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Zur Tant */16GM - Köln

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  • Zur Tant */16GM - Köln

    Hallo liebe Forumsteilnehmer.

    Gut erholt und wohlbehalten aus dem Urlaub möchte ich endlich damit anfangen, meine letzten kulinarischen Erlebnisse mit Ihnen zu teilen.
    Noch im alten Jahr besuchten wir das Restaurant „Zur Tant“ im Kölner Stadtteil Porz
    Das schön restaurierte Fachwerkhaus ist seit langer Zeit in Hand von Familie Hütter und befindet sich in exponierter Lage direkt am Rhein. Das Ambiente kann als eleganter Landhausstil beschrieben werden.
    Um die 16 Tische kümmern sich ein herzlich aufgeschlossener Maitre, sowie Gattin Sommeliére
    An jenem Abend waren nur 3 Tische besetzt, wir wurden demnach mit grosser Aufmerksamkeit bewirtet.
    Wir entschieden uns für alá Carte
    Amuse:
    Suppe von roter Beete mit Milchschaum
    Kürbisparfait mit geräucherter Entenbrust


    Vorspeise
    Sie: Marinierter Hummer auf geräuchertem Tintenfisch mit Kaiserschoten
    Ich :Gänselebertorte mit Balsamgelee und zweierlei Apfelkonsistenzen
    Zwischengang
    Beide: Linsenschaumsuppe mit gebratenen Garnelen
    Hauptgang
    Sie: Lammkarree mit Aromaten gebraten, Bohnen, Topinambour-Mousseline
    Ich: Hasenrücken in Holundersauce mit Spitzkohl, Ahornapfel und Selleriepüree
    Desert
    Beide: Gefüllter Topfenknödel mit Vanillesauce und Mohneis

    Als Aperitiv wurde ein Veltliner mit Holundersirup angeboten
    Zum Menü entschlossen wir uns für einen grünen Veltliner Schlossberg von 2005
    Zur Gänseleber gönnte ich mir noch ein Glas Riesling Cuvee Beerenauslese
    Es wurden 6 verschiedene Petit Fours zum Kaffee geboten

    Eindeutiges Highlight an diesem Abend, wenn auch zunächst unscheinbar daherkommend: Die Linsenschaumsuppe.
    Diese war, trotz erhabener Leichtigkeit, derart reich an Aromen und dennoch so klar definierbar, dass ich gerne noch einen zweiten Teller geordert hätte
    Kurz vor dem Servieren, erhielt die Suppe (ungefragt) noch einen Spritzer Essig vom Veltliner, welcher ,typisch für eine Linsensuppe diese nochmals aufwertete
    Zum Amuse ist zu sagen, dass wir die Suppe von roter Beete bereits einige Wochen zuvor in der „Post“ kosten durften. Jene Variation mit Maronenschaum hatte uns besser gefallen.
    Die beiden Hauptgänge handwerklich tadellos, geschmacklich sehr gut. Präsentation ebenfalls ansprechend
    Beim Dessert erhielten wir schon einen authentischen Vorausblick auf das, was uns im Urlaub in Österreich, bzw. der Schweiz erwarten solle
    Sehr gut, auch die Weinauswahl, welche sich zwar überwiegend auf Österreich, Deutschland und die Standartfranzosen beschränkt, jedoch durch gute Angebote im Mittelpreissegment zum Konsum einläd.
    Alles in Allem ein gelungener Abend auf solidem * Niveau, demnach zu empfehlen. Auch den Preis von 223,-€ für 2 Pers. halten wir für angemessen.

    MkG
    T.

  • #2
    P.s. Der Stern existiert gem. Michelin 2010 nicht mehr.

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    • #3
      Vielen Dank für die Informationen...

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      • #4
        1976 übernahm Familie Hütter das Haus und machte es zu einem Treffpunkt für Feinschmecker.

        Es folgten viele Ehrungen mit Stern und GM-Punkten.

        Der Stern wurde wieder verloren - aber GM blieb bei 16 Punkten

        Nun hat aber Frank Hütter aufgehört.

        Seit dem 1. Mai 2014 ist das Restaurant nun, mit der selben Stammbesetzung, in den Händen von Küchenchef und Geschäftsführer Thomas Lösche. Der den Stil weiterführen möchte.

        War jemand seither dort essen? - Einige Kritiken im Internet haben zuletzt die Speisen stark getadelt.

        Ich überlege mir gerade, welche Lokale in Köln zu einem Besuch geeignet sind, die ich lange nicht mehr oder noch gar nicht besucht habe.
        Und die Einschätzungen bei RR sind für mich stets "schwergewichtig" (auch wenn ich nachher einen anderen Eindruck habe).
        Zuletzt geändert von kgsbus; 06.08.2014, 08:59.

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        • #5
          "Einige Kritiken im Internet haben zuletzt die Speisen stark getadelt."

          Aber da wir doch alle wissen, daß sich in diesen "Kritik"-Foren so ziemlich alles tummelt, vom knitzigen Kleingeist bis zum ausgemachten Arschloch, hat dieser Satz - übrigens im Gegensatz zu Ihren kulinarischen Berichten, werter kgsbus - keine Aussagekraft.
          Vielleicht könnten Sie ihn ja streichen und einer der Mods verfährt mit meinen Zeilen ebenso?
          MkG
          s.

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          • #6
            Nur wenn kgsbus das wünscht.
            Klar wissen wir alle, dass auf Bewertungsportalen viel Humbug steht. Aber wenn nach einem personellen Wechel z.B. der Tenor der dortigen Meinungen sich ändert, ist doch die Nachfrage, ob dies ein vertrauenswürdiger Forumianer bestätigen kann, nicht unberechtigt.

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            • #7
              "Nur wenn kgsbus das wünscht"

              Ja, lieber qwertz, so hab' ich's doch auch geschrieben.
              Aber gerne bemühe will ich mich bemühgen, eindeutiger zu formulieren. Also: Sätze wie: über den und den soll man zur Zeit ja auch nichts gutes hören, die sind so schnell gesagt, und der nächste sagt's dann weiter, und dann wieder der nächste. Gegen solche Argumente kann man sich als Wirt auch nicht wehren. Stimmungsmachende Gerüchte via Hörensagen sind unseriös und zeugen nicht von respektvollem Umgang.

              Kommentar


              • #8
                Ich möchte auf gar keinen Fall "Gerüchte" entstehen lassen und habe den Text geändert.

                Nun hoffe, dass meine Absicht, von Forumsmitgliedern Informationen und Einschätzungen aus persönlichen Erfahrungen zuerhalten, klar wird.

                Selber habe ich keine Eindrücke.

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                • #9
                  @schlaraffe, jetzt ist es mir Ihr Ansinnen klarer und ich stimme voll zu

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                  • #10
                    Der Stern ist zurecht zurück

                    Wir waren in Köln noch nicht in „Zur Tant“ gewesen. Da bot sich ein Besuch geradezu an; denn es öffnet auch mittags und Ruhetage sind Mittwoch und Donnerstag.

                    In Porz-Langel, einem idyllischen früher selbständigen Rheinort mit über 1000 Jahren Geschichte, liegt das Restaurant – sehr weit ab von der Innenstadt Kölns und auch noch auf der Schäl Sick gelegen, aber ganz nah am Rheinufer.

                    Zu seinem Namen kam das schon 1849 urkundlich erwähnte Gasthaus, weil es von einer alleinstehenden Dame geführt wurde und im Dorfe hieß es deshalb: „Wir gehen zur Tant".

                    Die Bezeichnung blieb auch erhalten als 1976 Familie Hütter das Haus übernahm und Zug um Zug zu einem Treffpunkt für Feinschmecker machte. Es handelte sich um eine eher klassische französische Küche mit merklichem österreichischem Einschlag.

                    Das Lokal holte unter Franz Hütter (* 1955 in Feldbach in der Steiermark) über lange Jahre die Michelin-Auszeichnung. Der Stern ging aber 2010 verloren (doch von 2011 bis 2013 kam der BIP ins Haus).
                    Kritiker warfen der Küche damals oftmals vor, dass es keine Weiterentwicklung gegeben hätte und die Karte über Jahre gleich geblieben sei. Die Stammgäste störte das aber nicht.

                    2014 übergab der alte Betreiber das Unternehmen in die Hände des langjährigen Mitarbeiters Thomas Lösche.
                    Unter der neuen Führung sollte unbedingt an alte Erfolge angeknüpft werden.
                    Im Herbst 2016 konnte Thomas Lösche tatsächlich die Rückkehr feiern und den Stern auch für 2018 halten.

                    Ambiente

                    Am Mittag wird im kleineren Raum serviert – also dem Piccolo (Bistro). Dieser Bereich ist relativ einfach eingerichtet. Die Abstände zu anderen Tischen waren aber großzügig bemessen.
                    Das Besteck war ein schnörkelloses Edelstahl-Produkt von WMF. Das Wasserglas war ebenfalls recht einfach. Für den Wein wurde jeweils das Gabriel-Glas verwendet. Ich mag dieses Glas recht gerne, weil fast alle Weine darin gut zur Geltung kommen und es gut in der Hand liegt.

                    Service

                    Zwei Männer und eine Frau waren für die Gäste tätig. Die beiden Kellner (einer davon der Restaurantleiter und Sommelier Mario Fitz) waren recht locker drauf bzw. gesprächig und zu Auskünften jederzeit bereit. Die junge Frau war fachlich auch voll auf der Höhe – aber etwas sachlicher bzw. ruhiger im Auftreten doch ebenfalls freundlich.

                    Über die Vor- und Nachteile von Riedel-Gläsern und dem Einsatz des Gabriel Glases haben wir uns zwischendurch kurz mit Mario Fitz unterhalten.

                    Am Ende des Menüs kam auch Thomas Lösche (Chefkoch und Geschäftsführer) zu uns an den Tisch und wir hatten ein erfreuliches und ausführliches Gespräch. Selten hat ein Chefkoch so offen und interessiert mit uns gesprochen und unsere Meinung erfragt.

                    Wir merkten dabei, dass er seine Arbeit liebt und seine Augen glänzten, wenn er darüber sprach.
                    Hochwertige Zutaten mit Herz zubereitet und mit Freude serviert, war sein Credo.
                    Die Speisen orientieren sich an der jungen, frischen, kreativen, deutschen Küche. Die Weine haben weiterhin eine österreichische Ausrichtung.

                    Die Karte(n)

                    Man kann A la carte wählen oder das Menü von vier bis sechs Gängen bestellen.

                    Wir entschieden uns für das 6–Gang Menü € 95,00 pro Person - 20 % = € 76,00 (Das Angebot für einen Preisnachlass gilt für das Menü exklusive Getränke am Montag & Dienstag.)

                    Brot und zwei Aufstriche wurden gleich gereicht.

                    Dann kam ein Gruß aus der Küche. Den Namen habe ich vergessen, aber ich habe noch im Ohr, dass der Keller erkläre, dass es eine Art „Obazda“ ohne Camembert auf Apfelbasis sei.
                    Das Gericht war erfrischend und hatte ansprechende süße und säuerliche Noten in den Apfelscheiben und eine Cremigkeit in der hellen Paste darunter.

                    Menü

                    Kalbszunge I Kalbsbries I Wurzelgemüse I Kürbiskernöl I Croutons
                    * Neumeister / Steiermark / Österreich Gemischter Satz / 2015 / QbA / trocken / Glas 0,125 € 7,00 €

                    Die Kalbszunge war in dünne runde Scheiben geschnitten und wie ein Carpaccio großzügig auf dem ganzen Teller verteilt. In der Mitte war wie ein Ring das Gemüse aufgeschichtet und darauf thronte das Briesstück. Öl und Croutons waren reichlich auf dem Teller vorhanden.
                    Meinem Kollegen sagte der eigenwillige Geschmack der Zunge nicht zu. Auch ich habe noch nicht oft dieses Grundaroma verkostet; es war leicht fremdlich für meine Zunge. Es wird wohl nicht zu meinen „Lieblingsfleisch“ werden. Aber Inneren sind eben so eine Sache. Das Bries zum Beispiel gehört nämlich zu meinen Top-Produkten. Und diese Innerei hatte die Küche auch tatsächlich etwas anders zubereitet als für mich üblich: sie wirkte etwas „roher“ als sonst, was wohl den Eigengeschmack noch stärker zum Ausdruck bringt.

                    Der frische fruchtige Wein passte gut dazu, durch seine Zusammensetzung inklusive Traminer kommt leichte Kraft und sanfte Reife dazu.

                    ○●○

                    Steinbutt I Meeräsche-Rogen I Meerrettichsauce I Rote Bete
                    * Georg Seiler / Burgenland / Österreich Riegelband / Chardonnay / 2015 / QbA / trocken / Glas 0,125 l € 7,60 €

                    Auf dem Teller war zuunterst eine Schicht Rote-Bete-Creme. Darauf war die Rogenmasse aufgetragen und zuoberst war das Steinbuttfilet. Ein Stück Rote Bete lag ebenfalls auf dem Teller. Kräuterblättchen und kleine Körner befanden sich um dieses Zentrum herum verteilt. Dann wurde vorsichtig die Meerrettichsauce vom Service in drehenden Bewegungen aufgetragen. Das machte der Keller perfekt, aber niemand konnte es so locker wie Miguel Calero im Vendome (manche sagen, dass er diese Tätigkeit beim Gast in deutschland zumindest eingeführt hat).
                    Gebratener Steinbutt gehört für mich zu den Top-Produkten. Das Fleisch ist relativ fest und herrlich nussig. Er war perfekt zubereitet. Den Rogen habe ich überwiegend mit den anderen Komponenten zusammen verkostet; also mit Bete oder Meerrettich. Das passte gut.

                    Der im großen Fass gereifte Chardonnay war ein guter Begleiter zu allen Zutaten.

                    ○●○

                    Kürbissuppe I Steirisches Kürbiskern-Öl I Kürbiskerne I Speck
                    * Weingut Kolkmann / Wagram / Niederösterreich / 2014 / Roter Veltliner Scheiben Reserve / Glas 0,125 l € 10,80 €

                    Auch hier wurde der Teller angegossen. Hier „fehlte“ also die Suppe. Der feine krosse Speck lag auf dem Boden. Die gerösteten Kerne und das grün-dunkle Öl dazwischen. Das sah schon lecker aus und hätte auch pur sicher geschmeckt. Aber erst mit der Kürbissuppe war der Teller komplett. Sie war vorher stark aufgeschäumt worden und die Luftbläschen machen den Anblick recht appetitlich.

                    Eigentlich braucht eine Suppe keinen Wein. Aber der Sommelier meinte, er hätte schon einen schönen Tropfen dazu. – Was soll der Geiz! Ich habe ein Glas genommen – und es auch nicht bereut. Der Rote Veltliner ist trotz des Namens ein Weißwein. Mir gefielen besonders die Noten von Feuerstein im Geschmack, den ich auch zum Beispiel bei Chablis, Pouilly-Fumé oder Sancerre schätze.

                    ○●○

                    Oldenburger Ente I Portweinsauce I Maronen I Schwarzwurzel I Birne I Grammel-Knödel
                    * Georg Seiler / Burgenland / Österreich Cabernet / 2011 / Cabernet –Franc & Cabernet Sauvignon / QbA / trocken Glas 0,125 l € 10,80 €

                    Der Hauptgang war also Ente. Da ich Entenbrust auch selber koche, habe ich mir die Haut genau angesehen. Sie war gut gebraten, aber nicht besonders kross. Das tat dem Geschmack aber keinen Abbruch.
                    Das Fleisch war von erlesener Qualität (auf dem Markt bei meinem Händler bin ich gute Ware gewöhnt, diese war aber deutlich besser). Das Fleisch war zart und hatte eine großartige Aromatik.
                    Das Maronenpüree war in einer Pastete untergebracht. Die Schwarzwurzelstücke (der Winter-Spargel) waren noch knackig im Biss.
                    Die Birne war in der Küche leicht angeräuchert worden und gab dadurch diese Noten auch leicht an die Ente ab.
                    Zusammen schmeckte mir das sehr gut.

                    Aber der Knödel war für mich die Überraschung: Dieser Speckknödel war sicher der beste Knödel, den ich bisher verkosten konnte. Auch hier kommt der Geschmack durch die Zutaten. Beim Gespräch mit dem Koch verwies er darauf, dass seine Schweine-Fleisch-Produkte von Hofgut Silva kommen. Die Besitzer setzen auf extreme Freilandhaltung ( http://www.hofgut-silva.de ).

                    Die Portweinsauce wurde natürlich auch am Tisch zugefügt. Sie verlieh dem Entenfleisch eine angenehme Süße.

                    Der Rotwein – wieder aus Österreich – schmeckte mir pur und zusammen mit den Gerichten ausgezeichnet. Der Wein hatte feine Vanilletöne, sanfte Tannine und viel dunkle Frucht im Vordergrund.

                    ●○●

                    Käse von Maître fromager Affineur Antony

                    Was ist ein „Maître fromager affineur“? Immerhin wird dieser Titel der Käser-Gilde nur einigen Mitgliedern zuteil, auch wenn es keine offizielle Bezeichnung ist. Es sind weltweit keine hundert Firmen. Der „Maître“ muss also warten können und ein Gespür besitzen, wann ein Käse „perfekt" ist. Sie kommen frisch und jung aus der Käserei und reifen beim „Veredler“ dann bis zum Höhepunkt. Und Bernard Antony aus dem Elsass gilt dabei als einer der besten weltweit (in Deutschland zählt wohl Volker Waltmann aus Erlangen zur Spitze).

                    * PORT LBV Quinta do Tedo / 2011 Glas 5cl € 8,00

                    Vier Stücke Käse lagen sinnvollerweise ohne Dressing oder Sauce pur auf dem Teller. Guter Käse braucht keine Unterstützung (für mich). Von sanft nach eigenwillig habe ich sie verkostet. Der Roquefort (als letzter in der Runde) hat mir am besten zugesagt. Er hatte kaum noch Schärfe, sondern war sehr ausgewogen. Davor war der Munster. Wir werden wohl auch keine Freunde; denn er hat mir eigentlich noch nie besonders zugesagt. Ich weiß nicht woran das liegt; denn Epoisses, der ja nicht gerade lecker aussieht und auch seinen Duft nicht für sich behalten kann, ist mein absoluter Lieblingsweichkäse.
                    Die beiden sanften zu Beginn der Runde haben mir geschmeckt, aber ich habe mir die Namen nicht gemerkt; aber der zweite hat mir auch sehr zugesagt.

                    Ach ja, die gerösteten Kürbiskerne am Rand habe ich am Ende auch aufgegessen. Ich mag Kürbis eben.

                    Käse und Port sind Freunde und haben daher gut zusammen gespielt.

                    ○●○

                    Schokolade I Passionsfrucht I Blaubeeren
                    * Georg Seiler / Burgenland / Österreich Traminer Beerenauslese/ 2014/ Prädikatswein / süß Glas 5cl € 8,50

                    Der „Schokoladen-Riegel“ war innen in verschiedenen Schichten durchzogen, die ich jetzt nicht näher untersucht habe, sondern einfach Stück für Stück verzehrt und mich an den Aromen erfreut. Das cremige Eis passte gut als Kontrast dazu. Passionsfrucht und Blaubeeren rundeten den Teller ab.

                    Da ich Süßweine zu Käse und Dessert sehr schätze, passte die Beerenauslese für mich perfekt. Ein Wein darf für mich beim Nachtisch nicht mit Cremigkeit und Süße geizen. Ich weiß, dass es andere gibt, die einen Champagner an dieser Stelle bevorzugen.

                    Zum Ende haben wir noch Kaffee getrunken und dazu auch Petit fours erhalten. Da ich Haselnuss und Mandeln nicht vertrage blieb schon beim Dessert das „Nusssegel“ auf meinem Teller weg. Und auch der erste Teller mit süßen Kleinigkeiten hatte überwiegend Teile von Nougat und Marzipan. Aber der Pâtissier bemerkte das und legte einen zweiten Teller nach.

                    So hatten wir wirklich einen großartigen Nachmittag mit köstlichen Speisen und passenden Getränken.

                    Getränke

                    Wasser – 6,60 €

                    Weinbegleitung (siehe oben)

                    Kaffee – 2,50 €

                    Preis-Leistungs-Verhältnis

                    Das Menü war für 76 € ein Schnäppchen; aber mit dem Wein und der entsprechenden Kalkulation (zum Beispiel kostet eine Flasche vom ersten Wein im Internet etwa 10 Euro und das Glas hier 7 Euro – es wird aber großzügig eingeschenkt) relativierte sich das am Ende doch etwas. Aber das nur am Rande; denn das machen ja alle Restaurants heute so (oder nicht?).

                    Fazit

                    5 – unbedingt wieder – Besonders im Sommer könnte man das mit einem Spaziergang am Rhein verbinden. Auf jeden Fall ist in unseren Augen das Konzept gute Zutaten und gute Stimmung voll aufgegangen.

                    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

                    Datum des Besuchs: 21.11.2017 – mittags – zwei Personen

                    Kommentar


                    • #11
                      Werter kgsbus, das liest sich ohne Frage alles sehr positiv aber erlauben Sie mir bitte eine kritische Frage die sich zumindest mir beim Lesen gestellt hat: Inwiefern unterscheidet sich dieses Restaurant von den anderen 249 Einsternern in Deutschland? Steinbutt, Ente, steirisches Kürbiskern-Öl gibt es ja sehr oft in "gut" - es hat bei Ihnen nur noch Foie Gras gefehlt und das Klischee wäre komplett.

                      Von diesem Einwurf abgesehen: Ich glaube bei der Kalbszunge hat Sie Ihr Wissen worum es sich eigentlich handelt beeinflusst. Mir ganz persönlich fällt es bei einer gut zubereiteten Zunge recht schwer diese von einem anderen Schnitt zu unterscheiden. Meine erste Zunge habe ich damals in Japan unbewusst am Spieß gegessen und es zuerst fälschlicherweise für Filet gehalten. Ich kann dies ausblenden und zähle beim Rind oder Kalb die Backe, Zunge oder Bries gar nicht mehr zu den Innereien. Gehirn, Herz, Magen, Leber (von Stopfleber abgesehen) oder Nieren sind für mich dann schon nochmal etwas anderes und fordern mich noch einmal ganz anders.

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                      • #12
                        Geschätzter Frab!

                        Danke für Ihre Rückmeldung.

                        Kurz zu meiner Situation: Am liebsten esse ich am späten Mittag (Start 13 bis 14 Uhr), da gibt es in meiner Gegend gar nicht so viele Möglichkeiten – aber sie reichen mir schon mehr als aus. Zusätzlich reise ich (wenn mich keiner im Auto mitnimmt) mit Bus und Bahn – das war hier schon alles passend.

                        Trotzdem steht natürlich das Essen im Mittelpunkt.

                        Vielleicht unterscheidet sich die „Tant“ nicht so sehr vom Klischee.

                        Ich bin eben ein Gefühlsmensch: Neben den Gerichten müssen mich auch das Lokal und die Menschen ansprechen. Und für mich war alles stimmig.
                        Wenn die Tische nicht zu eng stehen, ist das für mich auch schon ein weiterer Pluspunkt (im Moissonnier zum Beispiel ist es mir das alles zu nah und zu wenig Platz; aber wenn es um Wein geht, ist Herr Moissonnier einfach großartig und ein unvergleichlicher Geschichtenerzähler).

                        Handwerk und gute Zutaten überzeugen mich auch stets (daher sind mir Vendome oder Sonnora so ans Herz gewachsen).
                        Den Service wünsche ich mir einfach locker, aber etwas „altmodisch“ darf es trotzdem sein (Frau Thieltges oder Herr Franzelin als Beispiele).

                        Mein ideales Lokal im Sternebereich ist für mich die Post in Odenthal: Haltestelle fast vor der Türe, empathische Menschen, Gerichte, die klassische Elemente haben und trotzdem kleine Überraschungen haben.

                        Als ich das obige Menü der Tant im Internet vor dem Besuch durchgelesen habe, fand ich das solide und erfreulich unspektakulär.

                        Und so kam es dann auch daher: einfach gut; zusätzlich habe ich mich wohl gefühlt und als Gast ernst genommen.

                        http://kgsbus.beepworld.de/:)

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                        • #13
                          Verstanden, lieber kgsbus! Eine schöne Website haben Sie im Übrigen, ich habe gestern noch etwas darin geschmökert.

                          Wenn ich Sie richtig verstehe - ich versuche das so objektiv und neutral darzustellen wie mir möglich - ist Ihnen beim Essen nicht immer ein Alleinstellungsmerkmal wichtig sondern einfach eine schöne Zeit mit einem klaren Erwartungswert zu haben - wenn das gegeben ist, kommen Sie gerne regelmäßig wieder (Post in Odenthal, Vendome, Sonnora) und kreativ "toben Sie sich" via YouDinner-Veranstaltungen aus. Das kann ich sehr gut verstehen und ist finde ich einfach eine Typfrage, an die ich vor meiner Frage gar nicht gedacht hatte!

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                          • #14
                            Zitat von Frab Beitrag anzeigen
                            Inwiefern unterscheidet sich dieses Restaurant von den anderen 249 Einsternern in Deutschland? Steinbutt, Ente, steirisches Kürbiskern-Öl gibt es ja sehr oft in "gut" - es hat bei Ihnen nur noch Foie Gras gefehlt und das Klischee wäre komplett.
                            Das gleiche habe ich mich auch gefragt, als vor kurzem Montag abends ausser dem Zur Tat auch wirklich gar nichts im Umkreis offen haben wollte. Ich habe mich dann unter Murren gefügt, Gottseidank muss man sagen. Allerdings sollte man nicht wegen des Ambiente kommen. Es ist innen etwas angegraut und auch draussen sass man bei der Hitze zwar angenehm, aber weder besonders komfortabel noch war die Rheinsicht in irgendeiner Weise postkartenverdächtig. Dafür war alles andere aber ganz formidabel.

                            Wir hatten auch zuerst die Kalbszunge mit Kernöl und Bries. Hier zeigte sich schon, dass hier mit viel Geschmackssicherheit, erstklassiger Technik und wunderbaren Produkten gearbeitet wird. War die Zunge schon ausgezeichnet, so war das Kalbsbries in allerhöchsten Sphären. Lange habe ich kein so perfekt gebratenes und so dickes Stück Bries gehabt, aussen ganz zart knusprig und innen fein cremig, ohne aber zu weich zu sein.

                            Besonders nervös hatten mich die beiden nächsten Gänge gemacht, zuerst Rotbarbe, dann Steinbutt. Im * Bereich habe ich da selten grosse Produktqualität erlebt, auch wenn Menüs deutlich mehr als die hier aufgerufenen 95 Euro kosten. Hier aber war die Rotbarbe sensationell frisch und die Küche hatte zurecht keinerlei Bedenken die rohe Fischleber in das Gericht einzubauen. Ebenso grossartig und perfekt gegart die dicke Steinbutttranche, die offensichtlich nicht von einem labbrigen Zuchtexemplar stammte. Dass dann auch der Käse noch von Antony kommt hat schon nicht mehr verwundert.

                            Lange hat mich ein Restaurant nicht mehr so positiv überrascht. Hier wird zwar nicht versucht das Rad neu zu erfinden. Aber hier kann man kochen, hat Geschmack und versteht Balance, und scheint keinerlei Kompromisse beim Einkauf zu machen. Der Service ist leger, angenehm und kenntnisreich, besonders auch in Bezug auf die verlockende und freundlich kalkulierte Weinkarte. Die Tante mit ihrem sympathischen Team verdient ein volleres Haus.

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                            • #15
                              Zitat von glauer Beitrag anzeigen

                              Hier aber war die Rotbarbe sensationell frisch und die Küche hatte zurecht keinerlei Bedenken die rohe Fischleber in das Gericht einzubauen. Ebenso grossartig und perfekt gegart die dicke Steinbutttranche, die offensichtlich nicht von einem labbrigen Zuchtexemplar stammte.
                              Da fragt man sich doch, woher die „Tant“ an einem Montag den frischen Fisch herbekommt.
                              Haben Sie das mal nachgefragt oder wissen es gar, werter glauer?

                              Schönen Gruß, Merlan

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