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Blumraths Schlossrestaurant, Hünxe

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  • Blumraths Schlossrestaurant, Hünxe

    Das Schloss Gartrop in Hünxe (ganz in der Nähe des Sternestädtchens Dorsten) ist ein altes Wasserschloss, mit einigen hohen Räumen, eigentlich unter heutigen Gesichtspunkten nur schwer wirtschaftlich nutzbar. Die umgebenden Gebäude mit einer ehemals eher landwirtschaftlich genutzt, sich gut umgestaltbar, versprühen aber nicht den herrschaftlichen Charme eines Schlosses. So hatte es das Schloss in den vergangenen 20 Jahren schwer: ein früherer Besitzer hatte mit einer denkmalgerechten Sanierung begonnen, doch irgendwann um die Jahrtausendwende kam es zu einer Zwangsversteigerung und einer absurden Geschichte: einer der Gläubiger sicherte die Zufahrt zum Schloss, wohl mit der Hoffnung, bei mit kleinem Investment von gewinnversprechenden Ausbauplänen profitieren zu können. Das Schloss selbst erwarb nach mehreren Versteigerungsterminen der Architekt Peter Blumrath. Der betrat es fortan über einen Seitenzugang und sanierte in den vergangenen Jahren nach und nach die Anlage. Nach meinem Eindruck von Anfang mit einem stimmigen Konzept, dort ein edles Schlosshotel zu etablieren, dass vor allem für Feierlichkeiten einen gediegenen Rahmen bietet.
    In den vergangenen Jahren brachte er zunächst die Gastronomie zum Laufen. Dann kamen Veranstaltungsräumlichkeiten für Hochzeiten u.ä. (schlosseigene Kapelle vorhanden) hinzu. Inzwischen ist dort das Schlosshotel in Betrieb gegangen.

    Die bisher in einem Gebäude neben dem Schloss gelegene Gastronomie habe ich in den vergangenen Jahren mit meinen Eltern an den Weihnachtstagen besucht und immer auf Bib-Niveau erlebt. Dies ergab auch mit Inneneinrichtung ein stimmiges Bild: historische Kacheln, Kamin, Holztische ohne Tischdecke, alles in ocker-weiß, gemütlich, wertig, aber nicht sternemäßig edel.
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ID: 52852

    Mit dervollen Inbetriebnahme des Hotels im Sommer erfolgte jedoch eine Trennung vonden bisherigen Pächtern. Küchenchef Thorsten Hauk wirkt nun als Küchenchef in der„Blauen Sau“ in der Villa Mittermeier (Bib) in Rothenburg ob der Tauber. Als neuerKoch konnte der Betreiber Martin Tetzner gewinnen, dem Forum aus der VillaLeonhartin Königswinter bekannt http://forum.restaurant-ranglisten.d...-Königswinter-*
    Doch mit HerrnTetzner strebt der Betreiber nun nach eigenem Bekunden die etwas komischeKombination von 15 Gault-Millau-Punkten (Aussage in der örtlichen Presse), ohnesteifen „Sterne-Schnickschnack“ (Aussage Website). Meine Hoffnung ist, dass dieAnsage gegenüber dem Küchenchef gastronomisch etwas klarer ist. Er formuliertauf der gleichen Website jedenfalls deutlicher und nachvollziehbarer: “Sterneküche soll nicht nur in teuren Restaurants erlebbar sein. Angesprochen werden sollen nicht nur Gourmets, sondern vor allem diejenigen, die qualitativ hochwertiges Essen zu schätzen wissen – aber ohne die Etikette eines Sternerestaurants”.

    Vorweg gesagt. Die Weinkarte war in Auswahl und Stil glücklicherweise unverändert. Ein 2009er Chardonnay R von Rebholz für 59 EUR jedenfalls habe ich in unbesternter Gastronomie auch schon weitaus teurer aus der Karte gesehen. Das ist für mich unverändert ein großes Plus dieses Restaurants.
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ID: 52853


    Versuchenwir es jetzt mit einer aktuellen Einordnung der Küche. Zur Auswahl stehenderzeit zwei Menüs aus drei Gängen für je 49 EUR, sowie noch einige weitereGerichte à la Carte, die sich im Preisrahmen so bewegen, dass man darausebenfalls für ca. 50 EUR ein dreigängiges Menü zusammenstellen könnte. Allesliest sich ambitioniert-bodenständig, also durchaus interessant für diesen Preisrahmen.
    Als ersterGruß erreichte uns eine Trüffelmousse mit Blumenkohl. Das Trüffelaroma waraufgrund der noch leicht kühlschrankkalten Mousse nicht auf dem Höhepunkt, abervorhanden. Der Blumenkohl war fein aromatisiert und schön knackig. Einstimmiger Auftakt.

    Als zweiterGruß bekamen wir ein Stücken Rinderbäckchen mit einem blauen Kartoffelchip undeiner Creme (wenn ich mich recht entsinne aus einem Kohl). Durch den Kartoffelchipwar das eine gute texturelle Kombination, aromatisch war es auf der Zunge das,was man von den Zutaten erwarten kann.

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ID: 52854

    Die Vorspeise des Menüs war ein Vitello Tonnato (entschuldigung für meine unruhige Hand am Auslöser). Sehr gut eingebunden in den Geschmacksbogen waren die Artischocken-Stücke. Etwas plump der Parmesan-Cräcker, der einfach nur langweilig breit seinen Geschmack über alle Aromen legte. Hier hätten ein paar gehobelte Parmesan-Stücke für mehr Klarheit auf der Zunge gesorgt.

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ID: 52855


    Als „Erfrischung“ vor dem Hauptgang (wozu eigentlich bei einem 3-Gänge-Menü?) gab es ein Vanille-Pernod-Gratinee, wobei die Betonung auf Vanille liegen muss, denn der Anis-Geschmack kam eher dezent ins Spiel. Mir war das Gratinee zu milchig-vanillig vor dem Hauptgang und wäre als Pre-Dessert besser im Menü platziert gewesen. Geschmacklich war es durchaus gelungen. Für diese Menüposition hätte Anis-Note stärker ins Spiel gebracht werden sollen, denke ich jedenfalls.

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ID: 52856

    Als Hauptgang sah unser Menü Hummer mit Sellerie und Fenchel vor. Die Qualität des Hummers war absolut in Ordnung. Die Aromaten vor allem des Fenchels waren schön herausgearbeitet und aufeinander abgestimmt. Allenfalls die Tomatenwürfel kann ich mir noch etwas pfiffiger vorstellen, waren aber auch ordentlich im Geschmack. Ein Gang, den man so durchaus auch in besternten Restaurants erwarten kann.
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ID: 52857


    Eher wieder weg aus der Sterneküche hin in den Bib-Bereich ging es beim Dessert: ein halbflüssiger Schokoladenkuchen mit einem Eis und ein paar Zitrusfruchtsegmenten. Das war handwerklich präzise gemacht, aber auch nicht mehr, als man dem Rezept Dessert erwarten darf.
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ID: 52858


    Am Ende ist die Bewertung alles eine Frage der Erwartungen und Ansprüche. Im bisher von mir wahrgenommenen Niveau-Rahmen hätte ich den Bericht in die Rubrik „Unbesternte Restaurants, die man besuchen sollte“ gestellt. Aber hier soll ja mehr geboten werden.
    Das Menü zeigte klar, dass die Fähigkeiten bei Herrn Tetzner dafür vorhanden sind. Um dieses Niveau aber komplett erreichen zu können, müssen natürlich auch die Ressourcen stimmen und nicht nur der selbstformulierte Anspruch.
    Nach meinem Eindruck wäre das Restaurant im Bib-Bereich gut positioniert und eine absolute Empfehlung (vor allem auch in Abgrenzung zu den in Dorsten gelegenen Adressen). Legt man den selbst formulierten Anspruch zu Grunde, muss ich aber ein bis zwei Fragezeichen setzen.
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 23.12.2012, 18:34.
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