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Restaurants ohne Stern - Köln -

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  • #31
    Tanica

    Eigentlich hatte ich gar nicht vor, in kurzem Abstand über ein und dasselbe Restaurant zu schreiben. Zum „Tanica“ hatte ich erst vor gut 2 Monaten berichtet. Nun waren die Bilder beim letzten Mal aufgrund der Lichtverhältnisse etwas mäßig und der Gesamteindruck aufgrund einer lebaften Eltern-Kind-Gruppe neben uns zumindest eingetrübt. Dafür können weder Küche noch Service etwas und deshalb nehme ich so was auch nicht übel, sondern buche es als Kollateralschaden weg.

    Kürzlich waren wir wieder dort – und um es vorweg zu nehmen: Diesmal war es rundum klasse. Zwar gab es auch diesmal eine größere, lautstarke Gruppe. Aber die feierwilligen Junggesellinnen hatten den Innenbereich des Restaurants für sich. Alle anderen Gäste konnten auf der Terrasse das sommerlich warme Wetter genießen, das ein mit allerlei Kräutern aromatisierter Gin-Tonic wunderbar begleitet.

    Im „Tanica“ wechselt die Weinkarte alle zwei Monate komplett. War bei unserem letzten Besuch Chile das Thema, war es diesmal Österreich, eine unserer Lieblingsregionen überhaupt. Wir lassen uns eine Cuvée von Thomas Schwarz vom Neusiedler See empfehlen. „The Butcher“ kombiniert Chardonnay (80%) ungewöhnlich mit je 10% Scheurebe und Sauvignon Blanc. Das verleiht dem Wein etwas mehr Blumigkeit. Dekantiert öffnet er sich im Laufe des Abends immer weiter.

    Starten tun wir mit Thunfisch, einmal im asiatischen Stil als Tatar mit Soja und Sesam gewürzt und dann mariniert mit Tomatenflocken und Rucola. Die Blätter sind zwar nicht angemacht, dienen aber wohl auch mehr der Deko. Denn der eigentliche Knaller, neben den überaus originellen Tomatenflocken, ist die etwas nach Mayonnaise anmutende grüne Creme. Der Grundgeschmack ist gar nicht einfach zu erkennen, aber in jedem Fall ergänzt sie den Fisch ausgezeichnet. Auf Nachfrage bestätigt sich, dass Rucola darin verarbeitet wurde und zwar in frittierter Form. Wie auch immer das funktionieren mag, auf dem Teller funktioniert es ganz fabelhaft.


    Thunfischtatar / Soya / Sesam


    Thunfisch / Tomatenflocken / Rucola

    Die Fussilloni mit weißer Kalbsbolognese kennen wir schon von unserem letzten Besuch, aber da sie so gut war, muss sie wieder her. Und auch heute ist sie großartig. Die Brösel kommen mir noch etwas knuspriger als beim letzten Mal vor. Ein absoluter Soulfood-Teller, der meinetwegen gerne seinen Dauerplatz auf der Karte behalten darf.


    Fussilloni / weiße Kalbsbolognese

    Ich entscheide mich für Fettuccine mit Trüffel aus den Abbruzzen. Auch dies schmeckt satt und süffig. Da der Trüffel für sich alleine allerdings nur mäßig aromatisch ist, gehe ich davon aus, dass hier ein wenig mit Trüffelöl nachgeholfen wurde. Denn der gesamte Teller atmet den Trüffelgeschmack. Wenn dem so sein sollte, hat man allerdings ein offenbar gutes Öl erwischt, das nicht, wie so häufig, einen synthetisch penetranten Geschmack aufweist. Zudem hat man klug dosiert. Auch dies also wieder ein absolutes Wohlfühlgericht.


    Fettuccine / frischer Trüffel (Abruzzen)

    Bei mir geht es dann mit schönem, kross gebratenen Loup de Mer auf Pfifferlingsrisotto weiter. Handwerklich gut gemacht, ohne Schnörkel auf den Teller gebracht – lecker.


    Loup de Mer / Pfifferlingrisotto

    Meine bessere Hälfte bekommt Spare Ribs mit Coleslaw. Die drei dicken Rippchen-Stücke sind so dermaßen butterweich, dass sie förmlich beim Angucken vom Knochen fallen. Köstlich mariniert und von einer leckeren Sauce begleitet, schaffen sie es auf Anhieb in die TOP 3 der Alltime-Spare Rib-Hitliste. Der Coleslaw ist mir persönlich ein wenig zu dicklich angemacht, aber das ist Geschmackssache. Ist ja eh nicht mein Teller und ich bin dankbar um die Fleischstücke, die ich probieren darf.


    Spare Ribs / Coleslaw

    Die Torta della Nonna, eines von drei Desserts auf der Karte, hatten wir bereits beim letzten Mal. Daher entscheiden wir uns diesmal für eine Pavlova mit pochiertem Pfirsich und Himbeeren. Dieser Baiser basierte Nachtisch kommt mit einer leichten Creme und zahlreichen Früchten. Sehr schön.


    Pavlova / Bergpfirsich / Himbeeren

    Ich bekomme eine Panna Cotta, die ich so extrem luftig wohl noch nie hatte. Dazu etwas Guavensauce und Rhababer sowie ein paar Johannisbeeren. Ebenfalls sehr lecker und ein schöner Abschluss.


    Panna Cotta / Guave / Rhabarber

    Das „Tanica“ hat das Zeug dazu, sich zu einem Stammlokal zu entwickeln. Die Küche, die sich eigentlich gar nicht recht einsortieren lässt, weil sie munter cross-over kombiniert, worauf sie Lust hat, ist bei allem, was wir bisher probiert haben, sehr lecker. Klug reduziert ist nicht nur die Karte, sondern die Gerichte selbst auch. Das macht sie leicht zugänglich, sorgt aber trotzdem für die ein oder andere Überraschung. Und da, wo sie nicht überrascht, überzeugt sie mit großer Geschmacksfülle.

    Der Service ist charmant, locker, aufmerksam und kompetent. Was also will man mehr?
    Ach ja: neugierig sein auf die nächste Weinkarte. Wir kennen das Thema jetzt bereits. Verraten es aber nicht...
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    Zuletzt geändert von QWERTZ; 29.07.2017, 13:54.

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    • #32
      Bagatelle, Köln-Ehrenfeld

      „Bagatelle, die“ - vom Duden wahlweise als unbedeutende, geringfügige Angelegenheit oder Kleinigkeit beschrieben oder als kurzes, musikalisches Instrumentalstück. Als Bagatelldelikt ist man auch schnell im Bereich der Straftaten, wenn auch der mit geringer Bedeutung.
      So weit gefasst kann die Interpretation eines einzigen Begriffes sein. Wenn dies also der Name einer Gaststätte ist und der Gerichte, die man anbietet, was darf der Gast dann erwarten? Belangloses? Kurzweiliges? Sträfliches?

      „Bagatelle“ ist mittlerweile eine Kette von drei Restaurants in Köln und einem in Rösrath. Das Konzept ist immer dasselbe und offenbar erfolgreich. Französische Bistroklassiker in Tapasportionen zu Einheitspreisen von 4 bzw. 5 Euro pro Teller, Kleinigkeiten wie Pommes, Aioli, Oliven oder andere Dips heißen hier in bester kölscher Verniedlichungstradition Bagatellchen und sind bereits für 2 – 3 Euro zu haben.

      Der letzte Neuzugang in der „Bagatelle“-Familie hat in Ehrenfeld eröffnet, im ehemaligen Haus Eichendorff, also nicht unweit unseres Lieblingslokals in Köln (dazu beizeiten mehr) und in angenehmer Fußweite zu erreichen. Seit Eröffnung im Mai brummt es hier, bei schönem Wetter auch draußen auf der Terrasse. Wir haben Glück und ergattern an diesem warmen Sommertag den letzten freien Außentisch.

      Zu jeder Speisekarte gibt es quasi einen Bestellzettel auf dem Tisch, auf dem man seine Auswahl ankreuzt. Die sehr freundliche Bedienung, die uns Bagatelle-Novizen das Konzept erläutert, weist darauf hin, dass die Küche das nach und nach abarbeitet und die Gerichte halt so kommen werden, wie es für die Küche am besten passt. Soll uns recht sein. Wir bestellen einmal querbeet, Kaltes, mit Fisch, mit Fleisch, Bagatellchen und sind bei einem Leffe vom Fass gespannt.
      Die Weinkarte ist nicht groß, hat aber einige interessante Flaschen aus Deutschland und Frankreich im Sortiment zu durchweg sehr günstigen Kursen.
      Wir entscheiden uns für eine Flasche Pouilly-Fuissé, der mit 31 Euro ungefähr so schlank bepreist ist, wie er schmeckt. Das nächste Mal greifen wir vermutlich doch zum Forster Ungeheuer vom Weingut Mosbacher, der als Großes Gewächs mit 37 Euro schon die preisliche Speerspitze der Weißweine darstellt.

      Zu etwas arg trockenem Fladenbrot gibt es vorab eine Oliventapenade (gut) und etwas Tomatencoulis (zu flach und dünn).


      Brot, Tomate und Oliventapenade

      Und dann geht es auch bereits Schlag auf Schlag los. Binnen kürzester Zeit kommen tatsächlich alle von uns bestellten Gerichte und schon ist der Tisch gerappelt voll. Von wegen nach und nach...


      Tisch voll

      Süßkartoffel-Pommes sind ja seit einiger Zeit der letzte heiße Scheiß, sei es auf Streetfood-Märkten oder jeder sonst irgendwie trendigen Kneipe. Vielleicht ist das der Grund, warum ich die bisher weitestgehend gemieden habe. Heute habe ich Lust drauf und diese finde ich richtig lecker.

      Auch die normale Aioli ist ordentlich. Rosmarin und Limone sind allerdings nur dezent eingesetzt, so dass ich sie nur verhalten herausschmecke.


      SÜSSKARTOFFEL-POMMES MIT TOMATEN-AIOLI

      Von den drei Fischgerichten sind die zwei stattlichen Jakobsmuscheln am überzeugendsten. Gut gebraten bekommen sie mit Pesto einen würzigen Touch, der sich gut den Röstaromen anpasst.
      Bei der Flusskrebsterrine würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen, dass dies nicht auch Industrieware sein könnte. Aber sie ist von ordentlicher Qualität und das Zitronengelee passt auf jeden Fall gut dazu.
      Das Tatar von der Lachsforelle mit Honig-Limonen-Sauce ist etwas grob geschnitten, aber gut abgeschmeckt, ebenso der kleine Salat dazu.


      COQUILLE ST. JACQUES – JAKOBSMUSCHELN AUF BASILIKUM-PISTO


      FLUSSKREBSTERRINE MIT GELÉE DE CITRON


      TATAR VON DER LACHSFORELLE AN HONIG-LIMONEN-SAUCE

      Bei den Fleischgerichten entscheiden wir uns für eine Paté au Poivre, durchaus in Ordnung, aber für mich nicht weltbewegend. Könnte so auch im Großhandel zu bekommen sein. Vielleicht ist das der Grund, dass ich darüber das Foto vergessen habe.

      Das Cordon Bleu, das mit Ziegenkäse, Rosmarinschinken und Thymian gefüllt ist, klingt intensiver als es tatsächlich schmeckt. Das Fleisch ist gut paniert, das Innenleben aber eher etwas lasch.


      PETIT CORDON BLEU GEFÜLLT MIT ZIEGENKÄSE, ROSMARINSCHINKEN UND THYMIAN

      Gleiches gilt für den Bistroklassiker schlechthin – und eines meiner Lieblingsgerichte überhaupt: Coq au Vin. Hier in der Miniausführung mit zwei Hühnchenkeulchen. Das Fleisch ist zwar zart geschmort und ich will auch glauben, dass es in Spätburgunder gegart wurde. Indes lässt es so ziemlich alles vermissen, was ich an diesem Gericht liebe: würzige Speckwürfel, Perlzwiebeln, Champignons, eine intensive, sämig-intensive Sauce. Hier schwimmt etwas Schmorgemüse in einer relativ dünnen Sauce, die weit entfernt vom Original ist. Andererseits – was will man bei 4 Euro mehr erwarten? Dafür ist es sogar recht ordentlich, wenn man halt nicht an Coq au Vin denkt.


      COQ AU VIN – 2 HÜHNCHENKEULCHEN IN BURGUNDER GESCHMORT

      Dass alle Gerichte gleichzeitig kommen, ist nicht wirklich tragisch. Ein Gutteil davon ist eh kalt, so dass man sich ohne Zeitnot durch alles durchprobieren kann. Teilen ist hier ohnehin das Grundprinzip. Obwohl wir schon ziemlich satt sind, müssen der Chronistenpflicht halber noch Desserts her.
      Als Sorbet du Jour gibt es heute Himbeere, in zwei üppigen Kugeln. Ich entscheide mich für die Bayrisch Creme mit Rhabarber-Vanille-Kompott. Beide Desserts sind unspektakulär, aber sauber gemacht.


      SORBET DU JOUR


      CRÈME BAVAROISE MIT RHABARBER-VANILLE-KOMPOTT

      Das Konzept im „Bagatelle“ gefällt mir. Die Karte ist so umfangreich, dass man auch beim Zweit- und Drittbesuch noch genügend Abwechslung hat. Auch Gerichte mit Käse oder kleine Flammkuchen wären noch zu haben gewesen.

      Bei allen Gerichten bemüht man sich um einen kleinen Touch Originalität, um die bekannten Gerichte etwas aufzupeppen. Das gelingt auch meistens ganz gut. Große Küche ist das hier nicht und will es auch gar nicht sein. Aber lecker genug, um einen entspannten Abend zu verbringen, ist es allemal. Ich kann mir das auch sehr gut mit einer großen Gruppe vorstellen, die sich dann einmal quer durch die Karte probiert. Bei den günstigen Preisen kann man eigentlich nicht wirklich viel falsch machen.
      Allerdings würde ich das nächste Mal die Gerichte doch in zwei Etappen bestellen, um mich nicht zu sehr gestresst zu fühlen. Tischlein Deck Dich hin oder her.

      In Summe aber ist diese Bagatelle keine geringfügige Straftat, nur selten belanglos, aber häufiger eine kurzweilige Kleinigkeit. Auf jeden Fall eine nette Bereicherung für den Stadtteil.


      Bericht und sämtliche Bilder wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/bagatelle-koeln/
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      Zuletzt geändert von thomashaj; 31.07.2017, 10:23.

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      • #33
        Ist das nicht alles verdächtig billig? Flusskrebsterrine, 2 Scheiben für 4 Euro? Lachsforellentatar auch 4, etc etc.
        Wie kann sich das mit halbwegs anständigen Produkten rechnen? Auch bei grossem Durchsatz kann ich mir das kaum vorstellen.

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        • #34
          Bei vier offensichtlich gut laufenden Läden mit reichlich Plätzen muss es sich scheinbar rechnen. Ich kann es mir auch nur mit dem Durchsatz erklären.

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          • #35
            Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
            Große Küche ist das hier nicht und will es auch gar nicht sein. Aber lecker genug, um einen entspannten Abend zu verbringen, ist es allemal. Ich kann mir das auch sehr gut mit einer großen Gruppe vorstellen, die sich dann einmal quer durch die Karte probiert. Bei den günstigen Preisen kann man eigentlich nicht wirklich viel falsch machen.
            Zugegeben, mich persönlich reizen die beschriebenen und bebilderten Gerichte jetzt überhaupt nicht. Allerdings glaube ich nach Ihrer sympathischen Beschreibung, dass man dank Ihnen sogar dort einen sehr angenehmen Abend hätte. Insofern, sollten Sie mal nach München kommen und nicht zwingend zum Gastinquisitor JL wollen - es würde mich freuen!

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            • #36
              Ist es nicht auch ein Stück stressig, lieber Thomas, quasi auf einen Schlag Kaltes, Warmes, Fisch und Fleisch auf dem Tisch zu haben? Wahrscheinlich geht man erst ans Warme, oder? Also schnell die Jakobsmuscheln, dann die Fritten, Cordon bleu und Coq, um sich dann in Ruhe an die Terrine und das Tatar ranzumachen?

              Also, ehrlich gesagt, meins wäre es nicht!

              Schönen Gruß, Merlan

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              • #37
                Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
                Insofern, sollten Sie mal nach München kommen und nicht zwingend zum Gastinquisitor JL wollen - es würde mich freuen!
                Lieber Malbouffe, es hat eine Weile gebraucht, bis ich endlich hatte, wen Sie mit dem Gastinquisitor JL meinten. Aber nun ist der Groschen gefallen...:-) Nein, hatte ich nicht vor, wenn ich nach München komme... Von daher, danke für das freundliche Angebot! Und wenn es sich ergibt, komme ich gerne darauf zurück!

                Lieber Merlan, in der Tat sind wir beim Essen genau so vorgegangen, wie Sie es beschrieben haben. Ich fand es jetzt nicht so furchtbar dramatisch, würde es allerdings beim nächsten Mal einfach anders handhaben.
                Ich hoffe im übrigen, dass ich jetzt mit dieser Besprechung das Niveau hier nicht zu weit runtergezogen habe. Aber da in diesem Thread auch Pizzen und Burger schon ihren Platz hatten, fand ich es ganz ok. Es müssen ja wahrlich nicht immer nur Sterne sein...

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                • #38
                  Lieber tomashaj,

                  machen Sie sich bitte keine Gedanken. Ich hatte bei Ihnen noch nie den Eindruck, falsch geleitet worden zu sein. Vor dem Hintergrund Ihrer bisherigen Berichte sollte jeder Ihre Zeilen über das Bagatelle richtig einordnen können.

                  Fast schon bin ich ein wenig beruhigt, dass Sie auch "irdisch" essen gehen, auch wenn das Bagatelle aus den von Merlan skizzierten Gründen nicht meins wäre. Trotz des fairen Preises für den Mosbacher....den ich überdies nicht gegen meinen gerade gegurgelten Ziereisen Chasselas eintauschen wollte. Aber jetzt sind wir bei den Äpfeln und Birnen....

                  Danke für Ihr Engagement hier im Forum
                  KG
                  Besseresser

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                  • #39
                    Lieber thomashaj, vielen Dank für den Bericht. Ich habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt, eine der Bagatellen zu besuchen, da nicht alle meine Freunde und Bekannen wirklich nachvollziehen können, was ich sonst so für's Essen ausgebe. Daher vielen Dank für das Vorkosten und den - wie immer - differenzierten und hilfreichen Bericht, ich werde es gelegentlich nachmachen.

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                    • #40
                      Einen Besuch wert.

                      Das „Thormann“ hat einen guten Ruf – auch wenn die meisten Führer (noch) keine Notiz vom Haus nehmen. Ein Kölner Genießer, der mir schon gelegentlich gute Hinweise gab, hatte schon länger einen Besuch empfohlen.

                      In der Südstadt liegt das kleine Restaurant, das nur am Abend öffnet (aber zum Chlodwigplatz ist es gar nicht weit und den Verkehrsmitteln). Ich bin bereits an dem Lokal tagsüber vorbei gegangen und fand die Speisekarte schon recht ansprechend.

                      Also war es jetzt an der Zeit dort einzukehren, weil wir in der Stadt waren und den letzten Bus nach Hause sicher kriegen konnten.

                      Ambiente

                      Das Lokal ist innen recht überschaubar. Die Zweiertische stehen daher leider nahe beieinander. Der Raum wird mit gedämpftem Licht von einem großen Kronleuchter hauptsächlich versorgt. Die teilweise dunklen Tapeten machen das Lokal eher gefühlt kleiner.

                      Das Restaurant öffnete gerade und wir hatten freie Platzwahl (allerdings war „Thormann“ komplett ausgebucht, aber wir hatten ja reserviert). Nur einige Tische waren für vier Personen zusammengefügt worden.

                      Auf den recht kleinen Tischen waren weiße Tischdecken. Das Silberbesteck war für zwei Gänge schon eingedeckt. Auf dem Brotteller lag ein normal großes Menümesser und überragte das Porzellan etwas.

                      Die weiße Stoffserviette war zu einem Dinnerjacket gefaltet.

                      Soweit waren wir recht zufrieden; denn das Lokal war insgesamt ansprechend gestaltet.

                      Nach und nach wurden auch die anderen Plätze eingenommen. Und da wurde es schon etwas lauter und die große Nähe zu den Nachbarn beengte uns gefühlt doch spürbar.
                      Doch das ist eben Bistro-Stil. Und der ist weit verbreitet. Es kommt wohl bei vielen Gästen gut an.

                      Service

                      Eine junge Dame, die etwas unsicher schien und ein junger Mann, der freundlich und viel kompetenter auf uns wirkte, machten den Service. Von beiden wurden wir gut versorgt und stets umsichtig beachtet.
                      Der Kellner sagte die Speisen an. Das machte er gut verständlich und erläutere auch die Weinbegleitung mit Sachverstand.

                      Die Karte(n)

                      Es gibt zu den üblichen Kartengerichten wie Vorspeisen, Suppen, Hauptspeisen und Desserts auch ein Überraschungsmenü in verschiedenen Stufen:

                      3-Gang 35,00 Euro
                      4-Gang 45,00 Euro
                      5-Gang 52,00 Euro
                      8-Gang Menu du Chef 75,00 Euro

                      Ich habe kein Problem mit einer Carte blanche; besonders wenn ich Dinge, die ich nicht vertrage oder mag, benennen kann und das gerne aufgenommen wird.

                      So wählten wir das Viergangmenü zweimal für uns.

                      Die verkosteten Speisen

                      Sofort wurde frisches Baguette und etwas Butter bereitgestellt. Zum Brot ist nichts weiter zu sagen, der Aufstrich hatte starke Zitrus-Aromen, die mir etwas zu aufdringlich waren.

                      Dann kam als Gruß aus der Küche eine Hummer-Mousse mit einer reduzierten Tomatencreme bzw. Sugo als Topping.
                      Der Tomatengeschmack war intensiv und fein herausgearbeitet. Die Mousse hatte feine Krustentieraromen: Einfach – lecker.
                      Optisch war das Glas vielleicht unspektakulär, aber der Geschmack entscheidet.
                      Und die Kombination hat uns gut gemundet und wir waren nun ziemlich sicher, dass wir eine gute Wahl mit dem Restaurant getroffen hatten.

                      Seesaibling auf Petersilienwurzel-Limettencreme an Wakame-Ananas-Salat, Zucchinigemüse, fruchtigem Couscous und Mango-Chutney

                      Das Fischfilet war prächtig gebraten, leicht kross außen, innen saftig und locker. Die Unterlage, das feine Püree aus Petersilienwurzel, war gut gewürzt und hatte durch die Limette eine sanfte Säure.
                      Der Salat aus Alge, die zu Salzigkeit neigt, und Ananas, die Süße und Säure bringt, war ausgewogen und überzeugte uns.
                      Das Zucchini-Gemüse hatte noch leichten Biss; weich mögen wir ihn auch nicht. Erst Gewürze oder Kombinationen mit anderen Zutaten bringen Geschmack, denn das Gemüse ist eigentlich eher langweilig. Hier war das gelungen.
                      Auch Couscous braucht Zusätze, um die Getreidekügelchen interessant zu machen.
                      Ein Chutney lebt ebenso von Süße und Säure sowie etwas Schärfe.
                      Sogar die kleinen Kügelchen von Meerrettichsauce machten einen Sinn, denn hier kam eine angenehme Schärfe zum Tragen.

                      Selten habe ich einen Teller mit so vielen Komponenten verkostet, die mir alle zusagten und sich auch noch toll ergänzten.

                      Kaninchenkeule auf Kürbis-Apfel-Crème mit Kartoffel-Gurken-Salat

                      Das Fleisch war wohl lange geschmort worden. Die Küche hatte es dann zerpflückt und es erinnerte mich an pulled pork aus dem Backofen. Ich möchte das Gericht daher pulled rabbit nennen. Es hat mir geschmeckt und ich halte es nicht nur für eine Modegericht, sondern eine gelungene Art der Fleischzubereitung aus Amerika – es muss ja nicht alles schlecht sein, was aus Übersee kommt. Die Kürbis-Apfel-Paste war daher für mich eine Sauce, die für mich unbedingt zu Schmorgerichten gehört. Als Beilage kamen drei kleine Hügel mit Salaten. Die Basis waren Kartoffel- und Gurkenstückchen.

                      Auch dieser Teller bestach für mich in Klarheit und Zielstrebigkeit und traf meinen Geschmack.

                      Sorbet: Winterzwetschge

                      Sehr schön war es für uns, dass vor dem Hauptgang etwas Erfrischendes gereicht wurde. Eine richtig klassische Entscheidung.
                      Dazu schmeckte die Zwetschge auch noch gut: Pflaumen-Eis hat was.

                      Supreme vom Perlhuhn mit Preiselbeer-Jus und Serviettenknödel und Gewürzkürbis

                      Das Beste vom Huhn war wirklich auf dem Teller: Etwas Brust, etwas Keule. Beide Teile gut gebraten und saftig. Vom Schenkel ist das Fleisch kräftiger im Geschmack und fester in der Struktur. Die Brust dagegen war zart und weich. Die Stücke vom Serviettenknödel waren in Butter nachgebraten und daher gar nicht trocken oder geschmacklos. Auch etwas Champagner-Sauerkraut war auch noch auf dem Teller; angenehm im Geschmack mit wenig Säure. Die Preiselbeer-Jus passte gut zum Fleisch. Der Gewürzkürbis war etwas weich, aber eine ordentliche weitere Beilage.

                      Crêpe mit Pflaumenröster, Himbeer-Sorbet und Apfel-Marzipan

                      Der Crepe war locker und hell und schön gefaltet. Gefüllt mit feiner Pflaumencreme und größeren gerösteten Stücken obenauf. Das Himbeer-Eis war ein gelungener Kontrast, weil etwas mehr Säure als bei den Pflaumen im Spiel war. Beim Apfel-Marzipan waren natürlich Mandeln im Spiel und daher wurde diese Komponente bei meinem Teller ersetzt – mit mehr Pflaumenröster und etwas mehr Sorbet.
                      Auf beiden Tellern waren auch noch zwei Schokoladengitter drapiert: einmal mehr weiße und einmal mehr dunkle Schokolade.

                      Auf Kaffee haben wir zwar verzichtet, aber trotzdem noch Petit fours erhalten. Sie sahen schön aus, bestanden aber völlig aus Marzipanstiften und Schokolade. Immerhin konnten diese von meiner Frau probiert werden. Hier gab es keine Alternative mehr – aber Schwamm drüber.

                      Wir hatten ein schmackhaftes Abendessen mit vielen anregenden Speisen. Eine gute Basis, um sich auf der 70-Minuten-Heimfahrt mit Bussen durch Köln und das dunkle Bergische Land darüber auszutauschen und zu unterhalten.

                      Getränke

                      1 Glas Cremant

                      1 Sekt alkoholfrei

                      Taunusquelle (0,75 l)

                      Vier-Gang-Menü-Weinbegleitung

                      * Grohsformat 2016 – Cuvee aus Weißburgunder und Chardonny – Weingut Groh – Rheinhessen - Magnumflasche

                      * Larossa 2016 Rosado - Garnacha - Artevino–Izadi – D.O. Ca. Rioja

                      * Chateau de Dracy 2013 - Bourgogne - Pinot Noir - Maison Albert Bichot

                      * El Candado - Pedro Ximénez süß - Sherry DO - Valdespino

                      Preis-Leistungs-Verhältnis

                      Die Zutaten wurden geschickt ausgewählt. Es wurden teilweise viele, aber harmonische Komponenten verwendet. Auf Luxus-Produkte wird weitgehend verzichtet. Das Menü sehe ich trotzdem als ziemlich günstig an. Es werde zugängliche und solide Weine zu noch moderaten Preisen angeboten.

                      Fazit

                      4 – gerne wieder, was die Speisen und Gertränke angeht; die Lautstärke und die Enge im Lokal führen zu leichten Abstrichen bei uns, wird uns aber eher nicht abhalten. Gerne möchte ich dann auch à la carte bestellen, denn die Gänge klangen gut in der Zusammenstellung.

                      (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                      Datum des Besuchs: 18.11.2017 – abends – zwei Personen

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                      • #41
                        eleven stories

                        „eleven stories“ - so der etwas eigenwillige Name des Restaurants im Rheinauhafen, das Jürgen Hörmann und sein Sohn Nicolai, die bereits ein paar hundert Meter weiter das „Joseph's“ betreiben, im vergangenen Jahr in den ehemaligen Lagerhallen eines Möbelhauses eröffnet haben.
                        Man wolle, dass man die besten Geschichten über das „eleven stories“ erzähle, ist zu lesen über die arg konstruierte Namensfindung, die wenig bis keinen Aufschluss darüber gibt, dass es hier vornehmlich um Mittelmeerküche gehen soll. Nun denn.

                        Die Geschichten, die man nach mehreren Monaten im Netz findet, sind indes nur bedingt schmeichelhaft. Von überzogenen Preisen, nachlässigem Service und langen Wartezeiten ist da häufig die Rede. Keine Geschichte, die mich normalerweise reizen würde, den Realitätscheck zu machen. Aber im Rahmen eines Firmenessens ergab sich im Dezember doch die Möglichkeit.

                        Das Restaurant hat eine beeindruckende Architektur und bei schönem Wetter sicher auch eine ebensolche Aussicht auf den Rhein. Unter dem Backsteingewölbe finden sicher 200 Gäste Platz, dazu eine große Bar, ein kleiner Loungebereich und im hinteren Teil sind noch abgetrennte Räumlichkeiten, die an diesem Abend für Weihnachtsfeiern genutzt werden.

                        Unsere Gruppe ist größer und verteilt sich auf drei Tische. Das mag für Service und Küche vielleicht eine Herausforderung sein. Allerdings ist das Haus ohnehin voll besetzt und wenn man nebenbei noch Weihnachtsfeiern bespielen kann, sollte auch unsere Gruppe eigentlich kein Problem darstellen. Zumal die Speisekarte übersichtlich zusammen gestellt ist.

                        Sie weist gerade mal drei Vorspeisen, eine Suppe, ein Salat, einmal Pasta, einmal Risotto, zwei Hauptgerichte und drei Desserts aus. Daneben kann man noch zweierlei Steaks wählen, die nach Gewicht abgerechnet werden (13,-- bzw. 15,--€ pro 100g). Das kann dann schon mal locker einen Endpreis von mehr als 50,--€ ergeben, wenn man sich ein 400g Entrecôte bestellt. Hat mein Kollege gemacht und ich fand ja, dass es auf dem Teller irgendwie nicht nach etwas aussah, für das ich so viel Geld hätte zahlen wollen. Aber ich habe es nicht probiert und kann daher nichts über die Qualität sagen.

                        Gut, mittlerweile bietet die auf der Internetseite verfügbare Speisekarte doppelt so viele Gerichte. Aber das nützt mir an diesem Abend nichts. Das Angebot ist ähnlich dürftig wie das bei einer Seminar-Verköstigung.

                        Es gibt zwar noch eine Tafel mit Tagesempfehlungen, aber auch die bleibt uns verwehrt, weil wir eine größere Gesellschaft sind. Angesichts der ohnehin geringen Anzahl an Gerichten kann ich dieser Logik nur schwerlich folgen.

                        Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis zumindest ein paar Scheibchen Focaccia und etwas Paprikacreme gebracht werden. Selbstgemacht ist ja schön und gut, aber Focaccia habe ich schon weniger trocken bekommen und für den ersten Hunger taugt die kleine zugeteilte Menge auch nur bedingt.

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                        Focaccia & Paprikacreme

                        Aus dem regulären Angebot wähle ich Pulpo mit confierter Melone und Staudensellerie (16,-€). Alternativ hätte es noch ein Carpaccio (15,--€) sowie Burrata und Tomate (12,--€) gegeben. Nicht gerade übermäßig kreative oder aufwändige Gerichte, so dass sich mein Pulpo dagegen schon fast originell ausnimmt. Dass er sich allerdings auch in sämtlichen Beschreibungen seit Sommer wieder findet, spricht nicht dafür, dass die Karte häufig ausgewechselt wird. Aber wenn es denn gut ist, spricht ja nichts dagegen, sich ein paar Klassiker zu erarbeiten. Nur müssten sie dann auch irgendwann mal an den Tisch kommen. Mehr als eine Stunde nach Bestellung ist es dann soweit. Zu diesem Zeitpunkt dürfte sich unsere Getränkerechnung bereits gut aufsummiert haben.

                        Der Pulpo ist ordentlich gegart, an der Melone ist auch nichts auszusetzen, der Staudensellerie ist ok. Aber das Ganze hat vorne und hinten nichts besonderes. Und dass sich die Küche der unsäglichen Balsamicocreme bedient, die einmal quer über alles gekleckst wird, ist für sich genommen schon ein Unding.

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                        Pulpo & Melone
                        mit confierter Cantaloupe-Melone, mariniertem Staudensellerie und Szechuan-Pfeffermarinade


                        Da man, wenn man kein Steak essen möchte, nur die Wahl zwischen einem Fleisch- oder Fischgang hat, entscheide ich mich für den Wolfsbarsch mit Gnocchetti, Kürbis und Paprikajus (25,--€). Auch dieses Gericht ist allerhöchstens anständige Bistroküche, wie ich sie zuhause auch hinbekomme. Ein paar Nudeln, etwas gebratener Kürbis und eine Paprikasauce sind jetzt nicht die ganz hohe Schule der Kochkunst. Der Fisch ist von guter Qualität, allerdings hätte ich mir die Haut lieber gebraten gewünscht. Etwas salzarm ist er auch.

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                        Wolfsbarsch mit Gnocchetti, Kürbis und Paprikajus

                        Meine Kollegin gegenüber möchte Scaloppine al limone (21,--€) essen, traut aber meiner Erklärung, worum es sich dabei handelt, noch nicht vollständig und fragt den Kellner, der wie aus der Pistole geschossen antwortet: „Das sind Muscheln.“ Innerlich rollen meine Augen in dem Moment gerade im Quadrat und ich bitte ihn, das doch besser noch mal in der Küche abzufragen.
                        Selbst unterstellt, dass der gute Mann, der ja ansonsten recht freundlich ist, eine Aushilfskraft ist, frage ich mich in dem Moment, warum man nicht mal bei einer so überschaubaren Karte die Basics beherrscht.

                        Es kommt natürlich ein Kalbsschnitzel in Zitronensauce mit belanglosen Rosmarinkartoffeln und Blattspinat, der für meine Kollegin versalzen ist (für mich, der sie mich hat probieren lassen, zumindest hart an der Grenze).
                        Die Sauce macht auch den Eindruck, als würde sie sich nicht noch weitere fünf Minuten zusammenreißen können und lieber abhauen...

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                        Scaloppine al limone mit Blattspinat, Rosmarinkartoffeln und Limette

                        Zu diesem Zeitpunkt sind seit der Bestellung mehr als zwei Stunden vergangen für zwei magere Gänge und die Stimmung an unserem Tisch ist nur durch ausgiebigen Alkoholkonsum leidlich hochzuhalten. Denn wenn auch sonst schon alles andere lange dauert, das Nachschenken des Weins hingegen funktioniert rasant und großzügig. Ein Schelm, wer Methode dahinter vermutet.

                        Ein besonderes Highlight aus der Speisenfolge präsentiert mir ein weiterer Kollege, der sich für das Risotto „Nero venere“ mit Muscheln und Fenchel (17,--€) entschieden hat. Sein Teller, den er nahezu unangerührt zurück gehen lassen wird, ist so ziemlich das Abenteuerlichste, was ich je unter der Bezeichnung Risotto gesehen habe. Es ist eine unansehnliche, graue Suppe mit schwarzem Reis und weichem Gemüse, darunter neben Fenchel auch wieder Staudensellerie. Ok, ich kenne Venere-Reis und weiß, dass der schwarz ist. Aber ich weiß auch, dass der nicht für Risotto taugt. Und wie viele andere Gäste wissen mit der Bezeichnung etwas anzufangen und erwarten ein cremiges, schlotziges Risotto mit Muscheln? Das hier ist eine Reissuppe. Keine schöne, aber eine Suppe und die hat nichts zu tun, mit dem, was in der Speisekarte steht.

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                        Risotto „Nero venere“ mit Bouchot-Muscheln und jungem Fenchel

                        Die ersten Mitglieder unserer Gruppe machen sich auf den Heimweg und bestellen angesichts der Wartezeiten kein Dessert mehr. Die übrigen erkundigen sich zumindest vehement, wie viel Zeit sie dafür einplanen müssen. Zur großen Überraschung dürfen wir jetzt aber auch zusätzlich aus den Tagesempfehlungen auswählen.

                        Aus Trotz bleibe ich aber bei der Standardkarte und nehme eine klassische Mousse au Chocolat mit Blätterkrokant und Mini-Crème Brûlée (10,--€). An den Blätterkrokant erinnere ich mich nicht mehr. Der Rest ist solide.

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                        Schokoladenmousse mit Blätterkrokant und Mini-Crème brûlée

                        Bei einer Kollegin darf ich vom Nougattörtchen (10,--€) probieren, das mit dem gleichen Mangokompott kommt und einer Nocke Kaffeeeis. Letzteres gefällt mir gut. Das Törtchen ist eine muntere Schichtung von Teig und Creme und insgesamt zu mächtig.

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                        Nougat-Törtchen, Mangochutney und Kaffeeeis

                        Ach herrje! Was war denn das für ein obskures Restaurant-Erlebnis? Nicht nur für meinen Geschmack, sondern auch für den meiner Kollegen, stimmte hier rein gar nichts. Die Wartezeiten waren inakzeptabel lang, der Service völlig überfordert und die Preise entschieden zu hoch. Dazu kommt eine Küche, die auf einer viel zu kleinen Karte nichts als belanglose Allerwelts-Bistrogerichte anbietet und diese dann noch nicht einmal zeitgerecht und fachlich einwandfrei hinbekommt.
                        Was soll hier das Alleinstellungsmerkmal sein, dass man Lust auf einen erneuten Besuch hat? Außer der Location kann ich nichts erkennen – und die alleine genügt mir nicht.

                        Wer ein Restaurant dieser Größe betreibt und zur Marke werden möchte, und das scheint das erklärte Ziel der Inhaber zu sein, muss mehr und Besseres bieten. Ein Restaurantbesuch sollte etwas Besonderes bieten, etwas, das ich eben zuhause nicht haben kann. Das gilt vor allem bei den mehr als selbstbewussten Preisen.

                        So ist auch meine Geschichte tatsächlich nur eine von überzogenen Preisen, nachlässigem Service und langen Wartezeiten.
                        Und die traurigste Geschichte überhaupt ist die von uninspiriertem Essen.


                        Bericht wie immer auch unter: http://tischnotizen.de/eleven-stories-koeln/

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                        • #42
                          Sicher kein typischer Sonntag – mit weit über 20 Flaschen aus 13 verschiedenen Jahrgängen, war diese Verkostung der Weine aus dem Weingut Clos Rougeard eher eine Rarität. Ins Glas kamen zwei Jahrgänge des Chenin Blanc Clos Rougeard Breze, sowie 11 verschiedene Jahrgänge zwischen 2011 und 1995 des Flagschiffs Clos Rougead Le Bourg. Austragungsort war das 485 Grad in Düsseldorf. Damit man bei der ganzen Flüssigkeit auch nicht verhungert, gabs auch ein 7 gängiges Menü, das sich Christoph Suhre aus dem 485 Grad, Holger Berens vom Berens am Kai* und Tim Tegtmeier – ehemaliger Patissier im Vendome – teilten.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1763.jpg Ansichten: 1 Größe: 117,6 KB ID: 61549

                          Nach ein paar Gläsern Krug 164eme Edition (gerade ein Traum!) und ein paar Snacks gings in lockerer und heiterer Runde am Sonntag Mittag los. 2012 und 2005 Clos Rougeard Beze. 2005 sehr reduktiv in der Nase, fast schon burgundisch, 2012 deutlich mehr im Saft und mit einer wunderbaren Länge. Dazu gab es Hamachi, Orange und Gurke.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1714.jpg Ansichten: 2 Größe: 70,8 KB ID: 61536Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1711.jpg Ansichten: 2 Größe: 122,1 KB ID: 61537

                          Nach diesem kurzen weißen Auftakt geht’s sofort weiter mit Le Bourg aus den drei Jahren 2011, 2010 und 2009. 2010 war hier der klare Gewinner und für mich insgesamt einer der stärksten Jahrgänge des Abends mit einem enormen Potenzial. Genauso traumhaft auch das Tatar mit gebackenem Wachtelei und Kalbsbries.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1721.jpg Ansichten: 1 Größe: 111,3 KB ID: 61538Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1720.jpg Ansichten: 1 Größe: 113,1 KB ID: 61539

                          Zu 2008, 2007 und 2006 gibt es Seeteufel mit Purple Curry. 2007 sticht anfangs heraus, dadurch, dass das Jahr deutlich verhaltener am Gaumen ist, aber gerade in Kombination mit dem Essen ungeheuer fein. Das größte Potenzial bringt hier 2008 mit.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1731.jpg Ansichten: 1 Größe: 69,0 KB ID: 61540Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1747.jpg Ansichten: 1 Größe: 115,9 KB ID: 61541

                          Ein schöner Eintopf aus Rehinnereien begleitet dann die Jahre 2005, 2004 und 2003. 2005 macht gerade ungeheuren Spaß und ist in einem großartigen Trinkfenster, 2004 teilweise noch etwas straff, aber auch mit großartigem Potenzial.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1740.jpg Ansichten: 1 Größe: 77,5 KB ID: 61542

                          Zu Reh mit Pfifferlingen gibt es dann die letzten beiden gereiftesten Jahre 2000 und 1995. Hier zeigt sich schön welche Reifenoten der 100% Cabernet Franc hat. 1995 ist dabei noch so frisch.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1772.jpg Ansichten: 1 Größe: 77,8 KB ID: 61543Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1749.jpg Ansichten: 1 Größe: 53,7 KB ID: 61544

                          Drei Desserts, darunter Tomate Mozzarella und Zwetschgenkuchen gibt es dann zum süßen (vorläufigen) Finale zu Geltz Ziliken Auslese lange Goldkapsel 2005 und Pauly Bergweiler 1983 Beerenauslese Graacher Domprobst.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1784.jpg Ansichten: 1 Größe: 76,3 KB ID: 61545Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1796.jpg Ansichten: 1 Größe: 61,7 KB ID: 61546Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1808.jpg Ansichten: 1 Größe: 74,5 KB ID: 61547
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1801.jpg Ansichten: 1 Größe: 71,1 KB ID: 61550

                          Das wars? Falsch gedacht. Den restlichen Nachmittag und Abend machten dann gleich mehrer großartige Tropfen noch die Runde. Darunter waren Pierre Yves Colin Morey Les Narvaux 2015 aus der Magnum (geiler Stoff!), Keller Pettenthal 2016 Versteigerung, Roulot Meursault Meix Chavaux 2005, Egon Müller Kabinett 2011 Magnum, Zieregg Tement 1996 (extrem müde), Raveneau La Forest 1995 (großartig), Keller Hubacker 2013 Magnum und Montevertine Le Pergole Torte 1999.
                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCF1812.jpg Ansichten: 2 Größe: 61,3 KB ID: 61553

                          Der ganze Tag war eine Wucht und ein absoluter Traum für jeden Weinliebhaber. So viele Weinverrückte an einem Ort mit so einer unglaublichen Bandbreite an einem Tag – das war schon außergewöhnlich.
                          Angehängte Dateien
                          Zuletzt geändert von Junggaumen; 05.09.2018, 19:50.

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                          • #43
                            Na, Junggaumen, das hört sich in der Tat nach einem guten Tag an ;-). Glück gehabt, dass es keine Pizza gab... (Erläuterung für Nicht-Ortskundige: Das 485 Grad ist eine someliergeführte Pizzabäckerei, in der sonst weder -so- ambitionierte Weine, noch das beschrieben Menü serviert werden.)

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                            • #44
                              Werter bernard, in Bezug auf das dargebotene Essen stimme ich Ihnen vorbehaltlos zu: Die normalerweise dort angebotenen Pizzen sind meiner Meinung nach bei weitem nicht so herausragend und einzigartig, wie es von so manchen Foodbloggern und der Marketingmaschinerie des Ladens selbst suggeriert wird. Da würde mich das Menü, welches von Junggaumen beschrieben und mit schönen Fotos porträtiert wurde, auch mehr reizen...

                              Was die Weinauswahl angeht, so bin ich ein wenig anderer Meinung: Sie ist gerade für einen Pizzaladen superb und lässt eigentlich keinerlei vinophile Wünsche offen, sodass ich Ihre Ansicht, dort würden ansonsten keine ambitionierten Weine serviert, nicht unbedingt teilen kann...

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                              • #45
                                Ich muss sogar gestehen leider hatte ich kein Stück Pizza, die Pizza dort steht nämlich immer noch auf meiner ToDo Liste.

                                Zu den Weinen bin ich ganz bei El Grande. Die Weinkarte dort ist sehr gut, alle Weine außer Clos Rougeard wie zB Raveneau, Keller, Les Narvaux hatten wir alle von der regulären Weinkarte und das teilweise noch zu sehr guten Preisen. Clos Rougeard ist auch regelmäßig auf der Karte, kann nur sein, dass sich das kürzlich geändert hat ;-)

                                Kleine Ergänzung, fälschlicherweise zum Thread handelt es sich um das 485 Grad in Düsseldorf und nicht in Köln! Ich weiß nicht ob die Weinkarte ähnlich für an allen Standorten ist.
                                Zuletzt geändert von Junggaumen; 05.09.2018, 22:59.

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