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Vendome ***, Bergisch Gladbach

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  • Herzlichen Dank für den schönen Bericht. Das macht extrem Lust auf einen Besuch in Bergisch Gladbach - zum Glück kommt die Zeit der guten Vorsätze.

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    • Mir geht es genau so. Ich muss wieder dorthin. Der Bericht passt genau zu meinen eigenen Erlebnissen. Schade für mich ist nur, dass es schon seit längerer Zeit in der Woche keinen Lunch mehr gibt - aber es waren wohl zu wenig Gäste, die sich mittags noch Zeit nehmen (können).

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      • "Oh, zwei neue Weingläser werden auf den Tisch gestellt! Rotwein? Nein, ein Wildhasenfond ..."

        Hach, wie Sie mich erschreckt haben. Und ich dachte schon, Sie würden ohne Aufforderung, aus freien Stücken, von den begleitenden Getränken erzählen wollen.

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        • NEVER!

          OK, nur für Sie, lieber Schlaraffe: Wir haben auf Empfehlung des sympathischen Sommeliers, Marco Franzelin, einen 2008er Grüner Veltliner vom Loimer (Langenlois Spiegel Reserve) durchgetrunken.

          Schönen Gruß, Merlan

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          • Haben Sie den dann auch wie Lou Reed als Schorle getrunken?

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            • So, so, Herr Schlaraffe ist Effilee-Leser! Hätte ich mir ja denken können!

              Und nur deshalb haben wir den Loimer bestellt und 1 Liter Evian dazu, selbstredend ohne Gas - nur leicht gerührt!

              Im Übrigen warte ich noch auf einen alerten oder gar stupenden Kommentar von Ihnen zum Vendôme!

              Schönen Gruß, Merlan

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              • Ja, die extravaganten Wünsche der Stars, ganz lustig.

                Gruß
                Jürgen

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                • Einige Forumianer waren ja auf einer Jakobsmuschelpilgertour nach Madrid dortselbst in eine trap getrappt © U.a. gab es:
                  "Die Spezialität aus Erdnüssen war letztendlich zu Erdnusscreme dekonstruierte Erdnuss, die wieder die Form einer Nuss angenommen hatte", von Herrn q als "wenig inspirierend" empfunden.

                  Bei Merlans Essen gab es u.a.: "Ungewöhnlich dazu die Erdnussnoten, die am intensivsten in einer knackig ummantelten Crème in Form einer Erdnuss erscheint." Wie war denn da das inspirative Erlebnis?

                  Alerte Grüße aus dem Schlaraffenland

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                  • Sehr aufmerksam, lieber Schlaraffe! Die Erdnuss im Terraza del Casino, Madrid sieht auch schon wenig inspirierend aus und liegt etwas verloren auf dem von QWERTZ fotografierten Tellerchen.

                    Als Zugabe zur Ente im Vedôme war das schon ganz etwas anderes, vor allem im Zusammenspiel mit der Orange und dem Ingwer. Ja, das kann man durchaus als inspirierend bezeichnen.

                    Mangels neuem Adjektiv, wie immer, schöne Grüße von Merlan

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                    • Die Erdnuss habe ich auch schon zwei Mal in Wissler-Menüs gefunden und auch Dirk Luther hat sie schon aufgegriffen. Das hatte geschmacklich nichts mit dem Ergebnis in Madrid zu tun, vor allem weil die Erdnüsse in Bergisch-Gladbach und Glücksburg in Gerichte integriert waren und somit Aroma und Textur nicht für sich stehen musste um interessant und lecker zu sein.

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                      • Um noch einen weiteren Namen ins Spiel zu bringen: Ich aß eine solche "Erdnuss" das erste Mal bei Jean-Georges Klein, kombiniert mit Ente oder Taube. Im Herbst 2010.
                        Zuletzt geändert von brigante; 05.12.2015, 23:07.

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                        • El Bulli
                          Mimetic Peanuts 1572
                          von 2009

                          sind es diese?

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                          • Nein!

                            Bei Wissler sehen sie richtig aus wie Erdnüsse; die Hülle ist nicht frittiert und dennoch knackig; gefüllt sind sie mit einer wohlschmeckenden Erdnusscrème.

                            Wie waren denn die bei Klein, lieber brigante?

                            Schönen Gruß, Merlan

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                            • Vendome Januar 2016

                              Im Jahre 2009 waren wir zum ersten Mal im „Vendome“ zu Gast.
                              Der Besuch hat gewaltige Spuren bei uns hinterlassen: Wir waren überwältigt.
                              Es war das komplette „Paket“, das für uns neue Leitbilder setzte.

                              Schon der erste Gruß (damals) mit dem Namen „Steingarten“ war der Hammer.
                              („Der Steingarten“, so Wissler in einem Interview, „erinnert mich an den Garten meiner Mutter. Zwischen den Findlingen, auf den kleinen Terrassen, wuchsen Wildkräuter. Die bringen faszinierenden neuen Geschmack hervor: würzig-pfeffrig, blumig-scharf, erdig-bitter oder prickelnd wie Brause.“)

                              Aber auch jeder weiterer Gang war ein Erlebnis.
                              Dazu der großartige Service, das ungewohnte Ambiente und die köstliche Weinbegleitung.

                              Das schlägt sich bei mir in vielen erfreulichen Erinnerungen nieder. Neben der Küche haben eben auch mehrere Kräfte des Hauses (über die Jahre gesehen) für mich Maßstäbe gesetzt (aber auch jede andere Mitarbeiter*in war in sich perfekt in der jeweiligen „Rolle“ des Hauses):

                              - Maitre: Miguel Calero (nicht mehr dort tätig, aber in bester Erinnerung)

                              - Sommelière/Sommelier: Romana Echensperger; Markus Berlinghof; Marco Franzelin (aktuell tätig)

                              Fast „natürlich“ habe ich mir auch das Kochbuch (2010 herausgebracht) von Joachim Wissler angeschafft. Dabei ging es mir vor allem auch um die wunderschönen Bilder der Gerichte. Mit dem Kauf hat man allerdings auch Zugriff auf die Rezepte (die überhaupt nicht im Buch abgedruckt sind) im Internet.
                              Ich koche sehr gerne selber, aber hier werden mir meine Grenzen aufgezeigt: Mir fehlen die Geräte, die Zutaten – und auch das Talent. Das ist schmerzlich – aber es erdet mich auch: Neidlos erkenne ich die Meisterschaft an.

                              Restaurants teilt der Journalist Philipp Mausshardt in drei Kategorien ein: „1 (kann ich besser), 2 (kann ich auch), 3 (kann ich nicht).“
                              Kategorie 1 ist zu oft anzutreffen und ärgert mich. Stufe 2 ist für mich ein Anreiz ein Gericht nachzukochen.
                              Im Vendome gehören für mich aber alle Speisen in den Rang 3. - Oder: eine vierte Stufe (will ich gar nicht erst versuchen) trifft es vielleicht noch besser.

                              Wenigstens bei den Getränken kann ich die vorzüglichen Angebote nicht nur genießen, sondern sie im Handel selber nachkaufen. Ich danke daher den oben genannten „Suffmeister*innen“ für ihre Leistungen und Anregungen.

                              Das alles hat aber auch seinen Preis und wir können uns das daher (leider) nicht oft leisten.

                              Aber John Ruskin (1819-1900) hat schon geschrieben: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. - Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

                              Darf ich überhaupt in der heutigen Zeit mit all der Not und Problemen mich dem Genießen hingeben, weil es mich glücklich macht?

                              Wissenschaftler der Victoria University of Wellington in Neuseeland schreiben unter anderem in der Zeitschrift Journal of Happiness Studies dazu: „Manche Menschen glaubten, dass sie das Glücklichsein zu einem schlechteren Menschen macht und andere nehmen an, dass sie von ihren Mitmenschen als selbstsüchtig, langweilig oder oberflächlich wahrgenommen werden, wenn sie glücklich sind.“

                              „Hätte ich mich doch gefreut, als ich es noch konnte! Vorbei! vorbei!“ (aus „Der Tannenbaum“ von Hans Christian Andersen)

                              Mein Zwischenfazit lautet daraus abgeleitet:

                              Ich werde ohne schlechtes Gewissen mein eigenes Leben weiterhin genießen - so lange ich kann; aber ich werde auch alle meine Mitmenschen (im Sinne des Art. 1 GG) stets ernst nehmen (so gut ich eben kann).
                              Ich weiß schon, dass es ein unverdientes Privileg ist, so leben zu können – aber jetzt genug dazu gesagt (denn: Sei nicht zu fromm, und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! Prediger 7,16).

                              Ambiente

                              Es gibt Kritiker, die die Einrichtung für nüchtern oder kalt halten. Mir gefällt es so wie es ist: genug Platz für jeden, Abstand zu anderen Gästen, bequeme Drehsessel, riesige Stoffservietten u.s.w.

                              Service

                              Jede Kraft erfüllt gekonnt die zugewiesenen Aufgaben. Für uns war eine junge Kellnerin hauptsächlich zuständig. Der Restaurantleiter und der Sommelier waren bei Bedarf ebenfalls zur Stelle. Die Souveränität der ganzen Brigade überzeugt uns immer wieder (egal in welcher Zusammensetzung).

                              Die verkosteten Speisen

                              GOURMETLUNCH VON JOACHIM WISSLER IM RESTAURANT VENDÔME

                              B E N S B E R G 2 0 1 6 - M E N Ü 1 3 5 € - I N K L U S I V E G L A S C H A M P A G N E R Z U M A P E R I T I F - W A S S E R U N D K A F F E E

                              AUFTAKT

                              T O F F E E
                              [Gänseleberkaramell : Piemonteser Haselnuss]

                              Dieser Gruß ist typisches Beispiel für die Handschrift von Joachim Wissler. Er übernimmt das Aussehen von bekannten Lebensmitteln und wandelt sie in Überraschungen. Die kleine Köstlichkeit besteht überwiegend aus Gänseleber.
                              Wegen einer Unverträglichkeit (Haselnuss) wurde ebenfalls eine Alternative gereicht. Ein „Schinkenbrot“ in der Art einer Bruschetta; dabei war der Schinken von bester Qualität, die Tomatenstückchen sehr würzig und das Brot gleichzeitig kross und von Fett (Butter oder Öl) durchtränkt und dadurch ein Aromaerlebnis.

                              L I A I S O N I N W E I ß
                              [erdig & frisch]

                              Dieser Teller ergibt ein wunderschönes Bild. Auf der Platte befinden sich unendlich viele Komponenten, die alle prächtig munden: Kleine Pilze, Alba-Trüffel, Wachtelei, Vogelbeeren, diverse Cremes aus Gemüse der Saison, grüne Jus.

                              Verschiedene kleine Brötchen und schmale Fladen bilden ein breites Spektrum an Backwaren zum Naschen zwischen den Gängen. Die köstliche leicht gesalzene Butter auf dem Brotteller steigert noch die Aromen. Aber auch zum Aufnehmen von Saucen und Jus sind einige Brotteile sehr geeignet.

                              Dieser Anblick erinnerte mich sofort in seiner pittoresken Art an den oben erwähnten „Kräutergarten“ – und ich liebe solche Bilder, die auch noch schmecken.

                              MENU

                              T H U N F I S C H B A U C H Z I T R O N E N G R A S – M I N Z V I N A I G R E T T E
                              [gebeizter Rettich : Avocadocrème]

                              Die Avocadocreme und die verarbeiteten Rettichstückchen sind keine Nebensächlichkeiten, sondern sehr aromatische Komponenten zur Abrundung des Thunfischs. Mir kamen beim Verspeisen auch Räucheraromen in den Sinn.

                              F R E I L A N D S C H W E I N & B E T E
                              [Rosenkohlcrème : glasierter Räucheraal]

                              Das Schweinefleisch war saftig und mit einem herrlichen Gelee überzogen. Das krosse Blatt mit eingearbeiteten Gewürzen, das auf dem Braten lag, rundete den Geschmack ab. Der Rosenkohl war perfekt verarbeitet und ergab verschiedene Geschmacksvariationen.

                              H A S E N R Ü C K E N
                              [Schwarzwurzel : Fichtensprossengelee]

                              Der Hauptgang war ein Wildgericht. Die Fleischstücke waren sanft gegart und die Sauce eine passende Begleitung. Die Schwarzwurzelstückchen waren noch gut im Biss und dadurch noch knackig im Mund. Dazu gesellten sich kleine Zwiebelchen und das Nadelbaummarmelade.

                              K A R A M E L L I S I E R T E R A R M E R R I T T E R
                              [Whiskyeis & Apfel]

                              Die Nachspeise kann ebenfalls überzeugen. Im Mittelpunkt steht der süße Biskuit. Aber auch das Eis und das Kompott daneben angeordnet, erfreuen die Geschmacksnerven im Mund. Die Ausgewogenheit der dezenten lieblichen Noten machte diese Komposition aus.

                              SÜSSER ABSCHLUSS

                              L I T S C H I
                              [Popcorn]

                              M A C A R O N
                              [Erdbeere : Lakritz]

                              M A G N U M R O Y A L
                              [Marc de Champagne]

                              Z U C K E R S C H N Ä U Z C H E N
                              [“Schnauze voll”]

                              Die letzten vier Einzelgerichte nehmen wieder Ideen von bekannten Naschereien auf wie die Magnumform oder das Popcorn oder Marshmallow und Macaron.

                              Der eigentliche Abschluss ist dann der Kaffee zu dem noch einmal meisterliche Pralinen angeboten werden. Man kann aus einem großen Angebot wählen.

                              Getränke

                              - Gerolsteiner medium
                              - Ruinart Rosé
                              - Kaffee

                              Weinbegleitung (60,00 €)

                              - 2006 Trittenheimer Altärchen Riesling Kabinett trocken - Franz-Josef Eifel - Mosel
                              - 2014 Fleurie - Julien Sunier – Beaujolais
                              - 2013 Willamette Valley Pinot Noir - J.Christopher by Ernie Loosen – Oregon
                              - 2010 Cuvée Hügelland Beerenauslese - Weingut Seehof – Rheinhessen

                              Digestif

                              - Plantation Rum Barbados XO 20th Anniversary Rum (18,00 €)

                              Herr Franzelin hat mir mit seinen Empfehlungen wieder viel Freude gemacht.

                              In meiner Studienzeit habe ich relativ viele Beaujolais-Weine verkostet. Der Chef von Hoss an der Oper hat mir die Feinheiten dieses Gebietes bei Besuchen in den Feinkostgeschäft nahe gebracht. Er nahm sich viel Zeit – auch für einen armen Studenten.
                              Aber dann kam eine Zeit, in der ich von Gamay-Produkten genug hatte.
                              Dieser Fleurie aber hat mir so gut zugesagt, dass ich die Werke von Herrn Sunier im Auge behalten werde.

                              Ebenso hat mich der Spätburgunder aus Origon erfreut. Trotz seiner noch relativen Jugend war der Wein schon sehr ausgewogen und hatte einen köstlichen Duft. Dabei kann die Flasche wohl noch bis 2025 gelagert werden.

                              Das ist schon das Schöne, dass ich bei einem Besuch im Vendome stets für mich neue Weine kennen lernen kann. Und beim Einschenken der „offenen“ Weine wird keineswegs geknausert und auch einmal nachgeschenkt. Das Personal möchte seine Gäste glücklich machen – und bei mir erreichen sie das auch.

                              Fazit

                              5 – unbedingt wieder. Nach jedem Besuch, weiß ich mehr, was mir in der Zwischenzeit seit dem letzten Aufenthalt dort an Perfektion gefehlt hat.

                              (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                              Datum des Besuchs: 24.01.2016 – 3 Personen - mittags

                              Bilder: http://www.beepworld.de
                              Zuletzt geändert von kgsbus; 27.01.2016, 22:51.

                              Kommentar


                              • Vendome Januar 2016

                                Im Jahre 2009 waren wir zum ersten Mal im „Vendome“ zu Gast.
                                Der Besuch hat gewaltige Spuren bei uns hinterlassen: Wir waren überwältigt.
                                Es war das komplette „Paket“, das für uns neue Leitbilder setzte.

                                Schon der erste Gruß (damals) mit dem Namen „Steingarten“ war der Hammer.
                                („Der Steingarten“, so Wissler in einem Interview, „erinnert mich an den Garten meiner Mutter. Zwischen den Findlingen, auf den kleinen Terrassen, wuchsen Wildkräuter. Die bringen faszinierenden neuen Geschmack hervor: würzig-pfeffrig, blumig-scharf, erdig-bitter oder prickelnd wie Brause.“)

                                Aber auch jeder weiterer Gang war ein Erlebnis.
                                Dazu der großartige Service, das ungewohnte Ambiente und die köstliche Weinbegleitung.

                                Das schlägt sich bei mir in vielen erfreulichen Erinnerungen nieder. Neben der Küche haben eben auch mehrere Kräfte des Hauses (über die Jahre gesehen) für mich Maßstäbe gesetzt (aber auch jede andere Mitarbeiter*in war in sich perfekt in der jeweiligen „Rolle“ des Hauses):

                                - Maitre: Miguel Calero (nicht mehr dort tätig, aber in bester Erinnerung)

                                - Sommelière/Sommelier: Romana Echensperger; Markus Berlinghof; Marco Franzelin (aktuell tätig)

                                Fast „natürlich“ habe ich mir auch das Kochbuch (2010 herausgebracht) von Joachim Wissler angeschafft. Dabei ging es mir vor allem auch um die wunderschönen Bilder der Gerichte. Mit dem Kauf hat man allerdings auch Zugriff auf die Rezepte (die überhaupt nicht im Buch abgedruckt sind) im Internet.
                                Ich koche sehr gerne selber, aber hier werden mir meine Grenzen aufgezeigt: Mir fehlen die Geräte, die Zutaten – und auch das Talent. Das ist schmerzlich – aber es erdet mich auch: Neidlos erkenne ich die Meisterschaft an.

                                Restaurants teilt der Journalist Philipp Mausshardt in drei Kategorien ein: „1 (kann ich besser), 2 (kann ich auch), 3 (kann ich nicht).“
                                Kategorie 1 ist zu oft anzutreffen und ärgert mich. Stufe 2 ist für mich ein Anreiz ein Gericht nachzukochen.
                                Im Vendome gehören für mich aber alle Speisen in den Rang 3. - Oder: eine vierte Stufe (will ich gar nicht erst versuchen) trifft es vielleicht noch besser.

                                Wenigstens bei den Getränken kann ich die vorzüglichen Angebote nicht nur genießen, sondern sie im Handel selber nachkaufen. Ich danke daher den oben genannten „Weinkellner*innen“ für ihre Leistungen und Anregungen.

                                Das alles hat aber auch seinen Preis und wir können uns das daher (leider) nicht oft leisten.

                                Aber John Ruskin (1819-1900) hat schon geschrieben: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. - Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

                                Darf ich überhaupt in der heutigen Zeit mit all der Not und Problemen mich dem Genießen hingeben, weil es mich glücklich macht?

                                Wissenschaftler der Victoria University of Wellington in Neuseeland schreiben unter anderem in der Zeitschrift Journal of Happiness Studies dazu: „Manche Menschen glaubten, dass sie das Glücklichsein zu einem schlechteren Menschen macht und andere nehmen an, dass sie von ihren Mitmenschen als selbstsüchtig, langweilig oder oberflächlich wahrgenommen werden, wenn sie glücklich sind.“

                                „Hätte ich mich doch gefreut, als ich es noch konnte! Vorbei! vorbei!“ (aus „Der Tannenbaum“ von Hans Christian Andersen)

                                Mein Zwischenfazit lautet daraus abgeleitet:

                                Ich werde ohne schlechtes Gewissen mein eigenes Leben weiterhin genießen - so lange ich kann; aber ich werde auch alle meine Mitmenschen (im Sinne des Art. 1 GG) stets ernst nehmen (so gut ich eben kann).
                                Ich weiß schon, dass es ein unverdientes Privileg ist, so leben zu können – aber jetzt genug dazu gesagt (denn: Sei nicht zu fromm, und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! Prediger 7,16).

                                Ambiente

                                Es gibt Kritiker, die die Einrichtung für nüchtern oder kalt halten. Mir gefällt es so wie es ist: genug Platz für jeden, Abstand zu anderen Gästen, bequeme Drehsessel, riesige Stoffservietten u.s.w.

                                Service

                                Jede Kraft erfüllt gekonnt die zugewiesenen Aufgaben. Für uns war eine junge Kellnerin hauptsächlich zuständig. Der Restaurantleiter und der Sommelier waren bei Bedarf ebenfalls zur Stelle. Die Souveränität der ganzen Brigade überzeugt uns immer wieder (egal in welcher Zusammensetzung).

                                Die verkosteten Speisen

                                GOURMETLUNCH VON JOACHIM WISSLER IM RESTAURANT VENDÔME

                                B E N S B E R G 2 0 1 6 - M E N Ü 1 3 5 € - I N K L U S I V E G L A S C H A M P A G N E R Z U M A P E R I T I F - W A S S E R U N D K A F F E E

                                AUFTAKT

                                T O F F E E
                                [Gänseleberkaramell : Piemonteser Haselnuss]

                                Dieser Gruß ist typisches Beispiel für die Handschrift von Joachim Wissler. Er übernimmt das Aussehen von bekannten Lebensmitteln und wandelt sie in Überraschungen. Die kleine Köstlichkeit besteht überwiegend aus Gänseleber.
                                Wegen einer Unverträglichkeit (Haselnuss) wurde ebenfalls eine Alternative gereicht. Ein „Schinkenbrot“ in der Art einer Bruschetta; dabei war der Schinken von bester Qualität, die Tomatenstückchen sehr würzig und das Brot gleichzeitig kross und von Fett (Butter oder Öl) durchtränkt und dadurch ein Aromaerlebnis.

                                L I A I S O N I N W E I ß
                                [erdig & frisch]

                                Dieser Teller ergibt ein wunderschönes Bild. Auf der Platte befinden sich unendlich viele Komponenten, die alle prächtig munden: Kleine Pilze, Alba-Trüffel, Wachtelei, Vogelbeeren, diverse Cremes aus Gemüse der Saison, grüne Jus.

                                Verschiedene kleine Brötchen und schmale Fladen bilden ein breites Spektrum an Backwaren zum Naschen zwischen den Gängen. Die köstliche leicht gesalzene Butter auf dem Brotteller steigert noch die Aromen. Aber auch zum Aufnehmen von Saucen und Jus sind einige Brotteile sehr geeignet.

                                Dieser Anblick erinnerte mich sofort in seiner pittoresken Art an den oben erwähnten „Kräutergarten“ – und ich liebe solche Bilder, die auch noch schmecken.

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                                [gebeizter Rettich : Avocadocrème]

                                Die Avocadocreme und die verarbeiteten Rettichstückchen sind keine Nebensächlichkeiten, sondern sehr aromatische Komponenten zur Abrundung des Thunfischs. Mir kamen beim Verspeisen auch Räucheraromen in den Sinn.

                                F R E I L A N D S C H W E I N & B E T E
                                [Rosenkohlcrème : glasierter Räucheraal]

                                Das Schweinefleisch war saftig und mit einem herrlichen Gelee überzogen. Das krosse Blatt mit eingearbeiteten Gewürzen, das auf dem Braten lag, rundete den Geschmack ab. Der Rosenkohl war perfekt verarbeitet und ergab verschiedene Geschmacksvariationen.

                                H A S E N R Ü C K E N
                                [Schwarzwurzel : Fichtensprossengelee]

                                Der Hauptgang war ein Wildgericht. Die Fleischstücke waren sanft gegart und die Sauce eine passende Begleitung. Die Schwarzwurzelstückchen waren noch gut im Biss und dadurch noch knackig im Mund. Dazu gesellten sich kleine Zwiebelchen und das Nadelbaummarmelade.

                                K A R A M E L L I S I E R T E R A R M E R R I T T E R
                                [Whiskyeis & Apfel]

                                Die Nachspeise kann ebenfalls überzeugen. Im Mittelpunkt steht der süße Biskuit. Aber auch das Eis und das Kompott daneben angeordnet, erfreuen die Geschmacksnerven im Mund. Die Ausgewogenheit der dezenten lieblichen Noten machte diese Komposition aus.

                                SÜSSER ABSCHLUSS

                                L I T S C H I
                                [Popcorn]

                                M A C A R O N
                                [Erdbeere : Lakritz]

                                M A G N U M R O Y A L
                                [Marc de Champagne]

                                Z U C K E R S C H N Ä U Z C H E N
                                [“Schnauze voll”]

                                Die letzten vier Einzelgerichte nehmen wieder Ideen von bekannten Naschereien auf wie die Magnumform oder das Popcorn oder Marshmallow und Macaron.

                                Der eigentliche Abschluss ist dann der Kaffee zu dem noch einmal meisterliche Pralinen angeboten werden. Man kann aus einem großen Angebot wählen.

                                Getränke

                                - Gerolsteiner medium
                                - Ruinart Rosé
                                - Kaffee

                                Weinbegleitung (60,00 €)

                                - 2006 Trittenheimer Altärchen Riesling Kabinett trocken - Franz-Josef Eifel - Mosel
                                - 2014 Fleurie - Julien Sunier – Beaujolais
                                - 2013 Willamette Valley Pinot Noir - J.Christopher by Ernie Loosen – Oregon
                                - 2010 Cuvée Hügelland Beerenauslese - Weingut Seehof – Rheinhessen

                                Digestif

                                - Plantation Rum Barbados XO 20th Anniversary Rum (18,00 €)

                                Herr Franzelin hat mir mit seinen Empfehlungen wieder viel Freude gemacht.

                                In meiner Studienzeit habe ich relativ viele Beaujolais-Weine verkostet. Der Chef von Hoss an der Oper hat mir die Feinheiten dieses Gebietes bei Besuchen in den Feinkostgeschäft nahe gebracht. Er nahm sich viel Zeit – auch für einen armen Studenten.
                                Aber dann kam eine Zeit, in der ich von Gamay-Produkten genug hatte.
                                Dieser Fleurie aber hat mir so gut zugesagt, dass ich die Werke von Herrn Sunier im Auge behalten werde.

                                Ebenso hat mich der Spätburgunder aus Origon erfreut. Trotz seiner noch relativen Jugend war der Wein schon sehr ausgewogen und hatte einen köstlichen Duft. Dabei kann die Flasche wohl noch bis 2025 gelagert werden.

                                Das ist schon das Schöne, dass ich bei einem Besuch im Vendome stets für mich neue Weine kennen lernen kann. Und beim Einschenken der „offenen“ Weine wird keineswegs geknausert und auch einmal nachgeschenkt. Das Personal möchte seine Gäste glücklich machen – und bei mir erreichen sie das auch.

                                Fazit

                                5 – unbedingt wieder. Nach jedem Besuch, weiß ich mehr, was mir in der Zwischenzeit seit dem letzten Aufenthalt dort an Perfektion gefehlt hat.

                                (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                                Datum des Besuchs: 24.01.2016 – 3 Personen - mittags
                                Zuletzt geändert von kgsbus; 27.01.2016, 20:49.

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