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Vendome ***, Bergisch Gladbach

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  • Ich schätze den Blog von Herrn Walther eigentlich aufgrund seiner oftmals pointierten und sachlichen Berichte, die für mich meistens gut nachvollziehbar sind. In diesem Fall hat er nun ein wenig anders geurteilt als wir drei (er hatte natürlich größtenteils auch andere Gerichte auf dem Teller) und viele andere (vor allem die Guides, welche ja alle die Höchstnote vergeben), was wieder sehr deutlich macht, dass auch spitzengastronomische Leistungen durchaus aus einer subjektiven Sicht beurteilt werden und halt jeder seine eigenen Vorlieben und Vorstellungen davon hat, wie in Punkto Stil und Konsistenz ein "perfektes" Menü auszusehen hat. So weit, so gut.

    Dass aber von "Trois Etoiles" der Küche vielfach kochtechnische Fehler unterstellt werden, finde ich schon erstaunlich, bedenkt man, dass gerade ein Herr Wissler für sein Perfektionsstreben berühmt (und berüchtigt...) ist!

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    • Zitat von merlan Beitrag anzeigen
      ".... Ein Rotkohl mit Rotkohlschaum schmeckt nach roten Gummibärchen, ein separat servierter „Blini“ ist massig und säuerlich..."
      "Ich finde dieses Gericht nicht besonders ansprechend angerichtet."
      "…zusammen mit einer viel zu extremen Erdnusscreme, einem wässrigen Jus und merkwürdigen grünen Schwämmen…"
      "...dass das ganze Dessert ungenießbar nach Knoblauch schmeckt, obwohl vermutlich nicht einmal Knoblauch dabei ist. "
      "Ich habe, vor allem auf Drei-Sterne-Niveau in Deutschland, noch nie so inkonsistent gespeist."
      Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
      Dass aber von "Trois Etoiles" der Küche vielfach kochtechnische Fehler unterstellt werden, finde ich schon erstaunlich, bedenkt man...
      Es ist mit troisetoiles.de doch so wie hier im Forum auch: wenn man seine Pappenheimer und ihre Marotten kennt, kann man fast alle Berichte mit Gewinn lesen.

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      • Wäre diese zweifellos interessante Diskussion so etwa ab #228 nicht einen eigenen Thread wert?

        Ich meine, man sollte den Vendôme-Thread mit dieser Blogger-Diskussion nicht unnötig belasten.

        Schönen Gruß, Merlan

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        • Ich schlage die Rubrik "Restaurantkritik" vor, da sind wir aucherst bei #128 angelangt.

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          • Ist geschehen, die Diskussion über die Entwicklung des Blogs Trois Etoiles findet sich ab jetzt hier: http://www.forum.restaurant-ranglist...staurantkritik

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            • Das war Verwöhn-Programm auf der ganzen Linie, angefangen bei dem tollen Service, der überaus passenden Weinbegleitung und dem genialen Menü, bei dem ich endlich mal in den Genuß des Toffee gekommen bin, allein deswegen ist das Vendome einen Besuch wert. Aber auch das Menü stand dem in keinster Weise nach:
              1. Thunfischbauch, Zitronengras-Minz Vinaigrette: hier stand die Produktqualität des Thunfischs im Vordergrund, Hammer
              2. Lechtalsaibling: sehr zart, dazu kräftige Aromen durch die Meerrettichsahne, abgerundet durch die leicht erdigen Noten des Kohls
              3. Jakobsmuschel und Blumenkohl: angegossen mit einer aromatischen Kartoffel-Zimt-Bouillon, mit etwas Kaviar und fruchtigen Noten durch die Birne
              4. Langoustine und Seeigel: dazu gab es einen sensationellen Maronen Couscous
              5. Challans Ente und Chinakohl à l`Orange: die Ente sowie die Erdnusscreme überragend
              6. Wagyu-Ochsenrippe rosa gegrillt: mit Beef Tea und Polenta, nochmals ein Highlight
              7. Winter Apple: für erfrischende Noten sorgte das Zitronen-Thymian-Eis
              8. Rhabarber und Cheescake Eis: nach dem winterlichen Dessert ging es mit dem Rhabarber Richtung Frühling, und das gekonnt
              Das Menü unterstreicht die einschlägigen Bewertungen ... schlichtweg eine Reise wert

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              • Liebe Schink ,

                lieben Dank für den wunderbaren Bericht. Auch ich habe das Vendome auf diesem absolut einzigartigem Niveau empfunden.
                Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 22.03.2016, 09:55.

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                • Trübe Aussichten an diesem Sonntag. Feucht und schwer liegen die Wolken am Himmel. Die Sonne kämpft und noch ehe wir die unwirtliche Fußgängerzonenbausünde durchquert und den Hügel erklommen haben, machen sich erste Schweißtropfen breit. Oben angekommen verhüllt sich der Kölner Dom im Nebel, aber das prächtige Schloss liegt hinter uns. Wir lassen es links liegen, betreten das Kavaliershaus und werden gleich aufs herzlichste begrüßt. Linkerhand ein Blick in die Küche und wie schon so oft, nickt Joachim Wissler uns freundlich zu.
                  Schnell ist der Champagner im Glas, die Menükarte mit dem Lunchangebot liegt bereits auf dem Tisch, Entspannung setzt ein. Ab jetzt wissen wir, dass die nächsten Stunden nur schön werden können. Draußen hat die Sonne den Kampf kurzzeitig gewonnen.

                  Das Vergnügen beginnt mit dem vermutlich berühmtesten Snack der Republik, dem nachgemachten ToffiFee. Über diesen kühl, zartschmelzenden Gänseleberkaramell mit Piemonteser Haselnuss ist schon so viel gesagt worden. Wir freuen uns, ihn nach längerer Zeit mal wieder genießen zu dürfen und reihen uns gerne in die lange Schlange derer ein, die sofort eine Familienpackung für zuhause erwerben würden.



                  Die folgende auf einer Glasplatte kreierte Landschaft hat so gar nichts mit dem Wetter draußen zu tun. Es sieht herbstlich aus und schmeckt auch so. Petersilienwurzel, Moos, Pilze, Trüffel vermitteln eine sehr erdige Grundstimmung. Wachtelei und Petersiliensauce unterstützen mit ihrer Cremigkeit diesen Eindruck. Die vielen Komponenten erlauben unterschiedlichste Kombinationen und jede ist in sich stimmig. Es schmeckt - da spielt die Jahreszeit weder drinnen noch draußen eine Rolle.



                  Mit der eigentlichen Vorspeise sind wir dann wieder im Frühsommer angekommen. Eine roh marinierte, aufgeschnittene Jakosmuschel prächtigen Ausmaßes wird begleitet von gepickelter Gurke, frischem Aloe Vera-Gel, würziger Wasabicreme, Sojakaviar und einem umamisatten Shiso Dashi. Das ist abwechlungsreich, leicht und kräftig zugleich. Ich lehne mich zufrieden zurück und genieße die feinherbe 2004 Riesling Spätlese von Eifel, die all diese Eigenschaften auch in sich vereint.



                  Auf dem nächsten Teller zähle ich 13 Zutaten und Zubereitungen. Keine einzige davon ist zuviel. Das Gericht besteht eigentlich aus zweien: dem Glattbutt mit Bohnenkernen, grünem Spargel und einer großartigen Rauchlachsbrandade und einer Auster mit kleinen Streifen von Schweineohr und gebundenem Schinkensaft. Beide Teile funktionieren eigenständig in ihrer eleganten Rustikalität, aber auch miteinander. Im Glas dazu ein 2011 Bourgogne Aligoté von Ponsot, dessen feine Holzwürze bei moderatem Alkohol perfekt zum relativ kräftigen Fischgang passt, ohne ihn zu dominieren. Draußen hat es wieder begonnen, zu regnen. Wie egal mir das gerade ist.



                  Das Limousin Lamm im Hauptgang ist von bestechender Qualität. Neben dem Rücken mit schönem Fettanteil findet sich ein geschmortes Stück von der Schulter, etwas Filet und ein kleiner Streifen vom gegrillten Herzen. Wunderbar dazu die cremigen Ricottagnocci. Der Rosmarin-Senfkornjus ist von klassischer Art und unterstreicht, dass es keiner übermäßigen Verfremdung braucht, um ein tolles Produkt ebenso in Szene zu setzen. Der 2004 Rioja von Viña Tondonia hat eine kühle Aromatik, aber eine ausgeprägte Nase voll Kräutern und Leder, genau so, wie ich es mag. Draußen lässt der Regen nach.



                  Der 2014 Pacherenc du Vic-Bilh von Clos Basté aus dem Madiran ist mir persönlich für das Dessert einen Tick zu süß. Aber Marco Franzelin ist flexibel genug, zu jedem Gang ohnehin eine Zweitwahl parat zu haben. So komme ich in den Genuss einer 2014 Riesling Auslese Hofpäsch vom Weingut Bender aus der Magnum und bin rundum zufrieden, während der Gemahl mit dem Südfranzosen glücklich ist. Aber das wäre ja alles nichts, wenn das Dessert dazu nichts wäre. Ist es aber.
                  Das vereint ein klassisches und perfektes Topfensoufflé à part mit einer schönen Kombination aus erfrischendem Limonensorbet, fruchtigen Elementen und cremiger Pekannussfüllung, als Kieselstein getarnt. Dazu ein Birkenwasseraufguss, der eine ganz leicht herbe Note gibt, aber trotzdem süß und frisch gleichzeitig wirkt. Erneut eine große Spielwiese, auf der man querbeet löffeln kann.



                  Bevor der überaus gut gelaunte und freundliche Service die üppige Trüffelauswahl präsentiert, dürfen natürlich die Hausklassiker als Petits Fours nicht fehlen, die jedes Mal neu variiert werden: Schaumkuss (diesmal Earl Grey & Grapefruit), Macaron (Schokolade & Passionsfrucht), Magnum (Haselnuss & Banane) und Schweineschnäuzchen (Himbeer-Bubblegum). Alle köstlich, alle perfekt.



                  Draußen kämpft die Sonne erneut. Wir haben sie längst gesehen. Auf dem Teller, im Glas, im Service. Nichts neues also - eine schönere Art, den Mittag zu verbringen, gibt es kaum. Auf dem Weg zurück zur S-Bahn ist sogar die Fußgängerzone von Bergisch-Gladbach nicht mehr ganz so hässlich.

                  Bericht auch unter: http://tischnotizen.de/vendome-bergisch-gladbach/
                  Angehängte Dateien
                  Zuletzt geändert von thomashaj; 02.02.2017, 09:56. Grund: Optimierung der Bilder

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                  • Vielen lieben Dank für die aktuellen Eindrücke. Ja, so kann es sein... kaum jemals anderswo erreicht, und bringt uns schwärmende Rück- und Aussichten.

                    Herzlichen Dank dafür ...
                    Zuletzt geändert von HeikeMünchen; 09.06.2016, 01:16. Grund: s bei anderswo vergessen ...

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                    • Vielen Dank für den Bericht. Irgendwie fühlt man sich immer geneigt, bei einem Restaurant wie dem Vendôme immer das Wenn-schon-denn-schon-Programm wählen zu wollen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Mittagslunch auch seinen Reiz hat, da vielleicht manches Detail nicht in der Fülle der Eindrücke untergeht.

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                      • Das Wenn-schon-denn-schon-Programm gönnen wir uns natürlich in solchen Restaurants auch und bevorzugt, aber dann lieber am Abend. Aufgrund der Nähe und weil man dort mitunter auch kurzfristig einen Tisch zum Lunch bekommen kann (an diesem Sonntag waren auch noch einige Tische frei), ist das Vendôme für uns aber eine gute Möglichkeit für einen genussvollen Kurzbesuch. Auch quasi als Appetitanreger für das große Programm - wobei drei Stunden ein durchaus ausgiebiger und sättigender Appetitanreger sind...
                        Darüber dass bei einem kleineren Menü möglicherweise mehr Details in Erinnerung bleiben, habe ich nie wirklich nachgedacht, aber da ist sicher auch etwas dran.

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                        • Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                          Vielen Dank für den Bericht. Irgendwie fühlt man sich immer geneigt, bei einem Restaurant wie dem Vendôme immer das Wenn-schon-denn-schon-Programm wählen zu wollen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Mittagslunch auch seinen Reiz hat, da vielleicht manches Detail nicht in der Fülle der Eindrücke untergeht.
                          Lieber quertz,
                          ich hatte im Vendome letzte Woche abends das Vergnügen mit 5 Gängen inkl. Weinbegleitung.
                          Mein ganz persönliches Fazit:
                          1. Meine finanziellen Resourcen sind begrenzt, somit würde ich zukünftig eigentlich "nur" das 4-Gang-Lunch-Menue wählen, da das PLV ungleich viel besser resp. großartig ist.
                          2. Die Weinbegleitung war bis auf einen gereiften Mosel-Riesling zum Start für mich entbehrlich. Ein burgenländischer Orange-Wein konnte mich wie zuvor in Paris nicht für diesen Stil gewinnen, im Gegenteil. Der rote Madrilene hatte ebenfalls eine ordentliche Nase, war am Gaumen aber dünn und konnte mit dem Hauptgang einfach bei Weitem nicht mithalten. Ebenso fand ich ganz persönlich einen trockenen Oloroso-Sherry nicht den perfekten Begleiter zu meinem eingeschobenen Kalbsbries, eher habe ich mir den o.g. Moselaner zurückgewünscht.
                          Ich werde wohl zukünftig wie vorher bei einem Glas zu Vorspeisen und einem zum Hauptgang bleiben.

                          MkG, S.
                          Zuletzt geändert von Sphérico; 13.06.2016, 14:13.

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                          • Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
                            Darüber dass bei einem kleineren Menü möglicherweise mehr Details in Erinnerung bleiben, habe ich nie wirklich nachgedacht, aber da ist sicher auch etwas dran.
                            Werter thomashaj,

                            Danke für den schönen und gut bebilderten Bericht. Mein letztwöchiges Menue ("Status quo-Menue", 5 Gänge, im Angebot mit Weinreise 215€, Wasser 10 € [Wasser dann wieder extra zu berechnen finde ich, pardon, albern und kleinkariert] war etwas variiert, jedoch hatten wir einige gleiche Gänge.

                            Neben dem beliebten Dauerbrenner Toffiffee freue ich mich immer besonders auf die tollen Olivenschnecken im Brotkorb.
                            Ich persönlich habe das Amuse Petersilie/Sommertrüffel (wobei letzterer entbehrlich war) sehr genossen, wunderbare Aromatik und der erdige rote Faden. Unglaublich intensiv war die gepickelte Gartengurke (vermutlich sous vide im eigenen konzentrierten Saft, mit Aloe Vera ? gegart).
                            Die Jakobsmuschel fand ich in Ordnung, aber etwas eindimensional, mir fehlte hier etwas Frische. Leider war der Dashi-Sud bei mir zu sehr gebunden, so daß dieser im Mund sehr klebrig wirkte, schade.
                            Sensationell war mein zweiter Gang, Bachkrebse/Tandoori Masala mit jungem Kohlrabi, Currynage und Pimentparfum...nebst einem Schälchen fantastischer pimentverschärfter Bisque. Sehr intensiver Gang, mit Abfederung durch den Kohlrabi sowie den Pimentodeur, sehr fein. Wie gesagt habe ich den Orange-Gewürztraminer dazu nach einem Schluck weggestellt.
                            Danach tauschte ich Zander/Schnecke gegen Kalbsbries/Pfifferlinge/weißer Spargel/Erbsen-Minzcreme/Pistazien-Couscous. Hier baut sich eine Idee von zart-schlotzig mit orientalischen Anklängen auf, jedoch fand für mich der sauer marinierte Spargel seinen Platz nicht recht. Alle Zutaten aber geschmacklich top zubereitet. Und im übrigen das Bries kleiner (und dennoch reichlich) portioniert als bei Piège, aber damit in einer hier vernünftigen Balance mit den anderen Zutaten, alles sehr lecker.
                            Der Lamm-Hauptgang etwas weniger verspielt, exzellente Produkte. Leider war dieser Teller bei mir untertemperiert, das Filet fast kalt.
                            Den Abschluß machte ein Roter Beerensalat mit (à part gereichtem) Topfensoufflée. Nicht spektakulär, aber sehr lecker und stimmig.

                            Zusammenfassend kann ich den Stil nicht so recht benennen, hier und da stolperte es etwas. In jedem Falle werde ich gerne mal wieder das Mittagsangebot wahrnehmen. Mir liegt insgesamt aber die Geradlinigkeit und Pureness von Erfort einerseits als auch die hoch komplexe teils mineralische Klarheit und Leichtigkeit von Bau mehr.

                            MkG, S.
                            Zuletzt geändert von Sphérico; 13.06.2016, 14:12.

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                            • Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
                              ich hatte im Vendome letzte Woche abends das Vergnügen mit 5 Gängen inkl. Weinbegleitung.
                              Tja, ich habe im Vendome letzte Woche alle zehn Gänge gegessen... und kann Ihnen bedauernd versichern, dass Sie den aus meiner Sicht erstaunlichst=großartigsten Gang des aktuellen Menüs, nämlich Landei mit Schweineöhrchen, leider verpasst haben. Allein für den hat sich das volle Menü gelohnt!

                              Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
                              Zusammenfassend kann ich den Stil nicht so recht benennen, hier und da stolperte es etwas. In jedem Falle werde ich gerne mal wieder das Mittagsangebot wahrnehmen. Mir liegt insgesamt aber die Geradlinigkeit und Pureness von Erfort einerseits als auch die hoch komplexe teils mineralische Klarheit und Leichtigkeit von Bau mehr.
                              Immer wieder lese ich von Wisslers angeblich unklarer/inkonsistenten Küchenlinie. Das ist m.E. ein ziemlich konstruierter Einwand von Leuten, denen der Stil einfach nicht gefällt. Wisslers Handschrift war bei jedem Teller unverkennbar und es gab sehr schöne Spannungsbögen und Abwechselung im Menü. Bei Erfort habe ich letzte Woche übrigens auch das große Menü gegessen: das ist - trotz einiger wunderbarer Momente - vom Anspruch her sicherlich eine ganze Liga tiefer anzusiedeln als das Wisslersche.

                              Grüße, mk

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                              • Ich war im Mai samt Begleitung Sonntags beim Lunch im Vendome zu den sehr fairen €130 für 4 Gänge zzgl. Amuses und Petit Fours und Pralinen zum Abschluss (und das beinhaltet Wasser sowie ein Glas guten Champagners als Aperitif!). Mein Menü war fast komplett deckungsgleich zu thomashaj mit Ausnahme des Limousin-Lamm für welchen uns stattdessen ein deutsches Hähnchen mit Brust und Keule serviert wurde, da "Herr Wissler dieses gestern reinbekommen hatte und als so gut befunden hatte, dass es serviert werden muss". Zu Anfang werden Unverträglichkeiten (meine Begleitung mag keinen grünen Spargel) geprüft - der Empfang des Services ist sehr herzlich. Wo ich hier parken kann, kann mir niemand sagen. Ich stelle meinen Wagen einfach direkt vor dem Restauranteingang ab.

                                Kulinarisch erwarte ich nach den Vorschusslorbeeren ein ähnliches Niveau wie im Epicure in Paris, meine Referenz im ***-Bereich. Der Service lässt sehr positiv hoffen, vor allem Marco Franzelin ist ein wahnsinnig sympathischer Sommelier, der sofort volle Flexibilität zeigt. Generell zeigt der gesamte Service eine Empathie, wie ich sie selten erlebe und die ich unwahrscheinlich genieße. Wenn man nur einen Mundwinkel verzieht, steht sofort jemand am Tisch (obwohl im Hauptraum eigentlich nur 3-4 Leute umherwuseln). Bei der Wahl des Champagners für das gesamte Menü, der meiner Begleitung sehr gut gefällt, für mich allerdings nur "ok" ist (ich zögere minimal) flüstert mir Franzelin zu "sie müssen sich nicht mit weniger zufrieden geben, wir finden eine Lösung" - als könnte er Gedanken lesen. Zudem merkt er sofort, dass ich eher für die lockeren Sprüche zu haben bin: "Sie können ja erstmal einen Wein probieren, und wenn ihn der nicht schmeckt trinke ich die Flasche halt alleine." Angesichts der meist gültigen Totengräberstimmung in deutschen Ein- oder Zweisternerrestaurants gefällt mir das auf Anhieb.

                                Kommen wir zur Sache:
                                - Das erste Amuse (bevor wir das Menü erhalten): ToffiVee - genial. Macht Lust auf mehr. Ein traumhafter, kühler, zartschmelzender Snack und interessanterweise sehr nah dran am, von mir geliebtem, Original.
                                - Das zweite Amuse (nach der Getränkewahl) ist bei uns ebenfalls diese Waldlandschaft auf der Glasplatte. Im Gegensatz zu thomashaj bin ich weniger begeistert. Kaum ein Produkt schafft hier einen wirklich bleibenden Eindruck. Wie soll man das zudem auf der Glasplatte essen? Egal wie ich die Zutaten zusammenschiebe, kaum eine Gabel begeistert mich wirklich. Generell bin ich kein Fan von Landschaften und Straßen und Kleksern, und Farbtupfern. Im Vergleich zu dem heißen Petersiliensüppchen auf Pilzen im Epicure ist das hier einfach ein wild zusammengewürfeltes Kunstbild, bei dem der Wohlgeschmack vergessen wurde. Weniger ist für mich diesbezüglich mehr. Ich gehe auf die Toilette - auf dem Weg gibt es ein Fenster, wo man Wissler & Team beobachten kann, wie er die Platten zusammenstellt. Sehr interessant. Leider beobachte ich wohl zu lange, da mich nach 30 Sekunden so langsam die bösen Blicke des Souschefs treffen. Egal, war trotzdem interessant. Aufgrund meiner französischen Erziehung esse ich den Teller auf, ein Genuss höchsten Weihen war es allerdings nicht. Retrospektiv finde ich die Bewertung und Kommentar von Troisetoiles mit einem Stern-Niveau richtig getroffen.
                                - Der nächste Teller, die roh marinierte Jakobsmuschel ist dann der Tiefpunkt. Während ich im Epicure mit einer heißen Jakobsmuschel großen Ausmaßes in einer sagenhaften Sauce mit Schwertmuscheln verwöhnt wurde, wird man hier mit Muschel mit Gurke, Aloe Vera und salziger Sojasauce (mit Verlaub, aber nicht viel anders schmeckt das hier), abermals in so einer Straße konfrontiert. Zu meinem Missmut stelle ich fest, dass die Jakobsmuschel übersalzen ist (es hatte mich allerdings ein paar Minuten gebraucht, um die Ursache zu identifizieren) - das Salz ist auf jeder Scheibe oben deutlich sichtbar. Der Sojageschmack verbunden mit Gurke tut sein Übriges. Alles schmeckt nach Kaumaterial (Muschel) mit salziger, neutraler Gurke. Ich lasse den Teller zur Hälfte stehen, es ist einfach überhaupt nicht meins. Der sichtlich bestürzte Service ist nach 5 Sekunden bei mir und erkundigt sich nach dem Problem. Sofort bietet mir der Service an den Teller neu zu machen und penibel auf das Salz zu achten - schnell merkt der Service allerdings, dass der Teller generell nicht mein Fall ist, es ist mir auch etwas unangenehm das so zu sagen, und räumt ihn dann ab. Meine Begleitung hatte solche Probleme nicht, findet den Gang dann aber ebenfalls nicht sonderlich beeindruckend.
                                - Im nächsten Gang kommt dann der Glattbutt. Meine Begleitung erhält ihn mit grünem Spargel (da war doch etwas am Anfang?) - nach dem Servieren ist innerhalb von 10 Sekunden Marco Franzelin da und sagt es hat ein Missverständnis gegeben, es kommt eine neue Beilage. Innerhalb von wenigen Sekunden kommt dann in der Tat, von meiner Begleitung geliebter, gedämpfter Wasserspinat. Gut gerettet! Der Glattbutt ist gut aber nicht umwerfend, besonders gut gefällt mir die Auster mit Schweineohr und Schinkensaft. Für mich in Summe ein solider Zweisterne-Gang.
                                - Als nächstes überrascht uns plötzlich der Maitre mit einem "Ersatz-Gericht" für die Jakobsmuschel von eben - eine Art "falscher Raviolo" mit ein paar Tropfen tollen Balsamicos und darüber mehrere Streifen Trüffel. Im falschen Raviolo bewegen sich soweit ich das ausmachen kann geschmolzener Käse und das Fruchtfleisch einer Tomate. So herrlich süffig, für mich der erste klare 3-Sterne-Kandidat. Und nebenbei habe ich hier das Gefühl, als wollte Wissler damit sagen, dass er auch einmal klassische französisch kochen kann, wenn es denn unbedingt sein muss. Mit dem Maitre kommen wir daraufhin ebenfalls ins Gespräch, der natürlich ein bisschen abklopfen will mit wem er es zu tun hat, um die Angst eines etwaigen Essenstesters vom roten Guide ausschließen zu können.
                                - Der nächste Gang mit Hähnchenbrust und -Keule und weißen Spargel ist gut. Die Sauce hierzu mit Safran und Trüffel ist ein klassischer "Grower", im ersten Löffel erst eher bieder löffel ich zum Schluss nahezu rauschartig die Sauce weg. Bewegt sich für mich zwischen 2 und 3 Sterne.
                                - Das Dessert ist dann wieder wie oben beschrieben, das Topfensoufflé. Ohne Zweifel ist es gut gemacht - ich bin allerdings eher Fan von den klassichen, schwer französischen Schokoladendesserts als von den deutschen Birken und Holunderwässern. Sei's drum, das Dessert haut mich nicht um, aber ist trotzdem sehr gut. Bei meiner Frage nach einem Dessertwein wird Marco Franzelin, der gerade sichtlich abgelenkt woanders steht überrascht, hat aber bereits den passenden Wein offen in der Hand. Und was für einer. Einen besseren Dessertwein hatte ich noch nie. Überraschenderweise taucht er später auch nicht auf der Rechnung auf - ob es mit der Jakobsmuschel weiter vorne zu tun hatte?
                                - Die Petit Fours sind bei uns wie oben beschrieben, sehr gut. Besonders gefällt uns das (Vorsicht!) überraschend klebrige Schweineschnäuzchen.

                                Was bleibt unter dem Strich:
                                Während das Drumherum für mich Spitzenniveau aufgewiesen hat, insbesondere der hervorragende Service, bleibt die Küche heute leider etwas zurück. Versalzenes Essen kann ich verschmerzen, aber gerade zu Beginn hatte mich die "Glasplatte" sowie die Jakobsmuschel fast schon aus der Bahn geworfen. Nach hinten raus zeigt Wissler, dass er es besser kann. Ein Mittagessen auf höchstem Niveau ist es leider trotzdem nicht ganz geworden - dafür waren die anderen Gänge aus meiner Sicht nur gut bis sehr gut, bisweilen oft etwas verspielt und verkopft, und nicht überragend. Positiv möchte ich auch noch einmal das Preis-Leistungs-Verhältnis hervorheben. Insgesamt war es trotzdem ein schöner Mittag, der uns noch einmal motiviert zu gegebener Zeit abends zu einem großen Menü vorbeizuschauen und dem Restaurant eine zweite Chance zu geben. Das Team hat es sich verdient.

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