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Maibeck*, Köln

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  • Maibeck*, Köln

    Maibeck*, Köln

    Aus gegebenem Anlass einige Worte zum Restaurant maiBeck in Köln, das heute seinen verdienten - aber vielleicht gar nicht so angestrebten (?)Michelin-Stern erhalten hat.
    Wir haben das Restaurant im vergangenen Jahr mehrfach besucht und sind nie enttäuscht worden. Die Küche macht Spaß und ist qualitativ hochwertig. Uns gefällt auch die Weinauswahl sehr gut, viele deutsche Weißweine, fair kalkuliert.

    Jan Cornelius Maier und Tobias Becker sind gemeinsam Inhaber und Chefköche des „Bistronomics-Restaurants“, wie sie es auf ihrer Homepage bezeichnen. Dem entspricht auch das Ambiente, hell, modern, eher schlicht und einfach. Der Service professionell aber locker, die Frage, von welcher Seite der Teller eingesetzt wird, stellt sich hier – glaube ich – nicht (auch wenn der überwiegende Teil des Personals wüsste, wie das zu machen ist).
    Dafür gibt es tolles Essen von einer regelmäßig wechselnden Karte. Ausgesuchte Produkte i.d.R. aus der Region, Qualität, die man auf dem Teller sieht und schmeckt.

    Eigentlich ist es müßig, ein Menü zu beschreiben (wechselt einfach zu oft), aber um einen Eindruck zu geben, hier eines der ersten, die wir im maiBeck genossen haben:

    Kalbfleisch in lauwarmer Vinaigrette, darauf ein Salat von Tomaten und Artischocken
    Grüner Veltliner
    sanft gegarter Lachs auf Spinat mit kandierter Amalfi-Zitrone und Topping
    leicht restsüßer Riesling
    Poularde auf Kartoffel-Spargel-Gemüse mit einer schönen dunklen Soße (die gerne auch mal zum Nachschenken in einem Töpfchen auf den Tisch gestellt wird)
    Rotwein, französisch, leicht, passend
    Schokoladen-Brownie mit Pfirsich, Pfirsicheis und Estragon(?)-Espuma
    Süßwein

    Schade, dass die Sommerzeit, wo man mit Blick auf den Rhein auf der Terrasse sitzen konnte jetzt vorbei ist. Nun verlagert sich das Geschehen in das Restaurant, wo es wenige Plätze mit dem Rhein-Blick gibt und viele in einem Bereich wo die Tische relativ eng stehen und es bei vollem Haus auch schon mal etwas lauter wird, bistro-nomic eben.

    Leider steht ja jetzt mit dem Stern noch deutlicher dran, wie gut der Laden ist, schade für uns – wird schwieriger einen Tisch zu bekommen – schön für das maiBeck und sein Team, das Köln in dieser Art hoffentlich lange erhalten bleibt.

  • #2
    bernard, Danke für den Bericht. Es ist doch schön, gleich etwas über ein frisch besterntes Restaurant zu lesen.

    Kommentar


    • #3
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      Besuch 25.11.2014

      „Für Dich“ und „Stay hungry!“ heißen die zwei Kernaussagen mit denen sich das Lokal selbst identifiziert und darstellt. Vielleicht dachten die beiden Chefs an den Spruch von Steve Jobs: „Stay hungry, stay foolish”.

      Seit die „Welt am Sonntag“ (20.7.2014) schrieb: „Bis 2013 war die Kölner Altstadt nicht nur in gastronomischer Hinsicht eine No-go-Area. Jetzt gibt es hier mit dem "Maibeck" einen Vertreter der sogenannten modernen Bistroküche. Jan Maier und Tobias Becker, zwei erfahrene Köche Anfang 30, halten das ambitionierte Niveau ihrer Neueröffnung nahe dem Museum Ludwig seitdem beständig. Auf der saisonal und überwiegend lokal orientierten, täglich wechselnden Karte stehen im Sommer Matjes aus Scheveningen, aromatisiert mit Wassermelone, Liebstöckel und Gartengurke oder einfach nur ein Teller mit Rohem, Gegrilltem und Eingelegtem von rheinischen Feldern. Der Kaffee kommt von der Ehrenfelder Rösterei Van Dyck. Toller Impuls für das legendär behäbige Köln.“ wollte ich das Restaurant besuchen. Aber irgendwie klappte es nicht. – Und dann schlugen auch noch Michelin (1 Stern) und GaultMillau (15 Punkte) im November voll zu.

      Da traf es sich gut den Besuch von Weihnachtsmärkten in Köln mit einen Besuch zu starten.
      Ich finde ein Vier-Gang-Menü (als Überraschungsmenü für 42,00€ und mit Weinbegleitung für 69,00€ schon bei der Lektüre auf der Internetseite) als einen guten Einstieg.
      Die Reservierung zum Lunch war telefonisch ganz einfach und problemlos.

      Ambiente

      Wir kamen zu Fuß vom Hauptbahnhof und gingen Richtung Dom am Weihnachtsmarkt vorbei zur Philharmonie und sahen schon das Lokal.

      Schon beim Eintreten sahen wir die „reduzierte“ Einrichtung: sehr einfache kleine Tische, moderne „Stapelstühle“ mit Gleitern (durchaus bequem). Der Raum lebt von Hell-Dunkel-Kontrasten und den großen Fenstern sowie den sichtbaren silberfarbenen Lüftungsrohren. Als nächstes fällt die Theke ins Auge. Ein weiterer Gastbereich war durch Sperre mittags geschlossen. Alle übrigen Plätze wurden von Gästen eingenommen (21 Personen habe ich gezählt). Wir hatten einen Fensterplatz mit Sicht auf den Rhein.
      Die Tische sind schon recht klein und reichen gerade für Besteck und Porzellan für zwei Gedecke. Eine Flasche „Wasser“ hatte kaum noch Platz und wurde daher auf der Fensterbank abgesetzt. Die Servietten waren aus weißem Stoff.
      Die Einrichtung ist in sich stimmig.

      Sauberkeit

      Der graue Kunststofffußboden war gut gepflegt, die Tische fleckenlos. Der Sanitärbereich ist auf der gleichen Ebene und leicht zu erreichen. Der Raum ist eng. Die Einrichtung ebenfalls spartanisch gehalten. Aber es ist alles Notwendige vorhanden. Alles ist in tadellosem Zustand.

      Service

      Die Kellnerinnen trugen Jeans, weiße Bluse, Turnschuhe und als Zeichen ihrer Aufgabe eine einheitliche Schürze des Hauses – also ungezwungen und locker. Die Damen waren freundlich und beantworteten gerne alle Fragen. Bei jedem neuen Wein gab es einen Probschluck und Erläuterungen zu den Rebsorten. Es wurde stets aus der Originalflasche gut temperiert eingeschenkt. Trotzdem strahlen die jungen Frauen nicht „Feuer“ oder „Freude“ aus. Sie waren distanziert höflich. Durch das fundierte Fachwissen und die klaren Bedienungsabläufe war der Service insgesamt gut.

      Die verkosteten Speisen

      Wir wählten das Viergang-Menü.

      Das Brot und der Aufstrich wurden bald gebracht und auch bei Bedarf erneuert. Besonders das dunklere luftige Brot mit einer leckeren Kruste schmeckte uns. Das helle Brot war kompakt und fest. Der Aufstrich war leicht und hatte angenehme Zitrusnoten als Hauptgeschmack.

      Dann kam der erste Gang: Kalmar, Champignon, Möhrenscheiben, Selleriepüree und Urkarottentatar mit Dressing. Das „Bild“ war schön und machte Appetit. Die Tintenfischröllchen waren leicht gebraten, angenehm fest im Mund. Das Püree schmeckte durchaus sanft nach Sellerie und rundete den Gang ab. Große Freude machte uns das Tatar aus der Karotte. Es erinnerte geschmacklich an Rote Bete und war herrlich zubereitet und gewürzt.

      Der nächste Gang bestand aus zwei gefüllten Ravioli, Mangoldgemüse, Kaninchenteilen und Jus. Vielleicht sieht der Teller nicht so farbenfroh wie der erste aus; aber die Komponenten waren überzeugend. Selbst gemachte Ravioli mögen wir gerne, das Gemüse ergänzte prächtig. Und die Stücke von Kaninchen waren köstlich. Soßen sind meine große Leidenschaft und daher war diese für mich die Abrundung. Jürgen Dollase sagte dazu vor Kurzem im Radio, dass viele Köche die Optik höher schätzen als den Geschmack. Viele Gerichte haben am Ende der Zubereitung einen Braunton, aber das muss nicht bedeuten, dass es Pampe ist und keine Würze hat. Uns hat der Gang gut gemundet.

      Der Hauptgang bestand aus Zweierlei von der Ente (Brust- und Keulenstücke), Kürbis-Rappa-Wurzelgemüse, Spätzle, Soße. Die Spätzle hatten einen Kürbisanteil. Sie wurden in einer Extraschüssel gereicht, ebenso wie die Soße. Das war für uns eine gute Entscheidung. Wir mögen es gar nicht, wenn die Soße überall verteilt auftaucht (schon gar nicht über dem Fleisch). Die Entenbrust war saftig. Die Keule war geschmort. Beide Sorten waren sehr schmackhaft und zart. Die Spätzle waren ein Gedicht. Die Soße schmiegte sich gerne an die Nudeln. Rappa kannten wir nicht – er heißt auch Stängelkohl. Der Geschmack überzeugte uns und hat unser kulinarisches Spektrum erweitert. Bei anderen Köchen habe ich bereits Wirsing (Sonnora - Helmut Thieltges), Kohlrabi (Haasenmühle - Patu Habacht) und Steckrübe (Buddenbrooks - Dirk Seiger) wieder schätzen gelernt (früher hat „Mutti“ diese Gerichte zu weich zubereitet oder mit Mehlschwitze erschlagen) und verarbeite sie gerne selber zu Hause.

      Den Abschluss bildete eine Apfeltarte mit Tonkabohnen-Eis. Das war auch ein solides Gericht. Auf Blätterteig waren die Äpfel fein verarbeitet. Eine angenehme Süße zeichnete den „Kuchen“ aus. Das Eis war sehr cremig und zart mit angenehmen Aromen.

      Zum Kaffee gab es einige Cantuccini-Plätzchen mit ganzen Hasennussscheiben.

      Getränke

      „Hauswasser“ (0,7l – 5,90€)

      Weinbegleitung zum Viergang-Menü (27,00€):

      Château de Saint Cosme : Little James' Basket Press blanc (Viognier 55% und Sauvignon blanc 45%) – frischer und aromatischer Sommerwein

      Fred Loimer: Cuvee Chardonnay * Pinot gris 2010 - feine Kräuterwürze, leichte Aromen von Vanille und Karamell im großen und kleinen Holzfass gereift

      Faubel: Maikammer Rotwein-Cuvée “L. Marcian” 2012 (Cuvée aus Spätburgunder und Cabernet Sauvignon) - mit Aromen von Kirschen und Waldbeeren, Brombeere, schwarzer Johannisbeere und Kräuternoten – nicht zu schwer und daher passend zu Fleisch mit leichten Soßen.

      Thorsten Krieger: Rieslaner Auslese 2012 – süß, frisch, saftig mit Aromen von Orangen und Honig.

      Espresso macchiato (2,50€)

      Fazit

      4 Gerne wieder: Uns hat es geschmeckt.

      (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
      Angehängte Dateien
      Zuletzt geändert von kgsbus; 26.11.2014, 21:47. Grund: Versuch Fotos anzuhängen

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      • #4
        Jürgen Dollase hat das "Maibeck" in der heutigen FAS unter der Überschrift "Die Zutaten sind da, der gute Koch fehlt" ziemlich abgekanzelt. JD findet, dass der Michelin bei der Verleihung des * zu voreilig war.

        Ich kenne das Restaurant nicht, sehe aber deutliche Diskrepanzen zu den beiden Einschätzungen hier im Forum.

        Schönen Gruß, Merlan

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        • #5
          Die Jungs vom Maibeck haben jedenfalls die Größe, die Kritik selber zu posten https://www.facebook.com/pages/Maibe...97103523761568.

          Die Überschrift ist schon hart bis unter die Gürtellinie, wenn man davon ausgeht, dass hier gut ausgebildete Leute nicht ganz erfolg- und anspruchslos arbeiten. Sonst würde ich sagen, es hat ihm nicht gefallen, das ist o.k. Angesichts vieler zufriedener Gäste hoffentlich nur ein Bonmot in der jungen Geschichte des Maibeck (wer immer den schlechten Tag hatte, die Küche oder der Kritiker).

          Vielleicht war ihm aber auch noch vom Weihnachtsessen unwohl: die im Artikel abgebildete Rechnung wurde am 26.12. mittags ausgestellt, immer im Dienst der Herr Dollase...

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          • #6
            Um es gleich vorweg zu sagen: Dollases Kritik vom 01.03. 2015 in der FAS ("Die Zutaten sind da, der gute Koch fehlt") ist nach unserer aktuellen Erfahrung völlig unberechtigt! Die guten Zutaten sind da, es stehen zwei gute Köche mit ihrer Mannschaft am Herd und der Michelin hat zu Recht für diese Leistung einen Stern vergeben.

            Die Lage und das Ambiente des Restaurants, Bistros, Bistronomics oder wie auch immer wurden bereits hinreichend und absolut zutreffend beschrieben, so dass ich mich auf das Wesentliche beschränken kann. Wir waren zum Lunch in der Kölner Altstadt und haben uns in dem umtriebigen Lokal wohlgefühlt; ob ich das abends auch so sehen würde, mag dahingestellt sein, da es vielleicht an einer gewissen Behaglichkeit fehlt, nach der man sich am Abend schon einmal eher sehnt.

            Was kann man von der Küche erwarten? Gute Zutaten, gutes Handwerk, guten Geschmack! Will sagen, hier wird das, was der Markt bietet, in schmackhafte Gerichte umgesetzt, die bisweilen eine gewisse Kreativität aufblitzen lassen, aber fest auf dem Boden der klassischen Küche stehen. Im „maiBeck“ darf man keine Salti oder Extravaganzen erwarten, sondern eine bodenständige Küche, die sich in Qualität und Präsentation deutlich von den Küchen herkömmlicher Bistros unterscheidet. So etwas nennt der Michelin „ein sehr gutes Restaurant in seiner Kategorie“ und vergibt einen Stern. Lassen Sie es mich einmal so formulieren: Das „maiBeck“ rangiert für mich am Anfang der Messlatte für einen Stern; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ich habe so das Gefühl, dass die beiden Gastronomen sich genau an dieser Schwelle gut eingerichtet haben.

            Wir haben uns vier Gänge à la carte zusammengestellt:

            Ziegenfrischkäse, Rhabarber & grüner Pfeffer, Rote Bete
            Zwei Nocken vom Frischkäse waren auf nussigem Bulgur angerichtet und von einem Rhabarber-Chutney mit grünem Pfeffer umgeben. Dazwischen wurden hauchdünne Rote-Bete-Röllchen und Rote-Bete-Tupfen platziert. Ein sehr schön angerichteter Gang, der seinen Reiz aus dem süß-säuerlichen Rhabarber und der erdigen Bete bezog. Hiermit konnte man den Ziegenkäse sehr gut variieren und hier und da den Bulgur einsetzen. Ein feiner Gang zum Einstieg, aber „für vorneweg“ wäre uns eine Nocke Ziegenfrischkäse ausreichend gewesen.

            Sautiertes Kalbsherzbries, Kopfsalat, Selleriepürée
            Ach, wie schön, dass man wieder vermehrt Kalbsbries auf den Karten findet! Hier gab es zwei ordentlich parierte Stücke, die auf geschmortem Kopfsalat thronten und in dem Selleriepürée einen kongenialen Partner fanden. Das ist so ein klassischer Gang, den ich am Anfang erwähnte: gute Zutaten, gut gemacht, aber kein „eingesprungener Rittberger“. Muss ja auch nicht sein!

            Steinbutt, Rübstiel, Polenta bianca, Cashewkern-Aprikosen-Chutney
            Das war schon ein verdammt guter Fischgang! Der sanft gebratene Steinbutt lag auf einem fein abgeschmeckten Rübstiel-Gemüse, etwas „grün“, etwas herb und damit ein starker Kontrapunkt zum kernig angelegten Chutney. Die weiße Polenta bildete so etwas wie das Verbindungselement zwischen den Komponenten.

            Tira mi Sù „maiBeck“
            Was unterscheidet ein herkömmliches Tiramisu vom Tira mi Sù „MaiBeck“? Nichts! Außer, dass es im Gläschen angerichtet und ein besonders gutes Tiramisu ist. Punkt!

            Fazit:
            Köln hat mit dem „maiBeck“ eine weitere gute Adresse, in der man in lockerer Atmosphäre gut essen und trinken kann, und zwar so gut, dass man ihr zu Recht einen Stern verliehen hat. Der freundliche weibliche Service unterstreicht das Engagement der Küche und trägt wesentlich zum ungezwungenen Charakter dieser Lokalität bei.

            Schönen Gruß, Merlan

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            • #7
              Im Alfredo-Thread schrieb kgbus: "maiBeck – für mich ganz nett, da werde ich immer wieder einmal essen; aber hier finde ich zum Beispiel nicht das „Sternegefühl“"

              Dort habe ich einmal geschrieben:"Was das "Alfredo" mit Stern aus der Klasse der anderen guten italienischen Restaurants heraushebt? Ich weiß es nicht so recht."

              Ich denke beide Restaurants bewegen sich an der Schwelle zum Stern, wobei das maiBeck sie für mich eher überschritten hat als der zweifellos gute Alfredo.

              Schönen Gruß, Merlan

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              • #8
                Geschätzter merlan!

                Mit dieser Einschätzung kann ich gut leben. Beide Einrichtungen sind für mich bei einem Köln-Besuch eine Einkehr wert. Allein schon, weil sie beide mittags öffnen und zusammen wohl die ganze Woche abdecken und leicht mit der KVB zu erreichen sind. Ich hoffe, dass es so bleibt mit dem Lunchangebot.

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                • #9
                  Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                  Im Alfredo-Thread schrieb kgbus: "maiBeck – für mich ganz nett, da werde ich immer wieder einmal essen; aber hier finde ich zum Beispiel nicht das „Sternegefühl“"

                  Dort habe ich einmal geschrieben:"Was das "Alfredo" mit Stern aus der Klasse der anderen guten italienischen Restaurants heraushebt? Ich weiß es nicht so recht."

                  Ich denke beide Restaurants bewegen sich an der Schwelle zum Stern, wobei das maiBeck sie für mich eher überschritten hat als der zweifellos gute Alfredo.

                  Schönen Gruß, Merlan
                  Vollkommen d'accord.

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                  • #10
                    Moderne Bistroküche: Regionale frische Produkte mit eigener präziser Handschrift zubereitet - gutes Essen ohne Schnickschnack:

                    Wir waren Ende 2014 schon einmal im „MaiBeck“ zu Gast. Der Besuch hatte uns durchaus gefallen. Die Speisen waren schmackhaft gemacht. Und die Preise waren trotz des gerade verliehenen Michelinsterns keinesfalls überhöht. Und das ist immer noch so.

                    Besonders das Überraschungsmenü (es wird auch eine passende Weinbegleitung dazu angeboten) erscheint günstig; aber es gibt auch keine „Grüße“ oder sonstige „Geschenke“ dazu - von Brot mit Aufstrich auf dem Tisch einmal abgesehen.
                    Das ist auch in Ordnung für mich; denn es steht jedem frei, sich „mehr“ aus der Karte zu kaufen.

                    Außer dem Kritiker Jürgen Dollase habe ich auch nur positive Rückmeldungen über das Restaurant gelesen. Dieser hatte allerdings in der „FAS“ das Lokal unter der Überschrift "Die Zutaten sind da, der gute Koch fehlt" schon heftig attackiert. Der Profi vermisste wohl Kreativität und Finesse.

                    Doch die meisten Gäste sind keine „Kritiker“, sondern möchten nur „gut“ essen und sich dabei „wohl fühlen“. – Und das scheint mir im MaiBeck absolut möglich. Allerdings muss man die „Bistro-Atmosphäre“ akzeptieren oder noch besser: schätzen. – Ich nehme es in „Kauf“.


                    Service

                    Kompetent, freundlich, geschäftig. Eine junge Dame und ein junger Herr betreuten gemeinsam die Gäste. Der Mann kümmerte sich eher um die Weine und die Frau um die Speisen. Die Getränke wurden jeweils vorgestellt und es gab auch einen Probeschluck aus der Originalflasche. Auch die Zutaten werden beim Servieren erwähnt. Auf Unverträglichkeiten wurde Rücksicht genommen; einige Speisen – insbesondere beim Nachtisch – kamen daher nicht in Frage. Aber das tat dem Menü keinen Abbruch.

                    Die Karte(n)

                    Sehr erfreulich finde ich, dass das Lokal auch mittags geöffnet hat. Es gibt das bereits oben angesprochene Überraschungsmenü in vier Gängen, einige Tagesangebote auf einer Tafel und die Gerichte aus der Speisekarte, die auch im Internet zu lesen ist.

                    Die verkosteten Speisen

                    Da ich beim ersten Besuch das Überraschungsmenü gewählt hatte, wollte ich dieses Mal einmal „À la carte“ speisen. Parallel wählte mein Arbeitskollege das Überraschungsmenü.

                    Ich gehe hauptsächlich auf meine Speisen und Getränke ein, habe mich aber natürlich auch über die anderen Gänge informiert (jedoch nur optisch und per Kommunikation).

                    Brot und Butter wurden sofort gebracht und im Verlauf des Essens nachgereicht.

                    Ziegenfrischkäse / Aprikosen-Chutney / Rote Bete / Bulgur

                    Zwei Nocken milder Frischkäse mit Kresse verziert waren je auf dem Bulgur und auf dem Chutney drapiert. Vier Röllchen Bete gaben eine saure Note zu den eher süßen Aprikosen. Der Käse war sahnig und mild. Je nach Gabelfüllung mit den unterschiedlichen Komponenten ergaben sich verschiedene angenehme Aromen im Mund. Der Bulgut pur war relativ neutral im Geschmack.

                    Little James Basket Press white IGP, Saint Cosme (Viognier, Sauvignon blanc - Rhône/Provence)

                    Auf dem anderen Teller war Büffelmozzarella die Hauptzutat.

                    Sautiertes Kalbsherzbries / Kopfsalat / Selleriepüree

                    Als Zwischengang wählte ich die kleinere Portion, womit ich goldrichtig von der Menge her lag. Das Bries war ausgezeichnet verarbeitet. Die Sauce machte ebenfalls Freude. Der Kopfsalat war auch leicht in einer Pfanne erwärmt und dadurch weich aber nicht matschig zubereitet. Das Püree ergänzte gut das Geschmackserlebnis. Ein erfreulicher Teller.

                    Palacios Valdeorras »Bolo Mountain« Godello – die Rebsorte Godello ergibt meist frische aromatische Weine, die ich sehr schätze.

                    Der Kollege erhielt ein feines Pastagericht.

                    Steinbutt von der belgischen Küste / Petersilie & Wurzel, neue Ernte / Pfifferlinge / Kalbsschwanz / selbst gemachte Gnocchi

                    Das weiße Fleisch vom Steinbutt war fest in der Struktur und aromatisch im Geschmack. So mag ich Fisch besonders gerne. Die kleinen Petersilienwurzelstifte hatten einen perfekten Garpunkt. Die Pfifferlinge waren kurz gegart und schmeckten schön nach Wald. Das Fleisch von Kalbschwanz war lange sanft geschmort und wurde dann abgeschabt nach Art des pulled beef. Der Geschmack hat mich positiv überrascht und überzeugt. Bisher hatte ich einige Ochsenschwanz-Gerichte verkostet, die mir gar nicht zugesagt hatten. Die kleinen Gnocchi wurden in einer Extra-Schale gereicht und passten zum Gericht – insbesondere zum Gemüsesud, aber brachten mir keine Genusssteigerung. Insgesamt war dies jedoch für mich ebenfalls ein überzeugender Gang.

                    Bernhard Huber Weißburgunder & Grauburgunder trocken (Baden) – die Weine des leider schon verstorbenen Bernhard Huber begeistern mich fast alle. Seine Kreationen gehören zu meinen Lieblingsweinen; seine Familie setzt die Arbeit erfolgreich fort.

                    Auf dem anderen Teller war das „Bild“ vielleicht sogar noch schöner und die Zutaten brauchten sich auch nicht verstecken. Rindfleisch kurz gebraten und geschmort (Steak und Bäckchen). Dazu ebenfalls Pfifferlinge und gelbe und grüne Bohnen.

                    Rhabarber & Erdbeeren / Sorbet / Basilikum

                    Der Nachtisch war solide gemacht. Ich mag Rhabarber, ich mag Erdbeeren; das Eis war schmackhaft. Die Basilikumcreme hat mir am meisten zugesagt.

                    Faubel Maikammer Heiligenberg Riesling Pfalz – der leicht süße Riesling passte auf jeden Fall ausgezeichnet zu den Komponenten des Desserts.

                    Der Espresso kommt aus einer Kölner Rösterei und war relativ sanft geröstet, was meinem Geschmack durchaus entgegen kommt. Das Gebäck dazu, war leider aus Nüssen – und mein Kollege hatte dafür dann das Vergnügen, beide Stückchen zu verzehren. Ich hätte mich über etwas aus dunkler Schokolade gefreut.

                    Preis-Leistungs-Verhältnis
                    Wir haben heute jeweils vier Gänge verspeist. Die Weinbegleitung war parallel gleich im Preis (27 Euro – vier Gläser). Das Überraschungsmenü kommt mit schlanken 69 Euro inklusive der Weinbegleitung daher – aus der Karte ergab sich eine Summe von 94 Euro. Ich glaube, dass sich der Mehraufwand nicht unbedingt lohnt; denn Abneigungen oder Allergien werden sowieso berücksichtigt.

                    Fazit

                    4 – gerne wieder. -
                    Das Konzept ist stimmig und kommt bei mir auch voll gut an. –
                    Für das ganz große persönliche Glück jedoch (also die volle „5“: unbedingt wieder) brauche ich etwas mehr Platz am Tisch (auch gerne mit Tischdecke und wenig aber dezenter Dekoration), etwas mehr persönliche Konversation mit dem Service (eine natürlich wirkende freundliche entschleunigte Art): Wenn für mich eine besonders entspannte Atmosphäre entsteht, in der ich die Gaumenereignisse mit allen Sinnen erlebe und die Zeit vergesse, geht mir das Herz auf; aber es waren sicher schon 85 Prozent davon.

                    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                    Bilder: http://kgsbus.beepworld.de

                    Kommentar


                    • #11
                      Wenn sich ein Restaurant seit seiner Eröffnung im Herbst 2013 über ungebrochenen Zuspruch erfreuen kann, ist das in heutigen Zeiten sicher nicht normal, aber auch Beleg dafür, dass am Konzept scheinbar vieles richtig ist. Dass man daran auch nichts geändert hat, als bereits nach einem Jahr der etwas unerwartete Michelin-Stern verliehen wurde, war eine kluge Entscheidung. Das Preisniveau ist immer noch moderat und übersteigt bei den Hauptgerichten in der Regel nicht die 30 Euro-Marke. Weiterhin gibt es ein 4 Gang Menü zu wohlfeilen 42 Euro und die Weinkarte listet auch für den schmaleren Geldbeutel eine ordentliche Auswahl mit Schwerpunkt in Deutschland und zahlreichen guten Offenen.

                      Neben einem urbanen Industriechic, der auf unnötigen Schnickschnack verzichtet und einem locker agierenden Service, sind all dies gute Voraussetzungen, um nicht nur eine Klientel zu gewinnen, die sonst möglicherweise Schwellenängste mit anspruchsvollerer Küche hätte, sondern um auch aus der exponierten Lage in der ansonsten kulinarisch unterirdischen Altstadt das Maximum rauszuholen.

                      Auch für uns ist das maiBeck regelmäßig eine sichere Bank, wenn wir Lust haben auf einen unkomplizierten Abend mit Gerichten, die mehr bieten als Durchschnitt, aber eben auch nicht überkandidelt konstruiert sind. Jan Cornelius Maier und Tobias Becker setzen auf hervorragende Zutaten. Die müssen nicht zwingend immer aus der Region sein. Aber über die Grenzen Nordrhein-Westfalens oder Benelux geht es selten hinaus.

                      Dass auch vermeintlich sehr Einfaches elegant in Szene gesetzt werden kann, beweist die jüngste Vorspeise aus dem Tagesmenü: Rollmops. Richtig gelesen. Mit Gurke, Sellerie, einem frisch-säuerlichen Sud und ein paar Cremetupfen eine erfrischende und alles andere als banale Vorspeise.



                      Auch der Matjes wird mit Zwiebeln und roter Bete eher klassisch eingefasst, bekommt aber durch ein paar Himbeeren eine ungewohnte, aber passende fruchtige Ergänzung.



                      Tadellos die Brotzeit von der bergischen Lachsforelle, die einige wunderbar gebeizte Stücke erneut mit cremigen Elementen und etwas Gemüse kombiniert. Das ist alles andere als hochkreativ, aber sehr akkurat ausgeführt und ausgesprochen lecker.



                      Im Menü folgen als Zwischengang ausgezeichnete Ziegenkäse-Cappelacci mit Pfifferlingen und Aprikosen in einem nur leicht gebundenen, aber sehr schlotzigen, leicht kräutrig-buttrigen Sud. Fabelhaft!



                      Zu den Klassikern auf der Karte und sowohl in kleiner, als auch großer Portion zu bekommen, gehört der Tafelspitz vom Eifeler Rind mit Frankfurter Grüner Sauce, gelben Linsen und Kohlrabi. Das ist bürgerliche Küche im besten Sinne und passt hier perfekt ins Gesamtsortiment.



                      Diese Unaufgeregtheit setzt sich genau so fort bei den Hauptgerichten. Rücken vom Niederrheinischen Rind mit Spitz- und Pfefferkohl, Linsen und Kartoffelwürfeln und Salzwiesenlamm aus dem Emsland mit rotem Mangold, Kirschen und Sellerie sowie einem leicht zitronigen Cous-cous sind makellos zubereitet und bestechen durch ihre ausgezeichnete Fleischqualität. Die Saucen dazu gibt es auch weiterhin separat in der Sauciere zum selbstportionieren - und in ausreichender Menge!



                      Das Menü schließt ab mit einer Kombination aus Mandel, Grieß, Schokolade und Kirschen. Estragon als Pulver ist zwar erkennbar, bringt aber keinen erkennbaren geschmacklichen Mehrwert. Dafür gibt es hier wieder die auch in vorherigen Gängen bereits bekannten optisch nett anzusehenden Cremetupfen.



                      Aus der regulären Karte ein Tartelette mit Erdbeeren, Hibscus und dazu ein sehr schön cremiges Sauerampfer-Eis, das eine gute Balance zwischen Süße und Kräutrigkeit bietet.



                      Man könnte darüber mäkeln, dass es sich die Küche manchmal etwas leicht zu machen scheint, indem einige Gänge durch modische Tupfen optisch gepimpt werden. Das kann mitunter schon etwas inflationär wirken. Andererseits ist geschmacklich nichts daran auszusetzen und texturell finden sich in der Regel auch immer ausreichend andere Komponenten, die für Abwechslung sorgen.

                      "Stay hungry" heißt eines der Mottos, das sich im Restaurant und auf der Karte wiederfindet. Hungrig muss hier niemand das Restaurant verlassen. Aber Appetit auf den nächsten Besuch darf man schon haben.

                      Bericht auch unter: http://tischnotizen.de/maibeck-koeln/
                      Angehängte Dateien
                      Zuletzt geändert von thomashaj; 02.02.2017, 09:52.

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                      • #12
                        Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
                        Auch für uns ist das maiBeck regelmäßig eine sichere Bank, wenn wir Lust haben auf einen unkomplizierten Abend mit Gerichten, die mehr bieten als Durchschnitt, aber eben auch nicht überkandidelt konstruiert sind.
                        Ich glaube zu verstehen, was Sie meinen, werter thomashaj, aber im Umkehrschluss attestieren Sie der Top-Gastronomie jenseits des legeren "maiBeck", dass sie kompliziert und überkandidelt ist. Das habe ich bisher aus Ihren Berichten nicht herausgelesen und ist sicherlich auch so von Ihnen nicht gemeint. Dennoch ist es erstaunlich, wie leicht auch erfahrenen Essern solch populäre Begrifflichkeiten über die Lippen gehen.

                        Schönen Gruß, Merlan

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                        • #13
                          Lieber Merlan,

                          Sie haben Recht. Vielleicht ist diese Formulierung unglücklich gewählt, denn in der Tat war es ganz und gar nicht meine Absicht, die Top-Gastronomie mit einem Etikett zu versehen, dass suggeriert, es sei dort anstrengend oder überkandidelt.
                          Die Gerichte im "maiBeck" sind nach meinem Eindruck nur in vielen Fällen etwas weniger komplex konstruiert und passen daher besser in die auch selbst angestrebte Bistronomy-Konzeption. Das ist überhaupt nicht verkehrt und auch den Stern will ich für das Gebotene nicht in Abrede stellen. Vielleicht fehlt mir nur einfach das passende Adjektiv in Abgrenzung zu dem, was wir in diesem Forum als Top-Gastronomie definieren würden (wenngleich ich annehme, dass man auch hier geflissentlich über die Begrifflichkeit diskutieren könnte...).

                          Viele Grüße,
                          Thomas

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                          • #14
                            Sehen Sie, lieber Thomas, jetzt bin ich wieder ganz bei Ihnen!

                            Schönen Gruß, Merlan

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                            • #15
                              Eines meiner Lieblingsrestaurants in Köln ist das maiBeck. Ich mag die ausgelassene Stimmung in diesem schlicht, aber urban und geschmackvoll eingerichteten Restaurant, wo man selten ohne Reservierung einen Tisch bekommt. Ich mag es, dass ich auf der Karte immer etwas Neues finde, aber immer auch einiges Vertrautes. Ich mag es, dass die Preise seit Eröffnung und auch seitdem man einen Michelin-Stern hat, nahezu unverändert sind. Noch immer gibt es für höchst erschwingliche 42 Euro ein wohlfeiles 4 Gang-Menü, das in Qualität und Kreativität keine Abstriche gegenüber den à la Carte-Gerichten macht. Und ich finde es bemerkenswert, dass der Service auch nach drei oder vier Monaten noch weiß, wo wir beim letzten Mal gesessen haben und welchen Wein wir getrunken hatten. All das trägt zu meinem Wohlbefinden bei und auf einmal sind auch die viel zu kleinen Tische gar nicht mehr viel zu klein. Denn das spielt keine Rolle mehr.

                              An diesem Sonntagabend gehen wir à la Carte und ich beginne mit einem fein geschnittenen Tatar vom Eifeler Rind, das von einigen Stücken ausgezeichneten Räucheraals, Chinakohl und Mandarinen begleitet ist. Durch die geschichtete Anrichtung im Servierring wird der Gast quasi automatisch gezwungen, sämtliche Komponenten miteinander zu kombinieren. Und das bekommt dem Gericht sehr gut. Das Fleisch ist eher dezent abgeschmeckt, aber je nachdem, wie man die übrigen Zutaten gewichtet, kommt ein herzhafter, fruchtiger oder cremiger Charakter zum Vorschein. Gefällt mir ausgezeichnet.


                              Tatar vom Eifeler Rind / Räucheraal von Inken / Chinakohl / Mandarine / Kapern

                              Mein Mann ist sehr angetan von seinem Forellenfilet, das sich mit Lauch in einem frischen, grünen Sud suhlt. Das Eigelb hätte ich mir etwas wachsweicher gewünscht, aber es hat zumindest noch eine leichte Cremigkeit. Etwas frischer Meerrettich steuert leichte Schärfe bei. Insgesamt ist dieser Gang aber eher zurückhaltend als laut.


                              Forellenfilet aus dem Lambachtal / Lauch / Eigelb / Meerrettich

                              Deutlich mehr Wumms hat mein Zwischengang, der auch gleich neidische Blicke vom Nachbartisch provoziert. Die Flönz, also die Kölsche Variante der Blutwurst ist herzhaft gewürzt und kommt halb-klassisch kombiniert mit Äpfeln und Röstzwiebeln. Aber den gewissen Twist gibt mit Haselnüssen abgeschmeckter Couscous. Darauf muss man auch erst mal kommen. Bei diesem Gericht läutet definitiv eher der Dicke Pitter als ein dezentes Glöckchen.


                              Fred's Flönz / Couscous mit Haselnuss, Apfel und Rapunzel / Röstzwiebeln

                              Nicht minder neidische Blicke erntet der Teller auf der gegenüberliegenden Seite. Ein dampfender Wintergemüseintopf mit relativ knackigem Grünkohl und Mettwürstchen ist das passende Essen zu den kalten Außentemperaturen. Und offensichtlich erfreuen sich noch mehr Gäste am bloßen Anblick eines derart rustikalen Gerichtes. Dabei ist der Eintopf alles andere als plump, sondern verströmt fast eine frühlingshafte Leichtigkeit durch den nur leicht gebundenen Sud und die angenehme Bissfestigkeit der meisten Gemüse. Ich bin wahrlich kein ausgewiesener Eintopf-Fan, aber das hier hat schon Charakter. Welch angenehme Bodenständigkeit, auch mal so etwas in einem Sternerestaurant zu bekommen. Die 7 Euro für den prall gefüllten Teller als Zwischengang-Portion darf man getrost als lachhaft günstig bezeichnen.


                              Wintergemüse-Eintopf / Grünkohl aus dem Vorgebirge / Mettwürstchen

                              Im Hauptgang wähle ich Zander, der auf einem Bett aus Weißkohl kommt. Ich mag es, wenn der Weißkohl seinen Biss noch behält so wie hier. Etwas Dill und Korinthen geben interessante Akzente, aber insgesamt finde ich den Kohl eher schwierig zu essen, ohne in permanente Kleckergefahr zu geraten. Der Fisch hingegen ist makellos. Spannend ist die Beilage, die wie üblich in einem separaten Schälchen gereicht ist. Sehr gutes Kartoffelpüree erhält durch Shiitake und Schalotten Biss und Würzigkeit.


                              Zander aus dem Ijselmeer / Weißkraut mit Dill / Korinthen aus Korinth


                              Kartoffelpüree mit Shiitake und Schalotten

                              Und wieder erntet der Teller auf der anderen Seite des Tisches neugierige Blicke, denn es folgt ein stattliches Stück Sauerbraten (warum der hier als "so 'ne Art Sauerbraten" angekündigt wird, weiß eigentlich niemand so genau) unter einer veritablen Kruste von Pumpernickel-Crumble. Dazu gibt es Wirsing mit Haselnüssen und separat Kartoffelstampf. Das Fleisch ist wunderbar zart und mürbe, die Sauce kräftig, alles insgesamt sehr stimmig und sehr gut.


                              So 'ne Art Rheinischer Sauerbraten / Wirsing mit Haselnüssen / Pumpernickel-Crumble


                              Kartoffelstampf

                              Danach bin ich zwar pappsatt, aber Dessert muss trotzdem sein. Schade, dass es den Nachtisch aus dem Tagesmenü nicht mehr gibt. Die Käsekuchenwürfel mit Sauerrahmeis hätten mir gut gefallen. Nun wähle ich statt dessen die pochierte Birne mit Schokolade und Topinamburchips und gerate doch arg an meine Grenzen. Eine komplette Birne ist eine Sache, aber so gekonnt die diversen Texturen von Schokolade und das köstliche Eis auch sind - es bleibt nur eine weitere Version von "death by chocolate". Und so brauche ich Hilfe von gegenüber, wo man sich klugerweise mit einer Kugel Quittensorbet begnügt hat.


                              Stoofpeer / Schokolade / Topinambur / Sonnenblumenkerne


                              Quittensorbet

                              So geht ein Abend zuende, bei dem die meisten Gerichte voll überzeugten. Sehr gute, oft regionale Zutaten werden gerne in einem traditionellen Kontext präsentiert und bekommen durch einige wenige Kniffe den entscheidenden Twist, um nicht alltäglich zu wirken. Wenn wie dieses Mal das Dessert zu mächtig oder die Beilage zum Fisch etwas zu grob wirkten, ist das zu verschmerzen. Und nach drei opulenten Gängen ist es vielleicht auch unsere eigene Schuld, wenn man sich dann noch ein ebenso üppiges Dessert gönnt.

                              Trotzdem geht das Konzept, das Jan Maier und Tobias Becker für das maiBeck entwickelt haben, auch weiterhin voll auf. Es wird anspruchsvoll, in Maßen kreativ gekocht, aber in jedem Fall in guter Qualität. Wenn das Ganze dann noch zu angemessenem Preis passiert, öffnet man die Tür auch denen, die immer schon mal sehen wollten, wie Sterneküche auf dem Teller aussieht, ohne erheblich mehr ausgeben zu müssen als anderswo. Hält man sich mit Wein zurück, kann man hier ein Viergang-Menü mit Getränken für etwas mehr als 100 Euro bekommen, was der ansonsten gastronomisch ziemlich abgezockten Altstadt gut bekommt. Das bunt gemischte Publikum genießt es. Wir ebenso.

                              Bericht auch unter http://tischnotizen.de/maibeck-koeln-2/
                              Angehängte Dateien
                              Zuletzt geändert von QWERTZ; 18.02.2017, 16:22.

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