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Vendome, Bergisch Gladbach

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  • Vendome, Bergisch Gladbach

    Viel muss man ueber Joachim Wissler wohl nicht schreiben. Viel besser kochen die wenigsten, und viel besseren Service gibt's wohl auch nicht alle Tage. Viel laenger speisst man wohl auch kaum anderswo (und das gefaellt mir, auch wenn andere es nicht so gern haben)...

    Wissler hat mich wieder voll vom Hocker gehauen mit seinem Menu. MItte Dezember habe ich wieder mal die Pilgerfahrt angetreten und mir die guten 6h fahrt angetan, die man von Luxemburg nach Bergisch GLadbach braucht.

    Bereut habe ich es sicher nicht, da ich ein absolut grandioses Essen erlebt habe. Wissler hat sich uebertroffen, und ueber die ganze Laenge des Menus gezeigt was man in Deutschland kochen kann.

    Auch wenn beide sehr verschieden kochen, so muss erst einmal jemand Bau und Wissler das Wasser reichen in Deutschland, denn besser habe ich in diesem Land noch nicht gegessen.

    http://felixhirsch.wordpress.com/201...isch-gladbach/

  • #2
    Danke für den schönen Bericht. Macht mal wieder Lust, einen neuen Versuch zu starten.

    Unsere bisherigen Erfahrungen waren leider nicht auf dem geschilderten Niveau: Wir waren im September 2008 das erste Mal im Vendome. Wir hatten und haben Zweifel, ob das Vendome wirklich eine Reise wert ist. Orginalton unser - zugegeben nicht so sehr gourmetaffinen - Begleitung damals: "da schmeckt ja das Bountyeis aus dem Supermarkt besser". Erstaunlicherweise traf der Kommentar aber wie die Faust aufs Auge - leider. Das Vendome ist sicherlich ein sehr schönes Gourmetrestaurant mit superbequemen Drehsesseln. Blick nach Köln ist wunderschön. Insbesondere der Veranstaltungsraum ist ein optisches Meisterwerk. Service: im Gegensatz zu den allermeisten Gourmetführern und Kommentaren hier im Forum haben wir (2008, 2009 etwas zurückhaltender) den Chef de Service (sehr jung) in seinem Wunsch besonders kommunikativ zu sein, als durchaus "overdone" empfunden. Der sonstige Service war in unseren Augen jung und ambitioniert (aber: bringt neue Wasserflasche ohne zu fragen, am Nachbartisch wird vor dem Hauptgang wegen der vielen Gänge ein Sorbet bestellt und vergessen, ausserdem wurden die abbestellten Venusmuscheln zunächst serviert und dann wieder entfernt). Die Sommeliere allerdings sehr gut, nett und kompetent.

    Im Juni 2009 wollten wir es dann noch einmal wissen und waren zu viert dort. Wir "riskierten" die 24 Gänge. Das war unseres Erachtens schlicht ein Fehler. Die für uns alle vier unglaubliche "Masse an Essen" hat uns nach dem Schneckengang völlig den Genuß verdorben. Insbesondere die ebenfalls sehr zahlreichen Desserts waren für uns nicht mehr ein Genuß, sondern nur noch subjektiv wahrgenommene Völlerei und eine Qual. Alle waren danach sehr unzufrieden.

    KG
    Chess

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    • #3
      Das ist natuerlich nicht so schoen, vor allem bei den Preisen.

      Nur frage ich mich ob es so schlecht gewesen sein kann. Bei Joachim Wissler kann ich es mir schwer vorstellen. Da muss irgendetwas scheif gegangen sein oder so, ich weiss es nicht.

      Die 24 Gaenge sind auf jeden Fall eine ganze Menge. Bei uns am Tisch war auch einer vun uns der am Ende Schwierigkeiten hatte. Mir macht's nichts aus, daher beschwere ich mich auch nicht, aber das kann ich schon verstehen.

      Dem muss man allerdings noch hinzufuegen, das Wissler die Gerichte um einiges "erleichtert" hat seit dem Fruehling.

      Ich kann Ihnen nur noch einen Versuch empfehlen, was dabei raus kommt, duerfte jetzt genial sein.

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      • #4
        Im "Feinschmecker" Dezember:

        Die Enttäuschung des Jahres? Für Wolfram Siebeck ein Essen bei
        Joachim Wissler im "Vendôme", Bergisch Gladbach.

        Für Dollase das Gegenteil. So verschieden sind Geschmäcker .

        Beste Grüße
        Daurade

        P.S. Natürlich will ich mal zu Wissler!

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        • #5
          Vielleicht ist es auch manchmal einfach so, dass der Charakter eines Hauses einfach nicht zu dem eigenen passt.
          Ich danke jedenfalls für Ihren Bericht, Felix, da ich in einigen Wochen eine ebenfalls einigermaßen weite Reise ins Rheinland machen werde und schon sehr gespannt bin, ob es sich "lohnt".

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          • #6
            Jetzt, wo Chess seine Meinung zum Vendôme so offen kundgetan hat, bin ich mutig und traue mich zu sagen, dass auch ich dort gerade beim letzten Mal wahrlich nicht glücklich und zufrieden vom Tisch aufgestanden war. Seither hat es mich nicht mehr dorthin gezogen - aller Lobeshymnen zum Trotz!

            Gruß, Garnelchen

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            • #7
              Was die schiere Anzahl von Gängen angeht, so kann auch ich mich des öfteren des Eindrucks nicht erwehren, dass weniger oft mehr wäre.

              Nicht nur dass es rein von der Essensmenge oft grenzwertig ist, auch der Gaumen fühlt sich irgendwann überfordert. Mir persönlich würde ein nettes Amuse, zwei Vorpeisen, ein Hauptgang, Käse, Dessert und Petit Fours vollkommen ausreichen, so sie alle denn auf hohem Niveau sind.

              Bei diesen vielen Gängen (egal wie klein sie sein mögen) bleibt einem oft nicht anderes übrig, als den Gang nur zu probieren und einen Teil (schweren Herzens) zurück gehen zu lassen.

              Ich glaube, dass gerade unsere absoluten Spitzenköche, den Gästen manchmal zu viel abverlangen, um zu zeigen, was sie alles (zweifelsohne) können. Da fühle auch ich mich manchmal (trotz aller Faszination) an der Grenze zur kulinarischen Überforderung. Das ist ein schmaler Grat.

              Nicht desto trotz steht das Vendome im Frühjahr auch wieder auf meiner ToDo-List.

              Danke lieber Felix für den Bericht !

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              • #8
                Lieber Felix,

                zunächst einen herzlichen Dank für diesen detailierten Bericht und die exzellenten Fotos. Durch das Makro-Format erschließt sich gleichwohl die Größe der einzelnen Gänge nicht recht. Daher meine Frage, ob Sie dazu noch etwas sagen könnten.

                Mir scheint nämlich, dass man es hier de facto mit einer Art Amuse-Bouche-Menu zu tun hat, ein Format, das ich persönlich nicht sonderlich schätze. Sollte dies zutreffen, wäre weniger (bei der Anzahl der Gänge) und zugleich mehr (bei der der Portionierung) in der Tat substantieller, da hat Dr. Kimble ganz recht. Denn der Kritikpunkt an Amuse-Bouche-Menus, nicht zuletzt von Köchen selbst geäußert, war ja stets, dass man den einzelnen Gang auf Grund der minusculen Menge nicht mehr wirklich verkosten kann.

                Mich persönlich erinnert diese Darreichung zudem immer an diese manigfaltigen Häppchen-Paraden, die einem bei vornehmen Empfängen den Magen durcheinander bringen.

                Ich bedauere diesen Richtungswechsel im Vendôme ein wenig, da ich die Dramaturgie der Menus von Herrn Wissler zuvor als nahezu ideal empfand.

                Herzliche Grüße

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                • #9
                  Es handelt sich nicht um ein Amuse Bouche-Menü, die Portionsgrößen sind ganz gut bei Felix oder meinem alten Post vom Mai ersichtlich...

                  Ich bin beim letzten Mal fast kollabiert ob der schieren Menge - über Leichtigkeit hatte man sich wenig Gedanken gemacht (was auch von Onkel D. im Port Culinaire bemerkt wurde;-))...

                  Insgesamt erscheint jetzt etwas leichter, aber Eigelb/Nussbutterschaum/Trüffel hätte mich erschlagen - ich kenne das Gericht aus kleineren Menüfolgen, es ist schon sehr sehr gut, aber auch sehr sehr klassisch. Mit größtem Vergnügen denke ich auch an den genialen Gänseleberschnee mit Mandelbeignets zurück:hungry:

                  Schauen wir mal, ich werde bald wieder vor Ort sein und berichten...

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                  • #10
                    Das Problem für den Koch ist natürlich, es allen recht zu machen. Wer als Höhepunkt des Jahres eine mehrstündige Reise zu einem der Top-Restaurants antritt, erwartet natürlich (zu recht), das Spektrum und den Stil der Küche beim großen Menü auch ausführlich kennen zu lernen. Wer dort zum dritten mal Gast ist, würde vielleicht lieber von dem besonders interessanten Gang etwas mehr nehmen.

                    Früher war das kein Problem, da man ja zwischen a la carte und dem Menü wählen konnte. Mittlerweile gehen leider imme rmehr Köche dazu über, nur noch zwei Menüs anzubieten. Ich persönlich finde das schade, denn von einem tollen Steinbutt hätte ich lieber eine grössere Portion, gerne auch noch mit zwei zusätzlichen Löffeln Sauce :hungry:

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                    • #11
                      Da ich das neueste kulinarische Highlight der Region Köln/Bonn leider bis vor den Ostertagen noch nicht kannte, hatte ich vor einigen Wochen dem Vendôme meinen Besuch abgestattet und die mittlere Entdeckungsreise genossen. Eine richtige Wahl, was die reine Quantität betrifft, meine Grenzen waren nicht überschritten und ich konnte am Ende noch voller Genuss einige Pralinen verputzen.
                      Da es mein erster Besuch in Bensberg war, war ich entsprechend gespannt. Am Ende blieb ich etwas ratlos zurück. Denn zum einen war ich begeistert in vielen Punkten, zum anderen war ich in einem Punkt etwas enttäuscht.
                      Ich will versuchen, das zu verbalisieren, was nicht leicht fällt, ich hoffe meine Worte kann vielleicht der ein oder andere von Ihnen, der das Vendôme kennt nachvollziehen.

                      Alle Gänge waren hochkreativ in ihren Kombinationen, die Teller optisch so attraktiv gestaltet, wie ich es bislang in einem Menü versammelt noch nicht erlebt habe, die Produktqualität kann ich mir besser kaum vorstellen, die Weinbegleitung passte optimal.

                      Jetzt kommt das große ABER: hinter all diesen guten Punkten fiel einer von dem perfekten Bild ab, statt es abzurunden. Die Aromatik nahezu aller Gänge war schwach ausdifferenziert. Die Saucen/Jus, die Dareichung brachten alle Komponenten irgendwie so zusammen, dass schon vom ersten Bissen die aromatische Dimension des Gerichts komplett zu erfassen war. Die Spannung, die die Optik aufbaute, hat sich auf der Zunge nur bedingt fortgesetzt. Nicht das es mir nicht geschmeckt hätte, aber die Augen haben mir irgendwie etwas aufregenderes signalisiert, als dann bei der Zunge angekommen ist. Bei "nur" zwei Gängen passte alles für mich optimal zusammen, bei der Rotbarbe, mit Liebstöckel, Kicherbsen und Leberschmalz sowie bei der Amalfi-Zitrone mit Kefir und Saiblings-Kaviar. Beide Gänge waren von den verschieden - wie es so schön heißt - Texturen spannend und hatten je nach Kombination der Komponenten verschiedene Geschmacksintensitäten.
                      Leider wirkten zudem die einzelnen Zutaten zahlreicher Gänge in ihrer geschmacklichen Feinjustierung (noch ?) nicht optimal aufeinander eingestellt.
                      Alles in Allem war der Besuch ein interessantes kulinarisches Erlebnis, das mir aber mehr im Kopf als auf der Zunge in Erinnerung bleiben wird. So habe ich meinen kulinarischen Erfahrungsschatz zwar erweitert, vor allem diesmal aber intelektuell, wie ich denke.

                      nachdenkliche Grüsse

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                      • #12
                        Vielen Dank, lieber Qwertz, für Ihren Bericht.

                        Darf ich jetzt mal ganz naiv die Gretchenfrage stellen: War das jetzt in Ihren Augen *** oder nicht?

                        Gespannten Gruß von
                        Morchel

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                        • #13
                          Objektiv betrachtet schon, dazu waren die positiven Aspekte einfach zu gut. Subjektiv würde ich sagen, ich probiere ersteinmal die ein oder andere Adresse auf meiner virutellen Liste aus, bevor ich wieder ins Vendôme zurückkehre.

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                          • #14
                            Habe für ende Mai dort einen Tisch reserviert kennt jemand oder weiß jemand gute und nicht zu teure Übernachtungs möglichkeiten vor Ort???

                            Vielen Dank

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                            • #15
                              Gerüchteweise soll es da ein nettes Schlosshotel ganz in der Nähe geben, das auch Sonderpeise für Restaurantkunden macht.

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