merlet schon lange Haus- und Hoflieferant für das „Le Moissonnier“ und in der Tat ist sein Baguette besser als das Meiste, das wir aus Frankreich kennen. Sein Croissant übrigens auch. Wenn wir dann nach Hannover zurückfahren, ist natürlich sein Brot dabei. Vincent Moissonnier dürfte also mit der Wahl unserer Beilage sehr zufrieden sein.


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    Aioli-Seehecht-Rillette mit Fenchel-Orangensalat, Orange und Mandeln

    Mit dem Pulpo-Ragout wird es aromatisch schon eine deutliche Spur würziger. Optisch macht das zwar nicht allzu viel her, aber geschmacklich überzeugt die Kombination aus zarten Pulpostücken mit einer Sauce auf Basis von feinster Ochsenherztomate, Weißwein, Chili, Knoblauch und Olivenöl uneingeschränkt.


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    Pulpo-Ragout mit pikanter Tomate Cœur de Boeuf

    Noch einen Gang höher schaltet Eric Menchon mit dem Sobrasada-Bohnenragout als Beilage zum Secreto vom Iberico-Schwein. Das Fleisch ist perfekt gegart und muss nach dem Erwärmen im Backofen lediglich noch in Tranchen geschnitten werden. Das Ragout bekommt vor allem durch die sehr paprikalastige Sobrasada ihren würzigen Charakter. Üblicherweise ist dies ja eine vor allem streichfähige Wurst. Hier findet sie sich jedoch in kleinen, noch relativ festen Stücken wieder, was gut zu den Bohnen passt, die noch angenehm al dente sind. Eine deutliche Note von geräuchertem Paprika zieht sich ebenso durch das Ragout, was wiederum großartig zu der Sauce Romesco passt, eine Sauce aus Katalonien auf Basis von Tomaten, getrockneten Paprika, Mandeln und Knoblauch, ähnlich einem Pesto. In jedem Fall ein tolles Gericht, das als Hauptgericht bereits jedem spanischen Restaurant alle Ehre machen würde.


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    Iberico Secreto mit Sobrasada-Bohnenragout und Sauce Romesco

    So langsam setzt bereits eine gute Sättigung ein, aber wir sind noch lange nicht durch, denn zunächst wird noch ein Stück Tortilla etwas erwärmt. Wenn man schon durch Spanien reist, darf dieser baskische Klassiker natürlich nicht fehlen. Das ist jetzt zwar keine Offenbarung oder überwältigende Neuinterpretation, aber darum geht es hier auch nicht. Die Tortilla aus der „Le Moissonnier“-Küche ist vermutlich genau so, wie sie sein muss, wenn man sie gut machen will. Und schmecken tut sie auch.


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    Baskische Tortilla

    Ein spanisches Essen ohne Paella? Undenkbar! Und deshalb stellt dies auch den Höhepunkt in der Noche Española dar. Nun ist eine Paella aber gar nicht so einfach zuzubereiten und von daher bin ich gespannt, wie Eric Menchon dies für die Take Away-Version gelöst hat. In der Schale finden sich bereits sehr appetitlich alle Zutaten, die man von einer guten Paella erwartet wie Sepia, Calamari, Muscheln, Kaninchen und Hühnchen sowie natürlich diverse Gemüse und angegarter Reis. Separat wird in einer Flasche eine vorbereitete Bouillon mitgeliefert, die zunächst aufgekocht und dann angegossen wird, so dass die Schale gut bedeckt ist. Im Backofen darf der Reis dann für etwa eine halbe Stunde die Flüssigkeit aufsaugen. Das klappt soweit auch sehr gut und die Bräunung sieht auch ordentlich aus.
    Geschmacklich ist am Ergebnis nichts auszusetzen. Bei so feinen Zutaten und Gewürzen hätte ich aus der „Moissonnier“-Küche auch nichts anderes erwartet. Dennoch kommt man bei so einem Gericht dann doch etwas an die Grenzen dessen, was für ein Take Away-Menü machbar ist. Natürlich ist das Gericht von schöner Schlotzigkeit, der Reis sogar fast ein wenig zu weich, aber das ist verschmerzbar. Was aber fehlt, ist das Vergnügen, aus der typischen Paella-Pfanne am Boden die leicht angesetzten Reste auszukratzen, die ich besonders lecker finde oder die etwas feste Oberfläche, die das saftige Innere schützt und gleichzeitig für etwas Texturunterschied sorgt. Aber das ist Mäkelei auf hohem Niveau und ich finde es bemerkenswert genug, dass man sich überhaupt Gedanken gemacht hat, wie man ein so von der klassischen Zubereitungsart mit Eisenpfanne abhängiges Gericht für dieses Konzept umsetzen kann.


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    Paella vorher... und fertig

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    …und angerichtet

    Für das Dessert hat sich Eric Menchon einen weiteren Klassiker aus der spanischen Küche vorgenommen. Die Crème Catalane wird ja häufig als iberisches Gegenstück zur Crème Brûlée betrachtet und in der Tat weisen beide Süßspeisen auch viele Parallelen auf. Mit beidem hat die Version heute aber nicht viel zu tun, denn auf dem Teller haben wir auf einem sehr lockeren Mandelbiskuit eine luftige Creme, die von der Konsistenz eher an eine Crème Pâtissière erinnert. Geschmacklich sind wir mit Mandellikör, Orange und weißer Schokolade aber schon deutlich anders unterwegs. In jedem Fall ist das zum Abschlecken köstlich und so leicht, dass es trotz des fortgeschrittenen Sättigungsgrades problemlos funktioniert.


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    Crème Catalane mit mallorquinischem Mandelbiskuit

    Um das spanische Erlebnis komplett zu machen, gibt es auch noch eine Tüte mit Montecao-Gebäck. Wie bei so vielen spanischen Keksen, sind auch diese mir etwas zu trocken, aber mein Mann liebt sie und der leichte Zimtgeschmack mit dem Haselnussöl im Hintergrund ist ja auch lecker. Und wem es, wie mir, zu trocken ausfällt, dem hilft ja vielleicht die ebenfalls mitgelieferte Flasche selbst kreierter Sangria. Obwohl natürlich mit Rotwein und Gin zubereitet, überwiegt hier ein eher fruchtiger Geschmack und der Alkohol bleibt sehr verhalten. Wir trinken es daher mit Eiswürfeln als Schorle und finden das, gerade auch nach so einem ausgiebigen Essen, sehr erfrischend.


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    Montecao & Sangria

    Die üblichen Petits Fours, bestehend aus Karamellbonbon, Marshmallow und Orangenlutscher fehlen auch heute nicht.


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    Petits Fours

    Ich besinne mich auf einen Rest Brandy, der sich noch irgendwo zwischen den anderen hochprozentigen Flaschen finden muss und beschließe, dass dies den spanischen Abend nun endgültig passend beendet.


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    Brandy

    „Le Moissonnier“ kann also nicht nur italienisch, sondern auch spanisch. Auch das dritte Menü, das wir uns aus Kölns erstem Haus am Platze mit nach Hannover genommen hat, hat uns geschmacklich rundum begeistert. Die Gerichte sind so vorbereitet, dass sie denkbar einfach fertig gestellt werden können. Die hochwertige und nachhaltige Verpackung ist weiterhin beeindruckend, die Beschreibungen inklusive sämtlicher verwendeter Zutaten und Auflistung aller Allergene exemplarisch.

    So kreativ, wie sich die Küche im Restaurant präsentiert, so kompromisslos ist sie auch bei der Qualität der Zutaten und Zubereitungen für diese Take Away-Menüs, selbst wenn sie hier den Fokus mehr auf die Präsentation traditioneller Gerichte setzt und die Kreativität dafür etwas hinten anstellt. Man darf also gespannt sein, welche Ideen dem Duo Menchon / Moissonnier noch kommen und wohin sie die kulinarische Reise um die Welt noch führt, solange sie nicht ihr wunderschönes Restaurant bespielen dürfen.

    #supportyourlocalrestaurants


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/le-moissonnier-koeln-5/
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  • thomashaj
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    Vincent Moissonnier führt sein Take Away auch weiterhin mit Erfolg weiter. Ein Blick auf den Online-Shop, über den man seine Bestellung aufgibt, verrät sehr oft und sehr schnell, dass nahezu alle Gerichte ausverkauft sind. Besonders stark nachgefragt sind auch die immer mal wieder angebotenen Themen-Menüs.

    Wenn allerdings die Instanz in Sachen französischer Küche sich einem italienischen Menü widmet, darf man besonders gespannt sein.

    Wie schon beim Wild-Menü, das wir Ende November genießen durften (Eindrücke hier: https://www.facebook.com/thomas.west...95829197164401), besticht auch dieses Mal erneut die hochwertige Aufmachung mit Flaschen und wiederverwendbaren Gläsern. Und auch diesmal gibt es zum Hauptgang eine Keramik-Auflaufforn, die allerdings angesichts der Fleischstücke hoffnungslos unterdimensioniert ist.


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    Die Komponenten

    Das Menù Italia Grandiosa startet mit einem Apéritif in Form eines weißen Gewürzweins, der wahlweise warm oder kalt getrunken werden kann. Vincent Moissonnier empfiehlt, diesen mit Tonic oder Prosecco aufzugießen. Letzteren haben wir nicht, also nehmen wir Tonic und das ergänzt sich mit den leicht bitteren Noten sehr gut.


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    Weißer Gewürzwein

    Mit einem Klassiker der italienischen Küche geht es los. Das Vitello Tonnato aus der Semmerrolle ist selbstverständlich rosa gegart. Die Thunfischsauce dazu deutlich leichter als üblich, die Garnitur mit Rucola, Pinienkernen, Thunfisch und Kapern nicht überladen. Keine Neuerfindung, aber eine ausgezeichnete Ausführung.


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    Vitello Tonnato

    Es folgt eine klare Tomatenessenz, die lediglich einmal aufgekocht werden muss und dann mit Basilikum-Öl beträufelt wird. Der Geschmack ist prägnant und pikant.


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    Tomatenessenz mit Basilikum-Öl

    Die Auberginen-Trouchia, eine Art Frittata, die ebenfalls kalt oder lauwarm gegessen werden kann, ist mit Taggiache Oliven, konfierten Tomaten und diversen Kräutern angereichert und von recht fluffiger Konsistenz. Gemeinsam mit dem klassischen Basilikum-Pesto als Dip ist das selbst für jemanden wie mich, der kein allzu großer Auberginen-Freund ist, eine köstliche Angelegenheit.


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    Auberginen-Trouchia und Pesto

    Spaghetti alla Puttanesca sind ja ein durchaus bekanntes Gericht. Die Sauce nach Hurenart, so die wörtliche Übersetzung, wird vor allem mit Tomaten, Sardellen, Knoblauch, Kapern und Oliven zubereitet. In der Moissonnier-Version gibt es einen Parmesan-Polentataler und die Puttanesca dazu ist ein Ragout von Miesmuscheln, Crevetten, Jakobsmuscheln und Anchovis. Kapern, Schalotten, Pinienkerne sowie Kräuter und Gewürze runden dieses ungemein würzig aromatische Gericht ab. Sehr viel mediterraner kann es kaum werden.


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    Parmesan-Polenta mit Puttanesca

    Ganz klassisch wird es mit dem Ossobucco. Die opulenten Fleischstücke werden in einer wunderbar intensiven Sauce erwärmt, die neben dem typischen Schmorgemüse auch mit Steinpilzen, Oliven und Trüffelsaft angereichert ist. Das Fleisch ist butterzart, die Sauce vorbildlich.
    Auch ohne Beilage wäre das bereits ein höchst befriedigender Gang gewesen, aber Moissonnier wäre nicht Moissonnier und Eric Menchon nicht Eric Menchon, wenn es nicht auch hierzu noch ein eigenständiges Gericht gäbe. Ein Risotto mit Radicchio soll es sein.
    Dabei ist Risotto normalerweise schon bei der frischen Zubereitung eine heikle Angelegenheit. Können doch wenige Momente darüber entscheiden, ob der Reis zu weich oder die ganze Angelegenheit zu einem trockenem Klumpen gerät. Ausgerechnet das dann als Take Away-Gericht anzubieten, ist also schon recht mutig.
    Aber hier funktioniert das ganz prächtig. In einem Geflügelfond wird der vorgekochte Reis warm gerührt und anschließend mit Gorgonzala cremig abgeschmeckt.
    Beide Komponenten, Fleisch und Risotto, sind zwar rustikal, aber halt auch köstlich. Der Sättigungsgrad ist anschließend allerdings am Anschlag.


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    Ossobucco & Risotto di Radicchio Castelfranco e Gorgonzola

    Käse gibt es auch – und was bietet sich mehr an als ein Parmesan? Dieser hier stammt, wie alle Käse, die es im „Le Moissonnier“ gibt, von der Käse-Instanz Maître Affineur Bernard Antony aus dem Elsass. Kaum ein Restaurant von Weltruf, das seinen Käse nicht von ihm bezieht. Dieser Parmigiano ist mindestens 36 Monate alt und mit einem Schuss altem Balsamico eine nette Knabberei.


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    Parmigiano Reggiano Vacche Rosse Stagionata DOP

    Als Dessert hat Eric Menchon eine Zuppa Inglese vorbereitet. Auf lockerem Biskuit findet sich eine ungemein leckere Vanille Creme mit einem Hauch Amaretto. Dazu gibt es einen Cantuccini, der genau die richtige Konsistenz zwischen weich und hart aufweist.


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    Zuppa Inglese

    Wie im Restaurant gibt es dieses Mal auch die bekannten Petit Fours, also den legendären Orangen-Lolly, der mir persönlich immer etwas zu süß ist, Karamellbonbons und einen Marshmellow.


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    Petit Fours

    Bei den begleitenden Weinen bleiben wir ausnahmsweise deutsch, was allerdings vor allem der Tatsache zu verdanken ist, dass sich so gut wie keine italienischen Weine in unserem Weinkeller finden. Aber auch der Weißburgunder von Van Volxem und der Merlot vom Pfälzer Weingut Borell-Diehl machen eine gute Figur zum Essen.


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    Die Weine

    Das „Le Moissonnier“ kann also auch italienisch. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man um den Qualitätsanspruch und das Können des Duos Moissonnier / Menchon weiß. Aber in wecher Konsequenz man die italo-typische Aromatik in die Gerichte gebracht hat, ist schon beeindruckend. Köstlich sowieso. Selten traf das Motto „Savoir Vivre trifft auf Dolce Vita“ so zu wie hier.


    #supportyourlocalrestaurants


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  • thomashaj
    antwortet
    Mit Traditionen ist es häufig so, dass man eigentlich gar nicht mehr genau weiß, wann sie begonnen haben. Dass wir schon seit Ewigkeiten das „Le Moissonnier“ besuchen, ist ja nichts Neues, aber wann es angefangen hat, dass wir unseren Jahres-/Hochzeitstag auch dort verbringen, kann ich nicht mehr sagen. Jedenfalls war es heuer wieder soweit und wir finden uns in dem trubeligen Bistro-Ambiente mit original französischem Flair wieder.

    Vincent Moissonnier, ewig junggebliebener und charmanter Patron, begrüßt uns und – zu meiner allergrößten Überraschung - spricht mich auf meine Besprechung vom vergangenen Jahr an und bedankt sich dafür. Als wäre nicht jeder Besuch hier sowieso schon ein Highlight, ist der Abend damit jetzt schon für mich ein Gewinn.

    Aber wir sind ja zum Essen gekommen und wie auch sonst, entscheiden wir uns für eine à la Carte Auswahl. Die startet wie immer mit einem Amuse Bouche, das noch Raum für Fantasie lässt. Das leicht angegarte Lachs-Sashimi auf Sushi-Reis im Meerrettichsud weist eine feine Schärfe nach hinten raus auf, ist aber wie immer bei den Grüßen hier mehr eine kleine Fingerübung, die auf die komplexen Tellerkompositionen einstimmt, die noch kommen werden.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_49a.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,93 MB ID: 65298
    Amuse Bouche: Lachs-Sashimi auf Sushi-Reis

    Die Brotauswahl ist seit Jahren unverändert und wie immer ausgezeichnet. Besonders das hauchdünne Knäckebrot hat es mir seit langem angetan.

    Von den Klassikern wählt mein Mann, wie schon so häufig, die Foie Gras von der Ente. Die Terrine ist üppig bemessen, schmelzig, klassisch und so wie sie sein muss, ebenso das Traminergelee. Auch Brioche und Salat dazu sind top.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_49e.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,34 MB ID: 65288Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_49f.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,95 MB ID: 65303
    Unsere eigene Entenleberpastete, Gewürztraminer-Gelee
    Salat, Brioche

    Für mich geht es los mit einem Doppelfilet vom Steinbutt. Das ist in brauner Butter perfekt gebraten. Die Süßholznote ist nur dezent spürbar. Im ersten Teller dazu gibt es einen leicht cremig angemachten Bohnensalat mit Kaviar. Die Himbeerpaste dazu ist zwar marginal sichtbar, aber nicht prägnant herauszuschmecken. Ganz wunderbar dazu als Ergänzung ein geliertes Tomatenwasser mit Taschenkrebs und Langustinengelee. Das steuert Frische und eine angenehme Süße bei, die den fülligen Hauptteller angenehm kontrastiert.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a0.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,49 MB ID: 65291Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a1.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,90 MB ID: 65299
    Steinbutt-Filet in brauner Butter mit Süßholz an der Gräte gebraten auf Herzmuschel-Sud
    Grüner Bohnen-Salat mit Imperial Kaviar-Creme und Himbeer-Paste
    Leicht geliertes Melonen-Wasser, Taschenkrebsfleisch und frische Mandeln (nicht im Bild)

    Für den nächsten Gang wird es auf der Gegenseite noch enger als ohnehin schon, denn diesmal müssen vier Teller untergebracht werden. Die Hauptrolle spielt natürlich die Suppe, die ähnlich einer Bouillabaisse mit sehr aromatischem Meeresfrüchtegeschmack konzentriert daher kommt. Allerdings setzen Mandarinenöl und Zitronengras hier ganz unerwartete Noten, die das Spektrum ausgezeichnet erweitern. Die Fischeinlage, hier bestehend aus gegrillter Jakobsmuschel, Sankt Petersfisch und Pulpo, wird separat auf mit Kräutern und Gewürzen versehenem Meersalz serviert. Alleine diese Bouillabaisse ist bereits hinreißend.
    À part gibt es sehr aromatische Briochecroutons und ein Taschenkrebssalat, der mir zwar etwas dezent gewürzt ist, aber eine frische Note in die Komposition bringt.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a3.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,88 MB ID: 65297Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a5.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,95 MB ID: 65300
    Jakobsmuschel, gegrillter Sankt-Petersfisch und gedämpfter Pulpo
    lauwarm auf Fischsuppen-Sud mit Mandarinen-Öl, Zitronengras und Seeigel-Zunge

    Brioche-Croutons mit Aioli und Räucherfisch (nicht im Bild)
    Taschenkrebssalat mit rosa Grapefruit

    Da ich bereits mit Fisch begonnen habe, entscheide ich mich für ein Pithivier vom geschmorten Kaninchen, also einer Art Blätterteigtorte. Die Füllung ist extrem würzig mit einer prägnanten Wildnote. Dazu passt auch die intensive Jus mit Trüffel als Paste und in Scheiben sowie der Merrettich, der eine tolle Schärfe beisteuert. Kaninchen gilt ja meist als eher neutrales und geschmacksarmes Fleisch. Das ist hier überhaupt nicht der Fall und vermutlich ist dies das aromatischste Kaninchengericht, das ich je hatte. Beim ersten Bissen wusste ich bereits, dass dies ein toller Gang ist.
    Begleitet wird das von Spitzkohl, der mit angenehm scharfen Kimchi gefüllt ist und einem aromatisierten Tomatenwasser, das angesichts der Jahreszeit einen außergewöhnlich deutlichen Eigengeschmack aufweist und die Schärfe und Würzigkeit der beiden Teller gut abpuffert.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a6.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,73 MB ID: 65294Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a7.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,98 MB ID: 65301 Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

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    Pithivier von geschortem Kaninchen auf Jus von Marc d' Irouléguy mit Meerrettich und Trüffelpaste
    Spitzkohl gefüllt mit Kimchi auf Honig-Grapefruit Vinaigrette
    Tomatenwasser mit Basilikum und wilde Melisse

    Mein Göttergatte wählt im nächsten Gang das super zart gegarte Short Rib mit einer kräftigen Grillnote. Die Sauce Mironton ist mir bisher unbekannt. Im Netz finden sich Rezepte, die vor allem auf Basis von Rinderbouillon, Tomatenkonzentrat, Senf und Zwiebel, manchmal auch Cornichons basiert. In jedem Fall hat diese Version hier ausreichend Wumms, um mit dem Fleisch mithalten zu können.
    Auf den Satellitentellern finden sich Polenta mit kräftig marinierten Gemüsen und Würfel von Foie Gras und Brioche mit Popcorn. Vor allem Letzteres ist eine nette Spielerei, die aber nicht zwingend in einem direkten Zusammenhang zum Protagonisten stehen muss, dem hier aber auch nichts die Schau stehlen sollte.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4a9.jpeg Ansichten: 0 Größe: 3,07 MB ID: 65304Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ab.jpeg Ansichten: 0 Größe: 3,28 MB ID: 65305
    Rinder-Short-Rib braisiert und auf Holzkohle gegrillt, Mironton Sauce
    Popcorn und Foie Gras an Cassis-Essig-Sirup und Brioche mit Patschuli (nicht im Bild)
    Haselnuss-Polenta mit altem Parmesan, Pickles von Kohlrabi, Champignons und Shiitake in rotem Portwein

    Auch in meinem Gang ist die Hauptrolle eigentlich klar vergeben. Die Seezunge kommt als beachtlich fleischiges Doppelfilet mit einer durch Chorizo ordentlich aufgepeppten Beurre Blanc Nantaise und besticht durch fabelhafte Qualität und Zubereitung.
    Aber auch die Mitspieler müssen sich in diesem Ensemble nicht verstecken. Das mit Hechtmousse gefüllte Sandwich ist per se schon toll, die Zwiebelsuppe nicht minder. Und auch die Sepia-Lasagne mit Blumenkohl als Creme und in kleinen Stücken und mit Krabben ist sehr komplex angelegt. Eine deutliche Anis- und Estragonnote ist spürbar. Auch Dill setzt Akzente und insgesamt ist das aromatisch eher als Kontrapunkt zur Seezunge zu sehen, gleichzeitig aber auch spannend, wenn man es im Wechsel isst.
    Zwar nur als kleine Zutat präsent, aber dennoch nicht zu unterschätzen, ist der Garnelen-Chip, auf den auch wieder nur das omnipräsente Adjektiv intensiv zutrifft.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ac.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,45 MB ID: 65290Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ad.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,06 MB ID: 65287Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4ae.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,55 MB ID: 65292
    Seezunge in dicken Stücken an der Gräte gebraten mit Nantaiser Butter, Chorizo und Champignons
    Kleines Sandwich von Hecht mit Jus von Zwiebelsüppchen und Schalentieren
    Sepia-Lasagne mit Blumenkohl in Anis und Safran,Krevetten und Gurke mit Estragon
    Garnelen-Chip (nicht im Bild)

    Als Dessert soll es zum einen gebratener Braeburn-Apfel sein, der von Mandel-Financiers und einer Ziegenkäsecreme begleitet ist. Das ist insgesamt eher unauffällig. Auch das Heu-Eis mit Lavendelcreme ist nicht wirklich meins. Es ist nicht das erste Heu-Eis, das wir haben und jedes Mal hinterlässt es bei mir den Eindruck, dass es halt einen etwas muffigen Charakter hat. Sehr gut hingegen gefällt mir die Brot-Mousse in einem knusprigen Brot-Tartelette. Das finde ich ausgesprochen originell und köstlich.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4b0.jpeg Ansichten: 0 Größe: 4,23 MB ID: 65306Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4b2.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,97 MB ID: 65302
    Braeburn Apfel in der Cocotte in Heu gebraten, dazu Mandel-Financier, Brocciu und Ziegenkäse-Creme mit Wacholder-Sirup
    Heu-Eis mit Lavendel-Gelee (nicht im Bild)
    Brot-Mousse

    Für mich soll es ein Ausflug in die Bretage geben. Der bretonische Butterkuchen weist zwar den typischen Geschmack auf, ist mir aber etwas zu trocken. Da braucht es auf jeden Fall das ausgezeichnete Eis von Kouign Amann, dem bretonischen Blätterteigkuchen, bei dem gesalzene Butter und Zucker das Gebäck zum Süßspeisen gewordenen Alptraum ein jeder Weight Watcher-Versammlung werden lässt. Da käme es auf den Salzkaramell dann auch nicht mehr an. Hier ist er jedoch ausgesprochen nützlich.
    Im Glas dazu gibt es das fruchtig, frische Gegenprogramm in Form von Mango-Mousse, Ananas, Kokos-Krokant. Auch der Rum ist sehr deutlich zu schmecken. Das ist abwechslungsreich, ein schönes cremiges Pendant und macht einfach Spaß.


    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4b3.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,91 MB ID: 65296Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: fullsizeoutput_4b5.jpeg Ansichten: 0 Größe: 2,27 MB ID: 65289
    Bretonischer Butterkuchen und Kouign Amann-Eis, Salzbutter-Karamell
    Namelaka mit Zapaca Rum, Green Mojito und soufflierter Quinoa

    Zu den Traditionen im „Le Moissonnier“ gehören die Petits Fours, die sich bis auf die unterschiedlichen Macaron-Versionen eigentlich nie verändert haben. Marshmellow, Karamellbonbon und der Orangen-Lolly werden uns auch in Zukunft begleiten – und das ist auch gut so.


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    Petits Fours
    "Der Orangen-Lolly" (nicht im Bild)

    Ein Essen im „Le Moissonnier“ ist in jedem Fall mit jeder Menge Überraschungen gespickt. Das Duo Menchon / Moissonnier kombiniert nach Lust und Laune und schafft damit viele unerwartete Geschmackserlebnisse. Die Zutaten sind erlesen, die Zubereitungen makellos. Dass die Satellitenteller dabei nicht immer einen direkten Bezug zum Hauptteller haben müssen, gehört zum Spiel. Bei diesem Besuch allerdings habe ich relativ viele Kombinationen erlebt, die eher von ergänzenden als von kontrastierenden Elementen lebten.
    Lediglich die Desserts haben mich dieses Mal nicht völlig überzeugt. Aber das ist angesichts vieler großartiger Gerichte vorher leicht zu verschmerzen.

    Eric Menchon ist in diesem Jahr vom „Gault Millau“ zum Koch des Jahres gewählt worden, eine Auszeichnung, die ich sehr begrüße und angemessen finde, wenn man bedenkt, seit wie vielen Jahrzehnten hier schon auf höchstem Niveau kreativ gearbeitet wird.

    Und das wollen und werden wir auch in Zukunft gerne weiter erleben. Nur unseren nächsten Hochzeitstag werden wir leider nicht im „Le Moissonnier“ feiern können. Die Tradition kommt halt auch an Ruhetagen nicht vorbei. Aber es gibt ja noch 364 andere Tage.

    Bericht und mehr Bilder:
    http://tischnotizen.de/le-moissonnier-koeln-3/

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  • Katja;Frank
    antwortet
    Hier kommt demnächst ein Bericht mit Bildern werde das Lokal mit einem alten Klassenkammeraden besuchen!

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  • bernard
    antwortet
    Lieber thomashaj, vielen Dank für den Bericht. Ich finde es gut, dass Sie Ihre Blog-Berichte auch hier posten und ja auch hier im Dialog sind.

    Wir waren in den vergangenen 12 Monaten zweimal im Le Moissonnier und können die guten Eindrücke nur bestätigen.

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  • thomashaj
    antwortet
    Die Geschichte beginnt im April 1987, also vor bald 32 Jahren. Vincent und Liliane Moissonnier eröffneten in der ansonsten farblos, langweiligen Krefelder Straße ein Bistro, das den Kölnern damals wie ein Fremdkörper vorgekommen sein muss. So urfranzösisch war es eingerichtet mit Jugendstilmalereien, Säulen, Holzstühlen, kleinen, eng gestellten Tischen und einem Tresen, an dem unaufhörlich Flasche um Flasche und Glas um Glas bereit gestellt wurde. Originaler kann man es sich auch nicht in Paris oder Marseille vorstellen. Bis heute hat sich hieran so gut wie nichts verändert.

    Der Gault Millau listet das Haus erstmals in seiner 1989er-Ausgabe mit 13 Punkten und vermerkt launisch: „Seit Franz Kellers Bistro geschlossen ist, gehen die Schickis in den Alten Wartesaal und die Mickis hierher – oder umgekehrt.“ Immerhin gesteht man damals schon zu, dass aus kulinarischer Sicht das „Moisssonnier“ bei dieser Wahl den Vorzug bekommen sollte. Die Küche wird als klassisch, ländlich, unprätentiös, aber engagiert zubereitet beschrieben. Nun, heute würde man Eric Menchons Küche mit dieser Umschreibung sicher nicht mehr gerecht werden.
    Es brauchte noch bis zur Ausgabe 1992, bis dann auch beim Gault Millau die Post abging und statt Plattitüden das kreative Potential des Duos Menchon / Moissonnier erkannt und gefeiert wurde.

    Irgendwann in dieser Zeit muss es wohl auch gewesen sein, dass wir das erste Mal dort zu Besuch waren. Schon damals waren die Gerichte detailliertest beschrieben, die Grenzen zwischen Vorspeisen und Hauptgerichten fließend und ein Menü gab es nicht. Letzteres hat sich geändert, alles andere nicht. Genau so wenig wie die quirlige Atmosphäre, der jungenhafte Charme des scheinbar nicht alternden Patrons oder die zahlreichen Teller pro Gericht, die der Service dann doch immer irgendwie geschickt auf den kleinen Tischen unterbringt. Es war damals Liebe auf den ersten Blick und Biss. So köstlich, ungewohnt und in unkonventionellem Ambiente hatten wir bis dahin kaum irgendwo gegessen. Solche Liebesgeschichten dauern dann bei mir auch immer lange an und sind ein guter Anlass, die eigene Liebesgeschichte, die ein wenig länger andauert als die des „Le Moissonnier“ zu feiern. Nicht zum ersten Mal zelebrieren wir hier also unseren Jahres- und mittlerweile auch Hochzeitstag und lassen das Wochenmenü beiseite und wählen jeweils à la Carte.

    Das Amuse Bouche fällt erfahrungsgemäß immer etwas zurückhaltend aus, so als wolle die Küche bewusst noch Raum zum Hochschalten der Gänge haben. Und so ist der geräucherte Aal, in einer kleinen Sülze gearbeitet und mit etwas Salat und Kopfsalatcreme angerichtet vor allem leicht und charmant.

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    Amuse Bouche: Geräucherter Aal, Kopfsalatcreme

    Von gewohnt ausgezeichneter Qualität die Brotauswahl und Butter.

    Neben den Kreativgerichten gibt es auf der Karte seit jeher einige wenige Klassiker wie Austern, die südfranzösische Fischsuppe oder die Foie Gras. Mit letzterer startet mein Mann in sein Menü. Die Terrine sehr traditionell und schmelzig zubereitet mit feinem Gewürztraminer-Gelee und einem kleinen Salat und Brioche.

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Name: Le Moissonnier_4_Foie Gras de Canard.jpg
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    Unsere eigene Entenleberpastete, Gewürztraminer-Gelee...
    ..und Salat (nicht im Bild)


    Für mich geht es mit dem Meerhecht los, der zum einen recht puristisch mit einer Beurre Blanc kommt, die etwas würziger ausfällt, was ich dem Marc d'Irouleguy zuschreibe, mit der sie aromatisiert ist.
    Separat betört eine Variation von verschiedenen Zwiebeln. Perlzwiebeln, Roscoff, rote und weiße sowie eine Soubise, die klassische Zwiebelsauce, deklinieren das Thema elegant durch. Zusammen mit der Comté-Creme ergibt sich ein angenehm fülliges Geschmacksbild.
    Umami liefert der zweite Teller à part, der mit einer intensiven Champignon-Essenz mit Sellerie und Totentrompeten aufwartet. In Summe ist das eine sehr schöne erdige Einfassung für den perfekt gegarten Fisch.

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    Meerhecht-Filet pochiert und gebraten in Piment d'Espelette
    auf Beurre Blanc mit Marc d'Irouléguy

    Zwiebel-Variation
    Gegrillter Sellerie und Consommé von Champignons

    Der rote Thunfisch im nächsten Gang ist kurz angebraten und neben gegrillten Frühlingszwiebeln mit einem leichten Crunch versehen. Der eigentliche Star in diesem Gang ist für mich aber der Teller mit den Kürbisravioli, die mit Krebsfleisch gefüllt sind und denen eine intensive, tiefgründige Krustentierjus angegossen wird.
    Als frisches Element dient ein Salatröllchen mit Nordseekrabben.

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    Filets vom roten Thunfisch kurz angebraten mit Zitrus-Schaum und gegrillten Frühlingszwiebeln
    Dünner Kürbis-Raviolo gefüllt mit Taschenkrebsfleisch und Frischkäse auf Schalentier-Jus
    Roll von Kopfsalat, Garnelen und Sellerie, dazu asiatische Mayonnaise (nicht im Bild)

    So gut der Thunfisch auch ist: in der internen Tischwertung macht meine Wahl hingegen das eindeutige Rennen. Betitelt als „Comme une Bouillabaisse légère“ kommen sauber aufgereiht Petersfisch, Drachenfisch und Kaisergranat in ausgezeichneter Qualität und Garung mit einer leichten, aber deswegen nicht weniger klasse schmeckenden Bouillabaisse.
    À part und ganz minimalistisch ein dünn aufgeschnittener Oktopus, der vom Grillen ein ganz zartes Raucharoma mitbekommen hat und etwas kräftige Rindersauce.
    Um den ersten Platz als Hauptdarsteller in diesem Ensemble kämpft auch noch das Panini vom geräucherten Butterfisch mit, der nicht nur eine tolle krosse Hülle als Textur liefert, sondern mit diversen Cremes für sich genommen bereits ein eigenständiges Gericht sein könnte.
    Da ich mich kaum entscheiden kann, welchen der drei Teller ich köstlicher finde, kann ich, wie so oft hier, nur permanent hin- und her probieren. Eine tolle Komposition!

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    Sankt-Petersfisch, Drachenfisch und isländische Langustine auf Bouillabaisse-Emulsion
    Gegrillter Oktopus-Carpaccio auf Rinder-Bratsaft (nicht im Bild)
    Panini von geräuchertem Butterfisch auf Eierschaum und Kapernpaste

    Dass auf dem Hauptteller nicht unbedingt immer das feinste Stück vom Tier die Hauptrolle spielen muss, zeigt sich mit den Bonbons vom Limousin-Lammnacken. Gegrillt und geräuchert bringt alleine schon viel Aromatik ins Spiel, aber zusammen mit der Harissa ergibt sich eine wunderbare Würzigkeit.
    Der ebenfalls gegrillte Rücken lässt zwar die Kümmel-Marinade nicht wirklich erkennen, bekommt aber mit der schönen Jus einen recht klassischen Anstrich.
    Damit es aber nicht nur Fleisch gibt, reicht Menchon noch gepressten, recht festen Couscous, der mit Minz-Joghurt eine leicht arabischen Touch in das Gericht bringt.

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    Limousin-Lamm gegrillt und mit Wacholder geräuchert, Bonbons vom Lammnacken mit Trockenfrüchten und hausgemachter Harissa
    Der Rücken mariniert mit Kümmel und auf Holzkohle gegrillt an Oliven-Bergamotte Puder
    Gepresster Couscous und grüner Spargel-Krapfen mit Nanah Minz-Joghurt und gebratenen Kräuterseitlingen

    Auf meiner Seite des Tisches wird derweil ein Ensemble aufgebaut, bei dem sich die Frage nach dem Protagonisten ausnahmsweise mal nicht stellt. Auf getoasteten Briochescheiben ist super zart gegrilltes Short Rib mit etwas Foie Gras geschichtet. Mit der großartigen BBQ-Sauce ist alleine diese Kombi schon fabelhaft, dass ich die übrigen Teller fast nicht bräuchte.
    Die Polentataler mit gegrilltem Lauch und Parmesan sind relativ mild und holen alles etwas runter, die Crème Brûlée von Mais und Curry ist für die milde Cremigkeit zuständig. Aber alles überstrahlend bleibt das großartige Fleisch.

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    Rinder-Short-Rib gegrillt und lackiert mit Süßholz auf getoasteter Brioche mit Foie Gras, BBQ Sauce
    Weiße Polenta mit Petersiliencreme
    Crème Brûlée von Mais und Mumbai-Curry

    Beim Dessert entscheidet sich meine bessere Hälfte wie so oft für das Schokoladige, hier in Form eines Parfaits mit Karamellfüllung auf Crumble. Die karamellisierten Erdnüsse bilden die Brücke zu dem fantastischen Erdnussbutter-Eis, das auf einer Wasabi-Ganache gebettet ist.

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    Caramelia Schokoladen-Parfait mit Karamellfüllung auf dunklem Schokoladen-Crumble, Erdnüsse karamellisiert auf kantonesische Art, Chouchou von Kakaobohnen-Bruch
    Sesam Erdnussbutter-Eis mit Wasabi-Ganache und -Puder

    Für mich wird es deutlich fruchtiger. Eine luftige Molke-Mousse harmoniert mit Blaubeergelee, Joghurt und Biskuit-Brösel sehr schön, bleibt aber auch etwas unaufregend. Toll hingegen ist das Espuma vom Cheesecake mit Ahornsirup-Flocken. Das Eis hingegen hat zwar eine ausgezeichnete Konsistenz, lässt aber den Wacholdergeschmack nur dezent erkennen und bleibt deshalb etwas lau.
    Ich bin nicht unzufrieden, aber das Dessert auf der anderen Seite ist diesmal der Winner.

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    Molke Mousse und Schokoladen-Mandel-Biskuit mit Blaubeergelee, Joghurt-Puder und Bienennest-Hippe
    Espumas von Cheesecake, Cassis Sirup von der Île d'Orléans, Ahornsirup-Flocken
    Cremiges Wacholderbeer-Eis (nicht im Bild)

    Zu den unverwüstlichen Klassikern im „Le Moissonnier“ gehören ein Macaron, ein Karamellbonbon und der Orangen-Lolly als Petits Fours, die auch diesmal nicht fehlen dürfen.

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    Petits Fours

    Auch nach 32 Jahren hat das „Le Moissonnier“ nichts von seiner Strahlkraft für mich verloren. Eric Menchons Kreativitätsmaschine läuft unermüdlich weiter. Arabische Akzente geben den Gerichten häufig einen besonderen Kick. Dieses Mal fand ich den Einsatz von Gegrilltem sehr gelungen.
    Ob die Satellitenteller in den einzelnen Gängen immer einen direkten Bezug haben müssen, finde ich nicht wichtig. Bei vergangenen Besuchen war nicht immer sofort erkennbar, ob sie eine bewusste Ergänzung oder Kontrastierung sein sollten. Trotzdem machte das Querprobieren und -kombinieren immer schon Spaß.
    In diesem Menü empfand ich vieles als sehr stimmig und zueinander gehörend, ob als texturelle und geschmackliche Ergänzung. Ganz herausragend waren hierbei meine „Bouillabaisse“-Interpretation und das Short Rib. Alleine für diese Gänge hätte sich der Besuch bereits gelohnt.

    Und genau für diese Erlebnisse, diese Überraschungsmomente, die fabelhaften Produktqualitäten und originellen Zubereitungen komme ich auch weiterhin gerne wieder. So ist das eben mit Liebesgeschichten, die andauern.


    Bericht und sämtliche Bilder auch auf tischnotizen.de/le-moissonnier-koeln-2/

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  • Gourmet89
    antwortet
    Vielen Dank für den appetit-anregenden Bericht, der endlich mal wieder Lust macht, hier mitzulesen. Und schämen Sie sich nicht, dass Sie das Essen gut fanden.

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  • merlan
    antwortet
    31 Jahre und kein bisschen leise! Forever young!

    Das sind die beiden Schlagzeilen, die mir in den Sinn kommen, wenn ich über das Erfolgsgeheimnis des „Moissonnier“ nachdenke. Seit Anfang der 90er Jahre – immer wenn wir mal wieder nach Köln kommen – kehren wir in dieses Muster-Bistro ein, um uns von diesem ungezwungenen französischen Charme und seiner fabelhaften Küche einnehmen zu lassen. Und dieser Charme geht nicht nur von dem wunderbaren Ambiente aus, sondern insbesondere von Liliane und Vincent Moissonnier, die auch nach den vielen Jahren noch für ihr Restaurant brennen und offenbar keinen Stillstand kennen. Und Eric Menchon schafft es immer noch, eine Küche „gegen die Langeweile“ (so ein Kochbuch aus den 90er Jahren) zu zelebrieren. Hier wird mit Leidenschaft und Engagement höchst professionell gearbeitet, was sich in angenehmster Weise auf die weiteren Servicekräfte überträgt.

    Unser Lunch-Menü:

    Thunfischbauchfilet scharf angebraten mit Erdnuss-Paste, Wasabi und Passionsfruchtkernen
    Gemüse-Röllchen ummantelt mit Goldforelle nach Sushi-Art
    Bouillon von Steinpilzen mit Burrata

    Meerhecht-Filet pochiert – gebraten in Piment d´Espelette auf Beurre Blanc mit Marc d´Irouléguy. Zwiebel-Variation
    Gegrillter Sellerie und Consommé von weißen Champignons

    Rinder-Short-Rib gegrillt und lackiert mit Süßholz auf getoasteter Brioche mit Foie Gras, BBQ-Sauce
    Crème Brûlée von Mia und Mumbai-Curry
    Weiße Polenta mit Petersiliencreme

    Leichtes Biskuit von Minze und Valrhona-Schokolade Nyangbo
    mit Crystal-Minze-Marmelade, Kardamom-Eis mit Kakaobohnen-Nougatine und Schokoladen-Baiser


    Puh, das muss man beim Karten-Studium erst einmal verarbeiten! Merken kann man sich das sowieso nicht, so dass wir dankbar für die einzelne Annonce und den einen oder anderen Hinweis sind. Ab dann ist alles ganz einfach. Die Küche hält an ihrem Prinzip fest, die meisten Gerichte auf drei Geschirrteilen anzurichten. So wird deutlich, was zusammengehört und was man sinnvoller Weise in welcher Reihenfolge ist, wobei „Querproben“ durchaus erwünscht und auch reizvoll sind.

    Dieses Menü ist durchgängig von hoher Qualität, intelligentem Kombinationsvermögen und handwerklichem Können geprägt. Und was macht Menchon daraus? Genau! Nach wie vor eine Küche gegen die Langeweile, die damals vielleicht revolutionär war und sich nicht der gängigen Produkte der übrigen Sterneküche bediente und Lust an neuen Kombinationen weckte. Die heutige sogenannte Avantgarde bewegt sich auf ähnlichen Pfaden, doch wesentlich radikaler, reduzierter und einer „neuen Schlichtheit“ verschrieben, die man durchaus auch kritisch sehen kann, wenn man einmal darüber sinniert, wohin das kulinarisch eigentlich führen soll. Ich möchte hingegen für ein paar Stunden ins Schlaraffenland entführt werden und mich im Restaurant nicht mit einer vermeintlichen „Minimal Art“ zufrieden geben. Ich möchte schwelgen und schwärmen und mir nicht verkopfte Gedanken machen müssen, ob wir z.B. bei „angegegrilltem Lauch mit Petersiliensoße“ (Nobelhart&Schmutzig) wirklich im High-End-Bereich der Kulinarik angelangt sind.

    Gott sei Dank lässt uns das „Moissonnier“ weiter schwelgen und schwärmen von Gerichten, die aus einem Füllhorn kulinarischer Köstlichkeiten gespeist werden (z. B. die Kombination von Erdnuss-Paste, Wasabi und Passionsfruchtkernen oder die klassische Beurre Blanc, die durch einen Spritzer Marc einen ganz speziellen Ton bekommt) und immer wieder mit kleinen Zugaben versehen werden (z. B. einer Bouillon zum intensiven Thunfischbauch oder einfach einer Consommé zum pochierten Meerhecht, der anschließend mit Piment d´Espelette gebraten wurde). Das Ganze wird eingebunden in ein harmonisches Gesamtbild, das keine Standards bedient, sondern stets von kulinarischer Kreativität und Intelligenz geprägt ist.

    Der beste Gang im Menü? Der Fleischgang! Und das sage ich selten, da meist die Vorspeisen oder Fischgänge wesentlich spannender sind. Aufbauend auf der Idee des Klassikers „Tournedo Rossini“ hat die Küche hier gegrilltes Short-Rib mit Gänseleber auf ein Brioche geschichtet, das für sich schon mit dem Süßholz ein Gaumengenuss ist, aber durch so etwas Profanes wie eine BBQ-Sauce (natürlich top gemacht!) einen verführerischen „Sommerabend-Lagerfeuer-Touch“ bekommt, dass man auch der nur leisesten Versuchung, sich vielleicht demnächst doch eher vegetarisch zu ernähren, energisch entgegen tritt.

    So verlässt man nach ein paar Stunden glücklich das „Moissonnier“, flaniert amüsiert durch das umliegende Viertel mit seinen türkischen Läden und Gaststätten, um schließlich im Dom eine Kerze anzuzünden, weil der liebe Gott es doch wieder einmal verdammt gut mit einem gemeint hat.

    Schönen Gruß, Merlan






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  • Stardust
    antwortet
    Ich war letzte Woche zum ersten Mal im Le Moissonnier und ich hatte ein ausgewogenes Mittagsmenü mit je einem Fischgericht als Vor- und Hauptspeise, die sich aber jeweils doch klar unterschieden haben, sowie einem Fleischgericht als zweiten Hauptgang. Das Mehrtellerkonzept fand ich sehr interessant. Gerade die Hauptgerichte haben da hinsichtlich Abwechslung meiner Ansicht nach klar davon profitiert.


    Ich hatte ebenfalls den Kabeljau, den Frab schon so schön beschrieben hat. Die Begeisterung für das Risotto kann ich nur unterstreichen.

    Der fleischige Hauptgang bestand zunächst aus einer unfassbar tollen auf Holzkohle gerillten Täubchenbrust mit Olivenjus und geschmorten Tomaten. Dazu gab es eine ebenso tolle Täubchenpastete mit Strohkartoffel und rohem Eigelb sowie einen offenen Buchweizenraviolo mit Artischokenfüllung. Insgesamt ein ganz toller und stimmiger Gang.

    Vor- und Nachspeise (Bachsaibling und Dattel Cannelloni) fand ich im Vergleich eher unspektakulär.


    Außerdem habe ich hier als jemand, der sonst nur sehr selten Alkohol trinkt, zum ersten Mal eine Weinbegleitung ausprobiert. Hat mir leider nicht viel gegeben - außer vielleicht die Erkenntnis, dass man als ungeübter "Trinker" vielleicht nicht einen halben Liter Wein in gut 1,5 Stunden trinken sollte.

    Insgesamt war das dennoch ein tolles Mittagessen mit einem sehr interessanten Konzept und zwei fantastischen Hauptgängen. Allerdings war es mit drei Tellern auf einem 2-Personen-Tisch teilweise doch etwas eng. Ansonsten fand ich das Bistrokonzept aber klasse.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Lieber Frab, ich bin erst jetzt dazu gekommen, Ihren Bericht zu lesen und die stimmungsvollen Fotos anzuschauen. In der Tat komisch, in einem so geplanten Menü zwei ähnliche Fischgänge aufzunehmen. Ihre Beobachtung, drei Hauptgänge bekommen zu haben, fasst das ja gut zusammen. Da wenn alle Gerichte dann auch gut sind, akzeptiert man das natürlich gern, aber unter einem Menü stellt man sich doch etwas anderes vor. Etwas komisch ist das schon.

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  • Frab
    antwortet
    Mit dem Moissonnier war ich vor ca. 1,5 Jahren das erste Mal zum Mittagessen in Berührung gekommen. Es war insgesamt ein fantastischer Samstagmittag, sonnig, ein bestens aufgelegter Vincent Moissonnier, ein volles Haus, zugängliche Weine die uns begeistert haben (insbesondere die Apperitives - sowohl vom Champagner Michel Genet als auch vom Poiré habe ich im Restaurant noch eine Kiste mitgenommen) und nicht zuletzt fantastisches Essen. So begeisterte der gebratene Rücken vom Hasen mit einem Nebenteller des in Schokolade geschmorten Hasen, danach ein fantastisches gerolltes Stück Aal mit Blüten, frittiertes Kalbsbries mit einer Humuspaste als Beilage und ein Topfenkuchen. Die Hauptteller waren allesamt eindeutig auf dem ausgezeichneten Niveau, mehrere der Nebenteller sogar noch einmal ein Stück drüber. Sensationell! Wie Sie sehen ist mir das Menü auch nach all dieser Zeit noch durchgehend präsent. Das, wie ich finde, Merkmal einer großen Küche. Zudem erinnere ich mich daran, dass dieses Menü sehr leicht war, fast an der Grenze zu "noch hungrig sein". Dies hatte ich nach einer zuvor erfolgten kulinarischen "Orgie" in einem Dreisterner (sich auf diesem Niveau zu mäßigen muss ich in der Tat noch lernen) noch positiver bewertet. Was diese Küche aus meiner Sicht auszeichnet ist die Auswahl sehr guter französisch orientierter Produkte, sehr gutes Handwerk und eine Pikantheit und Ideenvielfalt aus der sich manches dem arabischen Raum zudeuten lässt (Blüten, Humus, pointierte Gewürze).

    Ebenfalls erinnere ich mich noch, dass dieses Restaurant weniger Wert auf Nebendarsteller legt. Brot und Butter sind gut, die Petit Fours sind ausgewählt - dennoch köstlich, aber nicht vergleichbar mit den Orgien die man in so manchem 3 Sterne-Haus erhält, und meine Freundin die sich eine Alternative zum Hasen wünscht erhält eine eher uninspirierende Foie Gras mit einem simplen grünen Salat. Für mich ist das alles wie gesagt nebensächlich.

    Beseelt von dieser tollen Erfahrung bin ich vor 2,3 Monaten wieder Mittags eingekehrt. Das Restaurant ist diesmal leider nur ca. zwei Drittel voll und auch Herr Moissonnier wirkt stellenweise etwas abwesend, als würde ihn etwas beschäftigen - seine Frau ist anders als beim ersten Besuch ebenfalls nicht da. An unserem Tisch lässt er dennoch hier und da aufblitzen was für ein großartiger Gastgeber er ist (in dem Maße beeindruckt haben mich bislang nur Herr Franzelin aus dem Vendome sowie Herr Macionga aus dem Restaurant Tim Raue).

    Zum zweiten Mal überrascht mich beim Eintreten allerdings die bedächtliche Stille. Man tritt durch die Tür direkt in den Speisesaal und trifft auf flüsternde, anstatt genießende Gäste. Dafür kann Herr Moissonnier nichts sondern viel mehr der typische deutsche Gast. Sobald man am Tisch sitzt ist dies sofortig verflogen aber mich trifft es dennoch jedes Mal wie ein feuchter Schwamm. Schade, dass Sterne bei uns hierzulande noch so oft mit Flüsterton zu tun haben.

    Mittags gibt es keine Amuses dafür ist die Brotauswahl diesmal besser als ich in Erinnerung hatte. Das Mittagsmenü listet wie eh und je 4 Gänge à €94 auf. Es lässt sich bei Bedarf Rohmilchkäse ergänzen.



    Gang 1 ist der Bretonische Rochen an der Gräte gebraten und glasiert mit Estragon, dazu punktuell Harissa. Auf dem Nebenteller die Schwarzwurzel in rohem Schinken-Mantel mit Blattsalat-Paste dazu eine Creme von Nana-Minze mit Petersilie. Mit Nana-Minze war ich im Rahmen eines betörenden Elixiers im Berliner Pauly Saal bereits in Berührung gekommen. Vor diesem Gang habe ich zugegebenermaßen, da ich Rochen noch nie probiert hatte, Respekt. Dieser Rochen ist makellos gegart, die Gräte lässt sich auf dem Foto auch problemlos erkennen. Dazu ist dieser Fisch herrlich saftig. Die Harissa bringt pikante Paprika-Noten ins Spiel, angegossen wird eine betörende leicht schaumige Nana-Sauce. Der Rochen lässt sich sogar ohne Weiteres vom Knochen einfach runterschieben. Der Beilagenteller ist die knackige Schwarzwurzel im rohen Schinken-Mantel. Das weckt Assoziationen an die Spargelzeit, ist saftig, dennoch knackig, und unterstreicht für mich die vielen, dem Hauptdarsteller untergeordneten Ideen. Eine glasklare Verbindung zwischen den Tellern gibt es meines Erachtens nicht. Es schmeckt einfach sehr gut (**). Auch wenn der Knochen gut ein Drittel des Gerichts ausmacht ist das doch eine sehr ordentliche Portion.



    Hierauf folgt der wilde, isländische Kabeljau zart gebraten auf Kräutercremesauce und frischem Blattspinat. Auf dem Nebenteller begleitend ein Risotto mit altem Parmesan. Fisch? Auf einer Kräutersauce? Dazu Gemüse? Hatten wir das nicht eben schon? In der Tat wirkt vieles hier wie die Wiederholung des Vorgangs. Abermals kommt ein prächtiges Stück Fisch auf den Teller, die Oberseite mit Butter angebraten und mit Salz bestreut. Angegossen wird die Kräutercremesauce. Der Fisch ist abermals perfekt gegart, gleichzeitig herrlich saftig. Star dieses Gangs ist aber definitiv das Risotto daneben was sich wie eine perfekt ergänzende Beilage an den Fisch schmiegt und sehr viel Umami bietet. Sehr gut (**). Dieser Gang ist allerdings ebenfalls doch mächtig und zumindest die Menüdramatik müsste sich das Restaurant vorwerfen lassen.



    Der Hauptgang besteht aus gebratenem Milchkalbskarree (mit dem Hinweis herzhaft-durchwachsen), es wird natürlich wieder etwas angegossen (auch schon beim Essen im Vendome wurden in allen 4 Gängen etwas angegossen, ist das momentan der Trend im Kölner Großraum?). Zum ersten Mal gibt es nun auch zwei Teller à part: Einmal Kartoffel-Gnocchi mit Mohn und einmal Garnitur Wellington, Blätterteig würde ich es nennen. Der Fleisch erinnert an die vorhergegangen Fischgänge aus einem mächtigen gegarten Hauptprodukt und einem kleinen Nebenteller. Es lässt keine Wünsche offen allerdings bemerken sich schon vor Ankunft des Tellers Sättigungsgefühle, was mich angesichts des letzten Besuches überrascht. Sehr fein gearbeitet, sehr puristisch. Die Gnocchi mit Mohn sind mir auch noch im Kopf und ergänzen das Fleisch gut. Würden wir hier stehen bleiben hätten wir jetzt nahezu drei Mal in Folge einen ähnlichen Gang erlebt. Zum Glück bleiben wir nicht, denn der zweite Teller à part ist fantastisch und der Star des Menüs. Trotz der Beschreibung habe ich hier viel mehr das Gefühl einen (heißen!) Blätterteig vor mir zu haben in dem sich schmelzende Foie Gras versteckt und in dem schwarzer Trüffel Geschmackspunkte hinzufügt. Auf der Beschreibung findet sich hierzu kein Hinweis und wahrscheinlich interpretiere ich es hier herein (Foie Gras könnte die Creme gewesen sein, der Trüffel vielleicht der Kümmel-Jus?) aber das sind die Assoziationen die dieser Teller in mir auslöst (**, besagter Nebenteller ***).



    Den Käsegang überspringen wir und kommen nunmehr zum Dessert sucré - salé - poviré. Süß, salzig, pfeffrig. Ich hatte hier schon vorher dazu gelesen und war gespannt. Das Dessert bietet salzig (aber doch auch süß) auf dem Hauptteller das salzige Eis und dazu Mousse au Chocolat und Karamell - das altbekannte aber immer noch sehr schöne Geschmacksbild von Schokolade mit salzigem Karamell. A part in einem Glas an Cannelono mit Ricotta aus Sizilien erinnernd süß der Montélimar Nougat Espuma - etwas schaumig und schnell ausgelöffelt ohne große Begeisterungsstürme zu wecken. Auf einem Nebenteller etwas abseits stehend eine Art kleiner, vom Teig her an Madeleine erinnernder Pfannkuchen (Pomponette) mit dunkler Schokolade - dies erinnert etwas an Pfannkuchen mit Nutella, dazu etwas Pfeffer um die Pikantheit hervorzuheben (definitiv nicht überfordernd). Schön konzipiert und ein schöner klassischer Abschluss. Vielleicht etwas fordernd aber dennoch gefallend (**).



    Den Abschluss zum Espresso machen die Petit Fours, von denen ich leider kein Foto habe aber auf die ich mich ganz besonders gefreut habe. Selbstgemachtes Salzkaramell, Marshmallow, Macaron und dazu ein selbstgemachter Lolli. Ich musste mich zugegebenermaßen einen Besuch daran gewöhnen aber beim Schreiben dieser Zeilen sehne ich mich wieder nach diesen Köstlichkeiten.

    Fazit: Abermals erleben wir ein tolles Lunch bestehend aus einzelnen, sehr großen Hauptprodukten und smarten à part-Ergänzungen. Vorwerfen müsste ich dieses mal die Dramaturgie (drei Mal in Folge sehr ähnlich anmutende Gänge), die Mächtigkeit (vor dem Hauptgang schon eintretende Sättigung) und nach oben hin waren die kulinarischen Spitzen diesmal nicht so häufig aufgetreten wie bei unserem letzten Besuch. Es gibt also durchaus Schwankungen. Wer eine sehr gute Küche in NRW sucht, klassisch betont und dennoch in diesem Rahmen kreativ, dazu gewohnt tolle Weine, dem rate ich dringend hier zu besuchen. Die zwei Sterne leuchten weiterhin kräftig. Für unseren Tisch für 3 schlägt der Besuch mit €460 zu Buche.

    Nachtrag: Ich hatte noch einmal hierüber nachgedacht und ich glaube folgende Aussage trifft es noch besser: Ich hatte schlicht das Gefühl, dass mir statt Vorspeise / Zwischengang / Hauptspeise eher 3 Hauptgänge in Folge serviert wurden. Auch gut.
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    Zuletzt geändert von Frab; 18.06.2017, 13:10.

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  • bernard
    antwortet
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Werter bernard, darf ich mir Ihre Aussagen zu eigen machen? Uneingeschränkt, von A bis Z, von "Ich mag..." bis "...sicher"!

    Schönen Gruß, Merlan
    Danke, freut mich, dass wir da so übereinstimmen in unseren Wahrnehmungen, lieber Merlan. Gruß bernard

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  • merlan
    antwortet
    Werter bernard, darf ich mir Ihre Aussagen zu eigen machen? Uneingeschränkt, von A bis Z, von "Ich mag..." bis "...sicher"!

    Schönen Gruß, Merlan

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