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Poisson - Köln - Fisch - Bistro

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  • Poisson - Köln - Fisch - Bistro

    Ohne Stern aber mit 16 GM-Punkten ausgestattet. Der Michelin führt das Lokal aber selbstverständlich und schreibt darüber: „Der Name sagt es bereits, hier stehen Fisch und Meeresfrüchte im Mittelpunkt: Austern, gebratene Calamaretti, bretonischer Seeteufel oder geangelter Wolfsbarsch... Lassen Sie die erstklassigen Produkte vor Ihren Augen in der offenen Küche zubereiten! Tipp für Autofahrer: Parkhaus gleich nebenan.“

    Selbst bei der „Restaurant-Sendung“ Mein Lokal, dein Lokal in Köln bei Kabel1 machte Ralf Marhencke einmal mit. Er gewann auch das Wochenduell locker und wirkte auf mich durchaus sympathisch und umsichtig.

    Seit 2007 ist er Inhaber und Chefkoch in Köln in seinem Lokal. Ralf Marhencke hat vorher lange in den USA gearbeitet. Dann zog es ihn nach Köln. Das „Poisson“, seinerzeit von Gaston Müller geführt, war zu haben. Da hat er zugegriffen. Über die Jahre hat er sich in Köln etabliert. Vor kurzem hat er mit dem „Poisson ImBiss“ noch einen zweiten Laden in der Innenstadt eröffnet.

    Ein Kollege hatte mir erzählt, wenn du Fisch perfekt essen willst, dann musst du zu Ralf Marhencke gehen; schon der Lunch ist Spitze.

    Das habe ich mir zu Herzen genommen und es auch bereits beim ersten Besuch nicht bereut.

    Aber das ist nun schon etwas länger her. Doch Fisch- und Meeresgerichte schätze ich nach wie vor sehr. Daher war eine neue Einkehr mehr als überfällig.

    Hochwertiger Fisch hat seinen Preis und daher muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Aber Qualität schlägt Massenware in meinen Augen.

    Die Lage ist zentral und gleichzeitig etwas versteckt: Nahe Neumarkt in einer Seitenstraße. Zu Fuß kein Problem. Wir kamen mit der KVB.

    Ambiente

    Hier auf dem Portal wurde über „Weg mit der Tischdecke“ diskutiert. Ich bin ein Anhänger davon. Aber heute bei meinem Besuch stellte ich fest, dass die Tischdecke für mich auch fehlen kann. Aber die totale Enge am Tisch und die distanzlose Nähe zum Nachbarn und der hohe Geräuschpegel stören mich noch mehr. Doch der gute Fisch zieht mich trotzdem an. Für ein romantisches Essen zu zweit oder für ein ruhiges Gespräch - denke ich – reicht es trotzdem nicht.

    Die offene Küche steht im Blickfeld des Besuchers. Man kann wie an einer Bar ganz in der Nähe des Geschehens auf Hochstühlen sitzen oder an den schlichten Tischen im Bistrostil auf normalen Stühlen. Vor dem Eingang werden bei entsprechendem Wetter auch einige Plätze angeboten.
    Die Wände sind mit moderner Grafik in Bilderrahmen ausgestattet. Die Plätze der Gäste sind sehr eng gestellt (Zweier-Tische mit kleinem Abstand bzw. zusammengerückte Tische zum Bespiel als Vierergruppe). Man hat stets Kontakt zu Nachbarn. Auch mittags war das Lokal voll belegt (scheinbar viele Stammkunden und Geschäftsleute) und somit entsteht eine hohe Geräuschkulisse.
    Auf dem Tisch liegen zwei Papierunterlagen für die Teller (darauf steht ein schöner Text über kochen und genießen), zwei Brotteller befinden sich daneben. Das Besteck ist handlich und formschön: Messer, Gabel, Gourmetlöffel sind eingedeckt. Die Stoffserviette ist weiß und riesengroß. Wein- und Wasserglas stehen bereit. Neben dem Tisch steht ein Kühler mit Eis für Weine (das Mineralwasser wird nicht dort platziert). Weitere Dekoration gibt es nicht am Platz (dafür wäre auch kaum Raum vorhanden).

    Service und Küche

    Für die Gäste standen drei Kräfte bereit: ein junger Mann und zwei junge Damen. Der freundliche Herr erledigte seine Aufgabe vorbildlich: kompetente Weinberatung, sachliche Hinweise zu den Speisen und jederzeit ein erfreulicher Dialog. Die Kellnerinnen machten einen guten Job – zeigten aber nach meinem Empfinden nicht die Herzlichkeit und Arbeitsfreude des Kellners.

    In der offenen Küche sind ebenfalls drei Personen tätig. Ich kann sie sehen und sie machen ihre Arbeit mit flüssigen Bewegungen ohne Hektik aber mit Plan. Hören kann ich nichts. Der Chef ist heute nicht anwesend; er hatte gestern Geburtstag und etwas gefeiert, höre ich vom Nebentisch (da die Gäste alle sehr diszipliniert in der Lautstärke reden, kann ich etwa drei bis vier Konversationen miterleben: viel über die aktuellen Geschäfte, aktuell über die Flugzeugkatastrophe und das Verhalten der Piloten und eben auch über das Lokal und die Speisen). Mir fiel spontan Bocuse ein: Auf die Frage, wer denn koche, wenn er selbst gerade nicht da sei, sagte er: „Derselbe, der kocht, wenn ich da bin.“ – Das stimmt hier gar nicht, denn der Chef ist hier fast immer präsent; was ich sagen will, die Qualität der Küche war prima.

    Die Karte(n)

    Lunchmenü in zwei bis drei Gängen (32/38 Euro)
    Überraschungsmenü in vier Gängen für 65 Euro (nur tischweise)
    A-la-Carte: kleine überschaubare Auswahl an unterschiedlichen Delikatessen, alleine mehrere unterschiedliche Austernangebote
    Getränkekarte: gut sortiert – zum Beispiel im Bereich Champagner und Sekt große Auswahl; einige Weine sind auch glasweise zu erhalten.

    Die verkosteten Speisen

    Wir waren zu zweit und wählten das Überraschungsmenü. Wir wurden nach Abneigungen oder Unverträglichkeiten im Vorfeld gefragt und erhielten danach unsere Speisen zügig serviert.

    Gruß/Grüße aus der Küche

    Drei verschiedene Brotsorten und ein grüner Aufstrich wurden sofort gebracht. Die Paste hatte feine Aromen von Basilikum und Knoblauch. Das Brot war frisch und schmackhaft.

    Als Gruß erhielten wir in einer kleinen Tasse ein Safran-Süppchen aus Meeresfrüchten zubereitet - ohne Einlage. Die Konsistenz war optimal. Der Geschmack war großartig. Ein herrlicher Start.

    Der erste Gang: Sashimi vom Lachs „Label Rouge“, Apfel-Sellerie-Salat mit einer Honig-Dill-Creme

    Selten habe ich Lachs von so hoher Qualität verspeist. Die Würzung war ausgezeichnet und verstärkte das natürliche Aroma. Der Salat mit seinem Dressing passte genial dazu. Die Kräuter auf dem Fisch und der hauchdünne gebackene Streifen mit Sesam krönten das Tellerbild.

    Das Zwischengericht: Pikates grünes Thai Curry von Seawater Gambas, Basilikum, Grüner Spargel und Chili sowie einer Schale Reis.

    Die Gambas und das Gemüse befanden sich in einer sämigen, cremigen Flüssigkeit. Mir waren die feinen Aromen sehr angenehm; besonders die Noten von Kokos und Zitrone erfüllten meinen Mund. Das Gemüse wie Spargel und Möhre hatte einen tollen Garpunkt mit leichtem Biss. Gambas dieser Qualität habe ich noch selten genießen können. Der Reis war duftig und locker. Lediglich das Verspeisen des Gerichtes mit Messer, Gabel und Gourmetlöffel war unfallfrei nicht so einfach.

    Der Hauptgang: Medaillons von bretonischem Seeteufel, Fenchel-Paprika-Gemüse und Rosmarin-Kartoffeln.

    Die beiden Seeteufel-Scheiben waren köstlich. Auch hier überzeugte die Qualität des Produktes. Das Gemüse war sanft im Geschmack und war fein gegart und angenehm im Mund. Der Fenchel zeigte nicht seine typischen Aromen, war jedoch einfach lecker zusammen mit der roten Paprikaschote. Die Kartoffeln blieben etwas unklar: sollten sie eher gekocht oder gebraten sein? Sie hatten angedeutete Röstaromen und etwas Rosmarin-Geschmack, waren aber eher weich als kross.

    Der Nachtisch: Blutorangen-Espuma und Mango-Chutney an Friseesalat-Blättchen.

    Die Espumacreme war wunderbar leicht und lecker. Die Süße war dezent und angenehm. Die Mango-Würfel passten gut dazu. Der ungewohnte Salat in einer Nachspeise brachte eine leichte feine Säure in das Gericht.

    Getränke

    Benedetto Frizzante (große Flasche 7,90 €)
    Bitterino (kleine Flasche 3,80 €)

    Grauburgunder Villa Wolf (Glas 8,50 €)
    Le Monde Sauvignon (Glas 8,50 €)
    Loosen Riesling trocken Blauschiefer (Glas 8,50 €)
    Pieropan Le Colombare (Glas 12,50 €)

    Die Weine wurden alle vorgestellt, aus der Originalflasche eingeschenkt und es gab jeweils einen Probeschluck vorweg.

    Preis-Leistungs-Verhältnis

    Das Lunch- und das Überraschungsmenü sind unbedingt ihren Preis wert. A-la-Carte gewählt, werden jedoch vier Gänge leicht über 100 Euro kommen können. Allerdings sind die Fische und Meerestiere von sehr hoher Qualität.
    Wasser und Wein sind aber relativ teuer im Verhältnis zu Einkaufspreis. Aber das ist kein Vorwurf – alle Preise stehen in der Karte und ich habe das akzeptiert.

    Fazit

    4 – gerne wieder: Warum nicht (5) unbedingt wieder? – Für uns sind die Enge und der Lärmpegel ein nicht unerhebliches Problem.


    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

    Datum des Besuchs: mittags - 25.03.2015

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    Zuletzt geändert von kgsbus; 26.03.2015, 12:43.
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