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Restaurants ohne Stern - Köln -

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  • #16
    Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
    Lieber Schlaraffe, helfen Sie mir bitte! Ich habe das Forum von oben nach unten durchgesucht, finde aber die Rubrik "kochende Forumianer" nicht. Und dabei möchte ich gerne, wie versprochen, das Remoulade-Rezept teilen.
    https://forum.restaurant-ranglisten....light=kochende

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    • #17
      Besten Dank! Rezept ist gepostet...

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      • #18
        "Tanica"

        Als wir das Restaurant betreten, fällt mein Blick im gut gefüllten Gastraum prompt auf einen größeren Tisch am Fenster und lässt mich innerlich beten, unser reservierter Tisch möge bitte nicht ausgerechnet der freie daneben sein. Es wird unser Tisch werden. Und jetzt muss ich vorsichtig sein, denn ich betrete dünnes Eis. Schließlich will ich nicht als Kinderhasser gelten. Denn das bin ich wirklich nicht. Aber ganz im Sinne von Herbert Grönemeyer regieren am Nebentisch eindeutig die Kinder: der Säugling, der deutlich und nachhaltig zum Ausdruck bringt, dass er wahlweise hungrig oder müde ist (ich kenne mich da jetzt nicht so aus), das ein paar Jahre ältere Kind (Geschwisterchen?), das ähnlich lautstark klar macht, dass er die Aufmerksamkeit nicht kampflos dem Baby überlassen will und der etwas größere Junge, der durch unaufhaltsamen Bewegungsdrang auffällt. Nun gut - manchmal gewinnt man, manchmal verliert man.

        Nicht alle Eltern am Tisch wirken angesichts dieses andauernden Theaters wirklich glücklich, aber warum sollte es ihnen anders gehen als uns? Zumindest deuten die Teller daraufhin, dass man mit den Hauptgerichten bereits durch ist. Das lässt hoffen. Und nach Gin-Tonic und einer originellen Abwandlung des Apérol Spritz mit Rosmarin macht sich sowieso eine deutlich stoischere Gelassenheit breit.

        Das Tanica stand schon seit einiger Zeit auf unserer Liste, denn wenn schon befreundete Gastronomen den Laden empfehlen und der Kölner Stadtanzeiger das Tanica in einem Ranking mediterraner Restaurants auf den ersten Platz hievt, kann es so schlecht wohl nicht sein. Außerdem wird hier ein besonderer Augenmerk auf die Weine gelegt und wir lernen, dass die Weinkarte alle paar Wochen bzw. Monate einen neuen Schwerpunkt erhält und komplett ausgetauscht wird. Wir kommen gerade in die Südafrika-Phase.

        Die Speisekarte ist relativ übersichtlich und bietet Gerichte in mittlerer 2/3-Portionierung, also etwas größer als Tapas. Preise liegen dabei durchweg zwischen 8 und 12-13 Euro, Desserts bei 5 Euro. Lediglich das Rinderfilet fällt mit 16 Euro etwas aus dem Rahmen.

        Wir starten mit Thunfisch im Sesammantel und Wasabimayo. Vier passable Stücke auf etwas Chutney und Salat sind akkurat kurz gebraten, so dass der Fisch überwiegend noch roh ist. Die Wasabimayo ist eher dezent, so dass der Gang leider ein wenig flach bleibt.


        Thunfisch / Sesammantel / Wasabimayo

        Mein Spargelsalat mit Ponzulachs und gestocktem Ei (nun gut, man hätte es auch hart gekocht nennen können) ist da deutlich abwechslungsreicher und aromatischer. Zuvor allerdings muss man einiges an rohem, leider nicht angemachten Grünzeug beiseite räumen, das zwar sauber in lange, dünne Streifen geschnitten ist, dadurch aber eben nicht essfreundlicher wird. Der Spargelsalat in cremigem Dressing indes schmeckt sehr gut, der Lachs weist durch das Marinieren mit Ponzu eine erfreulich feste Konsistenz und eine dunklere Farbe auf, ist ebenfalls lecker.


        Spargelsalat / Gestocktes Ei / Ponzu-Lachs

        Ganz hervorragend dann der Pastagang meines Gemahls, Fuselloni mit weißer Kalbsbolognese. Was verhältnismäßig unscheinbar aussieht, ist eine 1a zubereitete geschmacksintensive Bolognese, denen Butterbrösel einen zusätzlichen Crunch geben.


        Fuselloni / Weiße Kalbsbolognese

        Ich hätte hierbei eigentlich aussetzen wollen, bekomme meinen Fleischgang aber jetzt bereits - was vielleicht nicht verkehrt ist, denn woran ich nicht gedacht hatte war, dass das Tataki vom Txogitxu, also vom alten Rind, kalt serviert wird. Es wird relativ pur, nur mit ein paar Bärlauchblättern und etwas Café de Paris-Creme präsentiert. Frittierte Kapern sorgen für einen witzigen aromatischen wie texturellen Twist. Das Fleisch selbst ist gut gebraten und sehr aromatisch.


        Tataki / Txogitxu / Café de Paris

        Zwischenzeitlich hat die Eltern-Kind-Gruppe Kinderwagen, diverse Taschen und Jacken gepackt und den Heimweg angetreten. Trotz der ohnehin lebhaften Atmosphäre im gut besuchten Restaurant stellt sich auf einmal eine wunderbare Ruhe ein.

        Nicht, weil ich noch besonders hungrig bin, sondern einfach aus Neugierde, bestelle ich kurzfristig noch die gegrillten Calamari mit Blutwurst nach, was für die Küche kein Problem darstellt. Sie kommen zeitgleich mit dem gleichen Gang meines Mannes. Die Calamari sind zart, die Blutwurst würzig und als länglicher Strang auf dem Teller. Mit ein paar säuerlichen, kalten Schalotten ergibt sich eine interessante Kombination, bei der das Deftige der beiden Hauptkomponenten eindeutig im Vordergrund bleibt.


        Calamari / Blutwurst / Essig-Schalotten

        Und erneut nur der Vollständigkeit halber - satt sind wir längst - ordern wir auch noch die beiden Desserts. Ich die Joghurtmousse mit weißer Schokolade, Grapefruit und Kardamom, meine bessere Hälfte die Torta della Nonna.

        Meine Mousse ist halt eine Mousse. Nicht besonders auffällig und mit ein paar Bröseln und Himbeeren auch eher unspektakulär. Die Grapefruit erinnere ich nicht mehr, vielleicht war sie in den wenigen Saucentupfen. Insgesamt mächtiger als zu erwarten war.


        Joghurtmousse / Grapefruit / Weiße Schokolade / Kardamom

        Die Torta della Nonna gefällt mir da entschieden besser. Die Cremefüllung ist köstlich, der Kuchen mit den Pinienkernen nicht minder. Schlicht, aber sehr gut.


        Torta della Nonna

        Im Glas hatten wir übrigens einen 2014 Mullineux Old Vines, eine Cuvée aus Chenin Blanc, Clairette Blanche und Viognier, der genau unserem Geschmack nach einem etwas fülligeren zwar holzbetonten, aber noch eleganten Wein entsprach. Zudem war er mit 44 Euro sehr fair kalkuliert. Die Weinberatung hat uns, wie der Service ausgesprochen gut gefallen.


        2014 Mullineux Old Vines

        Im Tanica wird keine hoch anspruchsvolle Küche serviert, sondern Gerichte, die mit wenigen Zutaten auskommen, dafür von guter Qualität sind und gemäßigt originell kombiniert werden. Nicht jeder Gang war komplett überzeugend, aber insgesamt ist das Konzept schon stimmig. Und aufgrund der kleineren Portionen und sehr akzeptablen Preisen sind auch kleinere Schwächen durchaus verschmerzbar.

        Wir ordern zum Abschluss noch einen Digestif und die sehr freundliche Bedienung bringt uns eine ordentliche Auswahl an Obstbränden von Arno Dirker aus Mömbris an den Tisch, sicher nicht die schlechteste Wahl. Die Schnäpse gehen aufs Haus - als Ausgleich für die Geräuschkulisse zu Beginn des Abends. Damit hatten wir nicht gerechnet, aber ein netter Zug ist es allemal. Wiederkommen werden wir sowieso. Es sei denn, es gibt einen regelmäßigen Eltern-Kind-Stammtisch. Dann müssten wir es uns vielleicht noch mal überlegen.

        Bericht und Bilder wie immer auch auf: http://tischnotizen.de/tanica-koeln/
        Angehängte Dateien
        Zuletzt geändert von QWERTZ; 30.04.2017, 09:53.

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        • #19
          Mmmmh, ich mag Ihre Berichte, lieber Thomas! Sie sind so stimmungsvoll und dennoch sachlich, nachvollziehbar geschrieben. Bravo!

          Dieses Mal hat mir besonders das atmosphärische Intro gefallen; ich habe mit Ihnen gelitten. Aber wir sind uns selbstverständlich einig, dass Kinder etwas Wunderbares sind - leider nicht immer im Restaurant. Und das muss man auch mal sagen dürfen!

          Schönen Gruß, Merlan

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          • #20
            Danke, lieber Merlan, für das Kompliment!
            Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Einstieg diesmal wählen sollte und habe mir heute morgen prompt einen Rüffel von meinem Mann eingefangen, dem das unangenehm war. Es ist auch überhaupt nicht meine Absicht, eine Debatte über Kinder im Restaurant zu beginnen. Grundsätzlich bin ich sehr dafür und habe auch selten negative Erfahrungen gemacht. Diesmal war die Konzentration und Frequenz halt einfach ein wenig over the top. Küche und Wein haben mich aber schnell ausreichend abgelenkt. Und dann war auch wieder alles gut.

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            • #21
              Wir brauchen jetzt einfach das Statement von Vollblut-Papa Sphérico!

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              • #22
                Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
                "Tanica"

                Als wir das Restaurant betreten, fällt mein Blick im gut gefüllten Gastraum prompt auf einen größeren Tisch am Fenster und lässt mich innerlich beten, unser reservierter Tisch möge bitte nicht ausgerechnet der freie daneben sein. Es wird unser Tisch werden. Und jetzt muss ich vorsichtig sein, denn ich betrete dünnes Eis. Schließlich will ich nicht als Kinderhasser gelten. Denn das bin ich wirklich nicht. Aber ganz im Sinne von Herbert Grönemeyer regieren am Nebentisch eindeutig die Kinder: der Säugling, der deutlich und nachhaltig zum Ausdruck bringt, dass er wahlweise hungrig oder müde ist (ich kenne mich da jetzt nicht so aus), das ein paar Jahre ältere Kind (Geschwisterchen?), das ähnlich lautstark klar macht, dass er die Aufmerksamkeit nicht kampflos dem Baby überlassen will und der etwas größere Junge, der durch unaufhaltsamen Bewegungsdrang auffällt. Nun gut - manchmal gewinnt man, manchmal verliert man.
                Herrlich, wie es in Ihrem Bericht menschelt, lieber thomashaj. Ihr Bericht – einmal mehr grandios formuliert – erhält dadurch eine besondere Note. Unser fortwährend nölender 14-Jähriger hat neulich übrigens noch kurz vor knapp entschieden, das besternte Haus doch nicht betreten zu wollen und machte auf dem Absatz kehrt. Eine kluge Entscheidung, denn so bzw. erst dann wurde es ein schöner, weil störungsfreier und vor allem trauter Abend zu zweit...

                KG

                Tobler

                P. S.: Die Admins sind sicher auch diesmal bereit, Ihre Fotos ansehnlich zu machen. Wär sonst schade drum!

                Kommentar


                • #23
                  Bilder vergrößere ich immer gern.

                  Ja, das ist ein heikles Thema, aber es gibt ja auch andere Restaurantnutzer, die man eher als störend empfindet, wenn man einen ruhigen Abend möchte. Ist ja nicht auszuschließen, dass man selber auch mal bei einem eher lustigen Abend mit Freunden anderen Restaurantbesuchern auf die Nerven fällt.

                  Und zudem haben wir auch noch ein neues Restaurant kennengelernt...

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                  • #24
                    Mit Kleinkindern im gehobenen Restaurant ist es sicherlich immer eine Gratwanderung, zumal schwer vorherzusagen ist, wie die lieben Kleinen dort „drauf sein“ werden. Wobei es natürlich für die Eltern selbst noch größeren Stress bedeutet als für die anderen Gäste. In Ihrer Situation, lieber Thomashaj, haben Sie aus meiner Sicht das einzig Richtige getan: locker bleiben, erst mal einen Gin einfließen lassen.

                    Noch eine andere Geschichte. Neulich im Zweisterner am Nebentisch eine Familie mit zwei schon etwas älteren Töchtern, alle reichlich aufgebrezelt saßen sie den ganzen Abend schweigend und kerzengerade da, als ob sie Stöcke verschluckt hätten. Die Langeweile in den Augen der Kinder war mitleiderregend. Da helfen dann nur zwei konsekutive Gins.

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                    • #25
                      Zitat von Tobler Beitrag anzeigen
                      P. S.: Die Admins sind sicher auch diesmal bereit, Ihre Fotos ansehnlich zu machen. Wär sonst schade drum!
                      Danke, lieber QWERTZ, für's Vergrößern der Bilder. Viel verbessern kann man diesmal allerdings daran nicht, weil die Lichtverhältnisse es einfach nicht hergaben und auch mit Nachbereitung nicht mehr rauszuholen war.

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                      • #26
                        Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                        Wir brauchen jetzt einfach das Statement von Vollblut-Papa Sphérico!
                        Vielen Dank, das bin ich immer noch gern.

                        Ich bin ganz dabei und mag auch kein Dauergeschrei verzogenen Nachwuchses. Im Flugzeug kann man dem meist per Buchungsklasse ausweichen, im Restaurant leider nicht. Das ist auch der Grund, warum wir mit den Jungs aus Rücksicht auf andere Gäste aber auch die Uhrzeit in der Regel mittags in "Sternerestos" gehen.

                        Unser inzwischen sechsjähriger war aber schon immer fast pathologisch brav (allerdings sehr kostenintensiv seine Vorlieben betreffend), der Dreijährige ist noch in der Lernphase, ist aber auch mit ein paar Legosteinen oder Feuerwehrmann Sam zufrieden zu stellen.
                        Ich bin nach wie vor der Meinung, daß es v.a. auf den Input der Eltern ankommt...

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                        • #27
                          Vietnamese New Cuisine - Joie Viet

                          Die Restaurant-Kritiken im Kölner Stadtanzeiger verfolge ich stets mit größtem Interesse.
                          Seit einiger Zeit hat Carsten Henn eine Rubrik in der Zeitung: „Henns Geschmackssache“.
                          Zehn Tipps für französisch essen gehen, stellte er vor kurzem vor. Überraschend war auch ein vietnamesisches Restaurant dabei, das aber auch klassische europäische Elemente berücksichtig. Beim zweiten Blick ist es aber auch wiederum nachvollziehbar.
                          Denn im 19. Jahrhundert kam das Gebiet nach und nach als Teil von Französisch-Indochina unter französische Kolonialherrschaft. Ich will das jetzt nicht politisch bewerten.
                          Der Bericht des Journalisten machte mir Appetit und das Lokal macht auch zu meiner Freude mittags auf. Ich nehme lieber einen Lunch als ein spätes Abendessen.

                          Das waren also zwei Hinweise (Achte immer auf die Zeichen!), dass wir dieses Restaurant besuchen sollten.

                          Service

                          Ein junger Mann und eine junge Frau erledigten die Aufgaben der Bedienung. Dabei stellte sich der Kellner als äußerst freundlich und kompetent heraus. Alle Speisen wurden uns erklärt und beschrieben. Auch bei den Getränken war er bestens informiert.
                          Die junge Dame war ebenfalls freundlich, wirkte aber auf uns schüchtern oder sogar gehemmt; vielleicht lag das an ihrer Unsicherheit mit unserer Sprache. Ich hatte den Eindruck, dass sie mich nicht richtig verstand und von den Fragen überfordert wurde. Aber der Kollege war ja auch noch da und der war eben richtig gut drauf.

                          Die Karte(n)

                          Es gibt eine Lunchkarte mit günstigen Mittagsgerichten und die klassische À la carte Liste nach Vorspeisen, Suppen, Hauptgängen und Nachtisch.

                          Die verkosteten Speisen

                          Nach der Beratung durch den Kellner haben wir insgesamt neun Speisen aus der Karte bestellt. Und wir haben natürlich von allen Tellern gegenseitig etwas probiert.

                          Vorspeisen

                          Bò lá lốt
                          Fein geschnittenes US Beef mit 5 Gewürzen, eingerollt in Betelblättern und gegrillt

                          Eine köstliche Vorspeise: mageres fein gewürztes Rind mit einer sanften Schärfe der Betelblättern (eine Pflanzenart aus der Gattung Pfeffer) kongenial ergänzt. Entweder war hier noch Soja- oder Fischsauce im Spiel und gab eine Bindung zu den anderen Zutaten ab. Das Gericht sieht unscheinbar aus, war aber sofort mein Favorit.

                          Bò tái chanh
                          Halb rohes US Beef mit frischen Kokosraspeln, Erdnüssen und Kräutern

                          Das Fleisch wiederum köstlich und diesmal mit Kokos, Erdnüssen und einer Crème verfeinert.

                          Cá tái chanh
                          Roh mariniertes Wolfsbarschfilet mit frischer Ananas, Kräutern & Passionsfrucht

                          Der Fisch war dünn aufgeschnitten und mit Obst und Gewürzen verfeinert. Auch sehr schmackhaft.

                          Das macht eigentlich sofort Neugier auf die anderen Vorspeisen. Die raffinierte Kombination der Hauptprodukte Rind bzw. Barsch mit den Kräutern, Obst und Dressing begeisterte mich vor allem.

                          Hauptgerichte

                          Hải sản nướng
                          Grillplatte mit Oktopus, Jakobsmuschel, Garnelen, Calamaretti, Okraschoten und einem Wildkräutersalat mit Süßkartoffelcroutons

                          Der Tubus vom Tintenfisch und der kleine Calmar waren herrlich gedünstet. Die Teile waren weich und cremig ohne labbelig zu sein. Der Fangarm war wesentlich kompakter und fester in der Konsistenz. Die Garnelen waren im halboffenen Panzer gebraten worden und angenehm saftig. Die Muschelstücke waren noch glasig und mit einer Creme verfeinert. Auch die Okra waren kross und weich zugleich und schmeckten so recht gut. Die Süßkartoffelstücke waren ausgezeichnet gewürzt. Die Kräuterblätter wie Blutampfer zum Beispiel waren mit einem sanften Dressing umhüllt.

                          Die Glasnudeln waren Nudeln. Ich glaube, dass ich sie nicht unbedingt brauche und habe lieber von dem Reis probiert. Er war durchaus „klebrig“ aber nicht matschig, sondern hatte noch einen Rest von Biss.

                          Heo sữa quay
                          Knuspriger Spanferkelrücken mit Wassermimose & Karotte

                          Die Kruste war wirklich kross und daher gut gelungen. So wünsche ich mir eine Speckschicht immer. Das Schweinefleisch war als Kotelett geschnitten und mit drei Stücken vertreten. Das Fleisch war saftig geschmort. Das Gemüse dazu war ebenfalls perfekt gegart. Der dezente Einsatz von Koriander rundete wiederum alles ab.

                          Cá chiên rau xào
                          Kross gebratener Wolfsbarsch (als Filet) mit Orangen-Ingwer Sauce und Wassermimose

                          Aber mein Favorit bei den Hauptgängen war eindeutig der Fisch: der kross gebratene Wolfsbarsch mit einer Orangen-Ingwer-Sauce. Wiederum prächtig getroffen die süß-saueren und fruchtigen Note der Speise.

                          Dessert

                          Brûlee Viet
                          Creme Brûlee mit Zitronengras & Kaffirblättern

                          Die Creme brûlee ergibt durch die Zitrus-Aromen einiger Zutaten eine feine Variation des bekannten Klassikers. Damit ist man auf der sicheren Seite, wenn die anderen Nachspeisen zu undurchsichtig erscheine.

                          Süßer Blumentopf
                          Schokolade und mehr (mit Rum und essbaren Blumen)

                          Im Mittelpunkt steht nach meiner Meinung die dunkle Schokolade. Und damit ist mein Herz schon gewonnen. Die Kakaonoten wurden gut herausgearbeitet. Die Schokolade war so weich, dass ich sie gut löffeln konnte. Der Rum war nicht dominant. Die Blüten ergaben ein optisches Highlight, schmeckten aber auch noch lecker. Eine helle Creme ergab zusammen mit den Blüten oder der Schokolade stets neue Kombinatonen im Mund.
                          Damit war dieser Nachtisch für mich der Sieger des Tages.

                          A Vietnamese Flirt
                          Banane trifft Kokos & Passionsfrucht (mit hausgemachter Eiscreme)

                          Hier muss ich die Vielfalt loben. Neben der Banane, Kokos und Passionsfrucht gab es noch eine Art Milchreis in einem Schälchen. Für Freude dieser weichen und süßen Variante von Reis eine Wohltat. Die verschiedenen Fruchteiskompositionen erfrischten den Gaumen.

                          Getränke

                          Das Restaurant verfügt über eine umfangreiche Getränkekarte. Die große Auswahl an offenen Weinen und Flaschen besticht besonders. Namhafte deutsche Winzer bilden den Schwerpunkt. Zusätzlich werden die Weine auf der Karte vorgestellt und beschrieben.

                          Mineralwasser Medium 0,75 l

                          2015 Johannishof Gutsriesling (0,15 l) - Weingut Knipser – Pfalz

                          Wir hatten am Nachmittag noch etwas anderes vor und haben schweren Herzens auf weitere Proben der ansprechenden Getränkeangebote verzichtet.

                          Fazit

                          5 – unbedingt wieder. Hier war alles perfekt gewürzt, nicht zu salzig, nicht zu scharf und eine angenehme Süße war teilweise spürbar. Der Küche gelangen herrliche und vielfältige Kombinationen aus den frischen Zutaten.

                          (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                          einige Bilder: http://kgsbus.beepworld.de/

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                          • #28
                            Danke für den Bericht, ich mag die vietnamesische Küche, und das klingt nach einer guten Gelegenheit, diese beim nächsten Mal in Köln zu geniessen!

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                            • #29
                              Vor drei Wochen haben ein ebenfalls gastronomisch interessierter Kollege und ich an einem Freitag einen Abstecher in die Domstadt gemacht, um der gehobenen Fastfood-Szene der Südstadt unsere Aufwartung zu machen. Unser der Völlerei nicht ganz unverdächtiger Plan sah folgendes Szenario vor: Zum Auftakt sollte es ein Burger in der „Fetten Kuh“, etwas später, nach einem kleinen Verdauungspaziergang durchs „Veedel“, eine neapolitanische Pizza im benachbarten „485°“ sein…

                              Um es vorweg zu nehmen: „Die Fette Kuh“ konnte uns restlos überzeugen, was dem in Blogger- und Foodiekreisen ziemlich gehypten „485°“ nicht unbedingt gelang.

                              Der „BBQ-Bacon-Cheese-Burger“ in der „Kuh“ punktete mit perfekt medium-rare gegrilltem Fleisch, saftigem Speck und karamellisierten Zwiebeln, welche eine leicht süßliche Note ins Spiel brachten und somit den ansonsten eher rauchigen Röstaromen gut Paroli boten. Auch die handgemachten „Knoblauchfritten“ als Beilage, denen gerösteter Knoblauch sowie frische Blattpetersilie den letzten Kick gaben, waren in Kombination mit den dazu georderten Soßen – Chili-Ketchup und Trüffel-Mayo – ein deftig-herzhafter Genuss!

                              Nach diesen nicht ganz leichten Genüssen wäre es nun doch ein wenig vermessen gewesen, im direkten Anschluss das ca. 150 Meter entfernte „485°“ anzusteuern, sodass wir noch einen kleinen Abstecher in das fußläufig zu erreichende Fleischereifachgeschäft „Estilo Argentino“ machten, um uns mit hochwertigen Cuts zum Grillen für die anstehenden Sommerwochenenden einzudecken. Im Angesicht der hervorragenden Rindfleischpalette, welche im Laden vorrätig war, wurde unser Appetit wieder geweckt, sodass es uns nun mit Kühltaschen bestückt in den gehypten Pizzaladen zog, wo wir aufgrund der vorangegangenen Burger-Orgie auf eine Vorspeise verzichteten und direkt die Pizzen orderten, wobei die Wahl auf die klangvolle Kreation „Rocky Balboas Speckbirne“ fiel, einer Pizza, die mit Provolone-Käse, Rucola, Birnenspalten, Bacon und karamellisierten Walnüssen belegt war. Insgesamt eigentlich eine stimmige Zusammenstellung, aber irgendwie wollte sich keine Begeisterung einstellen: Aufgrund der kurzen Backzeit bei (deswegen der Name des Ladens…) 485° C war der Teig (für meinen Geschmack) zu wenig kross und die Pizza kühlte nach kurzer Zeit stark aus, sodass man die zweite Hälfte des Fladens nur noch kalt genießen konnte. Auch hatte man der Würzung anscheinend wenig Aufmerksamkeit geschenkt, denn trotz des relativ salzigen Specks schmeckte die Pizza recht fad bzw. ausdruckslos. Weder mein Kollege noch ich konnten annähernd den Legendenstatus herausschmecken, den die Pizzen dieser „Pizzabude“ in Köln und Umgebung genießen.

                              Ein wahres Opus magnum hingegen die Weinkarte, welche wahrscheinlich alles in den Schatten stellt, was deutschlandweit in Pizzerien ansonsten weintechnisch angeboten wird (was aber kein sonderliches Wunder ist, da doch Besitzer Sebastian Georgi ehemals als Sommelier bei „Dieter Müller“ im Schlosshotel Lerbach für die dortige Weinauswahl verantwortlich zeichnete)! Ausbaufähig hingegen war eindeutig die Weinexpertise unseres Kellners, der auf die Frage, welchen Offenen er denn zu „Balboas Speckbirne“ empfehlen könne, die entwaffnende Antwort gab: „Also mit Rotwein können sie mich jagen, deswegen würde ich persönlich in Richtung Weiß oder Rosé gehen“!! Professioneller Weinservice sieht anders aus (aber vielleicht gehört dieses nonchalante Gebaren einfach zum Selbstverständnis dieser „Pizzabude“)! Immerhin war die Servicekraft so nett, unser in Kühltaschen mitgebrachtes Fleisch für die Dauer des Besuches in die hauseigene Kühlung zu legen, was den Fauxpas in Bezug auf die Weinberatung wieder ein wenig ausglich.

                              Nachdem dann aber auch der Nachtisch, „Omas Schokopudding“, nicht so recht wie damals bei Oma schmeckte, nahmen wir Abschied von diesem Lokal, dass uns im Gegensatz zur „Fetten Kuh“ in den nächsten Jahren wohl nicht zu seinen treuen Stammgästen zählen wird…
                              Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 02.07.2017, 20:57.

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                              • #30
                                Bei Burgern mit Pommes tue ich mich immer etwas schwer, auch wenn es mittlerweile eine Auswahl guter Qualitäten in ganz Deutschland gibt. Ich persönlich war in Köln hin und wieder bei Freddy Schilling. Den Hype darum - und damit meine ich explizit nicht Ihren sehr guten Beitrag sondern meine generelle Wahrnehmung - finde ich ganz persönlich immer etwas eindimensional, weil es mir schlicht zu stark auf die Hipster-Szene abzielt oder auch auf diesen "nonchalant" Umgang wie Sie es passenderweise nennen.

                                Das 485 Grad macht für meinen Empfinden schon gute Pizzen, insbesondere gefällt mir die Qualität der Produkte denen die kurze Backzeit gut tut. Ich stimme aber auch zu, dass es schon sehr teiglastig sein kann und dass die zweite Hälfte dann auskühlt habe ich auch beobachtet. Trotzdem habe ich bis dato in Deutschland noch niemanden kennen gelernt, der es deutlich besser macht und dazu dann auch die ansprechenden Weine serviert. Aber angesichts mehrerer Faux-Pas bei meinen letzten Besuchen (hatte ich hier weiter vorne erwähnt) zog es mich dieses Jahr auch nicht noch einmal hin.

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